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Steinkauz-Brutsaison 2022 - November 2022

Steinkauz © www.wunderbare-erde.de

Die Niederrheinische Bucht ist eines der Dichtezentren des Steinkauzes in Deutschland. Hier liegt das Projektgebiet der EGE zum Schutz des Steinkauzes. Es umfasst die nordrhein-westfälischen Kreise Düren und Euskirchen, den Rhein-Erft-Kreis und - in Kooperation mit dem NABU-Bonn - den linksrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises. Die hauptverantwortlichen Personen sind Doris Siehoff im Kreis Düren und in den übrigen Kreisen Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller.

In diesem Jahr wurde in diesem Gebiet exakt genauso viele besetzte Steinkauzreviere registriert wie im Vorjahr - nämlich 506. Tatsächlich dürften es in diesem Jahr einige Reviere mehr gewesen sein, denn Peter Josef Müller und sein Team konnten im Rhein-Sieg-Kreis coronabedingt nicht ganz so gründlich nach Steinkäuzen sehen wie üblich. Im Kreis Düren ist die Zahl der besetzten Reviere um 14, im Rhein-Erft-Kreis um 16 gestiegen, im Kreis Euskirchen ist sie um sechs gesunken. Im Kreis Düren lag die Zahl höher als vor 20 Jahren. Die Zahl der erfolgreichen Bruten sank allerdings im Vergleich zum Vorjahr in allen vier Kreisen von 316 auf 251. Das ist ein Rückgang um 20 Prozent. Noch stärker gesunken ist die Zahl der beringten Jungvögel, nämlich von 1.067 auf 729. Das ist ein Minus von fast einem Drittel.

Gründe für den Rückgang dürften vor allem Kälteeinbrüche und Trockenheit sowie eine fehlende Mahd oder Beweidung von Grünlandparzellen während der Nestlingszeit der Käuze gewesen sein. Im Kreis Euskirchen und im Rhein-Sieg-Kreis hat es in den Steinkauzrevieren, die vom Juli-Hochwasser des Jahres 2021 betroffen waren, zudem an Regenwürmern und damit an einer wichtigen Nahrungsressource für Steinkäuze gefehlt, kommentiert Peter Josef Müller die gesunkene Zahl von Bruten und Jungvögeln. Die EGE-Mitarbeiter aus den vier Kreisen hoffen umso mehr auf die nächste Brutzeit.

Gleichwohl nehmen sich aber die diesjährigen Ergebnisse durchaus respektabel aus. So wurden in den Kreisen Düren und Euskirchen in den letzten 15 Jahren noch nie so viele besetzte Reviere gezählt. In dieser Zeitspanne waren nur in drei Jahren mehr Bruten erfolgreich und wurden nur in vier Jahren mehr junge Käuze beringt. Wenn die Mitarbeiter der EGE nun jammern, dann auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Die EGE hat allen Grund zufrieden auf die diesjährigen Ergebnisse zu schauen, wie der Bericht von Doris Siehoff für den Kreis Düren exemplarisch deutlich macht.

Das Steinkauzschutz-Projekt der EGE umfasst u. a. die Pflege und Neuanlage von Obstbäumen sowie die Verteidigung der Steinkauzhabitate vor der Ausweisung von Bauland. Die EGE dankt allen Personen, die zum diesjährigen Erfolg des Steinkauzschutz-Projektes beigetragen haben: den Aktiven, allen Helfern und den Spendern. Vielleicht möchten auch Sie die Aktivitäten der EGE unterstützen - beispielsweise mit einer Steinkauzpatenschaft. Schreiben Sie einfach an die EGE.

Im Kreis Düren dankt Doris Siehoff für die Unterstützung vor allem Ulrich Bergrath, Frank Bohlem, Klaus Frankenberg, Patrick Reinartz, Achim Schumacher, Doro Sieger und Beate Vennemann. Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller danken für die Unterstützung im Rhein-Sieg-Kreis Marie König, im Kreis Euskirchen Monika May, Tanja und Josef Opitz, Gerd Runhaar, Marco Böhm-Dores und der Biologischen Station im Kreis Euskirchen und im Rhein Erft-Kreis Stefanie Taube, Johannes Ismar und Benedikt Hillebrandt.

Die Atmosphäre schützen zu Lasten der Biosphäre? - November 2022

Windenergieanlagen-Baustelle im Grünland © Eilert Voß

Auf die Frage nach dem größten aller Naturschutzprobleme geben Absolventen naturschutznaher Studiengänge oft nur noch eine einzige Antwort: der Klimawandel. Zu dessen Bekämpfung scheint einer durch und durch grünen Gesellschaft alles erlaubt und kein Opfer zu groß zu sein. Zu diesem Ergebnis dürften Narrative beitragen, die von Politik, Nichtregierungsorganisationen, Kirchen und Medien verbreitet werden. Narrative, auf welche sich "Aktivisten und Aktivistinnen" der "Zivilgesellschaft" bei strafrechtlich relevanten Protestformen meinen berufen zu können. Berichte der Wissenschafts-Journalisten und -Journalistinnen deutscher Rundfunk- und Fernsehanstalten, die derzeit über die 27. Umweltkonferenz im ägyptischen Scharm El-Scheich berichten, sparen nicht an Dramatik. Begriffe wie Klimakatastrope und Erderhitzung beherrschen die Schlagzeilen. Deutschlands denkbarer Beitrag zur Reduzierung der globalen anthropogenen CO2-Emissionen ist schon deshalb begrenzt, weil Deutschlands Anteil an ihrem Ausstoß zwei Prozent umfasst. Sich überschätzend, aber in bester Absicht setzen die Deutschen umso mehr auf ihre Vorbildfunktion auf ihrem Weg aus der fossilen in eine regenerative Energiewirtschaft. Im Namen des Klimaschutzes. Aber auch des Naturschutzes?

Das Ergebnis einer aktuellen internationalen Studie zeigt: Hauptursachen der globalen Verluste biologischer Vielfalt sind die Umwandlung von naturnahen Wäldern und Graslandschaften in landwirtschaftliche Fläche sowie die ausbeuterische Nutzung wildlebender Pflanzen und Tiere. Der Studie zufolge ist der Klimawandel momentan die viertgrößte Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt an Land, gefolgt von der Invasion vom Menschen eingeschleppter gebietsfremder Arten an fünfter Stelle. Die internationale Studie entstand unter der Leitung von Universidad Nacional de Córdoba (UNC), Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), iDiv und Natural History Museum London. Die Autoren stellen fest, dass in den Ozeanen die Ausbeutung der Fischbestände die größte Rolle spielt und der Klimawandel an zweiter Stelle rangiert. Die Autoren gehen davon aus, dass die Bedeutung des Klimawandels für die Biodiversitätsverluste in der Zukunft zunehmen und in der Rangliste der direkten Treiber aufsteigen wird. Die Autoren kritisieren, was gerne unter den grünen Teppich gekehrt wird: Dass nämlich für das Erreichen von Klimaschutzzielen teilweise Lösungen propagiert und realisiert würden, die sich zulasten der Biodiversität auswirken. Erforderlich seien jedoch ganzheitliche Lösungen und effizientere Maßnahmen zur Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt. Erkenntnisse, die den Weg in Wissenschaftsredaktionen, die Berichterstattung und in die universitäre Ausbildung finden sollten.

EGE-Förderpreis geht an Katja Kreth und Maxi Sophia Weber - November 2022

Buntsandsteinfelsen in der Eifel © www.as-naturfotografie.de

Der Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis der EGE geht in diesem Jahr an Katja Kreth und an Maxi Sophia Weber.

Katja Kreth erhält den Preis für ihre Bachelorarbeit an der Rheinisch-Westfälischen-Technischen Hochschule Aachen zum "Konflikt zwischen Klettersport und Uhuschutz im Rur- und Ahrtal". Mit dieser Arbeit beschloss die 26-jährige das Studium der Angewandten Geographie mit Nebenfach Ökologie. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind in die Veröffentlichung von Lutz Dalbeck, Stefan Brücher und Katja Kreth "Der Konflikt zwischen Klettersport und Uhuschutz in der Eifel" eingeflossen. Die Autoren konnten anhand umfangreicher Daten über die Uhupopulation der beiden Täler überzeugend darlegen, dass Klettersport und Uhuschutz nicht vereinbar sind und temporäre Regelungen, die an Felsen zeitweise das Klettern erlauben, keinen ausreichenden Schutz bieten. Der Beitrag erschien 2021 in Heft 11 der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung". In vielen Klettergebieten müssten die bisherigen Regelungen überprüft und den tatsächlichen Bedingungen angepasst werden, sagt Katja Kreth. Das Beispiel der Uhus an den Buntsandsteinfelsen im Rurtal in der Eifel zeige, dass dies möglich und lohnenswert sei. Katja Kreth studiert seit 2020 Naturschutz und Landschaftsökologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Uhu © www.as-naturfotografie.de

Ausgezeichnet wurde auch die 24-jährige Maxi Sophia Weber. Sie erhielt den Preis für ihre im Fach Biologie an der Universität Hildesheim vorgelegte Bachelorarbeit "Vergleichende Untersuchung zur Nahrungszusammensetzung verschiedener Eulenarten im Hildesheimer Raum". Gegenstand der Untersuchung waren 415 Gewölle von Schleiereule, Waldohreule, Waldkauz und Uhu aus den Jahren 2018 und 2019 von 23 Standorten. Die Analyse erbrachte insgesamt 618 Beutetiere aus 21 Arten und sechs Familien sowie unbestimmte Vögel und Froschlurche. Unter den Beutetieren der Schleiereule und Waldohreule dominierten die Wühlmäuse vor Echten Mäusen und Spitzmäusen. Die Nahrungszusammensetzung der Schleiereule wies deutliche jahreszeitliche Schwankungen und der Uhu das breiteste Nahrungsspektrum auf. In den Uhugewöllen dominierten neben einem hohen Vogelanteil Wander- und Hausratte. Im Gegensatz zu Schleiereule und Waldohreule fehlten Spitzmäuse bei Waldkauz und Uhu völlig. Maxi Sophia Weber studiert derzeit an der Leibniz Universität Hannover Landschaftswissenschaften. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in der Arbeitsgruppe Eulenschutz im NABU Hildesheim. "Die Lebensräume vieler Eulenarten sind gefährdet. Deshalb setze ich mich für ihren Schutz ein", sagt die Studentin.

Der Förderpreis ist nach dem Gründer der EGE, Wilhelm Bergerhausen, benannt. Wilhelm Bergerhausen hatte für die Wiederansiedlung des Uhus in Deutschland ab Mitte der 1970er Jahre gearbeitet. Nach dem erfolgreichen Abschluss dieses Projektes gründete Wilhelm Bergerhausen 1990 die EGE. Bergerhausen verstand es, junge Menschen für den Naturschutz zu gewinnen. Wilhelm Bergerhausen starb am 25. November 2006 im Alter von 56 Jahren. Mit dem Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis werden Arbeiten aus der Erforschung von Biologie und Ökologie sowie dem Schutz europäischer Eulenarten ausgezeichnet. Um den Preis kann sich bewerben, wer an einer europäischen Hochschule studiert und bei Abgabe der Arbeit nicht älter als 35 Jahre ist. Die nächste Verleihung erfolgt im Jahr 2024.

Eulen-Rundblick Nr. 72/2022 erschienen - Oktober 2022

Titelseite Eulenrundblick 72/2022

Die Ausgabe 72/2022 des Eulen-Rundblicks ist da. Der Eulen-Rundblick ist keine Zeitschrift der EGE, sondern die Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz bedrohter Eulen (AG Eulen). In dem 112 Seiten umfassenden Heft finden Sie eine Vielzahl von Beiträgen über Eulenschutz und Eulenbiologie, beispielsweise die Tagungsvorträge der letztjährigen AG-Eulen-Tagung in Münster, Beiträge über die Biologie der Schleiereule, die Brutplatzkonkurrenz zwischen Uhu und Gänsesäger, frühe Bruten des Sperlingskauzes und eine Winterbrut der Waldohreule.

Im Heft sind außerdem enthalten

Der Eulen-Rundblick erscheint einmal jährlich. Er enthält Originalbeiträge, Fachberichte und Informationen über Biologie und Schutz der Eulen. Das Jahresabonnement kostet 15 Euro einschließlich Porto und Versandkosten. Bestellungen richten Sie bitte an Herrn Klaus Hillerich, Röntgenstr. 7, 64823 Groß-Umstadt, klaus.hillerich@t-online.de.

