Draußen, wo Artenschutz passiert.
Artenschutz findet oft dort statt, wo kaum jemand zuschaut: an abgelegenen Brutplätzen, in alten Scheunen, hoch oben im Baum oder mitten in der Landschaft. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EGE beobachten und kontrollieren Brutplätze, betreuen Nisthilfen, beringen Jungvögel, schaffen neue Brutmöglichkeiten – und machen dabei immer wieder überraschende Entdeckungen.
In „EGE im Einsatz“ nehmen wir Euch mit nach draußen. Mit Fotos, Geschichten und künftig auch Videos zeigen wir, was dort entdeckt und beobachtet wird, was bei konkreten Schutzmaßnahmen passiert und was sich dabei über die Tiere lernen lässt. So entsteht ein unmittelbarer Blick auf die praktische Arbeit für Eulen und andere Greifvögel – und auf die Menschen, die sich dafür einsetzen.
Wer wagt sich hier in fremdes Revier?
Ich staunte nicht schlecht, als ich die Aufnahmen einer Wildkamera aus einem Uhurevier durchsah: Eine Wildkatze! Und dazu noch ein Jungtier. Eine so heimlich lebende Art zu beobachten, ist ohnehin etwas ganz Besonderes. Doch was ist passiert, dass die Wildkatze plötzlich fauchend und mit Katzenbuckel dasteht?
Bei genauerer Betrachtung erkennt man einen heranfliegenden Schatten und hört deutlich das Schnabelknappen eines Uhus. Eine ernste Drohgebärde gegenüber der Wildkatze. Diese hat die Situation offenbar richtig eingeschätzt und tat gut daran, den Rückzug anzutreten und den „Hausherrn“ in seinem Revier nicht weiter zu stören.
Wenn Eulenschutz um die Welt geht
Manchmal führt praktische Naturschutzarbeit weiter, als man zunächst denkt. Im Sommer begleitete ein Team der Deutschen Welle Andrea Caviezel und Jonas Bode bei einer Kontrolle von Steinkauz-Nisthilfen in den Streuobstwiesen zwischen Bonn und Köln.
Der englischsprachige Film zeigt, wie die Nisthilfen kontrolliert, junge Steinkäuze beringt und wichtige Daten gesammelt werden. Vier gesunde Jungvögel in einem der kontrollierten Brutplätze sind dabei ein erfreuliches Zeichen. Zugleich macht der Beitrag deutlich, dass Nisthilfen allein nicht genügen: Entscheidend sind geeignete Lebensräume mit ausreichend Nahrung und kurzrasigen Flächen, auf denen die kleinen Eulen Mäuse, Käfer und andere Beutetiere erreichen können. Gerade diese Lebensräume werden jedoch vielerorts knapper. Streuobstwiesen verschwinden durch Bebauung oder verändern sich, wenn eine regelmäßige Beweidung ausbleibt. Der Film verbindet deshalb die konkrete Arbeit vor Ort mit einer größeren Frage: Wie lassen sich Lebensräume langfristig erhalten, bevor Arten aus ihnen verschwinden?
Auch der Uhu und die Arbeit der EGE kommen im Beitrag zur Sprache. Die Deutsche Welle erinnert an den dramatischen Rückgang des Uhus in Deutschland und an seine erfolgreiche Rückkehr durch jahrzehntelange Schutzarbeit. Zu sehen sind dabei auch unsere Webcams, mit denen sich das Leben der Uhus heute unmittelbar beobachten lässt. Eine weitere Station des Films führt zu einer Auffangstation für verletzte und verwaiste Greifvögel. So zeigt der Beitrag verschiedene Seiten des praktischen Artenschutzes – von der Betreuung von Brutplätzen und dem Erhalt geeigneter Lebensräume bis zur Pflege und späteren Auswilderung einzelner Tiere.
Praktischer Artenschutz vor Ort schafft Wissen, das weit über den einzelnen Brutplatz hinausreicht. Die über viele Jahre erhobenen Daten, gesammelten Erfahrungen und die daraus entstandene Expertise der EGE sind auch für den internationalen Austausch relevant – und können dazu beitragen, Artenschutz und den Erhalt von Lebensräumen über regionale Grenzen hinweg weiterzuentwickeln.
Besonders spannend ist auch der Hintergrund des Films: Er entstand für das DW-Umweltmagazin „Eco India“, das sich insbesondere an ein Publikum in Indien richtet. Das Land steht im Zuge seiner wirtschaftlichen Entwicklung, in Landwirtschaft und Industrie vor vielen Umweltfragen und Herausforderungen, mit denen Deutschland und Europa bereits seit Jahrzehnten Erfahrungen gesammelt haben – nicht immer erfolgreich.
