Waschbären im Uhu-Revier
Auf dieser Seite sammeln wir alle Beiträge, die sich mit Waschbären im Lebensraum unserer Uhus beschäftigen. Das Thema wirft immer wieder Fragen auf – besonders dann, wenn Waschbären in der Nähe von Brutplätzen auftauchen oder durch unsere Kameras dokumentiert werden. In den hier gebündelten Tagebucheinträgen, Videos und Fotobeiträgen ordnen wir ein, was zu sehen ist, warum Waschbären für Uhus und ihren Nachwuchs problematisch sein können und welche Möglichkeiten und Grenzen der Artenschutz in solchen Situationen hat. Die Beiträge erscheinen chronologisch, beginnend mit dem neuesten Eintrag.
Brutbeginn an der Ahr!
Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
wie in alten Zeiten begann Lotte am gestrigen 26.03. mit der Brut in der traditionellen Brutnische. Ganz entgegen dem, was wir für vernünftig halten würden, versucht es das Uhupaar erneut in der Brutnische, die seit dem Frühjahr 2008 mit unserer Kamera ausgestattet ist und in der ein Waschbär 2021 die beiden jungen Uhus fraß.
In diesem Jahr ist die Situation aber etwas anders als 2021. Meines Erachtens gibt es nun eine Chance für eine erfolgreiche Brut, obwohl das Paar die Gefahr, die von Waschbären für die Brut ausgeht, noch nicht vollständig realisiert haben dürfte. In diesem Jahr ist aber ein Zusammentreffen von Lotte und Waschbär im Nestbereich sehr wahrscheinlich: Behalten die Vierbeiner ihre übliche Besuchsfrequenz bei, werden sie nämlich im Nest auf die noch brütende Lotte stoßen. Einen Angriff werden sie wahrscheinlich kaum wagen. Lotte könnte jedoch die grundsätzliche Gefahr wahrnehmen und ihr Verhalten darauf abstimmen. Für eine erfolgreiche Aufzucht ihrer Jungen müsste jedoch auch Leo so gut und erfolgreich jagen, dass Lotte und ihre Küken ausreichend gut versorgt sind. Auch weniger Eier bzw. Küken würden diese Chance erhöhen. Mein Fazit: Ein Bruterfolg ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.
Kann man die Brutnische schützen?
Von Zusehern wird immer wieder vorgeschlagen, den Brutplatz mit einer Drahtkonstruktion zu umgeben. Ich halte so etwas aber nicht für praktikabel, auch für die Uhus für zu gefährlich und prinzipiell für fragwürdig. Ich möchte das gerne erläutern:
- Den Bereich der Brutnische können die Waschbären aus verschiedenen Richtungen erreichen. Ein 360 Grad umfassendes Bauwerk wäre nur mit sehr großem Aufwand in dem bewegten Gelände zu errichten und für Waschbären gleichwohl gut zu überwinden, denn sie sind behände Kletterer. Das Bauwerk würde einen großen Teil des jetzt natürlichen Felsens zu einer Art Gehege machen. Einen kleiner Zoo in einem Schutzgebiet zu errichten, widerstrebt mir, ganz abgesehen von den damit verbundenen behördlichen Genehmigungserfordernissen.
- Uhus verfangen sich immer wieder in menschengemachten Bauwerken. Einzelne Drähte, Drahtgeflechte und Netze sind Fallen, in denen sich Uhus verfangen und darin qualvoll verenden. Besonders umherstreifende Junguhus wären dieser Gefahr ausgesetzt. Eine Absperrung via Kamera rund um die Uhr gänzlich zu überwachen und dann rechtzeitig einen verfangenen Uhu zu retten, ist kaum leistbar. Ich kann eher damit leben, wenn ein Uhu von einem Waschbären erbeutet wird als dass er Opfer einer technischen Vorrichtung wird, ganz gleich, wie gut die dahintersteckende Absicht ist.
- Unsere Arbeit dient dem Schutz aller Eulen. Mit den begrenzten Ressourcen müssen wir einen möglichst großen Schutz bewirken. Ein zeitlich und finanziell besonders großer Aufwand für Leo und Lottes Bruterfolg würde zwangsläufig zu Lasten anderer Maßnahmen gehen. Mit dem Monitoring der Uhupaare in der Eifel erkennen wir an vielen Brutplätzen verschiedenste Gefahren, die größer sind und die es vordringlicher abzuwenden gilt. Wir müssen insofern immer das Ganze im Auge behalten und deswegen auch abwägen, wo was zu welcher Zeit vorrangig geschehen muss. Hierfür bitte ich um Ihr Verständnis.
Brutverlauf in der Burgruine
Innerhalb der nächsten 24 Stunden könnte das dritte Küken schlüpfen. Die beiden älteren Küken sind nun schon vielfach erfolgreich gefüttert worden, und langsam entwickelt sich eine Routine zwischen den kleinen blinden Geschöpfen und ihrer Mutter. Nahrung gibt es im Überfluss. Isolde nutzt diesen Luxus und verfüttert vorrangig die vordere Hälfte der Beutetiere. Darin stecken die Organe mit hohem Flüssigkeitsanteil und besonders vielen Nährstoffen. Die hintere Hälfte legt sie meist bei Seite.