EGE erinnert an Horst Stern - Oktober 2022

Horst Stern (EGE-Archiv)

Am 24. Oktober 2022 wäre Horst Stern 100 Jahre alt geworden. Stern stand mit Beginn der 1970er Jahre wie kaum ein anderer für den Naturschutz in Deutschland. Im öffentlichen Bewusstsein blieb vor allem "Sterns Stunde" - ein Stück Fernsehgeschichte. In bis 1979 ausgestrahlten 26 Folgen konfrontierte Stern eine materiell orientierte Wohlstandsgesellschaft auf eine neuartige und unsentimentale Weise mit des Menschen Verhältnis zu Tier und Natur. So am Heiligen Abend 1971 mit den "Bemerkungen über den Rothirsch", welche die Jagdlobby als ungeheuren Tabubruch empfand und eine hitzige forstpolitische Debatte auslösten. Stern führte vor, was ein aus ökologischem Unverstand und des Trophäenkults wegen gehätschelter Wildbestand aus dem deutschen Wald gemacht hatte. Alles dies - heute unvorstellbar - zur besten Sendezeit. Das Magazin "Der Spiegel" lag damals richtig: "Nach der Heiligabend-Sendung wird Stern wohl auch mit den deutschen Jägern Streit bekommen."

Stern schuf nicht nur ein neues Fernsehgenre. 1974 folgte die Zeitschrift "Nationalpark", 1980 das Magazin "Natur", dessen Herausgeber und Chefredakteur Stern bis 1984 war. Es hob den Naturschutz im Blätterwald erstmals auf dieselbe Höhe wie andere Magazine den Sport oder das Auto. Dass sich für den Naturschutz, wenn man es recht anstellte, eine breite Öffentlichkeit interessieren ließ, hatte Stern schon mit drei Buchbestsellern gezeigt: "Rettet die Vögel" (1978), "Rettet den Wald" (1979) und "Rettet die Wildtiere" (1980). Aus der Vielzahl seiner Beiträge sei hier nur erinnert an "Stern für Leser" (1973), "Mut zum Widerspruch" (1974), "Das Horst-Stern-Lesebuch" (1992) oder "Das Gewicht einer Feder" (1997). 1972 gehörte Horst Stern zu den Gründern der "Gruppe Ökologie", die sich als Protestbewegung gegen das mangelnde ökologische Bewusstsein der Industriegesellschaft verstand. 1975 war Stern Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND). Überdies gibt es den Schriftsteller Stern, der mit Werken wie "Mann aus Apulien" (1986), "Jagdnovelle" (1989) und "Klint" (1993) Natur, Naturwissenschaft und Naturschutz auch literarisch verband. Noch zum Ende der 1990er Jahre griff Stern als Kolumnist der später eingestellten Wochenzeitung "Die Woche" Missstände an, so etwa in deutschen Nationalparks, die ob ihres unzureichenden Schutzes wegen das Etikett nicht unbedingt verdienen, das ihnen die Länderregierungen angehängt haben.

Stern stand am Ende der 1990er Jahre im engen Kontakt mit der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE). Auf dieser Verbindung beruhten mehrere seiner Kolumnen, darunter die Kritik an der Naturschutzvergessenheit grüner Politik - so wegen des Desinteresses einer grünen nordrhein-westfälischen Umweltministerin, der er die von der EGE ermittelten Resultate unzureichender Berücksichtigung des Artenschutzes vorhielt. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie Sterns Kolumne vom 29. Mai 1998 lesen möchten.

Horst Stern hat seine eigene Wirkung eher gering veranschlagt. Über sich selbst sagte der mit Ehrungen und Preisen ausgezeichnete Journalist, er habe den Menschen den Charakter ihrer Gesellschaft vorhalten wollen, aber man habe ihn unterm Strich für einen Tierfilmer gehalten. Zum Ende der 1990er Jahre zog sich Stern vollends aus der Öffentlichkeit zurück. Am 17. Januar 2019 ist Horst Stern gestorben.

Stern war eine Orientierungsgestalt für eine ganze Naturschützer-Generation. Er verschaffte dem Naturschutz eine bis dahin ungekannte und nicht wiedererlangte Aufmerksamkeit. Seit Stern hat niemand mehr die Zerstörung der Landschaft und das Elend der Tiere so öffentlich wirksam angeklagt. Seine Kritik galt nicht allein der bloßen Ahnungslosigkeit, sondern zielte auf die hemmungslose Profitgier und damit einen Eckpfeiler der Gesellschaft, die - wie Stern es formulierte - den Preis von allem und den Wert von nichts kennt. Sterns Kritik der Zustände ist aktueller denn je. Mit Sterns Wirken definierte der Naturschutz seinen Anspruch als ein alle Politik- und Wirtschaftsbereiche durchdringendes Handlungs- und Gestaltungsprinzip, vollzog sich die Professionalisierung des Naturschutzes und nicht zuletzt die gesetzliche Absicherung seiner Ziele und Aufgaben. Seitdem haben sich die Mitgliederzahlen der Naturschutzorganisationen vervielfacht, ebenso die mediale Präsenz des Naturschutzes, die ihm zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel und etablierte sich eine zwar von der Politik vielfach blockierte, aber an sich professionelle Naturschutzverwaltung.

Trotz dieser Errungenschaften ist die Bilanz des Naturschutzes in Deutschland dramatisch negativ. Gegenüber der inneren Ursache der Misere - einer von bloßer Gier und verantwortungsloser Freiheit getriebenen Ökonomisierung aller Lebensbereiche - ist der Naturschutz weithin kritik- und sprachlos geblieben. Es fehlt in den Organisationen des Naturschutzes an analytischer, konzeptioneller und strategischer Kompetenz, an der Fähigkeit und Bereitschaft zum Konflikt, an Unabhängigkeit und moralischem Format, am wenigsten vielleicht an Personen, aber an Persönlichkeiten. Sterns Platz ist leer geblieben. An Stern erinnern sich nur noch wenige Menschen. An welchen Personen orientieren sich Naturschutz und Naturschützer heute? An Greta Thunberg und Luisa Neubauer? An die amtierenden grünen Minister der deutschen Ampelkoalition Steffi Lemke und Robert Habeck? An die Vorsitzenden der großen Umweltorganisationen? Dem Naturschutz ist ein Stern zu wünschen am Horizont und weniger Irrlichter.

Adventskalender jetzt bestellen - Oktober 2022

Adventskalender Schleiereule © EGE

Mit einem Adventskalender wirbt die EGE für den Schutz der Schleiereule. Hinter den 24 Türchen verbergen sich Motive mit Tieren der Dörfer, Felder und Wiesen. Der originelle Adventskalender mit den Maßen 34 x 24 cm ist nur bei der EGE erhältlich. Das Kalenderbild beruht auf einem Aquarell von Bärbel Pott-Dörfer; die Tiere hinter den Türchen zeichnete Michael Papenberg. Die EGE dankt beiden Künstlern für die kostenfreie Bereitstellung der Bilder.

Vielleicht möchten Sie Freunden und Verwandten rechtzeitig zum 1. Dezember mit dem Kalender eine Freude machen. Der Kalender ist ein schönes Geschenk auch für Kinder und Enkel. Der Kalender passt in einen B 4-Umschlag und lässt sich für 1,60 Euro mit der Deutschen Post versenden. Die EGE erbittet für einen Kalender eine Spende von 6,50 Euro, bei einer Bestellung ab drei Kalendern 5 Euro je Kalender. Die Versandkosten trägt die EGE. Der Erlös fließt in die Eulenschutzprojekte der EGE.

Erhältlich ist zu denselben Bedingungen auch der Adventskalender mit Steinkauzmotiv und weiteren Motiven der Bewohner der Streuobstwiesen. Die Tiere hinter den Türchen zeichnete Michael Papenberg.

Bitte richten Sie Ihre Bestellung unter Angabe des gewünschten Motivs per E-Mail an:
Egeeulen@t-online.de
oder an die Geschäftsstelle der EGE
Breitestrasse 6
D-53902 Bad Münstereifel

Die Spende erbittet die EGE nach Erhalt der Kalender auf ihr Spendenkonto
Postbank Köln
BIC PBNKDEFF
IBAN DE66370100500041108501
Stichwort Adventskalender

Adventskalender Steinkauz © EGE

Tagungshinweis: Populationsökologie von Greifvogel- und Eulenarten - Oktober 2022

Tooltipp Windenergieopfer Sumpfohreule © Günter Niehaus

Vom 20. bis 23. Oktober 2022 veranstaltet der Förderverein für Ökologie und Monitoring von Greifvogel- und Eulenarten e. V. gemeinsam mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen e. V. (AG Eulen) das 10. Internationale Symposium "Populationsökologie von Greifvogel- und Eulenarten" in Halberstadt. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie das Programm anschauen möchten.

Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.(EGE) ist bei dem Symposium u.a. mit ihren Rollups "Norddeutschlands Sumpfohreulen schützen" vertreten.

Eine Besonderheit der diesjährigen Tagung ist die Podiumsdiskussion zum Thema "Energiewende und Vogelschutz". Diese findet am Freitag, den 21. Oktober 2022 von 10:30 bis 12:30 Uhr statt. Es diskutieren: Dr. Josef Tumbrinck (Sonderbeauftragter im Bundesumweltministerium), Dr. Bettina Wilkening (Sprecherin des AK Naturschutz beim Bundesverband Windenergie), Prof. Dr. Martin Gellermann (Rechtsanwalt, apl. Professur an der Universität Osnabrück) und Dr. Andreas von Lindeiner (Präsident des Deutschen Rates für Vogelschutz). Für Personen, die nicht bei der Tagung dabei sein können, bieten die Veranstalter eine Live-Übertragung der Podiumsdiskussion an. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie Informationen zum Live-Stream und zu der Ticketreservierung erfahren möchten.

Von der Nordeifel nach Unterfranken - September 2022

Steinkauz © Achim Schumacher Kelle

Oberwichterich ist ein 300-Seelendorf bei Euskirchen am Nordrand der Eifel 30 Kilometer westlich von Bonn. Peter Josef Müller beringte dort auf einer Obstbaumwiese im Juni 2021 einen noch nicht flugfähigen Steinkauz. 395 Tage später, im Juli 2022, wurde dieser Steinkauz in Kleinostheim bei guter Gesundheit in einem Nistkasten angetroffen. Kleinostheim ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg zwischen Main und Spessart. Die Entfernung zwischen den beiden Orten beträgt 183 km. Das ist eine für das bescheidene Wanderverhalten von Steinkäuzen bemerkenswert weite Strecke. Über den Weg, den der Kauz genommen hat, lässt sich nur spekulieren. Auf direkter Strecke hätte der Kauz nicht weniger als vier Bundesautobahnen, 16 Bundesstraßen und wohl einige Hundert Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen queren müssen. Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie gefährlich das Leben reiselustiger Steinkäuze ist.

Die Naturschutzrechtsnovelle vom 20. Juli 2022 - September 2022

Windenergieopfer Uhu © Tobias Rausch

Im Juli 2022 hat der Gesetzgeber das Bundesnaturschutzgesetz grundlegend und weitreichend verändert. Kurz zuvor wurden die vorgesehenen Änderungen im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages in ungewöhnlicher Deutlichkeit kritisch behandelt. Mehrere Sachverständige hatten ausgeführt, dass die angestrebte Beschleunigung des Ausbaus der erneuerbaren Energien mit dem vorgelegten Gesetzentwurf kaum erreichbar sei. Als Grund hierfür wurden insbesondere erhebliche Bedenken im Hinblick auf die Vereinbarkeit mit dem Recht der Europäischen Union angeführt. Der Gesetzentwurf sei "von einer einseitigen Bevorzugung der Windkraftinteressen geprägt", kritisierte beispielsweise Prof. Dr. Martin Gellermann den Entwurf. Nun ist ein von der "Naturschutzinitiative e. V." in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten der im Umweltausschuss ungewöhnlich deutlich vorgetragenen Kritik auf den Grund gegangen.

