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Nachrichten Jahrgang 2010

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Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2011 - Dezember 2010

Die EGE verabschiedet sich für dieses Jahr von Ihnen und sagt allen Personen, Verbänden und Einrichtungen herzlichen Dank, die in ideeller oder auf finanzielle Weise die Anliegen der EGE unterstützt haben. Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr! Wenn Sie das alte Jahr mit einer guten Tat beenden oder das neue mit einer solchen beginnen möchten, bedenken Sie bitte die EGE mit Ihrer Spende. Die Mitarbeiter der EGE zahlen sich keine Gehälter, sondern jede Spende fließt unvermindert in die Projekte der EGE.

Praktische Hilfe für Schleiereulen - Dezember 2010

Der Winter verhält sich zum dritten Mal in Folge politisch unkorrekt. Hat uns nicht ein Teil der Energiewirtschaft zusammen mit geneigten Wissenschaftlern ein endgültiges Ausbleiben harter Winter vorhergesagt? "Schnee ade! Klimawandel in Deutschland" überschrieb 2005 der Windenergieanlagenhersteller Enercon das unternehmenseigene Magazin. Der während des Weltklimagipfels im Dezember 2009 allgegenwärtige Meteorologe und Klimaforscher Mojib Latif ließ sich 2000 in Spiegel-online zitieren: "In Deutschland gehören klirrend kalte Winter der Vergangenheit an. Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben". Weil es sie offenbar doch gibt, soll jetzt gerade das als Beleg für eine anthropogene Erderwärmung gelten.

Mit dem Hinweis auf Widersprüche dieser Art möchte die EGE keineswegs die staatlichen und gesellschaftlichen Bemühungen um eine in jeder Hinsicht umweltverträglichere Energiepoltik diskreditieren. Die EGE warnt aber vor Scheinalternativen und einer Diskussion, die nicht auf der Grundlage ökologischer Fakten, sondern aus bloßen ökologisch maskierten Gewinnbestrebungen heraus geführt wird. Während auf diesem Gebiet manche Gruppen und Gruppierungen scheinbar die Welt oder nichts geringeres als das Weltklima zu retten vorgeben, bescheidet sich die EGE am Ende dieses Jahres mit einem schlichten Appell an Landwirte und die Menschen auf dem Lande - zum Schutz der Schleiereulen:

Für Schleiereulen ist die Lage nämlich mehr als kritisch. Mäuse sind seit anhaltendem Frost und geschlossener Schneedecke nahezu unerreichbar. Der mildtätig romantische Aufruf von Vogelschutzverbänden in deutschen Tageszeitungen, die Bauern mögen Schleiereulen Stall und Scheune öffnen, dürfte daran wenig ändern, weil dort für Eulen nach Intensivierung und Rationalisierung der Tierproduktion nichts zu holen ist. Seitdem auf den Höfen kein Getreide mehr eingelagert und zumeist auch gar kein Vieh mehr gehalten wird, haben sich die Mäuse ins Nichts verabschiedet. Schleiereulen ist mit einer bloßen Wärmestube nicht gedient. Bis in die jüngste Vergangenheit hinein waren Schleiereulen als fliegende Mausefallen geschätzt. In den Giebeln landwirtschaftlicher Gebäude ließen die Bauleute eigens ein paar Ziegelsteine aus, um den Eulen das Ein- und Ausfliegen zu ermöglichen. Leibeigene Lohnmäster, Biogasanlagenbetreiber und bei Banken bis über beide Ohren verschuldete Milchproduzenten haben andere Sorgen.

An ruhigen Stellen im Dorf oder auf Höfen könnten mit Druschabfällen und minderwertigem Getreide immerhin Mäuse angelockt werden. Die Mäusefütterung, und sei es auch nur, um die Schleiereulen über den Winter zu bringen, dürfte für die Landbevölkerung eine gewöhnungsbedürftige Vorstellung sein, Anwohner alarmieren und möglicherweise gar amtliche Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen auslösen. Vielleicht ist die Einrichtung einer so genannten Mäuseburg aber leichter zu vermitteln. Deshalb ruft die EGE auch in diesem Winter wieder dazu auf. Es genügt, aus einigen löchrigen Brettern einen Würfel zu bauen - aber ohne Dach. Der oben offene Kasten - je einen Meter in der Breite, Länge und Höhe - sollte mit Steinen und Stroh gefüllt und darauf der Druschabfall gestreut werden. Über dem Kasten wird eine Stange mit einem Querholz als Ansitzwarte für Eulen angebracht. Eine solche Mäuseburg lockt Mäuse an. Sie sollte dort errichtet werden, wo Schleiereulen den Tag verschlafen. Der Druschabfall muss von Zeit zu Zeit erneuert werden. Auch Stein- und Waldkäuzen kann auf diese Weise geholfen werden. Über die bisweilen skurrile Aufgabe, das Weltklima zu retten, sollten die Anstrengungen für das Erreichen der naheliegenden Ziele nicht vergessen werden.

Freude schenken und Eulen schützen - Dezember 2010

Sind Sie noch auf der Suche nach einem originellen Weihnachtsgeschenk für Freunde und Verwandte? Dann könnten Sie mit einer Patenschaft für einen Steinkauz oder Uhu genau das Richtige gefunden haben. Die EGE stellt Ihnen rechtzeitig zum Fest eine Patenschaftsurkunde für die auf diese Weise beschenkte Person aus. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie sich über diese Möglichkeit des Schenkens informieren möchten.

Vielleicht möchten Sie aber auch nur eine Kleinigkeit verschenken. Vielleicht das im Bild gezeigte Mousepad der EGE. Das Mousepad hat die Maße 240 x 190 x 3 mm. Darauf zu sehen sind alle 13 Eulenarten Europas. Das Mousepad ist PVC-frei und gegen eine Spende bei der EGE erhältlich. Für ein Mousepad bittet die EGE um 5 €, für fünf um 20 €. Darin sind die Versandkosten eingerechnet.

Spendenkonto der EGE: Postbank Köln
BIC PBNKDEFF
IBAN DE66370100500041108501
Stichwort "Mousepad".

Richten Sie Ihre Bestellung bitte an
Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.
European Group of Experts on Ecology, Genetics and Conservation
Breitestrasse 6
D-53902 Bad Münstereifel
Telefon +49 [0] 22 57 - 95 88 66
 egeeulen@t-online.de

EGE-Mitarbeiter ausgezeichnet - Dezember 2010

In einer Feierstunde hat der Landrat des nordrhein-westfälischen Kreises Euskirchen, Günter Rosenke, am 13. Dezember 2010 zwei Eulenschützer – nämlich Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller - für ihre Verdienste um den Schutz der Steinkäuze mit dem Umweltpreis des Kreises ausgezeichnet. Beide sind seit mehr als dreißig Jahren im Eulenschutz aktiv. Ihr besonderes Augenmerk gilt den Steinkäuzen im Kreis. Dank dieses Engagements ist dort die Anzahl der Steinkauzpaare ganz gegen den Trend in der Kölner Buch nicht nur konstant geblieben, sondern gestiegen. Brüteten im Jahr 2001 nur 13 Steinkauzpaare erfolgreich, waren es 2010 immerhin 65 Paare. Zu den Aufgaben der Müllers zählt auch die Kennzeichnung des jährlichen Steinkauznachwuchses zu wissenschaftlichen Zwecken. 2010 versahen sie deswegen 204 Jungvögel mit Ringen der Vogelwarte Helgoland. Die Müllers hoffen, dass ihre Arbeit für den Kauz nicht für die Katz´ ist. Sie appellieren an Städte und Gemeinden, Steinkauzlebensräume vor der Planung neuer Baugebiete zu schützen und die Entwicklung neuer Steinkauzlebensräume zu fördern. Aus Anlass der Preisverleihung verweist die EGE an dieser Stelle auf einen Beitrag, den Peter Josef Müller im letzten Jahr über den Steinkauzschutz im Kreis Euskirchen im Eifeljahrbuch veröffentlicht hat. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 396 KB), wenn Sie den Beitrag lesen möchten.

Illegale Verfolgung von Greifvögeln und Eulen - Dezember 2010

Greifvögel und Eulen sind in Deutschland streng geschützt. Wer sie fängt, vergiftet, abschießt oder sie auf andere Weise verfolgt, begeht spätestens seit 1977 eine Straftat. Wer glaubt, zu solchen Straftaten käme es 33 Jahren nach dem Verbot nur in Ausnahmefällen, verkennt die Lage. Tatsächlich werden jährlich zahlreiche Fälle illegaler Greifvogel- und Eulenverfolgung bekannt. Aus diesem Grund haben drei Vogelschutzverbände einen Leitfaden veröffentlicht, der beim Erkennen, Bekämpfen und Vermeiden der Übergriffe auf Greifvögel und Eulen helfen soll. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie nähere Informationen über diese Veröffentlichung wünschen.

Dramatische Zustände im Biosphärenreservat Elbtalaue - Dezember 2010

Die Umrüstung gefährlicher Mittelspannungsmasten, welche die Netzbetreiber bis Ende 2012 abgeschlossen haben müssen, verläuft schleppend. Das belegt eine neuerliche Untersuchung der "Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE)". Zusammen mit der Stiftung "The Stork Foundation" und mit finanzieller Förderung des Komitees gegen den Vogelmord e. V. hat die EGE ein 42 km² großes Gebiet in der Elbtalaue in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern auf gefährliche Mittelspannungsmasten hin untersucht. Das Gebiet der Stichprobe wurde zufällig ausgewählt. Das Ergebnis könnte für die Situation in anderen Regionen Niedersachsens und Mecklenburg-Vorpommerns durchaus repräsentativ sein.

Die EGE hat in dem 42 km² umfassenden Gebiet in den Kreisen Lüneburg (Niedersachsen) und Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) 291 Mittelspannungsmasten registriert. Von diesen Masten erwiesen sich 125 (das sind 43 %) als gefährlich. 57 % wiesen keine Beanstandungen auf. Zu den Masten ohne Beanstandungen zählen 46 ausreichend entschärfte Masten. Bei diesen Masten sind die gefährlichen Stellen zumeist mit Hauben abgedeckt.

An 21 von verbleibenden 125 gefährlichen Masten waren zwar Entschärfungsbemühungen erkennbar. Die dazu durchgeführten Maßnahmen sind allerdings unzureichend oder unwirksam. Das gilt z. B. für insbesondere an Abspannmasten angebrachte Ringgitter. Untersuchungen belegen, dass diese kostenaufwändige Maßnahme Weißstörche nicht hinreichend vor dem Stromtod schützt. Daher hat die Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten Ringgitter als untauglich verworfen. Masten mit solchen Ringgittern stellen den größten Anteil der als unzureichend entschärft klassifizierten Masten. Als unzureichend entschärft sind auch die Masten anzusehen, bei denen die Abdeckhauben unzulässigerweise gekürzt wurden.

Bei den festgestellten gefährlichen Masten handelt es sich größtenteils um Betonmasten mit angeschraubter Traverse, geringen Phasenabständen und stehenden Isolatoren. Mit dem Anbringen von Abdeckhauben ließen sich diese Masten relativ leicht und wenig aufwändig entschärfen.

Die ausreichend gesicherten Masten stellen mit 16 % - nach der Gruppe der unzureichend entschärften Masten - den kleinsten Anteil. Dies zeigt, dass die örtlichen Netzbetreiber bisher wenig unternommen haben, um in der gesetzlich festgesetzten Umrüstungsfrist ihren Verpflichtungen nachzukommen. Allein in dem 42 km² großen Probegebiet müssen mithin bis zum 31.12.2012 noch 125 Masten umgerüstet werden. Der Umstand, dass etwas mehr als die Hälfte der im Gebiet stehenden Masten wenig gefährlich ist, beruht nicht auf einer gezielten Umrüstung, sondern verdankt sich der Tatsache, dass hier weitgehend ungefährliche Masttypen zum Einsatz kamen.

Die Zahlen müssen auch deshalb nachdenklich stimmen, weil ein beträchtlicher Teil der Masten in einem EG-Vogelschutzgebiet und im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue steht, also in Gebieten, die eigens zum Schutz der Vögel eingerichtet worden sind. Rechnet man die festgestellte Zahl gefährlicher Masten auf das Biosphärenreservat mit einer Fläche von insgesamt 568 km² hoch, muss dort mit 1.700 für Vögel hochgefährlichen Mittelspannungsmasten gerechnet werden. Auf ein einziges Revier eines Weißstorchpaares beispielsweise kämen damit statistisch gesehen mehr als zehn gefährliche Masten.

Das Probegebiet zählt zum Territorium der ehemaligen DDR. Dies kann die Befundlage allerdings kaum relativieren und spricht auch nicht gegen eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf westdeutsche Gebiete. Eher im Gegenteil: Im Gebiet der ehemaligen DDR weist die Infrastruktur 20 Jahre nach der Wiedervereinigung in vielerlei Hinsicht einen moderneren Stand auf als in Westdeutschland.

Gefährliche Mittelspannungsmasten sind der Grund für den Tod zahlreicher größerer Vogelarten wie Weiß- und Schwarzstorch, Eulen und Greifvögel. Bei Berührung spannungsführender Teile der Masten können die Vögel aufgrund ihrer Größe leicht Erd- und Kurzschlüsse verursachen, die zu einem tödlichen Stromschlag führen. Diese Gefahr geht von vielen Masten der eher unscheinbaren Mittelspannungsleitungen aus. Allein in Deutschland wird der Bestand gefährlicher Masten dieses Netzes auf 350.000 geschätzt - mit dramatisch hohen Verlusten zahlreicher europäischer Vogelarten. Dabei sind längst technische Lösungen für eine vogelschutzkonforme Konstruktion neuer Masten und das Nachrüsten alter Masten entwickelt worden. Das Bundesnaturschutzgesetz hat deshalb nach unzureichend eingelösten Selbstverpflichtungen der Netzbetreiber 2002 die Errichtung gefährlicher Masttypen strikt verboten. Es verlangt von den Netzbetreibern zudem die Umrüstung des Altbestandes gefährlicher Masten bis spätestens Ende 2012.

Die EGE hat die Ergebnisse den Umweltministerien in Hannover und Schwerin gesandt und an sie einen dringenden Appell gerichtet, die Netzbetreiber zum Einlösen der gesetzlichen Umrüstungspflichten anzuhalten.

Im März 2009 hatte die EGE eine Stichprobe mit ähnlichen Ergebnissen im Gebiet des Westerwaldes durchgeführt. Mit dem Ergebnis hatte sie das Umweltministerium in Rheinland-Pfalz konfrontiert - bis heute ohne eine erkennbare Reaktion. Zwar ist die gesetzlich geschuldete Umrüstung der Masten Sache der Netzbetreiber. Die Länderregierungen haben aber darüber zu wachen und darauf hinzuwirken, dass die Vorschriften des Naturschutzrechts eingehalten werden. Die Länderumweltminister müssen sich der Sache endlich annehmen und die Netzbetreiber zum Handeln bewegen.

