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Nachrichten

Tod am Muttertag - Mai 2019

Stefan Brücher mit dem vom Stromschlag getöteten Uhuweibchen © Detlef Zander

Während die Webcam der EGE im Ahrtal zur Freude tausender Zuschauer das Aufwachsen zweier Uhuküken überträgt, ereignet sich in einer anderen Uhufamilie in einem anderen Teil der Eifel ein grausiges Drama. Dort ist die Idylle trügerisch. Ausgerechnet am Muttertag findet ein Spaziergänger ein totes Uhuweibchen unter einem Mittelspannungsmast. 2012 hatte Stefan Brücher diesen Uhu als Jungvogel in einem Steinbruch nestjung beringt - 8500 m vom Fundort des jetzt toten Uhus entfernt.

Der tote Uhu erweist sich als Weibchen mit Brutfleck (eine zur Brutzeit nackte Stelle am Bauch). Es hat offenbar gebrütet. In der Nähe müssen seine Jungvögel sein. Brücher macht sich auf die Suche nach ihnen zum nächstgelegenen Uhubrutplatz und findet sie. Sie liegen tot im Nest. Das Uhumännchen hat zwar Nahrung herangeschafft. Doch die Jungen waren noch zu klein, um die Nahrung selbst zu zerteilen und davon zu fressen. Die Männchen schlagen zwar die Beutetiere und bringen sie herbei. Aber, das Zerteilen und Verfüttern besorgen die Mütter. Übrigens befindet sich das Nest, in dem die mutterlosen Uhuküken starben, in einem Europäischen Vogelschutzgebiet.

An dem Strommast, der der Uhumutter, indirekt auch den beiden Küken zum Verhängnis wurde und der das Familienglück durchkreuzte, hatte der Netzbetreiber zwar Vogelschutzmaßnahmen gegen den Stromschlag durchgeführt, jedoch auf dilettantische Weise. Zudem wurde der Mast zu einer Zeit errichtet, als dieser Bautyp schon nicht mehr hätte errichtet werden dürfen. So ist es in Deutschland: Seit Jahren darf es diese Fälle gar nicht mehr geben. Das Bundesnaturschutzgesetz verlangte die Entschärfung vogelgefährlicher Masten nach Einräumen einer zehnjährigen Umrüstungszeit bereits bis zum 31.12.2012. Geschehen ist - das zeigt der Fall dramatisch - zu wenig. Die Deutschen sind mit der ganz großen Energiewende befasst: Ausstieg aus der Kohle, Ausstieg aus der Atomenergie, Ausbau der Regenerativen. Doch sie schaffen es nicht einmal, wie seit 2002 verlangt, den Altbestand vogelgefährlicher Masten mit ein paar technischen Maßnahmen zu entschärfen. Dabei sind in Rheinland-Pfalz seit einer gefühlten Ewigkeit Bündnis90/Die Grünen für den Naturschutz verantwortlich. Dem dortigen Umweltministerium obliegt die Durchsetzung des Vogelschutzes an Mittelspannungsmasten.

Hier die Details des Falles:

Der Mast:
Der Mast wurde zwischen 2002 und 2006 vom Netzbetreiber RWE aufgestellt. Es handelt sich um einen Stahlmast, der als Endmast und Mastschalter fungiert. Der Schalter ist unterhalb der Traverse angebracht, die Isolatoren sind als Abspannisolatoren mit einer Baulänge von weniger als 60 cm ausgeführt. Der Mast wurde von der Firma Pfeilderer AG 2001 produziert. Nach 2006 wurde der Mast, immer noch in Verantwortung der RWE, nachträglich mit Büschelabweisern ausgerüstet. Dabei wurden die Abweiser nicht an der dafür vorgesehenen Stelle (dem Befestigungspunkt des Isolators an der Traverse) sondern ca. 30 cm seitlich versetzt an einer zuvor ungenutzten (und für einen anderen Zweck vorgesehenen) Lasche befestigt. Die Monteure konnten sich so zusätzliche Befestigungsschellen im Wert von etwa 4,5 Euro und einge Minuten Arbeitszeit ersparen. Die ohnehin geringe Schutzwirkung der Büschelabweiser wurde durch diese Falschmontage nochmals reduziert. An der gefährlichsten Stelle, genau auf Höhe des Isolators, entstand so ein für Vögel attraktiver Sitzplatz. In der Eifel wurden seit 2012 an mit Büschelabweisern ausgerüsteten Masten mindestens drei getötete Uhus gefunden. An zwei dieser Masten waren die Büschelabweiser korrekt positioniert. Die Uhus kamen dennoch ums Leben.

Die Unternehmen:
Seit Oktober 2010 verantwortet der Netzbetreiber RWE wissentlich die geringe Schutzwirkung von Büschelabweisern. 2013 ging diese Verantwortung auf das Tochterunternehmen Westnetz über. Allein im Bereich der Eifel ist mit 500-1.000 Masten vergleichbarer Bauart im Netzbereich des Unternehmens zu rechnen. Für Rheinland-Pfalz dürfte die Anzahl derartiger Masten, vor allem auch im Verantwortungsbereich der Pfalzwerke, 3.000-5.000 Stück betragen.

Die Rechtslage:
Ausweislich des Gutachtens "Rechtliche Gewährleistung des Vogelschutzes an Mittelspannungsleitungen" gibt es für den von den Netzbetreibern angeführten, angeblichen Bestandsschutz für Altmasten keine rechtliche Grundlage. Die Naturschutzbehörden haben die Möglichkeit, die Sicherung von Strommasten nach dem Standard der aktuellen gesetzlichen Regelungen anzuordnen, nehmen diese Möglichkeit jedoch nicht war. Strommasten werden von den zuständigen Behörden nicht auf eine ordnungsgemäße Vogelsicherung hin überprüft.

Der tote Uhu:
Ein Spaziergänger fand den toten Uhu am Sonntag, den 12. Mai 2019. Der Finder bemerkte den Ring am Uhu und meldete den Fund sofort der Vogelwarte Radolfzell. Diese erkannte die für eine mögliche Uhubrut gefährliche Situation und informierte die EGE umgehend am Montag. Am Dienstag untersuchte Stefan Brücher das Gelände. Aber, es war schon zu spät. Brücher berichtet:
"Ich kann mich an die Beringung des jungen Uhus PS 28514 und seiner beiden Geschwister im Juni 2012 gut erinnern. Eigentlich war die Beringungssaison schon zu Ende. Ich war einfach nur neugierig, wie sich ein früher einmal vom Uhu besiedelter Teil eines großen Steinbruchgeländes zwischenzeitlich verändert hatte. Mit einer Uhubrut rechnete ich hier nicht, stieg jedoch aus dem Auto und ging zum Begrenzungszaun. Zu meinem Erstaunen flatterte direkt vor mir eine Flaumfeder eines Junguhus am Stacheldraht. Mit dem Fernglas suchte ich das Gelände ab, fand weitere Spuren von Uhus und alsbald auch drei in einer Nische sitzende ausgewachsene Uhus. Mit Kescher bewaffnet machte ich mich durch Geröllfelder auf den Weg zu ihnen; ich konnte jedoch nur einen fangen. Die beiden anderen flogen quer durch den Steinbruch und landeten in einem Haufen großer Steinblöcke. Letztlich fand ich sie wieder, beringte alle drei, setzte sie hinter einen dicken Stein und zog mich vorsichtig zurück. Ich war mir unsicher, ob sich diese Aktion gelohnt hatte. Heute nun weiß ich es. Wahrscheinlich schon seit 2013 oder 2014 war Uhu PS 28514 nun das Brutweibchen des sehr zuverlässigen Uhubrutpaares hier im Nettetal; außer 2016 hatten sie immer Junge. Und nun habe ich den Uhu PS 28514 nochmals in der Hand."

