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Presseinformation 06/2006

EGE ruft Pferdehalter zu mehr Rücksichtnahme auf

In Deutschland besiedelt der Steinkauz vor allem das mit alten höhlenreichen Obstbäumen, Kopfweiden oder auch Eichen bestandene Grünland. "Ein Lebensraum", so Wilhelm Bergerhausen, Geschäftsführer der in Heimbach in der Eifel ansässigen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE), "der schneller schwindet als der tropische Regenwald. Hier sterben die Bäume allerdings nicht unter den Motorsägen internationaler Holzkonsortien, sondern an der bloßen Vorliebe des Pferdes für Rinde und der mangelnder Umsicht der Pferdehalter und Grundbesitzer." Das Hobby einiger weniger Personen dürfe nicht zu Lasten der Natur und der Allgemeinheit betrieben werden, meint die EGE.

Die Fraß- und Schälschäden, welche die Pferde an den Bäumen verursachen, bringen die Höhlenbäume der Käuze binnen weniger Jahre zum Absterben. Fehlt den Bäumen im Sommer das Schatten spendende Laub, macht die Sonneneinstrahlung jede Baumhöhle zum Backofen. Deshalb zieht kein Kauz in einen solchen Baum, der beim nächsten Sturm ohnehin krachend zusammenbricht. Genauso ergeht es den anderen Höhlenbewohnern: Grünspecht, Gartenrotschwanz und Fledermäusen zum Beispiel. Allesamt Arten der Roten Liste.

Zwar ließen sich die Bäume leicht vor Verbiss schützen, aber die Tierliebe reiche bei vielen Menschen wohl nur fürs Pferd, klagt Bergerhausen. Deshalb stehen in vielen Teilen Deutschlands nicht nur Pferde auf der Weide, sondern immer mehr Baumleichen. Auch das sei, neben der Ausweisung neuer Baugebiete am falschen Ort, ein Grund für das stetige Schwinden des Steinkauzbestandes. In der Kölner Bucht etwa schwindet der Bestand nach EGE-Angaben jährlich um zwei Prozent.

Dabei könnte, so Wilhelm Bergerhausen, die Fahrlässigkeit der Pferdehalter und Grundbesitzer durchaus Folgen haben: Es ließen sich nämlich der Baumfrevel bei Berufung auf § 42 des Bundesnaturschutzgesetzes, der die Brut- und Lebensstätten des Steinkauzes vor Beschädigung und Zerstörung schützt, mit empfindlichen Geldbußen ahnden und die Neupflanzung von Bäumen auf Kosten der Tierhalter und Grundeigentümer anordnen. Die EGE werde deshalb künftig, so kündigt die EGE in ihrem Steinkauzprojektgebiet in Nordrhein-Westfalen an, jeden von Pferden herbeigeführten Baumfrevel mit Ross und Reiter zur Anzeige bringen. Dabei könnte das Pferd vielerorts helfen, den Grünlandbestand zu erhalten - gerade dort, wo die Kühe nicht mehr auf der Weide grasen, sondern ganzjährig im Stall stehen.

Zugleich setzen die Naturschützer auf die Einsicht der Pferdehalter und Grundeigentümer: Diese hätten selbst allen Grund als echte Natur- und Tierfreunde, die Bäume als Schattenspender für ihre Weidetiere zu erhalten und zu vermehren. Auch die Bevölkerung sollte sich den Schutz der Natur vor der eigenen Haustüre angelegen sein lassen und Pferdehaltern nicht alles durchgehen lassen. Einen weiteren Appell richtet die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen an die Pferdehalter: "Immer wieder finden wir Steinkäuze und Schleiereulen, die in Viehtränken jämmerlich ertrunken sind. Ein Holzbalken quer in die Tränke gelegt, könnte ihnen das Leben retten." Ein Appell, der auch den Großvieh haltenden Landwirten gilt.

Nach Angaben der Eulenschützer ist die Zahl der brütenden Steinkäuze und auch die Zahl der Jungvögel je Brut so gering wie noch nie. Hierfür macht die EGE nicht allein den langen Winter und ungünstigen Witterungsverlauf des Frühjahres verantwortlich, sondern die fortschreitende Lebensraumzerstörung. Umso wichtiger sei es, die wenigen Steinkauzlebensräume zu schützen - nicht zuletzt vor den Verbissschäden der Pferde.

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