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Nachrichten Jahrgang 2014

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Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2015 - Dezember 2014

Habichtskauz © Gordana und Ralf Kistowski

Deutschlands seltenste Eule ist der Habichtskauz. Vor ungefähr 90 Jahren starb die Art in Deutschland aus. Dank eines Wiederansiedlungsprojektes im Nationalpark Bayerischer Wald leben dort heute wieder etwa ein Dutzend Brutpaare. Ralf Kistowski hat der EGE einige Aufnahmen dieser Eulenart zur Verfügung gestellt. Diese Fotos und Wissenswertes über den großen waldbewohnenden Kauz finden Sie hier.

Mit diesen Informationen über den Habichtskauz verabschiedet sich die EGE für dieses Jahr von Ihnen. Die EGE sagt allen Personen, Verbänden und Einrichtungen herzlichen Dank, die in ideeller oder auf finanzielle Weise im zu Ende gehenden Jahr die Anliegen der EGE unterstützt haben. Ein besonderes Dankeschön gilt allen Eulen-Paten, allen Personen, die für die Fortsetzung der Uhuwebcam gespendet haben, den Freunden und Freundinnen der EGE in Deutschland, in den Nachbarstaaten und andernorts.

Wenn Sie das alte Jahr mit einer guten Tat beenden oder das neue mit einer solchen beginnen möchten, bedenken Sie bitte die EGE mit Ihrer Spende. Die Mitarbeiter der EGE zahlen sich keine Gehälter, sondern jede Spende fließt unvermindert in die Projekte der EGE. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 528 KB), wenn Sie den diesjährigen Spendenaufruf der EGE lesen möchten. Ohne Ihre Unterstützung könnte die EGE nur wenig bis nichts erreichen. Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2015! Bleiben Sie gesund.

Mit einem Gesundheitstipp schließen wir: Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 24 KB), wenn Sie von der Begegnung einer Schleiereule und einer Mönchsgrasmücke erfahren möchten. Dorothee Warnecke aus Hannover hat die Geschichte aufgeschrieben. Die Lektüre kann den Besuch des Arztes und den Rat des Apothekers ersetzen. Eine weihnachtliche Geschichte für Kinder und Erwachsene.

Oberschwaben: Uhu stirbt an Strommast - Dezember 2014

Einer der Uhus von der Basilika im oberschwäbischen Ottobeuren ist offenbar an einem widerrechtlich nicht entschärften Mittelspannungsmast ums Leben gekommen. Das berichten die Zeitungen. Seit mehreren Jahren waren die Rufe der Uhus immer wieder über der Benediktinerabtei zu hören gewesen. Vogelschützer und Einheimische beobachteten wiederholt, dass die Nachtjäger an der Klosterkirche brüteten und Junge aufzogen. In Bayern gibt es dem Vernehmen nach noch 65.000 vogelgefährliche Mittelspannungsmasten. Diese hatten aufgrund der Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes Ende 2012 entschärft sein müssen. Zu diesem Zeitpunkt endete die den Netzbetreibern gesetzte 10jährige Umrüstungsfrist. Jetzt soll das Ziel in Bayern 2017 erreicht werden. Lex Seehofer. Wetten, dass auch bis dahin das Problem nicht durchgreifend gelöst sein wird?

Auch in anderen Bundesländern stehen Vogelschützer vor einem abgrundtiefen Vollzugsdefizit. Netzbetreiber und Landesumweltministerien haben sich ihrer Pflicht, für die restlose Entschärfung der Masten zu sorgen, in vielen Regionen entzogen. Die Basilika des Klosters Ottobeuren ist zwar ein einzigartiges Baudenkmal. Der Tod von Uhus und anderen Vögeln an ungesicherten Mittelspannungsmasten ist jedoch in Deutschland eine flächenhafte und alltägliche Erfahrung auch zwei Jahre nach Ablauf der 10jährigen Umrüstungsfrist. Deutschland spielt sich in Europa und der Welt als energiepolitischer Besserwisser auf. Dabei versagt Deutschland aufgrund fehlender Gesetzestreue der Energiewirtschaft und ihrer Aufsichtsbehörden bereits bei der technisch simplen Entschärfung vogelgefährlicher Mittelspannungsmasten.

Eulenkalender 2015 - Dezember 2014

Steinkauz vor Mond © Rosl Rößner

Rosl Rößner hat sich nicht nur einen Namen gemacht als Naturfotografin, sondern unterstützt honorarfrei auch die Website der EGE mit ihren wunderbaren Eulenaufnahmen. Nun hat Frau Rößner zwei beeindruckend schöne Kalender für das Jahr 2015 mit je zwölf brillanten Eulenfotos gestaltet. Je verkauftem Kalender fließen 3 Euro auf das Spendenkonto der EGE. Die EGE dankt allen Personen, die mit dem Erwerb dieser Eulenkalender die Anliegen der EGE unterstützen. Ein besonders herzliches Dankeschön gilt der Fotografin Rosl Rößner! Klicken Sie bitte hier, wenn Sie die Kalender ansehen und eine Bestellung erwägen möchten.

Herzlichen Glückwunsch, Nationalpark! - Dezember 2014

Habichtskauz © Gordana und Ralf Kistowski

Die Zeitschrift "Nationalpark" ist in diesem Jahr 40 Jahre alt geworden. Eine kleine Zeitschrift mit großer Wirkung. Seit 1974 berichtet sie viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, großer Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift versteht sich seit der ersten Ausgabe als Anwältin von Natur und Landschaft. Zur Förderung der Nationalparke in Deutschland, ihrer Akzeptanz und Achtung hat sie viel beigetragen. Bis heute begleitet sie die Entwicklung der großen Schutzgebiete in Deutschland. Die EGE gratuliert der Redaktion, den ständigen Mitarbeitern und den Lesern, die der Zeitschrift 40 Jahre die Treue gehalten haben.

EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer hat einen Aufsatz für das Jubiläumsheft geschrieben: "Der Bergbach und die Wasseramsel" - ein Beitrag über 40 Jahre Naturschutzgeschichte und lesenswert wie jede Ausgabe der Zeitschrift "Nationalpark". Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 1,01 MB), wenn Sie den Beitrag lesen möchten. Horst Stern, der die Zeitschrift nachdrücklich geprägt hat, sagt über sie: "Besser kann man das Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen." Vielleicht haben Sie Interesse an einem Probeabonnement. Informationen dazu finden Sie hier.

Windenergie: Abstandsempfehlungen der Vogelschutzwarten - Dezember 2014

"Der liebe Gott schreibt auf krummen Linien gerade." Dieses Sprichwort mag dem Leser des Aufsatzes "Artenschutz und Windenergieanlagen", der im Dezemberheft der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" erschienen ist, in den Sinn kommen. Dr. Matthias Schreiber stellt darin die von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten vorbereitete Fachkonvention "Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten" vor, die auf Druck der Windenergiewirtschaft unter Verschluss gehalten wird. Schreiber ordnet die Empfehlungen naturschutzrechtlich ein und zieht Schlussfolgerungen für die Planungs- und Zulassungspraxis von Windenergieanlagen. "Damit ist diese Fachkonvention zitierfähig", schreibt Prof. Dr. Eckhard Jedicke, der Schriftleiter im Editorial der Zeitschrift, "denn darin sehen wir als Fachzeitschrift unsere Aufgabe: neue Fachkenntnisse rasch für Planungen und Entscheidungen verfügbar machen." Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 796 KB), wenn Sie den Beitrag von Dr. Matthias Schreiber lesen möchten.

Arbeitsalltag bei der EGE - Dezember 2014

Vier Schleiereulen in einem Nistkasten © Rosl Rößner

"Zwölf Uhr mittags. Eigentlich wollten wir Obstbäume schneiden, damit die Steinkäuze in der Kölner Bucht ein Zuhause behalten", sagt Stefan Brücher. "Doch dann bekamen wir einen Anruf: Hier in der Scheune liegt ein Eulenkasten und da ist noch etwas drinnen." Brücher und sein Begleiter Peter Josef Müller haben alles stehen und liegen lassen und sind zu der Scheune hingefahren. Dort lag am Boden aus neun Metern Höhe abgestürzt ein Schleiereulenkasten. Der Kasten hatte sich - angefüllt mit reichlich Schmutz aus vielen Jahren - aus der Verankerung gelöst. Beim Blick durch die Kastenöffnung war dieser Dreck zu sehen und sonst nichts. Bis schließlich nach einigem Bohren und Graben die erste junge Schleiereule zum Vorschein kam. Glücklicherweise atmete sie noch. Weiter hinten im Kasten fauchten noch drei Geschwister. Dann fanden die Eulenschützer noch eine Verschüttete. Vier junge Eulen waren wohl auf. Die fünfte ließ ein Bein baumeln.

Die Eulenschützer brachten die verletzte Eule zum Tierarzt. Anschließend holten sie bei den Müllers Mäuse für die verbliebenen Jungvögel und in der EGE-Geschäftsstelle einen neuen Eulenkasten und das passende Werkzeug, Flaschenzug, Bohrmaschine und Winkeleisen. Einer langen Leiter bedurfte es auch, aber diese hatte ein unauffindbarer Nachbar ausgeliehen. Kurz vor dem Versuch, kurze Leitern zusammenzubinden, brachte ein anderer Nachbar eine passende Leiter. Dann fuhren Brücher und Müller zurück zu der Scheune. Zwölfmal die Leiter rauf und runter - Kasten anpassen, hochziehen, dübeln, schrauben; Eulen beringen; Einstreu, Futtermäuse und Eulen in den Kasten befördern. Es ist 18:00 Uhr.

Die bange Frage: Werden die Altvögel nach dem Kastendesaster, das sich möglicherweise bereits zwei Tage vorher ereignete, die Jungen weiterversorgen? Am Tag darauf sind die vier Jungvögel wohlauf. Brücher und Müller installieren eine Kamera, um Gewissheit zu erlangen. Tags drauf sind keine Altvögel auf den Fotos zu sehen. Den Jungen werden nochmals Futtermäuse in den Kasten gelegt. Von den Altvögeln keine Spur. Am nächsten Tag kommen zwei der vier jungen Eulen in eine Pflegestation. Die beiden anderen sind bereits ausgeflogen. Der Beinbruch der verletzten fünften Eule heilt nicht. Der Bruch ist zu nahe am Gelenk; sie muss eingeschläfert werden. Kein Happy End auf der ganzen Linie - nur streckenweise. Arbeitsalltag bei der EGE. Ohne Gehalt und Honorar.

Die Geschichte macht deutlich: Nistkästen für Schleiereulen müssen sicher verankert werden und von Zeit zu Zeit von den Hinterlassenschaften der Eulen gereinigt werden. Sonst werden die Kästen zu schwer und können Schaden nehmen. Die EGE hatte von dem Kasten keine Kenntnis, sonst hätte sie gewiss früher etwas unternommen und den Eulen wäre der Absturz erspart geblieben.

Schleiereule © Gordana und Ralf Kistowski

Zimmer mit Aussicht: Der neue Uhunistkasten am Hildesheimer Dom - November 2014

Blick durch den Uhunistkasten in den Kreuzgang © Wilhelm Breuer

Am Hildesheimer Dom hat die Bistumsleitung einen neuen Brutplatz für Uhus einrichten lassen. Der komfortable maßangefertigte Nistkasten befindet sich in einer Dachschräge zum Kreuzgang des Domes hin. Falls Uhus diesen Brutplatz beziehen, was zu hoffen ist, und ihn junge Uhus verlassen, fallen sie in das sichere Geviert des Kreuzganges. Dort können sie sich tagsüber verstecken und nachts von den Altvögeln versorgt werden. Ihre Jugendzeit endet dort, wenn sie vollflugfähig die Mauern des Kreuzganges überwinden können.

Im April 2014 waren im Westwerk des Domes in einem eigentlich für Turmfalken angebrachten Nistkasten drei Uhus geschlüpft. Während der Sanierung des Domes war es versehentlich zu einer Erweiterung der Kastenöffnung gekommen. Ein Uhupaar hatte die Gunst der Stunde genutzt und den Turmfalkenkasten mit der erweiterten Öffnung als Nistplatz bezogen.

Die Wahl des Brutplatzes erwies sich als problematisch. Denn als im Mai die Uhus aus dem Turm sprangen, wie es für junge Uhus normal ist, landeten sie in einer Großbaustelle mit allen damit verbundenen Risiken für junge Uhus. Eine Baustelle ist der Dom jetzt nicht mehr, und der Dom liegt auf einem verkehrsberuhigten Hügel. Vom Domgelände aus führen aber mehrere Zugänge zu vielbefahrenen Straßen und in die Innenstadt. Die Verlegung des Uhubrutplatzes aus dem Westwerk in den Bereich des Kreuzganges im Osten des Domes dürfte die Risiken für Uhus am Hildesheimer Dom vermindern. Im Gegenzuge ist die Öffnung des Turmfalkenkastens wieder verkleinert worden, so dass der Kasten für Falken attraktiv bleibt, aber Uhus den für sie sicheren neuen Brutplatz umso eher annehmen sollten.

Die EGE hat nach der Fertigstellung des Nistkastens dort einige Eintagsküken platziert, um den Uhus den Kasten schmackhaft zu machen. In den Abendstunden rufen wieder Uhus am Dom.

Die EGE sagt dem Dombaumeister Norbert Kesseler, dem Umweltbeauftragten des Bistums Jürgen Selke-Witzel, den Dipl.-Ing. Alexander Ottersbach und Markus Scherbanowitz und den ausführenden Domhandwerkern ein herzliches Vergelt`s Gott!

Bick vom Kreuzgang auf die Öffnung des Uhunistkastens © Wilhelm Breuer

Der Nistkasten befindet sich in der zweiten Dachgaube von rechts.

Uhubrutsaison 2014 - November 2014

Vier junge Uhus © Gordana und Ralf Kistowski

Uhus gab es zur Brutzeit 2014 in der Eifel in 164 Revieren. Mit einer Brut begonnen haben heuer aber nur 135 Paare. Davon brüteten 103 Paare erfolgreich. Das sind weniger als im Jahr 2012 (128), aber deutlich mehr als im Jahr 2013 (36). 26 Paare hatten ein Junges, 48 Paare zwei, 26 Paare drei und drei Paare vier Jungvögel. Insgesamt gingen aus den 103 Bruten 212 Jungvögel hervor. Das sind 2,06 Jungvögel je erfolgreiche Brut (im Vorjahr 2). 178 Jungvögel wurden mit Ringen der Vogelwarten Helgoland und Radolfzell zu wissenschaftlichen Zwecken von Stefan Brücher gekennzeichnet. Zu den brütenden Uhus zählte auch "Lotte" an der Ahr, die drei Junge aufzog, die wochenlang tausende Zuschauer begeisterten, die via Webcam die Brut- und Jungenzeit begleitet haben. Eine Besonderheit der Brutzeit 2014: Noch nie waren schon im April so viele Junge im beringungsfähigen Alter von vier Wochen wie in diesem Jahr.

Unerfreulich hoch ist die Zahl von 32 Brutaufgaben. Dazu zählen auch 12 Brutaufgaben, bei denen nachweislich bereits Jungvögel geschlüpft waren. Wie es zu diesen Verlusten hat kommen können, ist ungeklärt. Gerade Verluste von Bruten mit geschlüpften Jungvögeln waren bisher selten und zumeist eine Folge von Unwetterereignissen. Solche Wetterereignisse gab es zu den fraglichen Zeiten nicht. Zu den Verlusten kam es auch an klimatisch begünstigten Gebieten in der Eifel, wo Uhus in den Vorjahren zumeist besonders erfolgreich gebrütet haben.

Die Brutaufgaben können auch nicht allein auf anthropogene Störungen zurückgeführt werden (nachweislich aber 3 von 32), denn an vielen Stellen sind solche Störungen unwahrscheinlich. So gleicht die EGE die Lage von Geocaches regelmäßig mit den bekannten Uhubrutplätzen ab, um dort Geocaches aufheben zu lassen. Und an Mosel und Ahr hat die EGE mit den Firmen die notwendigen einzelfallbezogenen Absprachen getroffen, um die Uhubruten vor Störungen durch den Hubschraubereinsatz bei Weinbergspritzungen zu schützen. Absprachen trifft die EGE auch mit der Abbauwirtschaft in Steinbrüchen und Abgrabungen, in denen Uhus brüten. Vielleicht muss bei den Verlusten auch an den Einfluss von Kolkraben und Waschbären gedacht werden. Während Kolkraben nach Jahrzehnten der Verfolgung willkommene Rückkehrer in der Eifel sind, wird man die Rolle der Waschbären eher kritisch sehen müssen. Waschbären stammen aus Nordamerika; sie sind als eine von Menschen eingeschleppte oder eingebürgerte Art für die heimatliche Fauna keineswegs problemlos.

Wenn Sie eine Möglichkeit sehen, die Arbeit der EGE mit Ihrer Spende zu fördern, tun Sie es bitte. Selbstverständlich erhalten Sie eine Spendenbescheinigung zur Vorlage bei Ihrem Finanzamt. Eine individuelle Form des Spendens ist die Übernahme einer Uhupatenschaft. Für eine einmalige Spende in Höhe von 100 Euro können Sie eine solche Patenschaft übernehmen. Nur sehr wenige der diesjährigen Uhus haben eine Patin oder einen Paten gefunden. Wenn Sie das ändern möchten, schreiben Sie einfach an die EGE oder rufen Sie an. Ihre Unterstützung ist herzlich willkommen. Wenn Sie bis Ende November 2014 eine Patenschaft abschließen, erhalten Sie als kleines Dankeschön den Adventskalender der EGE.

Kolkrabe © Gordana und Ralf Kistowski

Eulen-Adventskalender in Schulen und Kindergärten - November 2014

Adventskalender der EGE 2014 © EGE

Der von der EGE herausgegebene Eulen-Adventskalender findet offenbar Gefallen in Schulen und Kindergärten. Der Kalender ist ein Beitrag zur Umweltbildung. Kinder lernen waldbewohnende Eulen und andere Tiere des Waldes beim Öffnen der 24 Türchen kennen. Die EGE dankt allen Personen in Schulen und Kindergärten, die zu diesem Zweck bei der EGE Adventskalender bestellt haben. Ein ganz besonderes Dankeschön gilt Dorothee Warnecke. Die vielfache Eulenpatin aus Hannover hat 20 Kalender einer sozialen Einrichtung für gewalttraumatisierte Jugendliche zukommen lassen. Frau Warnecke hilft damit gleich doppelt: Sie bereitet den Jugendlichen eine Freude und fördert den Schutz der Eulen. Denn die Spenden für den Erwerb der Kalender fließen in die Eulenschutzprojekte der EGE. Danke, Frau Warnecke!

Aktualisierte Arbeitshilfe "Naturschutz und Windenergie" - November 2014

Windenergieopfer Fledermaus © Wattenrat Ostfriesland

Während die Länderumweltminister und der Bundesverband Windenergie die Veröffentlichung der Fachkonvention der deutschen Vogelschutzwarten zu "Windenergie und Vogelschutz" weiterhin behindern und in den meisten Bundesländern ministerielle Vorschriften den Naturschutz beim Ausbau der Windenergiewirtschaft marginalisieren, hat der Niedersächsische Landkreistag (NLT) seine Arbeitshilfe "Naturschutz und Windenergie" aktualisiert (Oktober 2014). Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 660 KB), wenn Sie die vom NLT beschlossene Arbeitshilfe lesen möchten.

Der Schritt des NLT ist auch deshalb bemerkenswert, weil die sozialgrüne niedersächsische Landesregierung an einem Erlass und einem Leitfaden arbeitet, von denen sich die Windenergiewirtschaft ein faktisches Aus für die NLT-Arbeitshilfe erhofft.