Ich drücke allen Uhus die Daumen und wünsche Ihnen weiterhin schöne Beobachtungen.
Ihr Stefan Brücher
Uhu-Brutsaison 2022
Stefan Brücher und ihn unterstützende Personen haben in der diesjährigen Uhu-Brutsaison in der Eifel 292 Habitate auf die Anwesenheit von Uhus kontrolliert. 236 dieser Habitate waren nachweislich von Uhus besiedelt. Das sind neun mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2022 haben 144 Paare mit einer Brut begonnen; das sind 42 weniger als 2021. Von den 144 begonnenen Bruten wurden 29 aufgegeben. Das sind 20 Prozent und damit 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Durchschnitt beläuft sich die ermittelte Anzahl der Jungvögel je erfolgreiche Brut auf 1,99. Im Vorjahr lag der Wert bei 2,12. Während 2021 157 Bruten erfolgreich waren, waren es 2022 nur 115. Es gab fünf Bruten mit je vier, 21 Bruten mit je drei, 53 Bruten mit je zwei Jungvögeln und 32 Bruten mit je einem Jungvogel. Die Jungenzahl von vier Bruten ließ sich nicht feststellen. 181 der hochgerechneten 229 Jungvögel wurden von Stefan Brücher bei 85 Beringungen beringt.
Die geringe Anzahl begonnener und die hohe Anzahl aufgegebener Bruten dürfte weniger dem Witterungsverlauf geschuldet sein, denn während der Brutzeit gab es kaum Wetterextreme, die sich auf den Brutverlauf hätten besonders negativ auswirken können. Den Grund für den verminderten Bruterfolg sieht Stefan Brücher eher in der Begrenzung der Nahrungsressourcen.
Von den im Jahr 2022 registrierten Brutaufgaben wurden nachweislich zwei durch Felsstürze, je eine von Fuchs, Nilgänsen, Mufflons und Waschbären verursacht. Viele der übrigen Brutaufgaben betrafen Habitate, die vom Waschbär besiedelt sein könnten mit für Waschbären gut erreichbaren Uhubrutplätzen. Inwieweit der Waschbär ein ernsthafter Faktor hinsichtlich der Brutverluste ist, bleibt spekulativ, ist aber vor dem Hintergrund der starken Ausbreitung des aus Nordamerika stammenden Raubtiers durchaus plausibel. Erwachsene Uhus sind in der Lage, Brutplätze und Jungvögel erfolgreich gegen Waschbären zu verteidigen. Dafür spricht auch der Fund eines toten Waschbären unterhalb eines als Uhubrutplatz genutzten Felsens in der Nordeifel. Andreas Böhm hat einen eindrucksstarken Angriff eines Uhus auf einen Waschbären an einem Uhubrutplatz in Sachsen dokumentiert und die Aufnahme ins Internet gestellt.
Mit der Beringung der jungen Uhus endet das Uhumonitoring zumeist. Verluste, die sich in der restlichen Nestlingszeit ereignen und beispielsweise von Waschbären verursacht sein könnten, bleiben gewöhnlich unentdeckt. Übrigens haben die Uhus an dem mit einer Webcam ausgerüsteten Felsen in der Nordeifel in diesem Jahr einen Brutplatz gewählt, der von Waschbären nicht erreicht wurde. Hier wurden in diesem Jahr zwei Uhus flügge. Im Jahr zuvor hatte ein Waschbär zwei junge Uhus vor der laufenden Webcam getötet.
Größere Sorgen als der Einfluss von Waschbären auf die Uhupopulation bereitet Stefan Brücher der unzureichende Umrüstungsstand von Mittelspannungsmasten im Gebiet der Eifel. Bereits Ende 2012 hatte den gesetzlichen Bestimmungen nach jeder vogelgefährliche Mittelspannungsmast in Deutschland entschärft sein müssen. Heute, zehn Jahre später, ist die Situation immer noch höchst unbefriedigend: Im Jahr 2022 sind in Rheinland-Pfalz nachweislich zwei Uhus an unzureichend gesicherten Mittelspannungsmasten durch Stromschlag ums Leben gekommen. Im Herbst 2022 hat Stefan Brücher 251 Mittelspannungsmasten auf rheinland-pfälzischem Gebiet kontrolliert. 69 davon haben sich bei den Kontrollen als vogelgefährlich bzw. vorschriftswidrig herausgestellt. Das ist mehr als jeder vierte Mast! Ein unfassbares Ergebnis, klagt Stefan Brücher, hatte der Gesetzgeber doch bereits 2002 die Netzbetreiber zur Umrüstung verpflichtet. Die den Netzbetreibern hierfür gesetzte Frist war 2012 abgelaufen. Die EGE fragt sich, was angesichts eines solchen Politik- und Verwaltungsversagens von den „ambitionierten“ Transformationsankündigungen der deutschen Ampelkoalition auf dem Gebiet der Energiewirtschaft zu halten ist, wenn nach 20 Jahren nicht einmal die Umrüstung von Masten im bestehenden Mittelspannungsnetz erreicht ist.
