Startseite > Nachrichten

  

Bitte unterstützen Sie die Arbeit der EGE mit Ihrer Spende.
Spendenkonto:

Postbank Köln
BIC PBNKDEFF
IBAN DE66370100500041108501

Nachrichten

Neue Eckpunkte zu "Vogelschutz und Windenergie" - Juli 2020

Rohrweihe © www.wunderbare-erde.de

Bereits Mitte Mai 2020 hat die deutsche Umweltministerkonferenz (UMK) als Teil ihrer Bemühungen für einen forcierten Ausbau der Windenergie ein Papier beschlossen mit dem Titel "Hinweise zu den rechtlichen und fachlichen Ausnahmevoraussetzungen nach § 45 Abs. 7 BNatSchG bei der Zulassung von Windenergieanlagen" (pdf-Datei, ca. 236 KB). In diesem Papier legt die UMK die artenschutzrechtlichen Ausnahmevoraussetzungen aus.

Die UMK plant: Bis zum 15. Juli 2020 soll der Entwurf für einen " Rahmen zur Bemessung von Signifikanzschwellen zur Ermittlung einer signifikanten Erhöhung des Tötungsrisikos im Hinblick auf tötungsgefährdete Vogelarten an Windenergieanlagen" (pdf-Datei, ca. 484 KB) vorgelegt werden (s. TOP 4 des Protokolls). Von einer Einbeziehung des Bundesamtes für Naturschutz und der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten ist im UMK-Beschluss nicht die Rede. Das geplante Papier soll Maßstab für den Umgang mit dem Vogelschutz beim Ausbau der Windenergie in den Ländern werden.

Beobachter gehen davon aus, dass damit eine Ablösung der "Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen" erreicht werden soll, dem sogenannten "Helgoländer Papier". Die Windenergiewirtschaft dringt u. a. auf die Reduzierung der bei der Planung und Zulassung von Windenergieanlagen zu beachtenden Vogelarten sowie die Reduzierung des Umfanges von Untersuchungen über die Betroffenheit von Vogelarten im Umfeld geplanter Windenergieanlagen.

Straßensperrung zum Schutz von Steinkäuzen - Juni 2020

Zwei junge Steinkäuze © www.as-naturfotografie.de

In Leverkusen wurde gerade für vier Wochen eine Straße gesperrt - zum Schutz der dortigen Steinkäuze. Im Raum Leverkusen ist der Steinkauz zwar keine Ausnahmeerscheinung, aber doch ein seltener Brutvogel. Mit der befristeten Sperrung einer Straße durch den Steinkauzlebensraum sollen insbesondere die noch unerfahrenen flüggen Steinkäuze vor einer Kollision mit Kraftfahrzeugen bewahrt werden. Bestandsentwicklung und Schutz des Steinkauzes in Leverkusen waren 2016 Gegenstand einer Bachelorarbeit von Hans Tolksdorf an der Hochschule Osnabrück. Tolksdorf hatte die Eignung des Gebietes für den Steinkauz untersucht, Vorschläge für den Schutz des Steinkauzes entwickelt und diese teilweise realisieren können. Die EGE hatte die Arbeit 2017 mit dem "Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis" der EGE ausgezeichnet.

Hildesheimer Domuhus machen Fortschritte - Juni 2020

Wanderfalke auf dem Wetterhahn des Hildesheimer Doms © Joachim Achtzehn

Die drei jungen Uhus im Kreuzgang des Hildesheimer Doms (unten im Bild) sind gut neun Wochen alt. Mittlerweile schaffen sie es bereits auf die Grabkreuze. Das Ende der Infanteristenzeit bahnt sich an. Das Uhuweibchen verbringt den Tag zumeist im Kasten, in dem die Jungen an Ostern geschlüpft sind. Das Weibchen hat die Jungvögel von dort aus im Blick. Manchmal ist auch das Männchen anwesend. An einigen Tagen saß es über den Jungen wachend in der Höhe des 1.000jährigen Rosenstocks an der Apsis des Domes. Bisher verlief die Infanteristenzeit ohne Zwischenfälle. Die einige Male warnend über dem Kreuzgang auftauchenden Wanderfalken (einer im Bild oben) von der 400 m entfernten Andreaskirche versetzten Menschen und Uhus zwar zeitweilig in eine gewisse Alarmbereitschaft, aber Konflikte wurden bisher nicht beobachtet. Die Jungen der Wanderfalken sind bereits flügge. Die gut platzierten Hinweise für Besucher, die am Dom, an Dommuseum und Museumsshop angestellten Personen und natürlich Angelika Krueger, Joachim Achtzehn und weitere Uhufreunde sorgen für die Sicherheit der Hildesheimer Domuhus. Die Besucher verhalten sich ausgesprochen rücksichtsvoll. Wie in allen Jahren zuvor, sind die Domverantwortlichen den Uhus sehr gewogen. Auf diesem Wege sagt die EGE allen ein großes Dankeschön! Insbesondere auch den Personen, die morgens aufräumen, was eine fünfköpfige Uhufamilie nach einem Nachtmahl hinterlässt.

