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Nachrichten

Petri Heil? - Januar 2021

Toter Eisvogel in einer Angelschnur © Rolf Thiemann

Angelsport ist tödlich. Nicht nur für Fische, sondern bisweilen auch für Eisvögel, die nicht aus Zeitvertreib fischen, sondern weil es ihrer Natur gemäß ist und sie nicht anders können. Achtlos weggeworfene Angelschnüre und verlorengegangene Angelhaken haben das Potential zum Tierdrama. Ein solches ereignete sich gerade an einem Gewässer westlich von Köln. Im Herbst steckte ein Angelhaken sogar im Gefieder eines der Uhus vom Hildesheimer Dom. Umsicht und Naturverbundenheit mancher Angler scheinen begrenzt zu sein. Dessen ungeachtet sind die Angelvereine in einigen Bundesländern gesetzlich anerkannte Naturschutzvereinigungen.

Verwaltungsgerichtshof zieht hessische Verwaltungsvorschrift in Zweifel - Januar 2021

Kornweihe © www.as-naturfotografie.de

Die Nutzung der Windenergie sei grundsätzlich stärker zu gewichten als der Schutz von Vögeln und Fledermäusen, die an den Anlagen zu Schaden kommen können. Diese Vorrangstellung hatte die hessische Landesregierung in einem Erlass festgelegt. Die zu Beginn des Jahres in Kraft getretene Verwaltungsvorschrift geht auf Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und seine für die Umwelt zuständige Kabinettskollegin Priska Hinz zurück. Beide gehören der Partei Bündnis90/Die Grünen an. Von einer solchen Vorrangstellung für die Windenergiewirtschaft träumen vor allem Bündnisgrüne. Doch dieser Traum ist bis auf weiteres ausgeträumt. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof stellte nämlich fest, dass diese Verwaltungsvorschrift gegenüber Gerichten keine Bindungswirkung habe. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung titelte: "Hessen und die Windkraft - Ideologie im Amtsblatt".

Per Erlass hatte die Landesregierung auch den Mindestabstand von Windenergieanlagen zu Rotmilannestern von 1.500 auf 1.000 m reduzieren wollen - und dies mit einer so fragwürdigen Begründung, dass die Richter den Urhebern der Vorschrift die Beachtung wissenschaftlicher Standards absprechen. Beobachter wundert die Vorgehensweise der Landesregierung nicht. An wissenschaftlicher Expertise auf dem Gebiet des Artenschutzes sei ihr, so sagen Kritiker, nicht gelegen. Aus diesem Grund arbeite das hessische Umweltministerium an einer "Neuorganisation" der renommierten Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt. Von den üblichen "anerkannten" Naturschutzvereinigungen ist keine Kritik zu vernehmen. Dort ist man vermutlich "eingebunden". Statt die Staatlichen Vogelschutzwarten an Entscheidungen zu beteiligen, fragen Ministerien jetzt lieber den NABU, so berichten Insider. Überhaupt, nachdem die Verbände Jahrzehnte für den Aufbau einer professionellen Naturschutzverwaltung gestritten haben, möchten sie sich nun selbst an diese Stelle setzen als die für Politik und Wirtschaft bequemeren Akteure.

Heute geht es in der Auseinandersetzung immer weniger um "Klimaschutz versus Artenschutz", sondern Windenergie, Klimaschutz und Artenschutz werden zunehmend gleichgesetzt. Ein jüngstes Beispiel ist die Aussage von Prof. Dr. Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarbrücken im Magazin Plusminus des Saarländischen Rundfunks vom 07.10.2020: "Klimaschutz ist der beste Artenschutz. Um jeden einzelnen Rotmilan zu kämpfen, ist etwa so, als wenn Sie auf der sinkenden Titanic sich um die Aquarienfische sorgen."

Diese Gleichsetzung etabliert sich als ein neues gesellschaftliches Narrativ unter maßgeblicher Beteiligung von Umweltvereinigungen. So finden die alten Vereinnahmungsbestrebungen wie "Landwirtschaft ist angewandter Naturschutz", "Beton ist Leben", "Ohne Jagd kein Wild" und "Pelz ist Artenschutz" eine zeitgemäße Fortsetzung, allerdings ohne breiten Widerspruch, sondern maßgeblich von den Umweltvereinigungen vorangetrieben. Dabei deckt die Windenergie in Deutschland einer Statistik des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge aktuell etwa drei Prozent des Primärenergieverbrauchs. Selbst wenn man die Anzahl der heute 30.000 Anlagen verdoppeln würde, bliebe ihr Anteil an einer bedarfsgerechten Energieversorgung und der Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes überschaubar.

Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis 2021 - Januar 2021

Junge Waldohreule © www.wunderbare-erde.de

Die Nachwuchsförderung im Eulenartenschutz ist ein Anliegen der EGE. Deshalb hat die EGE den Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis gestiftet. Der Preis wird 2021 verliehen. Der Förderpreis ist nach dem Gründer der EGE, Wilhelm Bergerhausen, benannt. Wilhelm Bergerhausen hatte für die Wiederansiedlung des Uhus in Deutschland seit Mitte der 1970er Jahre in der damaligen AzWU an herausragender Stelle gearbeitet. Nach dem erfolgreichen Abschluss dieses Projektes gründete Bergerhausen 1990 die EGE. Bergerhausen verstand es, junge Menschen für den Naturschutz zu gewinnen. Wilhelm Bergerhausen starb überraschend im Jahr 2006 im Alter von 56 Jahren.

Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 176 KB), wenn Sie sich über die Teilnahmebedingungen informieren möchten.

