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Nachrichten2023-10-24T09:04:33+02:00

Eulen-Rundblick Nr. 74-1/2024 erschienen

8. April 2024|

Zum 80sten Geburtstag von Dr. Wolfgang Scherzinger am 20. Januar 2024 hat die deutsche Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen (AG Eulen e. V.) ein Sonderheft herausgegeben. Das 116 Seiten umfassende Heft vereint 13 Beiträge von 19 Autoren. Es würdigt den Naturschützer, Eulenforscher, Waldökologen, Tier- und Pflanzengärtner Wolfgang Scherzinger. Es befasst sich mit der Stellung der Eulen im Stammbaum der Vögel sowie acht europäischen Eulenarten.

Namens der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE e. V.) würdigt Wilhelm Breuer Scherzingers Wirken treffend mit einem Verweis auf die Bedeutung der Uraltbäume, ihrer enormen Wuchshöhe und den Funktionen, die sie im System des Waldes für das Ganze und seine Teile bereitstellen und entfalten: „Überragend, raumgreifend, strukturbildend, hoch produktiv und vernetzend wie die Rolle der ganz Großen im Wald ist Scherzingers lebenslanges Forschen, Vortragen, Schreiben und Wirken für den Natur- und Artenschutz.“

In dem Sonderheft finden Sie den Beitrag „Eulen, Artenschutz und Windenergie. Oder wie der Uhu unter die Räder des grünen Fortschritts geriet“.

Der Eulen-Rundblick erscheint in der Regel jährlich. Er enthält Originalbeiträge, Fachberichte und Informationen über Biologie und Schutz der Eulen. Das Jahresabonnement kostet 15 Euro einschließlich Porto und Versandkosten. Interessenten wenden sich bitte an Herrn Klaus Hillerich, Röntgenstr. 7, 64823 Groß-Umstadt, klaus.hillerich@t-online.de. Der Eulen-Rundblick ist keine Zeitschrift der EGE, sondern die Zeitschrift der AG Eulen.

Divide et impera im Naturschutz

1. April 2024|

Künftig müssen Windenergieanlagenbetreiber in einen Artenschutzfond einzahlen, wenn der Betrieb ihrer Anlagen für bestimmte Vogelarten zu einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko führt. Der Gesetzgeber hat die Anzahl der hierfür zu beachtenden Vogelarten gegen das Fachvotum der Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten auf 15 begrenzt. Zudem arbeitet die Bundesregierung an einer Methode, mit der das Tötungsrisiko berechnet werden soll. Kritiker vermuten, die Kriterien könnten so gesetzt werden, dass die meisten Anlagen als unbedenklich durchgehen. Dann muss nichts gezahlt werden.

Wenn ausnahmsweise doch eine Zahlung fällig werden sollte, fließt diese an das Bundesumweltministerium – wenn es gut läuft – in zumindest halbwegs sinnvolle Artenschutzprojekte zugunsten der Vogelarten, die an Windenergieanlagen zu Tode kommen. Um diesen Arten zu helfen, bedürfte es vor allem einer Nutzungsaufgabe oder -extensivierung intensiv genutzter Felder, Wiesen, Weiden und Wälder. Doch auf diesen Flächen wirtschaften Land- und Forstwirte. Sie sind zu mehr Naturschutz nur bedingt und am wenigsten zum Verkauf ihrer Flächen für Naturschutzzwecke bereit. Grundstückseigentümer verkaufen oder verpachten stattdessen für Solar- und Windenergieprojekte, denn dafür lassen sich exorbitant hohe Kauf- und Pachtpreise erzielen. Damit kann der Naturschutz und nicht einmal die normale landwirtschaftliche Produktion konkurrieren. Aus Rücksichtnahme auf land- und forstwirtschaftliche Interessen hat der Bundesgesetzgeber zudem vorsorglich festgelegt, dass aus dem Artenschutzfond des Bundes selbst dann keine Flächen für Artenschutzprojekte gekauft werden dürfen, wenn jemand verkaufen wollte. Das ist kein Aprilscherz.

Nun ist guter Rat teuer, sollen die dem Bundesumweltministerium aus der „Lizenz zum Töten“ zufließenden Mittel sinnvoll für den Naturschutz eingesetzt werden. Licht ins Dunkel brachte nun ein investigativ tätiges Medienhaus, welches die Teilnehmer:innen einer Konferenz in einer Berliner Villa ausgespäht haben will. Diesen Recherchen zufolge zeichnet sich der Abschluss eines Abkommen mit marodierenden ausländischen Milizen ab, um diese mit Geldzahlungen vom Abschuss windenergiesensibler ziehender Vogelarten während der Zugzeiten abzuhalten. Tatsächlich erfolgen solche Abschüsse aus Langeweile, Lust oder Angeberei auf den Routen des internationalen Vogelzuges.

