Uhu-Webcams

Tagebuch2023-10-24T09:22:34+02:00

Unser Tagebuch

Unsere ausführlichen Tagebuch-Beiträge bieten nicht nur spannende Einblicke in das Leben der Uhus durch unsere Webcams, sondern liefern auch wertvolle Zusatz- und Hintergrundinformationen, die ein umfassenderes Verständnis für diese faszinierenden Vögel ermöglichen.

Ein Jahr ohne Brut?

6. April 2022|

Liebe Freundinnen und Freunde der Uhu – und Waschbären – Cam,
in der vergangenen Woche konnten wir häufiger Waschbären als Uhus beobachten. Zwei Bären wurden abends vom Schneefall überrascht, dann übernachteten und übertagten sie in der Felsspalte hinter der Brutnische. In den Jahren zuvor nutzten die Uhus diese Stelle noch als Kühlschrank für ihr Nahrungsdepot. Am Samstagabend schien es, als würden die Bären an der Familienplanung arbeiten, ganz anders als wir es uns wünschen…

Keine Uhus im Nestbereich, deshalb können sich die Bären breitmachen
Nach meiner Einschätzung sind die ausgeprägten Bären-Aktivitäten im traditionellen Uhunest nur möglich, weil sich unser Uhupaar in den vergangenen Wochen weniger für diesen Bereich der Felswand interessierte. Die Uhus hielten sich meist am Nebenfelsen auf. Hätten sie sich noch oft im Nestbereich vor der Cam aufgehalten, wäre es früher oder später zur Konfrontation mit den Waschbären gekommen und es wäre für die Vierbeiner wahrscheinlich ein erschreckendes Erlebnis gewesen. (erinnern Sie Lottes Angriff auf den Fuchs? LINK) Ihrem Wesen nach sind sie zwar penetrant, aber gleichzeitig auch „kleine Schisser“.

Die Erfahrung mit dem Fuchs
Erstaunlich viele Uhunistplätze in der Eifel sind auch für Vierbeiner zugänglich und bei meinen Kontrollen sind schlafende Füchse im Uhunest ein regelmäßiger Anblick. Es sind dann jedoch immer jene Brutnischen, die im betreffenden Jahr nicht genutzt werden. Oft sind die Uhus ein Jahr später wieder zurück im Traditionsnest. Sicher nicht, weil sie von den Füchsen eingeladen wurden, sondern eher, weil sie sich ihr Hausrecht zurück erobert haben. Uhus haben durchaus einen Instinkt, der ihnen rät, Füchse im Nestbereich nicht zu dulden. Erwachsene Füchse haben von erwachsenen Uhus mehr Unannehmlichkeiten zu befürchten als andersherum. Uhus greifen lautlos von hinten oben im Dunkeln an und dies ist so ziemlich das Unangenehmste, dass einem passieren kann. So ergibt sich tendenziell eine Rangordnung zwischen den Arten. Es schließt jedoch nicht aus, das auch mal ein sehr geschickter Fuchs einen besonders ungeschickten Uhu erbeuten könnte.
Waschbären sind jedoch weniger auf das Überwältigen großer Beutetiere ausgelegt als Füchse. Sie dürften daher für erwachsene Uhus noch weniger gefährlich sein.
In der Beziehung zum Fuchs haben Uhus weitere Möglichkeiten: Wenn ihr Konkurrent Beute gemacht hat, greift der Uhu ihn an, während der Vierbeiner durch das Tragen der Nahrung wenig wehrhaft ist. Uhus sind akustisch orientiert und können schnell vor Ort sein, um diese angreifbare Situation auszunutzen. Sind es halbwüchsige Füchse, müssen sie dabei um ihr Leben fürchten und verlieren nicht nur die Beute. Solche Erlebnisse können den Respekt vor Uhus festigen.
Waschbären jedoch ernähren sich eher von kleinen Tieren und auch vegetarisch. Ihre Beute ist für Uhus in der Regel weniger interessant. Im Gegensatz zum Uhu ist der Kleinbär auch mehr im Wald als im Offenland unterwegs und die Jagdgebiete überschneiden sich weniger.

Ein „kritischer“ Instinkt?
Wir können nicht ausschließen dass es bei unserem Uhupaar einen „kritischen Instinkt“ gibt. Er könnte ihnen ein irritiertes Gefühl wegen der abgebrochenen Jungenaufzucht des Vorjahres oder ein kleines Unbehagen den noch recht fremden Waschbären gegenüber eingeflüstert haben. Uhus sind individuell sehr verschieden und haben auch verschiedene Verhaltensmuster. Vielleicht meiden die Uhus die Bären bis sie mehr Erfahrung mit ihnen haben? Orientierte sich Lotte daher zum Nebenfelsen? Ich glaube es nicht, aber möglich wäre es. Sind die Waschbären für unsere Uhus wirklich noch „fremde Wesen“ oder gab es fernab der Cam in den vergangenen Jahren schon Auseinandersetzungen der beiden Arten und die Rangordnung ist längst ausgemacht? Sehen die Uhus in den Bären keine ernste Gefahr, weil sie sich überlegen fühlen?

Uhu vers. Waschbär in anderen Regionen
Aus dem Raum Wülfrath berichtet der dortige Uhukenner Detlef Regulski von Auseinandersetzungen zwischen Uhu und Waschbär. Die Uhupaare dort haben ihre Arbeitsteilung bei der Jungenaufzucht an die Bedrohung der Nestlinge durch den Kleinbären angepasst. Die Uhuweibchen bleiben zur Bewachung der Jungvögel ständig vor Ort, die Männchen sind allein für den Nahrungserwerb zuständig bis die Jungen ausreichend wehrhaft und mobil sind. Zum Uhunest drängende Waschbären werden ausdauernd angegriffen und geben irgendwann auf. In einem großflächigen Steinbrüch wurden die Jungvögel von drei Uhupaaren flügge, gleichzeitig leben dort mehrere Waschbärclans.
Wie sich “unsere“ Kleinbären vor der Cam nach einer Uhuattacke verhalten wissen wir nicht. Oder noch nicht.

