Manchmal führt praktische Naturschutzarbeit weiter, als man zunächst denkt. Im Sommer begleitete ein Team der Deutschen Welle Andrea Caviezel und Jonas Bode bei einer Kontrolle von Steinkauz-Nisthilfen in den Streuobstwiesen zwischen Bonn und Köln.
Der englischsprachige Film zeigt, wie die Nisthilfen kontrolliert, junge Steinkäuze beringt und wichtige Daten gesammelt werden. Vier gesunde Jungvögel in einem der kontrollierten Brutplätze sind dabei ein erfreuliches Zeichen. Zugleich macht der Beitrag deutlich, dass Nisthilfen allein nicht genügen: Entscheidend sind geeignete Lebensräume mit ausreichend Nahrung und kurzrasigen Flächen, auf denen die kleinen Eulen Mäuse, Käfer und andere Beutetiere erreichen können. Gerade diese Lebensräume werden jedoch vielerorts knapper. Streuobstwiesen verschwinden durch Bebauung oder verändern sich, wenn eine regelmäßige Beweidung ausbleibt. Der Film verbindet deshalb die konkrete Arbeit vor Ort mit einer größeren Frage: Wie lassen sich Lebensräume langfristig erhalten, bevor Arten aus ihnen verschwinden?
Auch der Uhu und die Arbeit der EGE kommen im Beitrag zur Sprache. Die Deutsche Welle erinnert an den dramatischen Rückgang des Uhus in Deutschland und an seine erfolgreiche Rückkehr durch jahrzehntelange Schutzarbeit. Zu sehen sind dabei auch unsere Webcams, mit denen sich das Leben der Uhus heute unmittelbar beobachten lässt. Eine weitere Station des Films führt zu einer Auffangstation für verletzte und verwaiste Greifvögel. So zeigt der Beitrag verschiedene Seiten des praktischen Artenschutzes – von der Betreuung von Brutplätzen und dem Erhalt geeigneter Lebensräume bis zur Pflege und späteren Auswilderung einzelner Tiere.
Praktischer Artenschutz vor Ort schafft Wissen, das weit über den einzelnen Brutplatz hinausreicht. Die über viele Jahre erhobenen Daten, gesammelten Erfahrungen und die daraus entstandene Expertise der EGE sind auch für den internationalen Austausch relevant – und können dazu beitragen, Artenschutz und den Erhalt von Lebensräumen über regionale Grenzen hinweg weiterzuentwickeln.
Besonders spannend ist auch der Hintergrund des Films: Er entstand für das DW-Umweltmagazin „Eco India“, das sich insbesondere an ein Publikum in Indien richtet. Das Land steht im Zuge seiner wirtschaftlichen Entwicklung, in Landwirtschaft und Industrie vor vielen Umweltfragen und Herausforderungen, mit denen Deutschland und Europa bereits seit Jahrzehnten Erfahrungen gesammelt haben – nicht immer erfolgreich.
Manche Probleme wurden gelöst, bei anderen wurden Fehler gemacht, deren Folgen bis heute sichtbar sind. „Eco India“ möchte für solche Entwicklungen sensibilisieren und anhand von Beispielen zeigen, welche Lösungswege funktionieren können und welche Fehler sich möglichst vermeiden lassen. Auch deshalb finden dort Umwelt- und Naturschutzgeschichten aus Europa ihren Platz. So führte der Weg von Andrea, Jonas und den Steinkäuzen zwischen Bonn und Köln schließlich zu einem Publikum weit über Deutschland hinaus.
Der Beitrag „Saving threatened owls in Germany“ wurde am 30. Juli 2025 von der Deutschen Welle veröffentlicht.
