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Nachrichten

Bürvenich ist "Steinkauz freundliches Dorf" - März 2019

Verleihung der Plakette © Sonia Marie Weinberger

Bürvenich und Eppenich sind zwei Orte im Gebiet der Stadt Zülpich im nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen. Im Februar 2019 hat die EGE die beiden Orte als Steinkauz freundliches Dorf ausgezeichnet. Warum? Nun, 2018 gab es dort sage und schreibe neun Brutpaare der kleinen Eulenart. Mindestens 22 junge Käuze wurden flügge und von Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller beringt.

Seit dem Jahr 2001 haben die Müllers allein in Bürvenich und Eppenich 217 junge Steinkäuze registriert. Eine beeindruckend hohe Zahl! Dieses Ergebnis ist der unermüdlichen Sorge der Müllers zu verdanken, aber auch der Mitarbeit der Grundeigentümer, welche die Steinkäuze auf ihrem Land dulden und "ihre" Käuze geschützt wissen möchten. Und noch etwas Entscheidendes kommt hinzu: Die Ortsgemeinschaft Bürvenich-Eppenich setzt nicht auf immer mehr Bauland, sondern stellt nur so viel Wohnbauland zur Verfügung, wie die Dorfgemeinschaft benötigt. "Auch deshalb", freut sich Peter Josef Müller (7. v. l.), "haben Bürvenich und Eppenich die Auszeichnung hochverdient."

Zülpichs Bürgermeister Ulf Hürtgen sagte, die Auszeichnung sei ein weiterer Grund, auf die Bürvenicher stolz zu sein. Der Ort war zuvor bereits beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" ausgezeichnet worden, was beweist, dass Naturschutz und Dorfentwicklung keine Gegensätze sein müssen. "Der Naturschutz liegt uns am Herzen", bedankte sich Ortsvorsteher Jörg Körtgen (6. v. l.), der die Plakette "Steinkauz freundliches Dorf" stellvertretend für die Bürvenicher aus der Hand von Peter Josef Müller entgegennahm.

Nicht wenige der in den letzten Jahren in Bürvenich und Eppenich beringten jungen Käuze haben die Müllers später brütend wiedergefunden. Dabei zeigte sich: Die Männchen bleiben gerne am Ort oder in der näheren Umgebung und besetzen dort Brutplätze. Die Weibchen indessen sind reiselustiger. Mehr als zehn Kilometer reisen aber auch sie nur ausnahmsweise. Nur einen Kauz fanden die Müllers 24 Kilometer vom Beringungsort entfernt. Die Karte der Müllers mit den Wiederfunden Bürvenicher und Eppenicher Käuze zeigt eindrücklich: hier ist nicht nur ein Hotspot für Steinkäuze, sondern von hieraus werden sternförmig die Nachbardörfer beständig mit Steinkäuzen versorgt. Deutschland braucht mehr Dörfer wie Bürvenich und Eppenich!

Neue Ausgabe von "Nationalpark" erschienen - März 2019

Titel Heft 1/2019 der Zeitschrift 'Nationalpark'

Einen Habichtskauz - eine waldbewohnende Eulenart, die alte Wälder bewohnt - präsentiert die Redaktion der Zeitschrift "Nationalpark" auf der Titelseite der gerade erschienenen Ausgabe. Das 46 Seiten starke Heft 1/2019 ist ganz dem Thema Wald und Naturschutz gewidmet; es ist ein Plädoyer für "Waldwildnis", ein Beitrag gegen die "Mythen der Forstlobby" und der fundierte Appell für eine "Waldwende im Wirtschaftswald". Zur Ausgabe gelangen Sie hier.

Ins Themenheft Wald fügt sich der Beitrag von EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer "Wald am Abgrund". In Breuers Essay geht es um den Hambacher Forst, der seit 40 Jahren Stück um Stück abgeholzt wird, "nur" weil darunter Kohle liegt und der kürzlich zum Sinnbild für die Auseinandersetzungen um Klimaschutz und Kohleausstieg wurde. Breuer, in Hambach aufgewachsen, ist Zeitzeuge der Vorgänge um den Hambacher Forst, der in seinen Resten immer noch beeindruckend schön und natürlich ist. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 912 KB), wenn Sie den Beitrag aus der Feder des Insiders lesen möchten.

