Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

die Brutsaison der Uhus steht nun unmittelbar bevor. Nach längeren Frostperioden gibt es regelmäßig Nächte ohne Frost, an wenigen Tagen konnten auch Sonnenstrahlen schon die südlich exponierten Uhubrutplätze etwas erwärmen.

Der Brutplatz in der Burgruine liegt in einer milderen Region, und die Balzaktivitäten sind voll im Gange. Die Eiablage könnte schon in den nächsten zehn Tagen stattfinden. Nun herrscht jedoch fast allabendlich große Unruhe in der „Arena Burgruine“.

Die Nilgänse

Noch 2018 konnte ich Nilgänse nur selten in den ca. 200 kontrollierten potenziellen Uhulebensräumen der Eifel beobachten. Zwischenzeitlich ist die Population dieser invasiven Art extrem angewachsen. In den Felswänden der Flusstäler, auf Brückenpfeilern sowie in den Steinbrüchen, Kies- und Tongruben mit Kleingewässern sind Nilgänse allgegenwärtig. Seit 2020 stelle ich immer wieder durch Nilgänse verursachte Brutaufgaben beim Uhu fest. Von den ca. 120 bis 180 begonnenen Bruten wurden jährlich bis zu sechs Brutaufgaben nachweislich durch Nilgänse verursacht (+ Dunkelziffer). Manche der langjährig vom Uhu genutzten Brutnischen liegen sehr prominent in den Felswänden. Vorbeifliegende Nilgänse können kaum anders, als sich für diese „Luxuswohnungen“ zu interessieren. Auch wenn dort schon eine brütende Uhudame liegt, fliegen manche Gänse diese Nischen an und treiben dadurch die Uhus vom Gelege. In manchen Fällen brüten die Gänse dort später erfolgreich, in anderen Fällen sind es junge, unerfahrene Gänse, die ohne ernsthafte Brutabsicht nur mögliche Brutplätze erkunden.

In Brutarealen mit vielen, ähnlich geeigneten Brutnischen können die beiden um Nistplätze konkurrierenden Arten parallel funktionierende Bruttraditionen entwickeln. An anderen Steilwänden kommt es regelmäßig zu Brutaufgaben der Uhus. Wie genau die Auseinandersetzungen der Arten ablaufen, wurde bisher kaum – und noch nie derart detailliert wie in „unserer“ Burgruine – beobachtet. Auch ein erfolgreiches Vertreiben von Nilgänsen durch Uhus wurde bisher nicht dokumentiert. Insofern leisten wir mit unserer Webcam Pionierarbeit.

Die Belastung der Uhupopulation durch Nilgänse ist zweifelsfrei vorhanden. Eine nennenswerte Auswirkung auf die Vermehrungsrate der großen Eulen kann ich bisher nicht feststellen. Viele andere zusätzliche Faktoren wiegen als Ursache für erfolglose Bruten schwerer, und der Uhubestand ist stabil.

Die brütenden Nilgänse und deren Eier genießen den Schutz des Tierschutzgesetzes. Ein wie auch immer geartetes „Eingreifen“ während der Brutzeit ist verboten.

Uhus und Nilgänse

Unsere Beobachtungen der Geschehnisse verleiten uns zur Parteinahme für die eine oder die andere Art. Ein „Ich bin für die Gänse“ oder „Ich bin gegen die Gänse“ mag in unseren Köpfen und bei Youtube im Chat des LiveStreams oder den Kommentaren heiße Diskussionen auslösen. Auf die beteiligten Tiere und auf die Abläufe in der Ruine hat dies jedoch keine Auswirkung.

Die einzige Möglichkeit, adulte Nilgänse in NRW zu „entnehmen“, ist der jagdliche Abschuss durch den Revierinhaber zwischen dem 16. Oktober und dem 31. Januar. Juvenile Nilgänse dürfen ganzjährig geschossen werden.

Inwiefern der Abschuss bis zum 31.1. in Lebensräumen wie z. B. unserer Burgruine für die Uhus einen Unterschied machen würde, ist aus meiner Sicht fraglich. Wie wir gesehen haben, gibt es weitere Gänse, die bereit sind, den Brutplatz zu übernehmen. Sollten dies bruttechnisch ungeübte Jungvögel aus dem Vorjahr sein, könnten sie womöglich noch mehr Unruhe in die Ruine bringen. Sie würden weniger zielgerichtet eine Nische auswählen und zögerlicher oder gar nicht zur Brut schreiten. Dadurch würde durch die Aktivitäten der Gänse möglicherweise mehr Unruhe verursacht, als wir sie aktuell miterleben.

Naturschutz vs. Tierschutz

Eine flächenhafte Reduzierung der Nilgänse oder sogar eine Ausrottung dieser invasiven Art würde ein entschlossenes Handeln von Behörden und der Jägerschaft sowie eine gewisse Akzeptanz der Gesellschaft voraussetzen. Dies ist nicht gegeben. Im Gegenteil: In den sozialen Medien geteilte Schlagzeilen konfrontieren viele Menschen mit den Tötungen von Wildtieren. Besonders wenn es sich dabei um „nette“ oder „süße“ Tiere handelt, ist die Empörung besonders groß. Auf einer letztjährigen Veranstaltung zur „Waschbärproblematik“ mit Vertretern des Naturschutzes und des für die Jagd in NRW zuständigen Ministeriums sahen sich Naturschützer mit einer unschönen Tatsache konfrontiert: Die Politik misst einem möglichen „Shitstorm“ in den sozialen Medien mehr Bedeutung bei als den von Wissenschaftlern und Naturschützern aufgelisteten Gefahren. Ein systematisches Vorgehen gegen die „süßen“ Kleinbären steht daher nicht zur Diskussion. Auch auf Nilgänse bezogen ist keine andere Haltung der Entscheidungsträger zu erwarten.

Die Belastung der Lebensgemeinschaften in unserer Natur (bzw. der Reste unserer Natur), z. B. durch Nilgänse und Waschbären, wird durch steigende Bestände noch größer werden. So ist die Lage, und es ist keine Änderung in Sicht. ☹

Leo und Lotte im Ahrtal

Aus dem Ahrtal können wir bisher nicht viel Neues berichten. Der Felsbereich ist nach wie vor von Waschbären besiedelt, und ein Brutversuch unserer Uhus im traditionellen Nest ist eher unwahrscheinlich. Gelegentlich zeigen sich Uhus am Felsen.

Wanderfalken

Besonders vor Cam5 können wir regelmäßig Wanderfalken beobachten. Ihr traditioneller Brutplatz liegt in ca. 800 Metern Entfernung.

Ich wünsche uns schöne Beobachtungen
Ihr Stefan Brücher

Leo und Lotte im Ahrtal