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Nachrichten

Kein Aprilscherz - April 2021

Wanderfalke © www.wunderbare-erde.de

Kürzlich machte eine Meldung des BUND die Runde, die er in der Ausgabe 1/2021 auf Seite 5 seines Magazins unter "Kurz und Gut" verbreitete: Wander- und Turmfalke brüteten in Ostwestfalen in eigens für sie angebrachten Nistkästen "bereits seit einigen Jahren gleich mehrfach an Windrädern". Dass sie dies tun, steht nicht infrage. Allerdings verbindet das Magazin die Nachricht mit einer steilen These: "Offenbar können die Falken mit dem Risiko der Rotoren umgehen." Das Magazin begnügt sich nicht mit dieser Meldung, sondern ergänzt, man habe beobachtet, wie die Falken ihre Brut gegen Rotmilan und Mäusebussard verteidigten und "so dafür sorgten, dass diese den Rotorblättern nicht zu nahe kamen". Nach Meinung des BUND-Magazins ein "Beispiel im Spannungsfeld von Windkraft und Vogelschutz", welches es verdient habe, genauer untersucht zu werden.

Bleibt zu hoffen, dass für eine solche Untersuchung nicht die Forschungsgelder des Steuerzahlers verwandt werden. Wenn im BUND der ökologische Sachverstand und das ethische Empfinden seiner Gründerpersönlichkeiten wie Bernhard Grzimek, Horst Stern und Hubert Weinzierl vorhanden sind, weiß man dort, dass Nistkästen an Windenergieanlagen diese zu einer regelrechten ökologischen Falle machen. Ob Turm- oder Wanderfalken oder auch Uhus, die ebenfalls solche Kästen beziehen könnten, die mit den Rotoren verbundene Gefahr erkennen, ist mehr als unwahrscheinlich. Vielmehr wächst für die hier brütenden Vögel das Tötungsrisiko mit der Dauer ihres Aufenthalts im Nahbereich der Anlagen. Sollten die Vögel Verteidigungsflüge gegen die denselben Luftraum nutzende Mäusebussarde oder Rotmilane unternehmen, steigt für sie alle die Gefahr bei den dann möglichen Auseinandersetzungen in die Reichweite der Rotoren zu gelangen.

Der Blick auf den Ausbau der Windenergiewirtschaft ist bisweilen von Romantik und Wunschdenken verstellt. Übrigens geht das Restvermögen des Bundesverbandes für Windenergie gemäß § 12 der Satzung des Verbandes, sollte er sich auflösen, an den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND).

Buch gegen Mutlosigkeit im Naturschutz - April 2021

Buchcover © Bastei Lübbe

Johanna Romberg hat nach ihrem im Jahr 2018 erschienenen Buch "Federlesen. Vom Glück, Vögel zu beobachten" ein weiteres Buch zum Naturschutz veröffentlicht. Es trägt den poetischen wie hoffungsvollen Titel: "Der Braune Bär fliegt erst nach Mitternacht. Unsere Naturschätze. Wie wir sie wiederentdecken und retten können". Johanna Romberg war 30 Jahre Redakteurin und Autorin des Magazins GEO. Für ihre Reportagen wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem zweimal mit dem EGON-ERWIN-KISCH-PREIS sowie dem GEORG-VON-HOLTZBRINCK-PREIS für Wissenschaftsjournalismus. Wilhelm Breuer hat das Buch rezensiert:

Romberg, Johanna (2021): Der Braune Bär fliegt erst nach Mitternacht. Unsere Naturschätze. Wie wir sie wiederentdecken und retten können. Quadriga Verlag. Hardcover. 288 Seiten. ISBN: 978-3-86995-104-1. 28,00 € inkl. MwSt.
Um den Schutz der Natur steht es nicht zum Besten. Sind die Akteure des Naturschutzes mit besten Absichten und hoher Frustrationstoleranz nicht doch nur die Chronisten des Untergangs biologischer Vielfalt? Johanna Romberg zeigt Innenansichten des Naturschutzes, die in der medialen Berichterstattung eher selten sind: Erfolgreiche Naturschutzprojekte und ihre Protagonisten. Menschen, die nicht sagen, "man könnte, man sollte, man müsste", sondern ganz gegen den Trend mit gründlicher Analyse und planvollem Handeln das Blatt zum Bessern wenden. Die Autorin ist diesen Idealisten und ihren Initiativen in der Alltagsnatur hierzulande mit journalistischer Gründlichkeit begegnet: im Wirtschaftswald, auf dem Feld, auf dem Grund eines Heideflüsschens, im Morast wiedervernässter Moore, am Abhang eines Steinbruchs und im Garten. Entstanden ist ein ebenso poetisches wie unausgesprochen politisches Naturkundebuch über Beschützer und die Beschützten ohne sentimentale Verklärung und alarmistische Untergangsrhetorik. Die Reihe der Reportagen in diesem Buch eröffnet die Autorin mit den Uhus in der Eifel, einem Portrait von Stefan Brücher und der "Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen": "Eine Seilschaft für die Uhus. Wie ein kleiner Verein vogelbegeisterter Menschen die Eifel in einen Hotspot für Eulen verwandelte. Und damit der Natur weit über die Region hinaus neue Sympathien verschaffte", so überschreibt Johanna Romberg das erste von neun Kapiteln dieses Buches. Jedes Kapitel ist ein Beleg für die Veränderbarkeit der Welt – jedenfalls dafür, dass die zivilisatorischen Gefahren, die beispielsweise Uhus, Steinkäuze, Flussperlmuscheln, Rebhühner und Braune Bären bedrohen, überwindbar sind. Es ist ein Buch, das zum Beobachten und Nachdenken einlädt und zum Handeln ermutigt. Ein Buch für jedes Lebensalter und nicht zuletzt für junge Menschen, weil es Perspektiven eröffnet, die weiterführen als die nächste Fridays-for-future-Demo.
Wilhelm Breuer

"Diabolische Allianz mit rechtsnationalen Kräften" zweiter Teil - April 2021

Waldkauz schaut aus der Baumhöhle © Joachim Achtzehn

Sie erinnern sich? Rechtsanwalt Prof. Dr. Martin Maslaton hatte am 10.03.2021 in einem "Offenen Brief an die Mandatsträger in allen Parlamenten, die die Energiewende wollen" dafür plädiert, sie mögen mit rechtsnationalen Kräften für eine Änderung des Artenschutzrechts der Europäischen Union zusammenarbeiten. Die in Leipzig, München und Köln firmierende Rechtsanwaltsgesellschaft mbH Maslaton berät Mandanten u. a. auf dem Gebiet des Naturschutz- und Erneuerbare-Energien-Rechts.

Die EGE nahm diesen Vorschlag mit Befremden zur Kenntnis. Noch mehr staunte die EGE, als das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) einen Link zu diesem Offenen Brief setzte. Nun, dabei ist es nicht geblieben. Das KNE lässt im Nachhinein auf seiner Website wissen, es lehne diesen Vorschlag "selbstverständlich entschieden ab". Ob diese Ablehnung über eine zu diesem Zweck angestrebte Zusammenarbeit mit rechtsnationalen Kräften hinaus generell der Absenkung des Artenschutzrechts gilt, geht aus der KNE-Erklärung nicht zweifelsfrei hervor. Die Verlinkung mit dem Offenen Brief hat das KNE beibehalten; es verweist darauf, Rechtsanwalt Maslaton habe die "zurecht heftig kritisiert Passage selbst geändert". In den Medien und in der viel beschworenen Zivilgesellschaft (die Umweltverbände eingeschlossen) war von Kritik indessen wenig bis nichts zu spüren. Auch das ist Teil des verstörenden Vorganges. Dem Beirat des KNE gehören u. a. Vertreter des BUND und NABU an.

Frohe Ostern - April 2021

Feldhase © www.wunderbare-erde.de

Auch an Ostern werden Mitarbeiter der EGE im Einsatz und wachsam sein, um an den Uhubrutplätzen in der Eifel nach dem Rechten zu schauen und Probleme für Uhus abzuwenden. Gerade an den Feiertagen und bei gutem Wetter drängt es viele Menschen ins Freie, die zur falschen Zeit und am falschen Ort unbeabsichtigt Uhus stören könnten - Klettersportler, Geocacher, Fossiliensammler oder Mountainbiker beispielsweise. Deshalb ist es gut, wenn die EGE an den Feiertagen störungsempfindliche Brutplätze im Blick hat.

