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Habichtskauz (Strix uralensis)

Kennzeichen

Ähnlich Waldkauz, aber erheblich größer und in der Gefiederfärbung meist heller. Unterseite mit dunklen Längsstreifen ohne Querzeichnung. Der sehr deutlich ausgeprägte Gesichtsschleier ist auffallend hell mit zarter dunkler Radialstrichelung und dunklem Mittelstrich oberhalb des gelben Schnabels.

Die Iris der verhältnismäßig kleinen Augen ist schwarzbraun. Der Schwanz ist relativ lang und keilförmig abgerundet. Im Flugbild erinnern die längsgestreifte Unterseite und die kräftige Querbänderung auf Schwanz und Flügeln an einen jungen Habicht. Das Weibchen ist etwas größer als das Männchen.

Habichtskauz © Gordana und Ralf Kistowski

Verhalten

Vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, aber auch tagaktiv, vor allem während der Jungenaufzucht; gelegentlich auch im Winter am Tage jagend. Wenig scheu, so dass mitunter Annäherung bis wenige Meter möglich ist. Am Brutplatz reagieren die Weibchen oft sehr aggressiv auf Störungen.

Lautäußerungen

Viele sehr variable Laute. Ganzjährig, vor allem im Herbst und Spätwinter, äußern Männchen und Weibchen die durchdringenden und weitwahrnehmbaren bellenden Rufe "wau-wau", die in Abständen von 2 bis 4 Sekunden oft eine Stunde lang zu hören sind; außerdem ein kreischendes "korah", auch im Duett.

Der Reviergesang des Männchens im Frühjahr besteht aus einer Folge tiefer und dumpfer "huh"-Laute, die im Abstand von 2 bis 5 Sekunden ertönen und teils laut hallend (gegenüber Rivalen, 1 bis 2 km weit zu hören), teils leise und weich (gegenüber dem Weibchen, nur etwa 300 m weit hörbar) vorgetragen werden. Die Bettelrufe der Jungen ähneln denen junger Waldkäuze.

Jagdweise und Nahrung

Der Habichtskauz jagt wie der Waldkauz im Wald, meist vom Ansitz aus, scheint aber in stärkerem Maße als der Waldkauz auch auf offene Jagdflächen (Lichtungen, Wiesen, Moore) angewiesen zu sein.

Beutetiere sind hauptsächlich Wühlmäuse, die Zweidrittel der Gesamtnahrung ausmachen. Daneben werden Spitzmäuse, Vögel, Amphibien und Insekten erbeutet. Mäuse werden noch unter 20 bis 30 cm hohem Schnee gegriffen, also offenbar akustisch lokalisiert.

Die Gewölle des Habichtskauzes sind wegen des häufigen Wechsels der Tageseinstände nur schwer zu finden. Die Gewölle sind etwa so groß wie große Waldkauzgewölle und von diesen kaum unterscheidbar.

Habichtskauz © Gordana  und Ralf Kistowski

Verbreitung

Von Schweden und Finnland an ostwärts in der Taiga-Zone Eurasiens bis nach Sachalin, Korea und Japan; außerdem als eiszeitliches Reliktvorkommen in den Gebirgen Südeuropas (Beskiden, Karpaten, Gebirge im ehemaligen Jugoslawien) bzw. in Zentralchina.

Der Habichtskauz starb in Deutschland vor etwa 90 Jahren aus. Im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojektes im Nationalpark Bayerischer Wald wurden von 1975 bis 2005 über 200 Habichtskäuze freigelassen. Die erste Brut frei lebender Habichtskäuze wurde dort 1989 nachgewiesen. Derzeit lebt im Bayerischen Wald eine kleine, vermutlich sich selbst tragende Population mit etwa einem Dutzend Brutpaaren. Einige weitere Paare leben auf dem Gebiet des angrenzenden tschechischen Nationalparks, in dem von 1989 an erfolgreich Habichtskäuze ausgewildert wurden. Früher kam der Habichtskauz als sporadischer Brutvogel auch in Kärnten und in der Steiermark vor.

Lebensraum

In der Ostslowakei und im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens meist in alten Rotbuchenbeständen lebend, in denen vorwiegend alte Greifvogelnester als Brutplatz dienen. In Schweden und Finnland generell in reich strukturierten Laub- und Mischwäldern mit lichten Altholzbeständen.

Die Siedlungsdichte kann bei gutem Nahrungs- und Brutplatzangebot recht hoch sein. In der Ostslowakei brüteten 3 Paare erfolgreich nur 300 bis 500 m voneinander entfernt, während sonst der Abstand zwischen benachbarten Brutplätzen 2 bis 5 km beträgt.

Fortpflanzung

Geschlechtsreife im ersten Lebensjahr. Balz schon ab Januar mit Höhepunkt im März. Als Brutplatz dienen in Südosteuropa meist Greifvogelnester; in Nordeuropa häufiger Baumhöhlen in abgebrochenen Stämmen, außerdem entsprechend große Nistkästen. Nur eine Jahresbrut; bei Nahrungsverknappung totaler Brutausfall. Legebeginn ist Ende Februar bis Mitte April. Das Gelege besteht aus 1 bis 6, meist 3 bis 4 Eiern. Der Legeabstand beträgt 2 bis 3 Tage, die Brutdauer 28 Tage. Altvögel sind in der Regel standorttreu; Jungvögel verstreichen, maximal aber nur 150 km.

Habichtskauz © Gordana und Ralf Kistowski

Bestand

Der Bestand dürfte sich in Polen auf höchstens 700, in der Slowakei auf 1.400 bis 2.500, Ungarn auf 100 bis 200, in Tschechien auf 25 bis 40 und in Kroatien auf 700 bis 1.000 Brutpaare belaufen. Für Schweden können 2.000 bis 2.700 und für Finnland 2.500 bis 4.000 Brutpaare angenommen werden.

Gefährdung und Schutzmaßnahmen

Eine große Gefahr geht vom Straßenverkehr und von Zäunen aus, da der Habichtskauz Freiflächen knapp über dem Boden fliegend quert. Wie andere auf Höhlenbäume angewiesene waldbewohnende Eulenarten hat die Fortwirtschaft einen erheblichen Einfluss auf den Erhaltungszustand der Art. Allerdings profitiert die Art auch von der Kahlschlagwirtschaft, weil sich so die Jagdhabitate verbessern. Bei einem Mangel an natürlichen Nistplätzen können Nistkästen für Abhilfe sorgen. Vielfach brütet die Art in solchen Nistkästen.

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