Zwei der drei jungen Domuhus © Joachim Achtzehn

Frühlingsboten, Frost und Uhus - Juni 2020

Titelbild © Sonia M. Weinberger und Stefan Brücher

Im April 2020 haben wir an dieser Stelle ein Video vorgestellt, das Stefan Brücher bei der Suche nach Uhus in Steinbrüchen zeigt und natürlich die Uhus selbst. "Steine, Schlamm und Uhus", so war dieser Bericht überschrieben. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie Stefan Brücher auf seinen Kontrollgängen an ungewöhnlichen Brutplätzen der Uhus in der Eifel noch einmal über die Schulter schauen möchten.

Das Video ist innerhalb kürzester Zeit nicht nur auf ein großes Interesse gestoßen, sondern es hat auch ein ungewöhnlich positives Echo gefunden. Nun hat die Dokumentation eine Fortsetzung erfahren: "Frühlingsboten, Frost und Uhus". Der gut 17minütige Film führt Sie zu Beginn des Frühlings 2020 in die Lebensräume der Eifel-Uhus. Der Beitrag gewährt einen unverstellten Einblick in die Lebensweise Europas größter Eulenart. Zugleich erfährt der Zuschauer von den Gefahren, denen Uhus ausgesetzt sind und welche Anstrengungen Stefan Brücher und seine Mitarbeiter von der EGE zum Schutz der Uhus unternehmen. Das Video überrascht mit wunderbaren Aufnahmen; es ist ein eindrucksvolles Statement für den Naturschutz. Bitte schauen Sie selbst.

Albrecht Jacobs zum 80sten Geburtstag - Juni 2020

Drei junge Uhus © www.wunderbare-erde.de

Albrecht Jacobs im Weserbergland. Seit fast 70 Jahren ist er mit Uhus verbunden. Mit einem Buch fing es an: "Strix. Die Geschichte eines Uhus". Svend Fleurons illustrierte Schilderungen aus dem Leben Europas größter Eulenart weckten das Interesse des jungen Albrecht Jacobs. Das war zu Beginn der 1950er Jahre. Deutschland war mit dem Wiederaufbau beschäftigt, die Vogelwelt - von heute aus betrachtet - fast unversehrt, der Uhu aber im Weserbergland schon lange zuvor verschwunden. Albrecht Jacobs Interesse galt der Vogelkunde, dem Vogelschutz und dem Uhu.

In den 1970er Jahren stieß Albrecht Jacobs zur damaligen "Aktion zur Wiedereinbürgerung des Uhus", aus der die "Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen" hervorging. Albrecht Jacobs war der Hauptverantwortliche dieser Aktion für Niedersachsen. Dort hatte der Diplom-Ingenieur mit elektrotechnischem Knowhow, Umsicht und pädagogischem Geschick viel zur Umrüstung der für Uhus gefährlichen Mittelspannungsmasten beigetragen, Steinbruchbetreiber und Öffentlichkeit für den Schutz von Uhulebensräumen gewonnen und die Rückkehr der Uhus vorbereitet.

An diese Anfänge einer lebenslangen Begeisterung für den Uhu erinnert heute die EGE. Am 10. Juni 2020 ist Albrecht Jacobs 80 Jahre alt geworden. Eine Würdigung seines Einsatzes erschien 2015 in der Zeitschrift Eulen-Rundblick. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 400 KB), wenn Sie den Beitrag lesen möchten.

Die EGE wünscht Albrecht Jacobs Gesundheit, die glückliche Fortsetzung seiner Mission für den Naturschutz und im Jubiläumsjahr 80 erfolgreiche Mauerseglerbruten in den Nistkästen an seinem Haus in Stadtoldendorf.

Neue Ausgabe von "Nationalpark" erschienen - Juni 2020

Braunfleckiger Perlmutterfalter mit Bläuling © Achim Schumacher

Die Natur am Mekong, Insekten für die Seele, Berichte aus den Nationalparken Bayerischer Wald, Eifel und Kellerwald-Edersee und vieles mehr bietet die neue 46 Seiten starke Ausgabe der Zeitschrift Nationalpark. Dazu zählt auch der Beitrag "Des Schusters Bienen" von EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 184 KB), wenn sie seine Geschichte vom andauernden Verlust biologischer Vielfalt lesen möchten.

Die Zeitschrift "Nationalpark" berichtet viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, großer Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift leistet sich, was in der deutschen Zeitschriftenlandschaft eine Ausnahme ist: einen unabhängigen, kritischen und fundierten Blick auf die Sache des Naturschutzes. Herausgeber der Zeitschrift ist der "Verein der Nationalpark-Freunde e.V." Die Zeitschrift erscheint im Oekom Verlag. Die EGE empfiehlt diese Zeitschrift mit den Worten, die der Journalist Horst Stern für sie gefunden hat: "Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen". Der Abonnent bleibt einem Mann verbunden, der ab Beginn der 1970er Jahre mit dem Mut zur Emotion und dem Gewicht einer Feder dem Naturschutz eine Stimme gab und zu Format verhalf: Dr. h.c. Horst Stern. Der im Januar 2019 verstorbene Journalist war Mitbegründet der Zeitschrift "Nationalpark".