Ein Jahr ohne Brut?
Liebe Freundinnen und Freunde der Uhu – und Waschbären – Cam,
in der vergangenen Woche konnten wir häufiger Waschbären als Uhus beobachten. Zwei Bären wurden abends vom Schneefall überrascht, dann übernachteten und übertagten sie in der Felsspalte hinter der Brutnische. In den Jahren zuvor nutzten die Uhus diese Stelle noch als Kühlschrank für ihr Nahrungsdepot. Am Samstagabend schien es, als würden die Bären an der Familienplanung arbeiten, ganz anders als wir es uns wünschen…
Keine Uhus im Nestbereich, deshalb können sich die Bären breitmachen
Nach meiner Einschätzung sind die ausgeprägten Bären-Aktivitäten im traditionellen Uhunest nur möglich, weil sich unser Uhupaar in den vergangenen Wochen weniger für diesen Bereich der Felswand interessierte. Die Uhus hielten sich meist am Nebenfelsen auf. Hätten sie sich noch oft im Nestbereich vor der Cam aufgehalten, wäre es früher oder später zur Konfrontation mit den Waschbären gekommen und es wäre für die Vierbeiner wahrscheinlich ein erschreckendes Erlebnis gewesen. (erinnern Sie Lottes Angriff auf den Fuchs? LINK) Ihrem Wesen nach sind sie zwar penetrant, aber gleichzeitig auch „kleine Schisser“.
Die Erfahrung mit dem Fuchs
Erstaunlich viele Uhunistplätze in der Eifel sind auch für Vierbeiner zugänglich und bei meinen Kontrollen sind schlafende Füchse im Uhunest ein regelmäßiger Anblick. Es sind dann jedoch immer jene Brutnischen, die im betreffenden Jahr nicht genutzt werden. Oft sind die Uhus ein Jahr später wieder zurück im Traditionsnest. Sicher nicht, weil sie von den Füchsen eingeladen wurden, sondern eher, weil sie sich ihr Hausrecht zurück erobert haben. Uhus haben durchaus einen Instinkt, der ihnen rät, Füchse im Nestbereich nicht zu dulden. Erwachsene Füchse haben von erwachsenen Uhus mehr Unannehmlichkeiten zu befürchten als andersherum. Uhus greifen lautlos von hinten oben im Dunkeln an und dies ist so ziemlich das Unangenehmste, dass einem passieren kann. So ergibt sich tendenziell eine Rangordnung zwischen den Arten. Es schließt jedoch nicht aus, das auch mal ein sehr geschickter Fuchs einen besonders ungeschickten Uhu erbeuten könnte.
Waschbären sind jedoch weniger auf das Überwältigen großer Beutetiere ausgelegt als Füchse. Sie dürften daher für erwachsene Uhus noch weniger gefährlich sein.
In der Beziehung zum Fuchs haben Uhus weitere Möglichkeiten: Wenn ihr Konkurrent Beute gemacht hat, greift der Uhu ihn an, während der Vierbeiner durch das Tragen der Nahrung wenig wehrhaft ist. Uhus sind akustisch orientiert und können schnell vor Ort sein, um diese angreifbare Situation auszunutzen. Sind es halbwüchsige Füchse, müssen sie dabei um ihr Leben fürchten und verlieren nicht nur die Beute. Solche Erlebnisse können den Respekt vor Uhus festigen.
Waschbären jedoch ernähren sich eher von kleinen Tieren und auch vegetarisch. Ihre Beute ist für Uhus in der Regel weniger interessant. Im Gegensatz zum Uhu ist der Kleinbär auch mehr im Wald als im Offenland unterwegs und die Jagdgebiete überschneiden sich weniger.
Ein „kritischer“ Instinkt?
Wir können nicht ausschließen dass es bei unserem Uhupaar einen „kritischen Instinkt“ gibt. Er könnte ihnen ein irritiertes Gefühl wegen der abgebrochenen Jungenaufzucht des Vorjahres oder ein kleines Unbehagen den noch recht fremden Waschbären gegenüber eingeflüstert haben. Uhus sind individuell sehr verschieden und haben auch verschiedene Verhaltensmuster. Vielleicht meiden die Uhus die Bären bis sie mehr Erfahrung mit ihnen haben? Orientierte sich Lotte daher zum Nebenfelsen? Ich glaube es nicht, aber möglich wäre es. Sind die Waschbären für unsere Uhus wirklich noch „fremde Wesen“ oder gab es fernab der Cam in den vergangenen Jahren schon Auseinandersetzungen der beiden Arten und die Rangordnung ist längst ausgemacht? Sehen die Uhus in den Bären keine ernste Gefahr, weil sie sich überlegen fühlen?