Mit Sehbehinderung überleben - Dezember 2010

Anfang November fand Doris Siehoff in Düren den Steinkauz, den das Foto zeigt. Der Kauz saß - wie es sich für einen Steinkauz tagsüber gehört - in einer Steinkauzröhre. Einen Ring trug der Kauz nicht. Doris Siehoff hatte in derselben Röhre im Juni die vier Jungvögel beringt, die in dem Kasten aufgewachsen waren. Das rechte Auge des Kauzes wirft einige Fragen auf. Das Auge war glänzend schwarz; nur ganz außen war noch ein Rest der gelben Iris zu erkennen. Das linke Auge war normal gestaltet und wies eine zitronengelbe Iris auf. Der Kauz war in einem guten Allgemeinzustand.

Nach Angaben von Dr. Dieter Hegemann, dem das Bild vorgelegt wurde, handelt es sich wahrscheinlich um eine maximale Weitstellung der Pupille (Mydriasis) hervorgerufen von einem stumpfen Trauma mit Blutung und nachfolgender Verklebung der Iris. Solch eine extreme Weitstellung der Iris kann aber auch andere Ursachen haben.

Erfahrungen mit einem Uhu vor einigen Jahren haben gezeigt, dass eine Eule offenbar auch mit nur einem Auge in der Natur überleben kann. Veröffentlicht ist der Fall in Heft 1/2008 der Zeitschrift Charadrius (HEGEMANN, A., HEGEMANN, D. & O. KRONE: Erfolgreiche Wiederauswilderung eines einäugigen Uhus mit anschließender Brut). Vor einigen Jahren hatte Doris Siehoff einen Steinkauz gefunden, dem das komplette Auge - vielleicht infolge einer unliebsamen Begegnung mit einer Katze oder einem Marder - fehlte. Auch dieser Kauz war in einem guten Allgemeinzustand und zog sogar erfolgreich Junge auf.

Eulen, Mäuse und Mousepads - November 2010

Eulen lieben Mäuse - vielleicht auch Computermäuse. Aus diesem Grunde gibt es jetzt bei der EGE Mousepads mit Eulenmotiv für Ihren Computer. Das Mousepad hat die Maße 240 x 190 x 3 mm. Darauf zu sehen sind alle 13 Eulenarten Europas. Michael Papenberg hat sie gezeichnet. Das Mousepad ist PVC-frei und gegen eine Spende bei der EGE erhältlich. Für ein Mousepad bittet die EGE um 5 €, für fünf um 20 €. Darin sind die Versandkosten eingerechnet.

Spendenkonto der EGE: Postbank Köln
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Stichwort "Mousepad".

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Die stillen Opfer - November 2010

Bereits im März 2010 fand die EGE einen toten Uhu in geringer Entfernung eines Windparks im Landkreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Der Uhu war am 30. April 1995 nestjung in Dünstekoven im Rhein-Sieg-Kreis von der EGE beringt worden. Der Uhu wies schwere Verletzungen auf, die er sich einer erst jetzt abgeschlossenen Autopsie zufolge bei der Kollision mit einem der Rotoren zugezogen hat. Die EGE hat den Fund an die Vogelschutzwarte in Brandenburg gemeldet; sie führt die bundesweite Kartei "Vogelverluste an Windenergieanlagen in Deutschland". Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten an Windenergieanlagen getöteten Uhus auf elf.

Zu den stillen Opfern einer vermeintlich umweltfreundlichen Stromerzeugung zählt seit wenigen Tagen auch ein Kranich, den die EGE gewissermaßen im Vorbeifahren in nächster Nähe zum Windpark "Engelgau" in der Gemeinde Nettersheim im Kreis Euskirchen gefunden hat. Die Aufnahme zeigt den verunglückten Vogel. Der Kopf fehlte, die beiden Schwingen wiesen Verletzungen auf, die eindeutig von einer Rotorkollision herrühren. Auch diesen Fund hat die EGE an die zentrale Fundkartei gemeldet. Der Vogel war frisch verunglückt und gewissermaßen noch warm. Die Wahrscheinlichkeit, verunglückte Vögel zu finden, ist gering. Sie werden von Greifsäugern binnen kürzester Zeit entdeckt. Die in der Fundstatistik auftauchenden Opfer sind deshalb nur die Spitze des Eisbergs. Systematisch sucht nach diesen Opfern nur der Fuchs (der wohl auch den Kopf der Kranichs schon fortgetragen hatte).

Die Funde stehen in einem denkwürdigen Widerspruch zum forcierten Ausbau der Windenergiewirtschaft in nahezu allen Bundesländern. So bereitet beispielsweise derzeit die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen anderen nacheilend eine Öffnung des Waldes als Standort für Windenergieanlagen vor. Den Verlockungen der Branche sind mittlerweile alle politischen Parteien und Koalitionen erlegen. Die Linke macht keine Ausnahme. Die von SPD und Linke geführte Landesregierung in Brandenburg hat die Abstandsregelungen, die dort bisher zum Schutz von 31 gefährdeten Vogelarten gelten, auf den Prüfstand gestellt. Die Schutzzone von bescheidenen 1.000 Metern um Kranichbrutplätze ist dem Vernehmen nach bereits gefallen. Es geht um Klimaschutz, genauer um das Investitionsklima und das Klima im Portemonnaie der Investoren.

Anstatt sich die 2008 von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten herausgegebenen "Abstandsregelungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten" zu eigen zu machen, sind es gerade Landesverbände von NABU und BUND, die diese Abstandsregelungen aus einer Mischung von Ahnungslosigkeit und Naivität in Angeboten an die Windenergiewirtschaft unterbieten. In Hessen verkündet der Landesverband des NABU in einem Grundsatzpapier: "In EU-Vogelschutzgebieten mit einer Größe von mehr als 10.000 ha sind Windenergieanlagen möglich". Für den vermeidlichen Schutz der Atmosphäre scheint den Naturschutzverbänden kaum ein Teil der Biosphäre zu schade zu sein.

Wenn Sie die Abstandsempfehlungen der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten lesen möchten, klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 560 KB). Wir empfehlen sie gerade den Naturschutzverbänden zur Lektüre, deren satzungsgemäßes Ziel der Schutz der europäischen Vögel und ihrer Lebensräume ist.

Kein Jägerlatein - November 2010

Die wissenschaftliche Vogelberingung hat immer wieder Rätsel gelöst; sie gibt der Welt aber auch neue Rätsel auf - so etwa wenn Vögel nach unglaublich kurzer Zeit von ihrem Beringungsort beträchtlich weit entfernt wieder gefunden werden. Nicht immer haben die Vögel solche Distanzen aus eigener Kraft bewältigt. Man sollte jedenfalls die Möglichkeit nicht ausschließen, dass sie die Reise als blinde Passagiere etwa im Laderaum von Transportfahrzeugen unternommen haben.

Dass mit einer solchen Möglichkeit gerechnet werden muss, zeigt das Beispiel einer Schleiereule in Ostfriesland, die vor wenigen Tagen im Hohlraum des neuen Auricher Spül- und Saugwagens ins 240 km entfernte Wesel gereist ist. Der Wagen wurde zur turnusgemäßen Inspektion dorthin gebracht und die Schleiereule beim Öffnen der Wagenklappe in einem Hohlraum zwischen Pumpe und Einbauteilen entdeckt.

Der Vorgang ist noch in einer anderen Hinsicht bemerkenswert: Die Inspektionsarbeiten wurden zum Schutz der Eule gestoppt und ein Jäger herbeigerufen. Dabei ist eine als blinder Passagier reisende Schleiereule beileibe nicht unbedingt ein Fall für einen Jäger. Das belegt auch der Umstand, dass die Eule - wie die "Ostfriesischen Nachrichten" schreiben - in einen nahe gelegenen Wald gebracht wurde, Schleiereulen aber tatsächlich Wälder gar nicht besiedeln.

Schweiz bietet Uhus keine Sicherheit - November 2010

Die Schweiz ist offenbar kein sicheres Land für Uhus. Das zeigt eine Studie der Universität Bern im Wallis. Die Forschenden verlangen die umgehende Sanierung der gefährlichen Mittelspannungsmasten, um die einzigartige Eulenart langfristig zu schützen. Der Uhu ist die größte Eulenart Europas. Während seine Bestände in weiten Teilen Europas leicht ansteigen, stagnieren sie in der Schweiz oder sind gar rückläufig. So auch im Wallis, das eine kleine Population von etwa zehn Brutpaaren beherbergt. Während der letzten 20 Jahre blieb diese Population mehr oder weniger konstant.

Die Studie von Raphaël Arlettaz, Adrian Aebischer und Michael Schaub vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern, die in der renommierten Zeitschrift "Biological Conservation" publiziert worden ist, zeichnet ein erschreckendes Bild: Nur etwa 10 Prozent der Uhus im Wallis überleben das erste Jahr. Ein Viertel der Tiere stirbt durch Stromschlag an veralteten Mittelspannungsmasten, welche den heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr entsprechen.

Die Forschenden der Universität Bern und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach markierten junge Uhus mit Sendern und verfolgten sie nach dem Ausfliegen mittels Satellitentelemetrie. In einem zweiten Schritt entwickelten sie ein demographisches Modell, in dem die Telemetriedaten, Informationen zur Populationsentwicklung und zum Bruterfolg sowie zum Alter von tot gefundenen Individuen einflossen. Mit diesem innovativen Modell konnten alle demographischen Parameter geschätzt werden. Es zeigte sich, dass der Bruterfolg kaum vom Bruterfolg in anderen Uhupopulationen abweicht.

Hingegen ist die Sterblichkeitsrate der Jung-, wie auch der Altvögel extrem hoch - rund 40 Prozent pro Jahr. Die Population bleibt nur konstant, weil sie massive Zuwanderung aus Frankreich und Italien erhält. Ginge die Zahl der Immigranten auch nur leicht zurück, so würde die Walliser Uhupopulation in kurzer Zeit aussterben. - Das Wissen, wie elektrische Leitungen vogelsicher saniert werden können, ist schon lange vorhanden. Momentan befinden sich aber noch mehrere Tausend gefährlicher Masten in der Schweiz. Der Uhu ist dort offenbar ein Fall für das Internationale Rote Kreuz.

Naturschutz praktisch - November 2010

Für den Uhu gehen Mitarbeiter der EGE buchstäblich Wände hoch. In Steinbrüchen ist es vergleichsweise leicht, für Uhus sichere Brutplätze anzulegen. Mit schwerem Gerät müssen dort nur in ausreichender Höhe komfortable Brutnischen in den Fels gestemmt werden. Stefan Brücher von der EGE sucht daher - wie hier im Bild - nach Plätzen im Steinbruch, an denen eine solche Nische geschaffen werden könnte. Stillgelegte Steinbrüche können ideale Uhubrutplätze sein, wenn nur nicht Fossiliensammler, Klettersportler oder andere Menschen sich dort zur Unzeit am Fels zu schaffen machen. Selbst in Naturschutzgebieten kommt es deswegen immer wieder zu Brutaufgaben. Umso wichtiger ist es, für Brutplätze dort zu sorgen, wo Menschen den Uhus nicht so leicht gefährlich werden können. Die EGE hat das ruhige Herbstwetter der letzten Wochen für diese Aufgabe genutzt.

Dickkopf - Oktober 2010

Der Luftraum ist voller tückischer Hindernisse. An Leitungs- und Stacheldrähten brechen sich viele Vögel buchstäblich das Genick. Gefahren dieser Art sind in der Natur ohne Vorbild. Vögel konnten sich evolutionsgeschichtlich nicht darauf einstellen. Eine tödliche Gefahr sind auch Glasscheiben. Das gilt nicht nur für großflächig verspiegelte Gebäude, sondern auch große Fensterscheiben. Dies belegt eindrucksvoll das Foto oben, das Eilert Voss aus Emden der EGE zugesandt hat. Es zeigt den Abdruck eines Vogels, der auf eine solche Scheibe geprallt ist. Der Staub in den Federn und auf der Scheibe hat die Begegnung sichtbar gemacht.

Man könnte denken, eine Eule habe den Abdruck hinterlassen. Der große Abdruck des Kopfes legt diese Vermutung nahe. Die von Herrn Voss gemessene Länge zwischen den abgebildeten Flügelspitzen beträgt allerdings 74 cm. Einzig die Sperbereule käme unter den europäischen Eulenarten der Größe nach in Frage. Die anderen europäischen Eulenarten sind entweder deutlich größer oder deutlich kleiner. Einzelne Sperbereulen tauchen aber nur ausnahmsweise in Mitteleuropa auf, so dass an diese Art eher nicht zu denken ist.

Sehr viel wahrscheinlicher ist ein Sperberweibchen auf die Scheibe geprallt. Sperberweibchen messen von Flügelspitze zu Flügelspitze exakt 74 cm. Der Kopf hat sich beim Aufprall möglicherweise stark verzerrt abgezeichnet. Vielleicht hat der Vogel im letzten Moment den Kopf nach unten gewandt, um den Schnabel zu schützen. Der Schnabel kann bei einer solchen Kollision leicht zu Bruch gehen. Im Übrigen ist bekannt, dass Sperber bei der Verfolgungsjagd keiner Vögel mitunter mit Glasscheiben kollidieren. Die Sache ist zwar nicht so spannend wie das Rätsel um das Turiner Grabtuch, aber ein bisschen schon.

Beruhigend an der Nachricht ist immerhin, dass Eilert Voss trotz gründlicher Suche keinen toten oder verletzten Vogel gefunden hat, der Sperber also vielleicht mit einem leichten Schädeltrauma davon gekommen ist und auch große Fensterscheiben mit aufgeklebten Vogelsilhouetten für Vögel etwas sicherer gemacht werden können.

"Uhu-freie" Zeiträume existieren nicht - Oktober 2010

Auch außerhalb der Brutzeit - so wie jetzt - halten sich Uhus an den Brutfelsen auf. Dass sie dabei auch den Brutplatz aufsuchen, belegt beispielsweise die Aufnahme der Webcam vom Brutplatz in der Eifel am 14. Oktober 2010. Die Aufnahme verdanken wir der Aufmerksamkeit von Frau Dagmar Hermel.

Insofern gibt es keine Zeiträume, in denen Felsen bedenkenlos z. B. für den Klettersport freigegeben werden könnten. Im Gegenteil: Im Oktober beginnt die Herbstbalz der Uhus. Störungen in den Felsen können sich schon jetzt auf die Wahl des Brutplatzes auswirken und eine erfolgreiche Brut vereiteln. Das Bild zeigt zudem: Um Uhus zu beobachten, sollten Sie die Uhu-Webcam auf dieser Website immer wieder einmal besuchen.