Das Team der EGE sucht also an Ostern keine Eier, freut sich aber, wenn Sie - liebe Leserin, lieber Leser - der EGE zu Ostern ein Ei ins Spendenkonto legen. Dass die EGE einiges für den Schutz der Eulen erreichen kann, verdankt sie Ihnen, den Spendern und Fördermitgliedern der EGE. Ihnen allen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Die EGE wünscht frohe Ostern!

Stunde der Kollisionsvögel - 1. April 2021

Rotkehlchen © www.wunderbare-erde.de

"Die Stunde der Gartenvögel" und "Die Stunde der Wintervögel" - mit diesen beiden Aktionen punktet der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zweimal jährlich in der medialen Öffentlichkeit. Zwar ist der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn dieser harmlosen Beobachtungsabfrage häufiger Vogelarten gering, aber der Verein gewinnt auf diese Weise Mitglieder.

Nun schlägt dem Verein eine weitere Stunde, die zwar weniger populär sein dürfte als die bisherigen Mitmach-Aktionen, aber mehr bewirken könnte als einen Mitgliederzuwachs: "Die Stunde der Kollisionsvögel". Sie startet am Ende der diesjährigen Brutzeit nach dem Abernten der Getreidefelder mit dem Aufruf, unter den 30.000 Windenergieanlagen in Deutschland nach Kollisionsopfern zu sehen und diese der für die Entgegennahme solcher Meldungen in Deutschland zuständigen Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg zu melden.

Bisher beruht die amtliche Statistik von Windenergieopfern nahezu ausschließlich auf Zufallsbeobachtungen. Sie umfasst (Stand 23.11.2020) beispielsweise 18 Uhus, 84 Weißstörche, 194 Seeadler, 607 Rotmilane und 664 Mäusebussarde. "Die Stunde der Kollisionsvögel" könnte zur Aufklärung des Dunkelfeldes beitragen. Voraussetzung ist allerdings, dass die suchenden Personen früher aufstehen als Füchse, Marder und Wildschweine und ähnlich gründlich zu suchen vermögen wie diese. Der NABU möchte mit dieser Aktion eine kritische Distanz zur Windenergiewirtschaft unter Beweis stellen.

Arbeitseinsatz im Steinkauzbiotop - März 2021

Peter Josef Müller mit zwei Steinkäuzen © Sonia Marie Weinberger

Die Winterstürme haben in der Niederrheinischen Bucht manchem Obstbaum arg zugesetzt. Und das Frühjahr mit neuen Sturmereignissen hat erst begonnen. Die Mitarbeiter der EGE inspizieren in diesen Wochen insbesondere die Bäume mit Bruthöhlen der Steinkäuze, damit die Käuze darin sicher brüten können. Das erfordert zumeist den Einsatz von Motorsäge und Astschere. Umfangreiche Pflegemaßnahmen waren auch an einem Baum nötig, in dem eine Nisthilfe hängt. Während der Arbeiten wurden die beiden Steinkäuze behutsam aus ihrem Tagesversteck genommen, kurzzeitig in einem dunklen Behältnis im Auto aufbewahrt und anschließend in die Röhre im rundum erneuerten Obstbaum zurückgesetzt. Das obere Foto zeigt Peter Josef Müller mit den beiden Käuzen, das untere Foto Stefan Brücher und Peter Josef Müller bei den Pflegearbeiten. Die EGE hofft auf eine gute Steinkauz-Saison 2021.

EGE-Mitarbeiter bei der Obstbaumpflege © Sonia Marie Weinberger

"Diabolische Allianz mit rechtsnationalen Kräften" - März 2021

© www.wunderbare-erde.de

Wer die Art und Weise der Energiewende oder einzelne ihrer Erscheinungen infrage stellt und den Schutz von Natur und Landschaft in diesem Zusammenhang als ein verteidigungswürdiges Schutzgut zur Geltung bringen möchte, gerät bisweilen in den Verdacht, den Klimawandel zu leugnen oder einem bestimmten politischen Spektrum anzugehören.