Die deutsche Bundesumweltministerin brachte das Problem erst kürzlich im Vorwort einer Broschüre des Komitees gegen Vogelmord auf den Punkt: „Bislang sind die Bestände vieler bei uns einheimischer Greifvogel- und Eulenarten trotz intensiver Schutzbemühungen weiter rückläufig. Tausende Schreiadler, Weihen und Wespenbussarde fallen immer noch jedes Jahr illegalen Nachstellungen auf den Zugrouten zum Opfer. Deutschland setzt sich als Mitglied der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten international dafür ein, die Zugwege dieser Arten wieder sicher zu machen und unterstützt Projekte zur Aufklärung der Bevölkerung und zur Bekämpfung der Wilderei.“ Soll hierfür also der Artenschutzfond eingesetzt werden? Man mag den Plan für fragwürdig halten. Noch fragwürdiger wäre es, mit dem Geld Vereinigungen zu fördern, welche zu der Zerstörung des deutschen Naturschutzrechts dröhnend schweigen.

Von Osterpaketen und anderen Geschenken

26. März 2024|

Mit Ostern verbindet sich seit dem Jahr 2022 für Naturschützer vor allem eines: das im April 2022 von den bündnisgrünen Bundesministern Steffi Lemke und Robert Habeck vorgelegte „Osterpaket“. Es leitete die drastische Absenkung des deutschen Natur- und Artenschutzrechts ein, welche die Ampelkoalition in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt hatte. Was folgte ist bekannt: Die Öffnung der Landschaftsschutzgebiete für Windenergieanlagen, die Reduzierung der an Windenergieanlagen kollisionsgefährdeten Brutvogelarten auf 15 Arten, die Reduzierung von Abstands- und Untersuchungserfordernissen, die Umkehr der Beweislast, die Etablierung von Schutzmaßnahmen ungeklärter Wirksamkeit, die Einführung von artenschutzkritischen Zumutbarkeitsgrenzen, der generelle Vorrang der Windenergiewirtschaft vor dem Naturschutz, die Ankündigung nationaler Artenhilfsprogramme mit unklarer Reichweite und Ausstattung oder auch ein absonderliches Anbringungsverbot von Nisthilfen für Fledermäuse und Vögel.

Um den Schein von Offenheit zu wahren, wurden die Naturschutzvereinigungen beteiligt. An einem Freitagnachmittag (10. Juni 2022) wurde der Gesetzesentwurf den Vereinigungen zugeleitet. Die Frist zur Abgabe einer Stellungnahme endete am darauffolgenden Montag. Über derlei abgründige Gepflogenheiten berichtete der jährlich mit 8,57 Milliarden Euro finanzierte Öffentlich-Rechtliche Rundfunk mit keiner Silbe. Wie überhaupt dieses Kapitel deutscher Gesetzgebung dort eher nur gefeiert, nicht aber durchleuchtet, geschweige denn kritisch kommentiert wurde.

Allerdings war dies nur ein erster Schlag. Es folgte die Etablierung von Beschleunigungsgebieten für Windenergieanlagen und andere Transformationsprojekte. In diesen Gebieten entfallen künftige Umweltverträglichkeitsprüfungen und artenschutzrechtliche Prüfungen und ist allein auf Basis bereits vorliegender aktueller Daten über Artenvorkommen zu entscheiden. Fehlen diese Daten oder sind verhältnismäßige Minderungsmaßnahmen nicht möglich, sind geringe pauschalierte Beträge in Artenhilfsprogramme an den Bund zu zahlen. Dieses war der zweite Schlag.

Wer glaubt, damit hätte der Furor ein Ende gefunden, sieht sich getäuscht. Die Ampelkoalition hat auch die Schwächung des schwächsten Instruments des Bundesnaturschutzgesetzes ins Auge gefasst: Die Eingriffs-Ausgleichs-Regelung. Sie hatte in den 1970er Jahren als eine der bedeutendsten Neuerungen des deutschen Naturschutzrechts gegolten. Doch die Pläne der Ampelkoalition reichen noch weiter: Nachdem sie die Landwirte mit der Besteuerung des Agrardiesels gegen sich aufbrachte, bietet sie der Landwirtschaft die Entlastung von Naturschutzauflagen an. Den Preis für die Finanzierung der Staatsausgaben sollen insofern Natur und Landschaft zahlen. Insider erwarten beispielsweise die Legalisierung des Grünlandumbruchs und einen weiteren Intensivierungsschub in der Agrarwirtschaft. Die Landwirtschaftsverbände haben mit ellenlangen Forderungskatalogen längst Position bezogen. Die Koalition im Deutschen Bundestag gegen den Naturschutz war nie so groß wie heute. Sie reicht von links bis rechts.