Das Fazit des Gutachtens: "Die zahlreichen neuen Regelungen, die im Zuge der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes vom 20. Juli 2022 in Form von § 45 b BNatSchG und § 45 c BNatSchG in das Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen worden sind, sind weitestgehend nicht mit dem Unionsrecht vereinbar. Sowohl die Anzahl der zu identifizierenden Rechtsverstöße, als auch die Deutlichkeit überraschen, hat doch die obergerichtliche Rechtsprechung der hiesigen Verwaltungsgerichtsbarkeit und auch die Rechtsprechung des EuGH die von den Mitgliedstaaten zu beachtenden Maßgaben in ständiger Rechtsprechung ausgeformt und immer wieder bekräftigt. Die in der Anhörung im Umweltausschuss vorgebrachte Kritik, dass die Gesetzesnovelle ins völker- und unionsrechtliche Abseits führe und dass damit das Ziel des rechtssicheren Windenergieausbaus bei Beachtung des Artenschutzes bzw. des Biodiversitätsschutzes nicht erreichbar sei, kann nur bestätigt werden." Klicken Sie bitte hier, wenn Sie das Rechtsgutachten lesen möchten.

Prof. Martin Gellermann hatte bereits zuvor dem Gesetzgeber ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Genehmigungen auf Basis des neuen Gesetzes seien rechtlich angreifbar und böten den Investoren nicht die nötige Rechtssicherheit, sagte der renommierte Jurist dem Magazin Riffreporter. Gewinner dürften letztlich weder der Artenschutz noch die Windenergiewirtschaft, sondern die Anwälte sein, für die das neue Recht wie ein Arbeitsbeschaffungsprogramm wirke.

Diese Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes geht vor allem auf das Betreiben von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und der von ihm in dieses Ministerium berufenen Akteure zurück. Die Gesetzesänderung hat Habecks Beliebtheitswerte nicht schmälern können. Dazu bedurfte es erst seiner Einlassungen über das Wesen wirtschaftlicher Insolvenz. 

Neue Ausgabe von "Nationalpark" erschienen - September 2022

Cover Nationalpark 3/2022

„Land unter Strom – Biologische Vielfalt und Energiewende". So ist die Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Nationalpark" überschrieben. Die Energiewende mit Freiflächen-Photovoltaik- und Windenergieanlagen wird für die Artenvielfalt zur Bedrohung. Der Ausbau der Regenerativen gerät aber nicht nur zu einem Dilemma zwischen Klima- und Naturschutz, sondern die Energiewende beruht zu einem Teil auf unrealistischen Wunschvorstellungen. Dafür steht das Titelbild beispielhaft. Es lässt die Illusion platzen, in „Solarparks" böte sich eine große Chance für die Artenvielfalt.

Im Heft finden Sie viele weitere Beiträge – beispielsweise über das Haselhuhn im bayerisch-böhmischen Grenzgebirge, einen neuen Nationalpark in der russischen Tundra, Georgiens Naturschätze und die Ems – einen nordwestdeutschen Tieflandfluss, den fortlaufendes Ausbaggern und Aufstauen für die regelmäßigen Überführungen von Kreuzfahrtschiffen in einen andauernd dramatischen Zustand versetzen.

Die Zeitschrift „Nationalpark" berichtet auf 46 Seiten viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, große Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift leistet sich, was in der deutschen Zeitschriftenlandschaft eine Ausnahme ist: einen unabhängigen, kritischen und fundierten Blick auf die Sache des Naturschutzes. Herausgeber der Zeitschrift ist der "Verein der Nationalpark-Freunde e.V." Die EGE empfiehlt diese Zeitschrift mit den Worten, die der Journalist Horst Stern für sie gefunden hat: "Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen". Klicken Sie bitte hier, wenn Sie weitere Informationen über die aktuelle Ausgabe wünschen.

Bericht über die Uhus an der Lambertikirche in Hildesheim - September 2022

Alt- und Jungvogel © Andy Keller

Eine Uhubrut am Hildesheimer Dom hat es in diesem Jahr erstmals seit 2014 nicht gegeben. Stattdessen brüteten Uhus an der 500 Meter vom Dom entfernt gelegenen Lambertikirche. Angelika Krueger hat sich intensiv um die beiden dort geschlüpften Uhus gesorgt. Sie hat die Vorgänge am Brutplatz in einem Bericht zusammengefasst, der im aktuellen Jahresbericht des Hildesheimer Josephinums erschienen ist. Das Gymnasium Josephinum ist eine Schule des Bistums Hildesheim in Niedersachsen und gehört zu den ältesten Schulen in Deutschland. Sie liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dom. Angelika Krueger war Lehrerin am Josephinum. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag von Angelika Krueger lesen möchten.

GEO-Reportage: Die Eifel und ihre Eulen-Hüter - September 2022

Sonia Marie Weinberger © Stefan Brücher entlässt Uhu in die Freiheit

Die Eifel und ihre Eulen-Hüter. Französisch: Sauver les hiboux, c'est chouette. Unter diesem Titel dokumentiert eine GEO-Reportage das Leben der Eulen in der Eifel und zugleich die Menschen, die sich in dieser Region Europas für den Schutz der Eulen engagieren. Die GEO Reportage präsentiert außergewöhnliche Menschen rund um den Globus - in dieser Reportage die Mitarbeiter der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie die jetzt bei YouTube platzierte 52minütige Dokumentation aus dem Jahr 2021 anschauen möchten.

Steinkauz-Brutsaison westlich von Köln - August 2022

Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller © Hans-Jürgen Zimmermann

Die Brutsaison der Steinkäuze ist beendet. Für den nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen haben Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller einen ersten Bericht erstattet. Demnach kam es in diesem Gebiet zu 178 Bruten. Das sind fünf weniger als im Vorjahr. Doch der Bruterfolg war 2022 deutlich geringer als 2021. Während 2021 sage und schreibe 471 Jungvögel beringt wurden, waren es 2022 nur 304. Weniger waren es zuletzt im Jahr 2017. Ja, 2022 war kein gutes Steinkauz-Jahr. So berichten die Müllers traurig: "Noch nie registrierten wir so viele Jungvogelverluste wenige Tage oder Wochen nach der Beringung." Die Hauptursache ist Nahrungsmangel. Ein Mangel, den die Müllers auf die großen Niederschlagsmengen im Sommer 2021 zurückführen, die im Kreis Euskirchen bekanntlich eine Flutkatastrophe auslösten. "Viele Mäuse sind damals abgesoffen. Bis heute hat sich der Mäusebestand nicht erholt. Wenige Mäuse bedeuten wenige Käuze", sagen die erfahrenen Steinkauzschützer.

Ganz selten einmal fanden die Müllers eine von den Kauzeltern bevorratete Maus. Bei den ersten Nestkontrollen fürs Beringen noch zu kleine Käuze waren bei der nächsten Kontrolle spurlos verschwunden. In vielen Fällen waren Prädatoren wie Marder und Wiesel am Werk. In Bürvenich, einem Dorf mit neun Brutplätzen, wurden nur an zweien junge Käuze festgestellt und beringt. Von einer der wenigen Fünferbruten wurden hier kurz nach der Bringung drei Jungvögel von einem Anwohner als tot gemeldet. Einer dieser Käuze war von einem Greifvogel erbeutet worden, die beiden anderen lagen tot in einem offenen Geräteschuppen.

Dabei war die Versorgungslage der am Haus der Müllers brütenden Turmfalken und ihrer sechs Jungvögel problemlos, berichtet Peter Josef Müller. "Soweit wir beobachten konnten, wurden immer nur Feldmäuse und keine anderen Beutetiere übergeben. Aber, während unsere Falken ungleich mehr Grünland rund ums Dorf zur Verfügung haben und viel weiter hinaus fliegen, suchen die Steinkäuze ihre Nahrung ausschließlich im direkten Umfeld ihres Brutplatzes. Das macht den Unterschied." Doris Siehoff berichtet, dass die Situation für den Steinkauz auch im Kreis Düren in diesem Jahr schlechter war als im Vorjahr. Die Müllers sind gleichwohl zuversichtlich: Im nächsten Jahr kann alles wieder anders und besser sein. Und Peter Josef Müller tröstet die anderen Mitarbeiter in der EGE: Im benachbarten Rhein-Erft-Kreis, in dem Müller und die EGE auch tätig sind, hat sich die Zahl der besetzten Reviere von 34 auf 40 erhöht.

Neuer Kommentar zum Bundesnaturschutzgesetz - August 2022

Weißbindiges Wiesenvögelchen © www.as-naturfotografie.de

Von Alfred Biolek heißt es, er habe Kochbücher gelesen wie andere Menschen Romane. Einen Kommentar zum Bundesnaturschutzgesetz wird gewiss niemand auf diese Weise lesen. Mit dem Naturschutzrecht befasst sich ohnehin nur eine verschwindend kleine Minderheit von Menschen und manche von ihnen in der Absicht, in den gesetzlichen Bestimmungen Schwachstellen zu finden, die sich für eigene Interessen nutzen lassen. Schwerer indessen wiegt der Umstand, dass des Naturschutzrechts vor allem die Personen zu wenig kundig sind, die im weitesten Sinne Anwälte oder wenigstens Pflichtverteidiger von Natur und Landschaft sein sollten - nämlich die Naturschützer. Natur und Landschaft sind ja keine rechtlose Sache, sondern Naturschutz und Landschaftspflege sind in Deutschland seit mehr als 100 Jahren eine für Staat und Bürger verpflichtende Aufgabe. Wo das Naturschutzrecht graue Theorie bleibt, liegt es an den Stellen und Personen, die es anwenden müssen, es aber nicht vermögen. "Gesagt bedeutet noch nicht gehört. Gehört noch nicht verstanden. Verstanden noch nicht einverstanden. Einverstanden noch nicht angewandt. Angewandt noch nicht beibehalten." Über diese Hürden muss auch dem Naturschutz geholfen werden. Dafür muss man nicht unbedingt ein juristisches Studium absolvieren, aber immerhin so viel vom Naturschutzrecht verstehen wie ein Mitarbeiter eines Sozialamtes oder der Caritas von den gesetzlichen Grundlagen der Sozialhilfe. Jedenfalls könnte im Naturschutz weit mehr erreicht werden, würden seine Akteure ihr bioökologisches Fachwissen mit soliden Kenntnissen des Rechts verbinden. Die Beschäftigung mit dem Naturschutzrecht ist deshalb eine mindestens ebenso lohnende Investition wie der Landschaftspflegeeinsatz auf der Streuobstwiese.

Wer sich die Reichweite des Bundesnaturschutzgesetzes erschließen möchte, findet in der jetzt 3. Auflage des Kommentars von Jochen Schumacher und Peter Fischer-Hüftle zum Bundesnaturschutzgesetz eine verlässliche Erkenntnis- und Verständnisquelle. Der Kommentar erweist sich für Personen im beruflichen Naturschutz und in den mit Mitwirkungs- und Klagerechten ausgestatteten Naturschutzvereinigungen als unverzichtbares Nachschlagewerk für die fallbezogene Interpretation naturschutzrechtlicher Bestimmungen sowie als ein zuverlässiges Navigationssystem für das gründliche Durchdringen des Naturschutzrechts. Die Autoren haben dem an Schwachstellen und Schwächen nicht freien Bundesnaturschutzgesetz einen in jeder Hinsicht starken Kommentar zur Seite gestellt. Sein Gebrauch kann zum rechtmäßigen Schutz von Natur und Landschaft einiges beitragen. So bewertet Wilhelm Breuer von der EGE den Kommentar. Seine Rezension des Kommentars finden Sie hier.

Naturschutz unter Druck: Mehr grün war nie - Juli 2022

Rapsfeld vor Windpark © Eilert Voß

Wirtschafts-, Klima-, Energie-, Umwelt- und Landwirtschaftsministerium - die Schlüsselressorts für einen durchgreifenden Naturschutz sind auf Bundesebene in grüner Hand. Und in elf von 16 Bundesländern stellen Bündnis90/DieGrünen die Umweltressortchefs. Aber auch außerhalb dieses vernetzten Parteibiotops hat das grüne Gedankengut Wurzeln geschlagen, schießt es ins Kraut, treibt Blüten und bildet Filz. Mehr grün war nie.

