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EGE für umfassende Unterschutzstellung von Steinkauzlebensräumen im Kreis Düren

Brief der EGE vom 19. Juni 2007 an den Kölner Regierungspräsidenten

Bezirksregierung Köln
Höhere Landschaftsbehörde
Zeughausstr. 2 - 10
50667 Köln
Bad Münstereifel, 19. Juni 2007

Zum Entwurf der Verordnungen der Bezirksregierung Köln zur Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten im Kreis Düren

Sehr geehrter Herr Regierungspräsident,
an die erforderliche Aktualisierung der Landschaftsschutzgebietsverordnung für den Kreis Düren hatte unsere Organisation keine weit gespannten Erwartungen geknüpft, aber doch eine gewisse Hoffnung, dass es der Bezirksregierung gelingen würde, wenigstens lokal zu einer zukunftsgemäßen Schutzgebietslandschaft zu gelangen. Diese Hoffnung hegten wir gerade im Hinblick auf den Schutz des Steinkauzes. Dreiviertel aller Steinkäuze in Deutschland leben in Nordrhein-Westfalen, jeder zehnte Steinkauz in der Kölner Bucht und davon wiederum etwa ein Drittel im Kreis Düren.

Die besondere Verantwortung der staatlichen Stellen in Land, Regierungsbezirk und Kreis, diese Art hier gewissermaßen für ganz Deutschland zu schützen, kann deshalb nicht in Frage stehen. Die Vorkommen konzentrieren sich auf das obstbaumbestandene Grünland in der Peripherie der Dörfer. Alle Stellen, die hier für den Schutz des Steinkauzes verantwortlich sind, also Landrat, Bürgermeister und die Fraktionen in den Kommunen, wissen um die Gefährdung und den stetigen Rückgang der Art im Kreis Düren. Und kennen die Ursachen.

1992 lebten in den Kreisen Düren und Euskirchen 330 Brutpaare. 2002 war der Bestand auf 275 Brutpaare gesunken. Das ist ein Verlust von 5,5 Brutpaaren pro Jahr oder annähernd 20 % des Bestandes in 10 Jahren. Für die Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts schätzt die EGE den Bestand auf etwa 450 Paare, was einem Rückgang um 40 % in weniger als 30 Jahren entspricht. Wir haben wenig Grund zu der Annahme, dass sich der Rückgang in den letzten Jahren spürbar verlangsamt haben könnte.

Dass wir den Steinkauz hier nur stellvertretend aufführen für eine ganze Lebensgemeinschaft zahlreicher gefährdeter Pflanzen- und Tierarten, für die Vielfalt des ländlichen Raumes und die kulturelle und geschichtliche Identität einer ganzen Region, müssen wir sicherlich nicht eigens herausstellen.

Die EGE erkennt die Bemühungen der Bezirksregierung Köln ausdrücklich an, die fortschreitende bauleitplanerische Inanspruchnahme der Steinkauzlebensräume seitens der Städte und Gemeinden zu bremsen und auf eine größere Umsicht in den Kommunen hinzuwirken. Ist die unsensible Baulandausweisung vieler Kommunen doch das Hauptproblem für die Zukunft des Steinkauzes in der Kölner Bucht. Diese Bemühungen sind aber - zumal für uns als eine ausschließlich ehrenamtlich tätige Organisation - nicht nur immens aufwändig, sondern zu oft leider auch erfolglos.

Dieser wenig zufrieden stellenden Situation kann am ehestens eine systematische Unterschutzstellung wenigstens der Kernlebensräume der Art ansatzweise abhelfen. Die Durchsicht der jetzt offen gelegten Entwürfe für Landschaftsschutzgebietesverordnungen für den Süd- und weit mehr noch für den Nordkreis Düren zeigen, in welchem Maße diese Chance nicht genutzt worden ist oder der Versuch als gescheitert bezeichnet werden muss. Das ist umso unverständlicher, weil die zu schützenden Lebensräume parzellengenau längst von der EGE - mit öffentlichen Mitteln bezuschusst - identifiziert sind. Soll es der einzige Zweck dieser Kartierungsergebnisse sein, den Prozess des gebilligten Niederganges einer Art nur mehr zu dokumentieren anstatt ihn umzukehren oder wenigstens anzuhalten?

Wir werten die defizitären Verordnungsentwürfe als einen Kotau gegenüber den Interessen der Landwirtschaft und einseitigen kommunalen Interessen. Wir vermögen ungefähr zu ermessen, welchen Zwängen sich die Bezirksregierung ausgesetzt sieht, können uns aber nicht denken, dass die Verordnungsentwürfe eine verantwortungsbewusste Antwort auf die gegenwärtige Situation sind. Fraglos wird eine Landschaftsschutzgebietsverordnung unter diesen schwierigen Umständen nicht immer alle naturschutzfachlichen Erfordernisse erfüllen können. Gleichwohl sollte aus dem Hause des Regierungspräsidenten zumindest ein Kompromiss erwartet werden können. Diesen können wir in den Verordnungsentwürfen beim besten Willen nicht erkennen.

Wir halten die Entwürfe deshalb auch nicht für hinreichend substanziell und konstruktiv, um einzelne Verbesserungen anzuregen, sondern wir möchten nachdrücklich an Sie appellieren, die Entwürfe insgesamt und im Kern zu überdenken und einen erneuten Versuch zu unternehmen, in und mit den Verordnungen pflichtgemäß und wie es den Erwägungen des Landschaftsgesetzes für Landschaftsschutzgebiete entspricht, Natur und Landschaft zu schützen - und nicht etwa Landwirtschaft und Bauland vor einem am Gemeinwohl orientierten Naturschutz. Die Verordnung sollte deswegen insbesondere die Steinkauzlebensräume, also wenigstens einen Teil des noch vorhandenen Grünlandes, durchgreifend vor Umbruch und Baulandausweisung schützen. Ohne diesen Schutz werden die bisherigen mühseligen Anstrengungen, fallweise und immer wieder aufs Neue die wertvollsten Bereiche vor Bebauung zu bewahren, noch dringlicher sein denn je.

Wenn dieses Ziel nicht mehr Grundanliegen einer Bezirksregierung ist oder nicht mehr nach Außen hin glaubwürdig vertreten werden kann, stellt sich die Frage, welchen Stellenwert die Landesregierung der "Erhaltung der Schöpfung", um den Ministerpräsidenten beim diesjährigen Evangelischen Kirchentag in Köln zu zitieren, tatsächlich beimisst. Unter diesen Umständen ist der Schritt eines benachbarten Bundeslandes, Naturschutzaufgaben rigoros zu kommunalisieren, zwar der Sache abträglich, aber immerhin konsequent.

So sehen wir die Gründe für die Defizite in den Verordnungsentwürfen nicht zuletzt in der Haltung der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Deshalb senden wir eine Kopie dieses Schreibens dorthin.

Mit freundlichen Grüßen
Wilhelm Breuer
Geschäftsführer

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