Manche Probleme wurden gelöst, bei anderen wurden Fehler gemacht, deren Folgen bis heute sichtbar sind. „Eco India“ möchte für solche Entwicklungen sensibilisieren und anhand von Beispielen zeigen, welche Lösungswege funktionieren können und welche Fehler sich möglichst vermeiden lassen. Auch deshalb finden dort Umwelt- und Naturschutzgeschichten aus Europa ihren Platz. So führte der Weg von Andrea, Jonas und den Steinkäuzen zwischen Bonn und Köln schließlich zu einem Publikum weit über Deutschland hinaus.
Der Beitrag „Saving threatened owls in Germany“ wurde am 30. Juli 2025 von der Deutschen Welle veröffentlicht.
Aussterbeschuld – oder „Racolta da stad“
Wie Frederick, die Maus, für den Winter Sonnenstrahlen, Farben und Wörter für Poesie und Gedichte sammelt, ernte ich Erlebnisse und Eindrücke des Sommers. Meine „Sommerernte“. Frederick und ich sammeln „das Glück des Sommers für graue Tage“.
Ich glaube, ich habe nie mehr „gesehen“ als in diesem Sommer! Und trotzdem oder gerade deswegen muss ich an ein Wort denken, dem ich im letzten Jahr zum ersten Mal begegnet bin. Es mag naiv erscheinen, aber dem Wort Aussterbeschuld begegne ich erstmals auf der zweiten internationalen Schwarzstorch-Tagung in Kronenburg.
Die Bedeutung des Wortes macht mich unglaublich betroffen, denn es beinhaltet, dass wir mit unseren heroischen Versuchen, Arten zu schützen und zu erhalten, stets nicht nur einen, sondern gleich mehrere Schritte hinterherhinken.
Darüber denke ich viel nach. Ja, Buntspecht, Eichhörnchen und Rehe gibt es viele. Sie umgeben uns ständig und wir nehmen sie oft nicht bewusst wahr. Für unsere gefährdeten Eulen und deren Lebensraumerhalt setzen wir uns unermüdlich ein. Aber wir können gar nicht früh genug damit beginnen, aufmerksam die Arten zu schützen, welche wir für selbstverständlich halten, sonst kann ich Euch für „die grauen Tage“ irgendwann nichts mehr erzählen.
Das Shifting-Baseline-Syndrom bezeichnet eine psychologisch-soziologische Wahrnehmungsverschiebung, bei der schleichende Umweltveränderungen über Generationen hinweg als neue Normalität akzeptiert werden.
Busardo ratonero
„Hat disch de Annemie erreischt?“, fragt mich Peter am Telefon. „Nä“, antworte ich. „Wieso?“
Im Raum Zülpich, bei Annemie und Franz auf einem Aussiedlerhof, lebt ein Steinkauzpaar und in der großen Kiefer neben ihrem Haus nisten Mäusebussarde. Bei jeder Röhrenkontrolle der Steinkäuze geht auch ein Blick nach oben in die Kiefer.
Am 16. Mai freuen wir uns darüber, dass das Bussardweibchen offensichtlich hudert. Die stattliche Kiefer hat wunderbare Kletteräste. Wir streifen um sie herum – ist sie kletterbar? Wie gerne würden wir die Bussardjungvögel beringen!
Am Nachmittag des 25. Mai sind wir wieder unterwegs zur Bussardkiefer. Klettergeschirr, Seil, der berühmte Uhurucksack und die richtigen Ringe im Gepäck. Franz und Annemie sind begeisterte Zuschauer, als ein mutiger und gewandter Kletterer es bis zum Horst schafft. Zwei Bussardjungvögel kommen vorsichtig und sicher zu uns herunter. Der Dritte ist bis an den äußersten Horstrand zurückgewichen und so nicht ohne Risiko zu fangen. Also bleibt er ungefangen und unberingt sicher sitzen, wo er ist. Das war ein schönes kleines Abenteuer und beschwingt fahren wir wieder nach Hause. Annemie und Franz versprechen, die Bussardfamilie im Auge zu behalten.
Am Morgen des 3. Juni fallen ihnen die Bussardkinder nicht nur ins Auge, sondern leider auch vor die Füße. In der Nacht gab es ein heftiges Unwetter und der Horst samt den Jungvögeln ist aus der Kiefer gestürzt. Der Jüngste hat den Sturz nicht überlebt. Die zwei Älteren haben es irgendwie geschafft, auf dem Horst nach unten zu segeln und ihren Aufprall abzufangen. Annemie braucht also Rat, bis wir kommen und die Lage richten! „Setz die Jungvögel in einen Karton und stell diesen gut sichtbar in den Hof, damit die Altvögel sehen, dass die Kinder noch da sind!“ „Wir kommen so schnell es geht!“, verspreche ich. Tatsächlich bleiben die Altvögel in der Nähe und versuchen sogar, ihre Nachkommen in dem Karton zu füttern.