In Deutschland gibt es einen breiten gesellschaftlichen Konsens für die rasche Abkehr von fossilen Energieträgern weit über die bundesdeutsche Ampelkoalition hinaus und seit dem Ukrainekrieg vor allem von solchen aus Russland. Für den Abbau des deutschen Anteils von zwei Prozent am globalen CO2-Ausstoß scheint den Deutschen, der Abwendung einer kollektiv erwarteten Erderhitzung und Klimakatastrophe wegen, kaum ein Opfer zu groß zu sein. Es schließt die Wiederaufnahme der Gasförderung an der Grenze der Wattenmeer-Nationalparke, Windparks in Landschaftsschutzgebieten, die Zulassung von LNG-Terminals ohne Umweltprüfung und massive Einschränkungen des Artenschutzrechts ein. Soll eine Fabrik errichtet werden, mag sich dagegen argumentieren lassen. Ist es am selben Standort eine Fahrradfabrik, sieht die Sache anders aus, weil Fahrradfahren umweltfreundlich ist. Unangreifbar sind die Pläne und Projekte im Namen der Energiewende. Für die parteiübergreifende grüne Politik gibt es keine roten Linien mehr. Man will den Ausbau der Erneuerbaren Energien drastisch beschleunigen und dafür alle Hürden und Hemmnisse aus dem Weg räumen. Es ist dies nicht allein die "gemeinsame Mission" der deutschen Ampelkoalition.

Die Folgen werden Natur und Landschaft kalt erwischen. Die Akteure des Naturschutzes scheint das wenig zu bekümmern, schaut man etwa auf die Reaktion beim 36. Deutschen Naturschutztag Ende Juni 2022 in Hannover, der unter dem Motto stand "Naturschutz jetzt!" und zu dem 1.200 Teilnehmer gemeldet waren. Gab es Kritik am Kurs der Bundesregierung, fiel sie verhalten aus. Man ist sich weithin einig. Doch nicht ganz: In den Naturschutzbehörden hat man eine Vorstellung vom Preis der Transformation und weiß, was die Stunde geschlagen hat. Dort kommentiert man die Vorgänge illusionslos zumeist nur mehr hinter vorgehaltener Hand und in der Gewissheit, auf verlorenem Posten zu sein. Die Rolle der Naturschutzbehörden in diesem ernsten Stück ist die der stummen Statisten, nicht einmal mehr der Mahner. Politischen Einfluss haben allenfalls die großen Umweltverbände, die sich allerdings früh in die Nähe der regenerativen Energiewirtschaft begeben haben und Geister riefen, deren Pläne sie kaum mehr einhegen können, sollten sie dazu willens sein. Hat etwa der BUND nicht schon vor Jahren lauthals die Entfesselung des Ausbaus der Windenergiewirtschaft gefordert und der DNR ihn mit Kampagnen mehr unterstützt als angemessen war?

Der NDR überschrieb seine Berichterstattung über den Naturschutztag in Hannover mit der Schlagzeile "Klimaexperten treffen sich". Diese Zeile wirft ein ernüchterndes Schlaglicht auf die mediale Wahrnehmung des Naturschutzes und seine Einordnung unter den Primat des Klimaschutzes. Klimaschutz ist Naturschutz. Diese gewollte Gleichsetzung ist das Narrativ einer durch und durch wohlmeinenden, aber kenntnisarmen Gesellschaft. Die Bundesumweltministerin Steffi Lemke wurde beim Naturschutztag in Hannover mit viel Beifall bedacht für bereitgestellte vier Milliarden Euro, die bis 2026 für den Klimaschutz in Moore und Wälder fließen sollen - und dort hoffentlich ankommen. Mit einem um ein Vielfaches größeren Mitteleinsatz wird der regenerativen Energiewirtschaft der Weg in Wald und Flur geebnet - mitten durchs Naturschutzrecht mit der seit Inkrafttreten dieses Gesetzes 1976 für Natur und Landschaft folgenreichsten Novelle. An einer wissensbasierten vorherigen Abschätzung dieser Folgen ist die Politik nicht interessiert. Gerade auf diesem Feld verstummt der Ruf der Anhänger grüner Politik: "Hört auf die Wissenschaft". Politische Eckpunkte sollen wissenschaftlich basierte größere Mindestabstände beispielsweise zu den Aktionsräumen kollisionsgefährdeter Vogelarten ersetzen.

Nur wenige Naturschutzorganisationen artikulieren Kritik an den überhastet und dilettantisch vorbereiteten Gesetzesänderungen. Eine Kritik, für die sich Politik und Medien nicht interessieren. Eine Analyse im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung offenbart fachliche und rechtliche Mängel der geplanten Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie diese Analyse lesen möchten. Wie steht die Naturschutzorganisation, die Sie unterstützen, zu den geplanten Änderungen des Naturschutzgesetzes?

Uhus an der Hildesheimer Lambertikirche - Juni 2022

Uhuweibchen und Jungvogel © Joachim Achtzehn

Am Hildesheimer Dom haben in diesem Jahr erstmals seit 2014 keine Uhus gebrütet. Zwar war im März ein Uhupaar am Dom beobachtet worden, das auch den traditionellen Brutplatz über dem Kreuzgang inspizierte, aber zu einer Brut am Dom kam es nicht. Umso größer war die Überraschung, als schließlich Mitte Mai im Turm der Hildesheimer Lambertikirche ein etwa vier Wochen alter Jungvogel zusammen mit einem Altvogel aus der Öffnung eines Falkenkastens in etwa 50 m Höhe ins Freie schaute (s. Foto oben). Später zeigte sich dort noch ein zweiter Jungvogel. Die Lambertikirche liegt etwa 500 m vom Dom entfernt.

Für Fachleute war rasch ersichtlich, dass dieser Brutplatz und dessen Umfeld für junge Uhus sehr gefährlich ist: Der Kasten ist extrem klein, so dass die jungen Uhus ihn vermutlich sehr frühzeitig würden verlassen müssen. Der Turm ist so steil und glatt, dass er den jungen Uhus beim Verlassen des Kastens keinerlei Halt bieten würde mit der Gefahr eines unkontrollierten Absturzes. Auch fehlt es im Umfeld des Brutplatzes an geeigneten Aufenthaltsmöglichkeiten auf dem Kirchendach. Sollten die Uhus unverletzt den Erdboden erreichen, würden sie sich in einem ganz und gar städtisch geprägten Milieu, auf Straßen und einem Platz ohne jeden Rückzugsort befinden. Glücklicherweise blieben die Uhus bis etwa zur achten Lebenswoche im Kasten; anschließend landeten sie in der Dachrinne des Kirchturms unterhalb des Nistkastens, wo sie sich noch einige Tage aufhielten. Beim Wechsel von der Dachrinne auf den First des Kirchendaches verloren die jungen Uhus den Halt und rutschten das Dach hinunter. Sie blieben hinter dem Schneefanggitter des Kirchendaches unverletzt, aber in einer eher misslichen Lage liegen. Dieses Umstandes wegen holte die Hildesheimer Berufsfeuerwehr die beiden Jungvögel auf Bitte von Angelika Krueger von der Eulenschutzgruppe des NABU Hildesheim vom Dach. Von dort aus kamen sie in die Wildvogelauffangstation nach Leiferde, wo sie auf ein Leben in Freiheit vorbereitet im Herbst freigelassen werden sollen.

Bemühungen, für die beiden Jungvögel in der Nähe der Lambertikirche ein beruhigtes Areal bereitzustellen, in dem sie von den Altvögeln bis zum Ende der Infanteristenzeit hätten versorgt werden können, scheiterten am gefahrvollen Umfeld. Zwar wurde 250 Meter von der Kirche entfernt ein geeignetes Quartier gefunden, in das der erste der beiden Jungvögel versuchsweise gesetzt wurde. Der Jungvogel bettelte aber nicht in der für ihn fremden Umgebung, so dass die Altvögel ihn auch nicht entdeckten und vermutlich auch gar nicht vermissten, zumal sich zu dieser Zeit der zweite Jungvogel noch auf dem Kirchendach aufhielt.

Vermutlich handelt es sich bei dem Brutpaar um das Uhumännchen der beiden Vorjahre vom Dom und um ein neues Uhuweibchen. Das alte Uhuweibchen war 2010 geschlüpft und hatte seit 2014 in einem jeden Jahr am Dom gebrütet. Nach dieser langen Zeit dürfte es nicht mehr am Leben sein, denn auch an einem Dom brütenden Uhus ist kein biblisches Alter garantiert. Mit dem Tod des alten Uhuweibchens dürfte die Bindung zum menschennahen Brutplatz im Kreuzgang des Hildesheimer Domes abgerissen sein. Das alte Uhuweibchen hatte erst 2017 den hochgelegenen Brutplatz im Westwerk des Domes aufgegeben und den Brutplatz im von vielen Menschen besuchten Kreuzgang bezogen.

Der Brutplatz im Turm der Hildesheimer Lambertikirche hat sich für Uhus eher als Falle erwiesen. Er ist auch für Turm- und Wanderfalken des gefahrvollen Umfeldes wegen wenig geeignet. Der Brutplatz wurde in bester Absicht eingerichtet, aber sein Nutzen ist fraglich, zumal wenn er wie geschehen Uhus zu einer riskanten Brut verleitet. Die Uhuschützer um Angelika Krueger, die sich seit Mitte Mai unermüdlich um die Uhus an der Lambertikirche gesorgt und täglich schon vor Sonnenaufgang die Lage kontrolliert hatten, erwägen deshalb nicht grundlos, den Brutplatz unbrauchbar zu machen. Ob wieder einmal Uhus am Hildesheimer Dom brüten werden, bleibt abzuwarten.

Habicht schlägt Steinkauz - Juni 2022

Habicht verfüttert Steinkauz © www.wunderbare-erde.de

Am Niederrhein ist kürzlich ein Steinkauz vom Habicht geschlagen worden. So etwas kommt vor. Ralf Kistowski von der EGE fand frühmorgens die Überreste einer noch frischen Kauzrupfung in der Nähe des Habichtnestes (s. unten) und konnte dann sogar noch die Szene im Bild festhalten, als der Habicht den Kauz an seine Jungvögel verfütterte (s. oben).

Der EGE ist bekannt, dass in nächster Nähe zum Nest zeitgleich auch eines der wenigen lokalen Steinkauzpaare in einem hohlen Birnbaum Junge aufzog. Die Wahrscheinlichkeit war daher groß, dass das Opfer der Habichte einer der beiden versorgenden Altvögel war, zumal die Rupfung ziemlich genau zwischen Habichtnest und Steinkauz-Bruthöhle lag. Was tun in einem solchen Fall? Den Dingen ihren Lauf lassen, Natur Natur sein lassen und nicht eingreifen oder doch? Ein Altvogel allein dürfte es kaum schaffen, die jungen Steinkäuze aufzuziehen. Schon gar nicht, wenn allein das Steinkauzmännchen übrig geblieben ist.

Ralf Kistowski und Bernd Bäumer inspizierten mit einer speziellen Endoskopkamera die Bruthöhle im Birnbaum. Darin stießen sie auf drei junge Steinkäuze (nachstehendes Bild). In Abstimmung mit dem Grundbesitzer entschlossen sich die beiden EGE Mitarbeiter nach sorgfältiger Prüfung von Für und Wider, die drei jungen Käuze der Bruthöhle zu entnehmen, tierärztlich untersuchen zu lassen und mit Nahrung zu versorgen. Inzwischen sind die drei in einer guten Verfassung; sie wurden auf andere Steinkauzbruten mit ähnlich alten Jungvögeln und gutbestückten Mäusedepots verteilt. Die Voraussetzungen, dass die Adoption gelingt, sind sehr gut. Vögel können nicht zählen und nehmen anders als die meisten Säugetiere auch keinen Fremdgeruch oder anderes am Nachwuchs wahr, so das eigentlich fremde Jungvögel von ihnen gar nicht als fremd wahrgenommen werden (was auch der Kuckuck für sich zu nutzen weiß).

Den übriggebliebenen Steinkauz-Altvogel wird der Verlust seines Partners und auch der Jungvögel vermutlich nur kurze Zeit irritieren. Es bleibt zu hoffen, dass er schnell einen neuen Partner findet und das Steinkauzrevier als Brutplatz noch lange erhalten bleibt.

Drei junge Steinkäuze © Bernd Bäumer

Ralf Kistowski hat noch eine Besonderheit registriert: "Ich beobachte die Habichte jetzt bereits seit einigen Wochen. Dabei konnte ich beobachten, wie Füße anderer geschlagener Vogelarten regelmäßig mit verfüttert wurden. Meine Vermutung ist (wobei ich allerdings nur ein Steinkauz-Beinchen finden konnte), dass der Habicht die Beine mit den nadelspitzen Krallen der Eule abtrennt, um ein Verletzungsrisiko für seine Jungvögel auszuschließen. Anders kann ich mir das Verhalten nicht erklären. Immerhin verliert er auf diese Weise einen guten Teil seiner Beute."