Der Fund:
Die EGE erfuhr von dem toten Uhu nur, weil mehrere günstige Umstände zusammen kamen.
1. Der Standort des Unglücksmastes liegt direkt an einem Weg (mitten im Felde wäre der Uhu übersehen worden).
2. Kein Fuchs, Marder, Dachs oder Wildschwein verschleppte den Kadaver.
3. Der Uhu war beringt (in der Eifel sind ca. 50% der Uhus beringt).
4. Der Finder interessierte sich für den toten Vogel, betrachtete ihn genauer und bemerkte den Ring.
5. Der Finder meldete die Ringnummer an die Beringungszentrale.
Vor diesem Hintergrund muss mit einer erheblichen Dunkelziffer an durch Strommasten getöteter Uhus gerechnet werden.

Die Kinder des Uhus:
Das Uhunest liegt 650 m vom Strommast entfernt, an dem das Weibchen ums Leben kam. Beide Küken lagen tot im Nestbereich. Das jüngere der beiden war ca. 20 Tage alt und vermochte daher noch kaum, die Nistmulde zu verlassen. Es lag in diesem besonders sonnenexponierten Felsbereich an der Stelle, an der die Eier in einer kleinen, von den Uhus gescharrten Mulde gelegt worden waren. An solch einem Brutplatz muss das Uhuweibchen die Küken nicht nur vor Kälte und Regen, sondern auch vor der Sonne schützen. In der heißen Mittagssonne muss das Uhuweibchen sich zum Schutz der Küken wie ein Sonnenschirm über sie stellen. Inwiefern das jüngste Küken an dieser Stelle verhungerte oder der Sonneneinstrahlung erlag, ist unklar. Jedenfalls lag direkt neben ihm eine Elster. Offensichtlich hatte das Uhumännchen versucht, die Küken alleine zu versorgen und die Beute angeliefert. Ein Zerteilen der Beute vermögen Uhumännchen jedoch kaum. Das ein paar Tage ältere Küken hatte die Nistmulde verlassen und lag einen Meter höher unter den Zweigen einer Eiche. Direkt neben ihm hatte das Uhumännchen einen erbeuteten Waldkauz abgelegt. Auch dieser war unversehrt.

Einer der beiden zugrunde gegangenen jungen Uhus © Stefan Brücher

Erste Steinkäuze des Jahres 2019 beringt - Mai 2019

Junge Steinkäuze in einer Baumhöhle © as-naturfotografie.de

Die Steinkäuze haben in diesem Jahr in der Kölner Bucht früh mit der Brut begonnen. Im Kreis Düren beringte Doris Siehoff die ersten jungen Käuze bereits am 13. Mai, nämlich fünf etwa zwei Wochen alte Junge aus einer Sechser-Brut. Der sechste Kauz war wesentlich kleiner als seine Geschwister und konnte deswegen noch nicht beringt werden. Ein Vorrat an Mäusen fand sich in der Steinkauzröhre leider nicht. Am 15. Mai beringte Doris Siehoff an einem anderen Brutplatz im Kreis Düren zwei etwa drei Wochen alte Junge. Dort hatte sie Anfang April aber fünf Eier gezählt. In der Niströhre lag eine tote Maus als Vorrat - nur eine. An anderen Brutplätzen lassen Fünfer-Bruten und reichlich Mäuse größere Erfolge erwarten, sagt Doris Siehoff. In den drei Vorjahren konnten die ersten Jungen im Kreis Düren am 30.05.2016, 23.05.2017 und 24.05.2018 beringt werden.

Die Müllers von der EGE im Nachbarkreis Euskirchen bestätigen dieses Bild. Sie haben bereits am 09. Mai 18 Tage alte Steinkäuze beringt. Die früheste Brut wurde schon am 27. März begonnen. Auch in der Vergangenheit gab es solche "Ausreißer", sagt Peter Josef Müller und hat zum Beweis gleich die Daten aus fast 20 Jahren bei der Hand. Die Müllers sind zuversichtlich: "Mit dem Schlupf der meisten Jungvögel rechnen wir in den nächsten Tagen. Nahrung ist verfügbar, fanden wir doch in Niströhren mit Jungvögeln bis zu 15 Mäuse. Im Gegensatz zu den eher schwachen Jungvögeln des Vorjahres waren die bisher beringten Küken durchweg kräftig und bei guter Kondition. Hoffen wir, dass in diesem Jahr Starkregenereignisse ausbleiben und in der Landwirtschaft nicht zu viele Biozide gegen Mäuse eingesetzt werden, dann könnte es ein sehr gutes Steinkauzjahr werden."

Die prophezeite Dürre - Mai 2019

Bläulinge © www.as-naturfotografie.de

Nach Ostern kam der Regen. Endlich. Zuvor hatten Deutschlands Qualitätsmedien einschließlich Tagesschau experten-basiert einen neuen Dürresommer herbei gemeldet. Die Medien hegen eine Vorliebe für extreme Wetterphänomene. War ein jedes dieser Phänomene noch vor Jahren nur ein Unwetter oder eine Wetterkapriole, werden diese heute als Belege für den menschengemachten Klimawandel gedeutet und vor allem empfunden. Für die Mehrheit ist das Wetter längst keine nur launige Sache mehr - nicht einmal mehr im April, der einer Bauernregel gemäß macht, was er will. Jedenfalls früher.

Jörg Kachelmann hat die Katastrophenmeldungen der letzten Tage kommentiert: "Über 90 Prozent aller Geschichten zu Wetter und Klima sind falsch oder erfunden. Was die Berichterstattung zu naturwissenschaftlichen Themen angeht erlebe ich eine Verkommenheit weiter Teile des Medienbetriebs."

So reden alle vom Klima, vielleicht auch nur vom Wetter. Auch die EGE. Sie hofft für den 1. Mai auf maßvollen Landregen, denn über das Schicksal vieler Uhubruten entscheidet an diesem Tag das Wetter. Ist es schön, wächst mit der Vielzahl der ins Freie drängenden naturbegeisterten, nichts ahnenden Outdoor-Aktivisten das Störpotential an Felsen, Waldrändern und in abgelegenen Biotopen. Bei der Brutplatzwahl und Eiablage im zeitigen Frühjahr hatten die Uhus den dort heraufziehenden Freizeitrummel nicht vorhersehen können. Sollte der Mai heuer kühl und nass werden, mag das zwar Ausdruck einer gewissen Normalität und einer alten Bauernregel entsprechend der Ernte dienlich sein. Andere werden indessen darin das Werk des Klimawandels erblicken. Das Fundament gesellschaftlicher Gewissheiten ist brüchig.

Stefan Brücher über Uhufamilie in der Eifel - April 2019

Bei Uhuweibchen Lotte in der Eifel verläuft die Aufzucht der beiden Jungvögel bislang problemlos, aber durchaus voller Spannung. Täglich sind viele Hundert Menschen live dabei und von den Einblicken ins Private der Uhus begeistert. Das Zuschauen ist gerade für Familien mit Kindern eine großartige Sache. Die EGE dankt der Brigitte und Dr. Konstanze Wegener-Stiftung für die finanzielle Unterstützung der Übertragung und ebenso den Zuschauern, die mit einer Spende die Arbeit der EGE zum Schutz der Eulen fördern. In der Woche vor Ostern sprach über das Geschehen am Brutplatz der Südwestrundfunk Rheinland-Pfalz mit dem Vorsitzender der EGE, Stefan Brücher. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie das Interview hören möchten.

