Uhu-Webcams

Thema Waschbären2026-05-08T12:57:40+02:00

Waschbären im Uhu-Revier

Auf dieser Seite sammeln wir alle Beiträge, die sich mit Waschbären im Lebensraum unserer Uhus beschäftigen. Das Thema wirft immer wieder Fragen auf – besonders dann, wenn Waschbären in der Nähe von Brutplätzen auftauchen oder durch unsere Kameras dokumentiert werden. In den hier gebündelten Tagebucheinträgen, Videos und Fotobeiträgen ordnen wir ein, was zu sehen ist, warum Waschbären für Uhus und ihren Nachwuchs problematisch sein können und welche Möglichkeiten und Grenzen der Artenschutz in solchen Situationen hat. Die Beiträge erscheinen chronologisch, beginnend mit dem neuesten Eintrag.

Beringung steht bevor – und neue Fragen im Ahrtal

15. April 2026|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

unsere Junguhus in der Burgruine wachsen rasant. Am kommenden Wochenende ist der jüngste etwa drei und der älteste etwa vier Wochen alt – und damit alt genug für die Beringung. Am kommenden Sonntag, den 19.4., wollen wir die Aktion ab 14:00 Uhr durchführen.

Im Ahrtal

Uns haben einige Zuschriften zur Identität von „Lotte 1“ und „Lotte 2“ erreicht. Das Spektrum der Meinungen reicht von einer sicheren Bestätigung meiner Einschätzung bis hin zum Gegenteil: „Die angebliche Lotte 2 ist eindeutig die wahre Lotte (1).“

Vielleicht wird uns eine eindeutige Identifizierung durch die Genanalyse von Federn gelingen. Uhus haben sicherlich individuelle Gefiedermerkmale. Die Musterung der mittleren Schwanzfedern ist ein gesichert individuelles Merkmal. Leider können wir mithilfe unserer Kameras bisher keine ausreichend guten Aufnahmen dieser Federn vergleichen.

Meine Versuche, die Uhudamen anhand der Gefiedermerkmale zwischen Schnabelansatz und den Federohren zu identifizieren, sind daher nur unsichere Hinweise.

Wer ist wer?

Die vermeintlich „richtige Lotte“ am Ausweichbrutplatz hat jedenfalls inzwischen zwei Junge und kann über ausreichend Nahrung verfügen.

Am Brutplatz vor Cam 1 und unterhalb von Cam 2 bahnt sich ebenfalls Nachwuchs an. Zumindest meinten wir am 14.4. bereits Piepsen aus den Eiern gehört zu haben. Waschbären in unmittelbarer Nestnähe haben wir nun schon seit einigen Tagen nicht mehr beobachtet. Haben die „Erziehungsversuche“ des Uhumännchens vielleicht die erwünschte Wirkung erzielt?

Die Eifeluhus

Die Brutsaison 2026 läuft vielversprechend an. Viele Paare haben mit der Brut begonnen, in manchen Bereichen der Eifel jedoch scheinen mehrere benachbarte Paare verschwunden oder andere ohne Brutabsichten zu sein.

Ich wünsche uns weiterhin schöne Beobachtungen und hoffe auf ein kleines, waschbärfreies Wunder für die Uhubrut vor Cam 1.

Ihr
Stefan Brücher

Arena Burgruine

11. Februar 2026|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

die Brutsaison der Uhus steht nun unmittelbar bevor. Nach längeren Frostperioden gibt es regelmäßig Nächte ohne Frost, an wenigen Tagen konnten auch Sonnenstrahlen schon die südlich exponierten Uhubrutplätze etwas erwärmen.

Der Brutplatz in der Burgruine liegt in einer milderen Region, und die Balzaktivitäten sind voll im Gange. Die Eiablage könnte schon in den nächsten zehn Tagen stattfinden. Nun herrscht jedoch fast allabendlich große Unruhe in der „Arena Burgruine“.