Webcam-Uhus in der Ruine: Erstes Küken geschlüpft!

24. März 2024|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

schon heute gegen 17:00 Uhr schlüpfte das erste Küken bei unserem Uhupaar in der Burgruine!

Isolde war schon seit einigen Stunden unruhig und gegen 17:05 Uhr lieferte sie den Beweis: sie „verwertete“ die Eierschale.

Wir werden etwas Glück brauchen, um ein Küken in der tiefen Mulde zu Gesicht zu bekommen, und Isolde wird das Nest vermutlich kürzer als sonst verlassen. Bis zur ersten Fütterung können einige Stunden oder sogar ein Tag vergehen. Wird Tristan sein Verhalten nun ändern? Wird er versuchen, den Nachwuchs zu inspizieren?

Wir sind gespannt und freuen uns!

Ihr Stefan Brücher

Kauzbrief-Ausgabe 36 erschienen

22. März 2024|

Erstmals erschien der Kauzbrief der „Arbeitsgemeinschaft Eulenschutz im Landkreis Ludwigsburg“ 1992. Das jetzt vorliegende neue Heft ist die 36. Ausgabe. Sie bietet auf 70 Seiten Neuigkeiten und Fachbeiträge aus Eulenschutz und Eulenforschung sowie über Eulen in Kunst- und Kulturgeschichte. Der Kauzbrief bietet deshalb gerade auch den Personen lohnenden Lesestoff, die sich umfassend und aus breiter Perspektive mit dem Evolutionsphänomen Eule befassen möchten. So vereint auch die aktuelle Ausgabe des Kauzbriefs Naturkunde, Naturschutz, Kunst- und Kulturgeschichte. Erwähnt sein hier beispielsweise der reich illustrierte Bericht über den Uhu im Landkreis Ludwigsburg (Claus und Ingrid König), der Bericht vom tierschutzwidrigen Missbrauch von Eulen als „Schmusetiere“ (Wolfgang Scherzinger), der Beitrag Verkehrszeichen „Eule“ über Sinn und Unsinn eines weiteren Gefahrenzeichens im Straßenverkehr (Rudolf Schaaf) und der Beitrag zur Ikonographie des Vogelfangs mit dem Kauz (Christoph Gasser). Die EGE gratuliert zur gelungenen Ausgabe! Nähere Informationen finden Sie unter www.ag-eulenschutz.de.

EU-Vogelschutzrichtlinie: Blauer Brief aus Brüssel

16. März 2024|

Die EU-Kommission hat am 13. März 2024 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet: Das Land habe die Maßnahmen zur Erhaltung wild lebender Vogelarten gemäß der aus dem Jahr 1979 stammenden Vogelschutzrichtlinie nicht hinreichend realisiert. Für fünf Vogelarten fehle die Ausweisung der für diese Arten zahlen- und flächenmäßig geeignetsten Gebiete. Für 220 von 742 bestehenden Schutzgebieten seien noch keine Erhaltungsmaßnahmen festgelegt worden. Nach Ansicht der Kommission reichen die von Deutschland innerhalb und außerhalb des Netzes der Schutzgebiete ergriffenen Maßnahmen bislang nicht aus, um die Anforderungen der Richtlinie zu erfüllen. Deutschland habe darüber hinaus das Schutzgebiet „Unterer Niederrhein“ nicht ausreichend geschützt. Deutschland hat nun zwei Monate Zeit, auf das Aufforderungsschreiben zu reagieren. In diesem Zusammenhang lohnt der Rückblick auf den Kommentar, den die EGE zum 40. Geburtstag der Europäischen Vogelschutzrichtlinie schrieb – das war vor fünf Jahren:

„In diesem Jahr wird die Europäische Vogelschutzrichtlinie 40 Jahre alt. Sie war eine Reaktion auf die schon damals – nicht zuletzt als Ergebnis der gemeinsamen Agrarpolitik – dramatischen Verluste biologischer Vielfalt. Die Richtlinie verlangt vom Mitgliedstaat einen durchgreifenden Schutz aller einheimischen Vogelarten und für die Erhaltung bestimmter Brut- und die regelmäßig auftretenden Zugvogelarten die Einrichtung strenger Vogelschutzgebiete – nämlich die Unterschutzstellung der für diese Arten „zahlen- und flächenmäßig geeignetsten Gebiete“. Deutschland muss deshalb für gut hundert der 250 hier vorkommenden Brutvogelarten solche Schutzgebiete einrichten – die für Zugvögel wichtigsten Vermehrungs-, Rast-, Mauser- und Überwinterungsgebiete eingeschlossen.