Frohe Ostern - April 2019

Feldhase © www.wunderbare-erde.de

Auch an Ostern werden die Mitarbeiter der EGE im Einsatz sein, die Ohren spitzen und wachsam sein, um an den Uhubrutplätzen in der Eifel nach dem Rechten zu schauen und Probleme für Uhus abzuwenden. Gerade bei gutem Wetter drängt es viele Menschen ins Freie, die zur falschen Zeit und am falschen Ort unbeabsichtigt Uhus stören könnten - Klettersportler, Geocacher, Fossiliensammler oder Mountainbiker beispielsweise. Deshalb ist es gut, wenn die EGE an den Feiertagen störungsempfindliche Brutplätze im Blick hat.

Das Team der EGE sucht also an Ostern keine Eier, freut sich aber, wenn Sie - liebe Leserin, lieber Leser - der EGE ein Osterei ins Spendenkonto legen. Große Sprünge sind der EGE nicht möglich. Dass die EGE überhaupt den einen oder anderen Satz machen oder etwas auf die Beine stellen kann, verdankt sie den Spendern und Fördermitgliedern der EGE. Ihnen allen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Die EGE wünscht frohe Ostern - mit der österlichen Fabel "Zustelldienst" (pdf-Datei, ca. 176 KB) von Dorothee Warnecke.

Notre-Dame und andere Brände - April 2019

Hirschkäfer © www.as-naturfotografie.de

Der Brand hat die Kathedrale Notre-Dame in Paris schwer getroffen. Immerhin: Noch am Tag des Brandes wurden große Summen für die Wiederherstellung des symbolträchtigen Bauwerks zugesagt, das auch ein Gotteshaus ist. Eine Reaktion, die Hoffnung gibt.

Ansatzweise ähnliche Anstrengungen möchte man sich für den Wiederaufbau der Natur wünschen, die nach christlichem Verständnis Gottes Schöpfung ist. Sie, die zielgerichtet an allen Enden angezündet täglich lichterloh in Flammen steht - ohne jedes Unfallgeschehen, es sei denn, man betrachtet den Menschen als Unfall der Geschichte. Doch die Feuerwehr rückt nicht aus. Der Wiederaufbau der Kathedrale ist zumindest möglich; Pflanzen- und Tierarten, sind sie ausgestorben, sind hingegen für immer verloren.

Der Menschheit ist der Schutz ihrer eigenen Monumente ein ungleich wichtigeres Anliegen als der Schutz der Natur. Zu dieser Asymmetrie fügt sich eine andere aktuelle Meldung: Bis 2020 wollen die Deutschen 5 - in Worten: fünf - Prozent ihrer Waldfläche für die natürliche Waldentwicklung - "als Urwälder von morgen" - reservieren. Ein Leichtes, sollte man denken, ist doch ein Drittel der Waldfläche Deutschlands Eigentum von Bund und Ländern.

Wie andere selbstgesteckte umweltpolitische Ziele verfehlt Deutschland auch dieses Ziel. Bis heute sind hier, mehr als zehn Jahre nach der 5-Prozent-Ankündigung, erst 2,8 Prozent erreicht. Urwälder verlangen die Deutschen von anderen Staaten für den Schutz der exotischen Tiere darin und für den Klimaschutz, aber nicht im eigenen Land.

Baugebiet im Steinkauzlebensraum geplant - April 2019

Steinkauz © as.naturfotografie.de

Sie erinnern sich? In einem Dorf in der Kölner Bucht soll ein neues Baugebiet entstehen. Wir berichteten darüber im März unter der Überschrift "Steinkäuze im Visier von Bauspekulanten". Genehmigt ist der Bebauungsplan noch nicht, aber Unbekannte haben im Gebiet offenbar in froher Erwartung bereits Büsche und einen 70 Jahre alten Baum mit Steinkauzröhre gerodet. Die planende Gemeinde zeigte sich über den Vorgang irritiert; jetzt hat sie ihren Plan fürs Bauen offen gelegt: Einen Plan mit gravierenden artenschutzrechtlichen Mängeln. Planungsalltag in der Kölner Bucht, in der solcher Planungen wegen die Steinkäuze zum Teufel gehen. Die EGE hat zum Planentwurf Stellung genommen. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 100 KB), wenn Sie die Stellungnahme lesen möchten. Gegenstand der Stellungnahme sind u. a. § 13 a des Baugesetzbuches, die Anforderungen an die ökologischen Bestandsaufnahmen planender Gemeinden sowie die bei Planern beliebten "vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen" im Sinne § 44 Abs. 5 des Bundesnaturschutzgesetzes.

40 Jahre Vogelschutzrichtlinie - April 2019

Raufußkauz © as-naturfotografie.de

Für die Europäische Union hat Naturschutz lange Zeit keine Rolle gespielt. Das änderte sich erst mit der „Richtlinie des Rates der Europäischen Gemeinschaften über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten“ (Richtlinie 79/409/EWG oder kurz Vogelschutzrichtlinie) am 02. April 1979 – knapp zehn Jahre nach dem ersten europäischen Naturschutzjahr. Die EG-Vogelschutzrichtlinie war eine Reaktion auf die schon damals – nicht zuletzt als Ergebnis der gemeinsamen Agrarpolitik – dramatischen Verluste biologischer Vielfalt.

Die Richtlinie verlangt vom Mitgliedstaat einen durchgreifenden Schutz aller einheimischen Vogelarten und für die Erhaltung bestimmter Brut- und die regelmäßig auftretenden Zugvogelarten die Einrichtung strenger Vogelschutzgebiete – nämlich die Unterschutzstellung der für diese Arten "zahlen- und flächenmäßig geeignetsten Gebiete". Deutschland muss deshalb für gut hundert der 250 hier vorkommenden Brutvogelarten (darunter Uhu, Sumpfohreule, Sperlings- und Raufußkauz) solche Schutzgebiete einrichten – die für Zugvögel wichtigsten Vermehrungs-, Rast-, Mauser- und Überwinterungsgebiete eingeschlossen.

Die Deutschen haben von dieser Richtlinie erst Notiz genommen als sie der Unterschutzstellung dieser Gebiete nach Jahrzehnten säumig mit Mahnschreiben und Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission konfrontiert waren. Eingelöst hat Deutschland die Verpflichtungen nur schleppend und bis heute eklatant unzureichend. Zwar sind jetzt gut zehn Prozent der Landfläche als Vogelschutzgebiete benannt, doch durchgreifend unter Schutz gestellt ist immer noch eher nur die Minderzahl der Gebiete. Der Rückgang der Feld- und Wiesenvögel wurde selbst in den Vogelschutzgebieten nur ausnahmsweise gestoppt, weil sich die staatlichen Stellen auch dort scheuen, die landwirtschaftliche Nutzung an Auflagen zu binden. In vielen Fällen steht der Schutz nicht einmal auf dem Papier und sind die Verluste dramatisch – beispielsweise von Bekassine, Kampfläufer, Kiebitz, Uferschnepfe, Grauammer, Feldlerche und Rebhuhn.

Für diesen fortgesetzten Bruch des Gemeinschaftsrechts hat sich die öffentliche Berichterstattung damals so wenig interessiert wie heute am 40. Jahrestag der Richtlinie. Zwischen Fridays for Future, Insektensterben und Dieselskandal ist über das Ereignis bestenfalls verhalten berichtet worden und eine substantiierte Reflexion erwartungsgemäß ausgeblieben. Geburtstagsgeschenke gab es keine. Dabei hätte sich der Vogelschutz schon über Ehrlichkeit gefreut. Bis heute wird der rechtlich bindende Charakter der Richtlinie verkannt, als könne man sich nach ihr richten oder nicht. Dass sich die Situation einer Vielzahl Vogelarten in den letzten 40 Jahren verschlechtert hat, bleibt zumeist ungesagt oder wird – ganz gegen die Fakten – dem Klimawandel zugeschrieben. Dass sich die als Erfolgsgeschichte apostrophierte Zunahme von See- und Fischadler dem Ende der Bejagung, die Rückkehr der Uhus Wiederansiedlungsprojekten und die Vervielfachung brütender Kranich mehr dem horizontweiten Maisanbau und nicht einer systematischen Naturschutzpolitik verdankt, bleibt einem recherchearmen Journalismus verborgen.

