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Presseinformation 02/2003

Schutzgebiete für den Uhu in der Eifel

EGE legt der Europäischen Kommission Liste Europäischer Vogelschutzgebiete vor

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft müssen Gebiete, die zum Schutz bestimmter Vogelarten wichtig sind, streng schützen und als Europäische Vogelschutzgebiete der Europäischen Kommission in Brüssel melden. Zu den Vogelarten, für die solche Schutzgebiete einzurichten sind, zählt auch der Uhu. Nach dem Gemeinschaftsrecht hätte Deutschland die Einrichtung dieser Schutzgebiete bereits 1981 abschließen müssen. Für die Unterschutzstellung und Meldung dieser Gebiete sind in Deutschland die Bundesländer zuständig. Mehr als zwanzig Jahre danach gibt es in Deutschland nur wenige solcher Schutzgebiete - in der Eifel z. B. nicht ein einziges. Deshalb hat die EU Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet. An dessen Ende können die Verurteilung vor dem Europäischen Gerichtshof, der Verlust von Fördermitteln der EU und die Zahlung von Strafgeldern in Millionenhöhe stehen.

Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE) hat jetzt der Europäischen Kommission in Brüssel die Gebiete benannt, welche nach Auffassung der EGE zum Schutz des Uhus in der Eifel als Europäische Vogelschutzgebiete unter einen strengen Schutz zu stellen sind. Der Geschäftsführer der EGE, Wilhelm Bergerhausen: "Nachdem die Landesregierungen die Unterschutzstellung seit Jahrzehnten verschleppen, mussten wir handeln."

Die EGE hat in der Eifel insgesamt sechs Gebiete identifiziert, die für den Schutz des Uhus von europäischer Bedeutung sind:
1. die Täler von Rur und Urft,
2. die Nördliche Vor- und Kalkeifel,
3. die Dauner Maareifel,
4. das Moseltal,
5. das Mittelrheinische Becken und
6. das Ahrtal.
In diesen Gebieten leben 58 der 70 in der Eifel vorkommenden Brutpaare. Vier der Gebiete liegen in Rheinland-Pfalz, zwei in Nordrhein-Westfalen.

Die Gebietsabgrenzung und die Kriterien, die zu dieser Abgrenzung geführt haben, hat die EGE in der Fachzeitschrift des Bundesamtes für Naturschutz "Natur und Landschaft" veröffentlicht und der EU Kommission in Brüssel vorgelegt, welche über die Einhaltung der Vorschriften des europäischen Naturschutzrechts wacht. "Diese Veröffentlichung", so Wilhelm Bergerhausen, "dürfte den betroffenen beiden Bundesländern noch einige Schwierigkeiten bereiten. EU Kommission und Europäischer Gerichtshof ziehen nämlich solche von Nicht-Regierungsorganisationen auf wissenschaftlicher Grundlage vorgenommenen Abgrenzungen heran, um die Meldung der Mitgliedsstaaten auf Vollständigkeit zu überprüfen."

Gebiete, welche die Kriterien von Europäischen Vogelschutzgebieten erfüllen, unterliegen als sogenannte "faktische Vogelschutzgebiete" einem strikten Verschlechterungsverbot - auch dann, wenn sie von der Regierung gemeinschaftsrechtswidrig nicht als Vogelschutzgebiete geschützt und gemeldet worden sind. Diese Gebiete sind damit strenger geschützt, so die EGE, als die Uhus z. B. im Tal der Rur bisher geschützt waren. Dort sind in der Vergangenheit immer wieder Uhubruten zerstört und junge Uhus zu Tode gekommen, wofür die EGE den Klettersport verantwortlich macht. Der Bruterfolg der Uhus im Rurtal ist wegen massiver Störungen sehr gering; die Uhus sind dort auf Einwanderung aus anderen Teilen der Eifel angewiesen - für die EGE eine unhaltbare Situation: "In einem Europäischen Vogelschutzgebiet sind solche Zustände nicht nur unwürdig, sondern rechtswidrig. Wenn das Gebiet nicht bald vor den Auswüchsen der Spaßgesellschaft geschützt wird, bringen wir die Sache vor die Europäische Kommission. Mit der Bekanntgabe der Gebietsabgrenzung haben wir den ersten Schritt getan", sagt der Geschäftsführer der EGE, Wilhelm Bergerhausen.

Die Meldung der sechs Gebiete als Europäisches Vogelschutzgebiet für den Uhu schränke, so die EGE, Erholung, Land- und Forstwirtschaft nur wenig ein, schließe aber z. B. den Klettersport, die Errichtung von Windenergieanlagen oder Wegebau in der Nähe der Brutplätze vollständig aus. Nach Auffassung der EGE müssen in Deutschland in mindestens 15 bis 20 Regionen Schutzgebiete für den Uhu eingerichtet werden. Eine dieser Regionen ist die Eifel. Die 58 Brutpaare in den sechs Gebieten der Eifel machen etwa acht Prozent des deutschen Brutbestandes aus.

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