Steinkauzrupfung © www.wunderbare-erde.de

Zwei stromtote Uhus in fünf Monaten in Rheinland-Pfalz - Juni 2022

Stromopfer Uhu © Stefan Brücher

Innerhalb der ersten fünf Monate des Jahres 2022 hat die EGE von zwei Uhus Kenntnis erlangt, die in Rheinland-Pfalz an widerrechtlich nicht oder unzureichend entschärften Mittelspannungsmasten ums Leben kamen. Eigentlich ein Unding, denn seit Ende 2012 müssen alle vogelgefährlichen Masten ausgetauscht, abgebaut oder so umgebaut sein, dass Vögel auch dann sicher sind, wenn sie auf den Masten landen. Ein Uhu war im Januar 2022 in Kusel im gleichnamigen rheinland-pfälzischen Kreis tot unter einem Mast gefunden worden. Das gleiche Schicksal traf 2019 einen Uhu bei Ploch im Kreis Mayen-Koblenz. Die beiden Jungenvögel dieses Opfers verhungerten daraufhin im Nest. Auch dieser Mast war nicht vorschriftsgemäß entschärft worden. Im Mai 2022 hat sich nun ein weiterer Todesfall ereignet – ebenfalls im Kreis Mayen-Koblenz, dieses Mal bei Plaidt. Das Bild zeigt Mast und Opfer.

Die Ereignisse bestätigen die Erfahrungen der EGE: Die Naturschutzbehörden haben keinen vollständigen Überblick, inwieweit die Netzbetreiber ihrer Umrüstungsfrist nachgekommen sind. Seit Jahren kritisiert die EGE diese Versäumnisse. Immerhin räumt die Landesregierung Handlungsbedarf ein. Bei Plaidt habe zuletzt 2019 eine interne Überprüfung des Netzbetreibers stattgefunden. Der betreffende Mast sei bedauerlicherweise übersehen worden, sagte eine Sprecherin von Westnetz. Stefan Brücher von der EGE indessen erklärte, dass im Kreis Mayen-Koblenz seit 2012 nicht nur dieser Mast bei Überprüfungen „übersehen“ worden sei. „Gerade an den besonders gefährlichen Schaltermasten sind die vorgeschriebenen Vogelschutzmaßnahmen oftmals nicht richtig ausgeführt worden“, klagt Brücher.

Das im Mai bekanntgewordene Stromopfer kam an einem Mast im Hotspot der Eifeluhus ums Leben. Im Umkreis von drei Kilometern um diesen Mast gibt es fünf Uhureviere. Strommasten und andere Sitzwarten nutzen Uhus für die Ansitzjagd. Die Jungvögel sind auf beide Altvögel angewiesen. Ein Ausfall eines Altvogels führt leicht zum Verlust der gesamten Brut.

Auf dem betreffenden Mast bei Plaidt waren zwar kostspielige lange Isolatoren angebracht worden (preisgünstigere Abdeckhauben wären auch zulässig gewesen); es fehlten aber die vorgeschriebenen isolierten Sitzprofile. Die Monteure hatten stattdessen abweichend von der Vorschrift versucht, die Gefahr durch zusätzliche „Andreaskreuze“ zu verringern. Diese machen aber einen gefährlichen Mast nicht ausreichend unattraktiv oder gar unbenutzbar für Uhus. Das ist eine alte Erkenntnis. Bei anderen Masten haben die Netzbetreiber zwar die vorgeschriebenen Sitzprofile angebracht, aber die „Andreaskreuze“ im Mastschalter fehlen. Auch in anderen Kreisen in der Eifel trifft Stefan Brücher immer wieder auf nicht korrekt gesicherte Mittelspannungsmasten. Seit Jahrzehnten drängt die EGE Netzbetreiber und Behörden, den Umrüstungsstand zu kontrollieren und alle Masten zu entschärfen. Eine Aufgabe, die seit Ende 2012 hätte abgeschlossen sein müssen – und es offensichtlich fast zehn Jahre später immer noch nicht ist.

Von Krieg, Wahrheit und Moral - Juni 2022

Getreideacker mit Protestkreuz © Doris Siehoff

Die Landwirte in der Europäischen Union sind ab 2023 verpflichtet, wollen sie weiterhin Direktzahlungen aus Brüssel erhalten, vier Prozent ihrer Ackerflächen stillzulegen. Eine Auflage, mit der die dramatischen Biodiversitätsverluste im Agrarraum begrenzt werden sollen.

In der Landwirtschaft formiert sich Protest gegen diese Regelung. Symbol des Protestes ist ein grünes Kreuz. Begründet wird der Protest mit dem Hunger in der Welt, der Verknappung von Getreide und dem Krieg in der Ukraine.

Die ersten grünen Kreuze und die Protestzeilen auf blaugelbem Grund, den Farben der ukrainischen Flagge, sind plakatiert: "Wenn Putin die Ukraine hat, kontrolliert er 30 Prozent des weltweiten Weizenhandels. Und wir sollen ab 2023 vier Prozent der Ackerflächen stilllegen müssen!?"

Der Krieg in der Ukraine liefert Argumente und bisweilen Vorwände. Er forciert nicht nur den Ausbau der Wind- und Solarwirtschaft oder Gasbohrungen im Wattenmeer, sondern wirft möglicherweise auch die zögerlichen agrarpolitischen Bemühungen für ein wenig mehr Naturschutz im Agrarraum um Jahre zurück. Im Namen des Klimaschutzes das eine, das andere für die Ernährung der Weltbevölkerung und beides moralisch unangreifbar überhöht für den Frieden in der Ukraine.

Übrigens: In Deutschland bauen Bauern und Bäuerinnen Mais auf 2,65 Mio. Hektar Ackerfläche an für "grünen" Strom und für die Tierproduktion. Das sind zusammengenommen 22,65 Prozent der ackerbaulich genutzten Fläche und mehr als die doppelte Fläche aller Naturschutzgebiete zusammengenommen. Täglich werden in Deutschland mehr als 56 Hektar Fläche überbaut. Das ist die durchschnittliche Größe eines landwirtschaftlichen Betriebs. Und auch das gehört zur Wahrheit, dem ersten Opfer des Krieges: Der Landwirt, der an seinem Acker das im Bild gezeigte Kreuz errichtet hat, hatte erst kürzlich denselben Acker seiner Stadt als Bauland angeboten.

Neue Ausgabe von "Nationalpark" erschienen - Juni 2022

Cover Nationalpark 2/2022

Die Titelgeschichte in der aktuellen Ausgabe von "Nationalpark" rückt den Tourismus in den Fokus - den Tourismus in Schutzgebieten. Ihre Zukunft hängt davon ab, ob es gelingt, Besucher so zu lenken, dass Naturerlebnisse ermöglicht, aber Schäden an Natur und Landschaft vermieden und Synergien für den Naturschutz genutzt werden. Die touristische Nutzung ist nicht zuletzt eine Herausforderung in den 16 Nationalparken Deutschlands. Der Leitspruch "Natur Natur sein lassen" ist selbst in diesen Schutzgebieten, für die er geprägt wurde, nur eingeschränkt verwirklicht. Dabei umfassen die deutschen Nationalparke ohne marine Gebiete nur 0,6 Prozent der Fläche Deutschlands. Fünf dieser Nationalparke sind Entwicklungs-Nationalparke, d. h. sie müssen erst noch in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einen nicht oder wenig vom Menschen beeinflussten Zustand entwickelt werden. Für viele Schutzgebiete ist der Tourismus schon heute eher Fluch als Segen. Im 177 Seiten starken Koalitionsvertrag der Bundesregierung werden die Nationalparke als "Nationale Naturlandschaften" im Kapitel Tourismus und als Kapital desselben abgehandelt. Selbstverständlich ganz zeitgemäß artig versehen mit den Eigenschaftswörtern "nachhaltig und naturverträglich.

Im Heft finden Sie viele weitere Beiträge - beispielsweise zur Frage, inwieweit der Wildnis ein Recht eingeräumt werden sollte auf eine vom Menschen ungestörte Entwicklung. Angesichts fragwürdiger Aufforstungspläne der Forstwirtschaft wird der Leser auch dem Plädoyer für die heimische Buche einiges abgewinnen können. Nicht weniger interessant: die Betrachtung über Vögel als stete Begleiter des Menschen von der Antike bis in die Gegenwart.

Die Zeitschrift Nationalpark berichtet auf 46 Seiten viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, große Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift leistet sich, was in der deutschen Zeitschriftenlandschaft eine Ausnahme ist: einen unabhängigen, kritischen und fundierten Blick auf die Sache des Naturschutzes. Herausgeber der Zeitschrift ist der "Verein der Nationalpark-Freunde e.V." Die EGE empfiehlt diese Zeitschrift mit den Worten, die der Journalist Horst Stern für sie gefunden hat: "Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen".

Steinkäuze in den Niederlanden und in Belgien wiedergefunden - Mai 2022

Junge Steinkäuze und Steinkauzei im Mai 2022 © Peter Josef Müller

In der ersten Mai-Dekade sind im Kreis Euskirchen die ersten Steinkäuze geschlüpft (im Bild oben). Dank der langjährigen Bemühungen von Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller hat sich dieses Gebiet kontinuierlich zu einem Hotspot der Steinkäuze entwickelt. Aus dieser Population finden offenkundig Steinkäuze den Weg in andere Regionen, auch in die Nachbarstaaten. So wurde ein im Mai 2021 von Peter Josef Müller in Zülpich im Kreis Euskirchen als Nestling beringter Steinkauz im Mai 2022 in der niederländischen Region Limburg, 71 km vom Beringungsort entfernt, angetroffen. Glücklicherweise war der Kauz gesund und munter. Die Umstände des Wiederfundes eines zweiten Steinkauzes aus dem Kreis Euskirchen sind indessen weniger glücklich. Ein im Juni 2021 in Weilerswist beringter nestjunger Steinkauz wurde 165 Tage später und 121 km vom Beringungsort entfernt in der belgischen Stadt Marche-en-Famenne in der Provinz Luxemburg tot aufgefunden. Der Kauz war an einer Glasscheibe kollidiert.

Bei der Kontrolle der Bruthöhlen entdecken die Müllers derzeit nicht nur junge Steinkäuze, sondern bisweilen auch Sonderbares. Nämlich mit rostroten Sprenkeln übersäte Steinkauzeier (ebenfalls im Bild). Dabei legen Steinkäuze wie alle Eulen rein weiße Eier. Die Sprenkel lassen sich abwaschen und weisen Spuren von Blut auf - genauer: von Steinkauzblut. Es sind die Hinterlassenschaften von Flöhen. Flöhe leben parasitär von Steinkauzblut, das sie als Kot verdaut ausscheiden. Die merkwürdige Sprenkelung ist insofern nichts anderes als das Bewegungsmuster einer Horde unfreiwillig kreativer Parasiten, die es sich auf dem federlosen Brutfleck des brütenden Kauzweibchens mit Blutsaugen Wohlsein lassen. Aber die tapferen Weibchen fliehen nicht vor den Flöhen, sondern halten tapfer aus, auch wenn es juckt.