An der Ahr
Bei unserem Uhupaar an der Ahr könnte es längerfristig einen neuralgischen Punkt geben. Leo war (im Gegensatz zu seinem Vorgänger) noch nie wirklich in der Lage seine Familie alleine zu versorgen. Es gab viele Nächte in denen noch sehr kleine Uhuküken stundenlang von beiden Eltern alleine gelassen wurden, weil Lotte zwingend mit jagen musste. Nur daher war das Desaster im Vorjahr möglich. Werden unsere Uhus eine Lösung für das Problem finden? Mit ein wenig Hilfe meinerseits können sie zwar rechnen, die Problematik gänzlich auszuschalten wird jedoch nicht gelingen. Vielleicht sind diese Uhus an diesem Brutplatz mit Waschbären auch nicht die richtigen, um die Situation zu meistern. Auch das wäre möglich. Sicherlich ist Leo größeren Vierbeinern gegenüber weniger kampfbereit als sein Vorgänger, der dutzende Jungfüchse erbeutete. Als er vor Jahren einem Fuchs im Nestbereich begegnete beließ er es bei Drohgebärden.

Sichere Brutnische?
Keine fünfzehn Meter von der Cam entfernt gibt es eine sehr sichere Brutnische. Sie liegt in einem senkrechten nackten Felsbereich unter einem Überhang und beherbergt ein großes altes Nest. „Schwarzstorchhorst“ nennen wir diesen Brutplatz. Schon als wir 1980 erstmals mit der Beobachtung des Felsens begannen, war das Nest aus Ästen und Rebabschnitten dort. Wir vermuten, dass es damals schon viele Jahrzehnte alt war. 1996 brüteten die Uhus dort. Am Seil hängend hatte ich Mühe, in das durch den Überhang geschützte Nest zu gelangen. Sollten Waschbären versuchen, diese Stelle zu erreichen, müssten sie eine gewagte Kletterpartie ohne Deckung von Büschen oder Bäumen hinlegen. Schon durch ein kleiner Rempler könnten sie zum Sturz in die Tiefe gebracht werden.
Offensichtlich fehlt unseren Uhus der Drang, den möglichst sichersten Brutplatz zu wählen. Vielleicht war dieser Instinkt in den vergangenen 40 Jahren noch weniger überlebenswichtig und wird nun erst nach und nach entscheidender für den Bruterfolg. Möglicherweise werden sich zukünftig in manchen Uhulebensräumen nur jene vermehren, die über die hier passenden Instinkte verfügen.

Uhus sind individuell verschieden, vielseitig und oft erfolgreicher, als wir ihnen zutrauen.
Obwohl Uhus nicht sonderlich intelligent zu sein scheinen, ist die Programmierung ihrer Instinkte doch immer wieder erstaunlich schlau. Auch nach über 40 Jahren Uhubeobachtung überraschen mich die großen Eulen immer wieder mit der Vielfalt unterschiedlicher Verhaltensmuster.
Ein Beispiel: Zwei Uhuweibchen in der Eifel kennen den Klang meiner Autotüre und wenn ich am Aussichtspunkt zum Uhubrutplatz angekommen bin, haben sie sich schon in einer Höhle hinter der Brutnische vor mir versteckt. Es ist ihnen unangenehm, beim Brüten von Mensch (oder von mir, der ich später an ihr Nest klettere) angeschaut zu werden. Sie haben eine Taktik entwickelt, um mit der Situation zurecht zu kommen. Andere Uhus an anderen Brutplätzen werden von dutzenden Menschen während der Jungenaufzucht regelmäßig beobachtet, dort haben sich die Uhus daran gewöhnt und sind dabei so entspannt, als wären die Menschen ein Grasbüschel im Wind.

Ein Jahr ohne Brut?
Seit Beginn der Webcam Übertragung 2008 haben die Uhus schon mehrfach eine Brut ausgelassen. Dies könnte auch in 2022 der Fall sein. Den „versteckten, neuen Sitzplatz von Lotte“ konnte ich zwischenzeitlich ausspionieren. Am 2.4. saß sie dort aufrecht und es gibt keine Anzeichen einer Eiablage.

Andererseits können wir in jeder Nacht mehrfach Kopulationen hören, eine Brut wäre also immer noch möglich. Die direkten Nachbarn ahraufwärts brüten bisher nicht, die Nachbarn ahrabwärts beginnen gerade mit der Eiablage. Das Brutpaar noch weiter ahrabwärts hatte am Samstag den 2.4. schon kleine Küken. Generell scheinen in der Eifel 2022 ¼ bis 1/3 der Uhus nicht zu brüten, ein Zusammenhang mit den Waschbären ist daher keinesfalls sicher anzunehmen.

Sinn und Zweck der Cam
Die EGE betreibt die Cam auch zur „Unterhaltung“. Darüber hinaus bietet die Übertragung jedoch auch Einblicke ins Uhuleben, die anders nicht möglich wären und kann wichtige Impulse zum Schutz für Uhus und ihren Lebensraum geben. So konnten wir die „Spritzhubschrauberproblematik“ erkennen und entschärfen.
Nun haben wir die Möglichkeit, den Einfluss der invasiven Waschbären zu erkennen und zu dokumentieren. Die Möglichkeit, dieses Spannungsfeld genau zu beobachten, ist einzigartig und kann viele Erkenntnisse liefern.
Sollten viele Zuseher abspringen und sollte auch das Spendenaufkommen dadurch sinken, werden wir es wohl in Kauf nehmen müssen.

Mit vielen Grüßen und nicht mehr viel Hoffnung auf eine diesjährige Brut vor der Cam

Ihr Stefan Brücher

Brutbeginn fraglich

28. März 2022|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

obwohl sich Leo bei der diesjährigen Balz besonders engagierte ist ein Brutbeginn bei unseren Uhus leider weiterhin fraglich. Zwar konnten wir mehrmals beide Partner im traditionellen Nest beobachten, eine Eiablage fand dort jedoch nicht statt. Es scheint als wäre Lotte trotz Leos Bemühungen (noch?) nicht wirklich in Brutstimmung.

In der vergangenen Woche bettelte Lotte in der Abenddämmerung mehrmals von einem uns bisher unbekannten Sitzplatz aus und auch die Geräuschkulisse von Kopulationen war mehrfach zu hören. Die Familienplanung scheint also zumindest noch nicht ganz abgeschlossen zu sein, auch können wir eine versteckte Brut hinter dem neuen Sitzplatz nicht ausschließen. Dieser Bereich ist wegen der Vegetation nur sehr schlecht einsehbar aber wegen der gebotenen Vorsicht konnte ich die Situation dort bislang nicht klären. Schon ein einmaliges Verscheuchen vom Gelege verursacht bei Uhus meist die Brutaufgabe, daher gilt es die Neugierde im Zaum zu halten. Unser Interesse an Bildern vom Nest darf den Bruterfolg nicht gefährden.