Nicht ganz ohne eine gewisse Brisanz und geradezu verstörend ist in diesem Zusammenhang eine gegenläufige Beobachtung, nämlich das Fazit, das im Newsletter der in Leipzig, München und Köln firmierenden Rechtsanwaltsgesellschaft mbH Maslaton vom 10. März 2021 als Reaktion auf das am 04. März 2021 ergangene Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Artenschutzrecht gezogen wird. In einem mit martin@maslaton.de unterzeichneten Beitrag, der zugleich als ein "offener Brief an die Windenergiebranche und an die Mandatsträger in allen Parlamenten, die die Energiewende wollen" gerichtet ist, heißt es:

"Die Änderung der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie ist nötig und im EU-Parlament auch möglich durch eine diabolische Allianz mit rechtsnationalen Kräften. Biografisch bedingt kann ich diese Allianz nicht fördern - rational müssen die dem Klimaschutz und der Energiewende Verpflichteten genau dies tun. Änderung der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie und zwar jetzt!"

Die Anwälte der Maslaton Rechtsanwaltsgesellschaft mbH beraten Mandanten u. a. auf dem Gebiet des Naturschutz- und Erneuerbare-Energien-Rechts.

Kauzbrief-Ausgabe 33 erschienen - März 2021

Kauzbrief-Ausgabe 33, 29. Jg. 2021

Erstmals erschien der Kauzbrief der "Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz im Landkreis Ludwigsburg" 1992. Jetzt ist die 33. Ausgabe erschienen. Das 60 Seiten starke Heft bietet aktuelle Nachrichten und Fachbeiträge aus Eulenschutz und Eulenforschung und überdies weit mehr als nur Biologiewissen, nämlich Beiträge über Eulen in Kunst- und Kulturgeschichte. Der Kauzbrief bietet deshalb gerade auch den Personen lohnenden Lesestoff, die sich in einem umfassenderen Sinne mit Eulen befassen als nur mit Eulenbiologie und -schutz. Auch die vorliegende Ausgabe des Kauzbriefs vereint Naturkunde, Naturschutz, Kunst- und Kulturgeschichte, wie der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt. Die EGE gratuliert zur gelungenen Ausgabe!



Windenergiewirtschaft von EuGH-Urteil enttäuscht - März 2021

Uhu © www.wunderbare-erde.de

Die deutsche Generalanwältin am Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH), Juliane Kokott, hatte in den Schweden betreffenden Rechtssachen C-473/19 und C-474/19 faktisch für eine Absenkung des Artenschutzrechts plädiert. Die Verbote der Europäischen Vogelschutzrichtlinie sollten, so die Vorstellung der Juristin, nicht dem Schutz aller europäischen Vogelarten gelten, sondern im Falle nicht bezweckter – also gewissermaßen kollateraler – Schädigungen oder Störungen nur den Arten des Anhanges I dieser Richtlinie oder Arten deren Erhaltungszustand schlecht ist oder die gefährdet sind. Häufigeren Arten sollten die Verbote nicht zugutekommen. Eine Auslegung, die – sollte der EuGH sie bestätigen – für den Vogelschutz in allen Staaten der Union weitreichende Folgen hätte.

Eine solche Auslegung hat die Windenergiewirtschaft seit langem gefordert. Umso größer ist die im "Handelsblatt" vom 04. März 2021 geäußerte Enttäuschung der Branche, denn der EuGH hat diese Auslegung in seinem Urteil vom 04. März 2021 zurückgewiesen. Es muss insofern weiterhin geprüft werden, welche Arten beispielsweise infolge von Bau oder Betrieb einer Straße oder eines Windparks Störungen oder einem Tötungsrisiko ausgesetzt sein können. Arten, nur weil sie nicht mehr oder noch nicht im Bestand bedroht sind, als nicht "planungsrelevant" oder für rechtlich belanglos zu erklären, wie es sich Teile von Politik, Wirtschaft und Verwaltung wünschen oder praktizieren, erweisen sich nach diesem Urteil einmal mehr als unionsrechtswidrig.