Übrigens: Gerettet ist der Rest des Waldes nicht. Setzt sich der Tagebau Hambach bis 2038 fort, also bis zum von der Kohlekommission vorgeschlagenen Ausstieg aus der Braunkohle, wird von diesem Wald nichts übrigbleiben. Denn das Ende des Tagebaus Hambach ist bisher für 2040 terminiert. Die Kohlekommission hält es lediglich für wünschenswert, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt.

Die Zeitschrift "Nationalpark" berichtet seit 1974 viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, großer Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift leistet sich, was in der deutschen Zeitschriftenlandschaft eine Ausnahme ist: einen unabhängigen, kritischen und fundierten Blick auf die Sache des Naturschutzes.

Herausgeber der Zeitschrift ist der "Verein der Nationalpark-Freunde e.V." Die Zeitschrift erscheint im Oekom Verlag. Die EGE empfiehlt diese Zeitschrift mit den Worten, die der Gründer der Zeitschrift, der Journalist Horst Stern, für sie gefunden hat: "Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen". Der Abonnent bleibt einem Mann verbunden, der ab Beginn der 1970er Jahre mit dem Mut zur Emotion und dem Gewicht einer Feder dem Naturschutz eine Stimme gab und Format verschaffte: Dr. h.c. Horst Stern. Der im Januar 2019 verstorbene Journalist ist Mitbegründet der Zeitschrift "Nationalpark". Die Zeitschrift weiß sich Sterns Anliegen verpflichtet. Werden Sie Leser von "Nationalpark"! Oder verschenken Sie ein Jahresabonnement - beispielsweise an junge Menschen, für die Stern ein Unbekannter ist, auf die es aber bald ankommen wird im Naturschutz. Informationen für ein Probeabo finden Sie hier.

Hilfe für bedrohte Schleiereulen - März 2019

Schleiereule © Andreas Schüring

Mit einer Poster-Ausstellung im Foyer der Sparkassenfiliale am Marktplatz in Hildesheim werben der Naturschutzbund (NABU) und der Ornithologische Verein Hildesheim (OVH) für den Schutz der bedrohten Schleiereulen. Vom 1. bis zum 15. März können sich Besucher über die Bedürfnisse und den Lebensraum der anmutigen Mäusejäger informieren. Die Rollups der EGE sind Teil der Ausstellung. In der zweiten Märzhälfte ist die Ausstellung auch in der Hildesheimer Stadtbibliothek und am Bischöflichen Gymnasium Josephinum zu sehen.

Käuze im Visier von Bauspekulanten - März 2019

Steinkauz © www.as-naturfotografie.de

In Dürboslar, einem beschaulichen Ort in der Kölner Bucht, soll ein neues Baugebiet entstehen. Genehmigt ist es noch nicht, aber die Gewinninteressen sind zum Greifen nah. Dumm nur, dass in dem betreffenden Gebiet der Steinkauz heimisch ist. Die Existenz des Kauzes könnte die Pläne der Gemeinde durchkreuzen. Noch bevor in Politik und Verwaltung die Würfel gefallen sind, wurde nun im Kauzlebensraum herumgesägt: Eine siebzigjährige Eiche nebst Steinkauzröhre liegen seit einigen Tagen zerlegt am Rande des erhofften Baulandes und eine Menge Büsche dazu. Ob der oder die Verantwortlichen ermittelt und der Frevel rechtlich geahndet werden? Die Gemeinde, der Kreis und der Investor zeigen sich überrascht. Wie die Sache wohl ausgeht?

So ungewöhnlich ist der Fall nicht. Es ist noch keine 14 Tage her, da verschwand an einer anderen Stelle desselben Kreises eine Steinkauzröhre, in der im Vorjahr Käuze gebrütet haben. Auch dort sind Bauinteressen im Spiel.