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2021 - Dezember 2020

Sperlingskauz © www.as-naturfotografie.de

Herzlichen Dank sagt die EGE allen Personen, Verbänden und Einrichtungen, die mit Anregungen, Lob und Tadel, auf ideelle oder finanzielle Weise im zu Ende gehenden Jahr die Anliegen der EGE unterstützt haben.

Wenn Sie das alte Jahr mit einer guten Tat beenden oder das neue mit einer solchen beginnen möchten, bedenken Sie bitte die EGE mit Ihrer Spende. Ohne Ihre Unterstützung könnte die EGE nur wenig bis nichts erreichen. Selbstverständlich erhalten Sie eine Spendenbescheinigung.

Den Jahresbericht der EGE für das Jahr 2020 finden Sie hier (pdf-Datei, ca. 1,16 MB).

Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 200 KB), wenn Sie den diesjährigen Weihnachts-Spendenaufruf der EGE lesen möchten. Die EGE wünscht Ihnen frohe Weihnachten und ein gutes, gesundes neues Jahr!

UMK beschließt Signifikanzrahmen - Dezember 2020

Uhu vor Nachthimmel © www.wunderbare-erde.de

Die deutsche Umweltministerkonferenz (UMK) hat am 11.12.2020 ein 17seitiges Dokument mit einem sperrigen Titel beschlossen: "Standardisierter Bewertungsrahmen zur Ermittlung einer signifikanten Erhöhung des Tötungsrisikos im Hinblick auf Brutvogelarten an Windenergieanlagen an Land - Signifikanzrahmen". Die UMK verspricht sich davon, "Klima- und Naturschutz bestmöglich in Einklang zu bringen"; sie spricht von einem "Meilenstein in den Anstrengungen zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen".

Das Dokument beschränkt die "geeinte Liste kollisionsgefährdeter Brutvogelarten mit besonderer Planungsrelevanz" auf zwölf Arten: Baumfalke, Fischadler, Rohrweihe, Rotmilan, Schreiadler, Schwarzmilan, Seeadler, Steinadler, Uhu, Wanderfalke, Weißstorch und Wiesenweihe. Drei dieser Arten sollen in der Regel nur dann als kollisionsgefährdet gelten, wenn die Höhe der Rotorunterkante weniger als 30 bis 50 m bzw. im hügeligen Gelände weniger als 80 m beträgt. Diese drei Arten sind Rohr- und Wiesenweihe und Uhu.

Zum Schutz der zwölf Arten sieht der Rahmen artspezifische, im Einzelfall unterschreitbare Regelabstände von Windenergieanlagen zu den Brutplätzen dieser Arten vor - beispielsweise für Baumfalke 350 m, Rohr- und Wiesenweihe 500 m, Uhu 1.000 m, Rotmilan je nach Festlegung der Länder 1.000 bis 1.500 m.

Die Länder können die Liste der relevanten Arten öffnen; die "Umweltministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren verpflichten sich", hiervon "nur restriktiv Gebrauch zu machen". "Abweichungen von der geeinten Artenliste" sind gegenüber der UMK berichtspflichtig.

Auf welchen Erkenntnisquellen Liste, Regelabstände und weitere Setzungen beruhen, geht aus Beschluss und Dokument nicht hervor. Fraglich ist u. a., in welchem Verhältnis diese zu den im Jahr 2015 von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten veröffentlichten abweichenden "Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten" stehen. Die Verwaltungsgerichte haben diesen Abstandsempfehlungen bislang eine hohe fachliche Bedeutung zugemessen. Dem Vernehmen nach ist der Zusammenschluss der Vogelschutzwarten in Deutschland nicht am Zustandekommen des Beschlusses und des Signifikanzrahmens beteiligt worden. Die UMK scheint über andere Erkenntnisquellen zu verfügen.

Am Ende ihres Beschlusses unterstreicht die UMK "die konstruktive Rolle der Naturschutzverbände beim naturverträglichen Ausbau der Windenergienutzung" und verweist in ihrem Beschluss auf die "Einbindung" des "Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE)" und der "Fachagentur Windenergie an Land". Bundes- und Länderministerien, die Windenergiewirtschaft sowie der BUND sind an diesen Organisationen beteiligt. Das KNE war kürzlich für die Pläne der Bundesregierung eingetreten, den Ausbau der Windenergiewirtschaft per Gesetz zu einer Frage der öffentlichen Sicherheit zu erheben. Nach längeren Aussprachen in der großen Koalition und auf Drängen der Unionsparteien hat die Bundesregierung diesen Plan, nicht zuletzt wegen seiner Folgen für den Artenschutz, aufgegeben.

Gegenstand des UMK-Dokuments sind u. a. "Ablenkmaßnahmen", welche das Kollisionsrisiko für die genannten zwölf Vogelarten unter die Signifikanzgrenze senken sollen. Evidenzbelegt sind diese Maßnahmen nicht. Größenangaben für solche Maßnahmen trifft die UMK nicht. Dabei hatten in einer vom Bundesumweltministerium geförderten Studie Sachverständige bereits 2013 berechnet, dass um Rotmilane von einer Windenergieanlage wegzulocken, täglich eine Fläche von 2 ha gemäht werden müsse, was bei Anbau von Luzerne, die ungefähr alle fünf Wochen gemäht werden kann, eine Fläche von 70 ha erfordere. Die in der Praxis angebotenen Flächen umfassen zumeist weniger als ein Zehntel dieses Umfanges.

Die Länder Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein geben ergänzend zu Protokoll, dass eine "Neujustierung des Verhältnisses unterschiedlichster Schutzgüter erforderlich sein wird, um den Herausforderungen zum Schutz des Klimas und der biologischen Vielfalt gerecht zu werden". Gemeint ist eine Neujustierung des Verhältnisses von Klimaschutz und Artenschutz.