Die Nilgänse

Noch 2018 konnte ich Nilgänse nur selten in den ca. 200 kontrollierten potenziellen Uhulebensräumen der Eifel beobachten. Zwischenzeitlich ist die Population dieser invasiven Art extrem angewachsen. In den Felswänden der Flusstäler, auf Brückenpfeilern sowie in den Steinbrüchen, Kies- und Tongruben mit Kleingewässern sind Nilgänse allgegenwärtig. Seit 2020 stelle ich immer wieder durch Nilgänse verursachte Brutaufgaben beim Uhu fest. Von den ca. 120 bis 180 begonnenen Bruten wurden jährlich bis zu sechs Brutaufgaben nachweislich durch Nilgänse verursacht (+ Dunkelziffer). Manche der langjährig vom Uhu genutzten Brutnischen liegen sehr prominent in den Felswänden. Vorbeifliegende Nilgänse können kaum anders, als sich für diese „Luxuswohnungen“ zu interessieren. Auch wenn dort schon eine brütende Uhudame liegt, fliegen manche Gänse diese Nischen an und treiben dadurch die Uhus vom Gelege. In manchen Fällen brüten die Gänse dort später erfolgreich, in anderen Fällen sind es junge, unerfahrene Gänse, die ohne ernsthafte Brutabsicht nur mögliche Brutplätze erkunden.

In Brutarealen mit vielen, ähnlich geeigneten Brutnischen können die beiden um Nistplätze konkurrierenden Arten parallel funktionierende Bruttraditionen entwickeln. An anderen Steilwänden kommt es regelmäßig zu Brutaufgaben der Uhus. Wie genau die Auseinandersetzungen der Arten ablaufen, wurde bisher kaum – und noch nie derart detailliert wie in „unserer“ Burgruine – beobachtet. Auch ein erfolgreiches Vertreiben von Nilgänsen durch Uhus wurde bisher nicht dokumentiert. Insofern leisten wir mit unserer Webcam Pionierarbeit.

Die Belastung der Uhupopulation durch Nilgänse ist zweifelsfrei vorhanden. Eine nennenswerte Auswirkung auf die Vermehrungsrate der großen Eulen kann ich bisher nicht feststellen. Viele andere zusätzliche Faktoren wiegen als Ursache für erfolglose Bruten schwerer, und der Uhubestand ist stabil.

Die brütenden Nilgänse und deren Eier genießen den Schutz des Tierschutzgesetzes. Ein wie auch immer geartetes „Eingreifen“ während der Brutzeit ist verboten.

Uhus und Nilgänse

Unsere Beobachtungen der Geschehnisse verleiten uns zur Parteinahme für die eine oder die andere Art. Ein „Ich bin für die Gänse“ oder „Ich bin gegen die Gänse“ mag in unseren Köpfen und bei Youtube im Chat des LiveStreams oder den Kommentaren heiße Diskussionen auslösen. Auf die beteiligten Tiere und auf die Abläufe in der Ruine hat dies jedoch keine Auswirkung.

Die einzige Möglichkeit, adulte Nilgänse in NRW zu „entnehmen“, ist der jagdliche Abschuss durch den Revierinhaber zwischen dem 16. Oktober und dem 31. Januar. Juvenile Nilgänse dürfen ganzjährig geschossen werden.

Inwiefern der Abschuss bis zum 31.1. in Lebensräumen wie z. B. unserer Burgruine für die Uhus einen Unterschied machen würde, ist aus meiner Sicht fraglich. Wie wir gesehen haben, gibt es weitere Gänse, die bereit sind, den Brutplatz zu übernehmen. Sollten dies bruttechnisch ungeübte Jungvögel aus dem Vorjahr sein, könnten sie womöglich noch mehr Unruhe in die Ruine bringen. Sie würden weniger zielgerichtet eine Nische auswählen und zögerlicher oder gar nicht zur Brut schreiten. Dadurch würde durch die Aktivitäten der Gänse möglicherweise mehr Unruhe verursacht, als wir sie aktuell miterleben.

Naturschutz vs. Tierschutz

Eine flächenhafte Reduzierung der Nilgänse oder sogar eine Ausrottung dieser invasiven Art würde ein entschlossenes Handeln von Behörden und der Jägerschaft sowie eine gewisse Akzeptanz der Gesellschaft voraussetzen. Dies ist nicht gegeben. Im Gegenteil: In den sozialen Medien geteilte Schlagzeilen konfrontieren viele Menschen mit den Tötungen von Wildtieren. Besonders wenn es sich dabei um „nette“ oder „süße“ Tiere handelt, ist die Empörung besonders groß. Auf einer letztjährigen Veranstaltung zur „Waschbärproblematik“ mit Vertretern des Naturschutzes und des für die Jagd in NRW zuständigen Ministeriums sahen sich Naturschützer mit einer unschönen Tatsache konfrontiert: Die Politik misst einem möglichen „Shitstorm“ in den sozialen Medien mehr Bedeutung bei als den von Wissenschaftlern und Naturschützern aufgelisteten Gefahren. Ein systematisches Vorgehen gegen die „süßen“ Kleinbären steht daher nicht zur Diskussion. Auch auf Nilgänse bezogen ist keine andere Haltung der Entscheidungsträger zu erwarten.

