Die Eulenschützer um Peter Josef Müller im Kreis Euskirchen können von zahllosen Begegnungen mit Steinkäuzen berichten. Es sind überraschende Erlebnisse, erstaunliche Beobachtungen, traurige Ereignisse und rätselhafte Begebenheiten oder es ist wie neulich eine ganz unerwartete Entdeckung. In einer einzeln stehenden von Bäumen gesäumten Scheune inmitten einer großen Ackerparzelle, alles andere als ein idealtypisches Steinkauzhabitat, treffen die Eulenschützer auf vier zwei Tage alte junge Steinkäuze – in einem Nistkasten für Schleiereulen. Eigentlich hatte man Schleiereulen beringen wollen. Vierzehn Tage später sind die vier Käuze wohlgenährt und putzmunter, so dass nun sie beringt werden. Man fragt sich, wie es den Altvögeln in diesem für Steinkäuze an geeigneten Jagdhabitaten armen Revier gelungen ist, die Jungen ausreichend mit Nahrung zu versorgen.

Von Besonderheiten weiß auch Doris Siehoff aus dem Kreis Düren zu berichten. Welch ein Glück, dachte sie Anfang Juni. Endlich war die Mutterkuhherde von der Weide geholt. Jetzt endlich konnte sie den Nistkasten kontrollieren. Im Frühjahr hatten hier zwei Käuze sehr energisch auf die Steinkauzrufe der Klangattrappe reagiert. Doris Siehoff hoffte darauf, in diesem Revier noch den Nachwuchs anzutreffen. Und tatsächlich: Im Brutraum erwarteten sie vier muntere beringungsfähige Junge, schon etwas über drei Wochen alt. Doch dann blieb ihr beinahe das Herz stehen. Im Einflugbereich steckte ein toter alter Steinkauz, ein Weibchen mit Brutfleck, wohl die Mutter der jungen Käuze. Woran dieser Altvogel gestorben ist, lässt sich nicht in Erfahrung bringen. Aber seine Herkunft ist klar. Er wurde 2023 als Nestling in einem fünf Kilometer entfernten Nachbarort beringt. Was aber sollte nun mit den mutterlosen vier jungen Steinkäuzen geschehen? Doris Siehoff verteilte sie kurz entschlossen auf Steinkauzfamilien mit ähnlich alten Jungvögeln in Revieren, von denen sie annahm, dass die Altvögel dort einen Jungvogel mehr gut ernähren können. Steinkauzeltern lassen sich fremde Jungvögel ohne langes Federlesen unterschieben. Vielleicht wird einer der Käuze in den nächsten Jahren bei der Kontrolle der Nistkästen im Kreis Düren oder Euskirchen brütend angetroffen. Schön wär es.

Peter Josef Müller und Doris Siehoff haben zwar noch nicht alle Zahlen addiert und Bilanz gezogen, aber beide sprechen von einem guten Steinkauzjahr. „Nicht das Beste aller Zeiten“, sagen die beiden, aber doch eines der besseren. Peter Josef Müller hat etwa 120 und Doris Siehoff gut 100 junge Käuze mehr beringt als im Vorjahr. Aber warten wir die ausführlichen Berichte der EGE aus allen Teilen des Projektgebietes der EGE ab.