Die anderen Eifeluhus

Bei den anderen Uhus in der Eifel zeigt sich in diesem Jahr ein sehr unterschiedliches Bild. Viele brüten spät aber wie gewohnt im traditionellen Nest. Bei anderen sind kaum Spuren für die Anwesenheit von Uhus zu finden. Bei etwa einem Drittel der Vorkommen ist noch unklar, ob eine spätere Eiablage noch folgen wird.

Bessere Bildqualität  

Für die kommende Woche erhoffe ich mir von einer leistungsstärkeren Antenne eine deutlich bessere Bildqualität. Vielleicht trägt diese dann auch zur Klärung des Brutverlaufs bei.

In jedem Fall bleibe ich dran und hoffe weiterhin auf eine Brut vor der Cam.

 

Ihr Stefan Brücher

Intensive Balz

19. Februar 2022|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

nun endlich läuft die Cam wieder richtig! Als Belohnung konnten wir und hoffentlich auch Sie direkt am Abend des 17. Februar das Uhupaar in voller Aktion in der Nistmulde sehen (siehe aktueller Videorückblick). Der männliche Uhu ist wie Leo links beringt und benimmt sich auch wie wir es von Leo kennen. Er scharrte laut tuckernd im Nest und die vermutliche Lotte schaute nicht weniger laut rufend zu. Es scheint ganz so, als würden die beiden das Traditionsnest erneut für die Brut wählen.

Wie wir vermuteten, hat sich die dramatische Waschbärattacke auf den Uhunachwuchs der vergangenen Jahres dem Gedächtnis der beiden Altvögel nicht abschreckend eingeprägt. Sie hatten das Geschehen nicht beobachtet und daher gilt wohl auch bei den Uhus „Business as usual”.

Anders als erhofft, war der Waschbär damals vermutlich kein einsamer Wanderer und nur auf der Durchreise. Jedenfalls konnten wir in diesem Jahr schon dreimal einen Waschbären im Nestbereich der Uhus beobachten. Aufgrund der lückenhaften Videoübertragung wissen wir nicht, ob sich Waschbär und Uhus schon begegnet und dabei vielleicht aneinandergeraten sind. Zumindest einmal ist der Waschbär auch auf der Fläche vor der Nistmulde entlanggelaufen.(Video) Vermutlich haben die Uhus dies nicht gesehen und konnten die Gelegenheit für einen Überraschungsangriff leider nicht nutzen.

Der Waschbär ist in Deutschland eine aus Nordamerika eingeschleppte invasive Art. Deshalb sehen wir Brutverluste durch Waschbären nicht einfach als ein naturimmanentes und hinzunehmendes Geschehen. Die örtlichen Jäger im Revier von Lotte und Leo sind bemüht den Waschbären nachzustellen. Zusätzlich haben wir die Möglichkeit abwehrende Duftstoffe im Zugangsweg des Bären zu deponieren.

Nun ist jedoch erstmal intensive Balz angesagt, ich wünsche uns schöne Beobachtungen.

Ihr Stefan Brücher

 

Mehr schlecht als recht

28. Januar 2022|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

nach den ersten zehn Tagen ist die Bilanz des Live-Streams sehr ernüchternd. Oft kommt die LTE-Übertragung erst gar nicht zu Stande, und falls doch, reißt sie auch schnell wieder ab. Es ist genau so, wie wir es schon häufig erlebt haben: neue Technik, neue Probleme. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Übertragung nach und nach zu verbessern. Seien Sie bitte versichert, wir bleiben dran!

Von unseren Uhus lässt sich nicht viel Neues berichten. In jedem Fall ist ein Paar vor Ort. Weitere Einzelheiten können wir noch nicht beurteilen.

 

Ihr Stefan Brücher

Wieder online!

18. Januar 2022|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

nun endlich läuft die Uhu-Webcam wieder. Nach sechs Monaten „Entzug“ können wir wieder Livebilder vom traditionellen Uhubrutplatz an der Ahr übertragen. Wie auf Bestellung waren am frühen Abend des 17. Januar 2022 schon Rufe eines männlichen Uhus und in den Morgenstunden des 18.01.2022 beide Uhus zu hören.

Die neue, auf dem LTE-Netz basierende Übertragungstechnik birgt leider Schwankungen in der Verbingungsqualität, und auch die Stromversorgung steht noch auf wackeligen Beinen. Unterbrechungen sind durchaus möglich, aber dennoch bin ich sehr erleichtert, dass die Cam nun endlich wieder online ist.

Manche Anwohner der Ahr sprachen mich auf die Webcam an; sie wünschen sich die Livebilder aus der Felswand als kleines Zeichen einer noch weit entfernten Normalität zurück. „Es wäre ein gutes Zeichen“, sagen viele Menschen aus der Region.

Viele Häuser sind unbewohnt, die Straße am Ahrufer ist teils nur noch einspurig vorhanden, der Fluss transportiert noch immer eine braune Brühe.

Die groben Aufräumarbeiten im Ahrtal sind schon weit fortgeschritten, das Flussbett ist wiederhergestellt. Dort, wo es wilde unzugängliche Bereiche gab, ist jetzt alles kahl. Es sieht hier aus wie in einer frisch angelegten Parkanlage. Die Bagger räumen auf, können jedoch keine Natur wiederherstellen. Allenfalls vermögen sie leichte Unregelmäßigkeiten im linearen Verlauf der Uferböschung zu modellieren. Das nun glattgezogene Erdreich giert nach sprießendem Grün, damit sich die Wunden zumindest optisch etwas schließen und alles etwas lebendiger wirkt. Es wird dauern.

Noch wissen wir nicht, ob Leo noch Leo und Lotte noch Lotte ist. Warten wir es ab.

 

Ihr Stefan Brücher

Das Ahrtal ist nicht mehr so wie wir es kannten

3. August 2021|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
das Ahrtal ist nicht mehr so wie wir es kannten. Unglaubliche Verwüstungen und menschliche Tragödien ereigneten sich am 85 km langen Fluss.

Schon am Oberlauf, nur wenige Kilometer unterhalb der Quelle, sind Brücken zerstört und Häuser beschädigt worden. Je weiter Fluss abwärts, umso größer sind die Schäden. Auch im Sichtfeld unserer Cam fließt die Ahr nun in einer blankgeputzten Fels- und Geröllrinne.