Eigentlich habe ich am Nachmittag einen Zahnarzttermin … nun ja, ich habe gute Zähne und so sage ich den Kontrolltermin kurzerhand ab. Dann geht’s los: Wir wollen ein Körbchen als Kunsthorst in der Kiefer installieren. Wo bekomme ich jetzt ein Körbchen her? Im JYSK werde ich fündig, im Baumarkt besorge ich noch einen Sack Rindenmulch – dann ab nach Zülpich. Stefan kommt mit Nils aus Nideggen von der Uhutour direkt zum Bussardeinsatz.
Verschwitzt und überrascht finden wir eine findige Notlösung für die Bussardkinder vor. Die kluge, kluge Landwirtsfrau hat mit ihrem Franz den Horst inklusive der Jungvögel in den Rhododendronstrauch, der direkt unter der Kiefer steht, platziert. Von dort schauen uns die zwei jungen Bussarde aufmerksam an.
Ab jetzt ist es „wie immer“. Stefan klettert in den Baum und montiert den JYSK-Horst, füllt ihn mit Rindenmulch und Material aus dem originalen Horst. Ich beringe den dritten Jungvogel im Bunde und dann kommt der große Moment: ab in den Uhurucksack und nach oben!
Die Altvögel machen sich zwischendurch immer wieder durch Rufe bemerkbar. Dann sind alle wieder wohlbehalten dort, wo sie sein sollen: die Bussardkinder oben in der Kiefer, Stefan unten am Boden. Bei einem gemeinsamen Kaffee freuen wir uns über die gelungene Rettungsaktion und die gute Zusammenarbeit.
Am Morgen des 4. Juni berichtet Annemie, dass die Altvögel unverzüglich zum Füttern der Kinder gekommen sind. Großartig! Vor Kurzem berichtete sie, dass die ganze Bussardfamilie immer noch um den Hof herum zu sehen ist.
Glaubt ihr’s nicht? Aber genauso ist’s gewesen 😉
Ein Nistkasten, zwei Eulenarten
Im Kölner Westen betreuen wir zwei Schleiereulenkästen, die in einer Scheune angebracht sind. Der obere Kasten, dessen Einflug nach außen führt, wurde in der Vergangenheit immer wieder von Turmfalken oder Nilgänsen besetzt. Um dies zu verhindern, hat Landwirt Martin Krist den Einflug eigens verkleinert.
Ende März begann jedoch ein Waldkauzpaar, den Kasten trotzdem zur Brut zu nutzen. Daraufhin wechselten die Schleiereulen in den neueren Kasten, der zum Inneren der Scheune hin geöffnet ist. Doch auch dort versuchte der Waldkauz immer wieder einzudringen, wie im Video zu sehen ist. Offenbar gelang ihm dies zumindest zeitweise, denn bei Kontrollen Anfang Mai fanden wir neben den Schleiereulen auch Federn des Waldkauzes im Kasten.
In den darauffolgenden Tagen zeigte sich jedoch, dass sich die Schleiereulen offenbar erfolgreich gegen den Eindringling behaupten konnten. Der Waldkauz überlebte die Auseinandersetzung nicht.
Umso erfreulicher war schließlich der Ausgang für die Schleiereulen: Am 22. Mai konnten wir gemeinsam mit Beringer Carl Casper drei gesunde Jungvögel beringen.
Später im Jahr starteten die Schleiereulen im oberen Kasten sogar eine Zweitbrut. Anfang September konnten dort weitere vier Jungvögel erfolgreich beringt werden.
Das Waldkauzweibchen sitzt derweil noch immer draußen im Baum und wartet auf ein neues Männchen. Wir hoffen, dass sie bald wieder einen Partner findet – und dass es dann zu einem etwas friedlicheren Nebeneinander mit den Schleiereulen kommt.
Helfende Hände
Hin und wieder fallen uns im Eulenschutz auch ganz uneulenhafte Vögel in die Hände. Auch diese werden aufgefangen und versorgt.
Dieses Sperberweibchen wird entlang einer gut funktionierenden Kette von Händen zu Händen gereicht: vom Finder zur Fängerin, zur Greifvogelhilfe, zur Tierärztin, zum Pfleger und zum Schluss wieder zur Fängerin, die zur Freilasserin wird.
Wunderschön, wenn’s gelingt!