Wild entschlossen - Oktober 2010

In der letzten Woche schlug in Berlin die Stunde einer ganz großen Koalition. Die Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN verabschiedeten einen mit "Biologische Vielfalt für künftige Generationen bewahren und die natürlichen Lebensgrundlagen sichern" überschriebenen Antrag. Der Deutsche Bundestag fordert darin die Bundesregierung u. a. auf - wir veröffentlichen die Aufforderungen auszugsweise im Wortlaut:

sich um einen Sitz in internationalen Umweltgremien am UN-Standort Bonn zu bewerben ... sich dafür einzusetzen, dass die Jahre von 2011 bis 2020 von der UN zur internationalen Dekade der Biodiversität ausgerufen werden ... auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt ein starkes und ambitioniertes Post-2010-Biodiversitätsziel mit messbaren Indikatoren und realistischen Zwischenzielen im strategischen Plan der Konvention verbindlich durchgesetzt wird ... sich auf europäischer Ebene konsequent und mit Nachdruck für die Umsetzung und Weiterentwicklung der UN-Biodiversitätskonvention einzusetzen ... auf nationaler Ebene die Umsetzung von Maßnahmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt konsequent und mit höchster Priorität voranzutreiben ... die bestehende nationale Strategie zur biologischen Vielfalt durch konkrete Ziele und Maßnahmen und die Verankerung des Biodiversitätsschutzes als Querschnittsaufgabe in allen relevanten Ministerien und Bundesbehörden umzusetzen ... die Prüfung bestehender und Ausgestaltung zukünftiger Gesetze und Strategien (u. a. Nachhaltigkeitsstrategie, Klimaanpassung, Biomasse Aktionsplan, Waldstrategie) auf die Vereinbarkeit mit der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt sowie mit den Maßnahmen gegen den Klimawandel, um Kohärenz sicherzustellen ... das Bundesprogramm Wiedervernetzung konsequent voranzutreiben ... gemeinsam mit den Ländern und Kommunen gezielt Maßnahmen zu ergreifen, um den Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr zu reduzieren.

Unter einem solchen wortstarken und inhaltsschwachen Antrag konnten sich die Fraktionen nur zu leicht versammeln. Die Fraktionen wissen, was die Entschiedenheit und Entschlossenheit vorgebenden Formulierungen und Floskeln wert sind. Die EGE weiß es auch.

Immerhin: Unter den Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt nennt der Antrag die Zerstörung der Lebensräume und die Übernutzung der Arten und Ökosysteme zuerst und den Klimawandel ganz zuletzt. Danke! Im Übrigen stellt der Bundestag fest: "Die Dringlichkeit der Bewahrung unserer Lebensgrundlagen ist nicht im Bewusstsein der Bürger und damit auch nicht im Alltagshandeln angekommen". Deshalb müsse "das Thema biologische Vielfalt in allen Politik- und Wirtschaftsbereichen kooperativ verankert werden". 622 dieser Bürger sind Abgeordnete des Deutschen Bundestages.

Beerdigung - Oktober 2010

Der kürzlich an einem Strommast tödlich verunglückte Uhu (siehe Meldung unten) ist geborgen worden. Es handelt sich dem Gefieder gemäß um ein mindestens vierjähriges Weibchen. Einen Ring trug der Vogel nicht. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich um das Weibchen des örtlichen Uhupaares handelt. RWE hat der EGE zugesagt, bis Mitte 2011 nicht nur diesen Mast abzubauen, sondern die gesamte Leitung unter die Erde zu legen. Die EGE wird die Sache im Auge behalten.

Theorie und Praxis - Oktober 2010

Der abgebildete Mittelspannungsmast steht etwa 1.000 m von einem Uhubrutplatz entfernt im nordrhein-westfälischen Teil der Eifel im Kreis Düren. Der Mast gehört RWE. Seit ein paar Tagen hängt ein Uhu an diesem Mast - ein neuerliches Stromopfer unzureichend entschärfter Mittelspannungsmasten. RWE hatte den Mast mit einer Sitzstange (links im Bild) versehen. Das geschah in der trügerischen Hoffnung, Vögel bevorzugten - haben sie die Wahl - den höchsten Platz. Das Bild widerlegt die graue Theorie. Der Uhu wird nun geborgen. Vermutlich trägt er einen Ring, so dass die EGE bald über Herkunft und Alter des Opfers Auskunft geben kann. Die EGE wird von RWE eine umgehende Sicherung des Mastes verlangen. Verlangt ist diese ohnehin bis Ende 2012. Die Zahl ähnlich gefährlicher Mittelspannungsmasten in Deutschland schätzen Fachleute auf 350.000. Beobachter bezweifeln, dass die Netzbetreiber die fristgerechte Umrüstung ihrer Mittelspannungsmasten ernsthaft betreiben. Die EGE wird Sie an dieser Stelle über die weitere Entwicklung des Falles informieren. Ein Einzelfall ist das nicht.

Arten als Planungshindernis - Oktober 2010

In Deutschland ist eine Reihe von Arten streng geschützt. Dank des Rechts der europäischen Gemeinschaft können diese Arten Planungsabsichten durchkreuzen. Kamm-Molche, Mopsfledermäuse, Wachtelkönige, Zauneidechsen und Steinkäuze sind solchermaßen geschützte Arten.

Ihre Vorkommen dürfen nur ausnahmsweise zerstört werden. Dann nämlich, wenn zwingende Gründe des öffentlichen Interesses die Ausnahme erfordern, zumutbare Alternativen fehlen und die Art trotz der Ausnahme in einem günstigen Erhaltungszustand verbleibt. Auch das - allerdings aus ganz anderen Gründen - die Schlagzeilen seit vielen Wochen beherrschende Bahnprojekt "Stuttgart 21" ist davon nicht ausgenommen. Die Bäume, die im Schlossgarten der Stadt gefällt werden sollen, sind möglicherweise das Quartier eines seltenen Totholz bewohnenden Käfers.

Die Not, die manche Menschen mit den Vorkommen streng geschützter Arten haben, macht offenbar erfinderisch. Gerade freut sich der Planungsausschuss einer kleinen nordrhein-westfälischen Gemeinde, dass "sich die Steinkäuze davon gemacht haben". Jetzt endlich können am Ort 30 Wohneinheiten errichtet werden. Tatsächlich haben sich die Steinkäuze allerdings nicht einfach "davon gemacht" wie die örtliche Zeitung schreibt, sondern zuvor ist ihr Brut- und Ruheplatz in einem alten Baum entfernt worden. Natürlich will es niemand gewesen sein.

Vorgänge wie diese werden praktisch aus ganz Deutschland gemeldet. Im Weser-Bergland zum Beispiel verschwand erst kürzlich spurlos ein seit Jahrzehnten von Rotmilanen genutztes und entsprechend umfangreiches Nest in einem einzeln stehenden Baum auf freier Fläche. Auf das Gelände hatte die Windenergiewirtschaft lange Zeit ihre Gewinnerwartungen gerichtet. Jetzt könnten die Investoren zum Zuge kommen.

Zwar ist das Entfernen dauerhaft genutzter Brutplätze der Rotmilane und Steinkäuze eine Ordnungswidrigkeit und unter bestimmten Umständen sogar eine Straftat, ohne Zeugen und durchgreifende staatliche Stellen indessen steht der Schutz nur auf dem Papier.

Die letzten 100 Tage - September 2010

Das Aussterben vieler Pflanzen- und Tierarten ist geplant, banal oder subventioniert. So hat der Geschäftsführer der EGE, Wilhelm Breuer, in einem Gastkommentar für die Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT) die Lage des Artenschutzes hierzulande beschrieben. Wir veröffentlichen den Beitrag aus "GDT Intern" an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung der GDT. Der Beitrag nimmt Bezug auf das Internationale Jahr der Biodiversität. In drei Monaten endet es - gewiss (dafür werden Umweltverbände und Umweltminister sorgen) nicht sang- und klanglos, aber eher erfolglos. Nicht zuletzt in Deutschland. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 56 KB), wenn Sie den Kommentar lesen möchten.

Uhubrutsaison 2010 - September 2010

Vor ein paar Tagen hat die EGE acht Uhus in die Eifel entlassen. Die Uhus, die im Frühjahr 2010 zur Welt kamen, waren in den letzten Monaten verwaist oder verletzt in die Obhut der EGE gelangt und in der Vogelpflegestation Kirchwald in Rheinland-Pfalz auf ein Leben in Freiheit vorbereitet worden.

Im Jahr 2010 brüteten 119 Uhupaare in der Eifel, davon 95 erfolgreich. Aus den erfolgreichen Bruten gingen 212 Junge hervor. Das sind 2,23 Junge je erfolgreiche Brut. Der Wert liegt damit deutlich über dem Vorjahreswert von 1,86 und auch etwas über dem langjährigen Durchschnitt. Drei Paare hatten je vier, 36 Paare je drei Junge, 36 Paare zwei Junge und 20 Paare ein Junges. Die Ernährungslage war in diesem Jahr in der Eifel erkennbar gut.

Unerfreulich hoch war mit 24 die Zahl der Brutaufgaben. Ein Teil der Brutaufgaben geht nachweislich auf Störungen an den Brutplätzen zurück – Störungen, die z. B. Hobbygeologen und Fossiliensammler in Naturschutzgebieten verursacht haben. In anderen Fällen sind die Ursachen ungeklärt.

Mit Ringen der Vogelwarten Radolfzell und Helgoland wurden 201 der 212 Jungvögel zu wissenschaftlichen Zwecken gekennzeichnet. Das Team der EGE hat hierfür mehr als 12.000 Kilometer zurückgelegt und 800 Arbeitsstunden im Gelände aufgewandt. Alle diese Arbeiten verrichtet die EGE ehrenamtlich.

Wenn Sie eine Möglichkeit sehen, diese und andere Initiativen der EGE mit Ihrer Spende zu fördern, tun Sie es bitte. Ihre Unterstützung ist herzlich willkommen. Die Fahrtkosten und die Kosten für die Pflege der über Monate versorgten Pflegeuhus schlagen schwer zu Buche. Selbstverständlich erhalten Sie eine Spendenbescheinigung zur Vorlage bei Ihrem Finanzamt. Eulen brauchen mehr als den Schutz der Dunkelheit. Sie brauchen Ihr und unser Engagement.

Alle 13 Eulenarten Europas - September 2010

Michael Papenberg hat die 13 in Europa heimischen Eulenarten gezeichnet und sie für die EGE auf einem einzigen Blatt vereint. Bitte klicken Sie hier (pdf-Datei, ca. 2,03 MB), wenn Sie das Blatt ausdrucken möchten. Falls Sie über einen entsprechenden Drucker verfügen, können Sie das Blatt auch im Format DIN A 3 ausdrucken. Über das kleine Poster freuen sich insbesondere Kinder und Jugendliche, die ihre Naturkenntnisse vertiefen möchten.

Internationales Symposium Greifvögel und Eulen - September 2010

Vom 21. bis 24.10.2010 findet in Halberstadt das 7. Internationale Symposium "Populationsökologie von Greifvogel- und Eulenarten" statt. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen e. V. wirkt an der Veranstaltung mit. Das Programm richtet sich an alle der Eulen- und Greifvogelforschung verbundenen Freizeitforscher und Wissenschaftler. Wenn Sie das Programm lesen möchten, klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 190 KB.

Konstruierte Gegensätze - August 2010

In der Rureifel ist gerade ein Stück Landesstraße nach einem Ausbau wieder für den Verkehr freigegeben worden. Naturschützer hatten dem Ausbau nur unter der Bedingung einer partiellen Geschwindigkeitsbeschränkung zugestimmt. Das kam so: Im Fels oberhalb der Straße brüten Uhus. Die Straße hatte vor dem Ausbau so viele Kurven und Schlaglöcher, dass man zwar schnell fahren durfte, nicht aber schnell fahren konnte. Das hat die Uhus vor mancher Fahrzeugkollision gerettet. Jetzt, nach dem Ausbau, könnte man zwar schnell fahren, darf es aber nicht. Jetzt gilt zum Schutz der Uhus auf ein paar hundert Metern Tempo 50.

Die Kolumnistin der "Aachener Nachrichten" gönnt in der Ausgabe vom 26. August 2010 den Uhus diese Rücksichtnahme, beklagt aber, Kinder hätten offenbar weniger einflussreiche Fürsprecher. Ihre Eltern kämpften vielerorts vergebens für eine Tempo-30-Zone.

Die EGE freut sich, sollte sie tatsächlich über den Einfluss verfügen, Tempolimits durchzusetzen. Den unterschwellig beförderten mehr vermeintlichen als tatsächlichen Gegensatz, Uhus seien hierzulande besser geschützt als Kinder, weist die EGE allerdings zurück. Gegensätze dieser Art bewegen immer wieder die Politik, etwa wenn aus Gründen des Naturschutzes Straßen bestimmte Abstände zu Schutzgebieten einhalten müssen, dieselbe Straße aber nahe an Wohngebiete herangeführt wird. Insofern ist der von der Aachener Zeitung kommentierte Fall so selten nicht. Deshalb veröffentlichen wir hier auch die Reaktion, welche die EGE der Zeitung hat zukommen lassen:

Die Geschwindigkeitsbeschränkung soll Uhus das Leben retten. Und zugleich kommen anderenorts Kinder im Straßenverkehr ums Leben - häufig deswegen, weil zu schnell und rücksichtslos gefahren wird. Gegen eine Geschwindigkeitsbeschränkung für Uhus spricht das nicht. Kinder und Uhus sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Bei den Uhus und jeder anderen Tierart, die in einer automobilen Gesellschaft unter die Räder kommt, ist es doch so: Bewusst gestalten kann nur der Mensch - in einem demokratischen Staat z. B. mit seiner Wahlentscheidung. Bis zu einem gewissen Grad können Menschen reale Gefahren auch in ihr Handeln einbeziehen und z. B. Gefahren meiden. Auf die Uhus im Rurtal trifft dies alles nicht zu: Uhus sind von der Mitwirkung an politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Sie haben in keinem Parlament Sitz und Stimme. Wer hätte jemals von Uhus gehört, die eine Bürgerinitiative gegründet oder eine Unterschriftenaktion angezettelt hätten. Vor allem fehlt Uhus trotz aller den Eulen zugeschriebenen Weisheit der Verstand. Dass Autos gefährlich sind, kriegen sie partout nicht in den Kopf. Allein auf Straßen in der Eifel verunglücken deswegen nach Expertenschätzung jährlich mehr als 50 Uhus. Das ist ein Viertel der Uhus, die dort in einem Jahr zur Welt kommen. Und deswegen sind Uhus kraft Gesetz für Staat und Bürger gewissermaßen Schutzbefohlene - wenigstens in dem einzigen Schutzgebiet Nordrhein-Westfalens weit und breit, in dem Uhus geschützt sein sollen.

Die Geschwindigkeitsbeschränkung hilft aber auch den Kindern: Sie bewahrt ihre Väter und Mütter vor einem für beide Seiten - Mensch und Uhu - riskanten Zusammenprall mit Karosserie oder Windschutzscheibe. Zudem: Eine Welt, in der Menschen Uhus schützen, ist einer Menschenwelt vorzuziehen, in der Uhus schutzlos sind. Der Schutz der Uhus ist ein Beitrag zu einer ansatzweise heileren Welt, auf die vor allem Kinder einen Anspruch haben. - In der Eifel sind in den letzten Jahren viele Straßen neu- und ausgebaut worden. Vielleicht gewinnt auch deswegen der Tourismus dort nicht so recht an Fahrt. Man ist zwar rasch dort, aber auch schnell wieder fort.