Uhu vers. Waschbär in anderen Regionen
Aus dem Raum Wülfrath berichtet der dortige Uhukenner Detlef Regulski von Auseinandersetzungen zwischen Uhu und Waschbär. Die Uhupaare dort haben ihre Arbeitsteilung bei der Jungenaufzucht an die Bedrohung der Nestlinge durch den Kleinbären angepasst. Die Uhuweibchen bleiben zur Bewachung der Jungvögel ständig vor Ort, die Männchen sind allein für den Nahrungserwerb zuständig bis die Jungen ausreichend wehrhaft und mobil sind. Zum Uhunest drängende Waschbären werden ausdauernd angegriffen und geben irgendwann auf. In einem großflächigen Steinbrüch wurden die Jungvögel von drei Uhupaaren flügge, gleichzeitig leben dort mehrere Waschbärclans.
Wie sich “unsere“ Kleinbären vor der Cam nach einer Uhuattacke verhalten wissen wir nicht. Oder noch nicht.
An der Ahr
Bei unserem Uhupaar an der Ahr könnte es längerfristig einen neuralgischen Punkt geben. Leo war (im Gegensatz zu seinem Vorgänger) noch nie wirklich in der Lage seine Familie alleine zu versorgen. Es gab viele Nächte in denen noch sehr kleine Uhuküken stundenlang von beiden Eltern alleine gelassen wurden, weil Lotte zwingend mit jagen musste. Nur daher war das Desaster im Vorjahr möglich. Werden unsere Uhus eine Lösung für das Problem finden? Mit ein wenig Hilfe meinerseits können sie zwar rechnen, die Problematik gänzlich auszuschalten wird jedoch nicht gelingen. Vielleicht sind diese Uhus an diesem Brutplatz mit Waschbären auch nicht die richtigen, um die Situation zu meistern. Auch das wäre möglich. Sicherlich ist Leo größeren Vierbeinern gegenüber weniger kampfbereit als sein Vorgänger, der dutzende Jungfüchse erbeutete. Als er vor Jahren einem Fuchs im Nestbereich begegnete beließ er es bei Drohgebärden.
Sichere Brutnische?
Keine fünfzehn Meter von der Cam entfernt gibt es eine sehr sichere Brutnische. Sie liegt in einem senkrechten nackten Felsbereich unter einem Überhang und beherbergt ein großes altes Nest. „Schwarzstorchhorst“ nennen wir diesen Brutplatz. Schon als wir 1980 erstmals mit der Beobachtung des Felsens begannen, war das Nest aus Ästen und Rebabschnitten dort. Wir vermuten, dass es damals schon viele Jahrzehnte alt war. 1996 brüteten die Uhus dort. Am Seil hängend hatte ich Mühe, in das durch den Überhang geschützte Nest zu gelangen. Sollten Waschbären versuchen, diese Stelle zu erreichen, müssten sie eine gewagte Kletterpartie ohne Deckung von Büschen oder Bäumen hinlegen. Schon durch ein kleiner Rempler könnten sie zum Sturz in die Tiefe gebracht werden.
Offensichtlich fehlt unseren Uhus der Drang, den möglichst sichersten Brutplatz zu wählen. Vielleicht war dieser Instinkt in den vergangenen 40 Jahren noch weniger überlebenswichtig und wird nun erst nach und nach entscheidender für den Bruterfolg. Möglicherweise werden sich zukünftig in manchen Uhulebensräumen nur jene vermehren, die über die hier passenden Instinkte verfügen.
Uhus sind individuell verschieden, vielseitig und oft erfolgreicher, als wir ihnen zutrauen.
Obwohl Uhus nicht sonderlich intelligent zu sein scheinen, ist die Programmierung ihrer Instinkte doch immer wieder erstaunlich schlau. Auch nach über 40 Jahren Uhubeobachtung überraschen mich die großen Eulen immer wieder mit der Vielfalt unterschiedlicher Verhaltensmuster.
Ein Beispiel: Zwei Uhuweibchen in der Eifel kennen den Klang meiner Autotüre und wenn ich am Aussichtspunkt zum Uhubrutplatz angekommen bin, haben sie sich schon in einer Höhle hinter der Brutnische vor mir versteckt. Es ist ihnen unangenehm, beim Brüten von Mensch (oder von mir, der ich später an ihr Nest klettere) angeschaut zu werden. Sie haben eine Taktik entwickelt, um mit der Situation zurecht zu kommen. Andere Uhus an anderen Brutplätzen werden von dutzenden Menschen während der Jungenaufzucht regelmäßig beobachtet, dort haben sich die Uhus daran gewöhnt und sind dabei so entspannt, als wären die Menschen ein Grasbüschel im Wind.
Ein Jahr ohne Brut?
Seit Beginn der Webcam Übertragung 2008 haben die Uhus schon mehrfach eine Brut ausgelassen. Dies könnte auch in 2022 der Fall sein. Den „versteckten, neuen Sitzplatz von Lotte“ konnte ich zwischenzeitlich ausspionieren. Am 2.4. saß sie dort aufrecht und es gibt keine Anzeichen einer Eiablage.
Andererseits können wir in jeder Nacht mehrfach Kopulationen hören, eine Brut wäre also immer noch möglich. Die direkten Nachbarn ahraufwärts brüten bisher nicht, die Nachbarn ahrabwärts beginnen gerade mit der Eiablage. Das Brutpaar noch weiter ahrabwärts hatte am Samstag den 2.4. schon kleine Küken. Generell scheinen in der Eifel 2022 ¼ bis 1/3 der Uhus nicht zu brüten, ein Zusammenhang mit den Waschbären ist daher keinesfalls sicher anzunehmen.