Alles Erdreich und das gewohnte Grün am Ufer sind verschwunden, fast nichts ist so geblieben wie zuvor. Das Leben am und im Fluss wird in weiten Bereichen von vorne beginnen müssen. Viele Menschen haben Angehörige verloren, stehen vor dem finanziellen Ruin oder sind traumatisiert, kehren dem Tal den Rücken zu oder fragen sich zumindest, ob es einen Sinn hat nochmals neu anzufangen. Wie hoch ist das Risiko von weiteren Fluten? Suchen sie aufgrund von Klimaveränderungen das Ahrtal nun häufiger heim? Nach 1601, 1804 und 1910 gab es erst 2016 ein sogenanntes „Jahrhunderthochwasser“.

Die letzten Aufnahmen unserer Webcam zeigen wie die braunen Fluten immer weiter ansteigen, wie Treibgut die Brücken rammt, wie Container einen Weg über oder unter der Brücke nehmen. Danach beendete der Stromausfall weitere Aufnahmen. Dann wurde die für die Übertragung des Live-Streams notwendige Elektronik überflutet und unter einem halben Meter Schlamm begraben. Das Haus, in dem die Cam an das Internet angeschlossen war, stand – obwohl etwas höher gelegen – bis Oberkante Erdgeschoss im Wasser. Strom-, Kanal-, Wasser- und Telekommunikationsnetz sind nur noch in Relikten vorhanden.

Es gibt noch keine Schätzung, wann diese Infrastruktur wieder funktionieren könnte. Die größeren Siedlungen an der Ahr werden möglicherweise vorrangig wiederhergestellt. Dennoch werden wir irgendwann mit unserer Cam wieder auf Sendung gehen und neben den Uhus auch Zeichen des Wiederaufbaues sehen können. Bitte schauen Sie von Zeit zu Zeit, ob die Cam vielleicht schon wieder läuft.

Immer noch fassungslos über das Ausmaß dieser Katastrophe

Ihr Stefan Brücher

Uhubestand und invasive Arten

26. Mai 2021|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
mit ein paar Tagen Abstand und nach dem Lesen von einigen Hundert Zuschriften möchte ich heute noch einige Informationen nachtragen:

Manche Zuschauer äußerten die Sorge, der Waschbär wäre mit dem Vorgang der Beringung möglicherweise auf die Spur des Uhunestes gebracht worden. Doch in dieser Hinsicht besteht kein Grund zur Sorge, denn den Uhubrutplatz erkletterte ich von unten her, der Waschbär aber kam von oben. Waschbären suchen ihre Nahrung auch geruchsorientiert, und Uhunester riechen sehr stark. Selbst für mich ist dieser Geruch oft schon viele Meter „gegen den Wind“ wahrzunehmen. Für Waschbären und Füchse ist die Fahne vom Uhunest sicherlich schon auf große Entfernung leicht zu bemerken. Zusätzlich können auch Marder und Dachse durch starken Geruch auf Uhunester aufmerksam werden. Mit diesem Risiko leben Uhus seit Jahrtausenden.

Im Laufe der Evolution war es jedoch anscheinend kein zu großes Risiko für die Uhubruten. Die Uhus hätten dagegen aber auch nicht viel unternehmen können. Zu Beginn der Brutzeit fressen die Uhuweibchen nicht im Nest; sie koten dort auch nicht. Die ersten Gerüche entstehen erst nach dem Schlupf. Dann haben die Uhus keine Möglichkeit, Gerüche zu verhindern. In einem bestimmten Zeitraum der Jungenaufzucht entfernen die Uhuweibchen die abgefressenen Skelette der Nahrungstiere. Dies konnten wir vor der Webcam schon mehrfach beobachten. Die Uhus versuchen möglicherweise auf diese Weise eine starke Geruchsentwicklung zu vermeiden. Bei anderen Vogelarten ist es ähnlich: Zu Beginn der Brut entfernen z.B. auch Singvögel den Kot der Jungen, aber später können sie die Menge nicht mehr abtransportieren und die Kleinen koten einfach aus dem Nest oder aus der Bruthöhle. Es ist dann eine verräterische Phase, die mit Glück überstanden werden kann oder auch nicht.

Warum war Lotte nicht zur Stelle?
Zu Beginn unserer Webcam-Übertragungen ab 2008 war Lottes Leben etwas leichter. Ihr damaliger Brutpartner Heinzl brachte deutlich mehr Nahrung ins Nest als Leo. Deswegen konnte Lotte viel intensiver auf die Jungen auspassen. Heinzl zeigte auch noch andere Fähigkeiten, die wir bislang bei Leo nicht gesehen haben. Heinzl brachte regelmäßig Jungfüchse ins Uhunest. Dann hatte die Familie für mehrere Tage genug Nahrung. Auf diese Weise schaltete er einen Konkurrenten um die gleiche Nahrung aus, der auch nicht mehr für Nachwuchs sorgen konnte. Erst in den Jahren mit Leo musste Lotte abwägen, ob sie sich auf den Jagderfolg des Männchens verlassen und umso mehr aufpassend bei den Jungen sein kann oder bei Nahrungsmangel selbst jagen muss. Mehrere Jahre in Folge entschied sie, die Jungen viel früher als in erster Ehe alleine zu lassen. Diese Entscheidungen waren bisher richtig. Ohne ihre Beteiligung an der Jagd wären in den vergangenen Jahren Küken verhungert. Sehr oft dachte ich, „hoffentlich geht das gut“ und befürchtete, „das wird nicht immer gutgehen“.

Trauert Lotte?
Im aktuellen Videorückblick sind drei Videos von Lottes Rückkehr nach der Waschbärenattacke zu sehen. Diesen Aufnahmen nach zu urteilen, realisiert Lotte das Verschwinden der Jungen nicht wirklich. Sie frisst an den Überresten ihrer Jungen, und kurz darauf sucht sie wieder nach den Küken und „tuckert“, um sie zur Fütterung anzulocken. Erst im Laufe der Tage flaut das „Programm Jungenaufzucht“ allmählich ab. Dies ist kein sonderlich intelligentes Verhalten. Nach meinem Dafürhalten sollten wir nicht zu viele Regungen, wie wir sie von höheren Säugetieren oder anderen besonders intelligenten Arten kennen, in Lotte hineininterpretieren. Wir laufen Gefahr, zu viel aus unserer Welt in die der Uhus zu übertragen.