Das Urteil dürfte auch Auswirkungen auf Bestrebungen der deutschen Umweltministerkonferenz haben, welche erst im Dezember 2020 im vorstehenden Sinne den Versuch unternommen hatte, die an Windenergieanlagen einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko ausgesetzten Vogelarten per Beschluss auf wenige bedrohte Arten zu begrenzen. Nach dem Urteil dürften auch der Plan des Bundeswirtschaftsministers infrage stehen, der seit 2019 die Überwindung des Individuenschutzes zugunsten eines populationsbezogenen Artenschutzes anstrebt. Ob das Urteil Politiker und -innen von Bündnis90/Die Grünen, die sich in Deutschland Regierungsverantwortung insbesondere auf dem Gebiet der Energie- und Umweltpolitik zumessen, von Abschwächungen des Artenschutzrechts zugunsten ihrer Vorstellungen abbringen wird, bleibt abzuwarten. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie das Urteil lesen möchten.

Neue Ausgabe von "Nationalpark" erschienen - März 2021

Cover Nationalpark 1/2021

Der tschechische Nationalpark Šumava wird in diesem Jahr 30 Jahre alt. Zusammen mit seinem Partner, dem Nationalpark Bayerischer Wald, entwickelt sich im Herzen Europas ein staatenübergreifender großflächiger Urwald. Das ist ein Hoffnungszeichen für den Naturschutz in Europa und das Titelthema des aktuellen Heftes. Darin finden Sie eine Vielzahl weiterer Beiträge, beispielsweise über die Situation der Nationalparke in Österreich und in der Reihe "Menschen und Geschichten" eine Geschichte über Störche und Uhus von EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer "Von Kalif Storch und anderen Verwandlungen". Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 312 KB), wenn Sie diesen Beitrag lesen möchten.

Die Zeitschrift "Nationalpark" berichtet auf 46 Seiten viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, große Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift leistet sich, was in der deutschen Zeitschriftenlandschaft eine Ausnahme ist: einen unabhängigen, kritischen und fundierten Blick auf die Sache des Naturschutzes. Herausgeber der Zeitschrift ist der "Verein der Nationalpark-Freunde e.V." Die EGE empfiehlt diese Zeitschrift mit den Worten, die der Journalist Horst Stern für sie gefunden hat: "Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen".

Flächenfraß - März 2021

Feldhamster © www.as-naturfotografie.de

Wussten Sie, dass in Deutschland Tag für Tag 56 Hektar Grund und Boden überbaut werden? Eine Fläche von 78 Fußballfeldern täglich! Die aktuelle Ausgabe der Braunschweiger Umweltzeitung befasst sich mit dem Flächenfraß. In diesem Heft berichtet EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer "über verbrauchte Fläche und verfehlte Ziele". Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 928 KB), wenn Sie seinen Bericht lesen möchten.

Von konvertierten Uhus und Zeitungsenten - Februar 2021

Kreuzgang des Hildesheimer Doms bei Nacht © Joachim Achtzehn

Die Wochenzeitung "DIE ZEIT" berichtet auf ihren Extraseiten "Christ & Welt" am 05. Februar von "einem konvertierten Uhu". Bei dem Uhu handele es sich um ein Uhumännchen, das im letzten Mai in einem Nest im Dom zu Speyer geschlüpft und nun "dem Protestantismus in die Arme geflogen" sei. Der Uhu habe mit der Konfession auch gleich die Stadt gewechselt, sich an der evangelischen Citykirche Konkordien in Mannheim angesiedelt - knapp 19 Kilometer Luftlinie von Speyer entfernt - und dort ein Weibchen gefunden. Ob den Uhus an dieser Kirche eine Brut zu empfehlen ist, verrät die Zeitung nicht. Das dort durch und durch städtische Umfeld bietet kaum die Sicherheit, die junge Uhus als Infanteristen nach dem Absprung aus der Höhe des Kirchturms auf dem harten protestantischen Pflaster benötigen. Konversionen sollten überlegt sein.