Zehn plus eins - August 2010

Die Zahl der nachweislich an Windenergieanlagen verunglückten Uhus ist auf zehn gestiegen. Das ist der im August 2010 aktualisierten zentralen Fundkartei "Vogelverluste an Windenergieanlagen in Deutschland" zu entnehmen. Die von der Staatlichen Vogelschutzwarte im Landesumweltamt Brandenburg geführte Statistik weist für Thüringen und Nordrhein-Westfalen je vier, für Baden-Württemberg und Brandenburg je einen toten Uhu aus. Die Datei umfasst u. a. 53 Seeadler, 150 Mäusebussarde, 133 Rotmilane, 16 Schwarzmilane, 39 Turmfalken, drei Wanderfalken, vier Baumfalken, vier Schleiereulen, fünf Waldohreulen und zwei Sumpfohreulen.

Nach Einschätzung von Sachverständigen ist dies nur die Spitze eines Eisberges. Die tatsächliche Höhe der Verluste liegt im Dunkeln, weil nahezu nirgends die Anlagenstandorte auf Vogelverluste hin untersucht werden und die Opfer von Beutegreifern schnell abgeräumt werden. Die Chance, in der dichten Vegetation verunglückte Kleinvögel zu finden, ist besonders gering. Dennoch: Aufgefunden wurden auch 47 Feldlerchen, 35 Mauersegler, 14 Neuntöter, 20 Grau- und 16 Goldammern. Die Zahlen wurden nahezu ausschließlich in Brandenburg ermittelt. Systematische Kontrollen finden außerhalb Brandenburgs kaum statt.

Während nur noch eine Minderheit der für die Windenergiewirtschaft arbeitenden Gutachter die besondere Gefährdungssituation des Rotmilans an Windenergieanlagen bestreitet, wird das Kollisionsrisiko für Uhus eher unterschätzt. Zu Unrecht: Die Zahl der an Windenergieanlagen tödlich verunglückt aufgefundenen Uhus beträgt zwar lediglich zehn. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass der Uhubestand in Deutschland nur etwa ein Zehntel des Rotmilanbestandes beträgt. Insofern ist das Kollisionsrisiko für Uhus vermutlich ähnlich hoch wie für Rotmilane.

Einen Uhu, den die EGE unlängst mit Knochenbrüchen tot in der Nähe von Windenergieanlagen in der Eifel aufgefunden hat, enthält die Statistik noch nicht. Die EGE möchte zunächst den Obduktionsbericht abwarten. Vogelschützer sollten nicht nur nach lebenden Vögeln schauen, sondern gezielt den Nahbereich von Windenergieanlagen auf Vogelverluste hin kontrollieren und Verluste an Tobias Dürr im Landesumweltamt Brandenburg melden.

Nach Auffassung der EGE sollten die Naturschutzverbände endlich einen angemessenen Standpunkt gegenüber dem massiven Ausbau der Windenergiewirtschaft einnehmen, die realen Gefahren dieser Industrie nicht länger verharmlosen und den Beitrag der Branche zur Energieversorgung realistisch einschätzen. An die Stelle der Verklärung müsse Aufklärung treten.

Die Idealisierung der Windenergiewirtschaft ist nicht zuletzt das Werk der Naturschutzverbände und eines Medienbetriebs, der mehr und mehr auf Fakten und Recherche verzichtet. Der Beitrag von Stefan Dietrich vom 19.08.2010 in der nicht im Geringsten ökologisch oder ökologistisch ausgerichteten Frankfurter Allgemeinen Zeitung hebt sich als Ausnahme aus der Medienberichterstattung ab. Der Autor kommentiert die "Energiereise" der Kanzlerin. Sein Fazit: Die Natur werden wir bald nur noch aus Gedichten kennen. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten: Erneuerbare Energiequellen: Nicht klein, nicht schön.

Dem Uhu auf der Spur - August 2010

"Häuptling Federohr", so überschreibt Judith Hecker ihren Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Wild und Hund", die am 05. August 2010 erschienen ist. Die Autorin hat den Vorsitzenden der EGE, Stefan Brücher, beim Uhuberingen begleitet. Das Ergebnis ist ein ebenso informatives wie kurzweiliges Uhuporträt und zugleich ein Bericht über die Arbeit der EGE. Wir veröffentlichen den Titelbeitrag des Heftes an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung von "Wild und Hund". Die Zeitschrift ist das meistgelesene deutschsprachige Jagdmagazin. Die Wiederansiedlung des Uhus in Deutschland und anderen Teilen Europas beruht nicht zuletzt auf der Einsicht und Unterstützung vieler Jäger. Der Uhu war zuvor als Beutegreifer massiv verfolgt worden. Heute weiß man, dass Uhus nicht zum Aussterben etwa von Hasen, Kaninchen oder Rebhühnern beitragen, sondern um die Rolle der Uhus für vitale Niederwildbestände.

Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 1,30 MB), wenn Sie den Beitrag lesen möchten.

Saubere Windenergie. Oder: "Luja, sag’ i" - August 2010

Die EGE ist weit davon entfernt, Sozialneid zu schüren, beobachtet aber eine beispiellose Rücksichtslosigkeit, mit der sich die Windenergiewirtschaft auch an solchen Standorten durchsetzt, an denen sie aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht zugelassen werden dürfte. Die Öffentlichkeit verbindet das Wachstum der Branche in gläubiger Erwartung mit einem Beitrag zum Klimaschutz. In Wirklichkeit bewegt die Branche der wirtschaftliche Gewinn. Zum Beispiel wird das Vermögen des Chefs der Firma Enercon, Aloys Wobben, mit 3,5 Milliarden Dollar angegeben. Enercon stellt Windenergieanlagen her, vertreibt und betreibt sie auch. Der 58jährige Unternehmer steht auf der aktuellen Forbes Liste der deutschen Milliardäre auf Rang 22, weltweit auf Platz 258. Herkunft des Vermögens: Windenergie, das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz und alle Stromkunden.

Ins Bild gesetzt - August 2010

In diesem Jahr gibt es mehr Feldmäuse als in den beiden Vorjahren. Die wenigen Schleiereulen, die den letzten Winter überlebt haben, brüten deshalb offensichtlich ganz erfolgreich und mancherorts sogar ein zweites Mal. Ein bemerkenswert detailgenaues Bild von "seinen" Schleiereulen im Osnabrücker Land hat uns Jannes Bludau gemalt. Im letzten Winter hatte der achtjährige Jannes eine auf dem Dachboden lebende einzelne Schleiereule mit Mäusen aus dem Zoogeschäft versorgt und so der Eule über den Winter geholfen. In diesem Jahr schlüpften sieben junge Eulen.

Schlag auf Schlag - Juli 2010

Die Windenergieanlagen im ostfriesischen Landkreis Aurich, denen eine tote Wiesenweihe, zwei verschwundene Wiesenweihen und einige Beinahe-Kollisionen mit Wiesen- und Rohrweihen angelastet werden, drehen sich weiter. Jedenfalls dann, wenn der Wind weht. Aus einem anderen Windpark in der unmittelbaren Nachbarschaft der Anlagen meldet die Arbeitsgemeinschaft Wiesenweihenschutz am 24. Juli 2010 auf ihrer Website ein weiteres Todesopfer: eine Rohrweihe. Zudem mehren sich die Berichte über riskante Annäherungen von Weihen auch aus anderen Windparks. Der Windenergiewirtschaft nahe stehende Gutachter und Vogelschützer hatten ein Kollisionsrisiko für die beiden Weihenarten weitgehend ausgeschlossen. Dass diese Experten ihre Position inzwischen überdacht haben könnten, ist der EGE nicht bekannt.

Steinkauz-Brutsaison 2010 - Juli 2010

Die Kölner Bucht ist eines der Dichtezentren des Steinkauzes in Deutschland. Hier liegt das Projektgebiet der EGE zum Schutz des Steinkauzes. Es umfasst die nordrhein-westfälischen Kreise Düren und Euskirchen. Die Hauptverantwortung für dieses Projekt tragen im Kreis Euskirchen Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller sowie im Kreis Düren Doris Siehoff. Personelle Unterstützung erhielten sie vor allem von Stefan May, Achim Schumacher, der Biologischen Station des Kreises Düren sowie Mitarbeitern der Arbeitsgruppe Steinkauzschutz der katholischen Pfarrgemeinde in Kerpen-Buir.

Insgesamt wurden in diesem Jahr in den beiden Kreisen 203 besetzte Reviere und 152 Bruten festgestellt. Während im Kreis Euskirchen wie schon in den Vorjahren alle Reviere erfasst wurden, war es im Kreis Düren nur eine Teilmenge. Im Kreis Euskirchen sank die Zahl der besetzten Reviere geringfügig. Einer relativ hohen Zahl verwaister Reviere standen dort 9 Neubesiedlungen und eine Wiederbesiedlung gegenüber. Im Kreis Düren erhöhte sich die Zahl der festgestellten Reviere, auch wenn einige Reviere verwaist blieben. Der Zuwachs ist allerdings im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass hier auch Bereiche bearbeitet wurden, die in den Vorjahren unberücksichtigt geblieben waren.

Im Kreis Euskirchen verliefen 65 der Bruten erfolgreich. Im Kreis Düren mindestens 59. Das sind zusammen 124 erfolgreiche Bruten. Beringt wurden die Jungen von 104 Bruten, nämlich 341 junge Steinkäuze. Zudem wurden 23 Altvögel, die bei den Kontrollen in den Brutröhren angetroffen wurden, beringt.

Im Durchschnitt lag die Zahl der Jungen je beringter Brut 2010 bei 3,28. Im Vorjahr lag der Wert nur bei rund 2,5. Die Zahl der registrierten Jungvögel liegt sogar um 65 Prozent über der Vorjahrszahl. Dass es eine für Käuze überdurchschnittlich gute Brutzeit war, zeigen die Ergebnisse aus dem Kreis Euskirchen mit über den Jahren gleicher Bearbeitungstiefe: Dort wurden 204 Jungvögel beringt; im Vorjahr nur 132. Das ist ein Zuwachs von mehr als 50 Prozent.

Zu Beginn der Brutzeit hatte sich die Feldmauspopulation erholt. Die lange geschlossene Schneedecke war den Mäusen offensichtlich gut bekommen. Die Käuze, die den ungewöhnlich strengen Winter 2009/10 überlebt hatten, fanden also günstige Verhältnisse vor. 22 Paare zogen je 5, 6 Paare zogen sogar je 6 Junge auf. Gleichwohl lassen große Unterschiede in der Jungenzahl der einzelnen Bruten, 26 Brutaufgaben und in einigen Fällen unterversorgte oder tote Jungvögel auf ein örtlich sehr unterschiedliches Nahrungsangebot schließen. Zu Brutausfall oder Brutaufgabe kam es insbesondere dort, wo es dem Grünland an Beweidung oder Mahd fehlte.

Aus dem Kreis Euskirchen liegen auch Informationen über den Altersaufbau der Population vor: Das Durchschnittsalter der festgestellten beringten Altkäuze - das ist immerhin etwa ein Viertel der Brutvögel - betrug 2,9 Jahre. Im Vorjahr hatte es bei nur 2,13 und 2008 bei 3,46 Jahren gelegen.

Wie in den Vorjahren kam es auch 2010 zu einigen merkwürdigen Begegnungen von Mensch und Kauz, so etwa in einem Dorf in der Eifel. Die Bewohner hatten einen Kauz aufgegriffen, der auf einen Apfelbaum zu klettern versuchte. Die EGE erfuhr davon und fand an Ort und Stelle im Gras zwei weitere junge Käuze. Ihnen war es im hohlen Baumstamm zu unbehaglich geworden, weil in das Nest eine ganze Menge Mulm gerieselt war, welche die Jungen zu verschütten drohte. Das kommt bei Bruten in morschen Baumstämmen immer wieder vor. Die Altvögel hatten die vier Wochen alten Jungen aber am Fuße des Baumes ausweislich einer kopflosen Maus weiterversorgt. Die drei wurden dann zum Schutz vor Dorfkatzen und Krähen mitsamt der Maus in einen eigens für sie angebrachten Nistkasten am selben Baum umgesiedelt - mit Akzeptanz der Alten.

Erneut erwiesen sich Viehtränken als Kauzfallen. Zwei junge und ein alter Kauz ertranken darin. Mit einem schräg in die Tränke gestellten Kantholz lassen sich solche Verluste leicht vermeiden. Es bedarf deshalb immer wieder einer Aufklärung und Bitte an die Tierhalter.

Viehtränken, Regentonnen und Kamine sind keineswegs die einzigen Gefahren für den Kauz. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft vollzieht sich weiterhin zu Lasten von Weidevieh und Grünlandwirtschaft. Der Maisanbau für Energie- und Futtermais verdrängt das Grünland. Eine Chance hat der Kauz am ehesten in Jahren, in denen es viele Mäuse gibt. Dieses Jahr ist ein solches Jahr. Auf solche Jahre wird sich der Kauz allerdings nicht verlassen können. Er braucht zum Naturschutz bereite Landwirte und die Landwirte wiederum agrarwirtschaftliche Rahmenbedingungen, in denen der Naturschutz einen angemessenen Stellenwert einnimmt. Das verlangt eine angemessene Honorierung von Naturschutzleistungen. Angesichts der den Erzeugern von Milch und Fleisch gezahlten Spottpreise - beispielsweise im Preisvergleich mit Mineralwasser oder Benzin - ist in dieser Hinsicht nicht viel zu erwarten. Zwar trifft es zu, dass die einzelnen landwirtschaftlichen Unternehmen ohne nennenswerte Einbußen mehr für den Naturschutz tun könnten. Aber für einen durchgreifenden Wandel in der Agrarlandschaft braucht es mehr als die Mobilisierung des guten Willens.

Wie ernst die Lage tatsächlich ist, zeigt eine repräsentative Stichprobe in 40 Dörfern im Kreis Düren. An den Stellen, wo die EGE im Frühjahr 1991 noch 100 rufende Steinkauzmännchen registriert hatte, fand die EGE im Frühjahr 2010 bei Anwendung derselben Untersuchungsmethoden nur noch 53. Das ist ein Rückgang um beinahe 50 Prozent in weniger als 20 Jahren.

Tod im Weinberg - Juli 2010

Uhus leben gefährlich. Das belegt ein Fund aus einem Weinberg an der Mosel. Über den Weinstöcken verläuft auf einer Hochbrücke die Autobahn A 61, im Tal eine Bahnstrecke mit Bahnstromleitung. Die Steillage im Bild ist ein traditioneller Brutplatz der Uhus. Die Uhus haben es gar zu einer Lagenbezeichnung gebracht: „Winninger Uhlen“, heißt der Ort. Verkehr oder Stromleitung wurden Ende Juni einem der Uhus nun offensichtlich zum Verhängnis (im Bild oben). Die EGE hatte an derselben Stelle erst kürzlich drei junge Uhus beringt (im Bild unten). Der tote Uhu ist vermutlich einer der Elternvögel. Für die Jungen ist dies eine ernste Situation, weil ein Altvogel allein möglicherweise nicht genügend Nahrung für sie herbeischaffen kann.

Aufgrund ähnlicher Umstände werden zurzeit zehn Eifel-Uhus in der Wildvogel-Pflegestation Kirchwald medizinisch und in jeder Hinsicht versorgt. Ein Uhu beispielsweise wurde bei Wittlich geschwächt von der Polizei gefunden. Ein anderer Uhu hat eine Flügelverletzung, die noch heilen muss. Im idyllischen St. Goar am Rhein saß ein junger Uhu direkt neben den Bahngleisen. In Mayen hätten sich beinahe Hunde über zwei Uhus hergemacht. In einem anderen Fall war ein junger Uhu in einem Steinbruch in eine Halle geraten und von den Eltern nicht mehr gefüttert worden.