Die Belastung der Lebensgemeinschaften in unserer Natur (bzw. der Reste unserer Natur), z. B. durch Nilgänse und Waschbären, wird durch steigende Bestände noch größer werden. So ist die Lage, und es ist keine Änderung in Sicht. ☹

Leo und Lotte im Ahrtal

Aus dem Ahrtal können wir bisher nicht viel Neues berichten. Der Felsbereich ist nach wie vor von Waschbären besiedelt, und ein Brutversuch unserer Uhus im traditionellen Nest ist eher unwahrscheinlich. Gelegentlich zeigen sich Uhus am Felsen.

Wanderfalken

Besonders vor Cam5 können wir regelmäßig Wanderfalken beobachten. Ihr traditioneller Brutplatz liegt in ca. 800 Metern Entfernung.

Ich wünsche uns schöne Beobachtungen
Ihr Stefan Brücher

Leo und Lotte im Ahrtal

Uhu-Balz und Waschbär-Herausforderungen – ein Jahresauftakt voller Spannung

16. Januar 2025|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde!

Am Brutplatz in der Burgruine läuft alles nach dem natürlichen Plan.

In das noch frische Jahr sind Tristan und Isolde schon mit intensiver Balz gestartet. Isolde meldet allabendlich Nahrungsbedarf, und wie wir es schon kennen, vermag Tristan alsbald eine dicke Ratte zu liefern. Auch mit „Vogelbeute“ konnte er etwas Abwechslung in den Speiseplan bringen. Allein am 14.01.2025 und 15.01.2025 konnten wir schon drei Kopulationen beobachten.

Inwiefern die Balzaktivitäten Vorboten einer frühen Eiablage oder nur ein „Zwischenhoch“ sind, können wir nicht sicher beurteilen. Wie schon im Tagebucheintrag vom Februar 2024 berichtet, war der bisher früheste Brutbeginn in der Burgruine am 05.02.2023. Demnach könnte es schon in drei Wochen so weit sein. Warten wir es ab …

Das Gerüst wird uns in jedem Fall noch die Brutzeit über begleiten. Eine Zierde ist es nicht gerade, andererseits bietet es den zukünftigen Junguhus viele Sitzmöglichkeiten und uns die Gelegenheit, Cam4 bei Bedarf noch erreichen zu können.

Die vielen zusätzlich möglichen Blickwinkel der nun verstellbaren Cam4 sind eine große Bereicherung. Nun wirkt es fast so, als hätten wir zuvor nur einen kleinen Ausschnitt der vielfältigen Uhu-Aktivitäten beobachten können. Wie wir jetzt sehen, birgt der Sitzplatz auf dem Wetterhahn eine besondere Herausforderung: Bei Start und Landung verdreht sich die Fahne teils mitsamt dem Uhu.

Ich bin noch ein wenig unsicher, inwiefern die Übertragungskapazität für Cam3 und die jetzt datenreichere Cam4 während der Belaubung der großen Bäume im Umkreis ausreichen wird, um beide Streams inklusive der Steuerung noch zuverlässig übertragen zu können. Hoffen wir das Beste.

Cam1 und Cam2 an der Ahr – neue Herausforderungen

Die Kameras an der Ahr veranschaulichen ganz andere Probleme: Waschbären haben die Felswand an der Ahr nach wie vor besiedelt und sogar eine Felsspalte direkt oberhalb der traditionellen Brutmulde als regelmäßigen Ruheplatz ausgesucht. Zeitweise kuschelten sich dort sogar drei Waschbären gleichzeitig aneinander.

Nachdem sich Lotte und Leo in den vergangenen Monaten an diesem Felsen rar gemacht hatten, balzten sie dort zu Jahresbeginn wieder intensiv.

