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Presseinformation 01/2003

Steinkauz in Nordrhein-Westfalen immer seltener

Der Steinkauz zählt in Deutschland zu den stark gefährdeten Brutvogelarten. Der größte Teil des deutschen Bestandes befindet sich mit 4.500 Paaren in Nordrhein-Westfalen. Der Steinkauz besiedelt vor allem Grünland mit hohlen Bäumen, insbesondere Kopfweiden in Niederungen und alte Obstwiesen in der Peripherie der Dörfer.

Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE) beobachtet seit Jahren die Steinkauzbestände im Raum Aachen - Düsseldorf - Köln, einem Zentrum der Steinkauzverbreitung in Deutschland. In dem 900 km² großen nordrhein-westfälischen Untersuchungsgebiet sank die Anzahl der Steinkauzpaare in den letzten zehn Jahren von 280 auf 230. Das ist eine Verlustrate von annähernd 20%. In Dörfern mit noch vor wenigen Jahren zehn und mehr Steinkauzpaaren hat sich die Zahl halbiert. Die Liste der Dörfer ohne Steinkäuze wird von Jahr zu Jahr länger. - Der Steinkauzbestand des Untersuchungsgebietes lag 1975 nach Schätzungen der EGE noch bei 400 Paaren.

Diese Bilanz zog jetzt die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen. Sie hat auch die Ursachen für den dramatischen Rückgang untersucht. Die Verluste gehen vor allem auf das Konto von Baulandausweisungen in den Gemeinden. In der Kölner Bucht z. B. leben neun von zehn Steinkäuzen in der unmittelbaren Peripherie der Dörfer. Genau hier entsteht ein Baugebiet nach dem anderen.

Nach dem neuen Bundesnaturschutzgesetz dürfen Eingriffe, welche unersetzbare Lebensräume streng geschützter Arten zerstören nur noch zugelassen werden, wenn zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses diese Eingriffe rechtfertigen. Der Steinkauz zählt zu den streng geschützten Arten. In der Bauleitplanung gilt die Eingriffsregelung des Bundesnaturschutzgesetzes; auf die noch ausstehende Novellierung des Landesnaturschutzgesetzes kommt es nicht an. Die EGE stellt fest, dass die neue Rechtslage für die Genehmigung von Flächennutzungsplänen nicht nur bei den Städten und Gemeinden, sondern auch bei den Naturschutzbehörden offensichtlich überhaupt nicht bekannt ist. Dabei handelt es sich um eine der wenigen wirklich substanziellen Verbesserungen der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung, die das neue Bundesnaturschutzgesetz gebracht hat.

Die EGE sieht die Versäumnisse nicht nur bei den Kommunen, sondern auch bei den Bezirksregierungen. Sie sind für die Prüfung der Flächennutzungspläne und für die Durchsetzung der naturschutzrechtlichen Ausgleichsvorschriften verantwortlich, kommen dieser Verantwortung aber offensichtlich nicht nach. Die nordrhein-westfälische Landesregierung lasse den Kommunen freie Hand: Kommunale Nachsicht statt kommunale Aufsicht, so die EGE. Dabei trage dieses Bundesland für den Schutz des Steinkauzes in Deutschland die nationale Verantwortung. Diese Verantwortung dürfe nicht in das Belieben der Kommunen gestellt werden. Die EGE fordert die nordrhein-westfälische Landesregierung auf, Steinkauzlebensräume endlich ausreichend streng zu schützten und den Vollzug der naturschutzrechtlichen Vorschriften in den Kommunen sicherzustellen.

Die EGE vergleicht die Situation mit der Lage des Weißstorches in Deutschland in den siebziger Jahren. In dieser Zeit wurden in Norddeutschland im großem Umfang Feuchtwiesen trockengelegt. Infolgedessen ging die Anzahl der Weißstörche dramatisch zurück. Ein ebensolcher Rückgang ereignet sich dreißig Jahre später beim Steinkauz - mit einem Unterschied: Damals scheiterte der Naturschutz an unzureichendem Naturschutzrecht und an der Landwirtschaft. Der Steinkauz hingegen verschwindet zu einer Zeit bester Naturschutzvorschriften und ausgerechnet in einem Bundesland mit rot-grüner Regierungsverantwortung.

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