NABU und BUND scheinen mit den Beschlüssen zufrieden zu sein; die Windenergiewirtschaft ist es nicht. Die Fachmeinung der Staatlichen Vogelschutzwarten scheint schon seit längerer Zeit keine Rolle mehr zu spielen.

Uhubrutsaison 2020 - Dezember 2020

Video Uhuberingung

Im Frühjahr 2020 kam es in der Eifel zu vielen späten Nachtfrösten. Manche Uhus begannen zum üblichen Zeitpunkt mit der Brut, andere warteten mit der Eiablage auf mildere Nächte. Im Jahr 2020 konnte in der Eifel in 223 Habitaten eine Uhubesiedlung festgestellt werden; das sind zehn mehr als im Vorjahr. Mindesten 164 Uhupaare haben gebrütet (neun weniger als im Vorjahr). Allerdings wurden 21 % der Bruten aufgegeben; im Vorjahr lag der Anteil aufgegebener Bruten bei 16 %. Die auch noch nach dem Schlüpfen der Jungen oft kühle und windige Witterung behinderte die für die Festlegung der Beringungstermine wichtige Altersbestimmung und zwar einfach deswegen, weil die Uhuweibchen auch noch recht alte Küken huderten, so dass Stefan Brücher die jungen Uhus nur selten zu Gesicht bekam. Das Alter der Jungvögel wurde infolgedessen mehrfach unterschätzt. So hatten bei manchen der späteren Kontrollen die Jungvögel das Nest bereits verlassen. Nur durch Verhören war es dann noch möglich, eine früh ausgeflogene von einer gescheiterten Brut zu unterscheiden. An zwei sehr intensiv beobachteten Brutplätzen verschwanden die Junguhus spurlos; an weiteren drei Plätzen vermutlich ebenso.

Die Jungenzahl je erfolgreiche Brut betrug 1,95 Jungvögel. Im Vorjahr lag der Wert bei 2,11. Beringt wurden bei 103 Beringungen 208 Jungvögel (im Vorjahr bei 100 Beringungen 214 Jungvögel). Es gab 33 Bruten mit je einem, 62 mit je zwei, 25 mit je drei, vier mit je vier und eine Brut (erstmalig die zweite in Folge am selben Brutplatz) mit fünf Jungvögeln. Bei vier Bruten konnte die Jungenzahl nicht ermittelt werden. 22 der erfolgreichen Bruten wurden nicht beringt. Rechnet man die durchschnittliche Jungenzahl auf alle erfolgreiche Bruten hoch, ist von 253 Jungvögel auszugehen (im Vorjahr lag die Zahl bei 304). In der Eifel setzt sich der Trend zur Besiedlung von Bauwerken und kleinen Felsen fort. Solche Standorte lassen sich den topografischen Karten nicht in jedem Fall entnehmen. Deswegen und auch wegen möglicher Baum- und Bodenbruten bleiben manche Uhubruten sicherlich unentdeckt. Über die in diesem Jahr an Uhubrutplätzen festgestellten Problemen mit Mufflons und Geocachern hatte die EGE bereits im Oktober berichtet.

In einem Video haben Sonia Marie Weinberger und Stefan Brücher den Ablauf einer Uhuberingung dokumentiert. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie dieses Video anschauen möchten, um die mit einer Uhuberingung verbundenen Mühen zu ermessen. Diese Mühen hat Stefan Brücher in diesem Jahr 103 Mal auf sich genommen.

Beim Schenken an Eulen denken - Dezember 2020

Bartkauz © www.wunderbare-erde.de

Sie sind noch auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk für Freunde und Verwandte? Vielleicht finden Sie bei der EGE genau das Richtige.

Eine Eulenpatenschaft für eine einmalige Spende in Höhe von 100 Euro: Wildlebende Uhus, Schleiereulen und Steinkäuze, die in diesem Jahr in Deutschland geschlüpft und von Mitarbeitern der EGE mit Ringen der Vogelwarten Helgoland und Radolfzell gekennzeichnet wurden. Die EGE stellt die Patenschaftsurkunde nach Ihren Wünschen auf den Namen der beschenkten Person aus. Mit der Patenschaft gehen Sie und die beschenkte Person keine weiteren Verpflichtungen ein. Selbstverständlich erhalten Sie über den Betrag eine Spendenbescheinigung.

Und auch wenn Sie zu Weihnachten Kinder- und Jugendbücher über Eulen verschenken möchten, sind Sie bei der EGE genau richtig: "Wo die Eule schläft. Abenteuer Naturschutz" und "Die Uhus vom Dom. Eine Zeitreise durch zwölf Jahrhunderte" von Wilhelm Breuer und "Wer die Eule liebt" von Dorothee Warnecke. Der Erlös kommt den Eulenschutzprojekten der EGE zugute.

Neue Ausgabe von "Nationalpark" erschienen - Dezember 2020

Cover Nationalpark 4/2020

Ob die Weisen aus dem Morgenland heute einem Stern am Nachthimmel noch folgen könnten? Der Sternenhimmel ist zum bedrohten Schutzgut geworden. Die 24-Stunden-Gesellschaft macht die Nacht zum Tag. Ihr künstliches Licht lässt das nächtliche Firmament verblassen und die Milchstraße verschwinden. Die Nacht braucht Schutz und Stille wie die Heilige Nacht. Dunkelheit und Stille drängen sich als neue Schutzgüter großer Schutzgebiete auf. Damit befasst sich die Titelgeschichte der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Nationalpark".

Im aktuellen Heft finden Sie eine Vielzahl weiterer Beiträge, darunter in der Reihe "Menschen und Geschichten" eine Buchrezension "mit dem Abstand der Jahre" von EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer "Bei den Tieren daheim". Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 184 KB), wenn Sie diesen Beitrag lesen möchten.