Bei den Uhus daheim - Mai 2022

Uhu in der Eifel im Mai 2022 © EGE

Anfang Mai in der Eifel. Stefan Brücher ist wie seit 40 Jahren auch in diesem Mai unterwegs, um junge Uhus zu beringen. Dabei kommt es zu einer denkwürdigen Begegnung. Als sich Stefan Brücher dem Brutplatz mit den vier jungen Uhus nähert, sitzt das Uhuweibchen (im Bild) ungefähr acht Meter entfernt auf einem Baum und warnt den Eindringling mit kräftigem Schnabelknappen. Zumeist sucht eine Uhumutter bei einer solchen Begegnung fluchtartig das Weite, um allerdings bald zu den Jungvögeln zurückzukehren. Als Stefan Brücher zu den Jungen kommt, kommt auch das Uhuweibchen näher und schaut schließlich um das Schicksal der Jungvögel besorgt aus nur gut drei Metern Entfernung Brücher beim Beringen zu. "Mir war ziemlich mulmig zumute, aber es war aufregend und wunderschön zugleich", beschreibt Stefan Brücher diese Begegnung. "Um das Uhuweibchen zu beruhigen, bewegte ich mich nur langsam und sprach ihm mit ruhiger Stimme gut zu. Den Blickkontakt unterbrach ich immer nur kurz. Ich wollte dem Uhuweibchen keine Gelegenheit geben, mich ungesehen anzugreifen. Zugleich wollte ich keinen Angriff provozieren. Es war ein Balanceakt." Nur drei Mal in allen diesen Jahren hat Stefan Brücher ein solchermaßen mutiges Uhuweibchen erlebt: 1994, 2007 und nun im Mai 2022. Auch diese Beringung verlief für Brücher und Uhus ohne Komplikationen. Nie ist Stefan Brücher von Uhus attackiert worden. Andere sagen von einer weniger glücklichen Begegnung: "Es ist so, als bekäme man einen mit Nägeln gespickten Ziegelstein an den Kopf geknallt." Klicken Sie bitte hier, wenn Sie Brüchers eindrückliche Begegnung mit dem mutigen Uhuweibchen anschauen möchten., wenn Sie Brüchers eindrückliche Begegnung mit dem mutigen Uhuweibchen anschauen möchten.

Mitarbeiten bei der EGE im Rhein-Erft-Kreis - Mai 2022

Drei junge Steinkäuze © www.as-naturfotografie.de

Der Rückgang des Steinkauzes ist kein Naturgesetz. Mit Überlegung und Engagement lassen sich Steinkäuze schützen. Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE) hat dies in den Kreisen Düren und Euskirchen in den letzten Jahren eindrücklich unter Beweis gestellt, wie eine Dokumentation für die Jahre 2011-2020 zeigt. Um den Steinkauzschutz im benachbarten Rhein-Erft-Kreis zu verstärken, benötigt die EGE allerdings Unterstützung. Deswegen wendet sie sich heute mit folgendem Aufruf an Sie:

Liebe Leserin, lieber Leser!

Haben Sie Ihren Lebensmittelpunkt im Rhein-Erft-Kreis? Sind Ihnen Urlaubsreisen nicht das Wichtigste im Leben? Interessieren Sie sich für die Natur vor Ihrer Haustür? Und möchten Sie die EGE beim Schutz des Steinkauzes auf praktische Art und Weise unterstützen? Dann sind Sie möglicherweise genau die Person, die wir suchen. Denn wir möchten unsere Aktivitäten zum Schutz des Steinkauzes im Rhein-Erft-Kreis ausdehnen. Das können wir nur, wenn wir Personen finden, die uns dabei unterstützen.

Im letzten Jahr lag der von uns ermittelte Brutbestand des Steinkauzes im gut 700 km² großen Rhein-Erft-Kreis bei 34 Paaren. Vielleicht kennen wir noch nicht alle Brutvorkommen. Aber es sind der Käuze zu wenige für einen guten Erhaltungszustand der Art in dieser Region des Rheinlandes. Deshalb möchten wir dort in geeigneten Lebensräumen die Anzahl der Steinkauz-Nisthilfen erhöhen und dem Kauz neue Lebensmöglichkeiten bieten. Zu diesen Bemühungen zählen auch die jährliche Bestandserfassung, die Kontrolle der Bruten sowie in den Monaten Mai und Juni die Beringung der Jungvögel. Wenn Sie sich für eine Mitarbeit entscheiden, sind Sie nicht auf sich alleine gestellt, sondern finden bei uns Anleitung und Unterstützung in einem kleinen Team von Steinkauzschützern. Voraussetzung für Ihr Mitwirken sind körperliche Fitness und die Bereitschaft, das eigene Kraftfahrzeug einzusetzen.

Wäre die Mithilfe in diesem Projekt etwas für Sie? Wenn Sie sich für diese Tätigkeit interessieren, schreiben Sie mir bitte - gerne mit Telefonnummer. Wir setzen uns dann mit Ihnen in Verbindung, um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu überlegen. Eine finanzielle Vergütung ist nicht möglich; Sachaufwendungen und Fahrkosten werden aber selbstverständlich erstattet. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Die EGE freut sich auf Ihre Zuschrift. 


Mit besten Grüßen

Stefan Brücher

Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.

Erste Uhus des Jahres 2022 beringt - April 2022

Erste Uhuberingung 2022 © Sonia M. Weinberger

Für Stefan Brücher hat die aufregendste Zeit des Jahres begonnen. In der Eifel sind nicht nur die ersten jungen Uhus geschlüpft, sondern ins beringungsfähige Alter gekommen. Für Stefan Brücher heißt das: „An jeden Uhu muss ein Ring“. Es sind dies Ringe der Vogelwarten Helgoland und Radolfzell. Am Karfreitag startete die Saison mit der Beringung von drei Uhus. Sie sind in einem südexponierten und entsprechend klimatisch begünstigten Steilhang im Rheingraben bei Sinzig geschlüpft. Zum Zeitpunkt der Beringung waren sie 26, 31 und 32 Tage alt. Das Uhumännchen schaute aus einem in der Nähe stehenden Baum gut getarnt ziemlich entspannt dem Vorgang zu. Stefan Brücher ist gespannt, wie die diesjährige Brutzeit verlaufen wird. Die drei beringten Uhus haben bereits Paten gefunden.

Am 19. April hat der Kölner Stadtanzeiger über Stefan Brüchers Einsatz für die Eifeluhus ausführlich berichtet. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten. Die EGE dankt der DuMont Mediengruppe für die Verwendungserlaubnis.

Ostern! - April 2022

Kuhschelle © www.as-naturfotografie.de

Auch an Ostern werden Mitarbeiter der EGE im Einsatz und wachsam sein, um an den Uhubrutplätzen in der Eifel nach dem Rechten zu schauen und Probleme für Uhus abzuwenden. Gerade an Wochenenden, Feiertagen und bei gutem Wetter drängt es viele Menschen ins Freie, die zur falschen Zeit und am falschen Ort unbeabsichtigt Uhus stören könnten - Klettersportler, Gleitschirmflieger, Geocacher, Fossiliensammler oder Mountainbiker beispielsweise. Deshalb ist es gut, wenn die EGE an den Feiertagen störungsempfindliche Brutplätze im Blick hat. Die Uhubrutzeit hat ja bereits begonnen.

Das Team der EGE sucht also an Ostern keine Eier, freut sich aber, wenn Sie – liebe Leserin, lieber Leser – der EGE zu Ostern ein Ei ins Spendenkonto legen. Dass die EGE einiges für den Schutz der Eulen erreichen kann, verdankt sie Ihnen, den Spendern und Fördermitgliedern der EGE. Ihnen allen ein herzliches Dankeschön. Möge mit Ostern die Hoffnung auf Frieden in der Welt wachsen.

Toter Uhu in einem Windpark bei Trier - April 2022

Kollisionsopfer Uhu © EGE-Archiv

Anfang April 2022 wurde im Windpark Pellingen in der Nähe von Trier ein frischtoter Uhu mit einem abgetrennten Flügel gefunden (im Bild). Stefan Brücher hatte den Uhu am 31. Mai 2019 nestjung in der Nähe von Gerolstein, etwa 70 Kilometer nördlich des Fundortes, beringt. Der Finder meldete den toten Uhu der Vogelwarte Radolfzell. In dem betreffenden Windpark war bereits ein Rotmilan und ein Mäusebussard gefunden worden. Sie blieben aber ungemeldet, weil diese Opfer unberingt waren. Die EGE dankt dem Finder für seinen Einsatz und appelliert an aufmerksame Beobachter, auch unberingte Kollisionsopfer an die Vogelschutzwarte in Brandenburg zu melden. Diese dokumentiert die Funde zentral für das Bundesgebiet.

Uhus und die Bundesminister Habeck und Lemke - April 2022

Uhubrutplatz in einem Hochspannungsmast © EGE

Uhus können an Windenergieanlagen tödlich verunglücken. Dass dies keine bloße Möglichkeit ist, belegen die 19 toten Uhus, die bisher in Deutschland unter diesen Anlagen gefunden wurden. Nur 19 - könnte man sagen. Doch hierbei handelt es sich um bloße Zufallsfunde. Kollisionsopfer werden zumeist nur bei fehlendem oder geringem Aufwuchs entdeckt, was bei einer Interpretation der Fundzahlen zu berücksichtigen ist. So entfielen in Deutschland acht Kollisionen auf die Balz- und frühe Brutzeit (Februar bis April), acht auf die Phase der Familienauflösung und Dismigration (August bis Oktober) mit Häufungen im März (vier Funde) und September (vier Funde). Der Umstand, dass nicht mehr Uhus als Kollisionsopfer nachgewiesen wurden, könnte zudem damit zusammenhängen, dass Uhus (im Unterschied zu Greifvögeln) aktivitätsbedingt in der Dämmerung und Dunkelheit an den Anlagen kollidieren und deshalb die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass sie bereits in derselben Nacht von nachtaktiven Beutegreifern entdeckt und entfernt werden.

Diese Erwägungen werden bei der Bewertung des Kollisionsrisikos kaum einbezogen. Stattdessen wird mit Verweis auf Telemetriestudien die These vertreten, Uhus gelangten selten in die Reichweite der Rotoren, zumal angesichts der Bauhöhe der heutigen Anlagen. Die deutsche Umweltministerkonferenz schließt ein Kollisionsrisiko von Uhus an Windenergieanlagen generell aus, wenn die Höhe der Rotorunterkante im Flachland mehr als 30 bis 50 m bzw. im hügeligen Gelände mehr als 80 m beträgt. Wie fragwürdig diese Einstufungen sind, zeigen nicht nur die dokumentierten Daten der Schlagopfer und der betreffenden Anlagen, sondern auch von Uhus gewählte Brutplätze. Beispielsweise brüten Uhus derzeit wie schon im Vorjahr in einem Nistkasten 55 m hoch in einem Hochspannungsmast in der Nähe von Bonn (im Bild, rechter Mast). Dass dieser Brutplatz im Berg- oder Hügelland liegt, lässt sich nun wirklich nicht behaupten.

Mit den Autarkiebestrebungen der Bundesregierung auf dem Energiesektor dürfte der Ausbau der Windenergie Fahrt aufnehmen und der Artenschutz noch mehr in die Defensive geraten. In welchem Maße offenbart das sechsseitige Eckpunktepapier, auf welches sich die beiden grünen Bundesminister Robert Habeck und Steffi Lemke gerade zur "Beschleunigung des naturverträglichen Ausbaus der Windenergie an Land" verständigt haben. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie diese Eckpunkte lesen möchten.

Tagungsband zum Waldnaturschutz erschienen - April 2022

Schwarzspecht © www.wunderbare-erde.de

Der 14. Deutsche Naturschutzrechtstag im März 2021 galt der Biodiversität des Waldes und ihrer rechtlichen Sicherung. An der Online-Veranstaltung nahmen 230 Teilnehmer aus Naturschutz(recht), Forstwirtschaft und -wirtschaft teil. Im Mittelpunkt standen drei Defizitbereiche des Waldnaturschutzes in Deutschland: 1. Die erforderliche, aber weithin fehlende rechtliche Verankerung der Maßstäbe einer biodiversitätserhaltenden Bewirtschaftung im Staats-, Köperschafts- und Privatwald, 2. der Konflikt zwischen Forstwirtschaft und Naturschutz in Natura 2000-Waldgebieten und 3. Die unzureichenden Fortschritte bei der Vergrößerung des Anteils nutzungsfreier Wälder. Prof. Dr. Detlef Czybulka sagte bei der Eröffnung, die öffentlich-rechtlichen Waldbesitzer müssten ihrer aus Art. 20 a des Grundgesetzes (GG) resultierenden Ökologiepflichtigkeit für den Wald endlich vorbildlich nachkommen. Ein Kanon von verbindlichen Grundpflichten für den Waldbau sei noch zu entwickeln. Auch der Privatwald, der 48 Prozent des deutschen Waldfläche ausmacht, müsse nach Art. 14 Abs. 2 GG einen angemessenen Anteil an der Erhaltung und Wiederherstellung der Biodiversität leisten. Jetzt liegt der 282 Seiten starke Band vor, der die Forderungen in 15 Beiträgen von Sachverständigen aus Recht, Lehre und Praxis konkretisiert und eine unverzichtbare Argumentationshilfe für den Naturschutz im Wald ist. Zum Inhaltsverzeichnis des Tagungsbandes gelangen Sie hier.