Von Mitte des 16. bis Ende des 19. Jahrhunderts sind eine Reihe von Uhubruten an Bauwerken belegt - einige auch an Kirchen. So ist bekannt, dass im 16. Jahrhundert Uhus im Turm der Marienkirche in Wismar gebrütet haben. Mit der Verfolgung des Uhus und dem um die Mitte des 20. Jahrhunderts beinahe erreichten Aussterben der Art in Deutschland verschwand der Uhu lange Zeit als Bauwerksbrüter. Infolge der Wiederansiedlung des Uhus in Deutschland ab Mitte der 1970er Jahre kam es allmählich auch wieder zu Bauwerksbruten; auch zu Uhubruten an Kirchen.

Nach Recherchen der EGE brüteten seit 1984 an mindestens 19 verschiedenen Kirchen in Deutschland Uhus. Elf der 19 Kirchen sind evangelisch; acht römisch-katholisch. An zehn der 19 Kirchen blieb die Brut ein einmaliges Ereignis. Zu mehr als zwei Bruten kam es nur an sechs Kirchen. Mit sieben Bruten in Folge, davon fünf erfolgreichen, ist der römisch-katholische Dom zu Hildesheim vermutlich der erfolgreichste Brutplatz von Uhus an einer Kirche in Deutschland. Dort sind die Bedingungen für Uhus besonders günstig, denn dort verbringen die jungen Uhus seit 2017 ihre Zeit als Infanteristen im Kreuzgang des Domes. Das ist nicht zuletzt der Umsicht zu verdanken, mit der das Bistum Hildesheim und ein Team von Uhufreunden auf die Uhus am Dom achtgibt. Dass die Bischöfe von Hildesheim für zwei weibliche Uhus jährlich 100 Euro an einen "Schutzverband" spenden, ist allerdings wie so manches im deutschen Blätterwald eine Zeitungsente.

Die Eifel und ihre Eulen-Hüter in der arte-Mediathek - Februar 2021

Arte Screenshot

Die am Sonntag, den 21.02.2021 um 19:30 Uhr auf arte ausgestrahlte Reportage über die Arbeit der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. in der Eifel "Die Eifel und ihre Eulen-Hüter" (Französisch: "Sauver les hiboux, c'est chouette") ist nun in der arte-Mediathek abrufbar. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie die Langfassung anschauen möchten. Die EGE wünscht gute Unterhaltung.

EU-Kommission verklagt Deutschland wegen Naturschutzmängel - Februar 2021

Sonnenaufgang © www.wunderbare-erde.de

Am 18.02.2021 hat die Europäische Kommission mitgeteilt, Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof wegen des unzureichenden Schutzes der Natura 2000-Gebiete zu verklagen. Das der Klage vorgeschaltete Vertragsverletzungsverfahren hatte die Europäische Kommission im Jahr 2015 eingeleitet und vor einem Jahr noch einmal verschärft. Im Fall einer Verurteilung Deutschlands durch den Europäischen Gerichtshof drohen hohe Strafzahlungen.

Hintergrund: Die Verpflichtungen, die Deutschland 1992 wie die übrigen Mitgliedstaaten aus der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union zum Aufbau des Europäischen ökologischen Netzes Natura 2000 eingegangen war, wurden in Deutschland gründlich verkannt und ihre Einlösung von Politik, Wirtschaft und Kommunen behindert und verschleppt. Eine angemessene Auswahl der unter Schutz zu stellenden Gebiete legte Deutschland der EU-Kommission erst nach zehnjährigem Tauziehen, quälenden Nachforderungen, Mahnschreiben, Vertragsverletzungsverfahren und Verurteilungen vor dem Europäischen Gerichtshof vor. Zwar ist der Streit über die Gebietsauswahl, die am Ende respektable 15,4 Prozent der terrestrischen und 45 Prozent der marinen Fläche Deutschlands in 4.544 FFH- und sich teils überlagernden 742 Europäischen Vogelschutzgebieten umfasst, beigelegt. Gleichwohl ist ein Teil der Gebiete bis heute nicht oder nur unzureichend geschützt. Auch deshalb ist der Erhaltungszustand fast der Hälfte der Lebensraumtypen und eines Drittels der Arten, die in diesen Gebieten zu schützen sind, regierungsamtlich bestätigt unzureichend oder schlecht mit im Berichtszeitraum der letzten sechs Jahre teils deutlichen Verschlechterungen. 16 Jahre nach der im Zeitplan der Union terminierten Fertigstellung ist Natura 2000 in Deutschland immer noch eine Baustelle.

Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen kommentierte in einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2000 die sich bereits damals abzeichnenden Versäumnisse weitsichtig so:

"In Deutschland dürfte es nicht allein an der notwendigen Meldemoral fehlen. Die Versäumnisse werden sich fortsetzen: Kaum eine Landesregierung denkt daran, die künftigen Natura 2000-Gebiete nach den nationalen Naturschutzvorschriften konsequent streng zu schützen. Denn erst nach der Aufnahme von Gebieten in das Europäische Netz stellen sich in den Mitgliedstaaten die besonderen Herausforderungen. Statt dessen sollen alte Verordnungen und freiwillige Vereinbarungen den gemeinschaftsrechtlichen Anforderungen genügen, signalisiert man großzügige Ausnahmemöglichkeiten für die Zulassung von Plänen und Durchführung von Projekten oder betreibt diese gar selbst - bis zur gerichtlichen Korrektur."

GEO-Reportage: Die Eifel und ihre Eulen-Hüter - Februar 2021

Burgruine in der Eifel © Michael Papenberg

Am Sonntag, den 21.02.2021 sendet arte in der GEO-Reportage um 19:30 Uhr einen 45 minütigen Beitrag über die Arbeit der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. Der Titel: Die Eifel und ihre Eulen-Hüter; Französisch: Sauver les hiboux, c'est chouette. In der Vorankündigung heißt es: Die Könige der Nacht sind lautlose Jäger - und doch zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Eulenschützern ist es zu verdanken, dass sich die Bestände von Uhu und Steinkauz in einigen Regionen Europas erholen. Doch was so einfach klingt, ist eine Aufgabe in der viel Herzblut und Leidenschaft steckt. Die GEO Reportage präsentiert außergewöhnliche Menschen rund um den Globus. Dieses Mal Stefan Brücher, Peter Müller und Rita Edelburg-Müller in der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE).

Arte strahlt den Beitrag an weiteren Terminen aus: am 22.02. um 09:40 Uhr, am 27.02. um 18:20 Uhr, am 04.03. um 07:05 Uhr und am 09.03. um 07:05 Uhr.

Petri Heil? - Januar 2021

Toter Eisvogel in einer Angelschnur © Rolf Thiemann

Angelsport ist tödlich. Nicht nur für Fische, sondern bisweilen auch für Eisvögel, die nicht aus Zeitvertreib fischen, sondern weil es ihrer Natur gemäß ist und sie nicht anders können. Achtlos weggeworfene Angelschnüre und verlorengegangene Angelhaken haben das Potential zum Tierdrama. Ein solches ereignete sich gerade an einem Gewässer westlich von Köln. Im Herbst steckte ein Angelhaken sogar im Gefieder eines der Uhus vom Hildesheimer Dom. Umsicht und Naturverbundenheit mancher Angler scheinen begrenzt zu sein. Dessen ungeachtet sind die Angelvereine in einigen Bundesländern gesetzlich anerkannte Naturschutzvereinigungen.

Verwaltungsgerichtshof zieht hessische Verwaltungsvorschrift in Zweifel - Januar 2021

Kornweihe © www.as-naturfotografie.de

Die Nutzung der Windenergie sei grundsätzlich stärker zu gewichten als der Schutz von Vögeln und Fledermäusen, die an den Anlagen zu Schaden kommen können. Diese Vorrangstellung hatte die hessische Landesregierung in einem Erlass festgelegt. Die zu Beginn des Jahres in Kraft getretene Verwaltungsvorschrift geht auf Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und seine für die Umwelt zuständige Kabinettskollegin Priska Hinz zurück. Beide gehören der Partei Bündnis90/Die Grünen an. Von einer solchen Vorrangstellung für die Windenergiewirtschaft träumen vor allem Bündnisgrüne. Doch dieser Traum ist bis auf weiteres ausgeträumt. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof stellte nämlich fest, dass diese Verwaltungsvorschrift gegenüber Gerichten keine Bindungswirkung habe. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung titelte: "Hessen und die Windkraft - Ideologie im Amtsblatt".

