EGE im Einsatz

EGE im Einsatz2026-09-28T19:54:16+02:00

Draußen, wo Artenschutz passiert.

Artenschutz findet oft dort statt, wo kaum jemand zuschaut: an abgelegenen Brutplätzen, in alten Scheunen, hoch oben im Baum oder mitten in der Landschaft. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EGE beobachten und kontrollieren Brutplätze, betreuen Nisthilfen, beringen Jungvögel, schaffen neue Brutmöglichkeiten – und machen dabei immer wieder überraschende Entdeckungen.

In „EGE im Einsatz“ nehmen wir Euch mit nach draußen. Mit Fotos, Geschichten und künftig auch Videos zeigen wir, was dort entdeckt und beobachtet wird, was bei konkreten Schutzmaßnahmen passiert und was sich dabei über die Tiere lernen lässt. So entsteht ein unmittelbarer Blick auf die praktische Arbeit für Eulen und andere Greifvögel – und auf die Menschen, die sich dafür einsetzen.

Busardo ratonero

23. September 2026|

Text und Bilder von Andrea Caviezel
„Zu nisten heisst zu vertrauen. Der Erde zu vertrauen, die Wurzel zu nähren, die den Stamm trägt, aus dem der Ast wächst, der die Mulde bildet, die das Geflecht aus Moos und Zweigen birgt, das Nest formt, das- unter eine warme, pochende Brust gedrückt- das Ei umschliesst. (…) Vogel, du verwebst dein Zuhause mit unserem, und wir müssen unseres wieder mit deinem verweben.“
(Aus „Das Buch der Vögel“ von Jackie Morris und Robert Macfarlane)

„Hat disch de Annemie erreischt?“, fragt mich Peter am Telefon. „Nä“, antworte ich. „Wieso?“

Im Raum Zülpich, bei Annemie und Franz auf einem Aussiedlerhof, lebt ein Steinkauzpaar und in der großen Kiefer neben ihrem Haus nisten Mäusebussarde. Bei jeder Röhrenkontrolle der Steinkäuze geht auch ein Blick nach oben in die Kiefer.

Am 16. Mai freuen wir uns darüber, dass das Bussardweibchen offensichtlich hudert. Die stattliche Kiefer hat wunderbare Kletteräste. Wir streifen um sie herum – ist sie kletterbar? Wie gerne würden wir die Bussardjungvögel beringen!

Am Nachmittag des 25. Mai sind wir wieder unterwegs zur Bussardkiefer. Klettergeschirr, Seil, der berühmte Uhurucksack und die richtigen Ringe im Gepäck. Franz und Annemie sind begeisterte Zuschauer, als ein mutiger und gewandter Kletterer es bis zum Horst schafft. Zwei Bussardjungvögel kommen vorsichtig und sicher zu uns herunter. Der Dritte ist bis an den äußersten Horstrand zurückgewichen und so nicht ohne Risiko zu fangen. Also bleibt er ungefangen und unberingt sicher sitzen, wo er ist. Das war ein schönes kleines Abenteuer und beschwingt fahren wir wieder nach Hause. Annemie und Franz versprechen, die Bussardfamilie im Auge zu behalten.

Am Morgen des 3. Juni fallen ihnen die Bussardkinder nicht nur ins Auge, sondern leider auch vor die Füße. In der Nacht gab es ein heftiges Unwetter und der Horst samt den Jungvögeln ist aus der Kiefer gestürzt. Der Jüngste hat den Sturz nicht überlebt. Die zwei Älteren haben es irgendwie geschafft, auf dem Horst nach unten zu segeln und ihren Aufprall abzufangen. Annemie braucht also Rat, bis wir kommen und die Lage richten! „Setz die Jungvögel in einen Karton und stell diesen gut sichtbar in den Hof, damit die Altvögel sehen, dass die Kinder noch da sind!“ „Wir kommen so schnell es geht!“, verspreche ich. Tatsächlich bleiben die Altvögel in der Nähe und versuchen sogar, ihre Nachkommen in dem Karton zu füttern.

Eigentlich habe ich am Nachmittag einen Zahnarzttermin … nun ja, ich habe gute Zähne und so sage ich den Kontrolltermin kurzerhand ab. Dann geht’s los: Wir wollen ein Körbchen als Kunsthorst in der Kiefer installieren. Wo bekomme ich jetzt ein Körbchen her? Im JYSK werde ich fündig, im Baumarkt besorge ich noch einen Sack Rindenmulch – dann ab nach Zülpich. Stefan kommt mit Nils aus Nideggen von der Uhutour direkt zum Bussardeinsatz.

Verschwitzt und überrascht finden wir eine findige Notlösung für die Bussardkinder vor. Die kluge, kluge Landwirtsfrau hat mit ihrem Franz den Horst inklusive der Jungvögel in den Rhododendronstrauch, der direkt unter der Kiefer steht, platziert. Von dort schauen uns die zwei jungen Bussarde aufmerksam an.