Dabei kam es am 12.01.2025 zu einer dramatischen Szene: Ganz unbedacht flog Leo die traditionelle Brutnische an, kratzte und lockte, bis Lotte erschien. Einen kurzen Moment später kam ein zuvor unbemerkter Waschbär aus der Felsspalte und sprang dem nach unten gerichteten Leo von oben auf den Rücken – ideale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Angriff. Lotte floh erschrocken. Brummend und fauchend rangen die beiden Kontrahenten und verharrten dann kurz. Leo hatte den Kleinbären wohl so gegriffen, dass dieser nicht weiter zubeißen konnte. Schließlich fand der Uhumann einen Moment, in dem er loslassen und fliehen konnte, ohne erneut vom Bären gepackt zu werden.

Es scheint, als hätte Leo nur ein paar kleinere Federn gelassen. Er war jedenfalls flugtauglich und saß noch eine Weile lang auf einem gegenüberliegenden Felsgrat. Hoffentlich gibt es keine weiteren Verletzungen.

Wird dieser Vorfall dazu führen, dass Leo diese Brutnische nie mehr anfliegt? Wird er nie mehr versuchen, Lotte für diese Brutnische zu gewinnen? Wird er nun endlich versuchen, Lotte für eine Brut im sichereren „Rabenhorst“ in nur zehn Metern Entfernung zu gewinnen? Wir betreten mit diesen Beobachtungen Neuland und können dadurch Rückschlüsse über die Entwicklungen an vielen anderen von Waschbären bedrohten Brutrevieren ziehen. Auf diese Weise dient das „Projekt Uhu-Webcam“ nicht nur unserer Unterhaltung und der Befriedigung unserer Neugierde, sondern mündet in Erkenntnissen für den praktischen Artenschutz.

Die Problematik der Waschbären

Sicherlich ist die Ausbreitung des Waschbären eine Zumutung für das, was wir von der Natur noch übriggelassen haben. Wie schon in anderen Kommentaren erwähnt, sind besonders Amphibienbestände vom Waschbären bedroht und könnten dadurch gebietsweise zusammenbrechen.

Auch die Website des Landes behandelt die Problematik der invasiven Arten. Dort heißt es:

„Schon längerfristig bestehenden Verbreitungsschwerpunkte mit hohen Dichten des Waschbären in Brandenburg und Hessen weisen keine geringere Verbreitung von Graureiher- und Greifvogel-Arten auf (Gedeon et al. 2014), verglichen mit den Bereichen Deutschlands, in denen dieses Neozoon noch selten ist. Eine Untersuchung zum Nahrungsspektrum des Waschbären im Müritz‐Nationalpark (Mecklenburg‐Vorpommern) formuliert als Ergebnis, dass bestandsgefährdende Auswirkungen des Waschbären auf naturschutzrelevante heimische Arten nicht bestätigt werden können (Michler o. J.).“

Das „Management und Artenblatt Waschbär“ enthält auch eine beispielhafte Kostenkalkulation zur Reduzierung der Waschbärbestände. Nach meinem ersten Eindruck wird die Problematik der invasiven Arten vom Land eher verwaltet als angegangen. Ich hoffe dieser Eindruck bestätigt sich nicht. In diesem Zusammenhang sind auch Zielkonflikte mit dem Tierschutz zu erwarten. Besonders niedlich wirkende Tiere bekommen eher eine Lobby als „glitschige Kröten“. Die Uhus könnten den Amphibien also vielleicht ein wenig mit ihrer eher positiven Ausstrahlung behilflich sein. In der Nordeifel gibt es jedoch auch den umgekehrten Fall: Ein Amphibien-Schutzprogramm beinhaltet die konsequente Bejagung der Waschbären in mehreren alten, offengelassenen Steinbrüchen und die Uhus profitieren davon.

„Unser“ Uhubrutplatz an der Ahr liegt im „Vogelschutzgebiet Ahrgebirge“, und der Uhu ist wie auch andere Vogelarten, deren Bruterfolg durch den Waschbären verringert wird, in der Gebietsbeschreibung als Zielart genannt. Nach unserer Rechtsauffassung ist das Land europarechtlich verpflichtet, eine Verschlechterung des Gebietes zu verhindern. Wir werden diesbezüglich an das Land herantreten und darüber berichten.