Die Zeitschrift "Nationalpark" berichtet auf 46 Seiten viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, großer Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift leistet sich, was in der deutschen Zeitschriftenlandschaft eine Ausnahme ist: einen unabhängigen, kritischen und fundierten Blick auf die Sache des Naturschutzes. Herausgeber der Zeitschrift ist der "Verein der Nationalpark-Freunde e.V." Die EGE empfiehlt diese Zeitschrift mit den Worten, die der Journalist Horst Stern für sie gefunden hat: "Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen". Wenn Sie noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für Freunde und Verwandte sind: Verschenken Sie ein Geschenkabonnement mit vier Ausgaben dieser Zeitschrift.

Zur Kollisionsgefahr von Uhus an Windenergieanlagen - November 2020

Rothirsch vor Abendhimmel © www.wunderbare-erde.de

Uhus können an Windenergieanlagen zu Tode kommen. Das belegen die bekanntgewordenen Kollisionsopfer. Doch wie hoch ist das Risiko? Ist die Kollisionsgefahr nur Teil des hinzunehmenden allgemeinen Lebensrisikos oder ist das Tötungsrisiko signifikant erhöht? Die Auseinandersetzung darüber ist längst im Gange. Um Windenergieanlagen in Uhulebensräumen abwenden zu können, muss das Tötungsrisiko für Uhus signifikant erhöht sein. Wo aber liegt die Signifikanzschwelle? Kaum eine andere Grenze im Naturschutzrecht ist so hart umkämpft wie diese. Aus aktuellem Anlass hat die EGE ihre Position zum Kollisionsrisiko von Uhus an Windenergieanlagen zusammengefasst. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 88 KB), wenn Sie diese lesen möchten.

Steinkauz-Brutsaison 2020 - November 2020

Steinkauzhabitat © Peter Josef Müller

Die Kölner Bucht ist eines der Dichtezentren des Steinkauzes in Deutschland. Hier liegt das Projektgebiet der EGE zum Schutz des Steinkauzes. Es umfasst die nordrhein-westfälischen Kreise Düren und Euskirchen, den Rhein-Erft-Kreis und - in Kooperation mit dem NABU-Bonn - den linksrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises.

Hier die wichtigsten Zahlen aus den vier Gebieten für 2020: Es wurden 455 besetzte Reviere festgestellt; 52 mehr als im Vorjahr. Das ist ein Plus von 12,9 Prozent. 271 Bruten verliefen erfolgreich. Aus ihnen gingen 927 Jungvögel hervor; beringt wurden 909. Im Vorjahr waren sogar 1.049 Jungvögel registriert worden.

Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 2,10 MB), wenn Sie die ausführlichen Berichte über die diesjährige Steinkauz-Brutsaison aus diesen Gebieten lesen möchten.

Das Steinkauzschutz-Projekt der EGE umfasst u. a. die Pflege und Neuanlage von Obstbäumen sowie die Verteidigung der Steinkauzhabitate vor der Ausweisung von Bauland. Seit kurzem erhalten Steinkauz freundliche Dörfer in den Kreisen Düren und Euskirchen eine Auszeichnung der EGE.

Die EGE dankt allen Personen, die den Erfolg des Steinkauzschutz-Projektes ermöglicht haben: den Aktiven, allen Helfern und den Spendern. Vielleicht möchten auch Sie die Aktivitäten der EGE unterstützen - beispielsweise mit einer Steinkauzpatenschaft. Schreiben Sie einfach an die EGE.

Halloween - Oktober/November 2020

Uhu vor Vollmond © Sonia M. Weinberger & Stefan Brücher

Die Covid-19-Pandemie hält an; sie hält die Menschen auf Abstand. "Social distancing" könnte das Wort des Jahres werden. Die alten und neuen Halloween-Bräuche in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November werden deswegen heuer wohl ganz oder verhaltener ausfallen.

In einer anderen Nacht dieses Jahres, Anfang Mai, sind Sonia M. Weinberger und Stefan Brücher wunderbare Aufnahmen gelungen: eines Uhus vor dem Supervollmond am sternenklaren Nachthimmel. Es sind bemerkenswert schöne Aufnahmen aus einer für den Uhu sicheren Distanz. Man kann sich vorstellen, dass Sonia M. Weinberger und Stefan Brücher beim Beobachten der Atem stockte und sich Gänsehaut breitmachte. Die Aufnahmen fügen sich jedenfalls trefflich ein in die Nacht zum Fest von Allerheiligen, von dem sich der Name "Halloween" ableitet. "ll Hallows' Eve", der Abend vor Allerheiligen.

Klicken Sie bitte hier, wenn Sie das knapp zweieinhalb Minuten lange Video anschauen möchten. Ab sofort ist die EGE auch auf Instagram erreichbar: https://www.instagram.com/ege.eulen/

Ab sofort erhältlich: Neuer Adventskalender der EGE - Oktober 2020

Adventskalender 2020 der EGE

Mit einem neuen Adventskalender wirbt die EGE für den Schutz der Schleiereule. Hinter den 24 Türchen verbergen sich Motive mit Tieren der Dörfer, Felder und Wiesen. Der originelle Adventskalender mit den Maßen 34 x 24 cm ist nur bei der EGE erhältlich. Das Kalenderbild beruht auf einem Aquarell von Bärbel Pott-Dörfer; die Tiere hinter den Türchen zeichnete Michael Papenberg. Die EGE dankt beiden Künstlern für die kostenfreie Bereitstellung der Bilder.