Nachdem Deutschland nach der Verurteilung vor dem Europäischen Gerichtshof 2007 das deutsche Artenschutzrecht verschärfen musste, greifen Investoren und Spekulanten bisweilen zur Selbsthilfe und räumen einfach aus dem Weg, was ihre Gier begrenzen könnte: Lebensstätten heimischer Wildtiere oder diese Tiere selbst. Zumeist droht nur ein Bußgeld - wenn überhaupt.

Neues vom Habichtskauzprojekt in Bayern - Februar 2019

Habichtskauz © www.wunderbare-erde.de

Der Habichtskauz zählt zu den größten und seltensten Eulenarten in Mitteleuropa. Außerhalb des Nationalparks Bayerischer Wald galt er bis zum Start des Wiederansiedelungsprojektes des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e. V. (VLAB) im Jahr 2017 in Deutschland als ausgestorben. Experten vermuten, dass der letzte Habichtskauz im Jahr 1926 im Böhmerwald und dessen südwestlichen Ausläufern, dem Bayerischen Wald, erschossen wurde. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie mehr über den Habichtskauz erfahren möchten.

Das Habichtskauzprojekt des VLAB geht nun ins dritte Jahr. Ziel ist die Begründung einer stabilen Population von Habichtskäuzen in Nordostbayern. Zentrum des Projektes sind der Steinwald, das südliche Fichtelgebirge und der Oberpfälzer Wald. 2018 wurde im südlichen Steinwald ein erstes Revier der seltenen Vögel registriert. Auch 2019 sollen im Projektgebiet zoogeborene Jungeulen in die Freiheit gesetzt werden. Zur aktuellen Pressemitteilung des VLAB gelangen sie hier (pdf-Datei, ca. 88 KB).

Regenerative Energien nicht gegen den Naturschutz durchsetzen - Februar 2019

Mäusebussard © www.wunderbare-erde.de

Das Bundesamt für Naturschutz fordert beim Ausbau der erneuerbaren Energien aktuell mehr Rücksichtnahme auf Natur und Landschaft. Zwar sei dieser Ausbau mit dem Naturschutz vereinbar, die Energiewende müsse aber natur- und umweltverträglich erfolgen. Neu ist diese Erkenntnis auch im Bundesamt für Naturschutz nicht. Allerdings sind Begriffe wie natur- und umweltverträglich alles andere als konturenscharf, sondern unbestimmt. Vor 20 Jahren hatte dieses Amt deswegen wesentlich konkretere Anforderungen beispielsweise an Standortentscheidungen zugunsten der Windenergiewirtschaft formuliert.

Seitdem sind in Deutschland - nach Überzeugung der Branche und der Zulassungsbehörden selbstverständlich "natur- und umweltverträglich" - nicht nur 30.000 Windenergieanlagen errichtet worden, sondern die Stellungnahmen des Bundesamtes für Naturschutz zum Ausbau der regenerativen Energien verhaltener ausgefallen. In dem faktenbasiert prognostizierten Tod von jährlich mehr als 8.000 Mäusebussarden an norddeutschen Windenergieanlagen beispielsweise mag das Amt kein artenschutzrechtliches Problem erkennen. Kritiker sehen darin das Bestreben, die individuenbezogenen artenschutzrechtlichen Verbote auf ein populationsbezogenes Niveau abzusenken. Statt nur die alten Appelle zu wiederholen und anderen Korrekturen nahezulegen, sollte das Bundesamt auch eigene Positionen korrigieren. Das würde die Sache des Naturschutzes stärken.

Steinkauz im Rathaus der Stadt Nideggen - Februar 2019

Steinkauz © www.as-naturfotografie.de

Noch bis zum 13. März 2019 ist die Ausstellung der EGE "Den Steinkauz im Dorf lassen" im Rathaus der Stadt Nideggen zu Gast. Öffnungszeiten sind Mo - Fr: 08.00 - 12.30 Uhr, Mo - Di: 13.30 - 15.30 Uhr, Do: 13.30 - 17.00 Uhr. Der Ort Berg in der Stadt Nideggen ist kürzlich von der EGE als "Steinkauz freundliches Dorf" ausgezeichnet worden. Hier brüteten im Jahr 2011 lediglich zwei Paare, die fünf Junge groß zogen, 2018 hingegen sieben Paare mit 20 Jungen.