Drei junge Uhus am Hildesheimer Dom - Mai 2020

Junger Uhu am Hildesheimer Dom © Angelika Krueger

Die Uhus vom Hildesheimer Dom haben bundesweite Aufmerksamkeit erlangt. Dabei sind sie keineswegs die einzigen Uhus an einem Dom. Am Hildesheimer Dom brüten sie nunmehr seit 2014 - heuer das siebte Mal in Folge. Letztes Jahr scheiterte die Brut, weil das Männchen in der Brutzeit einer Trichomonadeninfektion erlag, so dass das Weibchen das Gelege verlassen musste, um sich selbst mit Nahrung zu versorgen. Im Winter 2019/20 stellte sich schließlich ein neues Männchen ein.

Um Ostern 2020 sind in dem vom Bistum Hildesheim eigens für Uhus eingerichteten Brutplatz über dem Kreuzgang des Doms drei Jungvögel geschlüpft. Diese haben in den vergangenen Tagen den Brutplatz verlassen; sie bewegen sich nun als Infanteristen im Kreuzgang. Das Bild zeigt einen der Jungvögel auf seinem Weg vom Dach ins Innere des Kreuzganges. Dort blüht gerade der 1.000jährige Rosenstock (im Bild unten), der im Gründungsmythos des Bistums eine große Rolle spielt. Bis die jungen Uhus fliegen und den Kreuzgang verlassen können, werden noch einige Wochen vergehen. Insofern vereint der Dom gerade zwei Attraktionen: den blühenden Rosenstock und junge Uhus. Die Legende vom Rosenstock (es handelt sich um eine Hundsrose Rosa canina) , geht bis in die Gründungsgeschichte des Bistums Hildesheim um das Jahr 815 zurück. Acht Wochen nach der völligen Zerstörung des Hildesheimer Domes im März 1945, bei der auch der Rosenstock verbrannte, sprossen aus seiner von Trümmern verschütteten Wurzel 25 neue Triebe hervor. Die Geschichte der Uhus vom Hildesheimer Dom erzählt das Buch "Die Uhus vom Dom - Eine Zeitreise durch zwölf Jahrhunderte", das im Buchhandel und bei der EGE erhältlich ist.

"Es dürfen immer nur sieben Personen gleichzeitig in den Kreuzgang", berichtet der Umweltbeauftragte des Bistums, Dr. Dirk Preuß. Diese Beschränkung dient der Einhaltung der zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie geltenden Abstandsregeln. Sie dürften auch die Uhus vor allzu aufdringlichen Besuchern schützen.

1.000jähriger Rosenstock am Hildesheimer Dom © Angelika Krueger

Bericht zur Lage der Natur in Deutschland - Mai 2020

Rebhühner im Regen © www.wunderbare-erde.de

Im Mai 2020 veröffentlichten Bundesumweltministerium und Bundesamt für Naturschutz den Bericht "Die Lage der Natur in Deutschland". Auf 38 Textseiten und in Anhängen dokumentieren die beiden Herausgeber die Situation von Lebensraumtypen und Arten. Darunter sind vor allem solche, die Deutschland besser schützen muss, soll ein seit 2015 anhängiges EU-Vertragsverletzungsverfahren eingestellt und eine Verurteilung vor dem Europäischen Gerichtshof abgewendet werden. Der Erhaltungszustand fast der Hälfte dieser Lebensraumtypen und eines Drittels dieser Arten in Deutschland ist unzureichend oder schlecht. Die Lage hat sich im Berichtszeitraum 2013-2019 teilweise deutlich verschlechtert; beispielsweise die der Brutvögel der Agrarlandschaft.

Der Bericht ist bemüht, die Misere sprachlich ins Positive zu wenden: Statt von einem enormen Vollzugsdefizit spricht der Bericht "vom großen Potential" von FFH- und Vogelschutzrichtlinie für den Naturschutz und betont Erfolge: "Trotz ungünstiger Rahmenbedingungen können und konnten bisher durch konsequentes (Naturschutz-)Handeln lokal und regional viele Erfolge erzielt werden." Nur national offenbar eher nicht. Die Ursachen für so viel Erfolglosigkeit (im Bericht neutral die "Treiber für Veränderungen") kommen nicht von Ungefähr: Sie sind das Werk nationaler und gemeinschaftlicher Politik zugunsten robuster Wirtschaftsinteressen - vor allem, aber nicht allein in der Landwirtschaft.

Positiv immerhin: Der Klimawandel ist für die bisherigen Verschlechterungen offenkundig bedeutungslos. Aber "zahlreiche Studien belegen dessen zunehmende Bedeutung", so der Bericht. Im Übrigen hätten "die Auswirkungen der ausgeprägten Trockenperioden der letzten beiden Jahre" noch nicht berücksichtigt werden können". Die Analyse habe ergeben, "dass der Klimawandel in allen Hauptgruppen als Gefährdungsursache von Biotoptypen relevant ist". Ob die Gefahr nach dem Kohleausstieg 2038 gebannt sein wird, verrät der Bericht nicht.