Befürchtungen, die Empfehlungen des Landkreistages könnten den von der Landesregierung angestrebten Regelungen widersprechen, erteilte der NLT eine deutliche Absage: "Auch bei der Erarbeitung von Regelungen der Landesregierung müssen die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse Berücksichtigung finden. Diese haben in die vorliegende Fassung der NLT-Arbeitshilfe Eingang gefunden."

Bürgerinitiativen, andere Organisationen und Einzelpersonen, die sich über den Konflikt Naturschutz und Windenergiewirtschaft sowie über die beachtlichen Maßstäbe des Naturschutzes und der Landschaftspflege informieren möchten, sollten sich mit der Arbeitshilfe des NLT vertraut machen. Viele Aussagen der Arbeitshilfe haben Bedeutung über Niedersachsen hinaus. Und sei es nur, dass sie die Defizite ministerieller Regelungen oder aktueller Planungs- und Zulassungsverfahren leichter erkennbar machen.

Mäusehoch und Eulentief - Oktober 2014

Vier junge Schleiereulen © Dirk Petzold

Die Felder sind großenteils abgeerntet, was Eulen die Jagd auf Mäuse erleichtern sollte. In einigen Regionen scheint an Mäusen kein Mangel zu sein. Diese Umstände haben manchenorts die Schleiereulen zu späten Bruten veranlasst. So berichtet Rolf Thiemann aus Bedburg westlich von Köln am 26. Oktober 2014 von sechs jungen Schleiereulen mit der Aussicht aufs Schlüpfen eines weiteren Kükens in einem Nistkasten. Das erste Küken war am 10. Oktober geschlüpft. Neben den Jungvögeln liegt ein Vorrat von sage und schreibe 48 Mäusen.

Der Schleiereulenbestand ist auf solche glücklichen Umstände dringend angewiesen. Nach einer Folge strenger Winter und dramatischer Verluste der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft muss man sich um die Zukunft der Schleiereule sorgen. Das Bild zeigt die vier Jungvögel einer Brut im westfälischen Telgte im September 2014.

In Landwirtschaftskreisen ist jetzt wieder mit dem Ausbringen chemischer Mittel zu rechnen, die die Mäuse töten sollen. Der EGE ist bei diesem Gedanken nicht wohl, weil sie tödliche Folgen für Schleiereulen als Folge von Sekundärvergiftungen befürchtet. Die Mäusepopulation unterliegt natürlichen Schwankungen. Auf ein Populationshoch folgt mit Gewissheit ein Zusammenbruch - auch ohne die Mittel der chemischen Industrie.

Der Adventskalender der EGE - Oktober 2014

Adventskalender der EGE 2014 © EGE

Bis Weihnachten ist es noch eine Weile hin, auch wenn seit Anfang September die Supermärkte Lebkuchen verkaufen. Wer sich auf Weihnachten vorbereiten möchte, sollte dies im Advent tun. Ein Adventskalender kann dabei eine Hilfe sein. Die EGE hat einen solchen Adventskalender gestaltet.

Der Kalender zeigt auf der Vorderseite einen Waldkauz in einer Baumhöhle. Das Bild stammt von Rosl Rößner. Die Bilder hinter den 24 Türchen zeigen waldbewohnende Eulenarten - nämlich Rauhfuß-, Sperlings- und Waldkauz - und andere Tiere des Waldes. Michael Papenberg hat diese Tiere gezeichnet. Die Rückseite stellt die Eulenarten und eines der Anliegen der EGE vor: Wald für Eulen - natürlich. Der Kalender ist ein kleines Kunstwerk. Und gar nicht so klein, nämlich 34 x 24 cm.

Vielleicht möchten Sie Freunden und Verwandten rechtzeitig zum 1. Dezember mit dem Kalender eine Freude machen. Der Kalender ist ein schönes Geschenk auch für Kinder und Enkel. Der Kalender ist nirgends zu kaufen, passt in einen B 4-Umschlag und lässt sich für 1,45 Euro mit der Deutschen Post versenden.

Die EGE erbittet für einen Kalender eine Spende in Höhe von 7,50 Euro. Bei einer Abnahme von mindestens zehn Kalendern vermindert sich der Betrag auf 5 Euro je Kalender. Die Versandkosten übernimmt die EGE. Selbstverständlich erhalten Sie eine Spendenbescheinigung.

Bitte richten Sie Ihre Bestellung per E-Mail an   egeeulen@t-online.de  oder mit der gelben Post an die Geschäftsstelle der EGE, Breitestr. 6, 53902 Bad Münstereifel. Die Spende erbittet die EGE auf ihr Spendenkonto Postbank Köln BIC PBNKDEFF; IBAN DE66370100500041108501.

Der Versand erfolgt nach Eingang der Spende ab November. Die an der Gestaltung des Kalenders beteiligten Personen haben auf ein Honorar verzichtet. Die Einnahmen nach Abzug der Druck- und Portokosten fließen vollständig in die Eulenschutzprojekte der EGE. Bitte warten Sie nicht zu lange mit Ihrer Bestellung. Die Auflage ist nicht hoch.

Bemühungen um Schutz der Hildesheimer Domuhus gewürdigt - Oktober 2014

Außenaufnahme des Hildesheimer Domes © Ina Funk/Bischöfliche Pressestelle Hildesheim

Vertreter des Bistums Hildesheim und der EGE haben am 14. Oktober 2014 im Bischöflichen Generalvikariat die Bemühungen zum Schutz der Uhufamilie gewürdigt, die in diesem Jahr im Turm des Domes ein Zuhause gefunden hatte. Auf Einladung des Umweltbeauftragten des Bistums, Jürgen Selke-Witzel, trafen sich Personen, die auf unterschiedliche Weise für den Schutz der Uhus Sorge trugen.

EGE Geschäftsführer Wilhelm Breuer fasste die Situation der Uhus in Deutschland und am Hildesheimer Dom zusammen. Anschließend überreichte er Domdechant und Weihbischof em. Hans-Georg Koitz die Patenschaftsurkunden über die beiden am Hildesheimer Dom aufgewachsenen Uhus Maria und Martha. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 96 KB), wenn Sie den Beitrag zu der Veranstaltung lesen möchten.

Breuer hob den Einsatz einzelner Personen heraus, dankte ihnen mit Buchgeschenken und zeichnete Dipl.-Ing. Alexander Ottersbach von der Firma Schilling Architekten Köln für seinen Einsatz mit einer Ehren-Patenschaft für einen Uhu und einen Steinkauz aus. Ein besonderer Dank der EGE galt dem Umweltbeauftragten des Bistums, Jürgen Selke-Witzel, und dessen Vorgänger, Pfarrer Klaus Jung, der vor vielen Jahren die Grundlage für das Naturschutzengagement des Bistums gelegt hatte.

WDR berichtet kritisch über Aus des Vogelschutzwarten-Papiers - Oktober 2014

Zwei Uhus in einer Birke © Gordana und Ralf Kistowski

Knapp vier Wochen nach dem von den Länderumweltministern beschlossenen Aus für die "Abstandsregelungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten" hat sich der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen NABU-Landesverbandes kritisch zu dieser Entscheidung geäußert. Der Westdeutsche Rundfunk hatte wegen der ungeheuerlichen Minister-Entscheidung, die Veröffentlichung an die Zustimmung des Bundesverbandes Windenergie (BWE) zu knüpfen, den dortigen Umweltminister und den NABU-NRW kritisch zu dem Vorgang befragt. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Bericht des WDR ansehen möchten.

Außer dem NABU-NRW hat nach EGE-Informationen kein anderer NABU-Landesverband kritisch zu den Vorgängen Stellung genommen. Die EGE verzichtet an dieser Stelle auf eine Kommentierung der Ausführungen des nordrhein-westfälischen Umweltministers Johannes Remmel, weil die EGE über die Hintergründe bereits ausführlich an dieser Stelle berichtet hat. Über die Haltung des nordrhein-westfälischen Umweltministers bilde sich jeder selbst ein Urteil.

Die EGE hatte in den letzten zwei Jahren als einzige Organisation immer wieder auf den massiven Druck hingewiesen, den die Windenergiewirtschaft zur Vereitelung des Vogelschutzwarten-Papiers ausgeübt hat. Die EGE war es, die die skandalöse Ministerentscheidung überhaupt erst öffentlich gemacht hatte. Übrigens ist die Fachkonvention der Vogelschutzwarten nun dennoch an die Öffentlichkeit gelangt, jedenfalls die Fassung vom 13.05.2014, und zwar steht das Papier auf der Website des Wattenrates. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 6,36 MB), wenn Sie die Fachkonvention der deutschen Vogelschutzwarten lesen möchten, die nach dem Willen der Windenergiewirtschaft und der mit ihr auf das engste verbundenen Länderumweltminister keine Rolle spielen soll. Man darf darauf hoffen, dass diese Fachkonvention den Weg in die Praxis und letztendlich auch in die Rechtsprechung finden wird. Die Verwaltungsgerichte werden jedenfalls diese Fachkonvention als das erkennen was sie ist: nämlich als das beste verfügbare Wissen des professionellen Vogelschutzes in Deutschland zum Konflikt "Windenergie und Vogelschutz" - unabhängig von politischer Vereinnahmung und wirtschaftlicher Anpassung.

Das Schweigen der Angepassten - Oktober 2014

Steinkauz © Gordana und Ralf Kistowski

Prof. Dr. Eckhard Jedicke nimmt im Vorwort des Oktoberheftes der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" Bezug zu der ungeheuerlichen Entscheidung der "Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung" (LANA). Die LANA (das ist tatsächlich die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Länderumweltminister) hatte im September 2014 am Rande des Deutschen Naturschutztages in Mainz die Veröffentlichung der von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten vorbereiteten "Abstandsregelungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten" untersagt bzw. die Veröffentlichung an die Zustimmung des Bundesverbandes Windenergie (BWE) geknüpft. Prof. Jedicke fragt, "Wer schützt hier wen?". Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 92 KB), wenn Sie das Vorwort lesen möchten.

Die beispiellose Intervention der Länderumweltminister ist von den etablierten großen Naturschutzorganisationen klag- und kommentarlos hingenommen worden. Die Veranstalter des Deutschen Naturschutztages, an dessen Rande sich der Skandal vollzog, haben gar nicht, der Naturschutzbund Deutschland mit einem zaghaften Appell an die Länderumweltminister reagiert, den Vogelschutz beim Ausbau der Windenergiewirtschaft nicht zu verwässern. BUND und DNR blieben stumm in diesem Konflikt. Glücklicherweise, möchte man sagen, sind diese Verbände doch stets an der Seite der Windenergiewirtschaft. Der Funktionäre-Naturschutz in Deutschland ist artig, unkritisch, nah an der Macht, obenauf und von den drängenden Problemen entfernt. Das Vorwort in Heft 10/2014 von "Naturschutz und Landschaftsplanung" ragt aus der Angepasstheit mit Fragen heraus, die die großen Naturschutzverbände personell, intellektuell und moralisch zu stellen nicht in der Lage sind.

Eulen in Deutschland - Oktober 2014

'Der Falke' Sonderheft

Die Zeitschrift "Der Falke" hat das Sonderheft 2014 den heimischen Eulen gewidmet: Eulen in Deutschland - Verbreitung, Gefährdung, Trends (D: € 6,95, A € 7,20, CH: CHF 11,90). 16 Beiträge auf 56 Seiten gelten insbesondere den zehn in Deutschland heimischen Eulenarten und den Organisationen, die sich mit ihrem Schutz befassen. Drei der Beiträge schrieb Wilhelm Breuer, der in dem Heft auch die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen portraitiert. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 2,87 MB), wenn Sie die Beiträge lesen möchten. Wir veröffentlichen die Beiträge an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung der Aula-Verlag GmbH.

Die drei Beiträge:

Der BUND, der DNR und die Windenergiewirtschaft - September 2014

Die Windenergiewirtschaft in Niedersachsen erwartet von dem dortigen grünen Umweltministers Stefan Wenzel einen "Leitfaden Windenergie und Naturschutz". Dieser Leitfaden soll die von der Windenergiewirtschaft seit zehn Jahren bekämpfte Arbeitshilfe "Naturschutz und Windenergie" des Niedersächsischen Landkreistages (NLT) ablösen. Die Windenergiewirtschaft hatte die als NLT-Papier bekannte Arbeitshilfe mit Klagen überzogen, war aber vor Gericht stets gescheitert. Deshalb soll das Problem auf politischem Wege gelöst werden.

Für dieses Unterfangen bringt am 04. November 2014 im Maritim Grand Hotel in Hannover die Windenergiewirtschaft ihre Positionen in Stellung. Dazu gehört der ministerielle Leitfaden "Umsetzung des Arten- und Habitatschutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Nordrhein-Westfalen". Ausgerechnet dieses Papier wird in Hannover beworben; es steht zwar im Widerspruch zu geltendem Artenschutzrecht, soll aber gerade deswegen die Blaupause für den geforderten niedersächsischen Leitfaden sein. Personen aus dem Naturschutz mit einer gebotenen Distanz zu den Forderungen der Windenergiewirtschaft sind im Programm der Veranstaltung mit dem Titel "Vereinbarkeit der Windenergie mit dem Natur- und Artenschutz" nicht platziert. Selbstverständlich auch nicht das NLT-Papier, das aber unterschwellig im Fokus der Veranstaltung stehen dürfte.

Veranstalter ist die "Fachagentur zur Förderung eines natur- und umweltverträglichen Ausbaus der Windenergie an Land". Ihr gehören insbesondere Ministerien des Bundes und der Länder sowie "Verbände der Zivilgesellschaft" an, so auch - der Leser ahnt es sicherlich schon - der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Deutsche Naturschutzring (DNR). Ein Vertreter des DNR ist gar im Vorstand der Agentur.

Vielleicht wird man am Ende der Veranstaltung sagen, "außer Spesen nichts gewesen". Das wäre ein vergleichsweise harmloses Ergebnis. Dass die Honorare der Redner nicht so knapp bemessen sein dürften, versteht sich von selbst. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert die Veranstaltung. Geld der Steuerzahler abgreifen, für die Windenergiewirtschaft Widerstände brechen und den Naturschutz marginalisieren. Darum geht's. Die Naturschutzverbände BUND, NABU und DNR haben weder etwas zur Verteidigung der von der Windenergiewirtschaft unterdrückten Fachkonvention der Vogelschutzwarten beigetragen, noch haben sie sich jemals für die Arbeitshilfe des NLT eingesetzt. Auf diese Verbände kann der professionelle Naturschutz im Konflikt mit der Windenergiewirtschaft nicht zählen. In vielen Fällen stehen - von Ausnahmen abgesehen - diese Verbände und ihre Funktionäre als nützliche Handlanger auf der anderen Seite.

Milder Winter erhofft - September 2014

Schleiereule im Flug © Rosl Rößner

Die Eulenschützer treffen in vielen Regionen Deutschlands auf ein ähnliches Ergebnis: Obgleich in diesem Jahr an Mäusen kein Mangel ist, sind Schleiereulenbruten rar. Es gibt einfach zu wenige Schleiereulen, die den Mäusesegen mit Bruten beantworten könnten. In den zurückliegenden Wintern (sehen wir vom Winter 2013/14 ab), sind zu viele Schleiereulen verhungert. Die Agrarlandschaft hält bei Schnee und Frost keine Mäuse mehr in Reserve, wie es früher in den Scheunen und Ställen der Fall war. Um die Schleiereulen müssen wir uns Sorgen machen.

Diese Erfahrung machten in diesem Jahr auch Peter Josef Müller, Ute Lomb, Stefan Brücher und Sonia Weinberger, die für die EGE nach den Schleiereulen im nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen geschaut haben. Die Eulenschützer registrierten dort nur drei Bruten. Die Jungvögel von zwei der drei Bruten waren zum Zeitpunkt der Kontrollen bereits ausgeflogen. Immerhin die zehn Jungvögel der dritten Brut konnte Peter Josef Müller beringen. Alle Jungvögel waren in einem gut versorgten Zustand. Beide Altvögel saßen bei den Jungen im Nistkasten.

Kontrolliert wurden 21 Nistkästen. In 12 Kästen hatten sich vermutlich nur Einzelvögel aufgehalten; einer davon wurde beringt. Auf die zeitweilige Anwesenheit von Eulen in diesen Kästen deuteten Mauserfedern, Gewölle und tote Mäuse hin. Hoffen wir für die Schleiereulen auf einen milden Winter!

Ein Expertenworkshop "auf der Suche nach der verlorenen Zeit" - September 2014

Totes Rotkehlchen © Eberhard Giese

Der NABU-Bundesverband lädt für den 07.10.2014 zu einem Expertenworkshop nach Berlin ein, der sich - so die Ankündigung - "mit der Frage zur Notwendigkeit und Machbarkeit bundesweiter Standards zur Windenergie an Land befassen wird". So lautet die Ankündigung.

Sehen wir von diesem Satzungetüm und der Unbestimmtheit, um welche Standards es sich handeln könnte, einmal ab. Nehmen wir an, es geht um Standards des Naturschutzes und der Landschaftspflege und nicht um technische, unternehmerische oder sonstige gewinnorientierte Standards. In einer Hinsicht besteht überhaupt kein Zweifel: Es geht dem NABU um die "Presse-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit". Das steht nämlich auch in der Ankündigung. Für welche Lobby gearbeitet werden soll, ist indessen wiederum fraglich.

Dass es für die Berücksichtigung des Vogelschutzes beim weiteren Ausbau der Windenergiewirtschaft seit zwei Jahren "bundesweite Standards" gibt, die zu veröffentlichen die Länderumweltminister den deutschen Vogelschutzwarten am 07.09.2014 untersagt haben, scheint dem NABU entgangen zu sein. Aber der NABU ist mit Unterstützung der übrigen windenergieverliebten Umweltverbände auf der Suche nach "bundesweiten Standards". In Deutschland stehen übrigens mehr als 25.000 Windenergieanlagen an Land.

An der Sache des Naturschutzes orientierte Verbände würden die Fachkonvention der Vogelschutzwarten selbst veröffentlichen. Ist dieses Papier nämlich erst einmal im Netz verfügbar, wird es seinen Weg in die Rechtsprechung und über diesen Umweg in die Planungs- und Zulassungspraxis finden.

Mit am Tisch des NABU-Expertenworkshops ist der Bundesverband Windenergie (BWE). Ein gern gesehener Gast in den Bundesgeschäftsstellen der Umweltverbände. Der BWE hat die vorbereitete Fachkonvention in seinen Besitz gebracht und mit dem nötigen Druck (viel war dazu nicht nötig) die Umweltminister gegen diese "bundesweiten Standards" eingenommen. Die Umweltminister haben daraufhin das Schicksal dieser Standards der deutschen Vogelschutzwarten an die Zustimmung eben dieses Verbandes geknüpft. Wo sind die Naturschutzverbände? Wie sagte letzthin ein Kenner der Umweltverbände über deren Rolle im Naturschutz: "Keine Angst. Die wollen nur spielen."

Vogelschutzwarten mundtot, Verbände schweigen - September 2014

Die Veröffentlichung der bereits vor zwei Jahren von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) erarbeiteten Fachkonvention "Abstandsregelungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten" ist bis auf weiteres gescheitert. Die Länderumweltminister haben die Veröffentlichung mit großer Mehrheit und ohne Gegenstimmen faktisch untersagt. Ort des Geschehens: Mainz am Rande des 32. Deutschen Naturschutztages. Die ausführenden Organe: Die Marionettenbürokraten aus den Länderumweltministerien am Faden ihrer Umweltminister.

Die Leiter der deutschen Vogelschutzwarten sind in Mainz verpflichtet worden, das vorbereitete Papier mit dem Bundesverband Windenergie (BWE) abzustimmen. Erst wenn sich beide Seiten über die Aussagen des Papiers geeinigt hätten, könne an eine Veröffentlichung gedacht werden. Eine Demütigung der Fachleute des Vogelschutzes und ein beispielloser Vorgang in der Geschichte des Naturschutzes in Deutschland! Es ist so, als würde die deutsche Ärzteschaft gezwungen, die Veröffentlichung ihres Memorandums über die Gefahren des Rauchens von der Zustimmung der Tabakindustrie abhängig zu machen.