Zuschauen tut gut

Naturschutzarbeit kann durchaus eine frustrierende Angelegenheit sein. Auch für uns sind die Beobachtungen an der Burgruine eine Bereicherung – so kann die innere Batterie auch wieder ein wenig aufgeladen werden. Ich wünsche uns allen weiterhin schöne Beobachtungen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Stefan Brücher

Waschbär frisst Lottes letztes Ei

26. April 2024|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

in der vergangenen Nacht wurde das verbliebene Ei im Nest von Lotte leider vom Waschbären gefressen.

Während Lotte für einige Minuten abwesend war, um Nahrungsreste zu entsorgen, nutzte der Waschbär die Gelegenheit und fraß das Ei. Dabei hielt er sich einige Minuten im Nest auf, kullerte mit dem Ei herum, bis er es öffnete. Lotte bemerkte den Vorfall jedoch erst, als es bereits zu spät war. Obwohl ihr Angriff den Waschbären möglicherweise erschreckte, scheint er keine nennenswerten Verletzungen erlitten zu haben.

Es bleibt abzuwarten, ob Lotte trotz ihrer vermutlich 14 Jahre einen erfolgreichen Umgang mit Waschbären erlernen wird. Trotz der negativen Vorzeichen hatte sich bei mir ein Hauch von Hoffnung eingeschlichen. Die Situation hätte sich auch anders entwickeln können, wenn noch weitere Eier im Nest gelegen hätten… Hätte, wäre, wenn. Es ist und bleibt traurig.

Reibungsloser Brutverlauf

17. April 2024|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

bisher verläuft das Brutgeschehen bei beiden Uhupaaren problemlos.

Das Wachstum der Junguhus in der Burgruine schreitet rasant voran und auch das Nesthäkchen bekommt ausreichend Nahrung. Es wartet oft lange bis die Geschwister ihren größten Hunger gestillt haben und wird meist erst danach gefüttert. Seitdem es die Augen geöffnet hat, entwickelt es jedoch auch eigene Strategien und krabbelt beispielsweise zwischen den Beinen der Mutter in Richtung Essensausgabe. Dort angekommen reagiert Isolde dann auch auf seine Betteltöne und serviert gezielt nach „ganz unten“. Dieses Maß an Sorge ist nur dank Tristans exzellentem Jagderfolg möglich.

Demgegenüber zeigten die langjährigen Übertragungen vom Brutgeschehen an der Ahr wie jüngste Küken ins Hintertreffen gerieten und bei vielen Fütterungen leer ausgingen. Eine „gerechte“ Verteilung einer beschränkten Nahrungsmenge auf mehrere Küken macht in der Natur wenig Sinn. Die Logik des Überlebens lautet: Nur sofern die Stärkeren satt werden; hat auch das Jüngste eine Chance.

Kommunikation in der Partnerschaft

Durch die parallele Beobachtung der verschiedenen Uhubrutplätze via Webcams können wir nun erstmalig die individuellen Eigenarten der einzelnen Brutpartner vergleichen. Laut Lehrbuch können Uhus das Management der Nahrungsversorgung detailliert mit ihrem Partner abstimmen. Schon während der Balz kann das Uhumännchen durch mit Nahrungsgeschenken unterstütztem Locken eine bestimmte Brutnische vorschlagen. Das Weibchen kann im weiteren Verlauf der Balz durch die Intensität ihrer Bettelrufe Nahrung beim Mann nachbestellen. Je prompter er liefert bzw. je mehr Nahrung verfügbar ist, umso mehr Eier legt sie. Dieses Prinzip regelt bei vielen Eulenarten die Familienplanung. Auch im späteren Verlauf des Brutgeschehens kann die weibliche Eule den Bedarf für die Brut abschätzen und signalisiert diesen durch die Heftigkeit ihrer Bettelrufe an das jagende Männchen.

Bei unseren Uhupaaren funktioniert dieses System jedoch nur bedingt mit ganz verschiedenen und sogar gegenteiligen Schwächen:

In der Burgruine

Tristan liefert meist ganz nach eigenem Ermessen und stimmt seine Lieferungen kaum auf die Bettelrufe von Isolde ab. Oft konnten wir sehen wie er seiner Partnerin ungefragt und geradezu übergriffig Nahrung aufzwang. Isolde hatte große Mühe, ihre Küken vom dem Berg an Ratten zu trennen.