Uhus in urbaner Umgebung - Februar 2019

Uhu in urbaner Umgebung © www.wunderbare-erde.de

Uhus brüten längst nicht mehr nur in menschenleeren Gebirgsgegenden, sondern auch im urbanen Gelände. Denn menschenscheu und wild machte den Uhu erst die Jagd. Diese Zeiten sind gottlob vorüber. Die Koexistenz von Menschen und Uhus ist möglich. Auch in Bad Honnef bei Bonn, meint der Vorsitzende der EGE, Stefan Brücher. Darüber berichtete kürzlich der Bonner Generalanzeiger. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Bericht lesen möchten. Zudem hat die Zeitung Stefan Brücher zum Schutz der Uhus befragt. Das Interview finden Sie hier.

Uhupatenschaft geht an Schulklasse im Bayerischen Wald - Februar 2019

Uhuzeichnung aus der Schule in Perlesreut

Birgit und Gerhard Mayer aus Gemünden am Main unterstützen die Arbeit der EGE auf besondere Weise. Erneut haben sie für eine Uhupatenschaft gespendet, die Patenschaft aber nicht für sich behalten, sondern einer Schulkasse geschenkt. So ging im November 2018 die Urkunde über einen Uhu aus der Eifel an die Klasse 2 a der Grund- und Mittelschule Perlesreut im Bayerischen Wald. Für die Schüler gab es zudem passend zur Zeit und Thema Eulen-Adventskalender. Die Klassenlehrerin, Kathrin Bibelriether, schrieb der EGE: "Mit großer Begeisterung wurde die Uhupatenschaft von meinen Schülern aufgenommen. Sie haben sich für den Namen "Amalia" entschieden. Die Adventskalender bereiteten uns viel Freude. Die Kinder haben sich eifrig die Namen der abgebildeten Tiere gemerkt!"

Bald darauf widmete sich die Klasse im Fach Kunsterziehung ihrem Uhu. Vom Ergebnis konnten sich jetzt die Mayers aus Gemünden und die EGE überzeugen. Vor einigen Tagen flogen ihnen von den Kindern gemalte Uhubilder zu. Von den Mayers gab es als Dankeschön das Buch von Dorothee Warnecke "Wer die Eule liebt". Die beiden EGE-Kinderbücher "Wo die Eule schläft" und "Die Uhus vom Dom" von Wilhelm Breuer machen an der Schule in Perlesreut schon länger die Runde.

Die EGE dankt der Klassenlehrerin, allen Schülerinnen und Schülern der Klasse 2 a sowie Birgit und Gerhard Mayer, die mit der Patenschaft die Umweltbildung fördern und die Bemühungen der EGE finanziell unterstützen.

"Hambi" bleibt. Wirklich? - Februar 2019

Hambacher Wald an der Abbaukante © www.wunderbare-erde.de

Vor wenigen Tagen hat die Kohlekommission der deutschen Bundeskanzlerin einen 336 Seiten starken Bericht zum Ausstieg aus der Braunkohle vorgelegt. Nach 2038 soll, geht es nach der Kommissionsempfehlung, keine Braunkohle mehr verstromt werden. 40 Milliarden Euro Strukturhilfe sollen die volkswirtschaftlichen Folgen des Ausstiegs abfedern. Darin sind mögliche Entschädigungsforderungen der Kohlestromwirtschaft sowie die Kosten für den Ausbau der regenerativen Energiewirtschaft nicht eingerechnet.

Gerade die Kosten für die Substituierung des Kohlestroms sollten nicht unterschätzt werden, denn Sonne und Wind schicken, den alten Slogan der Branche widerlegend, doch eine Rechnung. Zur bitteren Wahrheit gehört auch, dass Windenergie- und Photovoltaikanlagen nur Strom produzieren, wenn ausreichend stark der Wind weht bzw. die Sonne scheint. Zudem ist auch die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen keineswegs "umweltneutral", wie ganze Landstriche unter Mais und Windenergieanlagen oder der Abbau der Rohstoffe für die Solartechnik mit gravierenden Folgen für die Biodiversität belegen. Auch die Braunkohlestrom ersetzende Energie ist nie grün, sondern kostet Natur. Fakten, die allerdings einer mehr von Wunsch als Wissen beseelten Gesellschaft nur schwer zu vermitteln sind.