In welchen Lobbyismus verfällt dieses Land? Die weichgespülten Naturschutzvereinigungen sind vermutlich weder zu einer angemessenen Reaktion noch zu einer öffentlichen Unmutsäußerung fähig. Zu groß ist ihre eigene Bindung an die Windenergiewirtschaft und ihre Abhängigkeit vom emotionalen und finanziellen Wohlwollen der Umweltministerien.

Zur selben Zeit tagt der vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bundesverband Beruflicher Naturschutz (BBN) und Deutschen Naturschutzring (DNR) veranstaltete Deutsche Naturschutztag, ohne ein Wort über den dreisten Akt der Unterdrückung einer Fachkonvention des Vogelschutzes zu verlieren. Stattdessen Vorträge über "Windenergie über Wald", "Windenergie mit den Bürgerinnen und Bürgern". Hauptsache Windenergie ohne die Fachkonvention der deutschen Vogelschutzwarten. Ein Schmierentheater.

Mittelspannungsmasten: Gravierende Missstände in Brandenburg - September 2014

Fischadler auf gefährlichem Mast © Sonia Weinberger

Der Fischadler, den die EGE auf einem Mittelspannungsmast im Land Brandenburg antraf (siehe oben), befindet sich hoffentlich wohlbehalten auf dem Weg ins afrikanische Winterquartier. Vielleicht hat ihn und die Jungvögel aber auch der elektrische Schlag getroffen. Der Mast, auf dem sich das Nest befindet, ist nämlich hochgefährlich. Jede Landung der Altvögel, erst recht die Bewegungen der aus dem Nest steigenden Jungvögel, gleichen einem Russischen Roulett. Wie an zahlreichen anderen Mittelspannungsmasten ist der Mast pflichtwidrig nicht entschärft worden.

Die EGE hatte im Jahr 2013 in zehn Stichproben in fünf Bundesländern den Stand der Umrüstung gefährlicher Mittelspannungsmasten überprüft. Die Ergebnisse sind in Heft 4-2014 der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" veröffentlicht worden. Brandenburg war nicht Gegenstand dieser Stichproben. Stefan Brücher hat allerdings im Juli 2014 bei einer Stippvisite ins südwestliche Brandenburg die gefährlichen Masten registriert, die ihm gewissermaßen im Vorbeifahren und ohne planmäßige Kartierung beiläufig ins Auge fielen: Immerhin 45 gefährliche Masten auf einer kleinen Fläche. "Eigentlich sollte es ein Kurzurlaub werden", sagt Stefan Brücher. "Tatsächlich war es der Masten wegen eine traurige Tour."

Die EGE hat die im Einzelnen dokumentierten Ergebnisse dem Umweltminister des Landes Brandenburg präsentiert und um Aufklärung und konkrete Schritte gebeten: "Die Ergebnisse sind - zwanzig Monate nach Ablauf der den Netzbetreibern gesetzten zehnjährigen Umrüstungsfrist - beschämend. Das gilt nicht nur für die säumigen Netzbetreiber, sondern auch für das Umweltministerium, das der Sache offenkundig keine angemessene Bedeutung beigemessen hat. Wir sehen mit Interesse Ihrer erklärenden Stellungnahme und insbesondere der Darstellung eines Planes entgegen, aus dem ersichtlich wird, wie und bis wann die Mängel behoben sein sollen." Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 80 KB), wenn Sie das Schreiben lesen möchten.

Steinkauz-Brutsaison 2014 - September 2014

Steinkauz in einem Nussbaum © Rolf Thiemann

Die Kölner Bucht ist eines der Dichtezentren des Steinkauzes in Deutschland. Hier liegt das Projektgebiet der EGE zum Schutz des Steinkauzes. Es umfasst die nordrhein-westfälischen Kreise Düren und Euskirchen. Während im Kreis Euskirchen wie schon in den Vorjahren alle Reviere erfasst wurden, war es im Kreis Düren eine Teilmenge. Die Hauptverantwortung für dieses Projekt tragen im Kreis Euskirchen Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller sowie im Kreis Düren Doris Siehoff. Sie wurden von einer Reihe Personen unterstützt, so die Müllers von Monika May; Doris Siehoff besonders von Achim Schumacher.

Im Kreis Euskirchen brüteten 70, im Kreis Düren 75 Paare erfolgreich. Das sind 145 erfolgreiche Bruten. Im Jahr 2013 waren es nur 111, im Jahr 2012 158 Paare. Beringt wurden 508 Jungvögel (in den Vorjahren 297 und 515). Die Anzahl der Jungvögel je erfolgreiche Brut lag in den beiden Kreisen bei 3,59 und damit deutlich höher als im Vorjahr. Für die Zunahme ist insbesondere die positive Entwicklung des Mäusebestandes verantwortlich. 2013 war hingegen von einem extremen Mäusemangel gekennzeichnet.

Aus dem Gebiet der Stadt Bornheim im Rhein-Sieg-Kreis teilte Julia Krug-Ochmann eine erfolgreiche Steinkauzbrut mit fünf Jungen mit, von denen vier flügge wurden. Viele Mäuse gab es auch dort. Die Niströhre war zum Zeitpunkt der Beringung gut gefüllt mit bevorrateten Mäusen und einem Maulwurf. Zunächst sah es im Stadtgebiet Bornheim nach drei Bruten aus. Aber in zwei Fällen hatten sich Weibchen zusammengetan und in zwei Niströhren je sechs Eier gelegt, aus denen aber erwartungsgemäß keine Käuze geschlüpft sind. Schade. Eines der Weibchen ist aus dem Kreis Euskirchen eingewandert. Anders als in den Vorjahren waren die vielen Steinkauzniströhren nicht von Singvögeln bewohnt.

Junger Steinkauz in einer Baumhöhle © Rolf Thiemann

Doris Siehoff, Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller haben ausführlich aus der diesjährigen Steinkauz-Brutsaison aus den Kreisen Düren und Euskirchen berichtet. Wenn Sie die Details aus diesen Berichten erfahren möchten, klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 460 KB).

Erfolg, aber keine Entwarnung - September 2014

Kiebitze in der Luft © Rosl Rößner

Der Versuch des nordrhein-westfälischen Umweltministers Johannes Remmel (Bündnis90/Die Grünen), die von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten vorbereitete Fachkonvention "Abstandsregelungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten" zu verwässern, ist vorerst gescheitert. Die Länder-Arbeitsgemeinschaft hat den Versuch entschieden zurückgewiesen. Danke und Glückwunsch! Die EGE hatte den Versuch öffentlich gemacht. Die Sache ist jedoch keineswegs ausgestanden. Am 08. September 2014 tagt die Arbeitsgemeinschaft der Länderumweltministerien. Hier könnten der nordrhein-westfälische Umweltminister und gleichgesinnte Kollegen noch Einfluss auf das Papier nehmen. Sieben der sechszehn Länderumweltminister gehören Bündnis90/Die Grünen an.

Übrigens hat das Kabinett der sozialgrünen Landesregierung in Düsseldorf soeben eine neue Biodiversitätsstrategie beschlossen. Umweltminister Remmel sieht "das wilde NRW" bedroht. Recht hat er. Allerdings trägt zu der Bedrohung der rücksichtslose Ausbau der Windenergiewirtschaft bei. Wie doppelgesichtig des Ministers Agieren ist, zeigen die Fakten: In der ministeriellen Verwässerungsabsicht liegt auch, die Empfehlung der Vogelschutzwarten, Windenergieanlagen gegenüber Kiebitzvorkommen auf 500 m Abstand zu halten, auf 200 m zu beschränken. Dabei wird gerade aus Nordrhein-Westfalen ein dramatischer Rückgang dieser Art gemeldet: Brüteten in Nordrhein-Westfalen 2010 noch über 20.000 Kiebitzpaare, waren es heuer noch 12.000. Welches Schicksal Kiebitze bei ihren waghalsigen Flugmanövern und Balzflügen im Umfeld von Windenergieanlagen erleiden, lässt sich nur zu leicht vorhersehen.

NRW-Umweltminister greift Vogelschutzwarten-Papier an - August 2014

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Ausgerechnet der grüne Umweltminister Nordrhein-Westfalens, Johannes Remmel, verlangt massive Verwässerungen der von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten vorbereiteten Fachkonvention "Abstandsregelungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten". Wer die Verflechtungen zwischen Windenergiewirtschaft und Bündnis90/Die Grünen kennt, dürfte allerdings kaum überrascht sein.

Das bereits vor zwei Jahren vorbereitete Papier soll sich nicht länger "Fachkonvention" nennen dürfen. Das ist gemessen an den übrigen verlangten Änderungen gewiss eine eher harmlose Forderung; sie weist aber die Richtung. Vor allem soll der Mindestabstand zu Rotmilannestern von 1.500 m fallen und eine ganze Reihe weiterer Mindestabstände und Prüfbereiche zudem. Die Autoren des Papiers scheinen nur eine Wahl zu haben: die Änderungen schlucken oder die Veröffentlichung ihres Papiers in den Wind schreiben. Einige der allesamt im Staatsdienst abhängig beschäftigten Autoren scheinen zu den unverschämten Forderungen unter Schmerzen Ja und Amen sagen zu wollen. Der Öffentlichkeit dürfte die grüne Einflussnahme nicht verborgen bleiben: der auf 1.500 m erhöhte Anlagenabstand zum Schutz des Rotmilans ist längst in Veröffentlichungen einiger Vogelschutzwarten mit Berufung auf das vorbereitete Papier "als im Druck" bekanntgemacht. Der Rückzieher wäre ein beispielloser Kniefall vor den Interessen der Windenergiewirtschaft und dürfte die fachliche Autorität der Vogelschutzwarten nicht gerade stärken.

Es ist endlich Zeit, dass die vorbereitete ursprüngliche Fassung veröffentlicht wird. Vielen Personen liegt sie vor, aber niemand traut sich. Von den Naturschutzorganisationen NABU, BUND, DNR und BBN hört man in der Sache nichts. Die Windenergiewirtschaft betreffend stellt sich seit langem die Frage, inwiefern diese Verbände überhaupt noch überwiegend die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege vertreten. Auch eine Fachkonvention, deren Veröffentlichung nachweislich an der fehlenden Zustimmung eines grünen Umweltministers gescheitert ist, wird ihren Weg in die Rechtsprechung finden.

In Nordrhein-Westfalen reicht die Staatskanzlei ihren Gästen wegen der desolaten Haushaltslage zwar nur noch Leitungswasser. Wenn die Rechnung des grünen Umweltministers aufgeht und das Vogelschutzwarten-Papier ordentlich verwässert ist, werden auch dort die Champagnerkorken knallen. Wetten?

Vogelschutzwarten-Papier wird zum Politkrimi - August 2014

Windenergieopfer Mäusebussard © Wattenrat Ostfriesland

Die Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten hat ihre Empfehlungen aus dem Jahr 2007 "Abstandsregelungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten" zu einer Fachkonvention fortentwickelt. Die Arbeitsgemeinschaft national wie international angesehener Experten des Vogelschutzes wird aber seit langem an der Veröffentlichung dieser Fachkonvention gehindert. Wer die Veröffentlichung zu hintertreiben sucht, liegt auf der Hand: die Windenergiewirtschaft und ihre Anhänger, die in den Länderumweltministerien die Ministersessel einnehmen. Ministerieller Widerstand wird besonders aus dem nordrhein-westfälischen Umweltministerium gemeldet. Dort ist Johannes Remmel Ressortchef. Die Veröffentlichung hängt am seidenen Faden. Die Autoren der Fachkonvention können sich nicht frei äußern; sie stehen unter der Kontrolle der Umweltministerien, die sich als verlängerter Arm der Windenergiewirtschaft aufführen.

Dabei ist die vorbereitete Fachkonvention keineswegs revolutionär. Gegenüber der Fassung von 2007 senkt sie den empfohlenen Prüfumfang für die Zulassung von Plänen und Projekte der Windenergiewirtschaft teilweise drastisch ab. In der Hauptsache enthält das Papier nur zwei Verbesserungen: erstens die Erhöhung des Mindestabstandes zum Schutz des Rotmilans auf 1.500 m (gegenüber zuvor 1.000 m) und zweitens die Feststellung, dass auch Vogelarten, die nicht bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen, bei der Entscheidung über die Zulassung der Pläne und Projekte u. U. zu schützen sind. Die Windenergiewirtschaft läuft gegen beide Anforderungen Sturm. Arten, die wie beispielsweise Mäusebussard, Turmfalke oder Schleiereule nicht bereits auf der Roten Liste stehen, sollen unter Ausschluss der artenschutzrechtlichen Verbote und ohne Weiteres einzeln oder gar in großer Zahl an den Anlagen zu Tode kommen dürfen. Eine solche Praxis ist zwar weithin üblich, aber sie ist rechtswidrig. Deshalb ist es höchste Zeit, dass die Vogelschutzwarten an dieser Stelle ein Signal setzen.

Es zählt zu den gravierendsten Versäumnissen des politischen wie praktischen Vogelschutzes in Deutschland, dass keine der großen Naturschutzorganisationen, die über die Lage im Bilde sind, der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten helfend in diesem Politikkrimi zur Seite eilt und der Windenergiewirtschaft in den Arm fällt. Stattdessen marschieren Umweltverbände und Windenergiewirtschaft Arm in Arm.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Umweltministerien den Vorgang um die Fachkonvention zum Anlass nehmen, die Vogelschutzwarten einer noch stärkeren Kontrolle zu unterwerfen. An Fachpositionen des Vogelschutzes könnten künftig nur noch gearbeitet werden, wenn sie von vornherein für politische Bestrebungen bedeutungslos sind. Ein beispielloses Einzelschicksal wäre das nicht. Bereits vor Jahren ist die frühere Arbeitsgemeinschaft der Landesämter und des Bundesamtes für Naturschutz aus politischen Gründen faktisch aufgelöst worden. Auch damals auf Druck der Windenergiewirtschaft. Wann endlich wachen die Naturschutzorganisationen und ihre still zahlenden Mitglieder auf?

Von Baumfrevel und Energiewenderomantik - August 2014

Ein Bild der Verwüstung © Onno K. Gent

Es ist wahr: Die EGE betrachtet die Geringschätzung des Natur- und Artenschutzes beim Ausbau der Windenergie mit Sorge. Wie berechtigt diese Sorge ist, zeigt ein Beispiel aus dem Landkreis Aurich. Dort stehen bereits mehr als 500 der etwa 25.000 Anlagen, die bisher in Deutschland - wenn der Wind weht - in Betrieb sind. Ein Ende des Ausbaus ist aber selbst im Landkreis Aurich nicht in Sicht.

Zu Beginn des Jahres sind im Landkreis Aurich mehr als 50 teils 100 Jahre alte Eschen in einer Nacht- und Nebelaktion abgeholzt worden. Das Foto oben zeigt ein Bild der Verwüstung. In den Bäumen waren zuvor Quartiere von Fledermäusen entdeckt worden. Artenschutzrechtliche Vorschriften können dazu führen, dass Windenergieanlagen im Umfeld solcher Quartiere nicht oder nicht ohne weiteres (beispielweise nur mit Laufzeitbeschränkungen) betrieben werden dürfen. Waren also befürchtete Gewinneinbußen und bloße Gier der Grund für die Baumfällaktion? Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz gegen das Unternehmen "Norderland Energie GmbH". Die regionale Presse hat darüber berichtet. Wir veröffentlichen dazu einen Bericht aus dem "Ostfriesischen Kurier" mit freundlicher Genehmigung des Verlags (pdf-Datei, ca. 768 KB).

In den nächsten Jahren wird sich die Anzahl der Windenergieanlagen in Deutschland verdoppeln. Die großen Umweltschutzorganisationen stehen hinter diesen Ausbauzielen. Statt Distanz Kumpanei. Dass die Betreiber der Anlagen Kasse machen, jedoch auch mit noch mehr Windenergieanlagen keine verlässliche Stromversorgung gewährleistet werden kann, ist eine Erkenntnis, der sich Politik, Medien und Öffentlichkeit nur zu gern verschließen. Die Gesetze der Physik überfordern die Gesellschaft.

Die folgende Grafik zeigt die tatsächliche "Leistung" der Windenergie im Netz vom 01. Januar 2014 bis zum 01. August 2014 (erstellt von Dipl.-Ing. Wilfried Heck mit Daten der Leipziger Strombörse und des Übertragungsnetzbetreibers entsoe).

Windenergieleistung 2014

Es muss unterschieden werden zwischen der installierten Leistung (violette Linie) - also dem, was auf den Windenergieanlagen als theoretisches Leistungmaximum angegeben ist - und der tatsächlichen Arbeitsleistung (grüne Linie). Die tatsächliche Arbeitsleistung macht nur etwa 20 Prozent der Nennleistung aus. Vor allem aber ist die tatsächliche Leistung höchst unstet, weil die von unterschiedlichen Windverhältnissen abhängigen Windenergieanlagen völlig unregelmäßig ins Netz einspeisen. Die zwischen diesen Zappelspitzen (grüne Linie) und der tatsächlich verbrauchten Strommenge (blaue Linie) klaffende Bedarfslücke muss für eine störungsfreie und verlässliche Stromversorgung anderweitig gedeckt werden. Deshalb sind Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke am Netz, was zu der verbreiteten Energiewenderomantik nicht recht passen will.

Windenergie: Niedersächsischer Landkreistag setzt erneut Maßstäbe - August 2014

Windenergieanlagen © Wattenrat Ostfriesland

Die "Arbeitshilfe Naturschutz und Windenergie" des Niedersächsischen Landkreistages (NLT) liegt nun in einer aktualisierten Fassung mit Stand 01.07.2014 vor. Darin werden insbesondere die Anforderungen des Vogel- und Fledermausschutzes an den Stand des verfügbaren Wissens angepasst und diese Anforderungen für Regional-, Bauleitplanung und immissionsschutzrechtliches Zulassungsverfahren differenziert. Diese aktualisierte Fassung ist zwar noch nicht offiziell beschlossen; es spricht aus der Sicht der EGE aber nichts gegen ihre sofortige Berücksichtigung, weshalb sie hier eingesehen werden kann (pdf-Datei, ca. 408 KB). Sie ersetzt die Fassung vom 21.01.2014, die die EGE ebenfalls an dieser Stelle veröffentlicht hatte. Dem Vernehmen nach arbeitet die sozial-grüne niedersächsische Landesregierung an einem eigenen Leitfaden zu "Naturschutz und Windenergie". Dieser Leitfaden dürfte an den Eckpunkten der Arbeitshilfe des NLT kaum vorbeikommen, zumal die früheren Fassungen der NLT- Arbeitshilfe in den fast zehn Jahren ihres Erscheinens im Kern von den Verwaltungsgerichten stets bestätigt worden sind.

Ansichtskarte von der Halbinsel Eiderstedt - August 2014

Stromopfer Mäusebussarde auf der Halbinsel Eiderstedt im August 2014 © Michael Knödler

Sie erinnern sich? Vor genau einem Jahr, im August 2013, war Michael Knödler im Europäischen Vogelschutzgebiet Eiderstedt in Schleswig-Holstein auf 98 gefährliche Mittelspannungsmasten gestoßen. Die Bestandsaufnahme war eine der zehn Stichproben, welche die EGE 2013 durchgeführt hatte. Von 2.020 kontrollierten Masten stellten sich 660 als für Vögel hoch gefährlich heraus. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 3,68 MB), wenn Sie die Ergebnisse noch einmal lesen möchten.