Neue Brutnische?
Unser langjähriges Monitoring von mehreren tausend Uhubruten liefert keinen statistisch eindeutigen Hinweis auf einen Brutplatzwechsel als Reaktion auf Brutverluste. Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass Lotte und Leo wegen der erfolgten Waschbärattacke im nächsten Jahr einen anderen Brutplatz wählen. Es gab kein traumatisches Schreckerlebnis im Nestbereich, das sich beiden nachhaltig eingeprägt haben könnte. Es scheint so, als würde sich Lotte dort nach wir vor ausreichend sicher fühlen. Sie schien nach der Attacke die Umgebung genau zu betrachten, konnte jedoch nichts Gefährliches bemerken.

Geschlechter bestimmt
Übrigens: Die beiden Lottekinder waren laut Laborbefund Männchen. Der Größenunterschied der beiden hätte also bei einer anderen Geschlechterverteilung noch größer oder auch deutlich kleiner ausfallen können. Sie wissen ja: Bei den Uhus sind die Weibchen das starke Geschlecht.

Wie sieht es bei anderen Uhus aus?
Bei vielen Uhupaaren in der Eifel läuft die Brutsaison 2021 gut; manche haben auch Glück im Unglück: Bei Kall geriet ein Uhuweibchen nachts  in einen stromlosen Schafszaun. Es wurde daraus erst am nächsten Nachmittag befreit. Wir haben zwei ihrer Jungen aus dem Nest geholt und zusammen mit der Uhumutter in eine Pflegestation gebracht. Hoffentlich können wir sie bald wieder zurück in ihren Steinbruch bringen und dort freilassen.

Der Uhubestand kann anscheinend viel verkraften
In den vergangenen Jahren machte ich eine Beobachtung, die mir mehr Sorgen bereitet als die Brutverluste durch Fressfeinde: An manchen seit über 30 Jahren dauerhaft von Uhus besiedelten Brutplätzen fand ich keinerlei Anzeichen für die Anwesenheit der großen Eule. Zuvor hatte es zwar an fast allen Brutplätzen einmal Jahre ohne Bruten gegeben. Möglicherweise waren auch einmal Brutpartner gestorben, aber immer blieb zumindest einer im Revier, und im Folgejahr gab es wieder Bruten oder Brutversuche. Das Fehlen jeglicher Anzeichen für eine Anwesenheit von Uhus in diesen für Uhus attraktiven Steinbrüchen gab mir Rätsel auf. Offenbar waren beide Brutpartner spurlos verschwunden. Manchmal wurden aber auch tote Uhuweibchen an  Brutplätzen gefunden. Am ehesten könnte eine ansteckende Krankheit die Dinge erklären. Vielleicht das Usutu-Virus? Im Kölner Zoo hatte es in kürzester Zeit alle nordischen Eulenarten ausgelöscht. Den Uhubestand konnte dieses Phänomen jedoch nicht wirklich verringern. Auch im Jahr 2021 wurden  zusätzlich neue Areale  besiedelt.

Auch andere gebietsfremde Arten verringern den Bruterfolg von Uhus in der Eifel
Zusätzlich zum  Waschbär registriert die EGE seit einigen Jahren regelmäßig auch durch Nilgänse und Mufflons ausgelöste Brutaufgaben. Mufflons werden von der Jägerschaft ungeachtet der gesetzlichen Vorgaben geduldet und auch gezielt ausgesetzt um „eine zusätzliche attraktive jagdbare Art im Revier zu haben“. Diese Wildschafe lassen in manchen Felsen keinen Flecken unberührt und laufen durch die Brutnischen des Uhus.

Auch Nilgänse vertreiben brütende Uhuweibchen aus ihren Nestern.

Wenig Bemühungen gegen die invasiven Arten
Es gibt bei dem Thema invasive Arten Bestrebungen von Bund und Ländern, die Ausbreitung dieser Arten zu begrenzen. Zu diesen Arten zählt der Waschbär. Während aber die invasiven Arten Bisamratte und Nutria systematisch bekämpft werden, bleibt der Waschbär zumeist unbehelligt. Bisamratten und Nutrias unterminieren mit ihren Bauen Hochwasserschutzdämme und gefährden so die landwirtschaftliche Nutzung und Siedlungsflächen. Für die Nutria- und Bisambekämpfung unternehmen die staatlichen Stellen dieser wirtschaftlichen Schäden wegen durchaus einige Anstrengungen. Im Falle des Waschbären sind es vor allem ökologische Schäden, die aber mindestens genauso systematisch abgewehrt werden sollten wie wirtschaftliche Schäden. Hier ist dringend ein Umdenken erforderlich. Immerhin wurden aber 2019/2020 in Deutschland mehr als 200.000 Waschbären erlegt. Aus den Bestandsschätzungen von 2013 und 2018 ergibt sich eine Verzehnfachung auf 1,3 Millionen. Rechnerisch wäre also 2019/2020 ca. jeder achte Waschbär getötet worden. . Inwiefern diese „Entnahmen“ überhaupt eine Wirkung haben und sinnvoll sind wird nicht in Frage gestellt .

Mit einer Begrenzung oder gar Verringerung der vermutlich weit unterschätzten Bestände ist wohl nicht zu rechnen.

Ich hoffe, Sie haben weiterhin Interesse an der Uhucam und auch im kommenden Jahr den Mut, die Uhus zu beobachten. Auch zwischen den Bruten sind manchmal schöne Beobachtungen möglich. Die Cam läuft das ganze Jahr hindurch.

Ich trauere immer noch etwas über das plötzliche Ende dieser Jungenaufzucht und schaue dennoch zuversichtlich nach vorne. Im Bemühen den Uhu zu schützen werden wir nicht nachlassen.

Ihr Stefan Brücher

Fragen & Antworten zum Waschbären

19. Mai 2021|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
Ihnen allen und für jede Zuschrift zu den traurigen Ereignissen vom 18. Mai danke ich Ihnen herzlich. Wir sind so traurig wie Sie. Bei meiner heutigen Beringungstour durch die Eifel begleitete mich ein mehr als flaues Gefühl in der Magengrube. Umso mehr beeindruckt und ermutigt mich die Vielzahl der Zuschriften und der Zuspruch, der darin zum Ausdruck kommt. Herzlichen Dank dafür!

Im Zusammenhang mit der Waschbärenattacke tauchen viele Fragen auf. Manche lassen sich beantworten, einige aufgrund fehlender Erkenntnisse nicht:
Wie stark sind die Eifeluhus von Waschbären bedroht? Aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es in der Eifel seit vielen Jahren eine große und stetig wachsende Waschbärenpopulation. Bereits 2017 bemerkten wir das Verschwinden von Junguhus an einigen Brutplätzen. Es schien, als hätte ein knappes Nahrungsangebot die Uhuweibchen dazu gezwungen, ihre noch recht jungen Küken alleine zu lassen, um die Versorgung zu sichern. Dies bot Fressfeinden die Gelegenheit. Nun haben wir eine solche Situation miterlebt.

