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Der Uhu Bubo bubo (L.) in Deutschland

Autökologische Analysen an einer wieder angesiedelten Population – Resümee´ eines Artenschutzprojektes. Bonn. Univ. Diss. 98; Shaker Verlag/Aachen: 154 S. + Anhang, 37 Abb., 30 Tab.; ISBN 3-8322-1444-5.

Der Wiederaufbau der Uhupopulation in weiten Teilen Deutschlands ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten des Artenschutzes, und gelang in nur 30 Jahren. Während in Bayern um 1960/70 noch ausreichend große Restbestände überdauert hatten, um die traditionellen Brutgebiete des Uhus Zug um Zug wieder zu besiedeln, schien eine natürliche Rückkehr im äußersten Westen und im Norden der Bundesrepublik eher unwahrscheinlich, zu gründlich war die Art dort ausgerottet worden. Verschiedene Initiativen versuchten dort, den Uhu über Zucht- und Auswilderungsprogramme in die Landschaft zurückzubringen. Das best-dokumentierte Projekt wurde 1960 in Nordrhein-Westfalen von der "Aktion Uhuschutz" gestartet, und mit großer Konsequenz durch die "Aktion zur Wiederansiedlung des Uhu" (AzWU) fortgesetzt; eine attraktive Zusammenarbeit des Museum Alexander Koenig/Bonn und Herrn Oswald von Frankenberg von den Solinger Stahlwerken. Dank dem systematischen Aufbau einer "Population unter Draht" konnten in ehemaligen Brutarealen von Harz, Weserbergland, Eifel und Saarland zwischen 1974 und 1998 insgesamt 2.600 Junguhus aus der Gefangenschafts-Nachzucht freigesetzt werden.

Die vorliegende Analyse basiert auf dem betreffenden Datensatz aus der Eifel, wo 1978-2000 systematische Erhebungen zur Habitatqualität, speziell zum Potential an Brutplätzen und deren Besetzungs-Frequenz durchgeführt wurden. Sie skizziert kurz die Ausrottungsgeschichte des Uhus und die heutigen Artenschutzprobleme in Deutschland, konzentriert sich im Wesentlichen aber auf Angebot und Nachfrage von Nistplätzen für den Uhu unter den Lebensraumverhältnissen der Eifel, wo eine erste Wiederbesiedlung bereits 1975/76 erfolgte, und sich seit 1990 eine vitale Population mit durchschnittlich 70-90 jährlich besetzten Brutrevieren etablieren konnte. Der Erfolg des Projektes zeigt sich auch in der überdurchschnittlich hohen Reproduktionsrate von durchschnittlich 1,12 Junge pro besetztem Brutgebiet.

Als zentralem Gesichtspunkt geht Dalbeck der Frage nach, wieweit sich qualitative Unterschiede von Brutplätzen in der Präferenz und Kontinuität der Besetzung durch den Uhu widerspiegeln. Dazu wurden für 421 potentielle Brutplätze unterschiedlichster Standorte jeweils 21 Habitat-Parameter aufgenommen und die Rate der jährlichen Besetzung von Revieren bzw. Brutplätzen samt Bruterfolg kontrolliert. Zusätzliche Hinweise zur Revierqualität wurden aus der Analyse des Beutespektrums erwartet. Durch telemetrische Überwachung von 11 Vögeln konnten völlig neue Einblicke zu Partnerwahl bzw. Paarbindung gewonnen werden.

Von den detailliert dargelegten Ergebnissen der Doktorarbeit seien die Feststellungen herausgegriffen, dass sich Uhus aus der anthropogen begründeten Population hinsichtlich Beuteerwerb und Beutespektrum in nichts von Wildpopulationen unterscheiden (also keine "Fehlprägung" auf Futtertiere aus der Volierenhaltung), dass die Partner von Brutpaaren auch kurzfristig wechseln können (also keine Dauerehe mit strenger Partnertreue) und dass Tages-Einstand und Brutplatz mitunter viele Kilometer entfernt liegen können. Für die Artenschutz-Praxis erscheint wichtig, dass die Präferenzen für die Brutnische keineswegs mit den Qualitäts-Kriterien übereinstimmen, die ihnen der menschliche Beobachter zuordnet! Mit dem Effekt, dass zahlreiche als "besonders günstig" eingestufte Brutplätze - gegenüber "suboptimalen" Brutnischen - gar nie aufgesucht oder benutzt worden waren. Gesichert ist gleichzeitig, dass sehr frühe Bruten erfolgreicher sind, vor allem in tieferen Lagen und in mikroklimatisch günstigeren Felsmulden aus Vulkangestein.

Im Diskussionsteil übergeht Dalbeck den Ideologien-Streit zwischen "hands on"-Aktivisten und "hands off"-Befürwortern, wie er speziell in Bayern intensiv geführt worden war, da sich die Frage nach einem möglichen Wiederaufleben wildlebender Uhubestände in der Eifel von vorneherein nicht stellte. Wenn auch der Bezugsraum Deutschland im Titel der Arbeit zu weit gefasst wurde, so macht das überaus positive Ergebnis des Artenschutzprojekts - aus einer von Industrie und dichter Besiedlung geprägten Region an der Westgrenze der Republik - jedenfalls Mut, die Entwicklungs-Chancen für den Uhu auch in Bayern etwas optimistischer einzuschätzen, wo aktuell ein rapider Bestandesrückgang befürchtet wird. Da die Ergebnisse jedenfalls eine hilfreiche Stütze für den Uhuschutz in Bayern sein können, sei diese Arbeit allen Interessierten dringend empfohlen.

W. Scherzinger


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