Umgekehrt rangiert der "Ausbau erneuerbarer Energien wie Biogasanlagen (verbunden mit zunehmendem Anbau von Mais und Raps), Wind- und Wasserkraftanlagen" im Bericht unter den gegenwärtigen und nicht erst künftigen maßgeblichen "Treibern für Veränderungen". Aus dem Ausbau der Windenergiewirtschaft auf See resultierten "Belastungen" und an Land "regionale Bestandrückgänge" des Rotmilans. Man müsse bei dem "auch für den Biodiversitätsschutz wichtigen Ausbau Erneuerbarer Energien" Schutzgebiete und Schutzgüter der Naturschutzrichtlinien beachten. Den Mäusebussard nennt der Bericht trotz dramatisch hoher Kollisionsopferzahlen an Windenergieanlagen und eines Rückganges im Zwölfjahres-Trend um bis zu drei Prozent pro Jahr nicht. Das Bundesamt für Naturschutz sieht keinen Grund, die Art als "windenergiesensibel" zu betrachten.

Der Bericht versucht Erfordernisse des Naturschutzes klimapolitisch zu begründen, um so beispielsweise dem Schutz von Hoch- und Niedermooren zu mehr Akzeptanz zu verhelfen ("Moore: Sensitive Lebensräume für den Klimaschutz"). Dieser Versuch wird seit langem unternommen, allerdings mit mäßigem Erfolg.

Der Bericht betont Selbstverständlichkeiten wie: Maßnahmen agrarförderrechtlich verlangten Greenings sind wirkungslos; in FFH-Gebieten sollen keine gebietsfremden Baumarten eingebracht werden; Naturschutzgebiete (vor 35 Jahren nannte ein Direktor des Bundesamtes für Naturschutz sie Notstandsgebiete) sind nur begrenzt wirksam. Der Bericht endet als ein respektabler, nicht belang-, aber folgenloser Katalog im Konjunktiv. Während der Bund Landwirtschaft, gewerblicher Wirtschaft, Wohnungsbau und Verkehr 2020 Subventionen in Höhe von 26,2 Milliarden Euro gewährt, sehen sich Bund und Länder nicht in der Lage, die nach ihrer Schätzung für biodiversitätserhaltende Maßnahmen in Natura 2000 Gebieten erforderlichen 1,4 Milliarden Euro bereitzustellen.

Was unterscheidet den Bericht von früheren seiner Art? Die Bilanz ist negativer denn je. Dafür aber ist von Resilienz die Rede, die erhalten oder wiedergewonnen werden müsse, und der Bericht von A bis Z geschlechtergerecht: Autorinnen und Autoren, Landwirtinnen und Landwirte, Ornithologen und Ornithologinnen. Nur den Experten und Langstreckenziehern unter den Zugvögeln ist die weibliche Form noch nicht zugesellt und an einer Stelle ist der Bericht unentschuldbar militant. Den Artenrückgang müsse man aufhalten "auf breiter Front", heißt es im Bericht. Vielleicht, weil jemand Krieg führt gegen die Natur.

Rückblick: Die Uhus am Hildesheimer Dom im Jahr 2018 - Mai 2020

Junge Uhus am Hildesheimer Dom 2018 © Joachim Achtzehn

Seit 2014 brüten Uhus am Hildesheimer Dom, wenngleich nicht in jedem Jahr erfolgreich und mitunter mit einigen Überraschungen. Überraschungen gab es dort auch im Mai 2018 - also vor genau zwei Jahren. In der kürzlich erschienenen Ausgabe 69/2019 des Eulen-Rundblicks berichten Joachim Achtzehn, Wilhelm Breuer, Angelika Krueger und Dirk Preuß über den Verlauf der damaligen Brutzeit. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 3,46 MB), wenn Sie den Beitrag lesen möchten.

Stefan Brücher beringt Uhus vor der Webcam - Mai 2020

Am Sonntag, den 17. Mai 2020 , sollen die beiden jungen Uhus am Webcam-Felsen in der Eifel beringt werden - ab 12 Uhr soll es losgehen. Stefan Brücher wird dann auch die Konstitution der beiden Uhus zuverlässig beurteilen können. Der jüngere der beiden Jungvögel hatte in den letzten Wochen Anlass zur Sorge gegeben, machte aber jüngst Fortschritte. Seien Sie also herzlich eingeladen, bei der Beringung über die Webcam live mit dabei zu sein. Nach der hoffentlich erfolgreich verlaufenden Beringung möchte Stefan Brücher die Gelegenheit nutzen, die Glaskuppel der Cam zu reinigen und einen defekten Infrarotscheinwerfer zu ersetzen.

40 Jahre für Uhus in der Eifel - Mai 2020

Stefan Brücher mit Waldkauz Ende der 1960er Jahre © Privat

"Jetzt sollte an jeden Eifel-Uhu ein Ring." Auch nach mehr als 40 Jahren lassen Stefan Brücher die Uhus nicht los. Seit einigen Wochen ist er pausenlos unterwegs, um die jungen Uhus im 5.300 km² großen Gebiet der Eifel mit Ringen der Vogelwarten Helgoland und Radolfzell zu kennzeichnen - im Dienst der wissenschaftlichen Vogelberingung und des Naturschutzes. Am Ende der Saison wird Stefan Brücher allen Uhunachwuchs der Eifel beringt haben - wie jedes Jahr. In manchen Jahren mehr als 300.