Die EGE arbeitet seit vielen Jahren mit der Wildvogel-Pflegestation Kirchwald zusammen. Dort erhalten die Uhus eine umsichtige medizinische Versorgung, Nahrung und das notwendige Training für eine erfolgreiche Entlassung in die Natur. Etwa 500 Euro betragen diese Kosten für einen Uhu. Die Kosten müssen aus Spenden finanziert werden. Die Pflegestation und die EGE würden sich über eine entsprechende Zuwendung freuen. Vielleicht möchten Sie auch eine Patenschaft für einen der zehn vorläufig gestrandeten Uhus übernehmen. Schreiben Sie in diesem Fall einfach an die EGE oder die Wildvogel-Pflegestation Kirchwald.

Sponsoren gesucht - Juli 2010

Die EGE hat ein Faltblatt vorbereitet, welches für den Schutz der Sumpfohreule an der Nordseeküste werben soll. Nach der Zerstörung der Feuchtgebiete zählt die Sumpfohreule zu den seltensten Brutvogelarten Mitteleuropas. In Mitteleuropa ist der Brutbestand mit 70 bis 130 Paaren lediglich auf den west- und ostfriesischen Inseln im Wattenmeer noch stabil und mit Abstand das wichtigste Brutvorkommen der Art in Mitteleuropa. In ganz Deutschland brüten selbst in guten Wühlmausjahren höchstens 175 Paare. Auch als Durchzügler und Wintergast ist sie viel seltener zu beobachten als in früheren Jahrzehnten. Das Faltblatt soll die Reihe der EGE-Artenschutz-Informationen vervollständigen und insbesondere dort eingesetzt werden, wo Sumpfohreulen noch beobachtet werden können: In Norddeutschland.

Bitte unterstützen Sie den Druck einer ersten Auflage mit einer Spende! Interessenten können den vollständigen Entwurf des Faltblattes bei der EGE anfordern. Ab einer Spende von 250 € stellt die EGE Ihre Unterstützung im Impressum des Faltblattes heraus. Bei Interesse schreiben Sie bitte der EGE oder rufen Sie einfach an.

Wiesenweihen verschwunden - Juli 2010

Das Drama der in einem Windpark im ostfriesischen Landkreis Aurich brütenden Wiesenweihen setzt sich fort. Die EGE hat über die Geschichte berichtet. Seit Ende Juni fehlt von den beiden Wiesenweihenmännchen jede Spur. Das Männchen eines dritten Brutpaares war bereits am 16. Mai 2010 an einer der Anlagen ums Leben gekommen. Seitdem hatte die Arbeitsgemeinschaft Wiesenweihenschutz in Ostfriesland zahlreiche gefährliche Annäherungen an die Anlagen dokumentiert. Die beiden Weibchen müssen jetzt je vier Jungvögel alleine versorgen. Normalerweise ist das Sache der Männchen.

Was mit den beiden Männchen geschehen ist, lässt sich leicht erahnen, schreibt die Arbeitsgemeinschaft auf ihrer Website. Dass tote Vögel in den Getreide- und Rapsfeldern außer von Beutegreifern nicht gefunden werden, ist nicht verwunderlich.

Ob die Jungen angesichts des Ausfalls flügge werden, ist fraglich. Auch günstigen Falls bleibt die Lage prekär. Die Jungen müssen danach alles lernen, was sie zu selbständigen Vögeln macht: Fliegen, Beute fangen und übergeben, bevor sie sich zu ihrer ersten Reise nach Afrika aufmachen. Und dies in einer Umgebung, die sich selbst für die erfahrenen Altvögel als todbringend herausgestellt hat.

Der zuständige Landkreis hat es bis heute nicht geschafft, ein zeitlich befristetes Abschalten der Anlagen durchzusetzen. In Niedersachsen brüten lediglich 100, im westlichen Ostfriesland nur 10 bis 15 Wiesenweihenpaare.

Die Rücksichtslosigkeit, mit der sich die Windenergiewirtschaft selbst in den Lebensräumen gefährdeter Vogelarten nach wie vor durchsetzt, ist nicht allein die Schuld von Politik und Verwaltung, sondern auch das Ergebnis einer geradezu naiven Haltung der großen Naturschutzverbände. Sie verharmlosen das Kollisionsrisiko der Vögel in demselben Maße wie sie den Einfluss von Windenergieanlagen für eine umweltfreundliche Stromversorgung überschätzen. Die Windenergie genießt dort einen Ruf, den sie nicht verdient.

Mobilfunk auf dem Kirchturm? - Juli 2010

Turm und Dachstuhl von Kirchen sind vielerorts tradierte Brutplätze von Schleiereulen, Turm- und Wanderfalken, Dohlen, Mauerseglern sowie Sommerquartiere oder Wochenstuben verschiedener Fledermausarten. In seltenen Fällen brüten dort sogar Uhus. Zugleich sind diese Gebäude ein begehrter Standort für Mobilfunkanlagen. Die von den Betreibern gezahlte Miete führt manche Kirchengemeinde in Versuchung.

Die Wirkungen der von den Anlagen ausgehenden elektromagnetischen Felder sind nicht zweifelsfrei erforscht. Die Frage möglicher Risiken wird vielmehr kontrovers diskutiert. Das Feld der elektromagnetischen Felder ist gewissermaßen ein weites Feld. Eine 2002 veröffentlichte und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Schrift mit dem Titel "Mobilfunk auf dem Kirchturm?" fasst das momentan verfügbare Wissen zum Thema zusammen und versteht sich als Entscheidungshilfe für Kirchengemeinden. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 1,12 MB), wenn Sie die Studie lesen möchten.

Das eindeutige Votum der Autoren lautet: Kirchtürme und kirchliche Dachböden, in denen Eulen, Falken, Dohlen, Fledermäuse oder andere geschützte Arten zu Hause sind, sollten für Mobilfunksendeanlagen tabu sein.

Erfreulicherweise haben sich eine Reihe von Landeskirchen, Bistümern und Kirchengemeinden diesen Standpunkt zueigen gemacht. Sie geben damit nicht nur ein Zeichen für die Erhaltung der Schöpfung, sondern setzen damit auch der beispiellosen Kommerzialisierung, die beklagenswerter Weise auch die Kirche erfasst hat, eine Grenze. Neben nicht hinreichend erforschter Wirkungen elektromagnetischer Felder sprechen hier für einen Verzicht auf Anlagen schon die mit Montage und Wartung der Anlagen verbundenen Störungen an den Fortpflanzungs- und Ruheplätzen der Tiere.

Dass der Schutz Gebäude bewohnender Vögel und Fledermäuse vor eventuellen Auswirkungen von Mobilfunkanlagen eine stärkere Beachtung verdient, meint z. B. auch der Landesverband Thüringen des Naturschutzbundes Deutschland, auf dessen Anregung hin die EGE auf das Thema hinweisen möchte.

Preußens Glanz und Gloria - Juli 2010

Seltsame Informationen erreichen die EGE aus Brandenburg. In einer regelrechten Offensive will die Landesregierung der Windenergiewirtschaft zu neuen Aufstellungsflächen verhelfen. Die bisher errichteten 3.000 Anlagen genügen der Regierung nicht. Für mehr Anlagen hat sie die bewährten Regelungen auf den Prüfstand gestellt, die bisher einen Schutz seltener Vogelarten sichern sollten. Geprüft werde auch die Verringerung der Abstände zum Schutz der Sumpfohreule sowie von Rohr-, Korn- und Wiesenweihe, heißt es in einem Papier des Umweltministeriums. Alles im Namen des Klimaschutzes.

Tatsächlich geht es vor allem um das Investitionsklima im Land und das Klima auf den Konten der Investoren. Mit von der Partie: Die Landesverbände von BUND und NABU. In einer gemeinsamen Stellungnahme hatten sie der Landesregierung die Vorlage geliefert und sich für einen vollständigen Verzicht von Abstandskriterien u. a. für Sumpfohreulen, Baumfalken, Kranich-Brutplätze und einzelne Vorkommen der Wiesenweihe ausgesprochen.

Die EGE kritisiert die Haltung der beiden Verbände. Es sei schon ein bemerkenswerter Vorgang, dass die von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten in Deutschland beschlossenen Abstandsempfehlungen ausgerechnet von Naturschutzverbänden in Frage gestellt werden, deren satzungsgemäße Aufgabe der Schutz seltener Vogelarten ist. Das Umweltministerium hat bereits angekündigt, dass z. B. auch die Vorschriften zum Schutz des Landschaftsbildes von einer Überprüfung nicht ausgenommen bleiben können. Für den Schutz des Landschaftsbildes vor Windenergieanlagen setzen sich viele Naturschutzverbände schon lange nicht mehr ein.

Die Anwälte der Gegenseite - Juni 2010

Der 3. Deutsche Baugerichtstag, der vom 07. - 08. Mai im westfälischen Hamm stattfand, und seine mehr als 600 Teilnehmer haben nur vordergründig nichts mit Eulen zu tun. Tatsächlich wurden dort weit reichende Forderungen nach einer Neuordnung des Baurechts vorgetragen, die nur als ein massiver Angriff auf den Naturschutz verstanden werden können. In einem Arbeitskreis "Öffentliches Recht" kamen Forderungen zum Vortrag, die im Durchsetzungsfall die Lage des Natur- und Artenschutzes drastisch verschlechtern würden.

Bei der Veranstaltung taten sich in diesem Sinne insbesondere der Vertreter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Norbert Portz, Ministerialdirektor a. D. Prof. Dr. Michael Krautzberger und der Rechtanwalt Prof. Dr. Bernhard Stüer hervor.

Während Krautzberger, der bereits in den 1990er Jahren im Bundesbauministerium erfolgreich für einen Abbau naturschutzrechtlicher Anforderungen gearbeitet hatte, Eingriffsregelung, Landschaftsplanung und nationales Artenschutzrecht in Frage stellte, forderte Portz als Antwort auf die Auswirkungen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise unverhohlen einen generellen und ersatzlosen Verzicht auf einen Eingriffsausgleich. Stüer möchte die Eingriffsregelung zwar nicht abgeschafft sehen, eine vollständige Kompensation von Schäden an Natur und Landschaft solle allerdings überall unter Abwägungsvorbehalt gestellt werden. Seit 1993 steht die Kompensation nur bei bauleitplanerisch vorbereiteten Eingriffen unter einem solchen Vorbehalt.

Die Forderungen zielen vor allem auf eine Beschränkung des Naturschutzrechts auf seinen europarechtlich normierten Kern; sie liegen insofern ganz im neoliberalen Trend. Welche Bedeutung diese Forderungen auch für den Schutz einheimischer Eulen haben, zeigt sich beispielhaft beim Steinkauz. Er besiedelt insbesondere das mit alten Obstbäumen bestandene Grünland in der Peripherie der Ortschaften. Die Inanspruchnahme solcher Flächen für neue Baugebiete kann an den Bestimmungen des Naturschutzrechts scheitern oder zumindest Ausgleichsmaßnahmen nach sich ziehen. Die finanziellen Aufwendungen für naturschutzrechtlich verlangte Ausgleichsmaßnahmen bewegen sich zumeist deutlich unter 5 Prozent bezogen auf die Kosten für Planung und Ausführung des Eingriffs. So gesehen bewegen sich die Aufwendungen gewissermaßen auf dem Niveau der Aufwendungen für "Kunst am Bau".

Dass sich beim Baugerichtstag jemand für die Stärkung des Naturschutzes ausgesprochen hätte, wurde nicht überliefert. Naturschutzbehörden und -verbände sind währenddessen mit heiteren, aber belanglosen Aktionen zum Internationalen Jahr der Biodiversität vollauf beschäftigt.

Steinkauzsaison vor Abschluss - Juni 2010

Die diesjährige Aufzuchtzeit der Steinkäuze neigt sich dem Ende zu. Im Projektgebiet der EGE in der Kölner Bucht werden gerade die letzten Jungvögel von den beiden EGE-Teams beringt. Nach dem harten Winter hatte die EGE mit deutlich weniger Brutpaaren gerechnet. Die Verluste scheinen sich aber in Grenzen zu halten. Dank einer wieder etwas gewachsenen Mäusepopulation und des günstigen Witterungsverlaufs während der Brutzeit sind die Gelege tendenziell etwas größer und die Verluste unter den Jungvögeln etwas geringer als im Vorjahr. Über die tatsächlichen Ergebnisse wird die EGE im Juli an dieser Stelle berichten.

Sofern Sie eine Patenschaft für einen jungen Steinkauz abschließen möchten, wenden Sie sich bitte rasch an die EGE. Nähere Informationen über den Abschluss einer solchen Patenschaft finden Sie unter www.egeeulen.de/inhalt/patenschaften.

Wahrscheinliche Todesursache: Barotrauma - Juni 2010

Am 16. Mai 2010 wurde an einer Windenergieanlage in Ostfriesland eine tote Wiesenweihe aufgefunden (die EGE berichtete). Dem Obduktionsbericht zufolge wies der Vogel keinerlei Frakturen oder Organverletzungen auf. Aus Nase und Schnabel ausgetretenes Blut sowie blutige Lungen sprechen vielmehr dafür, dass der Vogel an einem Barotrauma gestorben ist. Dieses wird durch den plötzlichen Luftdruckabfall in Rotornähe verursacht, in dessen Folge die Lunge implodiert. Ein tödlicher Unfall setzt insofern nicht unbedingt eine Kollision mit dem Rotor voraus, sondern bereits eine Annäherung kann tödlich sein.

Dass es in dem betreffenden Windpark in Ostfriesland nahezu täglich zu gefährlichen Annäherungen und Beinahekollisionen kommt, hat der Arbeitskreis Wiesenweihenschutz-Ostfriesland aktuell auf seiner Website dokumentiert.

Diesem Arbeitskreis ist die Dokumentation und Untersuchung des Falles zu danken. Der Fall deutet möglicherweise auch daraufhin, dass Windenergieanlagen von Weihen je nach Anlagengröße unterschiedlich wahrgenommen werden. Der Austausch kleiner gegen große Anlagen ist möglicherweise mit größeren Problemen für diese Arten verbunden, als bisher angenommen wurde. Die Diskussion um das so genannte "Repowering" wird um diese Aspekte zu ergänzen sein.

Nach Auffassung der EGE wäre es nunmehr dringend geboten, die betreffenden Anlagen in Ostfriesland wenigstens bis zum Ende der Brutzeit während der Tagesstunden abzustellen und aus dem Fall Konsequenzen für das behördliche Handeln überall in Deutschland zu ziehen. Zu klären wäre, ob ein Abschalten der Anlagen in begründeten Fällen entschädigungslos vom Anlagenbetreiber verlangt werden kann und ein Weiterbetrieb der Anlagen bei einem weiteren belegten Todesfall artenschutzrechtliche Verbotstatbestände erfüllt oder auch die Sanktionen des Umwelthaftungsrechts greifen.

