Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
wir gewinnen immer tiefere Einblicke in das Leben und die Verhaltensweisen unserer Uhus. Unsere Beobachtungen von Isoldes Umgang mit den Gänseküken sind ein wahres Highlight – niemand hätte dieses Verhalten vermutet.
Gerade bei Beutegreifern besteht theoretisch die Gefahr von Verlusten der eigenen Nachkommen durch den Jagdimpuls der Elterntiere. Tief verwurzelte Hemmungen können diese Gefahr verringern. War Isoldes vorsichtiges Verhalten nahe des eigenen Nestes mit jungen, piepsenden Küken in ähnlicher Größe wie ihre eigenen Schlüpflinge ein Resultat solcher Instinkte?
Auch bei Seeadlern gelangen durch Beobachtungen via Kamera besondere Verhaltensweisen von Elternvögeln im Nest ans Licht: Aus Nestern erbeutete junge Mäusebussarde wurden in das Adlernest gebracht, um an die eigenen Jungvögel verfüttert zu werden. In mehreren Fällen wurde diese „Beute“ dann jedoch neben den jungen Adlern großgezogen. Auch dort scheint die Natur „vorsichtshalber“ etwas mehr Sicherheit zum Schutz der eigenen Brut installiert zu haben.
In der Ruine ist nach dem Auswandern der Nilgänse vorerst Ruhe eingekehrt, und wir können einen vergleichsweise ereignisarmen Ablauf der Brut beobachten.
Währenddessen legte unsere vermutlich „richtige“ Lotte am 10.03. nach vier bis fünf Tagen Legepause an ihrem Ausweichbrutplatz ein zweites Ei – dokumentiert durch ein Video einer Wildkamera:
Auch an den anderen Nistplätzen im Ahrtal bahnt sich eine Veränderung an: In der traditionellen Brutnische vor Cam 1, dort, wo diverse Waschbärattacken stattfanden, sitzt öfter ein vermutlich weiblicher Uhu. Am heutigen Samstag, den 14.03., liegen dort zu seinen Füßen sogar Flaumfedern – ganz so, als hätte die große Eule Brutabsichten. Am Nachmittag liegt sie (?) sogar, fast so, als würde bald das erste Ei gelegt.
Schon seit dem ersten Ausweichen von Lotte und Leo auf den ehemaligen Nachbarbrutplatz ist der Felsen vor Cam 1, 2 und 5 ein Angebot für mögliche Neueinsteiger. In den Jahren zuvor hatten wir mehrfach erfolglose Eindringlinge in Lottes Revier beobachtet. Nun treffen solche Vögel auf ein vermeintlich gut geeignetes Bruthabitat, das nicht verteidigt wird.
Andere Uhus könnten in den Auseinandersetzungen mit Waschbären andere Taktiken und Fähigkeiten haben. Es gibt in der Eifel durchaus Uhupaare, die trotz starker Präsenz von Waschbären im Brutfelsen regelmäßig Bruterfolg haben. Wie genau solche Uhus dies hinbekommen, wissen wir nicht. Vielleicht könnte sich ein besonders mutiges und aggressives Uhupaar die Waschbären „erziehen“, sodass der Raubsäuger einen Bereich der Felswand meidet? Der männliche Uhu müsste gleichzeitig besonders guten Jagderfolg haben, und das Weibchen müsste Gelege und spätere Junguhus pausenlos bewachen. Sie könnte sich nicht am Nahrungserwerb beteiligen – die Familie müsste allein vom Männchen ernährt werden.
Warten wir es ab …
Ihr Stefan Brücher
In eigener Sache
Zeitweise geraten wir mit unserer Betreuung der Kameras an und über die Grenzen des Machbaren. Daher sind wir auch für kurze Angaben im Chat zu besonderen Vorgängen an der Ahr dankbar. Wir können nicht alles immer im Auge behalten. Menschen müssen schlafen, Menschen werden krank, Menschen …
Für einen zweiten Chat, der sich nur den Uhus im Ahrtal widmet, fehlt uns leider die Kapazität.