Soweit wir die Gefahr von Waschbären für die Uhubruten bisher überblicken, unterscheidet sie sich etwas von der Gefahr durch Füchse. Das Temperament von Waschbären ist sicherlich dickfälliger, problematisch ist auch ihre Nahrungssuche in der Gruppe. Erst vergangene Woche berichtete mir ein Uhuschützer aus dem Bergischen Land von seinen Beobachtungen mittels Wärmebildfernglas: Drei Waschbären versuchten ans Uhunest zu kommen und nutzten dabei geschickt die Deckung von Sträuchern. Nur wo die Uhus freien Anflug hatten, konnten sie den Fressfeind abwehren. Trotz der Hartnäckigkeit der Waschbären gelang es den Uhus dieses Mal, ihre Jungen zu schützen. Zeit für die Jagd hatten die Uhus in dieser Nacht kaum, das Weibchen jagte nicht.

Die Uhupopulation ist sehr dicht. Die Eifel ist ein Dichtezentrum der Uhus in Deutschland. Über ihren Fortbestand mache ich mir keine ernsten Sorgen. Manche Brutplätze sind für Waschbären gut erreichbar andere weniger. In manchen Uhurevieren ist viel Nahrung verfügbar. Dann können die Weibchen länger auf ihre Jungen auspassen. Immer wieder habe ich gesehen, wie gut Uhus vielen Herausforderungen gewachsen sind. Oft habe ich mir Sorgen gemacht und noch häufiger habe ich festgestellt, dass die Uhus mehr können und besser sind als wir ihnen zutrauen.
Lotte wird in diesem Jahr nicht noch einmal Eier legen. Nachgelege machen Uhus nur, wenn ihr Erstgelege in den ersten Wochen der Bebrütung scheitert.

Lotte fraß an den Überresten der Jungvögel und schluckte dabei einen Fuß mit Ring. Da Uhus auch relativ große Schädel von Beutetieren komplett verschlucken und diese dann als Gewölle wieder ausspeien, mache ich mir darüber keine Sorgen.

Brutplätze in Felsen vor Waschbären zu schützen, ist kaum möglich.

Uhus können Waschbären abwehren, vielleicht sogar töten. Aber die Uhus müssen den Angreifer rechtzeitig wahrnehmen. Meines Wissens wird man die Waschbären in Deutschland auch mit rigoroser Bekämpfung vermutlich nicht durchgreifend zurückdrängen können. Waschbären leben in sozialen Verbänden und unterliegen einer internen Geburtenkontrolle. Im Normalfall bekommen nur mehrjährige Weibchen Nachwuchs. Werden diese z.B. durch Fang oder Abschuss getötet, vermehren sich auch alle jüngeren und besetzen die Leerstellen.

Der Waschbär ist in Deutschland eine aus Nordamerika vom Menschen eingeschleppte Art, die im letzten Jahrhundert aus Gefangenschaftshaltungen entwischt sich in den heimischen Ökosystemen etabliert hat. Den Waschbären fällt eine große Zahl Individuen bei uns heimischer, auch bestandsbedrohten Arten zum Opfer. Dazu zählen nicht nur Vögel, sondern auch Amphibien, Reptilien und andere Artengruppen.

Manche Bereiche unserer Natur sind den Waschbären noch viel schutzloser ausgesetzt als wir es bei unseren Uhus beobachten können. Lutz Dalbeck von der Biologischen Station in der Nordeifel berichtete beispielsweise von wahren Massakern an flachen Teichen. Hunderte angebissene Amphibien lagen am Ufer. Nur die leckersten Teile waren herausgebissen, viele Tiere lebten noch ein bisschen. Sie hatten den Instinkt, sich bei Gefahr im Schlick zu verstecken, ein für die europäischen Fressfeinde wirksames Verhalten. Waschbären jedoch Tasten den Schlick durch und finden so jedes Leben. Wenn sie in der Gruppe Nahrung suchen, können sie ganze Teiche leeren.

Am Abend des 18. Mai kam der Waschbär erneut ins Uhunest und fraß an den Überresten der Uhus. Lotte und Leo waren offensichtlich wieder nicht in der Nähe und bemerkten den Fressfeind auch dieses Mal nicht. Später kamen sie mit Nahrung und fanden keine Abnehmer dafür. Es scheint so, als benötigen sie noch etwas Zeit, um die Situation zu realisieren. Was wir begreifen nennen, ist ihre Stärke nicht und dennoch sind sie auf ihre Weise unglaublich gut.

Keinesfalls möchte ich Ihnen ans Herz legen, die Videoaufnahme vom Zugriff der Waschbären anzusehen. Vorenthalten möchte ich Ihnen dieses Dokument gleichwohl nicht. Es ist aber nichts für schwache Nerven. Hier geht es zum Video.

 

Ihr Stefan Brücher

Beide Junguhus vom Waschbären gefressen!

18. Mai 2021|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
der die Beringung betreffende Tagebucheintrag ist nun hinfällig geworden. In der vergangenen Nacht hat ein Waschbär beide Junguhus gefressen.

Für die Eifel ist dies der erste Nachweis, es ist jedoch gut möglich, dass viele der uns bekannten Brutaufgaben diese Ursache haben. Es als „natürlich“ anzusehen, fällt mir etwas schwer. Waschbären sind durch Menschen nach Europa eingeschleppt worden, die einheimischen Arten haben keine gewachsenen Strategien, um mit dieser Gefahr umzugehen.

Die diesjährige Webcam-Saison endet nun schlagartig.

Etwas schockiert,
ihr Stefan Brücher

 

 

Beringung der jungen Uhus

16. Mai 2021|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
den beiden Junguhus geht es gut.

Der große Jungvogel wiegt 1.350 g, der kleinere 1.050 g. Der Gewichtsunterschied entspricht dem Größenunterschied der beiden. Beide sind ähnlich und erstaunlich gut genährt.

Der Bauch des kleineren war so prall gefüllt, dass ich befürchtete, beim Anfassen mit einem Schwall warmer Flüssigkeit begrüßt zu werden. Offensichtlich hatte K2 in der Nacht zuvor einiges von der Beute abbekommen. Eine Geschlechtsbestimmung der beiden traue ich mir nicht zu. Daher habe ich heute (17.05.2021) je eine Flaumfeder der Jungen zwecks Geschlechtsbestimmung an ein Labor in Bielefeld geschickt. Ich bin gespannt auf das Ergebnis und werde berichten. Weitere Auffälligkeiten gab es anlässlich der Beringung nicht.