Allerdings könnte die Vogelschutzrichtlinie vor ihrem 50. Geburtstag noch einmal für Schlagzeilen sorgen – nämlich infolge eines neuen Vertragsverletzungsverfahrens. Das laufende Verfahren, das die Europäische Kommission wegen der unzureichenden Unterschutzstellung der Fauna-Flora-Habitat-Gebiete – der zweiten Kategorie gemeinschaftsrechtlich verlangter Schutzgebiete – 2015 eingeleitet und mit einem ergänzenden Aufforderungsschreiben am 24. Januar 2019 untermauert hat, eignet sich als Blaupause für die Sanktionierung der Versäumnisse deutscher Politik auch auf dem Gebiet des Vogelschutzes. Für einen Fortschritt bedarf es offenbar der Verurteilung und drohenden Strafzahlung. Der Tag wird kommen, aber nicht alle Vogelarten werden ihn erleben.

"Die Uhus vom Dom" zur Erstkommunion - April 2019

Junge Uhus am Hildesheimer Dom 2018 © Joachim Achtzehn

Falls Sie zur Erstkommunion ein Buch verschenken möchten, das Uhus und die Bewahrung der Schöpfung verbindet, empfiehlt Ihnen die EGE das Buch von Wilhelm Breuer "Die Uhus vom Dom. Eine Zeitreise durch zwölf Jahrhunderte".

"Ein liebevoll illustriertes Lese- und Geschichtsbuch mit vielen Informationen - spannend und zugleich anrührend", schrieb das Magazin für Vogelbeobachtung "Vögel" über dieses Buch. Und die Zeitschrift "Schöner Bayerischer Wald": "Die zarten Illustrationen und die klangvollen Gedichte, die das Geschehen jeder Erzählung zusammenfassen, machen die Lektüre zu einem ästhetischen Erlebnis."

Überdies haben Dr. Wolfgang Scherzinger, einer der besten Kenner europäischer Eulen, und Peter Herkenrath, der Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte des Landes Nordrhein-Westfalen, das Buch rezensiert. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie die beiden Rezensionen lesen möchten.

Natürlich können Sie das Buch beim Verlag oder im Buchhandel beziehen. Wenn Sie das Buch bei der EGE beziehen, verbleiben von 17 Euro aber 5 Euro bei der EGE, die damit ihre Eulenschutzprojekte finanziert. Die EGE sendet Ihnen das Buch versandkostenfrei gegen Rechnung zu.

Bezug:
  Egeeulen@t-online.de
oder an die Geschäftsstelle der EGE
Breitestrasse 6
D-53902 Bad Münstereifel

Demonstrieren wird Schulfach - April 2019

Steinkauz © www.wunderbare-erde.de

Ab dem Schuljahr 2019/20 wird Demonstrieren Schulfach. Darauf hat sich die Deutsche Kultusministerkonferenz verständigt. "Demonstrieren ist so wichtig wie Lesen und Schreiben", heißt es in dem Beschluss. Demonstrationsorte wie der Hambacher Forst, Kohlekraftwerke oder Bahngleise sollen als außerschulische Lernorte anerkannt und die Teilnahme an Demonstrationen auf die Unterrichtszeit angerechnet werden können. Auf diese Weise werde die Schulpflicht gewahrt und der Vorwurf widerlegt, zu Beschulende "schwänzten" den Unterricht.

Strittig ist allerdings, welche Demonstrationsziele anerkannt werden können. Während sich sozial-grün regierte Bundesländer auf die Anerkennung von Demonstrationen für den Klimaschutz verständigt haben, wollen CSU und Freie Wähler in Bayern nur Kundgebungen zum Schutz der Honigbiene und des ungeborenen Lebens anerkennen. Für den bildungspolitischen Sprecher der AfD kommen für eine Anerkennung ausschließlich PEGIDA-Demonstrationen infrage. Wirtschaftsminister Peter Altmaier erklärte, er befürworte vernünftige Demonstrationsziele. Proteste gegen Windparks, Flugreisen, Kreuzfahrten und Waffenexporte zählten nicht dazu. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner lehnt eine Anerkennung von Kundgebungen gegen das Schreddern von Küken, die betäubungslose Ferkelkastration, Glyphosat und Neonikotinoide ab. Kinder dürften nicht für ideologische Zwecke instrumentalisiert werden. Für Lernzwecke seien Demonstrationen für den Klimaschutz vollkommen ausreichend. FDP-Chef Christian Lindner kritisierte den Beschluss der Kultusministerkonferenz. Es sei besser nichts zu lernen, als falsch zu lernen.

Der Vorsitzenden von Bündnis90/Die Grünen, Annalena Baerbock, geht die bildungspolitische Entscheidung der Kultusministerkonferenz nicht weit genug. Sie und ihre Partei fordern die Herabsetzung des Wahlalters auf 14 Jahre. Schließlich sei auch Greta Thunberg kaum älter. Greta zeige eindrucksstark, so Baerbock, dass Jugendlichen das Recht zu wählen und gewählt werden zu können, nicht verwehrt bleiben dürfe. Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter sprach sich dafür aus, mindestens hundert Schulen in Deutschland nach Greta Thunberg zu benennen. An diesen Schulen sollten Atemtechniken eingeübt werden, welche den CO2-Anteil der Ausatemluft Lehrender und Lernender deutlich reduzieren, damit diese Schulen als klimaneutrale Schulen zertifiziert werden können.

Bürvenich ist "Steinkauz freundliches Dorf" - März 2019

Verleihung der Plakette © Sonia Marie Weinberger

Bürvenich und Eppenich sind zwei Orte im Gebiet der Stadt Zülpich im nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen. Im Februar 2019 hat die EGE die beiden Orte als Steinkauz freundliches Dorf ausgezeichnet. Warum? Nun, 2018 gab es dort sage und schreibe neun Brutpaare der kleinen Eulenart. Mindestens 22 junge Käuze wurden flügge und von Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller beringt.

Seit dem Jahr 2001 haben die Müllers allein in Bürvenich und Eppenich 217 junge Steinkäuze registriert. Eine beeindruckend hohe Zahl! Dieses Ergebnis ist der unermüdlichen Sorge der Müllers zu verdanken, aber auch der Mitarbeit der Grundeigentümer, welche die Steinkäuze auf ihrem Land dulden und "ihre" Käuze geschützt wissen möchten. Und noch etwas Entscheidendes kommt hinzu: Die Ortsgemeinschaft Bürvenich-Eppenich setzt nicht auf immer mehr Bauland, sondern stellt nur so viel Wohnbauland zur Verfügung, wie die Dorfgemeinschaft benötigt. "Auch deshalb", freut sich Peter Josef Müller (7. v. l.), "haben Bürvenich und Eppenich die Auszeichnung hochverdient."

Zülpichs Bürgermeister Ulf Hürtgen sagte, die Auszeichnung sei ein weiterer Grund, auf die Bürvenicher stolz zu sein. Der Ort war zuvor bereits beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" ausgezeichnet worden, was beweist, dass Naturschutz und Dorfentwicklung keine Gegensätze sein müssen. "Der Naturschutz liegt uns am Herzen", bedankte sich Ortsvorsteher Jörg Körtgen (6. v. l.), der die Plakette "Steinkauz freundliches Dorf" stellvertretend für die Bürvenicher aus der Hand von Peter Josef Müller entgegennahm.