In der Ausgabe 69/2019 des Eulen-Rundblicks erschien ein Portrait über Stefan Brücher: 40 Jahre für Uhus in der Eifel. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 732 KB), wenn Sie den Beitrag lesen möchten. Das obige Foto zeigt den jungen Stefan Brücher mit einem jungen Waldkauz. Das Foto entstand Ende der 1960er Jahre.

Eulen-Rundblick Nr. 69/2019 erschienen - Mai 2020

Titelseite Eulen-Rundblick 69/2019

Die Ausgabe 69/2019 des Eulen-Rundblicks ist da. Der Eulen-Rundblick ist keine Zeitschrift der EGE, sondern die Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz bedrohter Eulen (AG Eulen). Das 116 Seiten umfassende Heft erscheint im 44. Jahr des Bestehens der AG Eulen. In dem Heft finden Sie auch den nachstehenden EGE-Jahresbericht 2018. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 4,05 MB), wenn Sie den Bericht lesen möchten.

Der Eulen-Rundblick erscheint i.d.R. einmal jährlich. Er enthält Originalbeiträge, Fachberichte und Informationen über Biologie und Schutz der Eulen. Das Jahresabonnement kostet 15 Euro einschließlich Porto und Versandkosten. Bestellungen richten Sie bitte an Herrn Klaus Hillerich, Röntgenstr. 7, 64823 Groß-Umstadt,  klaus.hillerich@t-online.de.

Zum 70. Geburtstag von Wilhelm Bergerhausen - Mai 2020

Wilhelm Bergerhausen um 1977 © Claus Mayr

Am 09. Mai 2020 wäre Wilhelm Bergerhausen 70 Jahre alt geworden. Bergerhausen war einer der profiliertesten Eulenschützer in Deutschland. Für die Wiederansiedlung des Uhus in Deutschland hatte er bereits seit Mitte der 1970er Jahre in der damaligen "Aktion zur Wiederansiedlung des Uhus" an herausragender Stelle gearbeitet.

Nach dem erfolgreichen Abschluss dieses Projektes gründete Bergerhausen 1990 die EGE, um einen vergleichbaren Erfolg auch für andere bedrohte Eulenarten zu ermöglichen. Nach unermüdlichem Einsatz für diese Sache starb Wilhelm Bergerhausen überraschend im November 2006 im Alter von 56 Jahren. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 248 KB), wenn Sie den 2006 in der Zeitschrift "Natur und Landschaft" erschienenen Beitrag lesen möchten, in dem Wilhelm Breuer den Verstorbenen gewürdigt hat.

Drei im Einklang - Mai 2020

Drei junge Waldkäuze © Andreas Keller

Im Mai berichteten wir an dieser Stelle über "Baumarbeiten zur Unzeit". Damals war von zwei jungen Waldkäuzen die Rede. Heute wissen wir es besser: In der hohlen Pappel wuchsen drei Waldkäuze heran. Diese drei (Im Bild) verbringen die Zeit aktuell als Ästlinge ganz in der Nähe der Pappel. Die nächsten Wochen werden sie von den Altvögeln noch mit Nahrung versorgt werden.

Vorschau auf die Steinkauz-Saison - Mai 2020

Obstwiese © Michael Papenberg

In der Eifel sind die jungen Uhus geschlüpft; manche sind schon so groß, dass Stefan Brücher sie hat beringen und Patenschaften für Uhus des Jahrganges 2020 abgeschlossen werden können.

Und wie ist die Situation bei den Steinkäuzen in der Kölner Bucht? Nun, zwar haben Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller noch nicht alle potentiellen Steinkauzhabitate im Kreis Euskirchen auf die Anwesenheit von Steinkäuzen hin überprüft, aber die beiden haben schon 157 besetzte Reviere registriert. Das ist exakt die Zahl der im Vorjahr besetzten Reviere. Dabei deutet an weiteren 20 Stellen des Kreises alles auf Steinkäuze hin, so dass sich das gute Ergebnis des Vorjahres vielleicht noch steigern könnte. "Wir rechnen mit einem zufriedenstellenden Steinkauz-Jahr", sagt Peter Josef Müller. Die allermeisten Gelege umfassen vier oder fünf Eier. Ob sich mit dem Niederschlag der letzten Tage die Nahrungssituation für die Käuze verbessert hat, ist schwer zu sagen. In jedem Fall wird das Gras kräftig wachsen, was die Jagd auf Mäuse und Regenwürmer nicht gerade leichter macht. Hauptsache, das Grünland wird beweidet oder gemäht, wenn die Steinkäuze aus dem Ei geschlüpft sind und den größten Hunger entwickeln. Im Nachbarkreis Düren ist die Lage nach ersten Kontrollen ähnlich gut, berichtet Doris Siehoff. Sie freut sich überdies, dass in ihrer Heimatgemeinde Hürtgenwald erstmals Steinkäuze brüten und somit alle Gemeinden im Kreis Düren vom Kauz besiedelt sind.