Ganz im Gegensatz zur Beringung an einem zweiten Ort am letzten Sonntag: An diesem weiteren Brutplatz an der Ahr hatte ich noch sechs Tage zuvor mit dem Fernrohr zwei stattliche Junguhus im Nest sitzen sehen. Nun fehlte jedoch einer spurlos; auch die Suche unter dem Felsen blieb ergebnislos. Nahrung war im Nest ausreichend vorhanden, und das verbliebene Geschwister war auch gut genährt. Die Verlustursache bleibt unbekannt.

Bei unserer Uhufamilie vor der Webcam indessen scheint alles in Ordnung zu sein.

Ich wünsche Ihnen schöne Beobachtungen.

Ihr Stefan Brücher

Lotte ist in der Nähe!

12. Mai 2021|

Kein Grund zur Sorge, Lotte ist in der Nähe! Die Beringung ist für diesen Sonntag, den 16. Mai 2021 geplant.

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
bei unserer Uhufamilie läuft alles so, wie wir es aus den Vorjahren schon kennen. Ab dem Alter von ca. vier Wochen sitzen die Junguhus häufiger nicht mehr in direkter Tuchfühlung mit ihrer Mutter. In den vergangenen Tagen konnten wir auch beobachten wie Lotte Fütterungen außerhalb der eigentlichen Brutnische anbot. Die Jungen zögerten jedoch noch, ihren bisher kleinen Aktionsradius zu verlassen.

Auch wenn sich Lotte nicht im Sichtbereich der Cam aufhält, ist sie oft doch ganz nah. Auch akustisch hält sie mit unauffälligen Tönen Kontakt zu ihrem Nachwuchs. Am heutigen Mittwoch (12. Mai) konnten wir frühmorgens ein kleines Wackeln der Cam bemerken. Lotte landete offensichtlich auf dem Gehäuse.

Die Nahrungsversorgung war in den vergangenen zehn Tagen recht gut. Bisher wurden auffallend viele Tauben, ein Mäusebussard, Krähen und Kaninchen erbeutet. Einmal haben wir den Uhus zusätzlich ein überfahrenes Kaninchen zukommen lassen.

Es ist nicht ganz leicht, für die Beringung der sehr unterschiedlich großen Uhu-Geschwister den geeignetsten Zeitpunkt zu finden. Ich hoffe, am kommenden Sonntag gegen 12 Uhr (sofern das Wetter es zulässt) auch den Kleinsten beringen zu können.

In der Nachbarschaft unserer Uhus fehlt nach wie vor das Brutpaar ahrabwärts. Die Nachbarn ahraufwärts haben drei dicke, schwere Junge. Als ich diese vor einigen Tagen beringte, fand ich erstmals einen jungen Graureiher im Beutedepot. Es scheint, als hätten diese Uhus nun die Graureiherkolonie in gut ein Kilometer Entfernung als Ressource entdeckt.

Endlich ist auch in der Eifel der Frühling angekommen. Die Bäume werden schlagartig grün und das Leben explodiert. Ich hoffe, unsere Uhus können dies mit weiterhin ausreichendem Jagderfolg nutzen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Stefan Brücher

Das kleinste Küken ist gestorben

29. April 2021|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
das kleinste Küken ist heute (29.4.) gestorben. In den vergangenen Tagen war die Nahrungsversorgung zwar gar nicht so schlecht, aber dennoch bekam „K3“ nur sehr wenig ab.

Die Geschwister waren im Futterannehmen schon sehr geübt, konnten sich besser nach vorne drängeln und auch schon eine ganze Maus am Stück hinunterschlucken. Das kleinste und noch blinde Küken hatte zu oft das Nachsehen und auch die besonders niedrigen Temperaturen haben seine Lage erschwert.

Lotte legte das gestorbene Küken zuerst zur Seite und wartete noch, bis sie es an die Geschwister verfütterte. Nichts wird verschwendet. Mir scheint, Lotte ließ dieser Entwicklung ihren Lauf, ohne gezielt dagegen zu handeln. In ungezählten Jahrtausenden der Evolutionsgeschichte hat sich dieses Verhaltensmuster eingeprägt; es ist für Uhus das instinktiv richtige.

Mit freundlichen Grüßen, doch auch etwas bedrückt
Ihr Stefan Brücher

Nr. 3 ist geschlüpft

18. April 2021|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

am Freitagabend (16.04.) hörten wir während Lottes Abwesenheiten auch ein Lebenszeichen aus dem dritten Ei. Es wurde ja vermutlich etwa eine Woche nach dem ersten Ei gelegt, und das Küken sollte daher spätestens zu Beginn der neuen Woche schlüpfen. Am heutigen Sonntagvormittag (18.4.) konnten wir beobachten wie Lotte eine Eierschale gefressen hat. Ein sicheres Zeichen für den Schlupf des dritten Kükens, und auch beim genauen Hinhören können wir eindeutig drei Stimmen feststellen.

Bisher ist Leo bei der Nahrungsbeschaffung recht erfolgreich. Stockente, Ratte und viele Mäuse standen auf dem Speiseplan. Es scheint, als würde Lotte die kleinen Mäusehappen selbst verschlucken und zur Fütterung die größeren Beutetiere verwenden. Leo versuchte auch schon mehrmals Mäuse direkt den Jungen zu geben. Und wie wir es schon aus den Vorjahren kennen, verhinderte Lotte dies energisch.

Inwiefern Leo bevorzugt Mäuse erbeutet, um diese direkt verfüttern zu können oder ob er einfach nur jede Gelegenheit zum Jagderfolg nutzt, können wir nicht beurteilen.
Die für die jetzige Jahreszeit kontinuierlich zu niedrigen Temperaturen bremsen die gesamte Entwicklung der Natur und damit auch die Vermehrung der potentiellen Nahrungstiere unserer Uhufamilie. Eine deutliche Erwärmung ist für die nächsten Tage wohl leider nicht in Sicht. Immerhin sind die Mäusebestände offensichtlich relativ hoch; sie könnten zumindest vorerst eine Notversorgung sichern.

Ich hoffe auf Leos Lernkurve und guten Jagderfolg und wünsche uns schöne Beobachtungen der bis ungefähr zum zehnten Lebenstag noch blinden Uhuküken.