Nicht wenige der in den letzten Jahren in Bürvenich und Eppenich beringten jungen Käuze haben die Müllers später brütend wiedergefunden. Dabei zeigte sich: Die Männchen bleiben gerne am Ort oder in der näheren Umgebung und besetzen dort Brutplätze. Die Weibchen indessen sind reiselustiger. Mehr als zehn Kilometer reisen aber auch sie nur ausnahmsweise. Nur einen Kauz fanden die Müllers 24 Kilometer vom Beringungsort entfernt. Die Karte der Müllers mit den Wiederfunden Bürvenicher und Eppenicher Käuze zeigt eindrücklich: hier ist nicht nur ein Hotspot für Steinkäuze, sondern von hieraus werden sternförmig die Nachbardörfer beständig mit Steinkäuzen versorgt. Deutschland braucht mehr Dörfer wie Bürvenich und Eppenich!

Neue Ausgabe von "Nationalpark" erschienen - März 2019

Titel Heft 1/2019 der Zeitschrift 'Nationalpark'

Einen Habichtskauz - eine waldbewohnende Eulenart, die alte Wälder bewohnt - präsentiert die Redaktion der Zeitschrift "Nationalpark" auf der Titelseite der gerade erschienenen Ausgabe. Das 46 Seiten starke Heft 1/2019 ist ganz dem Thema Wald und Naturschutz gewidmet; es ist ein Plädoyer für "Waldwildnis", ein Beitrag gegen die "Mythen der Forstlobby" und der fundierte Appell für eine "Waldwende im Wirtschaftswald". Zur Ausgabe gelangen Sie hier.

Ins Themenheft Wald fügt sich der Beitrag von EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer "Wald am Abgrund". In Breuers Essay geht es um den Hambacher Forst, der seit 40 Jahren Stück um Stück abgeholzt wird, "nur" weil darunter Kohle liegt und der kürzlich zum Sinnbild für die Auseinandersetzungen um Klimaschutz und Kohleausstieg wurde. Breuer, in Hambach aufgewachsen, ist Zeitzeuge der Vorgänge um den Hambacher Forst, der in seinen Resten immer noch beeindruckend schön und natürlich ist. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 912 KB), wenn Sie den Beitrag aus der Feder des Insiders lesen möchten.

Übrigens: Gerettet ist der Rest des Waldes nicht. Setzt sich der Tagebau Hambach bis 2038 fort, also bis zum von der Kohlekommission vorgeschlagenen Ausstieg aus der Braunkohle, wird von diesem Wald nichts übrigbleiben. Denn das Ende des Tagebaus Hambach ist bisher für 2040 terminiert. Die Kohlekommission hält es lediglich für wünschenswert, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt.

Die Zeitschrift "Nationalpark" berichtet seit 1974 viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, großer Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift leistet sich, was in der deutschen Zeitschriftenlandschaft eine Ausnahme ist: einen unabhängigen, kritischen und fundierten Blick auf die Sache des Naturschutzes.

Herausgeber der Zeitschrift ist der "Verein der Nationalpark-Freunde e.V." Die Zeitschrift erscheint im Oekom Verlag. Die EGE empfiehlt diese Zeitschrift mit den Worten, die der Gründer der Zeitschrift, der Journalist Horst Stern, für sie gefunden hat: "Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen". Der Abonnent bleibt einem Mann verbunden, der ab Beginn der 1970er Jahre mit dem Mut zur Emotion und dem Gewicht einer Feder dem Naturschutz eine Stimme gab und Format verschaffte: Dr. h.c. Horst Stern. Der im Januar 2019 verstorbene Journalist ist Mitbegründet der Zeitschrift "Nationalpark". Die Zeitschrift weiß sich Sterns Anliegen verpflichtet. Werden Sie Leser von "Nationalpark"! Oder verschenken Sie ein Jahresabonnement - beispielsweise an junge Menschen, für die Stern ein Unbekannter ist, auf die es aber bald ankommen wird im Naturschutz. Informationen für ein Probeabo finden Sie hier.

Hilfe für bedrohte Schleiereulen - März 2019

Schleiereule © Andreas Schüring

Mit einer Poster-Ausstellung im Foyer der Sparkassenfiliale am Marktplatz in Hildesheim werben der Naturschutzbund (NABU) und der Ornithologische Verein Hildesheim (OVH) für den Schutz der bedrohten Schleiereulen. Vom 1. bis zum 15. März können sich Besucher über die Bedürfnisse und den Lebensraum der anmutigen Mäusejäger informieren. Die Rollups der EGE sind Teil der Ausstellung. In der zweiten Märzhälfte ist die Ausstellung auch in der Hildesheimer Stadtbibliothek und am Bischöflichen Gymnasium Josephinum zu sehen.

Käuze im Visier von Bauspekulanten - März 2019

Steinkauz © www.as-naturfotografie.de

In Dürboslar, einem beschaulichen Ort in der Kölner Bucht, soll ein neues Baugebiet entstehen. Genehmigt ist es noch nicht, aber die Gewinninteressen sind zum Greifen nah. Dumm nur, dass in dem betreffenden Gebiet der Steinkauz heimisch ist. Die Existenz des Kauzes könnte die Pläne der Gemeinde durchkreuzen. Noch bevor in Politik und Verwaltung die Würfel gefallen sind, wurde nun im Kauzlebensraum herumgesägt: Eine siebzigjährige Eiche nebst Steinkauzröhre liegen seit einigen Tagen zerlegt am Rande des erhofften Baulandes und eine Menge Büsche dazu. Ob der oder die Verantwortlichen ermittelt und der Frevel rechtlich geahndet werden? Die Gemeinde, der Kreis und der Investor zeigen sich überrascht. Wie die Sache wohl ausgeht?

So ungewöhnlich ist der Fall nicht. Es ist noch keine 14 Tage her, da verschwand an einer anderen Stelle desselben Kreises eine Steinkauzröhre, in der im Vorjahr Käuze gebrütet haben. Auch dort sind Bauinteressen im Spiel.

Nachdem Deutschland nach der Verurteilung vor dem Europäischen Gerichtshof 2007 das deutsche Artenschutzrecht verschärfen musste, greifen Investoren und Spekulanten bisweilen zur Selbsthilfe und räumen einfach aus dem Weg, was ihre Gier begrenzen könnte: Lebensstätten heimischer Wildtiere oder diese Tiere selbst. Zumeist droht nur ein Bußgeld - wenn überhaupt.

Neues vom Habichtskauzprojekt in Bayern - Februar 2019

Habichtskauz © www.wunderbare-erde.de

Der Habichtskauz zählt zu den größten und seltensten Eulenarten in Mitteleuropa. Außerhalb des Nationalparks Bayerischer Wald galt er bis zum Start des Wiederansiedelungsprojektes des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e. V. (VLAB) im Jahr 2017 in Deutschland als ausgestorben. Experten vermuten, dass der letzte Habichtskauz im Jahr 1926 im Böhmerwald und dessen südwestlichen Ausläufern, dem Bayerischen Wald, erschossen wurde. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie mehr über den Habichtskauz erfahren möchten.

Das Habichtskauzprojekt des VLAB geht nun ins dritte Jahr. Ziel ist die Begründung einer stabilen Population von Habichtskäuzen in Nordostbayern. Zentrum des Projektes sind der Steinwald, das südliche Fichtelgebirge und der Oberpfälzer Wald. 2018 wurde im südlichen Steinwald ein erstes Revier der seltenen Vögel registriert. Auch 2019 sollen im Projektgebiet zoogeborene Jungeulen in die Freiheit gesetzt werden. Zur aktuellen Pressemitteilung des VLAB gelangen sie hier (pdf-Datei, ca. 88 KB).