Ist nun wenigstens der Hambacher Wald ("Hambi") gerettet, wie die großen Umweltverbände prophezeien und die kleine Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen hofft? Mitnichten, wie beispielsweise das wirtschaftsnahe "Handelsblatt" nach Erscheinen des Kommissionsberichts kommentiert. Die Kohlekommission hält es lediglich für wünschenswert, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt. Geht der Tagebau Hambach bis 2038, also bis zum von der Kohlekommission vorgeschlagenen Ausstieg aus der Braunkohle, wird von diesem Wald nichts übrigbleiben. Denn das Ende des Tagebaus Hambach mit der restlosen Zerstörung des gleichnamigen Waldes ist bisher für 2040 terminiert.

Vielleicht kann man es aber auch so sehen: Die Deutschen setzen sich seit Jahren ehrgeizige ("ambitionierte") Ziele - beispielsweise den Stopp des Artensterbens, die Begrenzung des Flächenverbrauchs, die Senkung der Nitratbelastung des Grundwassers, eine höhere Quote des Lesens und Schreibens fähiger Schulabsolventen, die Fertigstellung des Hauptstadtflughafens oder auch nur eine halbwegs pünktliche Bahn. Ziele, die sie grandios verfehlen.

In der letzten Woche hat allerdings nicht nur die deutsche Kohlekommission von sich reden gemacht, sondern auch die Europäische Kommission. Sie hat in einem 99seitigen ergänzenden Aufforderungsschreiben an den Bundesminister des Auswärtigen die Mängel präzisiert, die die Kommission den Deutschen seit 2015 in einem Beschwerdeverfahren vorhält: Deutschland würde die gesetzlichen Anforderungen an die Unterschutzstellung gemeinschaftlich bedeutender Naturschutzgebiete systematisch verfehlen. An eine Unterschutzstellung, die notabene bereits vor annähernd zehn Jahren hätte erfolgt sein müssen. Die Medien hat dies weitgehend kalt gelassen, weil Naturschutz in der Berichterstattung etwa denselben Stellenwert hat wie in der Politik: nämlich keinen. Das könnte sich mit einer Verurteilung Deutschlands vor dem Europäischen Gerichtshof ändern. Es wäre nicht die erste wegen Missachtung von Unions-Naturschutzrechts. Wenn der Rest des Hambacher Waldes erhalten bleibt, dann am ehesten, wenn sich der Wald aufgrund der Vorschriften der FFH-Richtlinie der Europäischen Union als zwingend zu schützen herausstellt, was deutsche Gerichte zu entscheiden haben.

Eingriffe für die Energiewende - Januar 2019

Baumkronen © www.wunderbare-erde.de

Die Bundesregierung mag die Pläne einer Bundeskompensationsverordnung nicht aufgeben, sondern arbeitet nach Jahren gescheiterter Versuche erneut an einer solchen Verordnung - jetzt allerdings beschränkt auf Eingriffsvorhaben im Zuständigkeitsbereich des Bundes.

Eine Bundeskompensationsverordnung könnte durchaus der Sache des Naturschutzes nützen, würde man sie an den Maßstäben eines echten Schadensausgleichs orientieren. Doch damit ist auch weiterhin nicht zu rechnen: Mit der Verordnung will die Bundesregierung nicht neue Eingriffe, sondern die Kompensation begrenzen.

Die Hintergründe für den neuen Vorstoß der Bundesregierung liegen auf der Hand: Der Energieleitungsausbau soll beschleunigt, die Kompensation der Eingriffsfolgen für Natur und Landschaft begrenzt und land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen vor Kompensation (nicht für Eingriffe!) in Schutz genommen werden.

Schon die vorherige Bundesregierung hatte sich Fertigstellung und Einführung einer Bundeskompensationsverordnung vorgenommen und dieses Ziel im Koalitionsvertrag - ehrlicherweise - nicht unter Naturschutz, sondern Landwirtschaft deklariert.