Es ist bedauerlich, dass die Naturschutzbehörden offenkundig nicht im Stande sind, diese wichtigen Aspekte zügig zu prüfen und entsprechende Maßnahmen zu treffen. Die Naturschutzbehörden sind eher nur Chronisten der Vorgänge. Die Märkische Zeitung beispielsweise zitierte am 14. Juni den Leiter der Vogelschutzwarte des Landes Brandenburg: "Jedes Jahr sterben in Brandenburg mehrere tausend Vögel durch die Kollision mit Windkraftanlagen. Das seien nur Hochrechnungen, weil nicht jeden Tag alle 3.000 Anlagen im Land abgesucht werden könnten". Betroffen seien besonders Greifvögel wie Mäusebussarde, Rotmilane und Seeadler. Die Zahl der Kollisionsopfer werde voraussichtlich noch zunehmen, denn die Landesregierung wolle den Ausbau steigern.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Albrecht Jacobs - Juni 2010

Am 10. Juni 2010 ist Albrecht Jacobs im niedersächsischen Stadtoldendorf 70 Jahre alt geworden. Der Jubilar ist Uhuschützer der ersten Stunde. Seine Bemühungen um den Schutz des Uhus im Weserbergland reichen mehr als 40 Jahre zurück. Damals tauchte nach jahrzehntelanger Abwesenheit ein einsam rufendes Uhumännchen an der Weser auf. Für Albrecht Jacobs war es der Beginn einer bis heute ungebrochenen Begeisterung für Europas größte Eule. Zu dieser Zeit stieß Albrecht Jacobs zur damaligen "Aktion zur Wiedereinbürgerung des Uhus", aus der die "Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen" hervorging. A. Jacobs war der Hauptverantwortliche dieser Aktion für Niedersachsen. Dort hatte der Diplom-Ingenieur aufgrund seines technischen Wissens, mit Umsicht und pädagogischem Geschick viel zur Umrüstung der für Uhus gefährlichen Mittelspannungsmasten beigetragen, Steinbruchbetreiber und Öffentlichkeit für den Schutz von Uhulebensräumen gewonnen und die Rückkehr der Uhus vorbereitet.

Für dieses Engagement verlieh ihm der Bundespräsident 2006 das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland am Bande. Bis heute ist Albrecht Jacobs ein Motor für den Vogelartenschutz in der Region und ein geschätzter Sachverständiger auch für die Naturschutzbehörden. Die EGE ist glücklich über den Mitarbeiter in ihren Reihen und wünscht ihm und seiner Frau Edeltraud Gesundheit und die erfolgreiche Fortsetzung des Einsatzes für die gemeinsame Sache. Die Uhus im Weserbergland schließen sich gewiss an.

Nachwuchs - Juni 2010

Familie Bludau in Bissendorf im Osnabrücker Land freut sich über Schleiereulennachwuchs. Sieben junge Schleiereulen wachsen auf dem Dachboden heran. Das schrieb Familie Bludau jetzt der EGE. Im letzten Winter hatten der achtjährige Jannes und sein Bruder Michel eine auf dem Hof lebende einzelne Schleiereule über Wochen mit Mäusen aus dem Zoogeschäft versorgt und so der Eule über den Winter geholfen. Die EGE berichtete darüber im Januar. Die Bemühungen der Bludaus haben sich gelohnt. So viel Unterstützung fanden die wenigsten Schleiereulen. Aus vielen Regionen Deutschlands werden nach dem strengen Winter dramatische Bestandseinbußen gemeldet.

Neuer "Charadrius" erschienen - Juni 2010

Gerade ist Heft 1-2/2010 des "Charadrius" erschienen. "Charadrius" ist die Zeitschrift für Vogelkunde, Vogelschutz und Naturschutz in Nordrhein-Westfalen. Herausgegeben wird sie von der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO). Acht von vierzehn Beiträgen des 136 Seiten umfassenden Heftes befassen sich explizit mit Vorkommen, Biologie und Verhalten, Gefährdung und Schutz einheimischer Eulenarten:

Die NWO hat das Heft ihrem Ehrenmitglied Dr. Theodor Mebs zur Vollendung seines 80. Lebensjahres gewidmet. Falls Sie das in jeder Hinsicht lesenswerte Heft beziehen möchten, wenden Sie sich bitte an Frau Veronika Huisman-Fiegen, Leydelstr. 26, 47802 Krefeld, e-Mail:   huisman-fiegen@nw-ornithologen.de. Das Doppelheft ist zum Preis von 18,- € erhältlich.

Wiesenweihen und Windenergieanlagen - Juni 2010

In Deutschland brüten weniger als 500 Wiesenweihenpaare; die Art ist in Deutschland stark gefährdet. 100 Paare brüten in Niedersachsen, die meisten in den küstennahen Landkreisen. Aus Mangel an geeigneten ursprünglichen Lebensräumen - nämlich Mooren, Heiden und feuchten Wiesen - brüten sie heute vor allem in Getreidefeldern. Dort droht ihnen gerade zur Zeit der Jungenaufzucht der Mähdrescher.

Das ist nicht die einzige Gefahr: Aufmerksame Vogelschützer haben sich bereits vor Jahren gegen die Errichtung von Windenergieanlagen in Lebensräumen der seltenen Greifvogelart gewandt, aber erst 2008 hat die Landesarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten in Deutschland mit einer (nur bedingt beachteten) Empfehlung an Politik, Wirtschaft und Verwaltung reagiert. Die Arbeitsgemeinschaft möchte Windenergieanlagen auf Distanz halten zu Brutplätzen der Wiesenweihe: 1.000 m zum Brutplatz sollen nicht unterschritten und die Nahrungshabitate der Art in einem Radius von 6.000 m um den Brutplatz freigehalten werden.

Diese Empfehlung war von der Windenergiewirtschaft, einem Teil der für sie arbeitenden Gutachterbüros und einigen Naturschutzverbänden, die der Windenergiewirtschaft seltsam unkritisch gegenüberstehen, als überzogen abgelehnt worden. Die Naturschutzbehörden hatten sich oftmals gegen die gesäten Zweifel nicht durchsetzen können.

Wozu solche Haltungen führen können, zeigt der Fall der Wiesenweihen im Kreis Aurich. Dort kam es am 18. Mai 2010 zu einer Beinahekollision. Der Flug der Wiesenweihe, die nur knapp dem Rotorschlag entging, kann unter folgendem Weblink angesehen werden: wiesenweihen.com - Aktuelles. Nur zwei Tage zuvor hatte eine andere Wiesenweihe im selben Windpark weniger Glück. Das Männchen eines brütenden Wiesenweihenpaares wurde vom Rotorblatt erschlagen.

Erst vor kurzer Zeit waren die hier vorhandenen kleineren Anlagen mit einem Rotordurchmesser von 40 m und einer Gesamthöhe von 60 m gegen leistungsstärkere 100 m hohe Anlagen mit größerem Rotordurchmesser ersetzt worden. Vor Ort beobachten unabhängige Fachleute nun an denselben Anlagen auch gefährliche Annäherungen von Rohrweihen.

Das so genannte "Repowering", d. h. der Aufbau leistungsstärkerer Anlagen an Stelle kleinerer Anlagen, scheint für diese Arten problematischer zu sein als bisher angenommen wurde und das Tötungsrisiko nur noch zu vergrößern. Bisher hatten viele von der Windenergiewirtschaft bezahlte Gutachter schon bei den kleineren Anlagen immer wieder behauptet, Wiesen- und Rohrweihen seien vorzugsweise bodennah unterwegs und würden den von den Rotoren durchschlagenen Luftraum für gewöhnlich gar nicht frequentieren.

Die EGE berichtet über diesen Vorfall auch deswegen, weil Sumpfohreulen dieselben Lebensräume wie Wiesen- und Rohrweihen besiedeln und auch ein ähnliches Verhalten im Flug und bei der Jagd zeigen. Nach Auffassung der EGE sollte der weitere Ausbau der Windenergiewirtschaft in den Lebensräumen der Wiesenweihe unverzüglich gestoppt werden. Dort, wo alte Anlagen die nach heutigen Erkenntnissen gebotenen Abstände zu Wiesenweihenbruten gefährden, sollten die Anlage während der Brutzeit abgeschaltet werden.

Übrigens: Der niedersächsische Landtag - der Fall ereignete sich ja in Niedersachsen - hatte bereits 2004 festgestellt, auf dem niedersächsischen Festland habe der Ausbau der Windenergiewirtschaft "einen weitgehenden Sättigungsgrad erreicht". Diese Feststellung scheint niemanden zu beeindrucken. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Niedersachsen weniger als 4.000 solcher Anlagen. Heute sind es 5.300 Anlagen. Allein im letzten Jahr kamen 200 hinzu.

Aus dem Nest gefallen - Mai 2010

Vögel fallen zumeist nur vermeintlich aus dem Nest. Deshalb sollten Menschen Jungvögel an Ort und Stelle lassen. Die Altvögel sind zumeist in der Nähe und versorgen die Jungen auch weiterhin. Auch junge Eulen bedürfen meistens nicht der Fürsorge. Darum der in fast allen Fällen zutreffende Rat: Hände weg von jungen Eulen!

In diesem Fall war es anders: Das einzige Uhupaar im Nationalpark Eifel hat in diesem Mai ein einziges Junges. Der Vogel muss tatsächlich in der letzten Woche irgendwie aus dem Nest gefallen sein - im Alter von nur etwa 18 Tagen. Er stürzte 15 m in die Tiefe. In dem Alter verlässt die Mutter erstmals den Nachwuchs, um Nahrung herbeizuschaffen. Ohne Geschwister im Nest fühlte sich der Kleine vielleicht ziemlich verlassen, suchte umher und stürzte dabei ab.

Der aus dem Nest gefallene Uhu wurde von aufmerksamen Passanten gefunden, die ihn zur Nationalparkverwaltung brachten. Dort fand er in die guten Hände von Frau Gabriele Geitz (mit Uhu im Bild) und schließlich zum Tierarzt Dr. Böttcher, der sich mit Uhus bestens auskennt. Verletzungen hatte sich der Uhu nicht zugezogen. Die EGE wurde verständigt und der Uhu am nächsten Tag nach einer reichhaltigen Mahlzeit ins Nest zurückgebracht.

Die EGE hat einige Zeit gebangt, ob das Unternehmen gut ausgehen würde. Die alten Uhus haben das Einzelkind aber schließlich wieder entdeckt. Die EGE konnte sich aus sicherer Distanz beim Blick durchs Spektiv davon überzeugen: Uhumutter und Jungvogel saßen vereint im Nest.

Auf Draht - Mai 2010

Aus dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer kommen gute Nachrichten: Wie jetzt die Verwaltung des Schutzgebietes mitteilte, sollen auf der ostfriesischen Insel Borkum 12 Kilometer Stacheldrähte durch glatten Draht ersetzt werden. Stacheldrähte gefährden viele Vögel des Nationalparks. Gerade die niedrig über den Boden jagenden Sumpfohreulen, Korn-, Wiesen- und Rohrweihen verfangen sich im Draht und sterben qualvoll nach oft stundenlangem Leiden. Der für die Küste typische starke Wind erhöht das Risiko für die Vögel, in den Zäunen zu verunglücken. Im letzten Herbst hatte die EGE auf dieser Seite von einer Sumpfohreule berichtet, die im Nationalpark auf diese Weise verunglückt zwar noch lebend gefunden, aber nicht mehr zu retten war.

An der Nordseeküste und auf den ostfriesischen Inseln warten nach Expertenschätzungen einige hundert Kilometer Stacheldraht auf einen Abbau. Dafür wäre es höchste Zeit. Die ostfriesischen Inseln sind das einzige zusammenhängende regelmäßig besetzte Brutgebiet der Sumpfohreule in Deutschland. In Mitteleuropa ist lediglich auf den west- und ostfriesischen Inseln der Brutbestand mit 70 bis 130 Paaren noch stabil und mit Abstand das wichtigste Brutvorkommen der Art in Mitteleuropa. In ganz Deutschland brüten selbst in guten Wühlmausjahren höchstens 175 Paare.

Die EGE hatte größere Anstrengungen für einen planmäßigen und an zeitliche Vorgaben gebundenen Abbau der Stacheldrahtzäune gefordert. Der Umbau zieht sich auch wegen der beträchtlichen Kosten hin: Für die Aktion auf Borkum muss der Naturschutz tief in die Tasche greifen. 100.000 Euro kostet der Umbau. Die Grundeigentümer können zu einem Umbau nicht verpflichtet werden. Land und Kommunen sollten allerdings mit gutem Beispiel vorangehen und dort, wo sie selbst Grundeigentümer sind, die gefährlichen Drähte endlich niederlegen.

Uhu in der Eifel - Mai 2010

In Nordrhein-Westfalen gestaltet sich nicht nur die Regierungsbildung nach der letzten Landtagswahl schwierig. Schwierigkeiten haben dort auch Uhus. In einem Beitrag hat die EGE die aktuellen Schwierigkeiten am Beispiel der Uhus in der Eifel thematisiert. Gegenstand des Beitrages sind insbesondere gefährliche Mittelspannungsmasten, der Klettersport, der fortschreitende Ausbau der Windenergiewirtschaft und der wachsende Maisanbau. Der Maisanbau, der beispielsweise bereits ein Viertel der nordrhein-westfälischen Ackerfläche einnimmt, dürfte zu einer massiven Verknappung der für Uhus erreichbaren Nahrungstiere führen. Die Uhus hätten eine Landesregierung verdient, die zu einer spürbaren Lösung dieser Probleme beiträgt und sie nicht noch verschärft.

Der Beitrag ist in Heft 1-2/2010 der Zeitschrift "Charadrius" der nordrhein-westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO) erschienen. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten (pdf-Datei, ca. 272 KB). Die beiden Autoren, Wilhelm Breuer und Stefan Brücher, haben den Beitrag Dr. Theodor Mebs gewidmet, der im März dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feierte, von 1978 bis 1995 die staatliche Vogelschutzwarte in Nordrhein-Westfalen leitete und sich um den Schutz des Uhus verdient gemacht hat.

Zweite Uhubrut im Kreis Euskirchen zerstört - Mai 2010

Die letzte Nachricht auf dieser Seite war eine Nachricht über den Verlust einer Uhubrut in einem Naturschutzgebiet im nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen. Die Uhus wurden von Personen gestört, die sich in der Nähe des Nestes über längere Zeit aufgehalten hatten, um ihren Vergnügungen nachzugehen. Jetzt ist es auch am Brutplatz eines zweiten Uhupaares, nicht weit vom ersten entfernt und ebenfalls in einem Naturschutzgebiet, zum Abbruch der Brut gekommen. Aus denselben Gründen. Naturschutzgebiete sind in Deutschland offenkundig Notstandsgebiete. Die EGE hat die untere Naturschutzbehörde des Kreises gebeten, an Ort und Stelle für eine durchgreifende Verbesserung des Schutzes zu sorgen. Für dieses Jahr ist es allerdings zu spät. Mit einem erneuten Brutversuch ist nicht zu rechnen.

