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Der Bartkauz (Strix nebulosa)

Bartkauz © Rosl Rößner

Kennzeichen

Der Bartkauz ist fast so groß wie ein Uhu. Der Kopf ist hingegen größer und ohne Federohren, das Gefieder grau und der Schwanz ziemlich lang. Besonders auffallend ist das große Gesicht mit den verhältnismäßig kleinen gelben Augen, zwei halbmondförmigen weißen Wülsten zwischen Augen und Schnabel, dem schwarzen Kehlbart und 6-8 konzentrischen dunklen Ringen im sehr ausgeprägten Schleier. Die Unterseite zeigt bei der eurasischen Form des Bartkauzes auf hellem Grund kräftige dunkle Längsstreifen, bei der nordamerikanischen Form dagegen Querbänderung.

Verhalten

Hauptsächlich in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv; aber im Januar, wenn die Tage sehr kurz sind, sowie während der Jungenaufzuchtzeit im Juni auch am Tage aktiv. Der Flug ist verhältnismäßig langsam; nach zwei oder drei Flügelschlägen folgt segelndes Gleiten. Die Jungen werden vom Weibchen sehr aggressiv verteidigt; es greift dann auch herankommende Menschen an.

Lautäußerungen

Der Reviergesang des Männchens im Frühjahr ist eine Folge tiefer, dumpfer "ho-ho-ho-ho"-Rufe. Eine Strophe dauert 5-8 Sekunden und besteht aus 10-12 Rufen. Sie sind verhältnismäßig leise, etwa 500 m weit vernehmbar. Am Brutplatz sind unterschiedliche Lautäußerungen zu hören.

Bartkauz im Suchflug © Rosl Rößner

Nahrung

Trotz seiner Größe erbeutet der Bartkauz auffallend kleine Tiere. Die Hauptnahrung bilden vor allem Erd- und Rötelmäuse sowie Waldspitzmäuse; in sehr geringem Umfang werden auch Frösche und Vögel erbeutet. Gejagt wird im Suchflug oder von einem Ansitz aus, wobei die Beutetiere nur mit Hilfe des Gehörs lokalisiert werden (z. B. auch unter einer Schneeschicht).

Verbreitung

Bartkäuze leben im nördlichen Schweden und in Finnland, außerdem im Norden Russlands und Nordamerikas. Das zirkumpolare Verbreitungsgebiet entspricht dem Areal der nördlichen Nadelwälder, die man als Taiga bezeichnet. In guten Mäusejahren kann dort die Siedlungsdichte 9 Brutpaare auf 100 km² betragen. Der Bartkauz ist im allgemeinen ein Stand- und Strichvogel. Nach dem Zusammenbruch von Mäuse-Gradationen finden jedoch in manchen Jahren ausgedehnte Wanderungen statt, die sich bis nach Südskandinavien und ins Baltikum erstrecken können.

Bartkauzlebensraum © Eberhard Giese

Lebensraum

Der Bartkauz bewohnt hochstämmige, dichte Fichten- und Kiefernwälder mit angrenzenden oder eingelagerten Offenlandbereichen wie Moore oder Kahlschläge.

Fortpflanzung

Die Brut findet meist auf alten Greifvogelnestern (vor allem von Habicht und Mäusebussard) statt, aber auch auf Baumstubben ab etwa 1,80 m Höhe, auf denen das Weibchen eine flache Vertiefung scharrt. Die Balzzeit ist von Anfang März bis Mitte Mai. Die Eiablage beginnt Anfang April; Nachgelege sind bis Mitte Juni möglich. Eine Jahresbrut; bei Mäusemangel fällt die Brut aus. Das Gelege besteht aus 3-6, meist 4 oder 5 Eiern, die im Abstand von 1 bis 3 Tagen gelegt werden. Die Brutdauer beträgt 28-30 Tage. Die Jungen wiegen beim Schlüpfen etwa 40 g, wachsen sehr schnell und können bereits im Alter von 14 Tagen etwa 500 g schwer sein. Sie verlassen das Nest schon mit 20-29 Tagen, können aber erst im Alter von 55 Tagen gut fliegen. Bis Mitte September bleiben sie noch im Familienverband.

Bestand

Der Brutbestand wird in Europa im Mittel auf 4.400 Paare geschätzt. In Norwegen brüten 0-10, in Schweden 250-500 und in Finnland 300-1.500 Paare. Im europäischen Russland leben 1.500-4.500 Paare, höchsten je 100 Paare in Weißrundland und der Ukraine.

Gefährdung und Schutz

Die Lebensräume des Bartkauzes sind vielerorts der modernen Forstwirtschaft zum Opfer gefallen. Auch die mehrere Meter hohen Baumstümpfe, auf denen Bartkäuze brüten, werden in der heutigen Forstwirtschaft nicht mehr geduldet. In den großflächig jungen Waldbeständen, die es heute in seinen Vorkommensgebieten gibt, kann der Bartkauz meist nur dann erfolgreich brüten, wenn ihm künstliche Nester bereitgestellt werden.

Bartkauz © Rosl Rößner

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