Steinkauz im Fokus

Steinkauz im Fokus2026-10-16T07:34:20+02:00

Ein kleiner Kauz braucht große Unterstützung.

Der Steinkauz gehört seit vielen Jahren zu den Arten, für deren Schutz sich die EGE besonders engagiert. Neben dem Uhu soll deshalb auch diese kleine Eule künftig stärker in den Mittelpunkt unserer Öffentlichkeitsarbeit rücken. Denn an ihrem Beispiel lässt sich besonders anschaulich zeigen, wie eng Lebensraum, geeignete Brutplätze und kontinuierliche praktische Schutzarbeit miteinander verbunden sind. Ehrenamtliche Eulenschützer kontrollieren Reviere und Brutplätze, erfassen den Bestand, beringen Jungvögel und kümmern sich um Nisthilfen – vom Bau und Anbringen bis zur regelmäßigen Wartung und Reparatur. Ebenso wichtig ist es, geeignete Lebensräume zu erhalten und dort neue Brutmöglichkeiten zu schaffen, wo natürliche Höhlen fehlen.

In „Steinkauz im Fokus“ begleiten wir diese Arbeit und vor allem die kleinen Eulen, um die sich alles dreht. Wir erzählen von erfolgreichen und gescheiterten Bruten, ungewöhnlichen Beobachtungen, neuen Brutplätzen und Käuzen, deren Geschichte sich dank ihrer Beringung über viele Jahre verfolgen lässt. Dabei zeigen wir auch die Menschen, die sich oft seit Jahrzehnten um „ihre“ Steinkäuze kümmern, ihr Wissen weitergeben und gemeinsam mit anderen Naturschützern neue Helfer für diese Arbeit gewinnen.

Mit Fotos, Geschichten und Videos entsteht so nach und nach ein unmittelbarer Einblick in das Leben des Steinkauzes – und in die vielen kleinen, kontinuierlichen Maßnahmen, die notwendig sind, damit er bei uns eine Zukunft hat.

Drei neue Bäume für den Steinkauz

16. Oktober 2026|

Text und Bilder von Moritz Swars

Ein Steinkauz braucht keine tiefe Wildnis, sondern eine offene, abwechslungsreiche Kulturlandschaft: kurzrasige Flächen zum Jagen, geeignete Ansitzplätze, Verstecke für den Tag und sichere Möglichkeiten zum Brüten.

Genau einen solchen Lebensraum gibt es am Vorgebirgsblick im Rhein-Sieg-Kreis bereits. Hier lebt ein Steinkauz, der derzeit einen Schuppen als Unterschlupf und Brutplatz nutzt. Doch ob solche Gebäude über Jahrzehnte erhalten bleiben, ist ungewiss. Schuppen oder Vieh- und Pferdeunterstände können verschwinden, wenn Flächen nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden. Deshalb lohnt es sich, schon heute dafür zu sorgen, dass auch künftig geeignete Strukturen vorhanden sind.

Also haben wir gepflanzt: eine Walnuss, einen Feldahorn und eine Süßkirsche. Die drei jungen Bäume sollen den vorhandenen Lebensraum langfristig aufwerten und sichern. Wenn sie einmal groß genug sind, können sie den Käuzen Deckung und einen geschützten Tageseinstand bieten. Vielleicht wird später auch eine Nisthilfe an einem der Bäume ihren Platz finden. Und mit viel Zeit entstehen möglicherweise sogar natürliche Höhlen. Es ist eine Investition in die Zukunft, deren Ergebnis vermutlich erst unsere Nachfolger bei ihren Kontrollen erleben werden.

Zuerst kam der Spaten zum Einsatz. Der Boden war ein Traum: locker, dunkel und voller Regenwürmer. Für uns ist das ein gutes Zeichen, denn Regenwürmer stehen auch auf dem Speiseplan des Steinkauzes. Danach hieß es: Pfähle setzen. Mit der Pfahlramme ging das erstaunlich zügig, und jeder Schlag saß. Die Pfähle geben den jungen Bäumen Halt gegen den Wind, der hier über die Wiese pfeift. Mit Kokosstrick wurden die Stämmchen daran befestigt. Dann gab es noch eine ordentliche Portion Wasser. Die Bäume wurden gründlich eingeschlämmt, damit sich die Erde um die Wurzeln legt und keine Hohlräume bleiben. Zum Schluss sah die Pflanzstelle aus wie eine kleine Schlammpackung – und das ist genau richtig so.

Ein Detail durfte natürlich nicht fehlen: der Baumschutz. Auf der Fläche grasen Schafe, und die sind bei jungen Bäumen leider ziemlich neugierig. Blätter und zarte Triebe schmecken ihnen bestens. Ein Drahtgitter um jeden Stamm schützt die Bäumchen deshalb, bis sie groß genug sind. Die Schafe haben unsere Aktion übrigens entspannt aus der Ferne begleitet. Und sie leisten selbst einen wichtigen Beitrag zum Steinkauzlebensraum: Als natürliche Rasenmäher sorgen sie dafür, dass das Gras kurz bleibt und der Kauz bei der Jagd an seine Beute gelangt.