Sinn und Zweck der Cam
Die EGE betreibt die Cam auch zur „Unterhaltung“. Darüber hinaus bietet die Übertragung jedoch auch Einblicke ins Uhuleben, die anders nicht möglich wären und kann wichtige Impulse zum Schutz für Uhus und ihren Lebensraum geben. So konnten wir die „Spritzhubschrauberproblematik“ erkennen und entschärfen.
Nun haben wir die Möglichkeit, den Einfluss der invasiven Waschbären zu erkennen und zu dokumentieren. Die Möglichkeit, dieses Spannungsfeld genau zu beobachten, ist einzigartig und kann viele Erkenntnisse liefern.
Sollten viele Zuseher abspringen und sollte auch das Spendenaufkommen dadurch sinken, werden wir es wohl in Kauf nehmen müssen.
Mit vielen Grüßen und nicht mehr viel Hoffnung auf eine diesjährige Brut vor der Cam
Ihr Stefan Brücher
Intensive Balz
Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
nun endlich läuft die Cam wieder richtig! Als Belohnung konnten wir und hoffentlich auch Sie direkt am Abend des 17. Februar das Uhupaar in voller Aktion in der Nistmulde sehen (siehe aktueller Videorückblick). Der männliche Uhu ist wie Leo links beringt und benimmt sich auch wie wir es von Leo kennen. Er scharrte laut tuckernd im Nest und die vermutliche Lotte schaute nicht weniger laut rufend zu. Es scheint ganz so, als würden die beiden das Traditionsnest erneut für die Brut wählen.
Wie wir vermuteten, hat sich die dramatische Waschbärattacke auf den Uhunachwuchs der vergangenen Jahres dem Gedächtnis der beiden Altvögel nicht abschreckend eingeprägt. Sie hatten das Geschehen nicht beobachtet und daher gilt wohl auch bei den Uhus „Business as usual”.
Anders als erhofft, war der Waschbär damals vermutlich kein einsamer Wanderer und nur auf der Durchreise. Jedenfalls konnten wir in diesem Jahr schon dreimal einen Waschbären im Nestbereich der Uhus beobachten. Aufgrund der lückenhaften Videoübertragung wissen wir nicht, ob sich Waschbär und Uhus schon begegnet und dabei vielleicht aneinandergeraten sind. Zumindest einmal ist der Waschbär auch auf der Fläche vor der Nistmulde entlanggelaufen.(Video) Vermutlich haben die Uhus dies nicht gesehen und konnten die Gelegenheit für einen Überraschungsangriff leider nicht nutzen.
Der Waschbär ist in Deutschland eine aus Nordamerika eingeschleppte invasive Art. Deshalb sehen wir Brutverluste durch Waschbären nicht einfach als ein naturimmanentes und hinzunehmendes Geschehen. Die örtlichen Jäger im Revier von Lotte und Leo sind bemüht den Waschbären nachzustellen. Zusätzlich haben wir die Möglichkeit abwehrende Duftstoffe im Zugangsweg des Bären zu deponieren.
Nun ist jedoch erstmal intensive Balz angesagt, ich wünsche uns schöne Beobachtungen.
Ihr Stefan Brücher
Uhubestand und invasive Arten
Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
mit ein paar Tagen Abstand und nach dem Lesen von einigen Hundert Zuschriften möchte ich heute noch einige Informationen nachtragen:
Manche Zuschauer äußerten die Sorge, der Waschbär wäre mit dem Vorgang der Beringung möglicherweise auf die Spur des Uhunestes gebracht worden. Doch in dieser Hinsicht besteht kein Grund zur Sorge, denn den Uhubrutplatz erkletterte ich von unten her, der Waschbär aber kam von oben. Waschbären suchen ihre Nahrung auch geruchsorientiert, und Uhunester riechen sehr stark. Selbst für mich ist dieser Geruch oft schon viele Meter „gegen den Wind“ wahrzunehmen. Für Waschbären und Füchse ist die Fahne vom Uhunest sicherlich schon auf große Entfernung leicht zu bemerken. Zusätzlich können auch Marder und Dachse durch starken Geruch auf Uhunester aufmerksam werden. Mit diesem Risiko leben Uhus seit Jahrtausenden.
Im Laufe der Evolution war es jedoch anscheinend kein zu großes Risiko für die Uhubruten. Die Uhus hätten dagegen aber auch nicht viel unternehmen können. Zu Beginn der Brutzeit fressen die Uhuweibchen nicht im Nest; sie koten dort auch nicht. Die ersten Gerüche entstehen erst nach dem Schlupf. Dann haben die Uhus keine Möglichkeit, Gerüche zu verhindern. In einem bestimmten Zeitraum der Jungenaufzucht entfernen die Uhuweibchen die abgefressenen Skelette der Nahrungstiere. Dies konnten wir vor der Webcam schon mehrfach beobachten. Die Uhus versuchen möglicherweise auf diese Weise eine starke Geruchsentwicklung zu vermeiden. Bei anderen Vogelarten ist es ähnlich: Zu Beginn der Brut entfernen z.B. auch Singvögel den Kot der Jungen, aber später können sie die Menge nicht mehr abtransportieren und die Kleinen koten einfach aus dem Nest oder aus der Bruthöhle. Es ist dann eine verräterische Phase, die mit Glück überstanden werden kann oder auch nicht.