Die Deutschen haben von dieser Richtlinie erst Notiz genommen als sie, der Unterschutzstellung dieser Gebiete nach Jahrzehnten säumig, mit Mahnschreiben und Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission konfrontiert waren. Eingelöst hat Deutschland die Verpflichtungen nur schleppend und bis heute eklatant unzureichend. Zwar sind jetzt gut zehn Prozent der Landfläche als Vogelschutzgebiete benannt, doch durchgreifend unter Schutz gestellt ist immer noch eher nur die Minderzahl der Gebiete. Der Rückgang der Feld- und Wiesenvögel wurde selbst in den Vogelschutzgebieten nur ausnahmsweise gestoppt, weil sich die staatlichen Stellen auch dort scheuen, die landwirtschaftliche Nutzung an Auflagen zu binden. In vielen Fällen steht der Schutz nicht einmal auf dem Papier und sind die Verluste dramatisch – beispielsweise von Bekassine, Kampfläufer, Kiebitz, Uferschnepfe, Grauammer, Feldlerche und Rebhuhn.

Für diesen fortgesetzten Bruch des Gemeinschaftsrechts hat sich die öffentliche Berichterstattung damals so wenig interessiert wie heute am 40. Jahrestag der Richtlinie. Zwischen Fridays for Future, Insektensterben und Dieselskandal ist über das Ereignis bestenfalls verhalten berichtet worden und eine substantiierte Reflexion erwartungsgemäß ausgeblieben. Geburtstagsgeschenke gab es keine. Dabei hätte sich der Vogelschutz schon über Ehrlichkeit gefreut. Bis heute wird der rechtlich bindende Charakter der Richtlinie verkannt, als könne man sich nach ihr richten oder nicht. Dass sich die Situation einer Vielzahl Vogelarten in den letzten 40 Jahren verschlechtert hat, bleibt zumeist ungesagt oder wird – ganz gegen die Fakten – dem Klimawandel zugeschrieben. Allerdings könnte die Vogelschutzrichtlinie vor ihrem 50. Geburtstag noch einmal für Schlagzeilen sorgen – nämlich infolge eines neuen Vertragsverletzungsverfahrens. Für einen Fortschritt bedarf es offenbar der Verurteilung und drohenden Strafzahlung. Der Tag wird kommen, aber nicht alle Vogelarten werden ihn erleben.“

Vortrag über den Uhu und andere Eulen

15. März 2024|

Mitte der 1960er Jahre lebten noch dreißig oder vierzig Uhupaare in Deutschland, heute sind es mehr als dreitausend. Der Uhu ist zurück, aber nicht unbedingt außer Gefahr. Wilhelm Breuer hat die Wiederansiedlung des Uhus seit Mitte der 1970er Jahre mitverfolgt. Breuer ist seit 1990 Geschäftsführer der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V., Dipl.-Ing. der Landschaftspflege und Lehrbeauftragter für Naturschutzrecht. Er berichtet aus erster Hand über die jahrzehntelangen Bemühungen im Uhuschutz.

Der Vortrag handelt nicht nur von den aktuellen Herausforderungen, den Uhu und andere der dreizehn in Europa heimischen Eulenarten zu schützen, sondern schließt auch Vorschläge ein, wie Menschen im ländlichen Raum zum Schutz der Eulen beitragen können.

Lauenau ist ein Flecken im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen 40 Kilometer westlich von Hannover. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei.

SWR 2: Eulen im Radio

11. März 2024|

Am 09. März 2024 brachte die dreistündige Sonntags-Matinee des SWR 2 Eulen nicht nach Athen, sondern ins Radio. Unter dem Titel „Komischer Kauz – Die Eule“ ging es u. a. um die Geschichte, wie eine schwarze Eule auf gelbem Grund auf die Naturschutzgebietsschilder der DDR gelangte und eine bunte Eule auf weißem Grund zum Erkennungsmerkmal des Deutschen Taschenbuchverlags wurde. Stefan Brücher, der Vorsitzende der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen, berichtete im Interview aus 40 Jahren Eulenschutz, warum Uhus gefährdet waren und wie es gelungen ist, sie wieder anzusiedeln. Er erzählte auch von Dramen vor der Uhu-Webcam in der Eifel und vom schwindenden Lebensraum für Käuze. Das elfminütige Interview finden Sie zum Nachhören hier.