Vielleicht möchten Sie Freunden und Verwandten rechtzeitig zum 1. Dezember mit dem Kalender eine Freude machen. Der Kalender ist ein schönes Geschenk auch für Kinder und Enkel. Der Kalender passt in einen B 4-Umschlag und lässt sich für 1,55 Euro mit der Deutschen Post versenden. Die EGE erbittet für einen Kalender eine Spende von 6,50 Euro, bei einer Bestellung ab fünf Kalendern 5 Euro je Kalender. Die Versandkosten trägt die EGE. Der Erlös fließt in die Eulenschutzprojekte der EGE.

Erhältlich ist zu denselben Bedingungen auch der vorjährige Adventskalender mit Steinkauzmotiv und weiteren Motiven der Bewohner der Streuobstwiesen.

Steinkauz-Adventskalender der EGE 
      © EGE

Bitte richten Sie Ihre Bestellung unter Angabe des gewünschten Motivs per E-Mail an:
  Egeeulen@t-online.de
oder an die Geschäftsstelle der EGE
Breitestrasse 6
D-53902 Bad Münstereifel

Die Spende erbittet die EGE auf ihr Spendenkonto
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Stichwort Adventskalender

Ambitionierte Utopien und agrarpolitisches "Weiter-so" - Oktober 2020

Feldhase © www.wunderbare-erde.de

In wenigen Wochen, am 31.12.2020 endet die Dekade zum Schutz der Biodiversität, die der Deutsche Bundestag vor zehn Jahren ausgerufen hatte. In dieser Dekade wurde der Rückgang der Biodiversität, überdurchschnittlich von Agrarlandschaften, nicht gestoppt, sondern fortgesetzt. Darüber geben die Roten Listen der in Deutschland gefährdeten Pflanzen- und Tierarten Auskunft; sie haben sich nach 2010 nicht verkürzt sondern verlängert. Die häufig als Erfolgsgeschichte apostrophierte positive Bestandsentwicklung einiger weniger Symbolarten des Naturschutzes (u. a. der Wolf) verdanken diese weniger einer planmäßigen Naturschutzpolitik, sondern einem Ende der Verfolgung.

Nach 2010 hat es in Deutschland an ambitionierten Zielvorgaben zum Schutz der Biodiversität nicht gefehlt. Die EU-Kommission setzt in ihrer im Mai 2020 veröffentlichten "Biodiversitätsstrategie 2030" neue Zielmarken. 2030 sollen beispielsweise mindestens je 30 Prozent der Landfläche und Meeresgebiete der EU gesetzlich geschützt sein, soll sich der Erhaltungszustand geschützter Lebensräume und Arten nicht mehr verschlechtern, sollen mindestens 30 Prozent von ihnen einen günstigen Erhaltungszustand oder zumindest einen starken positiven Trend aufweisen. Die Ziele sind ambitionierter denn je und so realitätsfern wie nie. Die Ressortleiterin Wissen der Zeitung "Die Welt", Pia Heinemann, nennt sie angesichts der Wirklichkeit "utopisch". Diese Wirklichkeit kann besichtigt werden: Es sind die Ergebnisse der Reform der EU-Agrarpolitik, auf die sich die Agrarminister der EU gerade geeinigt haben: im Wesentlichen ein ignorantes "Weiter-so". Die Ziele der Biodiversitätsstrategie 2030 haben die Agrarminister und Agrarministerinnen zur Kenntnis genommen.

Martin Häusling (MdEP) aus der "Europagruppe Grüne" kommentiert die Beschlüsse: "Das Fatale dieses Weiter-so besteht darin, dass auch künftig rund zwei Drittel der Agrargelder als Hektarzahlungen ohne irgendwelche nennenswerten Auflagen an die europäischen Landwirte verteilt werden. Den Rest will der Agrarrat zwar an Umweltauflagen knüpfen, und auch das erst nach einer angeblichen Testphase von zwei Jahren. Doch diese Zahlungen sind bisher eine völlige Blackbox und überdies freiwillig, also ins Belieben der Mitgliedstaaten gestellt. Und das ist tatsächlich neu: Denn bisher waren Umweltauflagen verpflichtend. Das ist jetzt nicht mehr so."

Sport mit Haken - Oktober 2020

Uhu mit Angelhaken im Gefieder © Joachim Achtzehn

Die drei jungen Uhus vom Hildesheimer Dom sind ohne größere Schwierigkeiten flügge geworden. Allerdings ist einer der Jungvögel mit einem Angelhaken in Kontakt geraten (im Bild). Joachim Achtzehn, der die jungen Uhus viele Wochen lang im Kreuzgang fotografisch begleitete, entdeckte auf einer seiner Aufnahmen das tückische Utensil im Gefieder des Vogels. Glücklicherweise richtete der Haken keinen erkennbaren Schaden an. Der Uhu hat den Haken offensichtlich entfernen können; jedenfalls ist er ihn losgeworden, wie Joachim Achtzehn tags darauf bestätigt fand. Hinter dem Dom gibt es Wasserläufe, an denen die Uhus jagen. Vermutlich zog sich der Uhu dort bei der Jagd den Haken zu, der vielleicht noch an einer Schnur im Ufersaum hing. Der Uhu hatte offenbar einen Schutzengel. Gleichwohl sollten Angler mit ihrer Ausrüstung verantwortungsbewusst hantieren. Arglos weggeworfene oder verlorengegangene Angelhaken haben das Potential, ein quälendes Tierdrama auszulösen - nicht nur für fischfressende Vögel wie Reiher und Störche, sondern auch für Uhus.