Internationales Jahr der Biodiversität - Mai 2010

Der Mai ist kühl und nass. Das ist für Uhus gut. Der Bruterfolg der Uhus hängt nämlich vielerorts vom Witterungsverlauf am Maifeiertag, an Christi Himmelfahrt, Pfingsten und an jedem Mai-Wochenende ab. Dann ist nämlich an den Uhubrutplätzen mitunter der Teufel los: Hobbypaläontologen, New Age begeisterte Hexen, Motorradfahrer, Klettersportler und Väter mit dem notwendigen Biervorrat fallen in Steinbrüche ein.

Auf diese Weise ist im nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen gerade eine Uhubrut vernichtet worden. In einem Naturschutzgebiet. Die wenigen wohl temperierten Tage Anfang Mai hatten genügt. Die nicht zu ermittelnden Beteiligten gehen natürlich straffrei aus. Welcher Kreis schickt seine Polizei schon auf Streife ins Naturschutzgebiet. Die Freizeit- und Spaßgesellschaft begeht das internationale Jahr der Biodiversität auf ihre Weise. Dazu passt die Sensationsmeldung, die gerade durch die Medien geht: Der Mensch stammt doch vom Neandertaler ab. Irgendwie haben wir es geahnt.

Ach, hätte der Staat statt des arbeitsfreien Buß- und Bettages, den evangelische Christen im November begehen, seinerzeit doch den Himmelsfahrtstag und den Pfingstmontag aus dem Verzeichnis gesetzlicher Feiertage gestrichen. Einer Mehrheit ist der Sinn dieser Tage ohnehin abhanden gekommen und nichts heilig. Die Uhus und ungezählte Paare anderer Brutvogelarten würden es danken.

An einem anderen Platz in der Eifel brüten Uhus hingegen zurzeit ungestört. Es ist ein Felsen bei Nideggen. Jahrelang waren Uhus dort wegen des Klettersports chancenlos. Mit dem Kletterverbot kehrten die Uhus 2008 zurück. Den Gründer der EGE, Wilhelm Bergerhausen, der am 09. Mai 60 Jahre alt geworden wäre und lange Zeit in Nideggen lebte, würde es freuen. Am selben Tag sind über 13 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen zur Wahl eines neuen Landtages aufgerufen. Der Naturschutz dürfte in der Wahlkabine dieselbe Rolle spielen wie im Wahlkampf - nämlich keine.

In der Eingriffsregelung Eulen schützen - Mai 2010

Am 01. März 2010 ist das neue Bundesnaturschutzgesetz in Kraft getreten. Damit ändert sich zwar nicht alles im Naturschutzrecht, aber doch einiges. Die Änderungen betreffen auch die Vorschriften über Eingriffe in Natur und Landschaft, d. h. die "Eingriffsregelung".

Die EGE appelliert immer wieder an die Personen im Naturschutz, sich ausreichende Rechtskenntnisse zu verschaffen. Das gilt auch für den Schutz der in Deutschland lebenden Eulenarten. Um ihnen Recht zu verschaffen, wo und wann immer sie aufgrund zivilisatorischer Prozesse bedroht sind, muss das Recht gekannt, verstanden und angewandt werden. Die Eingriffsregelung ist dabei besonders wichtig.

Die EGE belässt es nicht beim Appell. Für die EGE hat Wilhelm Breuer die aktuelle Rechtslage in der Eingriffsregelung dargestellt. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten (pdf-Datei, ca. 92 KB). Der Beitrag wendet sich insbesondere an die Personen, die in Behörden und Verbänden Natur und Landschaft verteidigen oder zumindest für einen Schadensausgleich im Falle zulässiger Eingriffe streiten. Der Beitrag soll sie darin unterstützen.

Der Naturschutz in Deutschland könnte weitaus erfolgreicher sein, würden seine Akteure über die nötigen Rechtskenntnisse verfügen. Biologische Spezialkenntnisse nützen den gefährdeten Eulen und der Natur im Ganzen nichts, wenn die berufenen Pflichtverteidiger in den Naturschutzbehörden und die Laienanwälte in den Naturschutzverbänden vom Recht nichts bis wenig verstehen. Ökologisches Spezialwissen sollte stets mit Rechtskenntnissen verknüpft sein.

Eulen-Rundblick Nr.60/2010 erschienen - April 2010

Die neue Ausgabe des Eulen-Rundblicks ist da. Das 118 Seiten umfassende Heft enthält u. a. Beiträge der 25. Jahrestagung der AG Eulen 2009 in Sebnitz/Sächsische Schweiz, zahlreiche Beiträge aus der Erforschung der europäischen Eulenarten, Literaturbesprechungen und aktuelle Nachrichten aus der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen sowie den Jahresbericht 2009 der EGE.

Der Eulen-Rundblick erscheint einmal jährlich. Er enthält Originalbeiträge, Fachberichte und Informationen über Biologie und Schutz der Eulen. Das Jahresabonnement kostet 10 Euro einschließlich Porto und Versandkosten. Bestellungen richten Sie bitte an Herrn Klaus Hillerich, Röntgenstr. 7, 64823 Groß-Umstadt, klaus.hillerich@t-online.de. Der Eulen-Rundblick ist keine Zeitschrift der EGE, sondern die Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz bedrohter Eulen (AG Eulen).

Erste Uhus beringt - April 2010

Die ersten jungen Eifel-Uhus der Brutzeit 2010 sind beringt. Am 20. April wurden sie zu wissenschaftlichen Zwecken von Mitarbeitern der EGE gekennzeichnet. In einem Nest fanden sich bereits sechs Wochen alte Jungvögel. Dies lässt auf den 9. März als Schlupftermin und einen Brutbeginn in der ersten Februarwoche schließen. An Nahrungstieren mangelt es den Jungen nicht. In einem Nest lagen ein Teichhuhn, zwei halbe Tauben, ein junger Fuchs und eine halbe Ratte, in einem anderen Nest zwei halbe Elstern, eine halbe Krähe, ein junger Fuchs, ein Igel und eine Ratte.

Erratum: Der im Januar auf dieser Seite unter der Überschrift "Echt cool" gemeldete frühe Brutbeginn der Uhus an einem Brutplatz im niedersächsischen Weserbergland erwies sich als Fehlbeobachtung.

Die EGE empfiehlt allen Besuchern der Website, von Zeit zu Zeit die Webcam-Uhus anzuschauen. Dort sind 3 oder sogar 4 junge Uhus geschlüpft. Das ist gerade auch ein Tipp für Eltern und ihre Kinder. Vielleicht möchten Sie auch eine Uhupatenschaft abschließen. Informationen über den Abschluss einer Patenschaft finden Sie auf dieser Website.

Wanderweg der deutschen Einheit - April 2010

Die ARD strahlt am Sonntag, den 18.04.2010 von 10.03 bis 11.00 Uhr ein Special aus über den Wanderweg der Deutschen Einheit. Der Weg führt den Wanderer Armin Maiwald auch zu den Uhus in der Eifel. Die EGE wünscht gute Unterhaltung.

Stromschlag nach wie vor Todesursache Nr. 1 - April 2010

Die EGE erhielt in den Jahren 2007, 2008 und 2009 Kenntnis von 90 tot oder verletzt aufgefundenen Uhus. Dabei handelt es sich um von der EGE im Rahmen ihres Monitoringprogramms in der Eifel beringte Uhus oder solche, die im Gebiet der Eifel aufgefunden worden sind. Die Fundursachen von 71 dieser 90 Uhus sind bekannt. Von den Uhus mit bekannter Fundursache entfallen 24 auf gefährliche Strommasten, 20 auf den Straßenverkehr, 9 auf Stacheldrähte, Drähte und Netze, 2 auf den Bahnverkehr.

Damit geht ein Drittel der Opferzahlen auf das Konto gefährlicher Mittelspannungsmasten. Das ist auch deswegen interessant, weil das Bundesnaturschutzgesetz eine Entschärfung dieser Masten bis spätestens Ende 2012 verlangt. Die Zahl der in Deutschland zu entschärfenden Masten schätzen Fachleute auf 350.000. Die EGE hat der Energiewirtschaft immer wieder einen schleppenden Umbau der Masten vorgehalten. Rechnet man die Bahnstromopfer hinzu, erhöht sich der Anteil der Stromopfer auf fast 37 Prozent. Dabei dürften gerade an Bahnstrecken die verkehrs- und bahnstrombedingten Verluste noch deutlich höher zu Buche schlagen. Verluste werden dort aber wegen der beschränkten Zugänglichkeit vermutlich nur ausnahmsweise entdeckt. Der Straßenverkehr folgt als Verlustursache mit 28 Prozent auf Platz 2.

2009 wurden mit 17 Uhus deutlich weniger Uhus tot oder verletzt aufgefunden als in den Vorjahren. Den Rückgang führt die EGE darauf zurück, dass im letzten Jahr erheblich weniger Uhus in der Eifel geboren wurden als in den Vorjahren und die Zahl der Uhus im Gebiet entsprechend geringer war.

Nationalpark - März 2010

Die Zeitschrift "Nationalpark" berichtet seit mehr als dreißig Jahren viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, großer Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift versteht sich als Anwältin von Natur und Wildnis. Zur Förderung der Nationalparke in Deutschland, ihrer Akzeptanz und Achtung hat sie viel beigetragen. Bis heute begleitet sie die Entwicklung der Nationalparke und Großschutzgebiete in Deutschland kritisch, kompetent und stets konstruktiv. Aus diesem Grunde empfiehlt die EGE diese Zeitschrift mit den Worten, die Horst Stern für sie gefunden hat: "Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen".

Vielleicht sehen Sie einmal nach unter nationalpark-zeitschrift.de. Dort finden Sie in der aktuellen Ausgabe 1/2010 als Leseprobe u. a. einen Aufsatz von EGE-Mitarbeiter Wilhelm Breuer "Ende eines Turniers". In diesem Beitrag über eine vom Aussterben bedrohte Vogelart, den Kampfläufer, wird die Sumpfohreule zwar nur am Rande erwähnt. Der im Beitrag beschriebene Niedergang der feuchten Wiesen Norddeutschlands trifft aber Kampfläufer und Sumpfohreulen gleichermaßen, weil sie dieselben Lebensräume bewohnen.

Uhu-Schul-TV - März 2010

Der Schutz des Uhus ist immer wieder auch ein Unterrichtsthema - so auch an der "Realschule plus Idar-Oberstein". Die Klasse 7 a hatte sich zusammen mit ihrem Lehrer Stefan Kugler im letzten Jahr nach der Lektüre des Buches "Lasst den Uhu leben" von Nina Rauprich für eine Uhupatenschaft entschlossen. Aus der Sache wurde aber noch viel mehr. Gemeinsam mit der Landeszentrale für Medien und Kommunikation haben Lehrer und Schüler einen Film für "OK:school-TV" produziert. Die Schule hat den fast vierzigminütigen Sendebeitrag der EGE präsentiert. Der Beitrag umfasst eine mit eigenen Bildern illustrierte Kurzfassung des Buches, ein Interview mit Lehrer Stefan Kugler und einem Uhufachmann aus der Region sowie ein Portrait des Uhus. Der Beitrag verbindet Natur-, Sprach- und Medienkunde.

Die EGE ist vom Format der Sendung mehr als beeindruckt. Schülerinnen und Schülern merkt man die Begeisterung für die technische Seite des Projektes und um nichts weniger für den Schutz des Uhus an. Zwischen bemerkenswert routinierter Moderation und einem witzigen Abspann ist den Schülern eine gut recherchierte, informative und professionelle Reportage gelungen. Das Projekt scheint allen sehr viel Spaß bereitet zu haben. Auch der EGE. Danke an Stefan Kugler und die jungen Medienleute vor unter hinter der Kamera.

Uhuweibchen im Nest - März 2010

Am Uhubrutplatz in der Eifel deutet alles auf eine baldige Uhubrut. Das Weibchen sitzt seit dem 10. März in der Nistmulde. Bitte klicken Sie auf den folgenden Link, wenn Sie am Uhubrutplatz - ganz störungsfrei - dabei sein möchten: http://webcam.pixtura.de/SWR_UHU/

Herzlichen Glückwunsch, lieber Dr. Theodor Mebs! - März 2010

Am 08. März 2010 begeht Dr. Theodor Mebs seinen 80. Geburtstag. Die EGE wünscht dem Jubilar alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Dr. Theodor Mebs arbeitete von 1970 bis 1995 an der Staatlichen Vogelschutzwarte des Landes Nordrhein-Westfalen; seit 1978 war er ihr Leiter. Der Jubilar ist einer der besten Kenner europäischer Greifvogel- und Eulenarten. Einem breiten Publikum ist er als Mitautor des Standardwerks "Die Eulen Europas" bekannt. Hinweise auf dieses Buch, das er zusammen mit Dr. Wolfgang Scherzinger 2008 komplett überarbeitet und aktualisiert hat, finden Sie hier.

Die EGE ist Dr. Theodor Mebs seit dreißig Jahren freundschaftlich verbunden; sie verdankt ihm fachlichen Rat, zahlreiche Anregungen und in jeder Hinsicht Ermutigung. An der EGE hat Dr. Theodor Mebs auch insofern Anteil, weil er den 2006 verstorbenen Gründer der EGE, Wilhelm Bergerhausen, Ende der 1970er Jahre zur AzWU führte. Von der Zusammenarbeit der beiden Uhukenner profitiert die Sache des Eulenschutzes bis heute.

Die Mitarbeiter der EGE schätzen Dr. Mebs nicht zuletzt seines Wesens wegen. Als der EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer noch die Schule besuchte und mit einem ersten Vogelbuch ausgerüstet die heimatliche Vogelwelt erkundete, wandte er sich mit all seinen ornithologischen Anfängerfragen in Briefen an die Staatliche Vogelschutzwarte. Dr. Mebs ließ keine Frage unbeantwortet. Das ist vierzig Jahre her und wirkt bis heute nach.

Neues altes Artenschutzrecht - März 2010

Am 01. März 2010 ist ein neues Bundesnaturschutzgesetz in Kraft getreten. Es gilt in den Bundesländern ganz überwiegend abschließend. Die artenschutzrechtlichen Schädigungs- und Störungsverbote zum Schutz besonders und streng geschützter Pflanzen- und Tierarten enthält § 44 Abs. 1 des neuen Gesetzes. Die Regelungen sind so neu nicht: Sie sind als Ergebnis der so genannten "Kleinen Artenschutzrechtsnovelle" seit Ende 2007 Bestandteil des Naturschutzrechts.

EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer hat die Reichweite der Schädigungs- und Störungsverbote generell und bezogen auf den Schutz des Uhus bei einem Seminar des Verbandes selbständiger Ökologen e. V. (VSÖ) "Planungsrisiken erkennen - Fehler vermeiden. Neuerungen im Naturschutzrecht" am 26. Februar 2010 im Hamburg aufgezeigt. Bitte klicken Sie hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten (pdf-Datei, ca. 84 KB). Der Beitrag geht insbesondere der Frage nach, welche Konsequenzen sich aus den Verboten zum Schutz des Uhus z. B. für den Straßenbau, die Zulassung von Windenergieanlagen und den Klettersport ergeben können.