Waldkauz-Love-Story
März
2026
„Ich weiß was!“, sagt mein Freund Jonas. „Komm mit!“ Also trabe ich ihm erwartungsvoll durch den Wald hinterher. Er weiß nämlich, in welchem Wald und in welchem Baum ein Waldkauz seinen Tageseinstand hat! Nicht sehr nah am Dorf, aber auch nicht besonders weit weg sitzt der Waldkauz in seinem Tageseinstand, als hätte Jonas ihn dorthin bestellt. Sein stahlharter Blick trifft das Auge meiner Kamera und ich bin zutiefst beeindruckt. Ich habe vorher noch nie einen Waldkauz in seiner ganzen Schönheit gesehen und dieser hat auch noch ein wunderbar rötlich gefärbtes Gefieder. Jonas und ich schauen uns vorsichtig um. Der aristokratisch rote Waldkauz lässt sich davon nicht stören.
Ganz in der Nähe entdecken wir eine Buche mit einer alten Schwarzspechthöhle. Wir frohlocken.
April
2026
Noch einige weitere Male sehen wir den „Roten“ in seinem Tageseinstand sitzen. Heute nicht. Ich schaue mich um. Gehe tastend von hier nach dort. Und plötzlich – schauen mich zwei „Zwölf-Kaliber-Doppellauf-Augen“ an! Waldkauz schaut empört aus der Bruthöhle und fliegt davon! Oh, wenn er nur dort brüten würde!
April
2026
Heute bin ich etwas schläfrig und im Waldkauz-Wald ist es sehr still. Fast greifbar ist die Stille – füllt den Raum dazwischen. Ich kneife die Augen zusammen, blinzle. Da blitzt etwas Weißes am Rand der Bruthöhle. Atemlos schaue ich durchs Fernglas, verblüfft über mein unverschämtes Glück. Ein kleiner Waldkauz döst im Sonnenschein. Aufgeregt berichte ich Jonas: „Ich weiß was!“
April
2026
Durch regelmäßiges Beobachten versuchen wir, die Anzahl der Jungvögel und das ungefähre Alter zu bestimmen. Denn der ehrgeizige Entschluss, die Jungvögel zu beringen, ist gefasst. Ich bin mir sicher, dass es mindestens zwei kleine Käuze sind. Das Alter anzusprechen fällt mir schwerer. Ist doch immer nur ein winzig kleiner Teil der Jungvögel zu sehen. An einem Tag habe ich den Eindruck, so etwas wie einen Gesichtsschleier zu erkennen und etwas mehr als nur weiße Flaumfedern. Jetzt muss Stefan ran, denn die Bruthöhle liegt in einer respektablen Höhe.
April
2026
Stefan freut sich darauf, die Waldkäuze kennenzulernen. Ich bin in erster Linie aufgeregt, denn heute sollen die „Wäuzchen“ ihren Ring bekommen. Wir laden die Riesenleiter auf den Eulen-Landrover und rumpeln dem kleinen Abenteuer entgegen. Die Leiter steht perfekt und Stefan greift ins Ungewisse.
Auf der Fahrt erzählt er mir, wie er als Junge einmal unbedarft in eine Waldkauzhöhle gegriffen hatte und unter Schmerzen und Mühe versuchte, den todesmutigen Waldkauz, der mit aller Entschlossenheit versuchte, seine Hand umzubringen, wieder loszuwerden. Aber heute ist alles ganz anders, nämlich ganz wunderbar!
Drei junge Waldkäuze kommen sicher am Seil in dem berühmten Uhurucksack zu mir herunter. Die „Wäuze“ im Rucksack kneifen ihre Augen zusammen und sind „nicht da“. Beim Rausnehmen greifen sie nach meiner Hand und halten mich kräftig fest. Mir ist ein bisschen ehrfürchtig zumute. Wenn ich Enkel hätte, würde ich ihnen dieses Erlebnis auf jeden Fall erzählen – wieder und wieder.
April
2026
Fliegen umkreisen den Eingang der Bruthöhle, ansonsten ist es sehr still. Plötzlich ein Warnruf von einem Waldkauz-Altvogel! „Aber doch nicht wegen mir?“, denke ich. Ich gehe in Richtung des Warnrufes und schaue hoch in die Bäume. Ernst, schmal und flaumfeder-puschelig schaut mich ein Jungvogel an. Flügge! Sie sind raus!
April
2026
Jonas und ich wollen unsere flügge gewordenen „Wäuze“ noch einmal besuchen. Wir treffen uns im Waldkauz-Wald. Jonas war etwas früher da als ich und hat die Gegend nach den Jungvögeln erkundet. Er entdeckt die drei etwa 500 m weiter in einem ganz anderen Teil des Waldes. Ein Bussard hat ihn durch sein ungewöhnliches verleitendes Verhalten auf die Jungvögel aufmerksam gemacht. So finden wir sie dicht gedrängt auf einem Ast im Buchenwald.
Kitschig? Kann sein. Aber genauso ist es gewesen!


