Warum war Lotte nicht zur Stelle?
Zu Beginn unserer Webcam-Übertragungen ab 2008 war Lottes Leben etwas leichter. Ihr damaliger Brutpartner Heinzl brachte deutlich mehr Nahrung ins Nest als Leo. Deswegen konnte Lotte viel intensiver auf die Jungen auspassen. Heinzl zeigte auch noch andere Fähigkeiten, die wir bislang bei Leo nicht gesehen haben. Heinzl brachte regelmäßig Jungfüchse ins Uhunest. Dann hatte die Familie für mehrere Tage genug Nahrung. Auf diese Weise schaltete er einen Konkurrenten um die gleiche Nahrung aus, der auch nicht mehr für Nachwuchs sorgen konnte. Erst in den Jahren mit Leo musste Lotte abwägen, ob sie sich auf den Jagderfolg des Männchens verlassen und umso mehr aufpassend bei den Jungen sein kann oder bei Nahrungsmangel selbst jagen muss. Mehrere Jahre in Folge entschied sie, die Jungen viel früher als in erster Ehe alleine zu lassen. Diese Entscheidungen waren bisher richtig. Ohne ihre Beteiligung an der Jagd wären in den vergangenen Jahren Küken verhungert. Sehr oft dachte ich, „hoffentlich geht das gut“ und befürchtete, „das wird nicht immer gutgehen“.
Trauert Lotte?
Im aktuellen Videorückblick sind drei Videos von Lottes Rückkehr nach der Waschbärenattacke zu sehen. Diesen Aufnahmen nach zu urteilen, realisiert Lotte das Verschwinden der Jungen nicht wirklich. Sie frisst an den Überresten ihrer Jungen, und kurz darauf sucht sie wieder nach den Küken und „tuckert“, um sie zur Fütterung anzulocken. Erst im Laufe der Tage flaut das „Programm Jungenaufzucht“ allmählich ab. Dies ist kein sonderlich intelligentes Verhalten. Nach meinem Dafürhalten sollten wir nicht zu viele Regungen, wie wir sie von höheren Säugetieren oder anderen besonders intelligenten Arten kennen, in Lotte hineininterpretieren. Wir laufen Gefahr, zu viel aus unserer Welt in die der Uhus zu übertragen.
Neue Brutnische?
Unser langjähriges Monitoring von mehreren tausend Uhubruten liefert keinen statistisch eindeutigen Hinweis auf einen Brutplatzwechsel als Reaktion auf Brutverluste. Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass Lotte und Leo wegen der erfolgten Waschbärattacke im nächsten Jahr einen anderen Brutplatz wählen. Es gab kein traumatisches Schreckerlebnis im Nestbereich, das sich beiden nachhaltig eingeprägt haben könnte. Es scheint so, als würde sich Lotte dort nach wir vor ausreichend sicher fühlen. Sie schien nach der Attacke die Umgebung genau zu betrachten, konnte jedoch nichts Gefährliches bemerken.
Geschlechter bestimmt
Übrigens: Die beiden Lottekinder waren laut Laborbefund Männchen. Der Größenunterschied der beiden hätte also bei einer anderen Geschlechterverteilung noch größer oder auch deutlich kleiner ausfallen können. Sie wissen ja: Bei den Uhus sind die Weibchen das starke Geschlecht.
Wie sieht es bei anderen Uhus aus?
Bei vielen Uhupaaren in der Eifel läuft die Brutsaison 2021 gut; manche haben auch Glück im Unglück: Bei Kall geriet ein Uhuweibchen nachts in einen stromlosen Schafszaun. Es wurde daraus erst am nächsten Nachmittag befreit. Wir haben zwei ihrer Jungen aus dem Nest geholt und zusammen mit der Uhumutter in eine Pflegestation gebracht. Hoffentlich können wir sie bald wieder zurück in ihren Steinbruch bringen und dort freilassen.
Der Uhubestand kann anscheinend viel verkraften
In den vergangenen Jahren machte ich eine Beobachtung, die mir mehr Sorgen bereitet als die Brutverluste durch Fressfeinde: An manchen seit über 30 Jahren dauerhaft von Uhus besiedelten Brutplätzen fand ich keinerlei Anzeichen für die Anwesenheit der großen Eule. Zuvor hatte es zwar an fast allen Brutplätzen einmal Jahre ohne Bruten gegeben. Möglicherweise waren auch einmal Brutpartner gestorben, aber immer blieb zumindest einer im Revier, und im Folgejahr gab es wieder Bruten oder Brutversuche. Das Fehlen jeglicher Anzeichen für eine Anwesenheit von Uhus in diesen für Uhus attraktiven Steinbrüchen gab mir Rätsel auf. Offenbar waren beide Brutpartner spurlos verschwunden. Manchmal wurden aber auch tote Uhuweibchen an Brutplätzen gefunden. Am ehesten könnte eine ansteckende Krankheit die Dinge erklären. Vielleicht das Usutu-Virus? Im Kölner Zoo hatte es in kürzester Zeit alle nordischen Eulenarten ausgelöscht. Den Uhubestand konnte dieses Phänomen jedoch nicht wirklich verringern. Auch im Jahr 2021 wurden zusätzlich neue Areale besiedelt.