Regenerative Energien nicht gegen den Naturschutz durchsetzen - Februar 2019

Mäusebussard © www.wunderbare-erde.de

Das Bundesamt für Naturschutz fordert beim Ausbau der erneuerbaren Energien aktuell mehr Rücksichtnahme auf Natur und Landschaft. Zwar sei dieser Ausbau mit dem Naturschutz vereinbar, die Energiewende müsse aber natur- und umweltverträglich erfolgen. Neu ist diese Erkenntnis auch im Bundesamt für Naturschutz nicht. Allerdings sind Begriffe wie natur- und umweltverträglich alles andere als konturenscharf, sondern unbestimmt. Vor 20 Jahren hatte dieses Amt deswegen wesentlich konkretere Anforderungen beispielsweise an Standortentscheidungen zugunsten der Windenergiewirtschaft formuliert.

Seitdem sind in Deutschland - nach Überzeugung der Branche und der Zulassungsbehörden selbstverständlich "natur- und umweltverträglich" - nicht nur 30.000 Windenergieanlagen errichtet worden, sondern die Stellungnahmen des Bundesamtes für Naturschutz zum Ausbau der regenerativen Energien verhaltener ausgefallen. In dem faktenbasiert prognostizierten Tod von jährlich mehr als 8.000 Mäusebussarden an norddeutschen Windenergieanlagen beispielsweise mag das Amt kein artenschutzrechtliches Problem erkennen. Kritiker sehen darin das Bestreben, die individuenbezogenen artenschutzrechtlichen Verbote auf ein populationsbezogenes Niveau abzusenken. Statt nur die alten Appelle zu wiederholen und anderen Korrekturen nahezulegen, sollte das Bundesamt auch eigene Positionen korrigieren. Das würde die Sache des Naturschutzes stärken.

Steinkauz im Rathaus der Stadt Nideggen - Februar 2019

Steinkauz © www.as-naturfotografie.de

Noch bis zum 13. März 2019 ist die Ausstellung der EGE "Den Steinkauz im Dorf lassen" im Rathaus der Stadt Nideggen zu Gast. Öffnungszeiten sind Mo - Fr: 08.00 - 12.30 Uhr, Mo - Di: 13.30 - 15.30 Uhr, Do: 13.30 - 17.00 Uhr. Der Ort Berg in der Stadt Nideggen ist kürzlich von der EGE als "Steinkauz freundliches Dorf" ausgezeichnet worden. Hier brüteten im Jahr 2011 lediglich zwei Paare, die fünf Junge groß zogen, 2018 hingegen sieben Paare mit 20 Jungen.

Uhus in urbaner Umgebung - Februar 2019

Uhu in urbaner Umgebung © www.wunderbare-erde.de

Uhus brüten längst nicht mehr nur in menschenleeren Gebirgsgegenden, sondern auch im urbanen Gelände. Denn menschenscheu und wild machte den Uhu erst die Jagd. Diese Zeiten sind gottlob vorüber. Die Koexistenz von Menschen und Uhus ist möglich. Auch in Bad Honnef bei Bonn, meint der Vorsitzende der EGE, Stefan Brücher. Darüber berichtete kürzlich der Bonner Generalanzeiger. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Bericht lesen möchten. Zudem hat die Zeitung Stefan Brücher zum Schutz der Uhus befragt. Das Interview finden Sie hier.

Uhupatenschaft geht an Schulklasse im Bayerischen Wald - Februar 2019

Uhuzeichnung aus der Schule in Perlesreut

Birgit und Gerhard Mayer aus Gemünden am Main unterstützen die Arbeit der EGE auf besondere Weise. Erneut haben sie für eine Uhupatenschaft gespendet, die Patenschaft aber nicht für sich behalten, sondern einer Schulkasse geschenkt. So ging im November 2018 die Urkunde über einen Uhu aus der Eifel an die Klasse 2 a der Grund- und Mittelschule Perlesreut im Bayerischen Wald. Für die Schüler gab es zudem passend zur Zeit und Thema Eulen-Adventskalender. Die Klassenlehrerin, Kathrin Bibelriether, schrieb der EGE: "Mit großer Begeisterung wurde die Uhupatenschaft von meinen Schülern aufgenommen. Sie haben sich für den Namen "Amalia" entschieden. Die Adventskalender bereiteten uns viel Freude. Die Kinder haben sich eifrig die Namen der abgebildeten Tiere gemerkt!"

Bald darauf widmete sich die Klasse im Fach Kunsterziehung ihrem Uhu. Vom Ergebnis konnten sich jetzt die Mayers aus Gemünden und die EGE überzeugen. Vor einigen Tagen flogen ihnen von den Kindern gemalte Uhubilder zu. Von den Mayers gab es als Dankeschön das Buch von Dorothee Warnecke "Wer die Eule liebt". Die beiden EGE-Kinderbücher "Wo die Eule schläft" und "Die Uhus vom Dom" von Wilhelm Breuer machen an der Schule in Perlesreut schon länger die Runde.

Die EGE dankt der Klassenlehrerin, allen Schülerinnen und Schülern der Klasse 2 a sowie Birgit und Gerhard Mayer, die mit der Patenschaft die Umweltbildung fördern und die Bemühungen der EGE finanziell unterstützen.

"Hambi" bleibt. Wirklich? - Februar 2019

Hambacher Wald an der Abbaukante © www.wunderbare-erde.de

Vor wenigen Tagen hat die Kohlekommission der deutschen Bundeskanzlerin einen 336 Seiten starken Bericht zum Ausstieg aus der Braunkohle vorgelegt. Nach 2038 soll, geht es nach der Kommissionsempfehlung, keine Braunkohle mehr verstromt werden. 40 Milliarden Euro Strukturhilfe sollen die volkswirtschaftlichen Folgen des Ausstiegs abfedern. Darin sind mögliche Entschädigungsforderungen der Kohlestromwirtschaft sowie die Kosten für den Ausbau der regenerativen Energiewirtschaft nicht eingerechnet.

Gerade die Kosten für die Substituierung des Kohlestroms sollten nicht unterschätzt werden, denn Sonne und Wind schicken, den alten Slogan der Branche widerlegend, doch eine Rechnung. Zur bitteren Wahrheit gehört auch, dass Windenergie- und Photovoltaikanlagen nur Strom produzieren, wenn ausreichend stark der Wind weht bzw. die Sonne scheint. Zudem ist auch die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen keineswegs "umweltneutral", wie ganze Landstriche unter Mais und Windenergieanlagen oder der Abbau der Rohstoffe für die Solartechnik mit gravierenden Folgen für die Biodiversität belegen. Auch die Braunkohlestrom ersetzende Energie ist nie grün, sondern kostet Natur. Fakten, die allerdings einer mehr von Wunsch als Wissen beseelten Gesellschaft nur schwer zu vermitteln sind.

Ist nun wenigstens der Hambacher Wald ("Hambi") gerettet, wie die großen Umweltverbände prophezeien und die kleine Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen hofft? Mitnichten, wie beispielsweise das wirtschaftsnahe "Handelsblatt" nach Erscheinen des Kommissionsberichts kommentiert. Die Kohlekommission hält es lediglich für wünschenswert, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt. Geht der Tagebau Hambach bis 2038, also bis zum von der Kohlekommission vorgeschlagenen Ausstieg aus der Braunkohle, wird von diesem Wald nichts übrigbleiben. Denn das Ende des Tagebaus Hambach mit der restlosen Zerstörung des gleichnamigen Waldes ist bisher für 2040 terminiert.