Jetzt, ein Jahr später und beinahe zwei Jahre nach Ablauf der den Netzbetreibern gesetzten Umrüstungsfrist, hat Michael Knödler das Vogelschutzgebiet erneut besucht. Von dort sendete er der EGE das oben abgebildete Foto. Es zeigt die Überreste von zwei Mäusebussarden, die dort an einem der nach wie vor gefährlichen Masten einen tödlichen Stromschlag erlitten haben. Es handelt sich um denselben Mast, an dem Michael Knödler im August 2013 bereits einen toten Mäusebussard festgestellt hatte.

Die von der EGE veröffentlichten massiven Versäumnisse der Netzbetreiber und Umweltministerien sind von Politik, Verwaltung, Naturschutzverbänden und Medien weitgehend ignoriert oder verschwiegen worden. Dazu ein EGE-Sprecher: "In der DDR durften Umweltdaten nicht veröffentlicht werden. In Deutschland darf nahezu alles veröffentlicht werden. Aber die veröffentlichten Fakten bleiben folgenlos. Das Bekenntnis zum Schutz der Biodiversität ist eine Worthülse. Nicht einmal in den wenigen Europäischen Vogelschutzgebieten in Deutschland ist die flächendeckend verpflichtende Umrüstung gefährlicher Masten - fast zwei Jahre nach Ablauf der dazu gesetzlich gesetzten Frist - vollständig eingelöst worden. Fast einstimmig hat der Deutsche Bundestag vor Jahren die laufende Dekade zum Schutz der Biodiversität erklärt. Naturschutzpolitik erschöpft sich in Ankündigungen und Sonntagsgerede. Tatsächlich passiert zu wenig bis nichts. Wo Erfolge gesetzlich geschuldet sind, gähnt der Abgrund des Vollzugsdefizites gesetzlicher Bestimmungen, ein Abgrund der nirgends tiefer ist als im Naturschutz."

Wie kollisionsgefährdet sind Uhus an Windenergieanlagen? - August 2014

Zwei Uhus © Gordana und Ralf Kistowski

In Heft 8-2014 der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" nimmt die EGE Stellung zu der Frage "Wie kollisionsgefährdet sind Uhus an Windenergieanlagen?". Der Beitrag ist eine Reaktion auf die in der Planungs- und Gutachterpraxis der Windenergiewirtschaft verbreitete Verharmlosung der Gefahren, denen Uhus an Windenergieanlagen ausgesetzt sind. Das Kollisionsrisiko wird zu oft ignoriert, bagatellisiert, mit untauglichen Untersuchungen fort oder mit unwirksamen Maßnahmen für abgewendet erklärt. Wie fahrlässig dies ist, zeigt der Vergleich der Schlagopferzahlen von Rotmilan und Uhu sowie ein aktueller Fall aus Rheinland-Pfalz. Der EGE sind überdies Fälle bekannt, in denen die bestellten Gutachter der Branche im Einflussbereich geplanter Windenergieanlagen brütende Uhus gar nicht erst gefunden haben. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten. Bundesweit ist es zwar eine Minderheit von Gutachterbüros, die sich ausschließlich oder vorzugsweise bei der Windenergiewirtschaft verdingt. Diese Gutachter sind aber tonangebend und in besonderer Weise bemüht, das Lied der Auftraggeber zu singen, ganz gleich wie unerträglich die Misstöne sind.

Schleiereule besucht Gottesdienst - Juli 2014

Schleiereule als Kirchenbesucher © Bernd Bäumer

Am letzten Julisonntag entdeckte die Küsterin im Kirchenschiff der Pfarrkirche in Lövenich im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg eine Schleiereule. Während des morgendlichen Gottesdienstes ist die Eule vom Orgelspiel begleitet durch das Kirchenschiff geflogen. Kirchenvorstandsmitglied Siegfried Matenaar verständigte Bernd Bäumer von der EGE. Beiden zusammen gelang am frühen Sonntagabend das schweißtreibende Kunststück, die Eule in den schmalen Turmaufgang zu bewegen, sie dort zu fangen und schließlich vor der Kirchentür ins Freie zu entlassen. Zuvor war die Eule immer wieder im Kirchenschiff hin und her geflogen. Von den sprichwörtlich armen Kirchenmäusen dürfte sich der gutgenährte Vogel nicht ernährt haben. Unklar bleibt, ob die Schleiereule ihren Auftritt als ein Zeichen gegen die rückläufige Zahl der Kirchenbesucher verstanden wissen möchte. Im Turm der neogotischen Kirche mit Namen "Pauli Bekehrung" hängt bereits ein Falkenkasten, in dem bisher Turmfalken gebrütet haben. Das Angebot soll auf Initiative von Bernd Bäumer um einen Schleiereulenkasten im Dachstuhl ergänzt werden.

Kirchenvorstandsmitglied S. Matenaar mit Schleiereule © Bernd Bäumer

Vogelschutz im Rang einer Nebensächlichkeit - Juli 2014

"Zu langsam, zu schlecht, zu wenig." So überschreibt ein Beitrag in der in Berlin erscheinenden Wochenzeitung "Junge Freiheit" vom 11. Juli 2014 den Fortgang der Entschärfung vogelgefährlicher Masten in Deutschland und beruft sich darin auf eine Untersuchung der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen. Die Umrüstung hätte Ende 2012 abgeschlossen sein müssen. Tatsächlich schätzt die EGE die Zahl der gefährlichen Masten auf das Ergebnis von Stichproben gestützt auf 100.000. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 840 KB), wenn Sie den Beitrag lesen möchten. Wir veröffentlichen den Beitrag mit freundlicher Genehmigung des Verlags Junge Freiheit Verlag GmbH & Co.

Landleben und -sterben - Juli 2014

Angebrannte Pappel © Peter Josef Müller

Manche Zeitgenossen sind entweder gedankenlos oder sie hegen böse Gedanken und setzen diese in die Tat um. Was sagt man beispielsweise hierzu? Der Sturm hat bei Weilerswist im Kreis Euskirchen die Äste alter Pappeln brechen lassen. Der Eigentümer oder Pächter des Grünlandes, auf dem die Bäume stehen, hat die verwertbaren Äste vernünftigerweise zu Brennholz verarbeitet und abtransportiert, aber die übrigen Äste an Ort und Stelle verbrannt. Und zwar ausgerechnet am Fuß einer der Pappeln, deren Rinde deswegen mehr als mannshoch mitverbrannt ist. Auch der Umstand, dass in diesem Baum eine Steinkauzröhre befestigt ist, in der in diesem Jahr Steinkäuze gebrütet haben, hat vom Feuermachen nicht abhalten können.

Ute Lomb und Peter Josef Müller von der EGE fanden bei der Kontrolle zwar noch den Kauz lebendig in der Röhre, das Gelege aber abgestorben. Vermutlich haben Feuer und Rauch den Kauz aus der Röhre getrieben und schließlich eine erfolgreiche Brut vereitelt. Für den einige Meter über der Steinkauzröhre brütenden Mäusebussard dürfte das Feuer ebenfalls kein Vergnügen gewesen sein.

Ein Beleg für ein angeblich großes Umweltbewusstsein in der Landwirtschaft ist der Fall sicherlich nicht. Wie reagiert man auf einen solchen Vorgang? Bringt man das wissentliche oder gar absichtliche Beschädigen von Lebensstätten streng geschützter Vogelarten zur Anzeige? Wie reagieren die Naturschutzbehörde, der Grundeigentümer oder Pächter auf eine solche Anzeige? Ist damit etwas gewonnen für die Sache des Naturschutzes? Verläuft nicht alles im Sande oder in der Asche? Muss man nicht froh sein, dass die Steinkauzröhre nicht gleich mitverbrannt worden ist? Der Kontrast zu den auflagenstarken Illustrierten mit den klangvollen Namen Landlust, Landleben, Landidee, Landzauber und Landgarten und den entsprechenden TV-Magazinen kann kaum größer sein.

Mainzer Hofsänger - Juli 2014

Toter Uhu im Mast © Lutz Dalbeck

Der 32. Deutsche Naturschutztag findet vom 08. bis zum 12.09.2014 in Mainz statt. Das Treffen steht unter dem viel- wie nichts sagenden Leitwort "Verantwortung für die Zukunft", mit dem heutzutage auch Parteitage überschrieben sind. Veranstalter sind der Bundesverband Beruflicher Naturschutz, das Bundesamt für Naturschutz, der Deutsche Naturschutzring und das Umweltministerium des Gastlandes Rheinland-Pfalz.

Allein 14 der im 100seitigen Tagungsführer aufgeführten Vorträge gelten dem Spannungsfeld "Energie und Naturschutz". Die Veranstaltung knüpft damit an den Deutschen Naturschutztag 2012 an, der den Schwerpunkt hatte "Neue Energien - neue Herausforderungen: Naturschutz in Zeiten der Energiewende". Die Vortragsthemen liegen auf der Hand: "Neue Netze", "Diskurs für die Energiewende", "Mehr Mut zum Dialog für eine naturverträgliche Energiewende", "Energiewende und Landschaftswandel mit Bürgerinnen und Bürgern gestalten", "Windkraft über Wald", "Biotopverbund und ökologisches Schneisenmanagement", um einige der schönfärberischen Titel zu nennen, die Eingang ins Programm gefunden haben.

Der deutsche Behörden- und Verbandsnaturschutz ist kaum Kritiker, geschweige denn ein Korrektiv der Fehlentwicklungen, die mit der Energiewende für die Sache des Naturschutzes und der Landschaftspflege verbunden sind. Der inneren Verfassung ihrer Organisationen und Personen fehlt es dazu nicht allein an der Konfliktfähigkeit, sondern bereits an der Konfliktbereitschaft. Die Energiewende erscheint den Akteuren des Naturschutzes im Kern zu alternativlos, als sich ihr der Verteidigung einiger Arten oder schöner Landschaftsbilder wegen in den Weg zu stellen. Der Naturschutz will die Energiewende "mitgestalten". Darüber können andere Anliegen leicht in den Hintergrund geraten.

So wird es niemanden verwundern, dass wie schon beim Deutschen Naturschutztag 2012 ein skandalöser Missstand auf dem Spannungsfeld "Energie und Naturschutz" erneut nicht Gegenstand des Naturschutztages ist: Die von Netzbetreibern und Landesregierungen versäumte Entschärfung vogelgefährlicher Mittelspanungsmasten, deren Zahl die EGE auf Stichproben gestützt in Deutschland auf mehr als 100.000 prognostiziert. Ende 2012 hatte der Umbau abgeschlossen sein müssen. Zu diesem Zeitpunkt endete nämlich die den Netzbetreibern gesetzlich gesetzte Umrüstungsfrist, die von den Länderumweltministerien unkontrolliert und weitgehend uneingefordert und für die Netzbetreiber folgenlos verstrichen ist. Das Thema ist möglicherweise für die Veranstalter des Naturschutztages zu unbequem und zu konkret, um auf die Agenda zu gelangen.

Der 32. Deutsche Naturschutztag findet im Kurfürstlichen Schloss statt, aus dem das ZDF Karnevalssitzungen überträgt. Während die Sitzungsnarren der Politik immerhin einen Spiegel vorhalten, dürfte sich der Deutsche Naturschutztag eher wie ein Evangelischer Kirchentag in gesellschaftlicher Angepasstheit spiegeln - widerspruchs- und distanzlos, ohne Gegenentwurf, aber ganz nah an den Mächtigen und an einem übermächtigen Zeitgeist.

Deshalb empfindet vermutlich auch keiner der Teilnehmer Unbehagen, dass der Bundesverband Beruflicher Naturschutz den Wolfgang-Erz-Preis aus der Hand der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit verleihen lässt. Ein Ausweis für die Emanzipation des Naturschutzes ist das nicht, eher für ein Schoßhundeleben. Als zu Beginn des Jahres die Bundesministerien für Umwelt und Bauen zusammengelegt wurden, hat der Naturschutz nicht einmal gebellt. Jahrzehnte zuvor hatte der Naturschutz immerhin seine Herauslösung aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium gefordert und erreicht. Es war übrigens Wolfgang Erz, der stets gegen die Vereinnahmung und für die Unabhängigkeit des Naturschutzes eintrat.

Vielen, vielen Dank, liebe Freunde - Juni 2014

Die Uhu-Webcam wird in Betrieb bleiben! Wir - und damit meine ich vor allem Sie, die Sie so großherzig spendeten - haben es geschafft. Es sind genügend Spenden eingegangen, um die Übertragung in der nächsten Saison finanzieren zu können. Ich hatte ja gehofft, dass es dank Ihrer Unterstützung gelingen könnte. Mit einer so raschen und überwältigenden Hilfe hatte in unserem Team aber niemand gerechnet. Langfristig werden wir versuchen, einen neuen Hauptsponsor zu finden. In künftigen Verhandlungen stärkt uns das Wissen, dass wir im Falle eines Scheiterns auf Ihre Unterstützung setzen können. Eine Kommerzialisierung der Webcam und eine damit verbundene unangemessene Werbung für andere Zwecke als den Schutz der Eulen möchten wir vermeiden.

Nicht immer können wir den Überweisungen die vollständige Anschrift des Spenders entnehmen. Bitte schreiben Sie uns kurz, wenn Ihre Anschrift nicht vollständig ist und Sie eine Spendenbescheinigung wünschen. Wir sind bemüht, die Bescheinigungen rasch auszustellen und zu versenden.

Von der Welle Ihrer Unterstützung beeindruckt und mit herzlichen Grüßen
Ihr Stefan Brücher

Neuigkeiten von den Hildesheimer Domuhus - Juni 2014

Blick auf den Hildesheimer Dom © Arnold Plesse

Blick auf den Hildesheimer Dom © Arnold Plesse

Die drei Uhus, die in diesem Jahr überraschend im Turm des Hildesheimer Domes schlüpften, haben in der zweiten Maihälfte im Abstand von ungefähr einer Woche den sicheren Brutplatz in etwa 25 m Höhe verlassen. Den Sprung aus der luftigen Höhe am 16., 23. und 29. Mai hatten alle unbeschadet überstanden. Dabei handelte es sich vermutlich in keinem Fall um einen Unfall. Für Uhus ist es im Alter von gut sechs Wochen vielmehr normal, enge Brutplätze zu verlassen und sich als Fußgänger einen neuen sicheren Ort zu suchen. Diesen mehrwöchigen Lebensabschnitt nennen die Fachleute "Infanteristenphase"; sie ist für die Hildesheimer Domuhus jetzt zu Ende gegangen.

Das Experiment, alle drei Uhus nach dem Sprung aus dem Turm an einer sicheren Stelle auf dem Domgelände unterzubringen, so dass die Eltern sie weiter versorgen konnten, ist gelungen. Rechts neben dem Dom wurde ein großes nach oben hin offenes Gehege aus Bauzaunelementen errichtet, in dem zeitweilig alle drei Jungvögel versammelt waren. Der zunächst in den Hildesheimer Tierpark eingelieferte und dort gut versorgte Uhu, der am 16. Mai als erster den Brutplatz verlassen hatte, war am 26. Mai auf den Domberg zurückgebracht worden. Von Anfang an haben die Uhueltern die Versorgung der Jungvögel fortgesetzt. Die erhoffte Familienzusammenführung klappte reibungslos. Der Umstand, dass das Domgelände zurzeit eine Baustelle ist, hat zum Schutz der Familie wesentlich beigetragen.

Alle drei Uhus wurden mit Ringen der Vogelwarte Helgoland individuell gekennzeichnet. Die Endnummern der Zahlenkombination der Ringe sind 72, 73 und 74.

Jungvogel Nr. 72 hat an Pfingsten als erster die gut 4 m hohe Absperrung des Geheges selbstständig überwunden. Seitdem wurde er nachts auf den Dächern rund um den Domhof beobachtet. Dort bettelt er die Eltern um Nahrung an, wie es für Uhus auch in diesem fortgeschrittenen Alter normal ist. Bis er selbst Nahrung jagen wird, dauert es nämlich noch einige Wochen. Der zweite Jungvogel, Nr. 73, hat vor wenigen Tagen das Gehege verlassen. Beide Jungvögel halten sich in der Umgebung des Domhügels auf. Dort sollten sie in Ruhe gelassen werden. Der Kontakt zwischen Eltern und den beiden Jungvögeln besteht fort. Und damit ist, falls nicht irgendetwas Unglückliches geschieht, auch für die nächste Zeit zu rechnen. Die Jungvögel werden sich vermutlich erst im Spätsommer ein eigenes Revier suchen. Bis dahin liegen sie den Eltern gewissermaßen auf der Tasche.

Der Domberg sollte den Uhus genügend Nahrung bieten. Die Hildesheimer Domuhus ernähren sich überwiegend von verwilderten Haustauben, an denen in der Umgebung des Domes kein Mangel ist. Die Tauben stellen aber zugleich für Uhus ein großes Risiko dar. Viele Tauben sind nämlich von Trichomonaden befallen. Das sind Parasiten, die über die Nahrungsaufnahme auf Uhus übertragen werden. So haben Trichomonaden in der letzten Woche zum Tod des jüngsten und von Anfang an schwächsten Jungvogels geführt. Er hatte an Christi Himmelfahrt als letzter den Turm verlassen. Trichomonaden wurden erst festgestellt als es für eine Behandlung zu spät war. Der Vogel starb bei der Notbehandlung in der Artenschutz- und Auffangstation Sachsenhagen, wo er eine Woche zuvor beringt worden war. Der zweite noch auf dem Domhof im Gehege verbliebene Uhu wurde daraufhin vorsorglich an der Tierärztlichen Hochschule Hannover gründlich untersucht, welche einen guten Gesundheitszustand des Vogels attestierte.

Die beiden Jungvögel haben prominente Paten gefunden: den Bischof von Hildesheim Norbert Trelle und Weihbischof Hans-Georg Koitz. Die Patenschaft ist mit einer einmaligen Spende von je 100 Euro verbunden. Die Spende dient der Finanzierung der Bemühungen der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen. Bei den beiden Patenuhus dürfte es sich dem Gewicht nach um Weibchen handeln; sie sind schwerer als Männchen. Jetzt gilt es noch, Namen für die beiden Patenuhus auszuwählen. Das ist ein Vorrecht der Paten. Die Paten erhalten eine Patenschaftsurkunde und werden später benachrichtigt, falls irgendetwas aus dem Leben der Patenuhus bekannt wird.

Das Bistum Hildesheim hat von Anfang an eine besondere Sorge für die Uhus am Dom gezeigt und die Anstrengungen zum Schutz der Uhus unterstützt. Dieses wie auch das Engagement anderer Einrichtungen und Personen, allen voran Dipl.-Ing. Alexander Ottersbach, Weihbischof Hans-Georg Koitz und Umweltbeauftragter des Bistums Jürgen Selke-Witzel, soll zu einem späteren Zeitpunkt gewürdigt werden. Zunächst bleibt die Hoffnung, dass die beiden jungen Uhus vor Unfällen, Trichomonaden und anderen Gefahren des täglichen Uhulebens in der Stadt bewahrt bleiben.

Dass Uhus zunehmend Städte für sich entdecken, ist so ungewöhnlich nicht. Schon im Mittelalter bewohnten sie die Kathedralen der Christenheit. Für Uhus sind diese Steingebilde so sichere Wohnorte wie Felsen. Erst nach der massiven Verfolgung der Uhus, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts anhielt, blieben nur die Vorkommen in den schwer zugänglichen, entlegenen Gebirgen. Nach erfolgreichen Schutzbemühungen kehren Uhus nun in die Städte zurück. Zu der Rückkehr trägt die Lage auf dem Lande bei. Wegen der intensiven Agrarproduktion wird dort für Uhus die Nahrung knapp.

Bistum und EGE streben die Einrichtung eines Brutplatzes im Umfeld des Kreuzganges des Domes an. Wenn junge Uhus dann den Brutplatz verlassen, fallen sie in das sichere Geviert des Kreuzganges. Dort können sie sich tagsüber verstecken und nachts von den Altvögeln versorgt werden. Ihre Jungendzeit endet dort, wenn sie vollflugfähig die Mauern des Kreuzganges überwinden können.