Per Erlass hatte die Landesregierung auch den Mindestabstand von Windenergieanlagen zu Rotmilannestern von 1.500 auf 1.000 m reduzieren wollen - und dies mit einer so fragwürdigen Begründung, dass die Richter den Urhebern der Vorschrift die Beachtung wissenschaftlicher Standards absprechen. Beobachter wundert die Vorgehensweise der Landesregierung nicht. An wissenschaftlicher Expertise auf dem Gebiet des Artenschutzes sei ihr, so sagen Kritiker, nicht gelegen. Aus diesem Grund arbeite das hessische Umweltministerium an einer "Neuorganisation" der renommierten Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt. Von den üblichen "anerkannten" Naturschutzvereinigungen ist keine Kritik zu vernehmen. Dort ist man vermutlich "eingebunden". Statt die Staatlichen Vogelschutzwarten an Entscheidungen zu beteiligen, fragen Ministerien jetzt lieber den NABU, so berichten Insider. Überhaupt, nachdem die Verbände Jahrzehnte für den Aufbau einer professionellen Naturschutzverwaltung gestritten haben, möchten sie sich nun selbst an diese Stelle setzen als die für Politik und Wirtschaft bequemeren Akteure.

Heute geht es in der Auseinandersetzung immer weniger um "Klimaschutz versus Artenschutz", sondern Windenergie, Klimaschutz und Artenschutz werden zunehmend gleichgesetzt. Ein jüngstes Beispiel ist die Aussage von Prof. Dr. Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarbrücken im Magazin Plusminus des Saarländischen Rundfunks vom 07.10.2020: "Klimaschutz ist der beste Artenschutz. Um jeden einzelnen Rotmilan zu kämpfen, ist etwa so, als wenn Sie auf der sinkenden Titanic sich um die Aquarienfische sorgen."

Diese Gleichsetzung etabliert sich als ein neues gesellschaftliches Narrativ unter maßgeblicher Beteiligung von Umweltvereinigungen. So finden die alten Vereinnahmungsbestrebungen wie "Landwirtschaft ist angewandter Naturschutz", "Beton ist Leben", "Ohne Jagd kein Wild" und "Pelz ist Artenschutz" eine zeitgemäße Fortsetzung, allerdings ohne breiten Widerspruch, sondern maßgeblich von den Umweltvereinigungen vorangetrieben. Dabei deckt die Windenergie in Deutschland einer Statistik des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge aktuell etwa drei Prozent des Primärenergieverbrauchs. Selbst wenn man die Anzahl der heute 30.000 Anlagen verdoppeln würde, bliebe ihr Anteil an einer bedarfsgerechten Energieversorgung und der Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes überschaubar.

Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis 2021 - Januar 2021

Junge Waldohreule © www.wunderbare-erde.de

Die Nachwuchsförderung im Eulenartenschutz ist ein Anliegen der EGE. Deshalb hat die EGE den Wilhelm-Bergerhausen-Förderpreis gestiftet. Der Preis wird 2021 verliehen. Der Förderpreis ist nach dem Gründer der EGE, Wilhelm Bergerhausen, benannt. Wilhelm Bergerhausen hatte für die Wiederansiedlung des Uhus in Deutschland seit Mitte der 1970er Jahre in der damaligen AzWU an herausragender Stelle gearbeitet. Nach dem erfolgreichen Abschluss dieses Projektes gründete Bergerhausen 1990 die EGE. Bergerhausen verstand es, junge Menschen für den Naturschutz zu gewinnen. Wilhelm Bergerhausen starb überraschend im Jahr 2006 im Alter von 56 Jahren.

Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 176 KB), wenn Sie sich über die Teilnahmebedingungen informieren möchten.

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