Das Buch spart nicht an beeindruckenden Fakten und Fotos aus Leben und Lebensräumen des Uhus in Bayern. Nachdem auf zehn Seiten eingangs Kennzeichen und Sinne des Uhus beschrieben werden, erscheinen in einer Übersichtkarte 17 bayerische Verbreitungsschwerpunkte des Uhus, die kurz charakterisiert werden. Nach knappen Angaben zur Verbreitung des Uhus in Deutschland, Europa und Asien werden auf neun Seiten für Bayern typische Uhulebensräume in Text und Bild dargestellt. Auf 25 Seiten folgen Angaben zu Brutbestand und Bestandsentwicklung in den einzelnen bayerischen Verbreitungsgebieten. 16 Seiten widmen sich der Fortpflanzung, acht Seiten dem Jagdverhalten und der Nahrung des Uhus. Details über das Verhältnis von Uhu (und Eule) und Mensch aus Kulturgeschichte und Gegenwart nehmen 22 Seiten ein.
Mit Gefährdung und Schutz des Uhus befassen sich 25 Seiten, mit den gesetzlichen Schutzvorschriften indessen nur 14 Zeilen. Insofern fehlt es den im weiteren dargestellten Konflikten wie Geocaching, Klettersport, Rohstoffabbau, Forstwirtschaft und Energiewirtschaft, mit denen Uhus in Bayern wie im übrigen Bundesgebiet konfrontiert sind, an der rechtlichen Einordnung. Diese würde teils zu weiteren oder anderen Handlungsoptionen führen als sie im Buch aufgezeigt werden. Unklar bleiben beispielsweise Lage, Umfang und Schutz der nach der EU-Vogelschutzrichtlinie zahlen- und flächenmäßig geeignetsten Gebiete zum Schutz des Uhus in Bayern. Bei Eingriffen bedarf es innerhalb wie außerhalb von Schutzgebieten der Anwendung der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung, im Falle von Schädigungen und Störungen der Beachtung artenschutzrechtlicher Verbote. Naturschutz ist ja nicht allein eine Sache des Appells und des Miteinanderredens, so wichtig diese Optionen sind, sondern eine für Staat und Bürger durch Gesetzes verpflichtende Aufgabe. So hätte der Tod von 23 Uhus an nach 2012 widerrechtlich nicht entschärften Strommasten in Bayern gar nicht eintreten dürfen. Ein Stirnrunzeln dürfte die kritiklos übernommene Aussage des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz auslösen, an Windenergieanlagen mit einem Abstand der Rotorunterkante von mehr als 80 m über Grund sei in der Regel nicht von einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko für Uhus auszugehen. Auch werden sich wie in der Eifel wissenschaftlich belegt auch in Bayern in Felsen brütende Uhus kaum mit jahreszeitlich befristeten Beschränkungen, sondern nur mit einem ganzjährigen Verzicht des Klettersports schützen lassen.
Am Ende des von der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern e. V. empfohlenen Buches folgen Beobachtungstipps. Im Buch sind Rätsel für Leser sowie Beiträge über naturkundliche Beobachtungen des Autors platziert. Das nicht nur an uhukundige Personen adressierte Buch macht es avifaunistisch weniger vorgebildeten Lesern mit der Verwendung vermeidbarer Fachbegriffe und vorausgesetzten Vorkenntnissen stellenweise schwerer als nötig. Und mit den Möglichkeiten der deutschen Sprache hätte manches leichter und schöner beschrieben, erklärt und berichtet werden können. Interesse und Freude an Europas größter Eulenart wird das Buch dennoch wecken.
Wilhelm Breuer
Günter von Lossow | Emil von Lossow
Der Uhu in Bayern – Rückkehr eines Ureinwohners
Bayerland Verlag ISBN 978-3-89251-558-6
1. Auflage 2026, 17 x 24 cm
Abbildungen: durchgehend farbig
Hardcover, 152 Seiten, 29,90 Euro (D)