Zum Tode von Horst Stern (1922-2019) - Januar 2019

Hambacher Wald © www.wunderbare-erde.de

Horst Stern hat seine Wirkung eher gering veranschlagt. Über sich selbst sagte der mit Ehrungen und Preisen ausgezeichnete Journalist, er habe den Menschen den Charakter ihrer Gesellschaft vorhalten wollen, aber man habe ihn unterm Strich für einen Tierfilmer gehalten. Zum Ende der 1990er Jahre zog sich Stern vollends aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Platz ist unbesetzt geblieben. Am 17. Januar 2019 ist Horst Stern gestorben.

Im öffentlichen Bewusstsein blieb vor allem "Sterns Stunde". In bis 1979 ausgestrahlten 26 Folgen konfrontierte Stern eine materiell orientierte Wohlstandsgesellschaft auf eine neuartige und unsentimentale Weise mit des Menschen Verhältnis zu Tier und Natur. So am Heiligen Abend 1971 mit den "Bemerkungen über den Rothirsch", welche die Jagdlobby als ungeheuren Tabubruch empfand und eine hitzige forstpolitische Debatte auslösten. Stern führte vor, was ein aus ökologischem Unverstand und des Trophäenkults wegen gehätschelter Wildbestand aus dem deutschen Wald gemacht hatte. Alles dies - heute unvorstellbar - zur besten Sendezeit. Das Magazin "Der Spiegel" lag damals richtig: "Nach der Heiligabend-Sendung wird Stern wohl auch mit den deutschen Jägern Streit bekommen."

Stern schuf nicht nur ein neues Fernsehgenre. 1974 folgte die Zeitschrift "Nationalpark", 1980 das Magazin "Natur", dessen Herausgeber und Chefredakteur Stern bis 1984 war. Es hob den Naturschutz im Blätterwald erstmals auf dieselbe Höhe wie andere Magazine den Sport oder das Auto. Dass sich für den Naturschutz, wenn man es recht anstellte, eine breite Öffentlichkeit interessieren ließ, hatte Stern schon mit drei Buchbestsellern gezeigt: "Rettet die Vögel" (1978), "Rettet den Wald" (1979) und "Rettet die Wildtiere" (1980). Aus der Vielzahl seiner Beiträge sei hier nur erinnert an "Stern für Leser" (1973), "Mut zum Widerspruch" (1974), "Das Horst-Stern-Lesebuch" (1992) oder "Das Gewicht einer Feder" (1997). 1972 gehörte Horst Stern zu den Gründern der "Gruppe Ökologie", die sich als Protestbewegung gegen das mangelnde ökologische Bewusstsein der Industriegesellschaft verstand. 1975 war Stern Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND). Überdies gibt es den Schriftsteller Stern, der mit Werken wie "Mann aus Apulien" (1986), "Jagdnovelle" (1989) und "Klint" (1993) Natur, Naturwissenschaft und Naturschutz auch literarisch verband. Noch zum Ende der 1990er Jahre griff Stern als Kolumnist der Wochenzeitungen "Die Woche" und "Die Zeit" Missstände an, so etwa in deutschen Nationalparks, die ob ihres unzureichenden Schutzes wegen das Etikett nicht unbedingt verdienen, das ihnen die Länderregierungen angehängt haben.

Stern stand mit Beginn der 1970er Jahre wie kaum ein anderer für den Naturschutz in Deutschland. Stern war eine Orientierungsgestalt für eine ganze Naturschützer-Generation. Er verschaffte dem Naturschutz eine bis dahin ungekannte und nicht wiedererlangte Aufmerksamkeit. Seit Stern hat niemand mehr die Zerstörung der Landschaft und das Elend der Tiere so öffentlich wirksam angeklagt. Seine Kritik galt nicht allein der bloßen Ahnungslosigkeit, sondern zielte auf die hemmungslose Profitgier und damit einen Eckpfeiler der Gesellschaft, die den Preis von allem und den Wert von nichts kennt - noch bevor das Motiv für die Ausbeutung der Tiere und der Natur mit dem Schlagwort der Globalisierung verschleiert war. Sterns Kritik der Zustände ist aktueller denn je. Mit Sterns Wirken definierte der Naturschutz seinen Anspruch als ein alle Politik- und Wirtschaftsbereiche durchdringendes Handlungs- und Gestaltungsprinzip, vollzog sich die Professionalisierung des Naturschutzes in Verwaltung und Verbänden und nicht zuletzt die gesetzliche Absicherung seiner Ziele und Aufgaben. Seitdem haben sich die Mitgliederzahlen der Naturschutzorganisationen vervielfacht, ebenso die mediale Präsenz des Naturschutzes, die ihm zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel und etablierte sich eine zwar von der Politik vielfach blockierte, aber an sich professionelle Naturschutzverwaltung.