Vielleicht kann man es aber auch so sehen: Die Deutschen setzen sich seit Jahren ehrgeizige ("ambitionierte") Ziele - beispielsweise den Stopp des Artensterbens, die Begrenzung des Flächenverbrauchs, die Senkung der Nitratbelastung des Grundwassers, eine höhere Quote des Lesens und Schreibens fähiger Schulabsolventen, die Fertigstellung des Hauptstadtflughafens oder auch nur eine halbwegs pünktliche Bahn. Ziele, die sie grandios verfehlen.

In der letzten Woche hat allerdings nicht nur die deutsche Kohlekommission von sich reden gemacht, sondern auch die Europäische Kommission. Sie hat in einem 99seitigen ergänzenden Aufforderungsschreiben an den Bundesminister des Auswärtigen die Mängel präzisiert, die die Kommission den Deutschen seit 2015 in einem Beschwerdeverfahren vorhält: Deutschland würde die gesetzlichen Anforderungen an die Unterschutzstellung gemeinschaftlich bedeutender Naturschutzgebiete systematisch verfehlen. An eine Unterschutzstellung, die notabene bereits vor annähernd zehn Jahren hätte erfolgt sein müssen. Die Medien hat dies weitgehend kalt gelassen, weil Naturschutz in der Berichterstattung etwa denselben Stellenwert hat wie in der Politik: nämlich keinen. Das könnte sich mit einer Verurteilung Deutschlands vor dem Europäischen Gerichtshof ändern. Es wäre nicht die erste wegen Missachtung von Unions-Naturschutzrechts. Wenn der Rest des Hambacher Waldes erhalten bleibt, dann am ehesten, wenn sich der Wald aufgrund der Vorschriften der FFH-Richtlinie der Europäischen Union als zwingend zu schützen herausstellt, was deutsche Gerichte zu entscheiden haben.

Eingriffe für die Energiewende - Januar 2019

Baumkronen © www.wunderbare-erde.de

Die Bundesregierung mag die Pläne einer Bundeskompensationsverordnung nicht aufgeben, sondern arbeitet nach Jahren gescheiterter Versuche erneut an einer solchen Verordnung - jetzt allerdings beschränkt auf Eingriffsvorhaben im Zuständigkeitsbereich des Bundes.

Eine Bundeskompensationsverordnung könnte durchaus der Sache des Naturschutzes nützen, würde man sie an den Maßstäben eines echten Schadensausgleichs orientieren. Doch damit ist auch weiterhin nicht zu rechnen: Mit der Verordnung will die Bundesregierung nicht neue Eingriffe, sondern die Kompensation begrenzen.

Die Hintergründe für den neuen Vorstoß der Bundesregierung liegen auf der Hand: Der Energieleitungsausbau soll beschleunigt, die Kompensation der Eingriffsfolgen für Natur und Landschaft begrenzt und land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen vor Kompensation (nicht für Eingriffe!) in Schutz genommen werden.

Schon die vorherige Bundesregierung hatte sich Fertigstellung und Einführung einer Bundeskompensationsverordnung vorgenommen und dieses Ziel im Koalitionsvertrag - ehrlicherweise - nicht unter Naturschutz, sondern Landwirtschaft deklariert.

Zum Tode von Horst Stern (1922-2019) - Januar 2019

Hambacher Wald © www.wunderbare-erde.de

Horst Stern hat seine Wirkung eher gering veranschlagt. Über sich selbst sagte der mit Ehrungen und Preisen ausgezeichnete Journalist, er habe den Menschen den Charakter ihrer Gesellschaft vorhalten wollen, aber man habe ihn unterm Strich für einen Tierfilmer gehalten. Zum Ende der 1990er Jahre zog sich Stern vollends aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Platz ist unbesetzt geblieben. Am 17. Januar 2019 ist Horst Stern gestorben.

Im öffentlichen Bewusstsein blieb vor allem "Sterns Stunde". In bis 1979 ausgestrahlten 26 Folgen konfrontierte Stern eine materiell orientierte Wohlstandsgesellschaft auf eine neuartige und unsentimentale Weise mit des Menschen Verhältnis zu Tier und Natur. So am Heiligen Abend 1971 mit den "Bemerkungen über den Rothirsch", welche die Jagdlobby als ungeheuren Tabubruch empfand und eine hitzige forstpolitische Debatte auslösten. Stern führte vor, was ein aus ökologischem Unverstand und des Trophäenkults wegen gehätschelter Wildbestand aus dem deutschen Wald gemacht hatte. Alles dies - heute unvorstellbar - zur besten Sendezeit. Das Magazin "Der Spiegel" lag damals richtig: "Nach der Heiligabend-Sendung wird Stern wohl auch mit den deutschen Jägern Streit bekommen."

Stern schuf nicht nur ein neues Fernsehgenre. 1974 folgte die Zeitschrift "Nationalpark", 1980 das Magazin "Natur", dessen Herausgeber und Chefredakteur Stern bis 1984 war. Es hob den Naturschutz im Blätterwald erstmals auf dieselbe Höhe wie andere Magazine den Sport oder das Auto. Dass sich für den Naturschutz, wenn man es recht anstellte, eine breite Öffentlichkeit interessieren ließ, hatte Stern schon mit drei Buchbestsellern gezeigt: "Rettet die Vögel" (1978), "Rettet den Wald" (1979) und "Rettet die Wildtiere" (1980). Aus der Vielzahl seiner Beiträge sei hier nur erinnert an "Stern für Leser" (1973), "Mut zum Widerspruch" (1974), "Das Horst-Stern-Lesebuch" (1992) oder "Das Gewicht einer Feder" (1997). 1972 gehörte Horst Stern zu den Gründern der "Gruppe Ökologie", die sich als Protestbewegung gegen das mangelnde ökologische Bewusstsein der Industriegesellschaft verstand. 1975 war Stern Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND). Überdies gibt es den Schriftsteller Stern, der mit Werken wie "Mann aus Apulien" (1986), "Jagdnovelle" (1989) und "Klint" (1993) Natur, Naturwissenschaft und Naturschutz auch literarisch verband. Noch zum Ende der 1990er Jahre griff Stern als Kolumnist der Wochenzeitungen "Die Woche" und "Die Zeit" Missstände an, so etwa in deutschen Nationalparks, die ob ihres unzureichenden Schutzes wegen das Etikett nicht unbedingt verdienen, das ihnen die Länderregierungen angehängt haben.

Stern stand mit Beginn der 1970er Jahre wie kaum ein anderer für den Naturschutz in Deutschland. Stern war eine Orientierungsgestalt für eine ganze Naturschützer-Generation. Er verschaffte dem Naturschutz eine bis dahin ungekannte und nicht wiedererlangte Aufmerksamkeit. Seit Stern hat niemand mehr die Zerstörung der Landschaft und das Elend der Tiere so öffentlich wirksam angeklagt. Seine Kritik galt nicht allein der bloßen Ahnungslosigkeit, sondern zielte auf die hemmungslose Profitgier und damit einen Eckpfeiler der Gesellschaft, die den Preis von allem und den Wert von nichts kennt - noch bevor das Motiv für die Ausbeutung der Tiere und der Natur mit dem Schlagwort der Globalisierung verschleiert war. Sterns Kritik der Zustände ist aktueller denn je. Mit Sterns Wirken definierte der Naturschutz seinen Anspruch als ein alle Politik- und Wirtschaftsbereiche durchdringendes Handlungs- und Gestaltungsprinzip, vollzog sich die Professionalisierung des Naturschutzes in Verwaltung und Verbänden und nicht zuletzt die gesetzliche Absicherung seiner Ziele und Aufgaben. Seitdem haben sich die Mitgliederzahlen der Naturschutzorganisationen vervielfacht, ebenso die mediale Präsenz des Naturschutzes, die ihm zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel und etablierte sich eine zwar von der Politik vielfach blockierte, aber an sich professionelle Naturschutzverwaltung.