Baumarbeiten zur Unzeit - Mai 2020

Glück gehabt: Waldkauz im hohlen Baum © Joachim Achtzehn

Die Arbeiter eines kommunalen Bauhofs irgendwo im Landkreis Hildesheim rückten bereits mit Hubsteiger und Motorsäge den über einem Wirtschaftsweg ragenden Ästen der alten Pappel (im Bild) zu Leibe, als vom Lärm aufgeschreckt zwei Waldkäuze aus dem hohlen Baum davonflogen. Bald stellte sich heraus, dass in dem hohlen Baum in diesem Frühjahr Waldkäuze brüteten und Junge aufzogen. Dank des beherzten Eingreifens eines unbeteiligten Mitarbeiters der Straßenmeisterei, der die Sache beobachtete, und mit Unterstützung von Angelika Krueger von der Arbeitsgruppe Eulen des NABU Hildesheim verlief die Aktion glimpflich. Das war Mitte März. Ende April kletterten aus dem hohlen Baum zwei junge Waldkäuze.

Waldkäuze legen oft bereits im Februar Eier. Aber, wer weiß das schon. Das Verbot von Roden, Fällen und Zurückschneiden von Bäumen außerhalb des Waldes in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September kommt dann für Waldkäuze zu spät. In jedem Fall bedarf es vor Aufnahme der Baumarbeiten der Kontrolle, um baumbewohnende Vögel nicht unabsichtlich zu töten, zu verletzten oder erheblich zu stören.

Im Landkreis Hildesheim ist die Sache gerade noch einmal gutgegangen. Und wo nicht, erfährt es zumeist niemand. Jetzt immerhin weiß man um die Bedeutung des hohlen Baumes am Rande eines Dorfes, so dass Baum und Waldkäuze künftig vor Baumarbeiten geschützt sein sollten.

COVID-19: Ein Perspektivwechsel - Mai 2020

Besucher im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer © Eilert Voß/Wattenrat Ostfriesland

Das Jahr 2020 wird in die Geschichte eingehen. Vielleicht auch in die Naturschutzgeschichte. Natürlich wegen der COVID-19-Pandemie. Die zur Eindämmung der Lungenkrankheit staatlicherseits angeordneten Mobilitätsbeschränkungen verschaffen der Natur eine unverhoffte Atempause. Das gilt beispielsweise für die Strände in den deutschen Wattenmeer-Nationalparken.

Dort gehörte vor den Beschränkungen nur ein minimaler Teil der Strände, trotz ihrer Lage in den Schutzgebieten, den strandbrütenden Vogelarten. Und selbst in den Abschnitten mit einem strikt geltenden Betretungsverbot (wie im Bild) kam es fortwährend zu Übertretungen, weil Ranger mit nicht mehr ausgestattet als der Befugnis zur Ermahnung nicht rund um die Uhr das garantieren können, was in einem Nationalpark gesetzlich verlangt ist: Naturschutz - nötigenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit, die schon in Gestalt eines einzigen strandlaufenden oder sonnenbadenden Menschen die Ansiedlung und den Bruterfolg eines Sandregenpfeifers oder einer ganzen Zwergseeschwalbenkolonie vereiteln kann. Die selten kommunizierten dramatisch gesunkenen Bestandszahlen dieser Arten an Küsten und Stränden in den deutschen Wattenmeer-Nationalparken geben davon beredt Zeugnis. In diesem Jahr könnten diese Arten ausnahmsweise den Bruterfolg haben, den sie in einem jeden Jahr benötigen. Vorausgesetzt, das Tourismusgeschäft an der Küste und auf den Inseln ruht, bis die Jungvögel groß sind. Wenn nicht, rächt sich die Brutplatzwahl auf den zunächst leeren Stränden bitter. Lesen Sie dazu bitte den Beitrag "Das Ende vom Lied" (pdf-Datei, ca. 156 KB).

Menschen mit und ohne Strandkorb, Heißluftballons, Lenkdrachen, Drohnen, Quads, Sportbooten, Surfbrettern, Kiteboards, freilaufenden Hunden und besten Absichten - sie alle werden in Scharen wiederkommen. Früh genug. Die streunenden Hauskatzen der Insulaner und Küstenbewohner waren gar nicht erst fort.

Natur, Natur sein lassen - April 2020

Die Nahrung bei den Webcam Uhus an der Ahr ist in diesen Tagen knapp. Das Uhuweibchen hat Mühe, die beiden Jungvögel sattzubekommen. Das ältere Küken ist klar im Vorteil; das jüngere Küken gerät ins Hintertreffen. Einige Zuschauer mag dies befremden und die EGE erreichen Fragen wie diese:

"Fehlt Lotte der Instinkt, beide Küken gleichermaßen zu versorgen? Es belastet uns und unsere Enkel, zuzusehen, wie das Kleine bei der Fütterung neben dem großen und gefräßigen Geschwister häufig leer ausgeht."

Stefan Brücher hat darauf geantwortet. Wir fassen hier seine Antwort zusammen, weil möglicherweise auch andere Zuschauer ähnliche Fragen auf dem Herzen haben:

Lotte zieht die Jungen so auf, wie es sich seit Jahrtausenden für die Erhaltung der Art bewährt hat. Das ältere Küken hat gelernt, die Nahrung entgegenzunehmen und ist darin schon geübt. Das andere Küken ist einige Tage später geschlüpft. Das zeitversetzte Schlüpfen ermöglicht es, dass bei Nahrungsengpässen wenigstens das robusteste Küken durchkommen kann. Insofern macht Lotte es genau richtig.