Trotz dieser Errungenschaften ist die Bilanz des Naturschutzes in Deutschland dramatisch negativ. Gegenüber der inneren Ursache der Misere - einer von bloßer Gier und verantwortungsloser Freiheit getriebenen Ökonomisierung aller Lebensbereiche zu Lasten des Lebens überhaupt - ist der Naturschutz weithin kritik- und sprachlos geblieben. Es fehlt in den Organisationen des Naturschutzes an analytischer, konzeptioneller und strategischer Kompetenz, an der Fähigkeit und Bereitschaft zum Konflikt, an Unabhängigkeit und moralischem Format, am wenigsten vielleicht an Personen, aber an Persönlichkeiten.

EGE zeichnet "Steinkauz freundliches Dorf" aus - Januar 2019

Auszeichnung der EGE © Sonia Marie Weinberger/EGE

Nideggen-Berg war 2018 im vierten Jahr in Folge das Dorf im nordrhein-westfälischen Kreis Düren, in dem die meisten Steinkäuze schlüpften und flügge wurden.

Um das Engagement der Bürger des Ortes zu würdigen und als Ansporn für die kommenden Jahre hat die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE) den Ort als erstes "Steinkauz freundliches Dorf" im Kreis Düren ausgezeichnet und dem Ortsvorsteher in einer Feierstunde eine entsprechende Plakette überreicht (Plakette siehe oben).

Achim Schumacher, seit Jahren für die EGE im Steinkauzschutz tätig, begrüßte dazu am 14.01.2019 viele Gäste, darunter den Bürgermeister der Stadt Nideggen, Marco Schmunkamp, den Berger Ortsvorsteher, Manfred Hurtz, und Maria Hinz von der Biologischen Station im Kreis Düren sowie Landwirte, Weidetierhalter, Grundeigentümer und ehrenamtlich tätige Steinkauzschützer.

Doris Siehoff, hauptverantwortlich für das Steinkauzprojekt der EGE im Kreis Düren, stellte den Steinkauz und seinen Lebensraum vor und erläuterte, weshalb beide des Schutzes bedürfen. Bestandserfassungen haben ergeben, dass der Rückgang in Nordrhein-Westfalen dramatisch ist. Er ist vor allem auf den Verlust von Lebensraum zurückzuführen.

Im Kreis Düren ist der Bestand des Steinkauzes gegen den landesweiten Trend in den letzten Jahren gestiegen. Nideggen-Berg ist dabei führend. Hier brüteten im Jahr 2011 lediglich zwei Paare, die fünf Junge groß zogen, 2018 hingegen sieben Paare mit 20 Jungen. Dies ist vor allem auf die Erhaltung des beweideten Grünlandes, die Pflege von Obstbäumen und das Anbringen von Nisthilfen zurückzuführen.

Die Feierstunde hat allen gefallen. Der Bürgermeister sprach ein Grußwort, sagte das Aufhängen einer Nisthilfe für Steinkäuze auf einem städtischen Grundstück zu und lud die Steinkauz-Ausstellung der EGE ins Rathaus ein. Maria Hinz präsentierte steinkauzsichere Viehtränken und wies auf die Möglichkeit hin, bei der Biologischen Station hochstämmige Obstbäume alter Sorten zu bestellen. Und schon wird überlegt, wie der Steinkauz in der örtlichen Umweltbildung berücksichtigt und ob der Steinkauz Wappenvogel des ausgezeichneten Dorfes werden kann. Über die Veranstaltung in Nideggen-Berg berichtet auch EIFELON. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten.