Böse Stürme und saubere Energien - Juni 2014

Sturmopfer Schleiereule © Rolf Thiemann

Die Unwetter, die an Pfingsten über das Ruhrgebiet zogen, Menschenleben forderten, den Zugverkehr zum Erliegen brachten und schwere Schäden verursacht haben, blieben auch für Eulen nicht folgenlos. Obstbäume mit noch nicht flüggen Steinkäuzen hielten dem Sturm nicht stand und begruben die Vögel unter sich. Der Sturm erwischte auch eine Schleiereule (im Bild).

Natürlich fehlt es nicht an Stimmen, die jedes extreme Wetterereignis mit einem Klimawandel in Verbindung bringen. Die EGE begegnet solchen Bestrebungen mit der gebotenen Skepsis. Für eine risikoärmere Energiepolitik sprechen gewichtigere Gründe; dafür müssen nicht spekulative Klimaszenarien bemüht werden.

Die EGE bleibt bei den Fakten: An deutschen Straßen sterben in einer einzigen Nacht mehr Eulen als in den Gewitternächten eines ganzen Jahres. Todesursache: der rasende Verkehr. Allerdings scheinen diese Kollisionsverluste tendenziell abzunehmen. Dies jedoch nicht wegen begrenzter Fahrgeschwindigkeit oder eines Lerneffektes des Wildtiere wegen. Vielmehr verarmt das Leben auf dem Lande nicht zuletzt wegen des sich ausweitenden Maisanbaus so dramatisch, dass Tiere fehlen, die getötet werden könnten. Auf einem Drittel der landwirtschaftlichen Anbaufläche steht der Mais als Rohstoff für Tierproduktion und Biogas. Die Maisanbaufläche ist kein Platz für Tiere und mehr als doppelt so groß wie alle Naturschutzgebiete zusammengenommen. Das Leben hat sich vom Acker gemacht.

Während beispielsweise in den 1970er Jahren überfahrene Igel eine Alltagserscheinung der Landstraße waren, ist dieser traurige Anblick heute beinahe eine Ausnahme. Die automobile Gesellschaft hat auch das Heer der Insekten besiegt, das einst in den Sommern die Windschutzscheibe verdreckte. Die Welt von heute ist sauber, so sauber wie der in Biogasanlagen produzierte Strom.

EGE bittet um Ihre Mithilfe - Juni 2014

Uhu in einer Kiefer © Gordana und Ralf Kistowski

Der Vorsitzende der EGE, Stefan Brücher, bittet die Besucher der Uhu-Webcam und der EGE-Website mit folgenden Zeilen um Mithilfe:

Liebe Uhufreunde,
es ist unabänderlich: der Südwestfunk gibt die Webcam auf. Wir sind dankbar, dass der Südwestfunk mehrere Jahre die Übertragungen ermöglicht hat. Wir möchten aber, dass die Webcam weiterhin für Sie Bilder aus dem Leben der Uhus sendet. Eine Fortsetzung gelingt uns nur, wenn wir Sponsoren für die Webcam finden.

Jährlich sind dazu Aufwendungen in Höhe von 5.000 € notwendig. Die EGE verdient an der Webcam natürlich nichts. Wir haben viel Arbeit damit, aber auch viel Freude an den Übertragungen wie alle Zuseher und gewinnen dank der Webcam Freunde für die Uhus. Wir wenden uns heute an Sie mit der herzlichen Bitte, mit Ihrer Spende zu der Fortsetzung des Webcam-Einsatzes beizutragen.

Falls Sie den Weiterbetrieb mit Ihrer Spende unterstützen möchten, spenden Sie bitte unter dem "Stichwort Webcam" auf unser Spendenkonto:

Postbank Köln
BLZ 370 100 50
Konto 41108501
IBAN DE66370100500041108501
BIC PBNKDEFF

Würden einhundert Sponsoren einmal jährlich je 50 Euro spenden, wäre die Fortsetzung gewährleistet, ohne dass dazu die Rücklagen der EGE oder andere zweckgebundene Spenden der EGE angegriffen werden müssten.

Selbstverständlich erhalten Sie eine Spendenbescheinigung. Die Webcam trägt zur Umweltbildung bei. Die Förderung der Umweltbildung gehört zu den satzungsgemäßen Zielen der EGE.

Gleichwohl hoffen wir, dass das Spendenaufkommen sich künftig nicht allein auf den Weiterbetrieb der Webcam beschränkt, sondern sich weiterhin Uhufreunde finden, denen auch die übrigen Naturschutzanliegen der EGE eine Herzenssache sind.

Mit freundlichen Grüßen und Dank für Ihre Treue und beständige Mitsorge
Stefan Brücher

Problemuhus - Juni 2014

Halbstarker Uhu © Thorsten Krüger

Folgende Nachricht erreichte kürzlich die EGE:

"Hier geht es zu, wie in der Großstadt, wenn Jugendliche nach ihren Partyexzessen einfach ihren Müll liegen lassen", beschweren sich Anwohner. "Sogar auf dem Friedhof liegen überall Essensreste herum und nicht einmal vor den alten Grabsteinen haben die Halbwüchsigen Respekt, wenn sie sich erleichtern wollen." Direkt neben dem Eingang in die Kirche haben sich die Hinterlassenschaften der letzten Wochen hinter einer alten Stele gesammelt und beißender Geruch liegt in der Luft. Derzeit erlebt der Ort im Oldenburgischen eine Heimsuchung der besonderen Art. Schuld daran sind Minderjährige, die von ihrer elterlichen Vormundschaft dort einfach "geparkt" wurden. Während die Eltern andernorts den Tag verschlafen, dösen die Kinder auf dem Friedhof herum. "Nachts legen sie dann aber richtig los", meint ein Anwohner und glaubt unter den respektlosen Randalierern sogar einen vorbestraften, eigentlich zu Hausarrest verurteilten Halbstarken ausgemacht zu haben: "Der trägt eine silberne Fußfessel am Bein!" Schlimmer noch: Die Eltern dieser unseligen Familie haben sogar schon Hunde angegriffen und harmlose Spaziergänger attackiert. Friedhofsverwaltung und Ordnungsamt der Stadt erwägen nun, ein Platzverbot auszusprechen.

Die Nachricht ist Gott sei Dank nur aus einer satirischen Feder geflossen, nämlich der des Mitarbeiters der niedersächsischen Vogelschutzwarte, Thorsten Krüger. Der fiktiven Meldung liegt allerdings eine wahre Geschichte zugrunde: Junge Uhus treiben auf einem Friedhof vor einer Kirche im Oldenburgischen ihr Unwesen.

Uhus am Hildesheimer Dom - Juni 2014

Einer der drei Domuhus bei der Beringung © Edmund Deppe

Es ist gelungen, die drei jungen Uhus am Hildesheimer Dom auf dem weitläufigen Gelände des Domberges wieder zusammenzuführen. Der zuletzt allein im Nistkasten in etwa 24 m Höhe verbliebene Jungvogel hatte an Christi Himmelfahrt (29. Mai) den Sprung aus dem Turm gewagt. Auch er landete wie zuvor die beiden anderen unverletzt im Domhof. Weihbischof Hans-Georg Koitz fand auf dem Weg zur Frühmesse das Tier regennass am Fuß des Turmes und verständigte Wilhelm Breuer von der EGE, der wenig später die Unversehrtheit des Vogels attestierte.

Tage zuvor war der in den Hildesheimer Tierpark aufgenommene Uhu, der bereits am 16. Mai das Nest verlassen hatte, ebenfalls gesund und kräftig auf das Domgelände zurückgebracht worden. Ausweislich der Überwachungskameras und der Reste nächtlicher Mahlzeiten haben die Altvögel die auf dem Domgelände vor Besuchern und Baustellenbetrieb geschützten jungen Uhus von Beginn an und bis jetzt beständig mit Nahrung versorgt. Jung- und Altvögel stehen in den Nächten in Rufkontakt. Zwei der drei Uhus wurden mit Ringen der Vogelwarte Helgoland versehen. Die Beringung nahm der Leiter der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen Dr. med. vet. Florian Brandes vor (im Bild oben links, der Umweltbeauftragte der Bistums Hildesheim Jürgen Selke-Witzel rechts; im Bild unten Dipl.-Ing. Alexander Ottersbach mit dem zweiten Uhu).

Es ist damit zu rechnen, dass die jungen Uhus den Domberg in nächster Zeit verlassen werden. Ihr Ziel dürften die Grünanlagen am Rande des Domberges sein. Dort halten sich während der hellen Tagesstunden zumeist auch die Altvögel auf. Gleichwohl ist darauf zu hoffen, dass die jungen Uhus in der Nähe des Domes auch weiterhin immer einmal wieder beobachtet werden können. Den noch nicht voll flugfähigen Uhus dürften noch einige Gefahren im städtischen Umfeld bevorstehen. Niemand kann diese Gefahren vollständig ausschalten. Sie sind der Preis für die Freiheit. Uhus sind eben auch in der Stadt Wild- und keine Haustiere.

Ganz gleich wie es mit den drei Uhus vom Dom weitergeht: Es besteht die Chance, dass auch künftig Uhus am Dom brüten könnten. Dank des Engagements des Bistums können die Uhus vermutlich schon im nächsten Jahr mit einem risikoärmeren Brutplatz am Dom rechnen. Dabei sind nicht so sehr die große Höhe des Brutplatzes und die notwendigen Sprünge auf das harte Dompflaster das Problem. Probleme entstehen erst, wenn die Uhus den für sie sicheren Domberg als nicht flügge Jungvögel verlassen oder vermeintlich hilflos aufgegriffen aus dem Familienverband herausgelöst würden.

Bistum und EGE streben die Einrichtung eines Brutplatzes im Umfeld des Kreuzganges des Domes an. Wenn junge Uhus dann den Brutplatz verlassen, fallen sie in das sichere Geviert des Kreuzganges. Dort können sie sich tagsüber verstecken und nachts von den Altvögeln versorgt werden. Ihre Jungendzeit endet dort, wenn sie vollflugfähig die Mauern des Kreuzganges überwinden können. Schon vor einigen Jahren hatte sich der Kreuzgang eines anderen norddeutschen Domes, des Osnabrücker Domes, als sicherer Uhukindergarten erwiesen - trotz einer großen Fangemeinde, die sich dort täglich zum Uhubeobachten einfand.

Zwar kann nicht vorhergesagt werden, ob alle drei Uhus problemlos oder überhaupt erwachsen werden. Ein großes Lob ist jedoch schon jetzt dem Bistum Hildesheim und der Leitung der Dombaustelle auszusprechen - namentlich Weihbischof Hans-Georg Koitz, Dombaumeister Norbert Kesseler, Umweltbeauftragter Jürgen Selke-Witze und den Ingenieuren Alexander Ottersbach und Markus Scherbanowitz) und den nicht minder um den Schutz der Uhus bemühten Handwerkern der Dombaustelle.

Einer der drei Domuhus bei der Beringung © Edmund Deppe

Uhus in ökumenischer Verbundenheit - Mai 2014

Zwei Kirchturmbewohner: Uhu und Dohle © Thorsten Krüger

Uhus scheinen über einen Sinn für ökumenischen Ausgleich zu verfügen. Nach den Meldungen über Uhus am Dom zu Hildesheim, dem Zentrum der Katholizität im Bistum zwischen Göttingen im Süden und Bremerhaven im Norden, erhielt die EGE Kenntnis von Uhus aus dem Gebiet der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Oldenburg. Thorsten Krüger, Mitarbeiter der niedersächsischen Staatlichen Vogelschutzwarte, schrieb vor wenigen Tagen der EGE:

"Durch Zufall erfuhr ich, dass in einer Kirche im Oldenburgischen ein Uhu brütet, der inzwischen der heimliche Star des Ortes ist. Das Café am Kirchplatz bietet sogar ein Stativ mit einem großen Fernglas an, mit dem die Gäste die Uhus bestaunen können. In einer Öffnung des Kirchturms sah ich tatsächlich einen jungen, noch nicht flüggen Uhu, später einen weiteren Jungvogel und dazu auch einen der Altvögel, der den Turm anflog und dort für fünf Minuten sitzen blieb. Am nächsten Morgen lagen vor dem Kirchenportal die Reste einer Ringeltaube." Den Jungvogel im Turm zeigt das Foto (links ein anderer Turmbewohner: eine Dohle). Die EGE hofft, dass es sich bei der Taube nicht um den Heiligen Geist handelt, den Christen aller Konfessionen an Pfingsten erwarten.

Dom(uh)us Dei II - Mai 2014

Junger Uhu © Gordana und Ralf Kistowski

Die Uhus am Hildesheimer Dom, über welche die EGE kürzlich an dieser Stelle berichtete, stoßen auf ein breites Medieninteresse. Am 23. Mai wagte der zweite von drei Jungvögeln den Sprung aus dem Domturm ins Freie. Der Kleine landete unbeschadet am Fuß des Domes. Das Umfeld des Domes ist eine Baustelle und entsprechend vor unbefugtem Zutritt gesichert. Die Bauleitung verständigte sicherheitshalber Wilhelm Breuer von der EGE, der rasch zur Stelle war und dem gute Beziehungen zur Katholischen Kirche nachgesagt werden. Breuer und der erfahrene Uhuschützer Albrecht Jacobs aus Stadtoldendorf hatten sich zwei Tage zuvor zusammen mit dem Umweltbeauftragten des Bistums Hildesheim Jürgen Selke-Witzel und der Bauleitung einen Überblick über die Lage der Uhus am Dom verschafft und beraten, wie die Bedingungen für Uhus am Dom verbessert werden können. Bistum und Bauleitung sind für den Artenschutz sehr aufgeschlossen.

Die Ereignisse um zwei der drei jungen Uhus dokumentierte der Norddeutsche Rundfunk, der am 23. Mai die Fortschritte der Domsanierung aufzeichnete und bei dieser Gelegenheit auf den gerade aufgetauchten zweiten Jungvogel aufmerksam wurde und schließlich auch die Uhus ins Bild setzte. Breuer wies darauf hin, dass die jungen Uhus in einem Alter sind, in dem es für sie ganz normal sei, das Nest zu verlassen und dazu auch Sprünge aus großer Höhe zu unternehmen. Trotz oder gerade wegen des Baustellenbetriebs seien die Bedingungen für Uhus in dieser Phase ihres Lebens als Fußgänger gar nicht schlecht, zumal die am Dom arbeitenden Firmen und Personen hierfür die notwendige Sensibilität mitbrächten. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den gut einminütigen Beitrag ansehen möchten.

Die beteiligten Stellen arbeiten an einer Lösung, die es den Uhueltern ermöglicht, die Aufzucht ihrer drei Jungvögel ungestört fortzusetzen. Dafür gibt es durchaus eine Chance. Die EGE bittet um Verständnis, dass über Einzelheiten erst zu einem späteren Zeitpunkt berichtet werden kann, um den Erfolg der Bemühungen nicht zu gefährden. Zumindest kann gesagt werden, dass in der Sache Behörden, Bistum, die am Dom arbeitenden Personen und die ehrenamtlichen Uhuschützer gut zusammenarbeiten.

Von der Gottesebenbildlichkeit der Windenergiewirtschaft - Mai 2014

Zu Recht müssen in Deutschland Personen mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, die mit unangemessenen Vergleichen die Judenverfolgung verharmlosen. Jetzt ist es der Bundesverband Windenergie, der sich auf das Ärgste verfolgt sieht. Zwar wird hier nicht der Mord am ganzen jüdischen Volk zum Vergleich bemüht, "nur" die Hinrichtung des Gottessohnes, der Sohn des jüdischen Volkes war. Die Windenergiebranche sei zu einer "unsäglichen Kreuzigung" verurteilt.

Wie Jesus werde die Branche auf einer Via Dolorosa getrieben, vom eigenen Volk mit Spott überhäuft und verachtet, verurteilt nicht von den Römern, sondern von der Bundesregierung; mit drei Nägeln die Energiewende gekreuzigt (gemeint sind die spärlichen Reformelemente des Erneuerbaren Energien Gesetzes). Der perfide Vergleich gipfelt in dem Satz: "So schleppt sich die Branche in Richtung Golgatha." Das schreibt kein Geringerer als der Präsident des Bundesverbandes Windenergie Hermann Albers im Editorial der Zeitschrift "Neue Energie 05/2014". Falls Sie denken, die EGE übertreibt, klicken Sie bitte hier und lesen Sie selbst.

Es wäre die Sache der Kirchen in Deutschland, sich gegen solche Vergleiche zu wenden. Ihre Exponenten und Mitglieder sind aber selbst vielerorts zu Anbetern der Branche geworden, von der sie Heil erwarten. Die moderne Gesellschaft empfindet die Beschränkung des Ausbaus regenerativer Energien als Sünde, als Sünde gegen den Klimaschutz und als die eigentliche Todsünde. Der Ausbau der Windenergiewirtschaft rettet vor der ewigen Verdammnis, dem Hitzetod des Planeten, der an die Stelle der Hölle getreten ist. Die Zahlungen zugunsten der Branche gewähren Nachlass und Vergebung. Die Energiewende ist für viele Christen die neue Zeitenwende. Das Bekenntnis zur Energiewende ist ein quasi neo-religiöses Bekenntnis.

Dom(uh)us Dei - Mai 2014

Am 15. August 2014 wird der Hildesheimer Dom nach fünfjähriger Umbauzeit aus Anlass der Bistumsgründung vor 1.200 Jahren feierlich wiedereröffnet. Im Westwerk des Domes befindet sich ein Nistkasten mit Webcam. Diese war wegen der Domsanierung zeitweilig ausgeschaltet worden. Mehrfach hatten in dem Kasten Turmfalken gebrütet. Als die Kamera vor wenigen Tagen wieder aktiviert wurde, entdeckte die Bistumsleitung neue Bewohner: drei junge Uhus und die dazugehörigen Altvögel.

Ein Wunder ist das nicht, aber doch wunderschön. Uhus haben bereits im Mittelalter die Kathedralen der Christenheit bewohnt. Mit der Verfolgung der Uhus gingen diese Vorkommen in unmittelbarer Nähe der Menschen verloren. Erst aus der jüngsten Zeit rührt die Vorstellung, Uhus seien scheue Gebirgsvögel. Scheu und selten machte die Uhus der gnadenlose Feldzug gegen Europas größte Eulenart. Schon vor einigen Jahren waren Uhus wieder am Hildesheimer Dom aufgekreuzt. Der zum Weltkulturerbe zählende Hildesheimer Dom ist um eine Besonderheit reicher. Hoch über den berühmten Bronzetüren des Heiligen Bernward und nicht weit entfernt vom tausendjährigen Rosenstock hausen rechtzeitig zum Domjubiläum wieder Uhus.

Am 16. Mai 2014 ist allerdings einer der drei Jungvögel aus dem Brutplatz 24 m in die Tiefe gestürzt. Der Uhu hat offenbar einen Schutzengel und den Sturz überlebt; ob ganz unverletzt, steht noch nicht fest. Deshalb ist auch noch nicht klar, ob und wann der Uhu wieder in den Familienverband zurück kann. An sich ist es ganz normal, dass junge Uhus im Alter von einigen Wochen noch nicht flugfähig den Nistplatz verlassen und dazu auch Sprünge aus großer Höhe nötig sind. Zumeist landen junge Uhus aber weich, beispielsweise auf dem Waldboden. Bei Bruten in Gebäuden in einem Umfeld mit harten Bodenbelägen ist die Landung hingegen umständehalber oft weniger sanft. Die jungen Uhus werden auch dort von den Eltern weiterhin versorgt. In Städten ist dieses Umfeld aber für Uhus häufig zu unruhig und gefährlich.