Von Uhus, Geocachern und Mufflons - Oktober 2020

Mufflon © www.wunderbare-erde.de

Das Nettetal liegt im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. In einem Felsen dieses Gebietes brüteten in diesem Jahr erstmals Uhus. Doch die beiden Jungvögel sind aus unbekannten Gründen nicht flügge geworden. Oder gibt es doch ersichtliche Gründe für ein Scheitern der Brut? Das Umfeld dieses Brutplatzes betreffend fand die EGE bemerkenswerte Einträge aus der diesjährigen Uhubrutzeit auf einer Geocaching-Plattform. Am 04. April 2020 schrieb der Geocacher "Streetmaster" ins Logbuch des beim Brutplatz deponierten Caches: "Hier ist in den letzten Wochen ja richtig was los." Und am 16. März 2020 gab der Geocacher "Eifelfindus" bekannt: "Wir beschlossen am heutigen Tage, die Eulen vom Baum zu angeln". Die EGE hofft, dass diese Ankündigung nicht wörtlich zu nehmen ist.

Ältere Einträge zeigen eine Geocacherin, die sich auf dem Weg zum Cache in der Felswand abseilt. Bis zum Beginn der diesjährigen Uhubrutzeit war der Cache längere Zeit nicht aufgesucht worden. Vermutlich hatten die Uhus an diesem Ort dieser leider nur vorübergehenden Ruhe wegen 2020 eine Brut gewagt. Übrigens ist dieses Gebiet ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet, also eines der wenigen Gebiete, die nach den Vorschriften den Naturschutzrechts der Europäischen Union streng zu schützen sind. Die Beobachtungen belegen eindrücklich die problematische Seite von Geocaching, das binnen weniger Jahre zu den als "Outdoor-Aktivitäten" und "Natursport" verharmlosten vielen anderen Freizeitnutzungen hinzugetreten ist. Der Cache wurde ohne Wissen und Erlaubnis des Grundeigentümers eingerichtet, was der Selbstverpflichtung der Geocacher, worauf diese regelmäßig verweisen, widerspricht.

Geocaching ist nicht der einzige Missstand in diesem Gebiet: Eine Vielzahl Mufflons richtet an Vegetation und Felsen seit Jahren massive Schäden an. Die vermutlich auf illegale Freilassungen zurückgehende inzwischen 80 Tiere zählende Herde frisst die auf Felsstandorte spezialisierte Pflanzendecke auf und bringt die Hänge ins Rutschen. Die fremdländischen Wildschafe scharren sich Ruheplätze im Hang. Bei jedem Starkregen werden Erd- und Geröllmassen in die Tiefe gespült; es bleibt nur der blanke Fels. Zwar sind Uhus durchaus wehrhaft, aber gegen Mufflons, die sich im Nest eines Uhus breitmachen, ist auch Europas größte Eule machtlos.

Prekär ist die Lage für Uhus auch an einem Felsen an der Kleinen Kyll im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Auch dort registrierte Stefan Brücher 2020 das Ausbleiben des Bruterfolgs. Am Felsen wird geklettert; allerlei Hinterlassenschaften (u. a. ein an den Fels gedübeltes WC) deuten auf menschliche Aktivitäten hin, die hier nicht hingehören. Und auch hier fressen und lagern Mufflons in so großer Zahl, dass den Uhus kaum ein ungestörtes Fleckchen Fels für die Brut bleibt. Das WC war - wie Stefan Brüchers Recherchen ergaben - als Behältnis für einen Geocache gedacht. Auf Brüchers Bemühen hin sollen den Mufflons Grenzen gesetzt werden.

Rückblick - Oktober 2020

Vor wenigen Tagen erhielt die EGE folgende Nachricht von Jannes Bludau aus der Nähe von Osnabrück:

"Ich melde mich mal wieder. Es sind zwar schon einige Jahre vergangen seitdem wir uns schrieben, aber wir haben endlich wieder Schleiereulen! Drei Jungvögel sitzen vor der Öffnung zum Dachboden und erkunden bereits die Umgebung. Dazu haben wir noch Waldohreulen hinterm Haus im Wald und einen Uhu in der Nähe. Aber die Schleiereulen freuen mich und meinen Vater am meisten."

Die Mail des jungen Mannes hat eine Vorgeschichte: Im schneereichen Januar 2010 berichtete die EGE über den Einsatz für Schleiereulen des damals siebenjährigen Jungen auf dieser Website so:

Jannes Bludau 2010

Jannes Bludau ist den Eulen treu geblieben und sie ihm offenbar auch. Diese gute Nachricht wollte Jannes Bludau mit der EGE teilen und die EGE mit Ihnen.

Heimbach-Vlatten ist "Steinkauzfreundliches Dorf" - Oktober 2020

Doris Siehoff (r.) überreicht Ortsvorsteherin Auszeichnung © Ulrich Bergrath

Vlatten bei Heimbach war im Jahr 2019 das Dorf im nordrhein-westfälischen Kreis Düren, in dem die meisten Steinkäuze aufwuchsen. Dieser Erfolg ist nicht zuletzt dem Einsatz der Dorfbewohner zu verdanken. Um dieses Engagement zu würdigen und einen Ansporn für die kommenden Jahre zu geben, hat die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE) den Ort am 22.09.2020 als "Steinkauzfreundliches Dorf" ausgezeichnet. Die ursprünglich für März dieses Jahres vorgesehene, wegen der COVID-19-Pandemie verschobene Auszeichnung wurde nun unter Beachtung der Corona-Schutzmaßnahmen nachgeholt.