Seit vielen Jahren wirbt die EGE für die Zusammenarbeit zwischen Steinkauzschützern und Kommunen. Sehen Sie dazu auch die "Zehn Gebote für Steinkauzschützer in der Kommunalpolitik".

Verleihung der Auszeichnung © Ulrich Bergrath

Das Foto zeigt von links nach rechts: Maria Hinz, Ulrich Bergrath, Marco Schmunkamp, Achim Schumacher, Doris Siehoff, Frank Bohlem, Manfred Hurtz.

Gutachten: Kein Bestandsschutz für unzureichend gesicherte Strommasten - Januar 2019

Stromopfer Uhu im Westerwaldkreis © G. Seelbach

Nach wie vor sterben in Deutschland Großvögel an schlecht oder gar nicht gesicherten Mittelspannungsmasten. Die verantwortlichen Netzbetreiber haben ihre Versäumnisse bundesweit mit verschiedenen Begründungen zu rechtfertigen versucht. Die dazu vorgetragenen interessengeleiteten Rechtsauffassungen wurden von den Behörden zumeist bereitwillig akzeptiert.

Ein Hauptargument der Netzbetreiber war ein ihrer Auslegung nach geltender Bestandsschutz für alte, nicht nach den aktuellen Vorschriften gesicherte Masten. Nun belegt ein Rechtsgutachten im Auftrag der EGE, was auch die Juristen in den Behörden längst hätten wissen können: Für diese alten Masten gibt es keinen Bestandsschutz. Zudem hat die VDE-Anwendungsregel von 2011 einen verbindlichen Charakter. Wiederlegt ist damit beispielsweise die Annahme der Bezirksregierung Köln, die Verpflichtung, diese Vorschrift einzuhalten, ließe sich aus den gesetzlichen Vorgaben nicht herleiten.

Verfasser des Gutachtens "Rechtliche Gewährleistung des Vogelschutzes an Mittelspannungsfreileitungen" ist Prof. Dr. Johannes Hellermann vom Lehrstuhl für öffentliches Recht der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld. Es gehört zu den Absonderlichkeiten, dass die EGE die Versäumnisse der Netzbetreiber aufdecken muss, weil sich die zuständigen staatlichen Stellen zurücklehnen und die EGE ihnen überdies die rechtlichen Hintergründe erläutern muss. Notgedrungen finanziert aus Spendengeldern der EGE, die nun für andere dringende Aufgaben nicht zur Verfügung stehen.

Eine Kurzfassung des Gutachtens ist im Dezember 2018 in der Zeitschrift "Natur und Recht" (Heft 40: 805-812) erschienen. Das vollständige Gutachten finden Sie hier (pdf-Datei, ca. 304 KB).

Fazit des Gutachtens:

Nach diesem Gutachten sollten bestehende Kenntnislücken überwunden und die zuständigen Behörden in der Lage sein, mit Kontrollen und Sanktionen endlich zu der Entschärfung gefährlicher Mittelspannungsmasten beizutragen, die seit Ende 2012 hätte abgeschlossen sein müssen. Wie dringend hier gehandelt werden muss, zeigt ein jüngster Fall im rheinland-pfälzischen Westerwaldkreis. Dort ist kürzlich ein Uhu an einem unzureichend gesicherten Mast ums Leben gekommen. Der Uhu wollte offenkundig auf dem Mast eine erbeute Bisamratte fressen; diese hielt der Uhu noch fest, als er am Boden aufgefunden wurde. Zwar waren an dem Mast Sicherungsarbeiten vorgenommen worden; diese waren aber unzureichend und geradezu kontraproduktiv, weil Großvögeln mit den Maßnahmen der sichere Sitzplatz buchstäblich verbaut wurde. Dilletanti avanti! Jetzt ist es wieder die EGE, die dem Netzbetreiber die Sache vorhalten und auf Abhilfe drängen muss. Frau Seebach verdanken wir das obige Foto, das den toten Uhu zeigt. Herr Antonius Kunz aus Nister hat uns auf den Fall hingewiesen. Beiden gilt der Dank der EGE.

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