Die EGE ist bemüht, für die Uhus am Hildesheimer Dom einen risikoärmeren Brutplatz einzurichten und sucht deswegen den Kontakt zu Bistum, Naturschutzbehörde der Stadt und dem Ornithologischen Verein zu Hildesheim. So könnte beispielsweise am Kreuzgang des Domes ein größerer Nistkasten für Uhus angebracht werden. Den jungen Uhus stünde dann nach Verlassen des Kastens die Ruhe und Sicherheit des ummauerten Kreuzganges für die Phase bis zum Erlangen der vollen Flugfähigkeit zur Verfügung. Der Kreuzgang des Hildesheimer Domes ist eine grüne Oase. Im Kreuzgang eines anderen norddeutschen Domes - nämlich am Dom von Osnabrück - machten Uhus bereits gute Erfahrungen mit der katholischen Kirche. Die Öffnung des Falkenkastens im Westwerk des Domes könnte zugleich etwas verkleinert werden, so dass der Kasten für Falken attraktiv bleibt, aber Uhus den für sie sicheren neuen Brutplatz umso eher annehmen.

Geben Sie dem Glück eine Chance - Mai 2014

Mehlschwalbe bei der Beschaffung von Baumaterial © Rosl Rößner

Schwalben galten als Glücksbringer. Heute haben sie zumeist selbst kein Glück. Es fehlt ihnen der Lehm zum Nestbau, denn in den Städten und Dörfern gibt es kaum mehr eine lehmige Pfütze fürs Baumaterial. Grund und Boden sind versiegelt. Die Gründe für den Rückgang der Schwalben sind banal. Ebenso einfach könnte an den Fassaden der Häuser, wo der Dachüberstand groß genug ist, mit künstlichen Nestern Mehlschwalben geholfen werden.

Die Naturschutzbehörde des nordrhein-westfälischen Kreises Düren gibt solche Kunstnester für eine geringe Schutzgebühr an Hausbesitzer ab. Eine gute Idee, der andere Naturschutzbehörden in Deutschland folgen sollten. Vor wenigen Tagen haben die Mitarbeiter der EGE Bernd Bäumer und Ferdi Thelen das Angebot genutzt und beispielsweise am Haus von Hubertus und Anja von Klitzing in Hambach im Kreis Düren Nester angebracht. Das Ergebnis sehen Sie im Bild unten: links bereits vor Jahren angebrachte, rechts die neuen Nester. Kaum waren die neuen Nester an der Hausfassade befestigt, waren sie von den Schwalben bezogen. So groß ist die Wohnungsnot.

Wenn Sie ein Haus besitzen, prüfen Sie bitte, ob Sie den Mehlschwalben an der Hausfassade nicht auch einen Platz einräumen können. Nester gibt es im Handel. Geben Sie den Schwalben in Ihrer Straße eine Chance. Wenn es dazu noch einer Anregung bedarf, klicken Sie bitte hier: Schwalben - Erinnerungen an die Dorfstraße (pdf-Datei, ca. 1,82 MB).

Vielleicht haben Sie auf Ihrem Grundstück oder in Ihrer Gemeinde auch Gelegenheit, ein Stück Grund und Boden von Beton und Asphalt zu befreien, so dass die Erde wieder sichtbar wird, nach Niederschlag sich Pfützen bilden und Schwalben Zugang haben zu einem natürlichen Baustofflager. "Schwalbenpfütze" heißt das Zauberwort. Das Nesterbauen aus Lehm ist den Schwalben angeboren. Die Lehmpfützen müssen offen daliegen, hindernisfrei anzufliegen sein und das Umfeld sollte Katzen keine Lauerstellung bieten.

Mehlschwalbennester © Bernd Bäumer

Belanglose Einfalt - Mai 2014

Schmetterling im Spinnenetz, © Charlotte Stampfli

Es ist wahr: Der Naturschutz hat in der Gesellschaft keinen hohen Stellenwert. Naturschutz wird marginalisiert und banalisiert. Das ist allerdings nicht allein den Gegnern des Naturschutzes anzulasten. Für die Banalisierung des Naturschutzes sind seine Akteure selbst verantwortlich. Sie meinen, die EGE übertreibt? Dann lesen Sie bitte folgenden Aufruf:

Helft uns, den Schutz der verbliebenen Naturgebiete in ganz Europa zu sichern. Alles was hier zu tun ist: ein Foto von Euch oder anderen machen, und zwar wie Ihr einen Schmetterling mit den Händen formt. Dann hochladen auf www.natura2000day.eu. Wir brauchen mindestens 5.000 Fotos. Das ist ein ganz wichtiger Baustein, damit wir den Regierungen und dem neuen EU-Parlament klarmachen können, dass auch die Natur eine Lobby hat.

Diese "Mitmachaktion für Natura 2000" ist nicht die gut gemeinte Idee eines Waldorfkindergartens, sondern eine von Spitzenorganisationen des Naturschutzes ersonnene und beworbene Aktion. Belang-, inhalts- und folgenloser kann Naturschutz nicht sein.

Vielleicht müssen wir die berühmte Merkel-Raute aber auch ganz anders deuten als bisher. Nämlich als Schmetterling und mithin als Bekenntnis der Bundeskanzlerin zum Schutz des Europäischen ökologischen Netzes Natura 2000. Man kann Schmetterlinge im Bauch, Grillen im Kopf, Hummeln im Hintern oder auch einen Vogel haben. Den Initiatoren der Aktion sollte man denselben zeigen.

Die mit gesetzlichen Mitwirkungs- und Klagerechten ausgestatteten Naturschutzvereinigungen verspielen ihre gesellschaftspolitische Rolle mit absurdem Theater. Vielleicht sollte man dieses Befundes wegen die Hände nicht zum Schmetterling falten, sondern zum Gebet.

Deutsch-luxemburgische Steinkauz-Partnerschaft - Mai 2014

Steinkauz schaut aus Scheunenöffnung © Gordana und Ralf Kistowski

Manche Steinkäuze aus dem nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen führt der Weg ins Großherzogtum Luxemburg. Fernand Schoos registrierte dort Anfang Mai 2014 ein brütendes Weibchen, welches Peter Josef Müller und Rita Edelburg-Müller nestjung im Juni 2012 im Kreis Euskirchen beringt hatten. Schon 2012 war ein Steinkauz-Weibchen aus dem Kreis Euskirchen im Großherzogtum aufgetaucht.

In umgekehrter Richtung funktioniert es auch: Ein in Luxemburg beringtes Steinkauz-Weibchen haben die Müllers erstmals im Juni 2011 und seitdem jährlich im Kreis Euskirchen registriert. Zwar hat es stets Eier gelegt, leider aber noch nie erfolgreich gebrütet, was die Müllers auf die landwirtschaftliche Nutzung zurückführen. Die Käuze benötigen gerade zur Zeit der Jungenaufzucht beweidetes kurzrasiges Grünland, um erfolgreich jagen und die Jungen versorgen zu können. Daran fehlt es im Biotop des aus Luxemburg zugereisten Kauzes. Deutschland erweist sich insofern auch für Käuze nicht gerade als vorbildliches Einwanderungsland.

Zahl der an Windenergieanlagen getöteten Uhus steigt auf 16 - Mai 2014

Der 16. an Windenergieanlagen getötete Uhu und der Finder Matthias Müller © Andreas Walz

2012 fand die EGE in einem Windpark im rheinland-pfälzischen Kreis Ahrweiler die Überreste eines mit den dortigen Anlagen kollidierten Uhus. Im selben Jahr ist in der Gegend ein junger Uhu während der Bettelflugphase verschwunden, der möglicherweise im selben Windpark ums Leben gekommen ist. Im Zulassungsverfahren für diese Anlagen war gegen den dringenden Rat der EGE ein signifikant gesteigertes Tötungsrisiko für Uhus bestritten worden.

Trotz dieser Befundlage soll der Windpark um eine weitere Anlage erweitert werden. Die EGE hat sich dagegen gewandt und stieß auf die üblichen Verharmlosungen. Der Uhu sei ein "Pirsch- und Ansitzjäger" und würde deswegen kaum in die Reichweite des Rotors gelangen. Uhus jagten nur bodennah.

Tatsächlich unternehmen Uhus durchaus Jagdflüge in Rotorhöhe. Das gilt erst recht für Balz- und Transferflüge. Solche sind am Standort der geplanten Anlage keineswegs ausgeschlossen, sondern geradezu normal. So steht auch außer Frage, dass Uhus über dem Kronendach der Wälder jagen, um dort übernachtende Vögel zu schlagen oder am Nachthimmel ziehende Vögel zu erbeuten. Im Übrigen belegen die bekanntgewordenen Totfunde ein generell erhöhtes Tötungsrisiko für Uhus an Windenergieanlagen.

Dass der Ausbau der Windenergiewirtschaft in Deutschland im besonderen Maße Rotmilane gefährdet, steht außer Frage. Die Gefahr für Uhus wird hingegen unterschätzt. Berücksichtigt man die Zahl der in Deutschland lebenden Uhupaare und den Umstand, dass Windenergieanlagen in den von Uhus vor allem besiedelten Mittelgebirgen noch weniger verbreitet sind als im Flachland, erweist sich das Kollisionsrisiko der beiden Arten als ähnlich hoch. Die Risikolage ist insofern eine vollständig andere als von vielen Gutachtern der Windenergiewirtschaft dargestellt wird.

Tatsächlich kann ein solches Tötungsrisiko für die geplante Anlage nicht ausgeschlossen werden. Die EGE hält ein solches Risiko mit Blick auf die Lage der Brutplätze und die Raumbeschaffenheit an dem fraglichen Standort vielmehr für wahrscheinlich. So liegt der Anlagenstandort weniger als 1.000 m von zwei Uhubrutplätzen entfernt. Das Problem liegt nicht allein in der geringen Distanz, sondern beachtlich ist insbesondere die Lage der Windenergieanlage an der Wald-Offenland-Grenze. Solche Situationen zählen zu den bevorzugten Jagdhabitaten von Uhus.

Die zuständigen Behörden zeigten sich im Falle des Windparks im Kreis Ahrweiler gleichwohl entschlossen, eine weitere Anlage zuzulassen. Bisher jedenfalls. Allerdings fand an Ostern 2014 Herr Matthias Müller (im Bild) unter einer der Anlagen ein totes Uhumännchen. Es ist dies der zweite tote Uhu in diesem Windpark innerhalb eines Zeitraumes von nur eineinhalb Jahren. Ob dies die Behörden zur Einsicht führt?

Der Uhu ist elf Kilometer vom Fundort entfernt 2007 von Stefan Brücher beringt worden. Ob und wo das Männchen verpaart war, konnte die EGE noch nicht klären. Stefan Brücher beobachtet die Uhubruten in der Nähe, inwieweit dort möglicherweise ein Männchen als Brutpartner ausgefallen ist. Fehlt das Männchen, können die Jungen möglicherweise nicht ausreichend mit Nahrung versorgt werden. Die EGE muss dann prüfen, ob etwas und ggf. was zur Rettung der Brut unternommen werden kann.

Im unmittelbaren Umfeld des Windparks brüten mehrerer Uhupaare. Deshalb sah sich die rheinland-pfälzische Landesregierung gemeinschaftsrechtlich verpflichtet, hier eigens zum Schutz der Uhus ein Europäisches Vogelschutzgebiet einzurichten. Man muss sich fragen, wie die Anlagen überhaupt genehmigt werden konnten, denn die Vorschriften zum Schutz von Europäischen Vogelschutzgebieten gelten auch gegenüber Bauvorhaben außerhalb dieser Gebiete, wenn die Vorhaben geeignet sind, den günstigen Erhaltungszustand der im Gebiet zu schützenden Arten erheblich zu beeinträchtigen. Wie viele Uhus in diesem Windpark bisher ums Leben kamen, kann niemand sagen. Der tote Uhu an Ostern 2014 dokumentiert erneut nur einen Zufallsfund. Eine systematische Suche nach Schlagopfern findet praktisch nirgends statt.

Die von Gutachtern und Zulassungsbehörden zugunsten der geplanten Anlagen angestellten Erwägungen, es lägen Ausnahmegründe nach § 45 Abs. 7 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) vor, bestreitet die EGE. Das Interesse an der Windenergienutzung überwiegt nämlich nicht grundsätzlich die Belange des Artenschutzes. Zudem besteht auch kein Anspruch auf die Nutzung der windhöffigsten Standorte. Nach Auffassung der EGE ist das Antragsvorhaben sowohl nach den Maßstäben des § 44 Abs.1 Nr. 1 BNatSchG als auch des § 34 BNatSchG nicht zulassungsfähig.

Die EGE hatte die zuständigen Behörden schon vor Jahren gebeten, sich für ein zeitlich befristetes Abschalten der hier bestehenden Windenergieanlagen in den Nachtstunden wenigstens während der Bettelflugphase der jungen Uhus einzusetzen. Vergeblich. In Rheinland-Pfalz setzen sich die Interessen der Windenergiewirtschaft besonders rigoros durch.

EGE-Untersuchung ist Gegenstand im Landtag von NRW - Mai 2014

Sie erinnern sich? Im April erschienen in der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" die Ergebnisse aus zehn Stichproben über die Umrüstung gefährlicher Mittelspannungsmasten. In der Studie hatte die EGE Behauptungen widerlegt, die gesetzlichen Umrüstungspflichten seien überall und vollständig eingelöst worden. Fünf der zehn Stichproben betreffen Nordrhein-Westfalen.

Die nordrhein-westfälische Landesnaturschutzverwaltung hatte Ende 2013 in ihrer Zeitschrift "Natur in NRW" eine fristgerechte Entschärfung vermeldet. Die von der EGE veröffentlichten Ergebnisse zeigen ein anderes Bild. Der Landtagsabgeordnete Henning Höne (FDP) hat wegen dieses Widerspruchs die nordrhein-westfälische Landesregierung am 25.04.2014 mit kritischen Fragen konfrontiert. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 94 KB), wenn Sie die Kleine Anfrage lesen möchten.

Der Abgeordnete fragt die Landesregierung u. a.: Inwiefern wurde der Versuch unternommen, von Dritten wie z. B. Netzbetreibern gemeldete Informationen über den Umrüstungsstand zu verifizieren? Wie viele Kontrollen wurden mit welchem Ergebnis seit Ende der Umrüstungsfrist durch die Landesregierung bzw. die nachgeordneten Behörden durchgeführt? Welche Konsequenzen hat die Landesregierung aus den Ergebnissen der Stichproben der EGE gezogen?

Eulen-Rundblick Nr. 64/2014 erschienen - April 2014

Titelseite Eulen-Rundblick 64

Die neue Ausgabe des Eulen-Rundblicks ist da. Es ist das 20. Heft dieser Reihe und in gewisser Weise ein Jubiläumsheft. Das 116 Seiten umfassende Heft enthält u. a. Beiträge zum Thema Bestandsveränderungen von Eulenarten. Zu diesem Thema fand auch die letztjährige Jahrestagung der AG Eulen statt. Das Heft mit zahlreichen Beiträgen aus der Erforschung der europäischen Eulenarten, Literaturbesprechungen und aktuellen Nachrichten aus der AG Eulen ist dem früheren Vorsitzenden der AG Eulen Dr. Karl Radler und dem im Jahr 2006 verstorbenen Wilhelm Bergerhausen gewidmet. Bergerhausen war langjähriger Redakteur des Eulen-Rundblicks.

Das Heft enthält auch den Jahresbericht 2013 der EGE. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 3,65 MB), wenn Sie den Jahresbericht der EGE lesen möchten.

Der Eulen-Rundblick erscheint einmal jährlich. Er enthält Originalbeiträge, Fachberichte und Informationen über Biologie und Schutz der Eulen. Das Jahresabonnement kostet 10 Euro einschließlich Porto und Versandkosten. Bestellungen richten Sie bitte an Herrn Klaus Hillerich, Röntgenstr. 7, 64823 Groß-Umstadt,  klaus.hillerich@t-online.de.

Der Eulen-Rundblick ist keine Zeitschrift der EGE, sondern die Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz bedrohter Eulen (AG Eulen).

Vogelschutzwarten, Umweltministerien und die Windenergiewirtschaft - April 2014

Turmfalke © Gordana und Ralf Kistowski

Schon 2012 hatte die Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG-VSW) in Deutschland ihre "Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutenden Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten" aus dem Jahr 2007 fortschreiben wollen. Bis heute wird die LAG-VSW daran gehindert. Die LAG-VSW hatte die vorbereitete Fortschreibung in den artenschutzrechtlichen Zusammenhang des signifikant erhöhten Tötungsrisikos gestellt; der Schwelle, an der weitere Standortentscheidungen zugunsten der Windenergiewirtschaft scheitern können. Das rief die Länderumweltministerien auf den Plan, die seitdem die Fortschreibung blockieren. Die Vogelschutzwarten sind nämlich keineswegs in ihrem Handeln frei oder bloß der Sache des Vogelschutzes verpflichtet, sondern von der Politik kontrollierte nachgeordnete Einrichtungen.

Allerdings stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, sich eine Fortschreibung zu wünschen oder auf eine solche zu warten. Dem Vernehmen nach sind ursprünglich angestrebte Verbesserungen von den Vogelschutzwarten gestrichen worden. So jedenfalls die Öffnung der Empfehlungen zum Schutz solcher Vogelarten, die leicht mit Windenergieanlagen kollidieren können, aber nicht bereits auf der Roten Liste stehen. Eine solche Verknüpfung ist zwar rechtswidrig, scheint die verantwortlichen Personen in den Vogelschutzwarten aber nicht übermäßig zu kümmern, sondern sie liegt ganz auf der Erwartungslinie der Umweltministerien.

Die einzige noch realistische Verbesserung des Vogelschutzwarten-Papiers dürfte dem Rotmilan gelten: statt eines Abstandes von 1.000 m soll der Abstand auf 1.500 m erhöht werden. Der den Rotmilan betreffende aktualisierte Mindestabstand ist aber prinzipiell seit September 2012 bekannt und seitdem beispielsweise einer allgemein zugänglichen Veröffentlichung der rheinland-pfälzischen Landesnaturschutzverwaltung (pdf-Datei, ca. 1,17 MB) zu entnehmen. Darin wird der Abstand von 1.500 m zu Rotmilannestern ausdrücklich auf die vorbereiteten und dort als "im Druck" angegebenen überarbeiteten Abstandsempfehlungen der LAG-VSW gestützt:

"Naturschutzfachlicher Rahmen zum Ausbau der Windenergienutzung in Rheinland-Pfalz Artenschutz (Vögel, Fledermäuse) und NATURA 2000-Gebiete" erstellt von Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland & Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Verbraucherschutz, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz.

Den Vorsitz der LAG-VSW hat derzeit die nordrhein-westfälische Vogelschutzwarte inne. Angesichts des von dieser Stelle mitherausgegebenen erschreckenden Erlasses zu Windenergie und Artenschutzrecht in Nordrhein-Westfalen wird man an eine substantiierte Fortschreibung des Papiers der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten keine hohen Erwartungen richten dürfen. Von einer Intervention der Umweltverbände oder des NABU Deutschland, die auf eine ungehinderte und den Belangen des Vogelschutzes angemessene Veröffentlichung drängen könnten, hat bis heute niemand gehört. Die Windenergiewirtschaft hat sich ein ganzes Land zu eigen gemacht - den Vogelschutz eingeschlossen.

Frohe Ostern - April 2014

Feldhase © Gordana und Ralf Kistowski

Die EGE dankt allen Personen und Einrichtungen, die in den letzten Wochen die Anliegen der EGE mit einer Spende oder auf ideelle Weise unterstützt haben. Bitte bleiben Sie der EGE verbunden. Wenn die EGE etwas bewirkt, dann Ihrer ermutigenden Zuschrift und Ihrer Spende wegen. In den Dank bezieht die EGE die vielen Besucher der Webcam-Uhus ein. Danke für Ihre Beobachtungen und Ihr beständiges Mitsorgen. Bitte machen Sie andere auf Webcam und Website der EGE aufmerksam. Ein Wort des Dankes auch an die Bildautoren, die uns ihre wunderbaren Fotos kostenfrei zur Verwendung auf dieser Website zur Verfügung stellen - allen voran Gordana und Ralf Kistowski sowie Rosl Rößner. Ihnen allen frohe und gesegnete Ostern!