Achim Schumacher, langjähriger Mitarbeiter der EGE, begrüßte in der Jugendhalle in Heimbach-Vlatten die Ortsvorsteherin, Ingrid Müller, Dr. Lutz Dalbeck und Sarah Hartmann von der Biologischen Station Düren, Landwirte und Eigentümer der von Steinkäuzen besiedelten Grundstücke sowie weitere Steinkauzschützer und -freunde. Doris Siehoff, seit 2006 hauptverantwortlich für das Steinkauzprojekt der EGE im Kreis Düren, stellte die Steinkäuze und ihren Lebensraum vor und erläuterte, weshalb es der Kauz in der modernen Umwelt schwer hat und wie Dorfbewohner zum Schutz der Steinkäuze beitragen können. "Leider gibt es in Nordrhein-Westfalen Jahr für Jahr weniger Steinkäuze, auch in der Kölner Bucht", sagte Siehoff. Nur noch etwa 5.000 Paare brüteten im Jahr 2016 in Nordrhein-Westfalen. Das sind ca. 60 Prozent des bundesdeutschen Brutbestandes. Gegenüber der Bestandszählung im Jahr 2003 ging der Bestand in diesem Bundesland um 800 Brutreviere zurück. Gründe für den Bestandsrückgang sind der Flächenverbrauch für Wohnen, Gewerbe und Straßenbau sowie der Schwund alter höhlenreicher Obstbäume und die Aufgabe der Weidetierhaltung. Zudem sterben viele Käuze bei Kollisionen mit dem Kraftfahrzeugverkehr.

Entgegen dem landesweiten Abwärtstrend hat sich der Steinkauzbestand im Projektgebiet der EGE, den Kreisen Düren und Euskirchen, in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt. Hier hängt die EGE Nisthilfen in Steinkauzlebensräumen auf. Außerdem werden die Eulen mit Ringen der Vogelwarte Helgoland beringt, um so Informationen über Alter und Ausbreitung der Tiere zu erhalten. Im Jahr 2019 wurden in Vlatten 25 junge Käuze beringt, mehr als in jedem anderen Ort im Kreis Düren und deutlich mehr als früher in Vlatten. Im Jahr 2010 waren dort nur sieben Steinkäuze beringt worden. Diese Steigerung ist vor allem auf das Anbringen von Nisthilfen und den Erhalt von Obstwiesen und -weiden zurückzuführen. Zum Schutz trägt auch der Umstand bei, dass junge Bäume gepflanzt und vor Verbiss geschützt wurden. Sarah Hartman und Dr. Lutz Dalbeck von der Biologischen Station wiesen darauf hin, dass bei der Station hochstämmige Obstbäume alter Sorten bestellt werden können. Außerdem stellten sie das Projekt "Na-Tür-lich Dorf" vor, mit dem unter anderem dorftypischen Vogelarten wie dem Steinkauz geholfen werden soll. Doris Siehoff überreichte Vlattens Ortsvorsteherin Ingrid Müller die Plakette und bedankte sich für den Einsatz der Bürger: "Was die Menschen in Vlatten für den Schutz der Steinkäuze leisten, ist beachtlich und beispielhaft."

Kauz im Kamin - September 2020

Kauz nach der Rettung aus dem Kamin © Familie Schmitz

Steinkäuze leben gefährlich. Sie kollidieren mit Autos, verlieren ihre Lebensräume an neue Baugebiete, ertrinken in Viehtränken oder finden wegen der Aufgabe der traditionellen Grünlandwirtschaft keine Nahrung mehr. Und zu den Bedrohungen zählen auch Kamine. Wie viele Käuze in die abgründigen Schornsteine gelangen und in dieser Falle ums Leben kommen, weiß niemand. Unklar ist auch, ob sie unglücklicherweise hineinfallen oder gezielt darin nach einem Tagesversteck oder Brutplatz suchen oder beide Gründe eine Rolle spielen. So lässt sich das Geschehen auch des folgenden Falles nicht aufklären:

Familie Schmitz aus Zülpich in der Kölner Bucht hat auf ihrem Grundstück schon vor Jahren eine Nisthilfe für Steinkäuze angebracht. Doch bislang zog kein Kauz ein. Umso größer war die Überraschung, als sich im Wohnhaus der Familie auf dem Grund des Kamins ein Steinkauz bemerkbar machte. Familie Schmitz handelte beherzt und entließ den Kauz in die Freiheit. Er war - wie das Foto zeigt - verrußt, aber augenscheinlich unverletzt und er flog problemlos davon. Der Kauz war Anfang Juni 2020 als Jungvogel von Doris Siehoff mit einem Ring der Vogelwarte Helgoland gekennzeichnet worden gut zwölf Kilometer vom Haus der Familie Schmitz entfernt.

Die EGE dankt Familie Schmitz fürs beherzte Eingreifen. Zweckmäßigerweise sollte ein rußgeschwärzter Kauz vorsichtig mit einem feuchten Mikrofasertuch gereinigt werden, damit er sich bei der Gefiederpflege nicht die Schleimhäute kontaminiert und dann vielleicht doch noch zu Schaden kommt.

Der Fall legt nahe, dass sich für Kamine am Rand von Steinkauzrevieren Schutzvorrichtungen empfehlen, um Käuzen aber auch anderen Vogelarten ein trauriges Ende zu ersparen. Wer so zum Schutz der Steinkäuze beitragen möchte, wende sich an den Schornsteinfeger. Schornsteinfeger sollen bekanntlich Glück bringen - und Käuze vor Unglück bewahren.