Trotz dieser Errungenschaften ist die Bilanz des Naturschutzes in Deutschland dramatisch negativ. Gegenüber der inneren Ursache der Misere - einer von bloßer Gier und verantwortungsloser Freiheit getriebenen Ökonomisierung aller Lebensbereiche zu Lasten des Lebens überhaupt - ist der Naturschutz weithin kritik- und sprachlos geblieben. Es fehlt in den Organisationen des Naturschutzes an analytischer, konzeptioneller und strategischer Kompetenz, an der Fähigkeit und Bereitschaft zum Konflikt, an Unabhängigkeit und moralischem Format, am wenigsten vielleicht an Personen, aber an Persönlichkeiten.

EGE zeichnet "Steinkauz freundliches Dorf" aus - Januar 2019

Auszeichnung der EGE © Sonia Marie Weinberger/EGE

Nideggen-Berg war 2018 im vierten Jahr in Folge das Dorf im nordrhein-westfälischen Kreis Düren, in dem die meisten Steinkäuze schlüpften und flügge wurden.

Um das Engagement der Bürger des Ortes zu würdigen und als Ansporn für die kommenden Jahre hat die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE) den Ort als erstes "Steinkauz freundliches Dorf" im Kreis Düren ausgezeichnet und dem Ortsvorsteher in einer Feierstunde eine entsprechende Plakette überreicht (Plakette siehe oben).

Achim Schumacher, seit Jahren für die EGE im Steinkauzschutz tätig, begrüßte dazu am 14.01.2019 viele Gäste, darunter den Bürgermeister der Stadt Nideggen, Marco Schmunkamp, den Berger Ortsvorsteher, Manfred Hurtz, und Maria Hinz von der Biologischen Station im Kreis Düren sowie Landwirte, Weidetierhalter, Grundeigentümer und ehrenamtlich tätige Steinkauzschützer.

Doris Siehoff, hauptverantwortlich für das Steinkauzprojekt der EGE im Kreis Düren, stellte den Steinkauz und seinen Lebensraum vor und erläuterte, weshalb beide des Schutzes bedürfen. Bestandserfassungen haben ergeben, dass der Rückgang in Nordrhein-Westfalen dramatisch ist. Er ist vor allem auf den Verlust von Lebensraum zurückzuführen.

Im Kreis Düren ist der Bestand des Steinkauzes gegen den landesweiten Trend in den letzten Jahren gestiegen. Nideggen-Berg ist dabei führend. Hier brüteten im Jahr 2011 lediglich zwei Paare, die fünf Junge groß zogen, 2018 hingegen sieben Paare mit 20 Jungen. Dies ist vor allem auf die Erhaltung des beweideten Grünlandes, die Pflege von Obstbäumen und das Anbringen von Nisthilfen zurückzuführen.

Die Feierstunde hat allen gefallen. Der Bürgermeister sprach ein Grußwort, sagte das Aufhängen einer Nisthilfe für Steinkäuze auf einem städtischen Grundstück zu und lud die Steinkauz-Ausstellung der EGE ins Rathaus ein. Maria Hinz präsentierte steinkauzsichere Viehtränken und wies auf die Möglichkeit hin, bei der Biologischen Station hochstämmige Obstbäume alter Sorten zu bestellen. Und schon wird überlegt, wie der Steinkauz in der örtlichen Umweltbildung berücksichtigt und ob der Steinkauz Wappenvogel des ausgezeichneten Dorfes werden kann. Über die Veranstaltung in Nideggen-Berg berichtet auch EIFELON. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten.

Seit vielen Jahren wirbt die EGE für die Zusammenarbeit zwischen Steinkauzschützern und Kommunen. Sehen Sie dazu auch die "Zehn Gebote für Steinkauzschützer in der Kommunalpolitik".

Verleihung der Auszeichnung © Ulrich Bergrath

Das Foto zeigt von links nach rechts: Maria Hinz, Ulrich Bergrath, Marco Schmunkamp, Achim Schumacher, Doris Siehoff, Frank Bohlem, Manfred Hurtz.

Gutachten: Kein Bestandsschutz für unzureichend gesicherte Strommasten - Januar 2019

Stromopfer Uhu im Westerwaldkreis © G. Seelbach

Nach wie vor sterben in Deutschland Großvögel an schlecht oder gar nicht gesicherten Mittelspannungsmasten. Die verantwortlichen Netzbetreiber haben ihre Versäumnisse bundesweit mit verschiedenen Begründungen zu rechtfertigen versucht. Die dazu vorgetragenen interessengeleiteten Rechtsauffassungen wurden von den Behörden zumeist bereitwillig akzeptiert.

Ein Hauptargument der Netzbetreiber war ein ihrer Auslegung nach geltender Bestandsschutz für alte, nicht nach den aktuellen Vorschriften gesicherte Masten. Nun belegt ein Rechtsgutachten im Auftrag der EGE, was auch die Juristen in den Behörden längst hätten wissen können: Für diese alten Masten gibt es keinen Bestandsschutz. Zudem hat die VDE-Anwendungsregel von 2011 einen verbindlichen Charakter. Wiederlegt ist damit beispielsweise die Annahme der Bezirksregierung Köln, die Verpflichtung, diese Vorschrift einzuhalten, ließe sich aus den gesetzlichen Vorgaben nicht herleiten.

Verfasser des Gutachtens "Rechtliche Gewährleistung des Vogelschutzes an Mittelspannungsfreileitungen" ist Prof. Dr. Johannes Hellermann vom Lehrstuhl für öffentliches Recht der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld. Es gehört zu den Absonderlichkeiten, dass die EGE die Versäumnisse der Netzbetreiber aufdecken muss, weil sich die zuständigen staatlichen Stellen zurücklehnen und die EGE ihnen überdies die rechtlichen Hintergründe erläutern muss. Notgedrungen finanziert aus Spendengeldern der EGE, die nun für andere dringende Aufgaben nicht zur Verfügung stehen.

Eine Kurzfassung des Gutachtens ist im Dezember 2018 in der Zeitschrift "Natur und Recht" (Heft 40: 805-812) erschienen. Das vollständige Gutachten finden Sie hier (pdf-Datei, ca. 304 KB).

Fazit des Gutachtens:

Nach diesem Gutachten sollten bestehende Kenntnislücken überwunden und die zuständigen Behörden in der Lage sein, mit Kontrollen und Sanktionen endlich zu der Entschärfung gefährlicher Mittelspannungsmasten beizutragen, die seit Ende 2012 hätte abgeschlossen sein müssen. Wie dringend hier gehandelt werden muss, zeigt ein jüngster Fall im rheinland-pfälzischen Westerwaldkreis. Dort ist kürzlich ein Uhu an einem unzureichend gesicherten Mast ums Leben gekommen. Der Uhu wollte offenkundig auf dem Mast eine erbeute Bisamratte fressen; diese hielt der Uhu noch fest, als er am Boden aufgefunden wurde. Zwar waren an dem Mast Sicherungsarbeiten vorgenommen worden; diese waren aber unzureichend und geradezu kontraproduktiv, weil Großvögeln mit den Maßnahmen der sichere Sitzplatz buchstäblich verbaut wurde. Dilletanti avanti! Jetzt ist es wieder die EGE, die dem Netzbetreiber die Sache vorhalten und auf Abhilfe drängen muss. Frau Seebach verdanken wir das obige Foto, das den toten Uhu zeigt. Herr Antonius Kunz aus Nister hat uns auf den Fall hingewiesen. Beiden gilt der Dank der EGE.

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