Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

ein zeitiger Brutbeginn wie von Isolde und Tristan ist in diesem Jahr eher eine Ausnahme. Nur an etwa jedem vierten Brutplatz in der Eifel sitzen die Uhudamen Mitte März 2025 bereits auf ihren Eiern – so spät wie selten in den vergangenen Jahrzehnten.

Im Ahrtal

Auch im Ahrtal konnte ich zu Wochenbeginn nur an einem von sieben Uhurevieren eine begonnene Brut feststellen. Lotte und Leo balzten auch nach dem Waschbärangriff erneut vor Cam 1 und 2.

Zwischenzeitlich scheinen sie jedoch wieder an den Brutplatz von 2023, etwa 900 Meter entfernt, zurückgekehrt zu sein. Zumindest saß dort am Montag, den 17. März, vermutlich Lotte aufrecht in der Brutnische – nach meiner Einschätzung ein „Probesitzen“ kurz vor Beginn der Eiablage. Es handelt sich um eine Art Testphase, in der sich mögliche Nachteile oder Gefahren des Standorts noch rechtzeitig zeigen könnten.

Neuer Nistplatz in der Burgruine

Genau in dieser sensiblen Phase kurz vor der Eiablage wurde die letztjährige Brutnische in der Burgruine von einer Nilgans beunruhigt. Mehrmals „latschte“ die laute und selbstbewusste Gans mitten durch den geplanten Uhubrutplatz.

Isoldes Entscheidung, vorsichtshalber auszuweichen, war daher folgerichtig. Wie wir in den vergangenen zwei Wochen mehrfach beobachten konnten, sind Nilgänse von einem einmal gefassten Plan nur schwer wieder abzubringen.

Der von Isolde gewählte Ausweichbrutplatz hat allerdings einen deutlichen Nachteil: keine direkte Sonneneinstrahlung. Wie an der Ausrichtung vieler Uhubrutplätze zu sehen ist, wird eine südöstliche Lage bevorzugt. Dies ermöglicht ein morgendliches Aufwärmen für den brütenden Uhu, sorgt für die für das Knochenwachstum der Jungvögel hilfreiche UV-Strahlung, schafft ein trockenes Mikroklima im Nest und bietet in den heißen Mittagsstunden zunehmend Schatten.

Brutplatzkonkurrenten vertreiben

Daher tut das Uhupaar in der Burgruine gut daran, die Nilgänse an einem Bruterfolg zu hindern. Diese invasive Art ist für ihr aggressives Verhalten am Brutplatz bekannt – regelmäßig töten Nilgänse die Küken anderer Vogelarten und übernehmen fremde Nistplätze. Sollten die Gänse in diesem Nest erfolgreich brüten, wäre im Folgejahr mit noch heftigeren Auseinandersetzungen zu rechnen. Aufgrund der durch die Attacken der Uhus ausgelösten, langen Phasen ohne durchgehende Wärme sind die Gänseeier vermutlich abgestorben. Die Gans wird hoffentlich an einem anderen Ort ein Nachgelege starten und dieses im nächsten Jahr verteidigen.

In manchen Nächten hat nicht nur Tristan die Gans vertrieben, sondern auch Isolde beteiligte sich intensiv. Einen ihrer Angriffe werte ich sogar als ernsthaften Jagdversuch.

Im Gegensatz zu Tristans Attacken wählte sie eine Flugbahn außerhalb des Sichtfelds der Gänsemutter und wäre beinahe erfolgreich gewesen. Lediglich ein kleines Bäumchen in Kombination mit den Gerüststangen hinderte Isolde am Zugriff. Am Abend zuvor hatte die Uhudame das Gänsenest inspiziert und wohl ihre Schlüsse daraus gezogen:

Kamera verschoben, Technik erweitert, Übertragung geändert

Um auch in Isoldes neue Brutnische in der Ruine Einblick zu haben, mussten wir Cam 4 verschieben. Leider bleibt ein Winkel der Fensterbank außerhalb unseres Sichtfelds, dennoch sind wir froh, durch diese überschaubare Maßnahme das Brutgeschehen überhaupt übertragen zu können. Im Gegensatz zu den Vorjahren sehen wir die Eier diesmal komplett.

Diese Kamera ist nun in den YouTube-Livestream eingebunden. Cam 3 mit dem Blick in die Ruine ist bisher nur auf der Website zu sehen.

Nach und nach gelingt es uns, die Übertragung der Livestreams zu optimieren. Endlich sind Ton und Livebild auch in der Ruine synchron, und allmählich werden die Streams für verschiedene Browser und Endgeräte angepasst.

Um auch den Felsbereich oberhalb von Cam 1 an der Ahr beobachten zu können, haben wir dort die „alte“ Cam 4 mit ihrer festen Bildeinstellung montiert. Sie heißt nun „Cam 5“ und zeigt auf der Website sowie bei YouTube ein wunderschönes Stück Felslandschaft.

In der oberen Bildmitte liegt das alte „Schwarzstorchnest“. In dieser Felsnische hatten die Uhus 1996 erfolgreich einen Jungvogel großgezogen. Um den Uhus oder auch den Wanderfalken ein sicheres Ausweichquartier zu ermöglichen, habe ich dieses Nest nun durch das Einfüllen von Rindenmulch wieder etwas instand gesetzt. Für die Unterstützung bei der Montage- und Kletteraktion am Fels danke ich Benedikt Hillebrand und Guido Schlangen.

Einsatz am Abgrund: Praktischer Uhu-Schutz in schwindelerregender Höhe durch das EGE-Team

Foto: Benedikt Hillebrand

Ob es genutzt wird und ob es für Waschbären erreichbar ist, bleibt abzuwarten. Es wäre ein Bereich, in dem es – im Gegensatz zum traditionellen Nest – vielleicht machbar wäre, den Zugang für Waschbären zu erschweren (Zukunftsmusik).

Wanderfalken in Brutlaune

Wie schon in den vergangenen Jahren interessieren sich erneut Wanderfalken für die Brutmöglichkeiten in der Felswand an der Ahr.

Mit der neuen Cam 5 können wir zwar nicht tief in diese Brutnische hineinsehen, doch zumindest ließe sich ein Brutversuch und mögliche Aktivitäten der Waschbären registrieren.

Ich wünsche uns schöne Beobachtungen!
Ihr Stefan Brücher