Grenzen des Tagebaus Garzweiler II zurückgenommen - April 2014

Buschwindröschen © Ralf Kistowski

Die sozial-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat sich kürzlich auf die Verkleinerung des umstrittenen Braunkohle-Abbaugebietes Garzweiler II geeinigt. Rund 1.300 Einwohner des Dorfes Holzweiler auf dem Gebiet der Stadt Erkelenz sollen, anders als bislang geplant, doch nicht umgesiedelt werden. Die Rücknahme umfasst etwa ein Viertel des ursprünglich zum Abbau vorgesehenen intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebietes.

Zu einer Begrenzung des Tagebaus Hambach, der seit 1978 in Betrieb ist, mochte sich die Landesregierung nicht entschließen. Sie hat sich mit einer solchen Begrenzung auch gar nicht beschäftigt. In Hambach sind seit Aufschluss der Lagerstätte einige Tausend Hektar Wald, großenteils Eichen-Hainbuchen-Wälder von europäischem Rang, abgeholzt worden. Mit einer Beschränkung des Tagebaus Hambach könnte ein Rest von wenigen hundert Hektar Wald gerettet werden. Aber der Wald hat offenkundig keine Lobby. Über das Problem berichtete EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer bereits 2011 in der Zeitschrift "Nationalpark". Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 764 KB), wenn Sie den Beitrag anlässlich der Entscheidungen der nordrhein-westfälischen Landesregierung zur Begrenzung des Tagebaus Garzweiler II noch einmal lesen möchten.

Massive Versäumnisse bei Umrüstung gefährlicher Mittelspannungsmasten - April 2014

Vom Strom getötetes Uhupaar im Mittelspannungsmast © Michael Knödler

Ein Paukenschlag, so wird man ohne Übertreibung sagen können, ist der Beitrag der EGE, der gerade in der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" veröffentlicht worden ist: "Umrüstung gefährlicher Mittelspannungsmasten. Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus zehn Stichproben". Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 3,68 MB), wenn Sie erfahren möchten, was die Mitarbeiter der EGE nach Ablauf der gesetzlichen Umrüstungsfrist herausgefunden haben.

Bemerkenswert ist der in Heft 4-2014 der Zeitschrift erschienene Beitrag auch deswegen, weil er die von verschiedener Seite veröffentlichten Meldungen, die gesetzlichen Umrüstungspflichten seien eingelöst worden, widerlegt. Das gilt beispielsweise für die nordrhein-westfälische Landesnaturschutzverwaltung, die diesen Eindruck Ende 2013 in ihrer Zeitschrift "Natur in NRW" verbreitete. Dabei hatte die EGE genau diese Verwaltung zuvor über die schlechten Umrüstungsquoten in Nordrhein-Westfalen informiert. Die zehn Stichproben führte die EGE in fünf Bundesländern durch; die Hälfe der Proben in Nordrhein-Westfalen.

Einen kritischen Blick wirft die EGE auch auf die vom NABU Deutschland veröffentlichten Angaben der Länderumweltministerien über den Stand der Umrüstung. Der NABU hatte, statt selbst Stichproben durchzuführen, lediglich die Angaben der Länderumweltminister abgerufen und verbreitet, ohne diese aber einer Überprüfung zu unterziehen und zudem Schlussfolgerungen gezogen, die mit den Ergebnissen der EGE-Stichproben nicht zur Deckung gebracht werden können. So erkannte der NABU beispielsweise im vergangenen Jahr in einer Ampelbewertung der Umrüstungssituation in Nordrhein-Westfalen "grün" bzw. die Bestnote zu.

Das Fazit der EGE: Der Naturschutz in Deutschland ist so sehr "mit der ganz großen Energiewende" befasst, dass die mehr als 100.000 für Vögel hochgefährlichen Mittelspannungsmasten, mit denen in Deutschland mehr als ein Jahr nach Ablauf der gesetzlichen Umrüstungsfrist gerechnet werden muss, für Naturschutzverbände und -behörden bestenfalls im Rang einer Nebensache sind. Verlass ist auf diese Stellen in dieser Sache jedenfalls nicht. Die EGE wird sich dafür einsetzen müssen, dass die festgestellten Versäumnisse für die Netzbetreiber nicht länger rechtlich folgenlos bleiben. Der Aufsatz der EGE ist deshalb der Ausgangspunkt auch für Initiativen juristischer und parlamentarischer Art.

Gemeinnützige Arbeit bei der EGE - April 2014

Die Anwälte des wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilten Uli Hoeneß bemühen sich um eine frühzeitige Entlassung ihres Mandanten noch bevor dieser seine Haft angetreten hat. Angestrebt sei, einen Teil der Haftstrafe mit gemeinnütziger Arbeit abzugelten. "Als eine geeignete Organisation, wo er diese Arbeit leisten könne, zieht unser Mandant die EGE in Erwägung", heißt es in dem sowohl an die EGE als auch an das Bayerische Justizministerium gerichteten Anwaltsschreiben.

Die EGE hat über das Anliegen noch nicht entschieden und ist Mutmaßungen des Trainers von Borussia Dortmund, Jürgen Klopp, entgegengetreten, die EGE verspreche sich von Hoeneß Tipps für die Vermehrung ihres bescheidenen Vereinsvermögens ins Unendliche.

Die EGE ist grundsätzlich bereit, an der Rehabilitierung straffällig gewordener Menschen mitzuwirken. Am diesjährigen Weltfrauentag hatte bereits Alice Schwarzer eine gemeinnützige Tätigkeit bei der EGE aufgenommen. Zunächst wolle man aber abwarten, inwieweit prominente Steuerhinterzieher für die harte Arbeit im Artenschutz geeignet sind, sagte ein EGE-Sprecher.

Alice Schwarzer hatte sich um eine Tätigkeit bei der EGE bemüht, nachdem sie von zwei Steinkauzweibchen erfuhr, die ohne Zutun eines Männchens gemeinsam Eier gelegt, aber keinen Bruterfolg hatten. Darüber berichtete kürzlich die Zeitschrift "Emma".

Start in die Freiheit - März 2014

Steinkäuze kurz vor der Freilassung © Rita Edelburg-Müller

Am 22.03.2014 war es endlich so weit: Zwei der Steinkäuze, die in menschlicher Obhut den Winter überstanden haben, wurden in die Freiheit entlassen. Das Wetter hätte an diesem Tag allerdings freundlicher sein können. Die beiden Käuze waren als erbärmlich schwache, mehr tote als lebendige Jungvögel im Frühjahr 2013 von Peter Josef und Rita Edelburg-Müller im Kreis Euskirchen aufgefunden und gerettet worden.

Beide Käuze haben sich im Winterquartier zu einem Paar zusammengefunden. Deshalb wurden sie jetzt gemeinsam in einem idyllischen Winkel der Kölner Bucht in eine Steinkauzröhre gesetzt. Nicht von irgendwem, sondern von den beiden Damen, die die Patenschaft für die Käuze übernommen haben: (im Bild v. l. n. r.) Frau Oya Altinay und Frau Anja Nonn. Der Ort der Freilassung sollte den Käuzen einen geeigneten Lebensrum bieten. Vielleicht treffen die Müllers das Weibchen in ein paar Wochen brütend in der Steinkauzröhre an. Hoffen wir es.

Die Käuze tragen übrigens die Namen Phoebe und Hannes. Auf diesem Wege sagt die EGE Frau Altinay und Frau Nonn nochmals herzlichen Dank für die Unterstützung. Mit dem Abschluss einer Patenschaft für einen Steinkauz oder Uhu unterstützen Sie die Anliegen der EGE auf eine besondere Weise. Die Patenschaft ist mit einer einmaligen Spende in Höhe von 100 Euro verbunden.

Feigenblatt Klimaschutz - März 2014

Nach Informationen von Spiegel online vom 23.03.2014 zieht der Uno-Klimarat IPCC in einem geheimen Entwurf eines neuen Reports die bislang vom Klimarat verbreiteten Vorhersagen über das Ausmaß des mit Klimaveränderungen erwarteten Artensterbens in Zweifel. "Es besteht sehr geringes Vertrauen darin, dass die Modelle das Aussterberisiko derzeit akkurat vorhersagen", zitiert der SPIEGEL aus dem Report. Zwar gebe es durchaus bedrohliche Hinweise: Klimazonen scheinen sich schneller zu verschieben, als Arten mitzuhalten imstande sind. Bei den meisten Lebewesen aber mangele es an grundlegenden Daten, sagt der Zoologe Ragnar Kinzelbach von der Universität Rostock. Prognosen, wie sich das Klima auf sie auswirken würde, seien deshalb kaum möglich. Das Klima, fürchtet der Ökologe, werde zum Feigenblatt für Untätigkeit bei drängenderen Problemen. "Monokulturen, Überdüngung oder Bodenzerstörung vernichten mehr Arten als mehrere Grad Temperaturanstieg es je vermögen." Bislang, so räumt der IPCC ein, gebe es keinen Beweis, dass der Klimawandel auch nur zum Aussterben einer einzigen Art geführt hat.

Artenschutzrecht und Gebäudesanierung - März 2014

Steinkauz © Rosl Rößner

Die Sanierung von Gebäuden ist eine wichtige Sache. Sie ist aber nicht von vornherein wichtiger als der gesetzliche Schutz von Arten, die wie Mauersegler, Schwalben, Dohlen, Turmfalken oder Eulen Gebäude besiedeln. Solche Arten sind nämlich keine rechtlose Sache. EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer hat in einem kleinen Beitrag die rechtlichen Anforderungen allgemeinverständlich aufgezeigt, die bei der Sanierung - auch der energetischen Sanierung - von Gebäuden beachtet werden müssen. Wilhelm Breuer plädiert über die Anwendung des Artenschutzrechts hinaus dafür, die Sanierung von Gebäuden als Chance zu verstehen, Artenvielfalt im besiedelten Bereich zurückzugewinnen. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 108 KB), wenn Sie den Beitrag lesen möchten.

Wie harmlos ist Geocaching? - März 2014

Uhu © Gordana und Ralf Kistowski

Kürzlich wandte sich eine Dame aus dem Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen nach einer Uhubeobachtung an die EGE. Die Dame fragte, inwiefern in einem Steinbruch, wo sie einen Uhu gesehen hatte, mit einem Uhubrutpaar gerechnet werden könne. Sie wolle die Uhus nicht stören und deswegen nicht nach ihnen suchen. Die EGE freut sich über diese Rücksichtnahme.

Dort, wo die Uhus jetzt ungestört brüten sollten, hatten vor einiger Zeit Geocacher einen Cache deponiert. Die Mitarbeiter der Vogelschutzwarte in Frankfurt haben den Cache archivieren, also sperren lassen. In Hessen fanden sich bei einer von der Vogelschutzwarte veranlassten Untersuchung an 62 von 229 bekannten Uhubrutplätzen die Dosen der Geocacher. Der Brutplatz im Landkreis Limburg-Weilburg gehörte dazu. Die Untersuchung der Vogelschutzwarte ist nach Kenntnis der EGE die einzige systematische Untersuchung auf der Ebene eines Bundeslandes zum Ausmaß der Gefahren, die mit Geocaching für Uhus oder überhaupt für störungsempfindliche Vogelarten verbunden sein können.

Das warme Frühlingswetter lockt die Menschen ins Freie. Spaziergänger, Wanderer, Jogger oder Radfahrer, die die Wege nicht verlassen, stören Uhus nicht. Geocacher hingegen gehen ihrem Hobby besonders gerne im unwegsamen Gelände nach. Dort werden sie für Uhus zum Problem.

Die EGE durchsucht die Geocaching-Plattformen im Gebiet der Eifel im Umkreis von Uhuvorkommen regelmäßig nach Caches und drängt auf deren Archivierung. Wie viele Uhubruten könnten gerettet werden, würden auch andere Naturschutzorganisationen sich dieser Mühe unterziehen. Und was könnte erreicht werden, würden sich die nach zehntausenden zählenden Geocacher in Deutschland verpflichten, in Felsen und Steinbrüchen auf das Verstecken und Suchen von Caches zu verzichten!

Waldschnepfen und Windkraftanlagen - März 2014

Buschwindröschen © Michael Papenberg

Waldschnepfen leben heimlich und sind dämmerungsaktiv wie Eulen. Dass Windenergieanlagen die Schnepfen aus dem Wald treiben könnten, dürften selbst Fachleute nicht und am wenigstens die geneigten Gutachter vermutet haben, die rasch bei der Hand sind, Windenergieanlagen an beinahe jedem Standort eine artenschutzrechtliche Unbedenklichkeit zuzuschreiben.

Die in Heft 3/2014 der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" veröffentlichten Ergebnisse einer Studie aus dem Nordschwarzwald sind nicht ohne Brisanz. Nach Errichtung eines Windparks mit 14 Anlagen sank die Zahl der Waldschnepfen, die das betroffene Waldgebiet nutzten von 30 auf 3 bis 4 Individuen. Das entspricht einer Abnahme der Abundanz von ca. 10 auf 1,2 Männchen je 100 Hektar. Die 14 Anlagen beeinträchtigen 0,5 bis 1,3 Prozent des baden-württembergischen Waldschnepfenbestandes.

Autoren des Beitrages sind Ulrich Dorka, Florian Straub und Jürgen Trautner. Sie entwickeln auch eine plausible Erklärung für ihre Feststellungen. Trotzdem: Es würde nicht überraschen, wenn die Windenergiewirtschaft den Rückgang nicht mit ihren Industrieanlagen, sondern mit einem Klimawandel zu erklären versucht.

Die Ergebnisse der Studie sind auch in rechtlicher Hinsicht bemerkenswert: Im Zulassungsverfahren für die Anlagen sind nämlich die jetzt festgestellten Folgen für Waldschnepfen weder bewältigt noch überhaupt in Betracht gezogen worden, was umwelthaftungsrechtliche Folgen auslösen könnte. Auch diese Aspekte kommen in dem Beitrag zur Sprache. Die Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" erscheint monatlich im Verlag Eugen Ulmer Stuttgart.

Frischer Wind aus Niedersachsen - Februar 2014

Uhu im Flug © Gordana und Ralf Kistowski

Als 2005 die "Arbeitshilfe Naturschutz und Windenergie" des Niedersächsischen Landkreistages (NLT) erstmals erschien, war die Windenergiewirtschaft wenig erfreut. Sie hat seitdem gegen diese Arbeitshilfe argumentiert, polemisiert und bisweilen auch vor den Verwaltungsgerichten geklagt - mit wenig Erfolg.

Der NLT hat sich in seiner Haltung nicht beirren lassen, die Arbeitshilfe kontinuierlich fortgeschrieben und jetzt eine gründlich überarbeitete Fassung ins Netz gestellt. Dabei handelt es sich zunächst "nur" um einen zur Diskussion gestellten Entwurf. Im Entwurf wurden insbesondere die Anforderungen des Vogel- und Fledermausschutzes an den Stand des verfügbaren Wissens angepasst und diese Anforderungen für Regional-, Bauleitplanung und immissionsschutzrechtliches Zulassungsverfahren differenziert. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 432 KB), wenn Sie den Entwurf ansehen möchten.

Falls sich die anerkannten Naturschutzverbände in Deutschland doch noch um eine ihnen gemäße und gemäßigte Position gegenüber der Windenergiewirtschaft bemühen sollten - die Empfehlungen des NLT könnten ihnen helfen, eine solche Position zu finden. Das gilt für die Länderumweltministerien gleichermaßen.

Fernsehtipp "Im Grünen" - Februar 2014

Stefan Brücher im Interview mit SWR © SWR

"Im Grünen" ist das Natur- und Umweltmagazin des SWR-Fernsehen in Rheinland-Pfalz. Am Dienstag, den 25.02.2014 um 18.15 Uhr berichtet das Magazin über Lotte. Mit dabei: Stefan Brücher von der EGE. Die Ankündigung des Senders:

"Mit dieser Im Grünen-Sendung möchten wir gleich von Anfang an hoch hinaus und Lottes Reich in den Steillagen an der Ahr in Erinnerung bringen. Lotte ist unsere Uhu-Dame, die hier vor nunmehr schon 6 Jahren eine Familie gegründet und immer wieder ihre Küken ausgebrütet und großgezogen hat. Alles live vor unserer Kamera. Vielleicht erinnern sie sich noch. Wir haben damals in 90 m Höhe in einer Felswand eine sogenannte WEB-Cam, eine Internet-Video-Kamera, eingebaut und Sie konnten von Ihrem Zuhause aus, die Uhu-Familie beobachten. Letztes Jahr hat die Brut leider nicht geklappt. Aber in diesem Jahr war Lotte schon öfters zu Gast in ihrer videoüberwachten Felsenburg. Wir haben also gute Chancen, dass es dieses Jahr wieder was zu sehen gibt."

Erste Uhubrut - Februar 2014

Brütendes Uhuweibchen © Jörg Jansmann

Es ist so weit: die ersten Uhus brüten. Jedenfalls ein Uhuweibchen bei Bonn. Brutbeginn war zwischen dem 03. und 05. Februar. Jörg Jansmann teilte dies der EGE mit. Ein Foto zeigt den brütenden Uhu im Nest - aufgenommen aus großer Distanz, um Störungen auszuschließen. Kurz nach Aschermittwoch dürfte das oder die Küken schlüpfen. Wie viele Eier im Nest sind, ist nicht bekannt. Das Uhumännchen hatte nach dem Tod des Uhuweibchens im Sommer 2013 eine neue Partnerin finden müssen, was offenkundig gelungen ist. Das Weibchen hatte sich den Flügel verletzt; es war zwar geborgen worden, konnte aber nicht mehr gerettet werden.

Im vergangenen Jahr brüteten nach einem langen harten Winter und bei schlechter Nahrungslage sehr wenige Uhus. Damals registrierte die EGE in der Eifel nur 36 erfolgreiche Bruten. Der Winter 2013/14 war bisher mild. Die Mäusepopulation hat sich etwas erholt. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Uhubrutzeit sind einigermaßen gut.

"Mit der Säge ritze ratze voller Tücke III" - Februar 2014

Steinkauz © Gordana und Ralf Kistowski

Naturschutz ist nicht unbedingt ein Vergnügen. Eher ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Vor genau einem Jahr berichtete die EGE auf dieser Webseite über folgenden Fall, dessen enttäuschender Ausgang nun Gewissheit ist:

Zwei Bäume auf einem Stück Grünland wurden auf Veranlassung des Eigentümers abgesägt und mitsamt der vom Steinkauz bewohnten Höhlen beseitigt. Die EGE brachte den Fall zur Anzeige. Auf die fragwürdige Ausrede hin, die Bäume seien morsch und die Röhren defekt gewesen, und nach dem Anbringen von Steinkauzröhren an anderer Stelle war für die Verwaltung des Kreises Düren die Sache erledigt. Der Kreisverwaltung sah weder einen Grund für die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahren noch für die Anordnung der Wiederherstellung des vorherigen Zustandes. So blieb die Zahlung eines Bußgeldes ebenso aus wie eine Ersatzpflanzung. Inwiefern die Beseitigung der Bäume auch ein Verstoß darstellte und an die Bewirtschaftung der Fläche gebundene Fördergelder hätten zurückgefordert werden müssen, ist nicht geprüft worden. Unterm Strich ist der Ausgang des Falles eine Einladung an Grundbesitzer, sich der Bäume auf ihrem Grünland auf bequeme und risikofreie Weise zu entledigen. Das Beseitigen von Bäumen mit Bruthöhlen des Steinkauzes ist offenbar für manche Bauern und Behörden nichts mehr als ein Kavaliersdelikt.