Grüne Unterstützung für die Bundeswehr- 01. April 2022

Waldkauz © www.as-naturfotografie.de

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Bündnis90/DieGrünen) und Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) haben einen Antrag ins Kabinett eingebracht. Dem Antrag zufolge soll die Bundesforstverwaltung aufgelöst und der von ihr bisher in rund 260 Forstrevieren bewirtschaftete Wald für den Ausbau der Windenergie bereitgestellt werden. Bei der Errichtung von 10.000 Windenergieanlagen im Bundeswald und einer realistischen Pacht von 50.000 Euro je Anlage und Jahr ergäben sich bei einer Anlagenlaufzeit von 20 Jahren Einnahmen für den Bund in Höhe von 10 Mrd. Euro. "Einnahmen, die im Verteidigungsbudget dringend gebraucht werden", so die Ministerin. Der Antrag ist dem Vernehmen nach Teil des von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/DieGrünen) angekündigten Frühjahrpakets für die Beschleunigung der Energiewende. Der Antrag sei energie- wie verteidigungspolitisch vernünftig, sei die Windenergie doch nicht nur eine Freiheits-, sondern auch eine Friedensenergie.

Vom Antrag betroffene 1.200 Beschäftigte im Forstdienst sollen in die Bundeswehr eingegliedert die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands stärken. Die Förster und Försterinnen seien mit schwierigem Gelände und schwerem Gerät vertraut, verfügten über Schusswaffenerfahrung und robuste Outdoor-Kleidung mit Tarnfunktion. Die Amtsbezeichnungsabzeichen könnten leicht den militärischen Rangabzeichen angeglichen werden. Inwieweit sich die zur Holzernte benutzten Harvester zur Landesverteidigung umrüsten lassen, werde derzeit geprüft, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Verteidigungsministerium, Siemtje Möller (SPD), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) unterstützt den Antrag. Mit dem Holz der gerodeten Bäume könne der Papiermangel überwunden werden, der nach Auffassung des Spitzenverbandes der Krankenkassen die Durchsetzung der Corona-Impfpflicht behindere. Zur Information der Versicherten müssten rund 120 Millionen Schreiben angefertigt werden. Die Beschaffung solcher Papiermassen sei schlicht nicht möglich, hatte es in einem Papier der Krankenkassen geheißen.

Das ZDF, der Rotmilan und die Windenergie - März 2022

Rotmilane in der Luft © Rosl Rößner

Über die Leistungen des deutschen Qualitätsjournalismus gerät man bisweilen ins Staunen. Das gilt nicht nur aber auch für die Berichterstattung über Naturschutz und Windenergie. Die Zeit ist vorbei, als der von Hanns Joachim Friedrichs (1927 - 1995) überlieferte Satz ein Berufsethos markierte: "Ein guter Journalist macht sich mit nichts gemein, nicht einmal mit einer guten Sache." In den im Jahr 2020 mit 8,11 Milliarden Euro Rundfunkbeiträgen der "Zusehenden und Zuhörenden" finanzierten öffentlich-rechtlichen Anstalten scheint es für Recherche an Geld, Zeit und vor allem Sinn für die Realität zu fehlen. Zu gerne berichten Journalisten und Journalistinnen von dem, was man für wahr hält, wahr halten möchte oder woran man mit Überzeugung glaubt. Haltung ersetzt kritische Distanz. Wäre es anders und unterzöge man die eigene Berichterstattung des viel beschworenen Faktenchecks, hätte der investigativ daherkommende ZDF Frontal Beitrag "Rotmilan gegen Windkraft - Das Märchen vom bedrohten Greifvogel" vom 22.02.2022 sowie die weitere Berichterstattung z. B. auf tagesschau.de kaum auf Sendung gehen können.

Nun meldete sich am 11.03.2022 der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) dankenswerterweise in dieser Sache zu Wort, um die Dichtung von der Wahrheit zu scheiden: Der DDA spricht von irreführender Berichterstattung und befremdenden Aussagen: "Die zentrale Aussage des TV-Berichts, Windenergieanlagen spielten keine relevante Rolle als Gefährdungsfaktor für den Rotmilan, widerspricht dem Stand der wissenschaftlichen Forschung." Der DDA ist nicht im Geringsten der Klimaskepsis oder der Energiewendegegnerschaft verdächtigt, sondern ein wissenschaftliches Gremium. Die von den öffentlich-rechtlichen Anstalten so gern bemühte Berufung auf "die Wissenschaft" scheint für die eigene Berichterstattung über die Auswirkungen des Ausbaus der Windenergiewirtschaft keine Rolle zu spielen. Dafür dürfte der Bericht ganz nach dem Geschmack der deutschen Ampelkoalition sein. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie die 10seitige Stellungnahme des DDA zu der Berichterstattung über die Gefährdung des Rotmilans durch Windenergieanlagen lesen möchten.

Übrigens: Der besagte ZDF Frontal Beitrag stammt von Hans Koberstein und Jörg Moll. Koberstein ist Mitverfasser des Beitrags "Volksgenerator", der von der Informationskampagne für Erneuerbare Energien "unendlich viel energie" mit dem Journalistenpreis 2007 ausgezeichnet wurde. Über Jörg Moll liest man auf seiner Website "Die Arbeiten des Autors, Regisseurs und Produzenten Jörg Moll wurden mit insgesamt 16 Film- und Fernsehpreisen ausgezeichnet. Die Kombination aus fundiertem Fachwissen im Bereich Wissenschaft und Technik gepaart mit reichhaltiger filmischer Erfahrung ist im deutschen Sprachraum einzigartig." Gut möglich, dass auch der ZDF Frontal Beitrag Preise für "Wissenschaftsjournalismus" einheimst.

Kauzbrief-Ausgabe 34 erschienen - März 2022

Kauzbrief-Ausgabe 34/30. Jg. 2022

Erstmals erschien der Kauzbrief der "Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz im Landkreis Ludwigsburg" 1992, also vor 30 Jahren. Die gerade erschienene 67 Seiten starke Ausgabe Nr. 34 bietet aktuelle Nachrichten und Fachbeiträge aus Eulenschutz und Eulenforschung sowie über Eulen in Kunst- und Kulturgeschichte. Der Kauzbrief bietet deshalb gerade auch den Personen lohnenden Lesestoff, die sich in einem umfassenderen Sinne mit Eulen befassen möchten. So vereint auch die aktuelle Ausgabe des Kauzbriefs Naturkunde, Naturschutz, Kunst- und Kulturgeschichte, wie der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt.

Die EGE gratuliert zur gelungenen Ausgabe! Im Heft finden Sie auch einen Beitrag des EGE-Vorsitzenden Stefan Brücher, der darin einen Vorgang einordnet, der im letzten Jahr nicht wenige Uhuschützer und Naturfreunde schockiert hat: Waschbär frisst junge Uhus. Prädation vor laufender Kamera. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten.



Frühling bei den Eifeluhus? - März 2022

Märzenbecher © www.as-naturfotografie.de

In diesem Jahr scheinen die Uhus nicht ganz so früh mit der Brut zu beginnen wie im Vorjahr, berichtet Stefan Brücher von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. Jedenfalls saßen bis zum 01. März 2022 an den zehn Brutplätzen, an denen 2021 bereits vor dem 01. März die Uhus brüteten, erst vier Uhus auf Eiern. Und im Tal der Mosel und ihren Zuflüssen brüteten in der ersten Märzwoche 2022 an elf Brutplätzen erst zwei Paare. Bisher gab es immer noch Nachtfröste und nur wenige Nächte waren mild, so dass die Uhus sich wohl deswegen noch Zeit gelassen haben. Das Wettergeschehen im März bleibt abzuwarten.

Stürme - März 2022

Sturmschäden im Februar 2022 © Peter Josef Müller

Heftige Stürme im ausgehenden Winter sind nicht ungewöhnlich, auch wenn die Deutsche Bahn dazu übergegangen ist, bei Sturm vorsichtshalber den Bahnverkehr einzustellen. Das war nicht immer so. "Alle reden vom Wetter. Wir nicht." war der Titel der 1966 gestarteten Werbekampagne der Bundesbahn. Heute indessen reden alle vom Klima. 

Und die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen? Auch sie klagt über die Stürme, die im Februar manchen alten Obstbaum, der noch im letzten Jahr Brutbaum der Steinkäuze war, zu Fall brachten. Solche altersbedingten Verluste sind aber vergleichsweise naturimmanent. Wichtig bleibt, an Stelle der gefallenen Bäume neue zu pflanzen und zerstörte Nistmöglichkeiten zu ersetzen. Immerhin lassen sich Sturmschäden mit Neupflanzungen beheben. Viel dramatischer sind die Verluste von obstbaumbestandenem Grünland, zu denen es einfach deshalb kommt, weil fortwährend auf der buchstäblich grünen Wiese Häuser gebaut werden oder Grünland zu Acker umgebrochen wird und die zum Schutz der Natur bestellten Behörden ihrer Aufgabe nicht nachkommen, solche Lebensräume zu schützen oder wenigstens für den naturschutzrechtlich verlangten Ausgleich zu sorgen, beklagt EGE-Steinkauzschützer Peter Josef Müller die Lage. Er mahnt ausdrücklich einen Bewusstseinswandel in Kreisen, Städten und Gemeinden an, damit solche Verluste endlich gestoppt werden.

Neue Ausgabe von "Nationalpark" erschienen - März 2022

Cover Nationalpark 1/2022

Die Titelgeschichte in der aktuellen Ausgabe von "Nationalpark" gilt der Wildnis. Die Autoren analysieren die Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Übrigens: Auch im 177seitigen Koalitionsvertrag der deutschen Bundesregierung kommt das Wort "Wildnis" vor, wenngleich nur ein einziges Mal und zwar im Begriff "Wildnisgebiete". Im Kontext der Erwähnung brechen die Koalitionäre aber nicht gerade eine Lanze für die Wildnis (etwa im Sinne von "Wir wollen mehr Wildnis wagen" oder gar mit einer terminierten Flächenvorgabe), sondern sie erwähnen Wildnis als ein mögliches Ziel auf bundeseigenen Flächen, allerdings zuvor - und das ist neu - als Standort für Windenergie- und Photovoltaikanlagen. Nun muss der Naturschutz auf bundeseigenen Flächen auch noch mit der Wind- und Solarenergiewirtschaft konkurrieren.

Im Heft finden Sie viele weitere Beiträge - beispielsweise über die Probleme von Amphibien in niederschlagsarmen Jahren, über die Begehrlichkeiten der "Grünen" Energiewirtschaft im Donaumoos, über den Nachwuchs im Naturschutz und Reiseberichte aus Lappland und der Märkischen Schweiz. Der Beitrag von EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer "Vorsicht Falle" befasst sich mit Architektur und dem Verlust biologischer Vielfalt. Breuers Fazit: Längst überfällig: kein Architekturstudium ohne Artenschutz am Bau! Klicken Sie bitte hier, wenn Sie diesen Beitrag lesen möchten.

Die Zeitschrift Nationalpark berichtet auf 46 Seiten viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, große Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift leistet sich, was in der deutschen Zeitschriftenlandschaft eine Ausnahme ist: einen unabhängigen, kritischen und fundierten Blick auf die Sache des Naturschutzes. Herausgeber der Zeitschrift ist der "Verein der Nationalpark-Freunde e.V." Die EGE empfiehlt diese Zeitschrift mit den Worten, die der Journalist Horst Stern für sie gefunden hat: "Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen".

Vogelschicksale im Straßenverkehr - Februar 2022

Waldohreule  © Martina Kahmann

Die Spechte trommeln und die Rotkehlchen singen bereits, wenngleich noch zögerlich. Aber der Winter wird ein Ende haben. Dann werden sich auch die winterlichen Versammlungen der Waldohreulen auflösen, die derzeit hier und dort im ländlichen, aber auch urbanen Raum beobachtet werden können. Vermutlich entstammt einer solchen Gemeinschaft die abgebildete Waldohreule, die Anfang Januar an einer Straße in einem Gewerbegebiet im niedersächsischen Hildesheim desorientiert und flugunfähig aufgegriffen wurde. Den Umständen nach zu urteilen, war sie mit einem Fahrzeug kollidiert. Die Waldohreule gelangte glücklicherweise in das NABU-Artenschutzzentrum Leiferde. Die Eule erholte sich, so dass Angelika Krueger, die die Arbeitsgruppe Eulenschutz des NABU Hildesheim leitet, sie zwei Wochen später am Fundort wieder freilassen konnte. Dort dient den Waldohreulen ein kleines Gehölz mit einer Schwarzkiefer als traditioneller Überwinterungsplatz. Im Frühjahr werden sie die gefahrvolle Heimreise in ihre nord- und osteuropäischen Brutgebiete antreten.