Die menschliche Vorstellung, es sollte gerecht zugehen in der Welt, ist die zweifelfrei moralisch einzig richtige für die Welt der Menschen, aber kein Maßstab für die Natur. Sie ist nach menschlichen Vorstellungen ungerecht und grausam. Zugleich wird aber deutlich, dass solche Maßstäbe auf die Natur nicht sinnvoll angewandt werden können.

Das "gerechte" Verteilen erlegter Nahrung ist ein Phänomen bei Arten, die im Rudel jagen und leben, beispielsweise Wölfe oder Löwen. Ihre Überlebenschancen sind umso größer, je besser sie "zusammenarbeiten". Das galt gewissermaßen auch für die frühen Menschen und - wenn wir es recht betrachten - für die Menschheit bis heute im Ganzen. Die menschliche Solidarität dient letztlich der gesamten Menschheit.

14 Millionen Brutvögel weniger - April 2020

Braunkehlchen © www.wunderbare-erde.de

Der Frühling ist da. Die Vögel sind es nicht. Jedenfalls nicht alle. Heute leben vierzehn Millionen Brutvögel weniger in der Bundesrepublik Deutschland als Anfang der 1990er Jahre. Dieser Rückgang ist auch deshalb erschreckend, weil bereits damals die Lage vieler Vogelarten dramatisch war. Der Niedergang der Vögel der Agrarlandschaft beispielsweise ist seit den 1970er Jahren im vollen Gange; eine Trendumkehr ist nicht in Sicht.

Die düstere Prognose in Rachel Carlsons Bestseller aus dem Jahr 1962 "Der stumme Frühling", der die Folgen des DDT-Einsatzes in das öffentliche Bewusstsein brachte, bewahrheitet sich heute - ganz ohne DDT, weil die Landwirtschaft gegenüber anderen Natur und Landschaft beeinträchtigenden Nutzungen eine Sonderstellung einnimmt. Die Produktionsweisen der Landwirtschaft hat der Gesetzgeber nämlich von naturschutzrechtlichen Beschränkungen weitgehend ausgenommen. Die gesetzlichen Sorgfalts- und Betreiberpflichten, an welche Landwirte gebunden sind, genügen angesichts des Rückganges der Agrarvögel offenkundig nicht.

Die Durchführung von Vogelschutzmaßnahmen ist hier vielmehr von der Kooperationsbereitschaft der landwirtschaftlichen Unternehmen abhängig, ohne diese dazu verpflichten zu können. Für die notwendige Akzeptanz der Grundeigentümer muss gezahlt werden. Dabei müssen die Zahlungen mit den bei einer auflagenfreien Bewirtschaftung erzielbaren Preisen für Nahrungsmittel, Rohstoffe oder Strom aus erneuerbaren Energien konkurrieren.

Die von der öffentlichen Hand für den Naturschutz im Agrarraum bereitgestellten Mittel genügen weder für eine Trendumkehr, noch um weitere Biodiversitätsverluste stoppen zu können. Die Maßnahmen erreichen zumeist nur Einzelflächen, zudem ohne längerfristige Bindung, zusammengenommen nur einen kleinen einstelligen Prozentanteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche - die agrarförderrechtlich verlangten, für den Vogelschutz ohnehin kaum wirksamen Greening-Maßnahmen eingeschlossen. In der Hauptsache aber fehlt eine ausreichende rechtliche Bindung der Landwirtschaft an Anforderungen des Naturschutzes und der Landschaftspflege.

Die desaströse Lage im Agrarraum beschreibt der Koalitionsvertrag der Bundesregierung trickreich und euphemistisch übrigens so: "Die Landwirtschaft hat ein großes Potential für die Bewahrung der Biodiversität". Solange dieses Potential nicht gehoben wird, ist der Niedergang der biologischen Vielfalt nicht aufzuhalten.

Frohe Ostern - April 2020

Buschwindröschen © Michael Papenberg

Am Karfreitag ist ein erstes Küken der Webcam-Uhus im Ahrtal geschlüpft. Das Küken ist wohlauf. Fütterungen waren schon zu beobachten. Das Uhumännchen hat passend zum Schlupf ein Kaninchen bis ans Nest geliefert. Die Versorgung des Kükens ist damit für die nächsten Tage gesichert. Auf ein zweites Küken muss möglicherweise noch etwas gewartet werden, weil die Eier in einem Abstand von einigen Tagen gelegt wurden.

Die EGE dankt allen Personen, die die Arbeit der EGE unterstützen und wünscht allen schöne Beobachtungen der Webcam-Uhufamilie und frohe Ostern.

Steine, Schlamm und Uhus - April 2020

Zwei Uhus © www.wunderbare-erde.de

Sind Steinbrüche ein Platz für Uhus? Können sie dort bei laufendem Abbaubetrieb, Sprengarbeiten und Schwerlastverkehr erfolgreich brüten? Ja, sie können es. Das ist auch den Abbauunternehmen und den dort tätigen Personen zu verdanken, die zusammen mit Stefan Brücher bemüht sind, die Uhus trotz des Abbaugeschehens zu schützen. Einen Einblick in dieses Unterfangen eröffnet ein Film von Sonia Marie Weinberger und Stefan Brücher mit Aufnahmen aus dem März 2020. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie Stefan Brücher auf seinen Kontrollgängen an ungewöhnlichen Brutplätzen der Uhus in der Eifel über die Schulter schauen möchten.