Neue Ausgabe von „Nationalpark“ erschienen

2. März 2024|

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Nationalpark“ rückt die Artenvielfalt auf Truppenübungsplätzen in den Fokus. Truppenübungsplätze sind zumeist nährstoffarme, extrem artenreiche Offenlandschaften mit Seltenheitswert. Zwar wird dort scharf geschossen, doch „die Wüste lebt“. Aufgelassene Truppenübungsplätze sind im Visier der Vermarktungsinteressen als Bauland für Industrie und Gewerbe, als Aufforstungsareal und für den Tourismus. Bisweilen sind sie auch Kandidat für neue Nationalparke. Darin wäre allerdings ökologische Werterhaltung gesetzlich verlangt und nicht bloße touristische Wertschöpfung.

Angesichts der anhaltenden Konflikte in der Welt können die bestehenden Übungsplätze auf eine Standortgarantie hoffen und ehemalige auf eine Wiederindienstnahme. Auch oder gerade in Deutschland. Dort zählte der Truppenübungsplatz Senne südlich von Bielefeld lange Zeit als aussichtsreichster Kandidat für einen zweiten nordrhein-westfälischen Nationalpark. Dort ist mit Blick auf die Weltlage mit einem Rückzug des britischen Militärs nicht mehr zu rechnen und die Senne bei der vom Landesumweltminister ausgerufenen Nationalpark-Kandidatensuche chancenlos. Für den Naturschutz muss die Fortdauer des Übungsbetriebs nicht einmal schlecht sein.

Die neue Ausgabe „Nationalpark“ bietet noch reichlich mehr Stoff zum Nachdenken: Etwa über die Frage, ob dem Schutz des Rotmilans vor Kollisionen an Windenergieanlagen mit mehr Forschung geholfen ist oder der Ausbaustopp in den Dichtezentren der Art unabwendbar nötig ist. Ob wir in „vielen Regionen ein katastrophales Waldsterben“ erleben oder doch eher ein Scheitern vorschnell als „gute fachliche Waldwirtschaft“ deklarierter Experimente mit nicht standortheimischen Baumarten. Lesenswert ist auch der Kommentar zum Comeback des Wolfes – diesmal aus einer für Wolfsschützer ungewohnten Perspektive.

Hoffnungsvoll berichten die Autoren über die Blütenfülle auf kommunalem Grund und Boden. Noch zu selten nehmen Städte und Gemeinden die ihnen zugedachte Aufgabe wahr: „Bei der Bewirtschaftung von Grundflächen im Eigentum oder Besitz der öffentlichen Hand sollen die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege in besonderer Weise berücksichtigt werden.“ Das ist keine Wunschvorstellung, sondern die Bestimmung des § 2 Abs. 2 des Bundesnaturschutzgesetzes. Man möchte diesen Anspruch ausdehnen auf die Kirchen, die sich beim Klimaschutz bereitwillig dem Zeitgeist verschreiben, aber zugleich eine halbe Million Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche besitzen und sie weitgehend ohne Naturschutzauflagen verpachten. Die Landfläche der 16 deutschen Nationalparke ist weniger als halb so groß. Überdies liefert das Heft – hier aufrufbar – amüsante und nicht minder hintersinnige Gedanken für eine Neuauflage des Märchens von den Bremer Stadtmusikanten.

Die Zeitschrift „Nationalpark“ berichtet auf 46 Seiten viermal jährlich über die Entwicklung deutscher Nationalparke, große Schutzgebiete und aus dem Naturschutz. Die Zeitschrift leistet sich, was in der deutschen Zeitschriftenlandschaft eine Ausnahme ist: einen unabhängigen, kritischen und fundierten Blick auf die Sache des Naturschutzes. Die EGE empfiehlt diese Zeitschrift mit den Worten, die der Journalist Horst Stern für sie gefunden hat: „Besser kann man Papier aus dem Holz der Bäume nicht nutzen“. Vielleicht möchten Sie der Zeitschrift zu ihrem 50sten Geburtstag mit einem Abonnement gratulieren, dass sie dieses Versprechen bist heute eingelöst hat. Zur aktuellen Ausgabe gelangen Sie hier.

Auf freiem Feld frei von Kompensation

22. Februar 2024|

In Niedersachsen sollen nach dem Willen der Landesregierung bis 2035 auf 0,5 Prozent der Landesfläche Solarparks entstehen. Das entspricht einer Fläche von 24.000 ha oder 240 Solarparks von je 100 ha. Das ist die 15-fache Fläche des Dümmers, des zweitgrößten Sees in Niedersachsen.