Doppelkopf - Februar 2010

Eigentlich wollte die EGE auf dieser Website keine Winterbilder mehr präsentieren, weil nach wochenlangem Winter kaum jemand mehr Schnee sehen möchte. Schon gar nicht die Steinkäuze, die am Niederrhein, an der Aller oder im Emsland in Kopfweiden auf ein gnädiges Winterende hoffen. Kopfweiden bilden leicht Höhlen aus, in denen Steinkäuze brüten. Kopfweiden wurden einst aus wirtschaftlichen Gründen planmäßig gepflanzt und gepflegt. Nach dem Ende der Korbflechterei sind sie zumeist nur noch ein Pflegefall für unermüdliche Eulenschützer.

Fernsehtipp - Februar 2010

Werden die Uhus dieses Jahr wieder in den Felsen brüten - dort, wo das SWR-Fernsehen zusammen mit der EGE eine Kamera platziert hat, welche die Bilder vom Brutgeschehen ins Wohnzimmer übertragen soll? Nacht für Nacht besuchen die Uhus bereits die Bruthöhle, die allerdings wegen einer dicken Schneedecke noch nicht so recht zum Brüten einlädt. Am Dienstag, den 23. Februar 2010 wird das Südwestfernsehen in der Reihe "Im Grünen - die Natur in Rheinland-Pfalz" zwischen 18.15 und 18.45 Uhr über die Uhus und die Einrichtung der Webcam berichten.

Uhus schützen beim Rohstoffabbau - Februar 2010

...so lautet der Titel eines Aufsatzes der EGE, der gerade in der Zeitschrift MIRO "Mineralische Rohstoffe 1/2010" erschienen ist. Der Beitrag wendet sich an die Betreiber von Steinbrüchen, Kies-, Sand- und Tongruben. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten (pdf-Datei, ca. 570 KB). Wir veröffentlichen den Beitrag mit freundlicher Genehmigung des Verlags Giesel Verlag GmbH, Isernhagen.

Großstadtrevier - Februar 2010

Wer mit Sonnenblumenkernen und Haferflocken die Not der Gartenvögel lindert, hilft auch dem Waldkauz. Diese Erfahrung macht gerade der Geschäftsführer der EGE in Hannover. Vor seiner Haustüre versorgt sich tagsüber ein Rotkehlchen mit ausgestreuten getrockneten Beeren und Haferflocken. Nachts ändert sich die Szenerie. Die Futterstelle ist eine Anlaufstelle für Mäuse aus der Umgebung. Die Spuren im Schnee verraten es. Von überall her machen sich die Nager auf den Weg. Den Waldkäuzen ist das nicht entgangen. Hannover ist gar nicht so langweilig wie immer gesagt wird. Jedenfalls für Mäuse und Waldkäuze.

Uhubrutplatz Online - Februar 2010

Erinnern Sie sich? 2008 hatten EGE und SWR-Fernsehen eine Kamera an einem Uhubrutplatz in den Felsen der Eifel eingerichtet. Die Kamera hatte von März bis Juni rund um die Uhr Bilder vom brütenden Uhuweibchen "Lotte" und später von der Aufzucht der drei jungen Uhus gesendet. Die für die Uhus gänzlich stressfreien Übertragungen vom Brutplatz fanden ein bemerkenswert großes Zuschauerecho. Mehr als 132.000 Besuche registrierte damals der SWR. 2009 hatten EGE und SWR auf ebenso schöne Bilder vom Brutplatz gehofft, aber zu einer Uhubrut kam es im Vorjahr leider nicht. Ob die Uhus sich in diesem Jahr zur Brut einfinden und Einblicke in das Brutgeschehen gewähren? Auf spannende Bilder vom Brutplatz wilder Uhus wartet die Webcam jedenfalls auch 2010. Es dürfte sich bald lohnen, ab und zu die aktuellen Bilder der Webcam unter http://webcam.pixtura.de/SWR_UHU/ abzurufen.

Ausgezeichnet - Januar 2010

Naturschutz ist zwar vor allem eine Staatsaufgabe, aber doch in vielen Bereichen immer auch eine Sache bürgerlichen und gesellschaftlichen Engagements. Dieses Engagement zeichnet insbesondere die vielen ehrenamtlichen Naturschützer in Deutschland aus. Manchmal, aber zu selten, wird ihnen deswegen eine Auszeichnung zu teil. Aus der Reihe kürzlich öffentlich geehrter Personen und Gruppen seien hier zwei herausgestellt: Albrecht Jacobs aus dem niedersächsischen Stadtoldendorf und die Kirchengemeinde im thüringischen Pölzig. Beide erhielten die Preise der Landkreise Greiz und Holzminden derselben Sache wegen - nämlich für ihre Beiträge zum Artenschutz im Siedlungsbereich. Albrecht Jacobs hat an seinem Wohnhaus vierzig Brutplätze für Mauersegler geschaffen. Er möchte Stadtoldendorf zur "Stadt der Mauersegler" entwickeln. Bereits vor vielen Jahren gelang ihm im Weserbergland die Wiederansiedlung des Uhus. Die Kirchengemeinde Pölzig im Landkreis Greiz wurde u. a. für ihre Bemühungen um den Schutz der Kirchturm bewohnenden Schleiereulen ausgezeichnet. Die EGE sagt "herzlichen Glückwunsch!".

Echt cool - Januar 2010

Mitteleuropäische Uhus beginnen gewöhnlich im März, manchmal auch schon Anfang Februar (oder wie vor Jahren im Kreis Soest an einem 27. Januar) mit der Brut. Bruten bei Schneelage und Frost sind so ungewöhnlich nicht. Ein Uhuweibchen aus dem niedersächsischen Weserbergland hingegen brütet bereits jetzt - und dies nicht erst seit gestern, sondern mindestens seit dem 29. Dezember.

Diese ungewöhnliche Beobachtung machte Michael Buschmann von der Naturschutzbehörde des Landkreises Holzminden in einem Steinbruch. Die Temperaturen während der bisherigen Brutzeit lagen zwischen plus drei und minus zwölf Grad. Der Kreis Holzminden ist mit etwa zwanzig Paaren der an Uhus reichste Landkreis Niedersachsens. Michael Buschmann hat seine früh gestarteten Uhus fest im Blick. Man darf gespannt sein, wie die Sache ausgeht. Die Brutdauer beträgt bei Uhus 34 Tage. An derselben Stelle hatten (vermutlich dieselben) Uhus auch 2009 erfolgreich gebrütet, allerdings deutlich später mit der Brut begonnen. Zu einer ähnlich frühen Brut "um Weihnachten herum" ist es vor Jahren in der Südeifel gekommen.

Ambitionierte Klimaschützer werden darin möglicherweise Zeichen für einen tatsächlichen oder vermeintlichen Klimawandel sehen. Die EGE hingegen nicht. Der Vorgang zeigt zunächst nur, wie unzureichend Beschränkungen des Klettersports sind, welche in Uhulebensräumen das Klettern bis zum 01. Februar zulassen.

Von Wintermärchen und Mäuseburgen - Januar 2010

Der Winter verhält sich im zweiten Jahr in Folge politisch unkorrekt. Hat uns nicht die Windenergiewirtschaft zusammen mit geneigten Wissenschaftlern ein endgültiges Ausbleiben harter Winter vorhergesagt? "Schnee ade! Klimawandel in Deutschland" überschrieb 2005 der Windenergieanlagenhersteller Enercon das unternehmenseigene Magazin. Der während des Weltklimagipfels allgegenwärtige Meteorologe und Klimaforscher Mojib Latif ließ sich 2000 in Spiegel-online zitieren: "In Deutschland gehören klirrend kalte Winter der Vergangenheit an. Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben". Deutschland ein Wintermärchen.

Der Winter führt nicht allein zu einem Anstieg der Heizkosten, Engpässen bei Streusalz und Verspätungen der Bahn. Für Schleiereulen ist die Lage mehr als kritisch. Mäuse sind seit anhaltendem Dauerfrost und geschlossener Schneedecke nahezu unerreichbar. Der Schleiereulenbestand dürfte sich bereits zu Beginn des Winters auf einem Tiefststand befunden haben, denn in den Jahren 2008 und 2009 haben Schleiereulen aus Mäusemangel zumeist erst gar nicht gebrütet. Der mildtätig romantische Aufruf von Vogelschutzverbänden in deutschen Tageszeitungen, die Bauern mögen Schleiereulen Stall und Scheune öffnen, dürfte daran wenig ändern, weil dort für Eulen nach Intensivierung und Rationalisierung der Tierproduktion nichts zu holen ist. Seitdem auf den Höfen kein Getreide mehr eingelagert und zumeist auch gar kein Vieh mehr gehalten wird, haben sich die Mäuse ins Nichts verabschiedet. Schleiereulen ist mit einer bloßen Wärmestube nicht gedient.

An schneefreien, ruhigen Stellen im Dorf oder an Höfen könnten mit Druschabfällen und minderwertigem Getreide immerhin Mäuse angelockt werden. Die Mäusefütterung, und sei es auch nur, um die Schleiereulen über den Winter zu bringen, dürfte aber für die Landbevölkerung eine gewöhnungsbedürftige Vorstellung sein, Anwohner alarmieren und möglicherweise gar amtliche Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen auslösen. Vielleicht ist die Einrichtung einer so genannten Mäuseburg leichter zu vermitteln. Es genügt, aus einigen löchrigen Brettern einen Würfel zu bauen - aber ohne Dach. Der oben offene Kasten - je einen Meter in der Breite, Länge und Höhe - sollte mit Steinen und Stroh gefüllt und darauf der Druschabfall gestreut werden. Über dem Kasten wird eine Stange mit einem Querholz als Ansitzwarte für Eulen angebracht. Eine solche Mäuseburg lockt viele Mäuse an. Sie sollte dort errichtet werden, wo Schleiereulen den Tag verschlafen. Der Druschabfall muss von Zeit zu Zeit erneuert werden. Je frühzeitiger eine solche Mäuseburg errichtet wird, umso eher können sich Nager und Eulen darauf einstellen. Für den Bau von Mäuseburgen ist es höchste Zeit. Die Investition in die Zukunft der Schleiereulen könnte sich noch lohnen. Der kalendarische Winter endet erst am 21. März. Schneefrei sind einstweilen nur die Hauptverkehrsstraßen so wie die Straße auf dem Bild aus dem nächtlichen Ostfriesland. Der Straßenrand ist auch deshalb das bevorzugte Jagdrevier der Eulen - nicht selten für sie verbunden mit tödlicher Fahrzeugkollision. Eine Mäuseburg ist hingegen eine sichere Burg für Eulen.

Den Bauplan für eine Mäuseburg hat gerade die Familie des siebenjährigen Jannes Bludau (im Bild) aus Bissendorf bei Osnabrück bei der EGE angefordert, nachdem der örtlichen Tierhandlung die weißen Mäuse ausgegangen sind, mit denen der Junge die Schleiereulen auf dem Dachboden versorgt hatte. Fürs Engagement des Eulenschützers revanchiert sich die EGE gerne mit dem Buch von Nina Rauprich "Lasst den Uhu leben!". Jannes´ Mutter schrieb der EGE: "Unsere Schleiereule (es ist wahrscheinlich nur eine) erfreut sich guter Gesundheit und scheint ihre abendliche Fütterung schon zu erwarten. Mein Mann wurde heute Abend, als er Mäuse auf den Dachboden brachte, von ihr beobachtet, und sie ist bei der Störung nicht mal mehr weggeflogen! Vergangenen Sommer hat unser Eulenpaar übrigens erfolgreich vier Junge großgezogen."

Schleiereule ist Pilz, nicht Vogel des Jahres - Januar 2010

Es ist schon Tradition in Deutschland, Pflanzen und Tiere, die eines besonderen Schutzes bedürfen, als Lebewesen eines Jahres in das Licht der Öffentlichkeit zu stellen. Auf diese Weise wird den ausgezeichneten Arten zumindest ein mediales Interesse zu teil, das zu ihrem Schutz beitragen kann. In diesem Jahr zählt zu den Erwählten die Schleiereule. Allerdings fiel die Wahl nicht auf den Nachtvogel, sondern einen namensgleichen Pilz. Die Schleiereule war zuletzt 1977 Vogel des Jahres, der Steinkauz 1972 und der Uhu 2005. Vogel des Jahres 2010 ist der Kormoran.

Jahrzehntelang war der Kormoran als Fischereischädling verfolgt worden und schließlich aus Deutschland verschwunden. Nach Schutzmaßnahmen leben heute in Deutschland wieder etwa 24.000 Brutpaare, davon mehr als die Hälfte in großen Kolonien nahe der Küste. Bei Fischern und Anglern lösen Kormorane immer wieder heftige Proteste aus. Nahezu alle Bundesländer haben sich dem politischen Druck gebeugt und die Schutzvorschriften eingeschränkt oder aufgehoben.

Zu Tausenden werden die Vögel nun wieder verfolgt. In Europa wurden zuletzt mehr als 80.000 Abschüsse pro Jahr registriert, davon 15.000 in Deutschland. Bei der Bekämpfung nehmen die Deutschen Platz zwei unter 21 EU-Ländern ein. Bejagt werden entweder die winterlichen Bestände - in Bayern sterben hierbei regelmäßig zwischen 3.000 und 8.000 Kormorane - oder es finden massive Eingriffe in Brutkolonien statt. Zu den bisher größten Bekämpfungsaktionen zählten das "Kormoran-Massaker von Anklam" im Juni 2005 und die Nacht- und Nebel-Aktion im Radolfzeller Aachried (Bodensee) im April 2008, bei der die brütenden Vögel mit Scheinwerfern von ihren Nestern vertrieben wurden. Viele der Eier starben in der kalten Nacht ab.

Wie der Kormoran war auch der Uhu als Jagdkonkurrent massiv verfolgt und in weiten Teilen Deutschlands ausgerottet worden. Angesichts restaurativer Strömungen, schwindender Bildung und eines Hangs zur Klientelpolitik kann niemand ausschließen, dass nicht auch der Uhu in Deutschland bald wieder ins Fadenkreuz gerät.

Mit der Eule gewappnet - Januar 2010

Seit jeher fasziniert die Eule Menschen in allen Kulturen. Eulen wurden verehrt und gefürchtet, verfolgt und bewundert. Die Eule fand deshalb nicht nur Eingang in den Volksglauben, sondern schon früh auch einen Platz in den Wappen von Städten und Gemeinden. Rudolf Schaaf und Ursula Hansen haben bei ihren Recherchen eine Vielzahl solcher Wappen entdeckt. Das 60 Seiten umfassende Heft "Kommunale Wappen mit Eulendarstellungen" ist gerade als Sonderausgabe des Kauzbriefes erschienen (Nr. 22, 18. Jahrgang 2010). Es behandelt die Eule in der Heraldik, beschreibt mehr als 150 solcher Wappen aus aller Welt und zeigt eine Reihe dieser Wappen auch im Farbbild. Das oben abgebildete Wappen der bis 2002 eigenständigen Gemeinde Uhlstädt im thüringischen Kreis Saalfeld-Rudolstadt (Deutschland) ist nur ein Beispiel von vielen.

Wenden Sie sich bei Interesse am Bezug bitte an die

Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz im Landkreis Ludwigsburg
Starenweg 7
70806 Kornwestheim
Telefon/Fax: 07154/70611
 m.kirk@ag-eulenschutz.de

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