Ab jetzt ist es „wie immer“. Stefan klettert in den Baum und montiert den JYSK-Horst, füllt ihn mit Rindenmulch und Material aus dem originalen Horst. Ich beringe den dritten Jungvogel im Bunde und dann kommt der große Moment: ab in den Uhurucksack und nach oben!

Die Altvögel machen sich zwischendurch immer wieder durch Rufe bemerkbar. Dann sind alle wieder wohlbehalten dort, wo sie sein sollen: die Bussardkinder oben in der Kiefer, Stefan unten am Boden. Bei einem gemeinsamen Kaffee freuen wir uns über die gelungene Rettungsaktion und die gute Zusammenarbeit.

Am Morgen des 4. Juni berichtet Annemie, dass die Altvögel unverzüglich zum Füttern der Kinder gekommen sind. Großartig! Vor Kurzem berichtete sie, dass die ganze Bussardfamilie immer noch um den Hof herum zu sehen ist.

Glaubt ihr’s nicht? Aber genauso ist’s gewesen 😉

Ein Nistkasten, zwei Eulenarten

18. September 2026|

von Franz Lindinger

Im Kölner Westen betreuen wir zwei Schleiereulenkästen, die in einer Scheune angebracht sind. Der obere Kasten, dessen Einflug nach außen führt, wurde in der Vergangenheit immer wieder von Turmfalken oder Nilgänsen besetzt. Um dies zu verhindern, hat Landwirt Martin Krist den Einflug eigens verkleinert.

Ende März begann jedoch ein Waldkauzpaar, den Kasten trotzdem zur Brut zu nutzen. Daraufhin wechselten die Schleiereulen in den neueren Kasten, der zum Inneren der Scheune hin geöffnet ist. Doch auch dort versuchte der Waldkauz immer wieder einzudringen, wie im Video zu sehen ist. Offenbar gelang ihm dies zumindest zeitweise, denn bei Kontrollen Anfang Mai fanden wir neben den Schleiereulen auch Federn des Waldkauzes im Kasten.

In den darauffolgenden Tagen zeigte sich jedoch, dass sich die Schleiereulen offenbar erfolgreich gegen den Eindringling behaupten konnten. Der Waldkauz überlebte die Auseinandersetzung nicht.

Der Waldkauz überlebte die Auseinandersetzung mit den Schleiereulen nicht.

Umso erfreulicher war schließlich der Ausgang für die Schleiereulen: Am 22. Mai konnten wir gemeinsam mit Beringer Carl Casper drei gesunde Jungvögel beringen.

Später im Jahr starteten die Schleiereulen im oberen Kasten sogar eine Zweitbrut. Anfang September konnten dort weitere vier Jungvögel erfolgreich beringt werden.

Das Waldkauzweibchen sitzt derweil noch immer draußen im Baum und wartet auf ein neues Männchen. Wir hoffen, dass sie bald wieder einen Partner findet – und dass es dann zu einem etwas friedlicheren Nebeneinander mit den Schleiereulen kommt.

Helfende Hände

5. September 2026|

von Andrea Caviezel

Hin und wieder fallen uns im Eulenschutz auch ganz uneulenhafte Vögel in die Hände. Auch diese werden aufgefangen und versorgt.

Dieses Sperberweibchen wird entlang einer gut funktionierenden Kette von Händen zu Händen gereicht: vom Finder zur Fängerin, zur Greifvogelhilfe, zur Tierärztin, zum Pfleger und zum Schluss wieder zur Fängerin, die zur Freilasserin wird.

Wunderschön, wenn’s gelingt!

Waldkauz-Love-Story

20. August 2026|

Text und Bilder von Andrea Caviezel
„In seinem Loch im Stamm der alten Eiche hockend, beobachtet Kauz. Kauz’ Augen sind kohleschachtschwarz, pechbrunnenschwarz. Kauz’ Augen sind Doppelbohrlöcher in einem Rohölsumpf. Keine Farbkugeln: reine Nacht, Zwölf-Kaliber-Läufe, Schattenplanetenpaar. Probier, Kauz zum Wegschauen zu zwingen, und du fällst kopfüber in Erdes sonnenlosen Kern.“
(Aus „Das Buch der Vögel“ von Jackie Morris und Robert Macfarlane)
20.
März
2026

„Ich weiß was!“, sagt mein Freund Jonas. „Komm mit!“ Also trabe ich ihm erwartungsvoll durch den Wald hinterher. Er weiß nämlich, in welchem Wald und in welchem Baum ein Waldkauz seinen Tageseinstand hat! Nicht sehr nah am Dorf, aber auch nicht besonders weit weg sitzt der Waldkauz in seinem Tageseinstand, als hätte Jonas ihn dorthin bestellt. Sein stahlharter Blick trifft das Auge meiner Kamera und ich bin zutiefst beeindruckt. Ich habe vorher noch nie einen Waldkauz in seiner ganzen Schönheit gesehen und dieser hat auch noch ein wunderbar rötlich gefärbtes Gefieder. Jonas und ich schauen uns vorsichtig um. Der aristokratisch rote Waldkauz lässt sich davon nicht stören.