Entschließen sich alle Bundesländer zu einem solchen 0,5-Prozent-Ziel, ist mit Solarparks auf einer Fläche von 178.000 ha zu rechnen. Das ist mehr als die Fläche der deutschen Nationalparke abzüglich der Meeresgebiete, auch mehr als die Fläche aller Naturschutzgebiete Mecklenburg-Vorpommerns und Baden-Württembergs zusammengenommen. Der Flächenbedarf entspricht der Fläche von 2.825 landwirtschaftlichen Betrieben durchschnittlicher Größe. Deutsche Umweltverbände haben damit offenbar kein Problem. Jedenfalls stellen sie die Ausbauziele nicht in Frage. Warum und wie auch. Der Glaube an die Freiheitsenergien ist ungebrochen.

Land für Solarparks stellen Landeigentümer vergleichsweise gerne bereit. 5.000 Euro Pacht je Hektar und Jahr sind beinahe garantiert. Das ist ein Mehrfaches dessen, was sich sonst aus der Verpachtung landwirtschaftlicher Nutzfläche oder mit dem Anbau von Kartoffeln, Rüben oder Getreide erzielen lässt. Wer sagt da noch nein. Und die Sonne schickt keine Rechnung. Der Stromanbieter dem Stromkunden natürlich schon.

An Versuchen, Solarparks als „Biodiversitätsparks“ oder Hotspots der Artenvielfalt auszugeben, fehlt es nicht. Schaut man sich bei den einschlägigen Organisationen um, liegt die Zukunft des Naturschutzes im Solarpark. Der in diesem Technotop bestenfalls erreichbare Schutz einzelner Pflanzen- und Tierarten, das dort mögliche botanisch-zoologische Gärtnern und Maximieren von Artenzahlen gilt als Naturschutz. Mit derselben Logik lassen sich Neubaugebiete als Biodiversitäts-Schutzgebiete deklarieren, wenn Dächer und Fassaden begrünt sind und hier und da ein Nistkasten für Blaumeisen oder ein Insektenhotel an der Wand hängen. Alles öko!

Von Bund und Ländern finanzierte Einrichtungen wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme liefern auf schlichte Fragen wohlfeile Antworten: Zerstören PV-Anlagen ökologisch wertvolle Flächen? „Nein, ganz im Gegenteil, gewöhnlich fördern sie die Renaturierung. Wird eine Fläche aus der intensiven Landwirtschaft, bspw. aus dem Energiepflanzenanbau, herausgenommen, in Grünland umgewandelt und darauf eine PV-Freiflächenanlage errichtet, dann nimmt die Biodiversität grundsätzlich zu.“ Für dieses Institut ist selbst der für Wildtiere unüberwindliche Zaun ein ökologischer Gewinn: Er „schützt die Fläche gegen unbefugten Zutritt und freilaufende Hunde, was u.a. Bodenbrütern entgegenkommt.“

Übrigens reklamierte der Deutsche Golf Verband die Biodiversität bereits in den 1990er auf seinen Plätzen als ein Produkt des Golfens, was damals noch auf die Vorbehalte des Naturschutzes stieß. Heute indessen ist die Banalisierung des Naturschutzes und die Bereitschaft fürs Greenwashing außerhalb wie innerhalb des Naturschutzes kritik- und grenzenlos. Die Politik folgt der Einladung nur zu gern.

So hat der Bundesrat sich am 02.02.2024 parteiübergreifend dafür ausgesprochen, „Freiflächen-Photovoltaikanlagen, die per se einen ökologischen und nachhaltigen Mehrwert mit sich bringen, von dem naturschutzrechtlichen Kompensationserfordernis freizustellen.“ Man ist so frei. Die Landwirtschaftliche Zeitschrift Rheinland titelte daraufhin: „Auf freiem Feld frei von Kompensation“. Die 1976 zum Schutz von Natur und Landschaft geschaffene Eingriffs-Ausgleichs-Pflicht ist Politik, Land- und Energiewirtschaft seit langem ein Dorn im Auge. Nach dem erfolgreichen Abbau des Artenschutzrechts gerät nun die Eingriffsregelung ins Fadenkreuz der Ampelkoalition. Zur Freude der Opposition und wenn nicht mit Zutun, so doch mit dem Stillhalten der Umweltverbände.