Ihr Stefan Brücher

Wann schlüpft das erste Küken?

11. April 2021|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
nun wird es langsam spannend. Der Schlupf des ersten Kükens kann jederzeit beginnen.

Obwohl das zweite Uhuweibchen immer wieder etwas Unruhe in das Brutgeschehen brachte, sollten das Gelege Lottes gelegentliche oder erzwungene Abwesenheit doch gut überstanden haben. Am späten Samstagabend konnten wir erstmalig ein Piepsen aus einem der Eier hören. Auch scheint eine Schale schon angepickt zu sein.

Die innerartliche Konkurrenz kann bei manchen Tierarten, die wie Uhus am Ende der Nahrungskette stehen, die Reproduktion reduzieren. In den besonders attraktiven Lebensräumen der Dichtezentren können nachdrängende revierlose Tiere den Brutablauf der Alteingesessenen empfindlich stören. Die Auseinandersetzungen zwischen den Artgenossen können dabei auch „handgreiflich“ werden und sogar tödlich enden. Bei Uhus haben wir dies schon beobachten können. Und brütende Wanderfalken können von störenden Falken derart oft zum Verlassen der Gelege veranlasst werden, dass es letztlich keinen Bruterfolg gibt. Ansatzweise gab es solche Vorkommnisse auch bei Lotte: In einer Nacht mit Besuch eines fremden Weibchens verließ Lotte das Gelege elfmal. Häufiger als wir es jemals zuvor registriert haben. Mit 42 Minuten war die längste Abwesenheit jedoch nicht länger als wir es in anderen Jahren schon beobachten konnten.

Ungewöhnlich war hingegen eine Paarung zwischen Leo und Lotte noch in der dritten Woche nach Brutbeginn. Könnte dies Lottes Reaktion auf die Konkurrentin sein? Stärkt sie so die Paarbindung? Macht sie so der Konkurrentin und Leo ihren Anspruch auf den Brutpartner und das gemeinsame Revier deutlich?

Die meisten Uhupaare in der Eifel haben mit der Brut begonnen. In vier Fünftel der uns bekannten Reviere konnten wir brütende Uhus beobachten; es könnte hinsichtlich der Jungenanzahl ein ähnlich gutes Jahr werden wie 2015. Die Mäusebestände sind vielerorts hoch. Falls das Frühjahr nun durchstartet, haben die Uhus gute Chancen ihren Nachwuchs ausreichend mit Nahrung versorgen zu können.
Warten wir es ab.

Ich wünsche Ihnen spannende Beobachtungen für die nächsten Tage.

Stefan Brücher

Das dritte Ei

16. März 2021|

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

heute Mittag legte Lotte nun doch noch ihr drittes Ei. Unserer Erfahrung nach ist die Nahrung in Lottes und Leos Revier begrenzt. So gesehen sprechen drei Eier für eine eher optimistische Familienplanung. Wie wir im vergangenen Jahr beobachten konnten, kann jedoch auch ein Ei zu Schaden kommen. Vielleicht hat Lotte instinktiv und vorsichtshalber ein Ei mehr gelegt. Auch wenn sie ein drittes Küken vielleicht nicht wird durchbringen können?

Lotte brütet zwar erst seit einer Woche, aber schon in dieser kurzen Zeit fehlte es nicht an Gefahren: Mehrfach tauchte ein fremdes Uhuweibchen am Brutfelsen auf. Lotte verließ daraufhin ihr Gelege, um ihr Hausrecht zu verteidigen. Nach einem Ruf-Duell kam Lotte mit etwas gesträubtem Gefieder und einer das Gelege beschützenden Körpersprache zurück in die Brutnische. Möglicherweise war auch ein zweites Männchen am Felsen.

 

Was ist mit den Nachbarn?

Bei meinen Kontrollen der anderen Uhubrutplätze an der Ahr konnte ich schon vor zwei Wochen brütende Uhus feststellen. Das Nachbarpaar ahrabwärts brütet jedoch bis heute nicht. Dort fehlt von Uhus jede Spur. Keine Beutetierreste, kein „Uhuschiss“; es sieht so aus, als wäre das Revier verwaist.

Ein Zusammenhang mit den Fremduhus in Nähe der Webcam wäre durchaus logisch: Wenn ein Paar aus der unmittelbaren Nachbarschaft verschwindet, gerät das traditionelle Gefüge zwischen benachbarten Paaren ins Wanken. Es ist die Chance für Neuankömmlinge. Sie bemerken einen Freiraum zwischen den verbliebenen etablierten Paaren und testen auf der Suche nach den besten Brutplätzen ihre Möglichkeiten aus. Dabei ist eine gewaltsame Übernahme des Revieres von Lotte und Leo aber unwahrscheinlich, weil ja nun ein vermutlich freies Revier angrenzt.

Uns wurde bisher kein toter Uhu in der Gegend gemeldet. Daher kennen wir die Ursache für das Verschwinden des Nachbarpaares nicht. Oder war ich bei der Suche nach den Nachbarn nur nicht gründlich genug? Warten wir es ab.

Unseren Uhus wünsche ich den baldigen Einzug des Frühlings, damit es zur Jungenaufzucht ausreichend Nahrung gibt. Und Ihnen, liebe Uhufreundinnen und -freunde wünsche ich viel Vergnügen beim Zusehen. Apropos Zusehen: Glücklicherweise konnten wir einen zweiten Sponsoren finden, der die Aufrechterhaltung der Cam fördert: Die „EifelStiftung“ unterstützt die Uhuwebcam in diesem Jahr! Vielen, vielen Dank dafür!!

 

Ihr

Stefan Brücher

 

Liebe Besucherinnen und Besucher,

gerne machen wir Sie darauf aufmerksam, dass sich der Umzug der Webcam-Seiten noch in der finalen Phase befindet. Wir arbeiten derzeit daran, die letzten Inhalte der alten Instanz auf diesen neuen Seiten erreichbar zu machen, damit Sie ein optimales Nutzererlebnis genießen können. Die bisherigen Seiten sind bis dahin noch immer hier zu erreichen.

Bei Fragen oder Anregungen können Sie uns jederzeit kontaktieren – wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören!

Herzliche Grüße
Das Team der EGE

Haben Sie weitere Fragen zur Arbeit der EGE? Wir stehen gerne zur Verfügung!

Haben Sie weitere Fragen zur Arbeit der EGE?
Wir stehen gerne zur Verfügung!

Haben Sie weitere Fragen zur Arbeit der EGE? Wir stehen gerne zur Verfügung!

Nach oben