Die EGE und die BUND-Kreisgruppe Düren haben schließlich im letzten Herbst drei Bäume gepflanzt, an denen, wenn sie größer sind, Steinkauznisthilfen befestigt werden sollen. Die jungen Bäume stehen in der Nachbarschaft des Grundstücks, auf dem im Februar 2013 die Bäume beseitigt worden sind. Die EGE dankt dem Eigentümer fürs Einverständnis. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es selbst.

Windwärts abwärts - Februar 2014

Rotmilan © Rosl Rößner

Nach Prokon hat jetzt auch das angeschlagene hannoversche Windenergieunternehmen Windwärts Insolvenz anmelden müssen. Forderungen der Genussrechteinhaber haben wie bei Prokon die Zahlungsunfähigkeit ausgelöst.

So prekär die Lage für die Beschäftigten ist, andere Betroffene schöpfen neue Hoffnung: beispielsweise die Rotmilane, die bei einer Windenergieplanung des Unternehmens in der Region Hannover mit dem Schlimmsten rechnen müssen - nämlich der Kollision am Rotor. Weniger als 1.000 m vom Nest der Rotmilane entfernt sollen die Windenergieanlagen errichtet werden. Natürlich hat sich ein Gutachter gefunden, der dieser Planung die artenschutzrechtliche Unbedenklichkeit zuschreibt. Die Rotmilane jagten bevorzugt abseits der Anlagenstandorte und hätten von den Anlagen nichts zu fürchten. Der Hannoversche Vogelschutzverein hat dem widersprochen.

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung kommentiert in ihrer Ausgabe vom 08.02.2014, anders als Prokon sei das Geschäftsmodell von Windwärts "durch und durch seriös". Im vergangenen Jahr seien "zum Teil aus obskuren Gründen" alle Projekte gescheitert. Am 11.02.2014 schreibt das Handelsblatt, nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Volker Römermann hätten Naturschützer in der Nähe einer geplanten Anlage das Nest eines Roten Milans entdeckt. Deswegen habe es monatelange Verzögerungen gegeben.

Stetig mehr Besucher auf der EGE-Website - Februar 2014

10 europäische Eulenarten © Rosl Rößner

Gewiss, mit einer schönen Website ist für den Naturschutz noch nichts gewonnen. Das Informationsangebot der EGE-Website vermittelt dem Besucher aber immerhin Impulse und Informationen, welche für die Sache des Naturschutzes hilfreich sein können. Information ist oft der erste Schritt zur Aktion.

So freut sich die EGE, dass offenkundig immer mehr Besucher dieses Angebot nutzen. Im Januar besuchten bis zu 800 Personen täglich die Website, im Monatsdurchschnitt waren es 460 Besucher. Das sind 10 Prozent mehr als im Vormonat. Aktuell sind es mehr als 500 Besucher pro Tag. Die Besucher kommen zwar überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (also aus dem deutschsprachigen Raum), aber doch auch aus allen Staaten der Erde.

Damit ist die EGE natürlich noch keine weltläufige Organisation. Neuerdings begrüßt die EGE ihre Website-Besucher auf der Startseite aber auch in englischer Sprache. Und auch die Geschichte der EGE unter "Internum" ist jetzt auf Englisch verfügbar. Zu danken ist dies Frau Maria Sutor aus Freising, die mit dieser Übersetzung die Website der EGE unterstützt. Die EGE sagt herzlichen Dank! Zugleich bedankt sich die EGE bei allen Websitebesuchern für Interesse, Anregungen und Feedback.

Zweifel an Windenergiewirtschaft wachsen - Februar 2014

Windenergieanlagen und Schild 'Zimmer frei' © Manfred Knake

Der massive Ausbau der Windenergiewirtschaft in Deutschland wäre nicht möglich, würde diese Branche nicht auf das Interesse der Kommunen stoßen. Das Interesse gründet sich zweifellos auf legitimen Erwägungen, vor allem auf die Aussicht auf die Sanierung kommunaler Haushalte und die Hoffnung, mit der planvollen Flächenbereitstellung andere Teile des Gemeinde- oder Kreisgebietes vor einem planlosen Aufstellen von Anlagen schützen zu können. Nicht selten war und ist allerdings Gier im Spiel. Gier scheint in Deutschland - auch ohne Verweis auf die jüngst bekanntgewordenen Fälle von Steuerhinterziehung oder das PROKON-Debakel - gesellschaftsbestimmende Dominante zu sein. Das fortwährende Verfügbarmachen von Landschaften für die Windenergiewirtschaft war zudem bisher ein Leichtes, weil es sich als Beitrag zum Klimaschutz ausgab und Medien und Öffentlichkeit der Branche einen solchen Beitrag gutgläubig abgenommen haben.

Das scheinbar saubere Image der Windenergiewirtschaft wird aber mehr und mehr wahrgenommen als das hässliche Angesicht eines kapitalistischen Interesses der Wenigen auf Kosten der Biosphäre und der finanziellen Ressourcen breiter Bevölkerungsschichten. Mit der von der Bundesregierung beabsichtigten Absenkung der Vergütungssätze für den vermeintlich grünen Strom könnte erstmals ein Stück energiepolitischer Vernunft zurückgewonnen werden. Wer in dieser Sache die Umweltverbände an der Seite der Bundesregierung wähnt, sieht sich getäuscht. Diese Verbände demonstrieren in Berlin zusammen mit der Windenergiewirtschaft dafür, dass alles beim Alten bleibt.

Beleg für das wachsende Unbehagen und die berechtigten Zweifel an den monetären Verheißungen der Windenergiewirtschaft ist eine Broschüre der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Weisenheim am Berg. Die Lektüre ist den Kommunalpolitikern zu empfehlen, die sich in ihren planerischen Überlegungen nicht allein auf Angaben der Windenergielobbyisten verlassen wollen. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 1,08 MB), wenn Sie die Broschüre lesen möchten.

In Rheinland-Pfalz steht die sozial-grüne Landesregierung für einen gegenüber Natur und Landschaft besonders rücksichtslosen Ausbau der Windenergiewirtschaft. Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) muss bei der überfälligen Absenkung der Vergütungssätze des EEG mit dem Widerstand windenergieverliebter Länderregierungen rechnen. Zwar wollen auch sie bezahlbare Strompreise, aber offenbar ohne Abstriche am strompreistreibenden Zubau von Windenergieanlagen. Die Devise der Länder lautet: Wasch' mich, aber mach' mich nicht nass.

Die EGE sorgt sich weniger um die Entwicklung der Strompreise, wenngleich auch diese Entwicklung keineswegs erfreulich ist. Die EGE beobachtet vielmehr mit Sorge die Rücksichtslosigkeit, mit der immer mehr Landschaften unter die Windräder geraten. Die EGE fordert ein Ende der Überförderung der Branche. Der Umstand, dass Investoren den Grundeigentümern für einzelne Anlagenstandorte Pachtsummen von bis zu 100.000 Euro pro Jahr zahlen können, deutet an, welche Gewinne die Branche auf Kosten der Allgemeinheit erzielt. Dabei ist der Anteil der rund 25.000 in Deutschland errichteten Anlagen an der Stromerzeugung weiterhin gering und wegen unsteter Windverhältnisse nicht verlässlich. Auch deswegen wurde 2013 soviel Braunkohle verstromt wie seit 1990 nicht mehr. Die hohen Gewinne der Grundeigentümer und Betreiber sind wie ein Sechser im Lotto. Das kann erklären, warum Greifvögel und Eulen verfolgt werden, wo die Zulassung von Windenergieanlagen am Schutz dieser Arten scheitern könnte.

Lotte statt Lanz - Januar 2014

Falls Sie mit dem Fernsehprogramm unzufrieden sind, anderes sehen möchten als ewiggleiche Talk- und Kochshows, der medialen Verflachung und dem recherchefreien Bilderjournalismus entfliehen möchten - die EGE weiß Rat:

Es lohnt sich wieder, ab und zu die Bilder der Uhu-Webcam in der Eifel aufzurufen. Am 18. Januar sonnte sich ein Uhu - vielleicht Lotte - stundenlang am Brutplatz. Attraktiver als Markus Lanz, vernünftiger als Hans-Ulrich Jörges, so souverän wie Sahra Wagenknecht und vor allem ununterbrochen. Im Bildarchiv ist es festgehalten. Nachdem im letzten Jahr die Webcam-Uhus nicht gebrütet haben, sollten die Chancen in diesem Jahr besser stehen.

EGE warnt vor Leitfaden aus NRW - Januar 2014

Uhupaar © Gordana und Ralf Kistowski

Fast alle Länderumweltminister haben in den letzten Jahren in Leitfäden und Erlassen Anforderungen formuliert, wie im Verwaltungshandeln der Naturschutz beim Ausbau der Windenergiewirtschaft berücksichtigt oder gerade nicht berücksichtigt werden soll. Die auf Länderebene getroffenen Regelungen sind zumeist unzureichend und lassen die Einbeziehung fachfremder Erwägungen erkennen. Ein jüngstes Ergebnis dieser Bestrebungen ist der "Leitfaden Umsetzung des Arten- und Habitatschutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Nordrhein-Westfalen" vom 12.11.2013.

Zwar nimmt der Leitfaden ausdrücklich Bezug auf die von der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten vorbereitete Fortschreibung der bisherigen Abstandsempfehlungen aus dem Jahr 2007, gibt den Mindestabstand von Windenergieanlagen zu Rotmilannestern aber fälschlich mit 1.000 m statt der geforderten 1.500 m an. Von weitergehenden Prüfradien ist beispielsweise beim Uhu kurzerhand gar keine Rede mehr. Zudem verkürzt der Leitfaden die Liste der an Windenergieanlagen kollisionsgefährdeten Arten auf solche, die bereits im Sinne der Roten Listen bestandsbedroht sind. Das heißt, wer beispielsweise wie Mäusebussard, Turmfalke und Schleiereule nicht bereits auf der Roten Liste steht, kann auch nicht kollisionsgefährdet sein. Auch für die Zwergfledermaus soll das gelten. Aufgrund ihrer Häufigkeit müssten sich diese Arten den Tod am Rotor als allgemeines Lebensrisiko gefallen lassen. Ein solcher Ansatz ist selbstverständlich mit Blick auf Recht und Rechtsprechung haltlos. Der Umstand, dass die Staatliche Vogelschutzwarte als Teil des nordrhein-westfälischen Landesumweltamtes Mitherausgeber des Leitfadens ist, zeigt das Ausmaß der Vereinnahmung. Bemerkenswerterweise gehört die Vogelschutzwarte der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten an, also dem Gremium, das einen Abstand von nur 1.000 m zum Schutz des Rotmilans längst nicht mehr für ausreichend hält, an der Veröffentlichung dieser Erkenntnis aber seit Jahren gehindert wird.

Der Leitfaden spart nicht mit weiteren Schwächen: Die für eine sorgfältige Abschätzung der Folgen von Windenergieanlagen erforderlichen Bestandsaufnahmen werden verkürzt. Liegen nicht bereits Informationen über die Betroffenheit gefährdeter Arten vor, soll auch nichts erfasst werden. Der Untersuchungsrahmen für Raumnutzungsanalysen ist so knapp bemessen, dass möglicherweise gar keine repräsentativen Ergebnisse erzielt werden können. Fragestellungen sollen auf die wenigen Schwerpunktvorkommen bestimmter Arten verengt werden. Uhus, Rot- und Schwarzmilane haben Pech, wenn sie ein Nest seit zwei Jahren nicht mehr besetzt haben. Das Vorkommen sei dann nicht mehr zu betrachten. Möglichen Schadensverhütenden Maßnahmen wird eine Wirkung zugesprochen, die sie zumeist gar nicht erreichen. Es wird der Anschein erweckt, mit der Gestaltung des Mastfußes oder dem Abschalten der Anlagen für wenige Tage nach Beginn von Bodenbearbeitung oder Ernte im 100-m-Umkreis ließe sich ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko schon irgendwie abwenden. Zwar enthält der Leitfaden auch zutreffende Einschätzungen. Oft werden diese an anderer Stelle aber wieder abgeschwächt oder konterkariert. So etwa die Maßgaben für vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen, deren Wirksamkeit im Vorhinein gewährleistet sein muss. Die Windenergiewirtschaft und ihre Helfer werden schon das Passende auswählen. Die in Nordrhein-Westfalen anerkannten Naturschutzorganisationen hätten allen Grund, der sozialgrünen Landesregierung die gelbe Karte zu zeigen. Aber Kritik bleibt offenbar aus.

Den tatsächlichen Naturschützern stehen schwere Monate ins Haus. Vor einem Ende der offensichtlichen Überförderung der Windenergiewirtschaft will die Branche so viele Anlagen durchsetzen wie nur möglich. Ob es zu einer Absenkung der Vergütungen kommt, ist keineswegs ausgemacht. Die von Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) ins Spiel gebrachte Absenkung der Vergütungen stößt bereits bei den norddeutschen SPD-Ministerpräsidenten auf Ablehnung. Unternehmen wie PROKON und Enercon stehen bei ihnen hoch in der Gunst. Dabei dürfte die "Unternehmenskultur" des Windenergieanlagenherstellers Enercon jeden Sozialdemokraten erschaudern lassen. Lesen Sie dazu bitte den Bericht in der Ausgabe 04/12 "brand eins. Wirtschaftsmagazin" (pdf-Datei, ca. 1,87 MB).

Streuobstwiesen: Antwort des Ministeriums - Januar 2014

Steinkauz im Obstbaum © Gordana und Ralf Kistowski

Im Dezember 2013 hat sich die EGE an den nordrhein-westfälischen Umweltminister gewandt und die Aufnahme von Streuobstwiesen in den Katalog der landesrechtlich besonders geschützten Biotope angemahnt. Die Unterschutzstellung sei überfällig.

Im Unterschied zu anderen Bundesländern mit einem bedeutenden Anteil an Streuobstwiesen habe der nordrhein-westfälische Gesetzgeber die Möglichkeit, diese Biotope zu geschützten Biotopen zu erklären, erst 2005 genutzt und diesen Schutz 2007 auf Betreiben der damaligen christlich-liberalen Landesregierung wieder aufgehoben. In Nordrhein-Westfalen könne die sozial-grüne Landtagsmehrheit dies ändern, wenn sie es nur wolle.

Der pauschale gesetzliche Schutz dient vor allem dem Schutz des Steinkauzes. Das nordrhein-westfälische Umweltministerium hat auf die Zuschrift der EGE geantwortet. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 620 KB), wenn Sie die Antwort lesen möchten.

Naturschutz ein Randthema - Januar 2014

Buntspecht © Gordana und Ralf Kistowski

Ob die Große Koalition den Start verstolpert hat, mögen andere beurteilen. Interessanter ist die Antwort auf die Frage, worauf der Naturschutz in Deutschland in den nächsten vier Jahren hoffen darf. Der Blick in die 185 Seiten des Koalitionsvertrags "Deutschlands Zukunft gestalten" ist allerdings eher ernüchternd als verheißungsvoll.

Der Begriff "Landschaft" wird im Vertrag 13mal erwähnt - in Begriffsverbindungen wie Medienlandschaft, Presselandschaft, Wissenschaftslandschaft, Tariflandschaft, Kinolandschaft und zweimal in Kulturlandschaft. Die Koalitionäre beklagen die "Vermaisung der Landschaft" und loben die Rolle der Milchwirtschaft und des Weinbaus für die Erhaltung vielfältiger "Kulturlandschaften". Landschaftsplanung, Landschaftsschutz oder Naturlandschaft - Fehlanzeige. Der Begriff "Naturschutz" wird viermal genannt. Ihm gelten ganze 18 Zeilen unverbindlichen Inhalts von 185 Seiten.

Der Koalitionsvertrag ist Gegenstand des aufschlussreichen Editorials der Januarausgabe der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung". Klicken Sie bitte hier, wenn Sie das Editorial lesen möchten.

Fazit: Verbesserungen für die Sache des Naturschutzes sind von der neuen Bundesregierung nicht zu erwarten. Am ehesten kann auf eine Reform des Erneuerbare Energiengesetzes gehofft werden, welche dem uferlosen naturschutzkritischen Ausbau der Windenergiewirtschaft und des Energiepflanzenanbaus Grenzen setzen könnte. Sollte es dazu kommen, dann nicht aus Erwägungen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, sondern weil sich der bisherige Weg der Energiewende als ökonomischer Fehlschlag erwiesen hat. Dabei waren Kanzlerin und ihr Vizekanzler einmal selbst Ressortverantwortliche für den Naturschutz.

Ob die neue Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Dr. Barbara Hendricks, beispielsweise in den nächsten einhundert Tagen mehr als vordergründige mediale Akzente im Naturschutz setzt, bleibt abzuwarten. In ihrer bisherigen Biografie spielt der Naturschutz dieselbe Rolle wie im Koalitionsvertrag - nämlich bestenfalls die eines Randthemas. Mit Randgruppen und Randthemen dürfte sich die Ministerin allerdings auskennen. Bundesweit setzt sich Frau Hendricks für die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften ein.

Eine Sechs in Ökologie - Januar 2014

Hasenjagd in Ostfriesland Ende 2013 © Eilert Voss

Wildtiere benötigen das Verständnis der Jäger. Auch der Uhu ist darauf angewiesen. Dieses Verständnis war Voraussetzung für seine Rückkehr. Um das ökologische Verständnis der Jäger scheint es allerdings keineswegs überall zum Besten zu stehen, verfolgt man die Meldungen in der ostfriesischen Presse. Zwar dürfte die Schlagzeile "Jäger schlagen Alarm. Immer weniger Hasen und Fasane" niemanden überraschen, der um die Situation des ländlichen Raumes weiß. Die Jäger haben als eine Ursache für den Rückgang jedoch einen erstaunlichen Grund ausgemacht: nämlich eine in Nordwestdeutschland wachsende Population überwinternder nordischer Gänse. Die Gänse würden die Feldhasen vertreiben. "Auf einigen Flächen liegt so viel Gänsekot, dass die Hasen im Zickzack springen müssen", heißt es in der Emder Zeitung vom 04. Januar 2014. Ein Ostfriesenwitz der besonderen Art.

Die Meinung der Waidmänner hat zwar nichts mit der Wirklichkeit zu tun, markiert aber die Wirklichkeit, in der sich der Naturschutz befindet. Der frühere Vogelwart der ostfriesischen Vogelinsel Memmert Reiner Schopf kommentiert den Vorgang treffend so:

"Wieso ist den Jägern nicht eher aufgefallen, dass sich die Lebensbedingungen für Wildtiere dramatisch verschlechtert haben? Wo Flächen ständig mit schweren Maschinen bearbeitet werden, Dünger- und Pestizidexzesse jedes wilde Gewächs, jedes Insekt vernichten oder eintönige Maiswüsten dominieren, müssen sich nicht nur Hase und Fasan vom Acker machen. Es ist kein Zufall, dass selbst Feldlerchen Raritäten geworden sind. Der Gänsekot, der angeblich die Hasen dazu zwingt, zick-zack zu hoppeln, ist im Vergleich zu den Güllemengen, in welchen Felder regelrecht ersäuft werden, ganz bestimmt ein kleines Problem. Aber die Suche nach Sündenböcken war offenbar erfolgreich:

Die Gänse sind schuld am Desaster. Für Vögel - einschließlich Fasane - sind Insekten lebenswichtig. Ist den Jägern nicht aufgefallen, dass man oft hunderte Kilometer fahren kann, ohne dass Insekten an der Windschutzscheibe kleben? Haben sie nicht bemerkt, dass keine Nachtfalter mehr um Laternen flattern, dass die industrialisierte Landwirtschaft immer größere Areale zu No-Go-Areas für Wildtiere macht? Wie so oft wollen sie das Problem mittels Schießen lösen. Das poliert ihr Image auf und rechtfertigt die Schießlust. Klever, aber offenbar kann man das sogenannte "grüne Abitur", auf das Jäger so stolz sind, auch mit einer Sechs in Ökologie bestehen. Das Artensterben mit Pulver und Blei stoppen - darauf können nur grüne Halbgötter kommen."

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