Uhu und Windenergie - September 2020

Uhufamilie © Heinrich Pützler

Windenergieanlagen können ein Problem sein für Natur und Landschaft - auch für Uhus. Die EGE hat darauf immer wieder hingewiesen und sich zugleich für eine naturschutzgerechte Energieerzeugung ausgesprochen. Der Leitspruch der EGE lautet: Wir müssen die Atmosphäre schützen, ohne die Biosphäre zu zerstören. Diesen Anspruch betont die EGE auch in ihrer Zusammenarbeit mit der Windenergiewirtschaft. So hat die EGE 2017 im Auftrag der DunoAir Windpark Planung GmbH im Kreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) Vorschläge für Uhuschutzmaßnahmen entwickelt und drei potentielle Uhubrutplätze abseits eines Windparks verbessert, um eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der Uhupopulation im Gebiet des Kreises Ahrweiler abzuwenden. Diese Maßnahmen wurden als Bedingungen für eine Ausnahme von den artenschutzrechtlichen Verboten für die Zulassung einer weiteren Windenergieanlage in einem bestehenden Windpark behördlich festgelegt. Der Ausnahme bedurfte es, weil das Kollisionsrisiko für Uhus an der neuen Windenergieanlage trotz der für die Zeit vom 15.6. bis 15.9. eines jeden Jahres verfügten nächtlichen Abschaltung behördlich als hoch bewertet wurde. In diesem Jahr brüteten die Uhus erstmals an zwei der drei von der EGE im Auftrag der DunoAir Windpark Planung GmbH geschaffenen Brutplätze abseits des Windparks. Einen der Brutplätze zeigt das Bild.

Quo vadis Artenschutz? - September 2020

Kollisionsopfer Waldohreule © Eberhard Giese

Bisher gilt das Tötungs- und Verletzungsverbot der EG-Vogelschutzrichtlinie allen europäischen Vogelarten. Es untersagt nicht nur das willentliche Töten und Verletzen, sondern auch das wissentliche Inkaufnehmen solcher Schädigungen. Deswegen können beispielsweise auch Vogelarten, die nicht bereits auf der Roten Liste stehen, in Zulassungsverfahren von Straßen, Windenergieanlagen und sonstigen Bauvorhaben mit einem Schutz zumindest vor einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko rechnen.

Doch nun schlägt die Generalanwältin am Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH), Juliane Kokott, in den Rechtssachen C-473/19 und C-474/19 (pdf-Datei, ca. 348 KB) dem EuGH vor, das Tötungs- und Verletzungsverbot nach der Vogelschutzrichtlinie wie folgt auszulegen (Rn. 75 ff., 113):

"Wenn die Beeinträchtigung von Vögeln nicht bezweckt, sondern nur in Kauf genommen wird, gelten die Verbote nach Art. 5 Buchst. a und b der Richtlinie 2009/147 allerdings nur, soweit dies notwendig ist, um diese Arten im Sinne von Art. 2 auf einem Stand zu halten oder auf einen Stand zu bringen, der insbesondere den ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Erfordernissen entspricht, und dabei den wirtschaftlichen und freizeitbedingten Erfordernissen Rechnung trägt."

Zur Begründung wird u. a. ausgeführt, dass eine identische Auslegung des Absichtsbegriffs in Art. 12 Abs. 1 der FFH-Richtlinie und Art. 5 der Vogelschutzrichtlinie nicht sinnvoll sei, da dies im Vogelschutz deutlich weiterreichende Auswirkungen hätte. Während das strenge Schutzsystem im Artenschutz der FFH-Richtlinie auf wenige, in der Regel sehr seltene Arten beschränkt sei und Konflikte mit ihnen nicht sehr häufig seien, gelten die Verbote des Art. 5 der EG-Vogelschutzrichtlinie auch für Allerweltsarten, deren Beeinträchtigungen von modernen Gesellschaften bei verschiedensten menschlichen Aktivitäten, etwa der Errichtung von Gebäuden oder im Straßenverkehr in Kauf genommen werde. Die Erhaltung von Allerweltsarten erfordere in der Regel keine Verbote, die schon eingreifen, wenn eine Beeinträchtigung lediglich in Kauf genommen wird. Allerweltsarten seien deshalb so häufig, weil menschliche Aktivitäten ihren Bestand nicht gefährden würden.

Anmerkung der EGE: Was in aller Welt sind Allerweltsarten? Arten, die wie der Mäusebussard, die Schleiereule oder die Waldohreule noch nicht oder Arten wie der Uhu, die nicht mehr auf der Roten Liste stehen? Kann dann deren nicht bezweckter Tod auf Straßen oder an Windenergieanlagen in Kauf genommen werden? Der Schlussantrag der Generalanwältin dürfte die Bestrebungen befördern, den individuenbezogenen Schutz der Vögel zugunsten eines auf die Population bezogenen Schutzes abzusenken. Will heißen: Solange die Population einer Art nicht gefährdet ist, sind Verluste an neuen Straßen, Stromleitungen, Windenergieanlagen usw. hinzunehmen. Eine solche Vorgehensweise strebt das Bundeswirtschaftsministerium zugunsten von Energiewendevorhaben an. Auch Umweltverbände haben sich in der Vergangenheit in dieser Weise positioniert. Ist dies vielleicht ein Teil des "European Green Deal"?

Hildesheimer Domuhus in einer Ausstellung - September 2020

Domuhu © Joachim Achtzehn

Hildesheim, zwischen Hannover und Göttingen gelegen, ist für sein Weltkulturerbe und den 1.000jährigen Rosenstock bekannt - und für die Uhus an der Domkirche. Dr. Dirk Preuß, der Umweltbeauftragte des Bistums Hildesheim, und Joachim Achtzehn, der die Uhus am Dom seit einigen Jahren fotografisch begleitet, laden zu einer Fotoausstellung "Hildesheimer Domuhus" ein. Die Ausstellung findet anlässlich der "Kunstmeile Osterstraße & Ostertor, Hildesheim 2020" statt. Die Ausstellung wird am Freitag, den 04. September 2020 um 19 Uhr in den Räumen der Kaffeerösterei Schuler, Osterstraße 6, 31134 Hildesheim eröffnet. Die Ausstellung ist bis zum 03. Oktober 2020 während der Geschäftszeiten jeweils Mittwoch bis Freitag von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr zu besuchen.

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