Auch andere gebietsfremde Arten verringern den Bruterfolg von Uhus in der Eifel
Zusätzlich zum Waschbär registriert die EGE seit einigen Jahren regelmäßig auch durch Nilgänse und Mufflons ausgelöste Brutaufgaben. Mufflons werden von der Jägerschaft ungeachtet der gesetzlichen Vorgaben geduldet und auch gezielt ausgesetzt um „eine zusätzliche attraktive jagdbare Art im Revier zu haben“. Diese Wildschafe lassen in manchen Felsen keinen Flecken unberührt und laufen durch die Brutnischen des Uhus.
Auch Nilgänse vertreiben brütende Uhuweibchen aus ihren Nestern.
Wenig Bemühungen gegen die invasiven Arten
Es gibt bei dem Thema invasive Arten Bestrebungen von Bund und Ländern, die Ausbreitung dieser Arten zu begrenzen. Zu diesen Arten zählt der Waschbär. Während aber die invasiven Arten Bisamratte und Nutria systematisch bekämpft werden, bleibt der Waschbär zumeist unbehelligt. Bisamratten und Nutrias unterminieren mit ihren Bauen Hochwasserschutzdämme und gefährden so die landwirtschaftliche Nutzung und Siedlungsflächen. Für die Nutria- und Bisambekämpfung unternehmen die staatlichen Stellen dieser wirtschaftlichen Schäden wegen durchaus einige Anstrengungen. Im Falle des Waschbären sind es vor allem ökologische Schäden, die aber mindestens genauso systematisch abgewehrt werden sollten wie wirtschaftliche Schäden. Hier ist dringend ein Umdenken erforderlich. Immerhin wurden aber 2019/2020 in Deutschland mehr als 200.000 Waschbären erlegt. Aus den Bestandsschätzungen von 2013 und 2018 ergibt sich eine Verzehnfachung auf 1,3 Millionen. Rechnerisch wäre also 2019/2020 ca. jeder achte Waschbär getötet worden. . Inwiefern diese „Entnahmen“ überhaupt eine Wirkung haben und sinnvoll sind wird nicht in Frage gestellt .
Mit einer Begrenzung oder gar Verringerung der vermutlich weit unterschätzten Bestände ist wohl nicht zu rechnen.
Ich hoffe, Sie haben weiterhin Interesse an der Uhucam und auch im kommenden Jahr den Mut, die Uhus zu beobachten. Auch zwischen den Bruten sind manchmal schöne Beobachtungen möglich. Die Cam läuft das ganze Jahr hindurch.
Ich trauere immer noch etwas über das plötzliche Ende dieser Jungenaufzucht und schaue dennoch zuversichtlich nach vorne. Im Bemühen den Uhu zu schützen werden wir nicht nachlassen.
Ihr Stefan Brücher
Fragen & Antworten zum Waschbären
Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
Ihnen allen und für jede Zuschrift zu den traurigen Ereignissen vom 18. Mai danke ich Ihnen herzlich. Wir sind so traurig wie Sie. Bei meiner heutigen Beringungstour durch die Eifel begleitete mich ein mehr als flaues Gefühl in der Magengrube. Umso mehr beeindruckt und ermutigt mich die Vielzahl der Zuschriften und der Zuspruch, der darin zum Ausdruck kommt. Herzlichen Dank dafür!
Im Zusammenhang mit der Waschbärenattacke tauchen viele Fragen auf. Manche lassen sich beantworten, einige aufgrund fehlender Erkenntnisse nicht:
Wie stark sind die Eifeluhus von Waschbären bedroht? Aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es in der Eifel seit vielen Jahren eine große und stetig wachsende Waschbärenpopulation. Bereits 2017 bemerkten wir das Verschwinden von Junguhus an einigen Brutplätzen. Es schien, als hätte ein knappes Nahrungsangebot die Uhuweibchen dazu gezwungen, ihre noch recht jungen Küken alleine zu lassen, um die Versorgung zu sichern. Dies bot Fressfeinden die Gelegenheit. Nun haben wir eine solche Situation miterlebt.
Soweit wir die Gefahr von Waschbären für die Uhubruten bisher überblicken, unterscheidet sie sich etwas von der Gefahr durch Füchse. Das Temperament von Waschbären ist sicherlich dickfälliger, problematisch ist auch ihre Nahrungssuche in der Gruppe. Erst vergangene Woche berichtete mir ein Uhuschützer aus dem Bergischen Land von seinen Beobachtungen mittels Wärmebildfernglas: Drei Waschbären versuchten ans Uhunest zu kommen und nutzten dabei geschickt die Deckung von Sträuchern. Nur wo die Uhus freien Anflug hatten, konnten sie den Fressfeind abwehren. Trotz der Hartnäckigkeit der Waschbären gelang es den Uhus dieses Mal, ihre Jungen zu schützen. Zeit für die Jagd hatten die Uhus in dieser Nacht kaum, das Weibchen jagte nicht.