Waldkauz © Andrea Caviezel

Ganz in der Nähe entdecken wir eine Buche mit einer alten Schwarzspechthöhle. Wir frohlocken.

10.
April
2026

Noch einige weitere Male sehen wir den „Roten“ in seinem Tageseinstand sitzen. Heute nicht. Ich schaue mich um. Gehe tastend von hier nach dort. Und plötzlich – schauen mich zwei „Zwölf-Kaliber-Doppellauf-Augen“ an! Waldkauz schaut empört aus der Bruthöhle und fliegt davon! Oh, wenn er nur dort brüten würde!

Waldkauz © Andrea Caviezel

14.
April
2026

Heute bin ich etwas schläfrig und im Waldkauz-Wald ist es sehr still. Fast greifbar ist die Stille – füllt den Raum dazwischen. Ich kneife die Augen zusammen, blinzle. Da blitzt etwas Weißes am Rand der Bruthöhle. Atemlos schaue ich durchs Fernglas, verblüfft über mein unverschämtes Glück. Ein kleiner Waldkauz döst im Sonnenschein. Aufgeregt berichte ich Jonas: „Ich weiß was!“

Waldkauz © Andrea Caviezel

15. + 17.
April
2026

Durch regelmäßiges Beobachten versuchen wir, die Anzahl der Jungvögel und das ungefähre Alter zu bestimmen. Denn der ehrgeizige Entschluss, die Jungvögel zu beringen, ist gefasst. Ich bin mir sicher, dass es mindestens zwei kleine Käuze sind. Das Alter anzusprechen fällt mir schwerer. Ist doch immer nur ein winzig kleiner Teil der Jungvögel zu sehen. An einem Tag habe ich den Eindruck, so etwas wie einen Gesichtsschleier zu erkennen und etwas mehr als nur weiße Flaumfedern. Jetzt muss Stefan ran, denn die Bruthöhle liegt in einer respektablen Höhe.

20.
April
2026

Stefan freut sich darauf, die Waldkäuze kennenzulernen. Ich bin in erster Linie aufgeregt, denn heute sollen die „Wäuzchen“ ihren Ring bekommen. Wir laden die Riesenleiter auf den Eulen-Landrover und rumpeln dem kleinen Abenteuer entgegen. Die Leiter steht perfekt und Stefan greift ins Ungewisse.

Auf der Fahrt erzählt er mir, wie er als Junge einmal unbedarft in eine Waldkauzhöhle gegriffen hatte und unter Schmerzen und Mühe versuchte, den todesmutigen Waldkauz, der mit aller Entschlossenheit versuchte, seine Hand umzubringen, wieder loszuwerden. Aber heute ist alles ganz anders, nämlich ganz wunderbar!

Drei junge Waldkäuze kommen sicher am Seil in dem berühmten Uhurucksack zu mir herunter. Die „Wäuze“ im Rucksack kneifen ihre Augen zusammen und sind „nicht da“. Beim Rausnehmen greifen sie nach meiner Hand und halten mich kräftig fest. Mir ist ein bisschen ehrfürchtig zumute. Wenn ich Enkel hätte, würde ich ihnen dieses Erlebnis auf jeden Fall erzählen – wieder und wieder.

27.
April
2026

Fliegen umkreisen den Eingang der Bruthöhle, ansonsten ist es sehr still. Plötzlich ein Warnruf von einem Waldkauz-Altvogel! „Aber doch nicht wegen mir?“, denke ich. Ich gehe in Richtung des Warnrufes und schaue hoch in die Bäume. Ernst, schmal und flaumfeder-puschelig schaut mich ein Jungvogel an. Flügge! Sie sind raus!

Waldkauz © Andrea Caviezel

30.
April
2026

Jonas und ich wollen unsere flügge gewordenen „Wäuze“ noch einmal besuchen. Wir treffen uns im Waldkauz-Wald. Jonas war etwas früher da als ich und hat die Gegend nach den Jungvögeln erkundet. Er entdeckt die drei etwa 500 m weiter in einem ganz anderen Teil des Waldes. Ein Bussard hat ihn durch sein ungewöhnliches verleitendes Verhalten auf die Jungvögel aufmerksam gemacht. So finden wir sie dicht gedrängt auf einem Ast im Buchenwald.

Waldkäuze © Andrea Caviezel

Kitschig? Kann sein. Aber genauso ist es gewesen!

Haben Sie weitere Fragen zur Arbeit der EGE? Wir stehen gerne zur Verfügung!

Haben Sie weitere Fragen zur Arbeit der EGE?
Wir stehen gerne zur Verfügung!

Haben Sie weitere Fragen zur Arbeit der EGE? Wir stehen gerne zur Verfügung!

Nach oben