„Hat disch de Annemie erreischt?“, fragt mich Peter am Telefon. „Nä“, antworte ich. „Wieso?“
Im Raum Zülpich, bei Annemie und Franz auf einem Aussiedlerhof, lebt ein Steinkauzpaar und in der großen Kiefer neben ihrem Haus nisten Mäusebussarde. Bei jeder Röhrenkontrolle der Steinkäuze geht auch ein Blick nach oben in die Kiefer.
Am 16. Mai freuen wir uns darüber, dass das Bussardweibchen offensichtlich hudert. Die stattliche Kiefer hat wunderbare Kletteräste. Wir streifen um sie herum – ist sie kletterbar? Wie gerne würden wir die Bussardjungvögel beringen!
Am Nachmittag des 25. Mai sind wir wieder unterwegs zur Bussardkiefer. Klettergeschirr, Seil, der berühmte Uhurucksack und die richtigen Ringe im Gepäck. Franz und Annemie sind begeisterte Zuschauer, als ein mutiger und gewandter Kletterer es bis zum Horst schafft. Zwei Bussardjungvögel kommen vorsichtig und sicher zu uns herunter. Der Dritte ist bis an den äußersten Horstrand zurückgewichen und so nicht ohne Risiko zu fangen. Also bleibt er ungefangen und unberingt sicher sitzen, wo er ist. Das war ein schönes kleines Abenteuer und beschwingt fahren wir wieder nach Hause. Annemie und Franz versprechen, die Bussardfamilie im Auge zu behalten.
Am Morgen des 3. Juni fallen ihnen die Bussardkinder nicht nur ins Auge, sondern leider auch vor die Füße. In der Nacht gab es ein heftiges Unwetter und der Horst samt den Jungvögeln ist aus der Kiefer gestürzt. Der Jüngste hat den Sturz nicht überlebt. Die zwei Älteren haben es irgendwie geschafft, auf dem Horst nach unten zu segeln und ihren Aufprall abzufangen. Annemie braucht also Rat, bis wir kommen und die Lage richten! „Setz die Jungvögel in einen Karton und stell diesen gut sichtbar in den Hof, damit die Altvögel sehen, dass die Kinder noch da sind!“ „Wir kommen so schnell es geht!“, verspreche ich. Tatsächlich bleiben die Altvögel in der Nähe und versuchen sogar, ihre Nachkommen in dem Karton zu füttern.
Eigentlich habe ich am Nachmittag einen Zahnarzttermin … nun ja, ich habe gute Zähne und so sage ich den Kontrolltermin kurzerhand ab. Dann geht’s los: Wir wollen ein Körbchen als Kunsthorst in der Kiefer installieren. Wo bekomme ich jetzt ein Körbchen her? Im JYSK werde ich fündig, im Baumarkt besorge ich noch einen Sack Rindenmulch – dann ab nach Zülpich. Stefan kommt mit Nils aus Nideggen von der Uhutour direkt zum Bussardeinsatz.
Verschwitzt und überrascht finden wir eine findige Notlösung für die Bussardkinder vor. Die kluge, kluge Landwirtsfrau hat mit ihrem Franz den Horst inklusive der Jungvögel in den Rhododendronstrauch, der direkt unter der Kiefer steht, platziert. Von dort schauen uns die zwei jungen Bussarde aufmerksam an.
Ab jetzt ist es „wie immer“. Stefan klettert in den Baum und montiert den JYSK-Horst, füllt ihn mit Rindenmulch und Material aus dem originalen Horst. Ich beringe den dritten Jungvogel im Bunde und dann kommt der große Moment: ab in den Uhurucksack und nach oben!
Die Altvögel machen sich zwischendurch immer wieder durch Rufe bemerkbar. Dann sind alle wieder wohlbehalten dort, wo sie sein sollen: die Bussardkinder oben in der Kiefer, Stefan unten am Boden. Bei einem gemeinsamen Kaffee freuen wir uns über die gelungene Rettungsaktion und die gute Zusammenarbeit.
Am Morgen des 4. Juni berichtet Annemie, dass die Altvögel unverzüglich zum Füttern der Kinder gekommen sind. Großartig! Vor Kurzem berichtete sie, dass die ganze Bussardfamilie immer noch um den Hof herum zu sehen ist.
Glaubt ihr’s nicht? Aber genauso ist’s gewesen 😉