Tod einer Eule - April 2020

Tote Waldohreule © Eberhard Giese

Jährlich sterben weltweit Millionen Vögel im Maul von Hauskatzen, bei der Kollision mit Glasscheiben und Kraftfahrzeugen oder in Gebäuden, in die Vögel hineingelangen, ohne wieder herauszufinden. Jedes dieser Ereignisse ist ein Tierdrama. Das zeigt der Fall einer Waldohreule, die in diesen Tagen unglücklicherweise in eine Industriehalle im niedersächsischen Hildesheim geriet. Solche Gebäude haben Notausgänge für Menschen, aber nicht für Vögel. Zwar blieben die Eingangstore einen Tag und eine Nacht am Wochenende eigens geöffnet. Doch die Hoffnung, die Eule würde den gebotenen Fluchtweg nutzen, trog. Die Halle ist hoch, aber die Tore sind niedrig; die Eule suchte ihrer Natur gemäß die Rettung in der Höhe. Aber der Himmel ist in einer Halle niemals offen. Die Öffnung der Oberlichter, durch die die Eule ihrem Gefängnis hätte entfliehen können, wollte die Firma nicht öffnen. Zwar hätten sie automatisch geöffnet, aber anschließend nur manuell geschlossen werden können, hieß es. Die Kosten für eine solche Aktion seien zu hoch. Schließlich gelang es, die Eule einzufangen, aber erst zu einem Zeitpunkt, als sie so geschwächt war, dass sie auf dem Weg zur tiermedizinischen Versorgung starb. Ein Tierdrama, das Angelika Krueger von der Arbeitsgruppe Eulen des NABU Hildesheim besonders nahegeht, denn sie ließ nichts unversucht, die Waldohreule zu retten.

Der Fall illustriert exemplarisch die Gefahren, denen Wildtiere in der Zivilisationslandschaft erliegen. Alltäglich. Es sind, mit den Worten des Gesetzgebers, sozialadäquate Verluste. Verluste, die immer wieder bemüht werden, um neue zu relativieren, beispielsweise Kollisionsopfer an Straßen oder Windenergieanlagen. Jeder verweist entschuldigend auf die von den jeweils anderen zu verantwortenden Verluste, zumal wenn diese noch größer sind als das eigene Verschulden. Die Welt wird darüber für Wildtiere nicht weniger gefährlich. Es summieren sich nur die Verluste. Die Rechnung bezahlen die Wildtiere.

Bundesregierung plant Offensive für Landschaftsschutz - 1. April 2020

© Eilert Voß

Mit den Bemühungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben der internationale Tourismusflugverkehr und die Kreuzschifffahrt ein vorläufiges Ende gefunden. Vielleicht sogar für längere Zeit. Einiges spricht für dauerhafte Beschränkungen von Vergnügungsreisen ins Ausland. So begünstigen die Reisen das Ausbrechen neuer Pandemien. Rückholaktionen des Auswärtigen Amtes zugunsten im Ausland gestrandeter Touristen wie in den letzten Wochen verursachen erhebliche Kosten. Es werden deshalb Forderungen laut, nach einem Abklingen der Infektionswelle sollten die Deutschen ihre Urlaube nur noch im Inland verbringen. Das würde auch Deutschlands CO2-Bilanz deutlich verbessern.

Zu diesem Zweck will Bundesumweltministerin Svenja Schulze mit einem Sofortprogramm „Unser Land soll schöner werden“ den Erholungswert von Natur und Landschaft durchgreifend verbessern. Mit Investitionen in Höhe von zunächst 1,5 Milliarden Euro sollen beispielsweise die Hälfte der hierzulande 2,5 Millionen Hektar monotoner Maisanbaufläche in blühende Landschaften verwandelt und Windenergieanlagen, die näher als 1.000 m zu Nationalparken und Naturschutzgebieten oder in ähnlich wertvollen Gebieten errichtet wurden, abgebaut werden. Mit diesen Maßnahmen könnten partiell Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft zurückgewonnen, der Urlaubsstandort Deutschland attraktiver und die Menschen von Fernreisen abgehalten werden. Jede eingesparte Flug- oder Seemeile, so die Bundesumweltministerin, diene dem Klimaschutz. Dieses wichtige Ziel rechtfertige unter besonderen Umständen den Abbau von Windenergieanlagen, denn Landschaftsschutz sei Klimaschutz.

Die Bundesregierung plant, Wähler von Bündnis90/Die Grünen und Mitglieder von Umweltorganisationen an der Finanzierung der Maßnahmen zu beteiligen, weil diese Personen überproportional viele und weite Flugreisen unternähmen und zugleich größere Anstrengungen des Staates zum Klimaschutz verlangten. Über Einzelheiten will die Bundesregierung bei ihrer nächsten Klausurtagung auf Schloss Meseberg entscheiden.

Zu den älteren Nachrichten des aktuellen Jahrgangs


Suche auf diesen Seiten


   

Suchtipps