Text und Bilder von Moritz Swars

Ein Steinkauz braucht keine tiefe Wildnis, sondern eine offene, abwechslungsreiche Kulturlandschaft: kurzrasige Flächen zum Jagen, geeignete Ansitzplätze, Verstecke für den Tag und sichere Möglichkeiten zum Brüten.

Genau einen solchen Lebensraum gibt es am Vorgebirgsblick im Rhein-Sieg-Kreis bereits. Hier lebt ein Steinkauz, der derzeit einen Schuppen als Unterschlupf und Brutplatz nutzt. Doch ob solche Gebäude über Jahrzehnte erhalten bleiben, ist ungewiss. Schuppen oder Vieh- und Pferdeunterstände können verschwinden, wenn Flächen nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden. Deshalb lohnt es sich, schon heute dafür zu sorgen, dass auch künftig geeignete Strukturen vorhanden sind.

Also haben wir gepflanzt: eine Walnuss, einen Feldahorn und eine Süßkirsche. Die drei jungen Bäume sollen den vorhandenen Lebensraum langfristig aufwerten und sichern. Wenn sie einmal groß genug sind, können sie den Käuzen Deckung und einen geschützten Tageseinstand bieten. Vielleicht wird später auch eine Nisthilfe an einem der Bäume ihren Platz finden. Und mit viel Zeit entstehen möglicherweise sogar natürliche Höhlen. Es ist eine Investition in die Zukunft, deren Ergebnis vermutlich erst unsere Nachfolger bei ihren Kontrollen erleben werden.

Zuerst kam der Spaten zum Einsatz. Der Boden war ein Traum: locker, dunkel und voller Regenwürmer. Für uns ist das ein gutes Zeichen, denn Regenwürmer stehen auch auf dem Speiseplan des Steinkauzes. Danach hieß es: Pfähle setzen. Mit der Pfahlramme ging das erstaunlich zügig, und jeder Schlag saß. Die Pfähle geben den jungen Bäumen Halt gegen den Wind, der hier über die Wiese pfeift. Mit Kokosstrick wurden die Stämmchen daran befestigt. Dann gab es noch eine ordentliche Portion Wasser. Die Bäume wurden gründlich eingeschlämmt, damit sich die Erde um die Wurzeln legt und keine Hohlräume bleiben. Zum Schluss sah die Pflanzstelle aus wie eine kleine Schlammpackung – und das ist genau richtig so.

Ein Detail durfte natürlich nicht fehlen: der Baumschutz. Auf der Fläche grasen Schafe, und die sind bei jungen Bäumen leider ziemlich neugierig. Blätter und zarte Triebe schmecken ihnen bestens. Ein Drahtgitter um jeden Stamm schützt die Bäumchen deshalb, bis sie groß genug sind. Die Schafe haben unsere Aktion übrigens entspannt aus der Ferne begleitet. Und sie leisten selbst einen wichtigen Beitrag zum Steinkauzlebensraum: Als natürliche Rasenmäher sorgen sie dafür, dass das Gras kurz bleibt und der Kauz bei der Jagd an seine Beute gelangt.

Jetzt heißt es: Geduld haben und gelegentlich nach dem Rechten sehen. Bei unseren regelmäßigen Kontrollen können wir künftig nicht nur nach den Steinkäuzen schauen, sondern auch verfolgen, wie aus drei kleinen Bäumchen nach und nach ein Stück Lebensraum für die Zukunft entsteht. Und wer weiß: Vielleicht sitzt irgendwann ein kleiner Kauz im Geäst und schaut uns streng an.

Vielen Dank an die Familie Tokus, die die Fläche zur Verfügung stellt und damit diese langfristige Aufwertung des Steinkauzlebensraums ermöglicht.