In den letzten 10 Jahren nahm auf Deutschlands Straßen der PKW-Verkehr um 10 Prozent und der LKW-Verkehr um 34 Prozent zu. Die Zahl der in Deutschland jährlich im Straßenverkehr getöteten Vögel wird auf 9,4 Millionen Individuen geschätzt. Das ist etwa ein Zehntel des deutschen Brutvogelbestandes. Für Greifvögel ist von einer Schlagopferzahl pro 100 km Autobahn von ca. 98 Tieren/Jahr, für Eulen von 47 Tieren/Jahr auszugehen. Dabei werden die höchsten Opferraten in den Wintermonaten notiert. Diese Zahlen sind einer Literaturstudie "Schlagopfer von Vögeln insbesondere Greifvögeln und Eulen an deutschen Straßen und Autobahnen" des Forschungsinstituts für Ökosystemanalyse und -bewertung e.V. an der RWTH Aachen University aus dem Jahr 2017 entnommen. Bündnis90/Die Grünen hatten die Studie in Auftrag gegeben. Die Elektromobilität wird die Kollisionsrisiken für Wildtiere im Straßenverkehr nicht vermindern.


Der Uhu im Weserbergland 2021 - Januar 2022

Drei junge Uhus im Weserbergland 2021 © Kersten Hänel

Im nördlichen Weserbergland wird die Entwicklung der Uhupopulation seit 2005 in einem ehrenamtlichen Monitoring verfolgt. Von Kersten Hänel koordiniert, helfen zahlreiche Personen bei der Erfassung der Reviere, der Zählung der Jungvögel und bei den Schutzbemühungen. Damit wird auch die Initiative fortgeführt, die Albrecht Jacobs aus Stadtoldendorf mit der Wiederansiedlung des Uhus 1977 begonnen hatte. Das mehr als 2.000 km² umfassende Untersuchungsgebiet liegt im westlichen Südniedersachsen und erstreckt sich bis ins angrenzende Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2021 wurden in diesem Gebiet 93 Brutreviere und 90 flügge Jungvögel registriert. Kersten Hänel hält einen Gesamtbestand von ca. 120-130 Uhurevieren und eine Siedlungsdichte von ca. 6 Revieren/100 km² im Gebiet für realistisch.

Der 44 Seiten umfassende Bericht Der Uhu im Weserbergland - Zwischenstand eines ehrenamtlichen Monitorings für den Zeitraum 2005-2021 steht zum Download zur Verfügung unter:

https://www.hs-osnabrueck.de/fileadmin/HSOS/Homepages/AG-Zoologie/pdf/Uhu_Weserbergland_2005_2021.pdf


Naturschutz im Koalitionsvertrag - Januar 2022

Laubfrosch © www.wunderbare-erde.de

Seit Dezember 2021 ist in Deutschland eine neue Bundesregierung im Amt. Die drei koalierenden Parteien – die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und die Freien Demokraten (FDP) – haben sich bis zum Ende der Legislaturperiode 2025 viel vorgenommen. Was kann der Naturschutz von der neuen Bundesregierung erwarten? Worauf ist zu hoffen? Womit ist zu rechnen? Was ist zu befürchten? Der 177 Seiten umfassende Koalitionsvertrag gibt Auskunft; er trägt die Überschrift „Mehr Fortschritt wagen“. Aber will die „Fortschrittskoalition“ auch mehr Fortschritt im Naturschutz wagen? Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Kommentar der EGE lesen möchten.

Dankeschön! - Januar 2022

Bartkauz im Gegenlicht © www.wunderbare-erde.de

Stefan Brücher, der Vorsitzende der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V., dankt allen Personen und Einrichtungen, die zum Jahreswechsel die Anliegen des Vereins mit einer Spende bedacht haben: "Wir Eulenschützer", so Stefan Brücher, "schätzen uns glücklich. Aus zwei Gründen, natürlich für eine so wichtige Sache wie den Naturschutz arbeiten zu können, aber nicht minder auch deswegen, weil unsere Bemühungen ideelle und finanzielle Unterstützung erfahren, ohne die unsere Arbeit nicht möglich wäre. Das ist einfach eine großartige Ermutigung und eine Versicherung gegen resignative Augenblicke. Dankeschön für Ihren Einsatz, liebe Freundinnen und Freunde der Eulengesellschaft! Ihnen allen ein gutes neues Jahr!"

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2022 - Dezember 2021

Winter an der Rur in der Eifel © as-naturfotografie.de

Herzlichen Dank sagt die EGE allen Personen, Verbänden und Einrichtungen, die mit Anregungen, Lob und Tadel, auf ideelle oder finanzielle Weise im zu Ende gehenden Jahr die Anliegen der EGE unterstützt haben.

Wenn Sie das alte Jahr mit einer guten Tat beenden oder das neue mit einer solchen beginnen möchten, bedenken Sie bitte die EGE mit Ihrer Spende. Ohne Ihre Unterstützung könnte die EGE nur wenig bis nichts erreichen. Selbstverständlich erhalten Sie eine Spendenbescheinigung. Den Jahresbericht der EGE für das Jahr 2021 finden Sie hier.

Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den diesjährigen Weihnachts-Spendenaufruf der EGE lesen möchten. Die EGE wünscht Ihnen frohe Weihnachten und ein gutes, gesundes neues Jahr!

Vor 50 Jahren: Sterns Stunde - Dezember 2021

Horst Stern © EGE-Archiv

Am Heiligen Abend vor genau 50 Jahren bescherte das deutsche Fernsehen seinem Publikum eine Tierdokumentation der besonderen Art. Ausgerechnet zur stillsten Nacht hatte der Stuttgarter Südfunk wie es eine TV-Zeitschrift formulierte "eine Bombe auf den Gabentisch geschmuggelt": Horst Sterns Bemerkungen über den Rothirsch. Stern rief darin zum Töten auf - zum massenhaften Abschuss des Edelwildes.

Schon in neun Abendsendungen zuvor hatte der Journalist Horst Stern das sentimental verkitschte Tierbild zurechtgerückt und mit schonungsloser Offenheit eine materiell orientierte Wohlstandsgesellschaft mit dem Leid der Nutztiere konfrontiert. Im Unterschied zu den großangelegten "Expeditionen ins Tierreich" dreht Stern "eigentlich immer Reportagen über den Menschen", schrieb damals "Die Zeit". Deshalb ging keine "Sterns Stunde" (Programmtitel) - es waren bis 1979 immerhin 26 - ohne Proteste über den Sender. Das Magazin "Der Spiegel" lag damals richtig: "Nach der Heiligabend-Sendung wird Stern wohl auch mit den deutschen Jägern Streit bekommen."

Sterns Bemerkungen über den Rothirsch empfand die Jagdlobby als ungeheuren Tabubruch; sie lösten eine hitzige forstpolitische Debatte aus. Stern führte vor, was ein aus ökologischem Unverstand und des Trophäenkults wegen gehätschelter Wildbestand aus dem deutschen Wald gemacht hatte. Sterns Kommentar: "Zuviel Boom, zu wenig Bum." Es sei an der Zeit, das Rothirschgeweih als Statussymbol der Renommierjäger zu entzaubern und auf diese Weise das Schussfeld frei zu bekommen für die biologische, umweltgerechte Jagd. Man rette den Wald ja nicht, indem man "Oh Tannenbaum" singt. Alles dies - heute unvorstellbar - zur besten Sendezeit. Der Bildungsanspruch, die Bereitschaft und die Fähigkeit zum Konflikt der öffentlich-rechtlichen Sender (andere gab es nicht) waren offenkundig größer und zumindest einzelne Programmverantwortliche von anderem Format als jetzige Ressortleiter und der überwiegende Teil des deutschen Medienbetriebs.

Stern stand mit Beginn der 1970er Jahre wie kaum ein anderer für den Naturschutz in Deutschland. Stern war eine Orientierungsgestalt für eine ganze Naturschützer-Generation. Er verschaffte dem Naturschutz eine bis dahin ungekannte und nicht wiedererlangte Aufmerksamkeit. Seit Stern hat niemand mehr die Zerstörung der Landschaft und das Elend der Tiere so öffentlich wirksam angeklagt. Seine Kritik galt nicht allein der bloßen Ahnungslosigkeit, sondern zielte auf die hemmungslose Profitgier und damit einen Eckpfeiler der Gesellschaft, die – wie Stern es formulierte – den Preis von allem und den Wert von nichts kennt. Sterns Kritik der Zustände ist aktueller denn je. Mit Sterns Wirken definierte der Naturschutz seinen Anspruch als ein alle Politik- und Wirtschaftsbereiche durchdringendes Handlungs- und Gestaltungsprinzip, vollzog sich die Professionalisierung des Naturschutzes in Verwaltung und Verbänden und nicht zuletzt die gesetzliche Absicherung seiner Ziele und Aufgaben. Seitdem haben sich die Mitgliederzahlen der Naturschutzorganisationen vervielfacht, ebenso die mediale Präsenz des Naturschutzes, die ihm zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel und etablierte sich eine zwar von der Politik vielfach blockierte, aber an sich professionelle Naturschutzverwaltung.

Trotz dieser Errungenschaften ist die Bilanz des Naturschutzes in Deutschland dramatisch negativ. Gegenüber der inneren Ursache der Misere - einer von bloßer Gier und verantwortungsloser Freiheit getriebenen Ökonomisierung aller Lebensbereiche zu Lasten des Lebens überhaupt - ist der Naturschutz weithin kritik- und sprachlos geblieben. Es fehlt in den Organisationen des Naturschutzes an analytischer, konzeptioneller und strategischer Kompetenz, an der Fähigkeit und Bereitschaft zum Konflikt, an Unabhängigkeit und moralischem Format, am wenigsten vielleicht an Personen, aber an Persönlichkeiten.

Horst Stern hat seine Wirkung eher gering veranschlagt. Über sich selbst sagte der mit Ehrungen und Preisen ausgezeichnete Journalist, er habe den Menschen den Charakter ihrer Gesellschaft vorhalten wollen, aber man habe ihn unterm Strich für einen Tierfilmer gehalten. Zum Ende der 1990er Jahre zog sich Stern vollends aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Platz ist unbesetzt geblieben. Am 17. Januar 2019 ist Horst Stern gestorben.

Dass der Wald in Deutschland heute aufgrund einer verfehlten Forstpolitik und – am wenigsten wegen eines Klimawandels- vor nicht minder großen Problemen steht wie damals, belegt das Buch "Der Holzweg. Wald im Wiederstreit der Interessen", das 2021 im Oekom Verlag erschienen ist. Ein hochaktuelles Buch, das als Geschenk zum Heiligen Abend 2021 passt wie Sterns "Bemerkungen über den Rothirsch" vor 50 Jahren.

Beim Schenken an Eulen denken - Dezember 2020

Bartkauz © www.wunderbare-erde.de

Sie sind noch auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk für Freunde und Verwandte? Vielleicht finden Sie bei der EGE genau das Richtige.

Eine Eulenpatenschaft für eine einmalige Spende in Höhe von 100 Euro: Wildlebende Uhus, Schleiereulen und Steinkäuze, die in diesem Jahr in Deutschland geschlüpft und von Mitarbeitern der EGE mit Ringen der Vogelwarten Helgoland und Radolfzell gekennzeichnet wurden. Die EGE stellt die Patenschaftsurkunde nach Ihren Wünschen auf den Namen der beschenkten Person aus. Mit der Patenschaft gehen Sie und die beschenkte Person keine weiteren Verpflichtungen ein. Selbstverständlich erhalten Sie über den Betrag eine Spendenbescheinigung.

Und auch wenn Sie zu Weihnachten Kinder- und Jugendbücher über Eulen verschenken möchten, sind Sie bei der EGE genau richtig: "Wo die Eule schläft. Abenteuer Naturschutz" und "Die Uhus vom Dom. Eine Zeitreise durch zwölf Jahrhunderte" von Wilhelm Breuer und "Wer die Eule liebt" von Dorothee Warnecke. Der Erlös kommt den Eulenschutzprojekten der EGE zugute.

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