Jetzt heißt es: Geduld haben und gelegentlich nach dem Rechten sehen. Bei unseren regelmäßigen Kontrollen können wir künftig nicht nur nach den Steinkäuzen schauen, sondern auch verfolgen, wie aus drei kleinen Bäumchen nach und nach ein Stück Lebensraum für die Zukunft entsteht. Und wer weiß: Vielleicht sitzt irgendwann ein kleiner Kauz im Geäst und schaut uns streng an.

Vielen Dank an die Familie Tokus, die die Fläche zur Verfügung stellt und damit diese langfristige Aufwertung des Steinkauzlebensraums ermöglicht.

Wenn Eulenschutz um die Welt geht

5. Oktober 2026|

Manchmal führt praktische Naturschutzarbeit weiter, als man zunächst denkt. Im Sommer begleitete ein Team der Deutschen Welle Andrea Caviezel und Jonas Bode bei einer Kontrolle von Steinkauz-Nisthilfen in den Streuobstwiesen zwischen Bonn und Köln.

Der englischsprachige Film zeigt, wie die Nisthilfen kontrolliert, junge Steinkäuze beringt und wichtige Daten gesammelt werden. Vier gesunde Jungvögel in einem der kontrollierten Brutplätze sind dabei ein erfreuliches Zeichen. Zugleich macht der Beitrag deutlich, dass Nisthilfen allein nicht genügen: Entscheidend sind geeignete Lebensräume mit ausreichend Nahrung und kurzrasigen Flächen, auf denen die kleinen Eulen Mäuse, Käfer und andere Beutetiere erreichen können. Gerade diese Lebensräume werden jedoch vielerorts knapper. Streuobstwiesen verschwinden durch Bebauung oder verändern sich, wenn eine regelmäßige Beweidung ausbleibt. Der Film verbindet deshalb die konkrete Arbeit vor Ort mit einer größeren Frage: Wie lassen sich Lebensräume langfristig erhalten, bevor Arten aus ihnen verschwinden?

Auch der Uhu und die Arbeit der EGE kommen im Beitrag zur Sprache. Die Deutsche Welle erinnert an den dramatischen Rückgang des Uhus in Deutschland und an seine erfolgreiche Rückkehr durch jahrzehntelange Schutzarbeit. Zu sehen sind dabei auch unsere Webcams, mit denen sich das Leben der Uhus heute unmittelbar beobachten lässt. Eine weitere Station des Films führt zu einer Auffangstation für verletzte und verwaiste Greifvögel. So zeigt der Beitrag verschiedene Seiten des praktischen Artenschutzes – von der Betreuung von Brutplätzen und dem Erhalt geeigneter Lebensräume bis zur Pflege und späteren Auswilderung einzelner Tiere.

Praktischer Artenschutz vor Ort schafft Wissen, das weit über den einzelnen Brutplatz hinausreicht. Die über viele Jahre erhobenen Daten, gesammelten Erfahrungen und die daraus entstandene Expertise der EGE sind auch für den internationalen Austausch relevant – und können dazu beitragen, Artenschutz und den Erhalt von Lebensräumen über regionale Grenzen hinweg weiterzuentwickeln.

Besonders spannend ist auch der Hintergrund des Films: Er entstand für das DW-Umweltmagazin „Eco India“, das sich insbesondere an ein Publikum in Indien richtet. Das Land steht im Zuge seiner wirtschaftlichen Entwicklung, in Landwirtschaft und Industrie vor vielen Umweltfragen und Herausforderungen, mit denen Deutschland und Europa bereits seit Jahrzehnten Erfahrungen gesammelt haben – nicht immer erfolgreich.

Manche Probleme wurden gelöst, bei anderen wurden Fehler gemacht, deren Folgen bis heute sichtbar sind. „Eco India“ möchte für solche Entwicklungen sensibilisieren und anhand von Beispielen zeigen, welche Lösungswege funktionieren können und welche Fehler sich möglichst vermeiden lassen. Auch deshalb finden dort Umwelt- und Naturschutzgeschichten aus Europa ihren Platz. So führte der Weg von Andrea, Jonas und den Steinkäuzen zwischen Bonn und Köln schließlich zu einem Publikum weit über Deutschland hinaus.

Der Beitrag „Saving threatened owls in Germany“ wurde am 30. Juli 2025 von der Deutschen Welle veröffentlicht.

Haben Sie weitere Fragen zur Arbeit der EGE? Wir stehen gerne zur Verfügung!

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