Der Uhu in der Schule

11. Februar 2024|

Birgit Luley und Gerhard Mayer im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart unterstützen die Anliegen der EGE seit vielen Jahren – und zwar mit dem Abschluss von Uhupatenschaften. Die Patenschaften behalten die beiden Eulenschützer aber nicht für sich selbst, sondern sie geben sie weiter an Schulklassen. Zum zweiten Mal geht eine solche Uhu-Patenschaft an die Grund- und Mittelschule Perlesreut im Bayerischen Wald. Die Schüler und Schülerinnen haben für ihren Patenuhu den Namen „Pauli“ gewählt. Das teile die Klassenlehrerin Kathrin Bibelriether kürzlich der EGE mit. Pauli ist im April 2023 in der Eifel geschlüpft. Stefan Brücher hat den kleinen Uhu im Mai 2023 mit einem Ring der Vogelwarte Helgoland gekennzeichnet. Zwischen dem Beringungsort in der Eifel und der Schule im Bayerischen Wald liegen gut 600 Kilometer. Die auf die Klasse 3 b ausgestellte Patenschaftsurkunde hängt nun im Klassenzimmer; sie verbindet den Uhu mit den jungen Leuten. Davon zeugen beispielsweise die vielen ausdrucksstarken Uhu-Zeichnungen, die rund um die Patenschaft entstanden sind. Eine solche Zeichnung der neunjährigen Lilly ist oben im Bild und alle Künstler sind auf dem nachstehenden Klassenfoto zu sehen.

Klasse 3 b © Kathrin Bibelriether

Die EGE dankt Birgit Luley und Gerhard Mayer für die besondere Weise, mit der sie die Anliegen der EGE immer wieder unterstützen. Der Dank geht ebenso an die Lehrerin Kathrin Bibelriether für ihren Einsatz und natürlich an die Mädchen und Jungen der Klasse 3 b. Die EGE bedankte sich für so viel Engagement mit einem Klassensatz ihres Jugend- und Familienbuches „Wo die Eule schläft. Abenteuer Naturschutz“.

Rückblick: Uhu gerettet

7. Februar 2024|

Das neue Jahr ist noch jung, aber in wenigen Wochen schlüpfen bereits die ersten Uhus des Jahres 2024. Bevor es so weit ist, möchte die EGE noch kurz eine Uhu-Geschichte aus dem Vorjahr erzählen, die ein gutes Ende nahm.

EGE-Mitarbeiter Ulli Bergrath wurde von dem Teppichbodenhersteller ANKER Gebr. Schoeller GmbH + Co. KG, im nordrhein-westfälischen Düren, um Hilfe ersucht. Ein Uhumännchen hatte sich in eine 12 Meter hohe Lagerhalle des Unternehmens verflogen. Zwar hatte man darin bereits ein Fenster geöffnet und andere Versuche angestellt, den Uhu aus der Halle zu locken, aber diese Bemühungen verliefen ohne Erfolg. Dabei war Gefahr im Verzug: Zum einen gehörte der Uhu zu einem Uhuweibchen, das auf dem Werksgelände auf dem Flachdach zur selben Zeit brütete. Zum anderen befand sich der Uhu bereits seit einer Woche in der Halle. Schließlich gelang es Ulli Bergrath, des geschwächten Uhus habhaft zu werden. Ulli Bergrath brachte den Uhu in die Bergische Greifvogelhilfe nach Rösrath, wo er medizinisch versorgt wurde und wieder zu Kräften kam. Anschließend wurde der Uhu in der Nähe des Brutplatzes freigelassen. Die Brut verlief doch noch erfolgreich. Das Video von der Freilassung sehen Sie hier:

Es zeigt Ulli Bergrath von der EGE und Günter Schneider von der Fa. ANKER. Die EGE dankt allen Beteiligten, insbesondere der Anker Gebr. Schoeller GmbH + Co. KG fürs Engagement.

Steinkauz-Brutsaison 2023

1. Februar 2024|

Die Niederrheinische Bucht ist eines der Dichtezentren des Steinkauzes in Deutschland. Hier liegt das Steinkauz-Projektgebiet der EGE. Es umfasst die Kreise Düren und Euskirchen, den Rhein-Erft-Kreis und den linksrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises. Die beiden letzten werden in Kooperation mit dem NABU-Rhein-Erft-Kreis und NABU Bonn bearbeitet.

Die Ergebnisse aus dem Gesamtgebiet: In diesem Jahr wurden in diesen vier Kreisen 500 besetzte Steinkauzreviere registriert. Das sind 6 weniger als in den beiden Vorjahren. Die Zahl der erfolgreichen Bruten stieg im Vorjahresvergleich um 22 auf 273. Das ist ein Plus von 8,8 Prozent. Die Zahl der beringten Jungvögel stieg von 729 auf 976. Das ist ein Drittel mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen 15 Jungvögel, die unberingt blieben. Damit hat sich die erreichte Jungvogelzahl dem außerordentlich guten Ergebnis des Jahres 2021, in dem 1.067 junge Steinkäuze beringt worden waren, deutlich angenähert.Den ausführlichen Bericht aus den vier Kreisen finden Sie hier.