Die Uhupopulation ist sehr dicht. Die Eifel ist ein Dichtezentrum der Uhus in Deutschland. Über ihren Fortbestand mache ich mir keine ernsten Sorgen. Manche Brutplätze sind für Waschbären gut erreichbar andere weniger. In manchen Uhurevieren ist viel Nahrung verfügbar. Dann können die Weibchen länger auf ihre Jungen auspassen. Immer wieder habe ich gesehen, wie gut Uhus vielen Herausforderungen gewachsen sind. Oft habe ich mir Sorgen gemacht und noch häufiger habe ich festgestellt, dass die Uhus mehr können und besser sind als wir ihnen zutrauen.
Lotte wird in diesem Jahr nicht noch einmal Eier legen. Nachgelege machen Uhus nur, wenn ihr Erstgelege in den ersten Wochen der Bebrütung scheitert.
Lotte fraß an den Überresten der Jungvögel und schluckte dabei einen Fuß mit Ring. Da Uhus auch relativ große Schädel von Beutetieren komplett verschlucken und diese dann als Gewölle wieder ausspeien, mache ich mir darüber keine Sorgen.
Brutplätze in Felsen vor Waschbären zu schützen, ist kaum möglich.
Uhus können Waschbären abwehren, vielleicht sogar töten. Aber die Uhus müssen den Angreifer rechtzeitig wahrnehmen. Meines Wissens wird man die Waschbären in Deutschland auch mit rigoroser Bekämpfung vermutlich nicht durchgreifend zurückdrängen können. Waschbären leben in sozialen Verbänden und unterliegen einer internen Geburtenkontrolle. Im Normalfall bekommen nur mehrjährige Weibchen Nachwuchs. Werden diese z.B. durch Fang oder Abschuss getötet, vermehren sich auch alle jüngeren und besetzen die Leerstellen.
Der Waschbär ist in Deutschland eine aus Nordamerika vom Menschen eingeschleppte Art, die im letzten Jahrhundert aus Gefangenschaftshaltungen entwischt sich in den heimischen Ökosystemen etabliert hat. Den Waschbären fällt eine große Zahl Individuen bei uns heimischer, auch bestandsbedrohten Arten zum Opfer. Dazu zählen nicht nur Vögel, sondern auch Amphibien, Reptilien und andere Artengruppen.
Manche Bereiche unserer Natur sind den Waschbären noch viel schutzloser ausgesetzt als wir es bei unseren Uhus beobachten können. Lutz Dalbeck von der Biologischen Station in der Nordeifel berichtete beispielsweise von wahren Massakern an flachen Teichen. Hunderte angebissene Amphibien lagen am Ufer. Nur die leckersten Teile waren herausgebissen, viele Tiere lebten noch ein bisschen. Sie hatten den Instinkt, sich bei Gefahr im Schlick zu verstecken, ein für die europäischen Fressfeinde wirksames Verhalten. Waschbären jedoch Tasten den Schlick durch und finden so jedes Leben. Wenn sie in der Gruppe Nahrung suchen, können sie ganze Teiche leeren.
Am Abend des 18. Mai kam der Waschbär erneut ins Uhunest und fraß an den Überresten der Uhus. Lotte und Leo waren offensichtlich wieder nicht in der Nähe und bemerkten den Fressfeind auch dieses Mal nicht. Später kamen sie mit Nahrung und fanden keine Abnehmer dafür. Es scheint so, als benötigen sie noch etwas Zeit, um die Situation zu realisieren. Was wir begreifen nennen, ist ihre Stärke nicht und dennoch sind sie auf ihre Weise unglaublich gut.
Keinesfalls möchte ich Ihnen ans Herz legen, die Videoaufnahme vom Zugriff der Waschbären anzusehen. Vorenthalten möchte ich Ihnen dieses Dokument gleichwohl nicht. Es ist aber nichts für schwache Nerven. Hier geht es zum Video.
Ihr Stefan Brücher
Beide Junguhus vom Waschbären gefressen!
Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
der die Beringung betreffende Tagebucheintrag ist nun hinfällig geworden. In der vergangenen Nacht hat ein Waschbär beide Junguhus gefressen.
Für die Eifel ist dies der erste Nachweis, es ist jedoch gut möglich, dass viele der uns bekannten Brutaufgaben diese Ursache haben. Es als „natürlich“ anzusehen, fällt mir etwas schwer. Waschbären sind durch Menschen nach Europa eingeschleppt worden, die einheimischen Arten haben keine gewachsenen Strategien, um mit dieser Gefahr umzugehen.
Die diesjährige Webcam-Saison endet nun schlagartig.
Etwas schockiert,
ihr Stefan Brücher