Inwiefern ihr Umschichten der Nahrung von rechts nach links und wieder zurück System hatte, vermag ich nicht zu beurteilen. Vielleicht hatten manche Zuseher die Ausdauer, dieses Verhalten genauer zu analysieren? Zwischenzeitlich veränderten die Uhus ihr Nahrungsmanagement. Isolde entsorgte besonders an den wärmeren Tagen die überschüssigen Nahrungsmengen hartnäckig, und währenddessen schien Tristan das nächste Beutetier oft erst zu liefern, wenn das vorherige zumindest fast verspeist war. Wodurch diese Verhaltensänderung genau ausgelöst wurde, konnten wir bislang nicht ergründen.

An der Ahr

Obwohl die Nahrungsverfügbarkeit im Ahrtal im Vergleich zur Burgruine sicherlich deutlich schlechter ist, konnte Leo seine brütende Lotte zunehmend ausreichend mit Nahrung versorgen. Für Lotte gehören ihre allabendlichen Bettelrufe zum Standardprozedere; Leo scheint diese Rufe nicht eindeutig nur als Aufforderung für weitere Lieferungen zu verstehen.

Wiederhohlt konnten wir beobachten, wie sich Leo nach Lieferung einer Maus auf längere Konversationen mit Lotte einließ. Dabei rief Leo sein „Uhuhh“ und Lotte kommentierte ausdauernd mit ihrem krächzenden Bettelruf. Offensichtlich verstand Leo ihre Rufe, nachdem sie die Maus sogleich verschluckt hatte, nicht als dringliche Aufforderung ihren großen Hunger alsbald zu stillen. Ein Verständnis wie „Oh je, sie ist immer noch nicht satt. Ich beeile mich mit weiteren Lieferungen“; scheint ihm nicht sofort in den Sinn zu kommen. Er genießt vorerst den abendlichen Ausblick vom Felsen und das Duett. Erst später bricht er zu weiteren Jagdflügen auf.

Lotte und die Waschbären

Wie prognostiziert näherten sich Waschbären mehrmals dem Nest. Währenddessen konnte Lotte mit Drohgebärden ein „Hier geht es für euch nicht weiter“ signalisieren. Regelmäßig schaut Lotte nach oben und scheint auf Geräusche in ihrer Umgebung empfindlich zu reagieren. Verglichen mit vorherigen Brutperioden ist sie regelmäßig beunruhigt, sträubt ihr Gefieder und nimmt eine „Hab-acht-Körperhaltung“ ein. Es scheint so, als würde sie die Gefahr wahrnehmen und mit erhöhter Wachsamkeit reagieren. Sofern Leo seine Versorgungsleistung beibehält und während der Jungenaufzucht zu steigern vermag, könnte die Brut vielleicht doch erfolgreich werden.

20. April 2024: Beringung in der Burgruine

Die Beringung der Junguhus in der Burgruine soll am kommenden Samstag, den 20. April 2024 ab 15 Uhr stattfinden. Auch der kleinste Uhu dürfte dann ausreichend große Füße haben, um den Ring nicht zu verlieren.

Webcam in der Burgruine auch auf YouTube und bei „Wetter.com“

Zwischenzeitlich sind unsere Webcams bei verschiedenen Medien zu sehen. So haben viele weitere Zuseher von unseren Kameras erfahren. Manche Zuseher kennen vielleicht die jeweils anderen Varianten nicht und sind froh, hier einen Überblick zu bekommen:

EGE-Webseite

  • Cam 1 und Cam 2 zu den Uhus Lotte & Leo im Ahrtal
  • Cam 3 und Cam 4 zu den Uhus Tristan & Isolde in der Burgruine

Wetter.com

YouTube

Der auf YouTube gezeigte Stream hat den Vorteil, dass dort auch die Aufzeichnungen der letzten maximal 12 Stunden angesehen werden können.

Ich wünsche jedem und jeder von Ihnen auf der Ihnen liebsten Plattform schöne Beobachtungen!
Ihr Stefan Brücher

Haben Sie weitere Fragen zur Arbeit der EGE? Wir stehen gerne zur Verfügung!

Haben Sie weitere Fragen zur Arbeit der EGE?
Wir stehen gerne zur Verfügung!

Haben Sie weitere Fragen zur Arbeit der EGE? Wir stehen gerne zur Verfügung!

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