Das Steinkauzschutz-Projekt der EGE umfasst u. a. die Pflege und Neuanlage von Obstbäumen sowie die Verteidigung der Steinkauzhabitate vor der Ausweisung von Bauland. Die EGE dankt allen Personen, die zum diesjährigen Erfolg beigetragen haben: den Aktiven, allen Helfern und den Spendern. Vielleicht möchten auch Sie die Aktivitäten der EGE unterstützen – beispielsweise mit einer Steinkauzpatenschaft. Schreiben Sie einfach an die EGE.

Dr. Wolfgang Scherzinger zum 80. Geburtstag

20. Januar 2024|

Der in Wien geborene und in der Gebirgsnatur der Obersteiermark aufgewachsene Wolfgang Scherzinger wird am 20. Januar 2024 80 Jahre alt. 1969 promovierte er an der Universität Wien über Ökologie und Verhalten des Sperlingskauzes. Der Waldökologe, Eulenforscher und Naturschützer arbeitete seit Beginn der 1970er Jahre als Zoologe im Nationalpark Bayerischer Wald. Sein 1996 im Ulmer Verlag erschienenes Buch „Naturschutz im Wald“ markiert einen Gipfelpunkt dieser Tätigkeit.

Der Name Scherzinger ist überdies verbunden mit dem Schutz von Kolkrabe, Uhu, Habichtskauz, Auer- und Haselhuhn und dem im Kosmos Verlag erschienenen Standardwerk „Die Eulen Europas“. Wolfgang Scherzinger ist fraglos einer der besten Kenner europäischer Eulen und anderer Eulen der Welt. Man darf ihn mit Fug und Recht auch als einen Tiergärtner bezeichnen, denn er hat mit der Haltung und Zucht von Eulen viel zu ihrer Erforschung beigetragen. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu einem breiten Spektrum ökologischer, wildbiologischer, ethischer und naturschutzpolitischer Themen. Für sein Engagement wurde er vielfach ausgezeichnet, so mit dem Umweltpreis des Bayerischen Umweltministeriums und der Aufnahme in die Word Owl Hall of Fame.

Die 1990 gegründete Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) profitiert von seinen Beiträgen zum Naturschutz bis heute. Enge Kontakte zu ihm unterhielt EGE-Gründer Wilhelm Bergerhausen schon in den 1980er Jahren zur Zeit der Aktion zur Wiedereinbürgerung des Uhus (AZWU). Die EGE dankt Dr. Wolfgang Scherzinger für die langjährige Verbundenheit und wünscht ihm Gesundheit und unverminderte Schaffensfreude.

Von der Klausurtagung der Grünen

12. Januar 2024|

In Berlin kam vom 8. bis 9. Januar 2024 der Grünen-Bundesvorstand zu einer Klausurtagung zusammen, um – wie es hieß – „Weichen für das neue Jahr zu stellen“. Auf der Agenda stand auch „Naturschutz“. Dazu war der Präsident des NABU, Jörg-Andreas Krüger, eingeladen. Im Herbst 2023 hatte der NABU in einer Bilanz zur Halbzeit der Ampelregierung von einer „weitestgehenden Leerstelle“ bei Natur- und Artenschutz gesprochen. Kritiker indessen halten diese Bewertung für eine Beschönigung. Tatsächlich habe die Bundesregierung das Natur- und Artenschutzrecht entkernt. Zudem arbeite sie an einem weiteren Abbau des Naturschutzes.

Die TAZ berichtete am 9. Januar 2024: Der NABU-Präsident freue sich, dass der Naturschutz auf der Klausurtagung „so hoch gehängt“ werde. Ausdrücklich lobte Krüger, so die TAZ, die Bereitstellung von Naturschutzgeldern, die die Regierung zur Verfügung stelle, auch wenn ihm bei der Finanzierung die langfristige Perspektive fehle.

Zwar berichteten Sendeanstalten und Zeitungen über die Ergebnisse der Klausurtagung. Hinsichtlich des Naturschutzes bewegte sich die Klausurtagung aber offenbar auf dem Niveau von Absichtsbekundungen und wenig realistischen in die Zukunft gerichteten Ankündigungen. Der von den Grünen betriebene Abbau des Naturschutzrechts ist hingegen bittere Realität. Von einer Rücknahme, Korrektur oder nur einer Überprüfung grüner Entscheidungen gegen den Naturschutz ist nirgends die Rede.

Beiträge von 2006 bis 2021

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