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Dominic Couzens (2011): Seltene Vögel. Überlebenskünstler, Evolutionsverlierer und Verschollene. 50 Portraits.

240 Seiten. Einführungspreis bis 31.10.2011 29,90 (D)/€ 30,80 (A)/CHF 43,90 39,90 (D)/€ 41,10 (A)/CHF 56,90 ISBN 978-3-258-07629-4

Das Buch vereint unterschiedliche, zumeist eindrucksvolle Vogelgestalten, die eines verbindet: ihre Seltenheit. Auf je zwei Doppelseiten stellt der Autor sie in Text und schönen Bildern vor: Lebensweise, Lebensraum, die Verbreitung (in Karten) und das Schicksal dieser Arten. Ein Schicksal, das mitunter skurril, in jedem Fall faszinierend, allerdings auch traurig ist.

Die Gründe für die Seltenheit der portraitierten Arten vom Affenadler bis zum Zwergflamingo sind zwar höchst unterschiedlich, fast immer aber ist der Grund zivilisatorischer Natur. Ursache des Bestandsrückgangs des Fleckenkauzes in Nordamerika beispielsweise ist die Forstwirtschaft. Der fatale Zusammenbruch der Population des Begalengeiers ist Folge des Diclofenac-Einsatzes in der Tierproduktion. Das Aussterben der schon von Natur aus seltenen Inselendemiten wie des Ultramarinloris in Polynesien ist das Werk eingeschleppter Ratten. Der Niedergang des Seggenrohrsängers hierzulande das Ergebnis der Zerstörung der Niedermoore.

Drei der 50 vorgestellten Seltenheiten sind Eulen: Neben dem schon genannte Fleckenkauz der 1997 in Indien wiederentdeckte Blewittkauz und in Südamerika der Peruanerkauz, dessen Los wie das so vieler anderer seltener Vogelarten ungewiss ist.

Jedes Einzelschicksal der auf unterhaltsam-anschauliche Weise vorgestellten 50 symbolträchtigen Arten ist eine Geschichte für sich - anrührend, spannend oder kurios, oft beschämend für die menschliche Rasse, mitunter aber auch ermutigend. Ermutigend im Falle der Arten, die unerwartet entdeckt, trotz widriger Umstände aus höchster Not gerettet oder verloren geglaubt und wiederentdeckt wurden. Der Autor hat die Schicksalsgeschichte der vorgestellten 50 Arten nach zehn solchen Aspekten geordnet.

Das Buch über die Opfer von Gier, Globalisierung, Raubbau und bisweilen unglücklicher Zufälle ist ein unaufdringliches, aber eindrückliches Plädoyer für den Artenschutz. Es zeigt: die Bedrohung der Biodiversität ist konkret und kein abstraktes Phänomen. Die Gründe fürs Aussterben sind oft banal. Bemerkenswerterweise zählt der medial beschworene globale Klimawandel eher nicht dazu. Jedenfalls bisher nicht. Möglich, dass in einer Neuauflage des Buches einige Arten fehlen werden - auch wenn der Klimawandel ausbleibt.

Wilhelm Breuer


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